APOV
Ich bin schon bei meinem sechsten Glas, als ein eher schmächtiger Typ mit einer dicken Brille auf mich zu kommt und auf den freien Platz neben mir deutet. Ich nicke und mache eine Handbewegung, um ihn auf diesem Sitz willkommen zu heißen. Er bestellt sich auch einen Drink und stürzt ihn sogleich hinunter.
„Und? Versuchst du auch zu vergessen, so viel wie du trinkst?", fragt er mich während er dem Barkeeper deutet, ihm nach zu schenken.
„Auch. Und ich möchte die Schmerzen in meinen Füßen betäuben", antworte ich ihm und kichere. Oh Mann, ich habe schon mächtig einen sitzen. Nichts desto trotz bestelle ich noch einen Drink beim Barkeeper.
„Wie heißt er und was hat dieser Trottel dir angetan?", fragt er mich und stürzt den nächsten Drink hinunter. Danach hebt er zwei Finger und der Barkeeper schenkt mir auch noch einmal nach.
„Chris und er wird bald heiraten. Und zwar nicht mich", sage ich und probiere auch, den Drink auf einmal hinunterzustürzen. „Und was ist mit dir?", frage ich ihn neugierig. Irgendwie ist mir der Typ sympathisch. Er könnte mein Saufkumpel werden. Das wäre doch lustig.
„Marie Arschloch Fisher. Sie tanzt dort drüben mit meinem besten Freund. Die heiße Biene dort im roten Kleid", sagt er und deutet auf eine Blondine, die sich anzüglich an einem Typen reibt.
Ich trinke mein Glas leer, nehme sein Glas, trinke das auch noch aus und nehme seine Hand. „Ach, mit der kann ich es locker aufnehmen", höre ich mich sagen und schon zerre ich ihn auf die Tanzfläche, ganz in der Nähe von seiner Angebeteten. Ich beginne, mich lasziv zur Musik zu bewegen und spüre, wie der Alkohol die Steuerung meines Körpers übernimmt - sonst könnte ich mich nie so koordiniert bewegen. Ich kichere und schlinge meine Arme um seinen Nacken, während ich beginne, an seinem Ohrläppchen zu kauen. Er legt seine Arme um meine Taille und ich finde das so süß, wie er sich kaum traut, mich zu berühren. Also nehme ich seine Hände und lege sie auf meinen Arsch, während ich mich daran mache, ihm einen Knutschfleck an seinen Hals zu zaubern und meinen Po im Rhythmus zu bewegen. Auf einmal werde ich von ihm weggerissen und eine fuchsteufelswilde Marie starrt mich entsetzt an.
„Was soll der Scheiß?", fragt sie wutentbrannt.
„Hey, ich war hier noch nicht fertig! Stell dich hinten an!", lalle ich und stupse sie weg. Dann mache ich einen Schritt auf den Typen zu und verpasse ihm einen Zungenkuss, der sich gewaschen hat.
Marie tobt, reißt meinen Tanzpartner von mir weg und schleift ihn von der Tanzfläche hinter sich her; zudem wirft sie mir einen vernichtenden Blick zu. Schade, ich kenne nicht einmal seinen Namen.
Ich kichere und gehe zurück zur Bar. Irgendwie war das total lustig und ich möchte das gleich noch einmal machen. Also setze ich mich an die Bar und bestelle noch einen Drink. Da kommt auch schon ein gut aussehender Jüngling meines Weges und ich lächle ihn verführerisch an.
„Hey Süßer, zu dir oder zu mir?", frage ich mutig.
„Das ist überhaupt nicht witzig, Ana!", sagt er und ich wundere mich, woher er meinen Namen kennt. „Die Lady bekommt bitte ein großes Wasser!", sagt er dem Barkeeper. Oh nein! Ich will noch nicht aufhören, ich hab doch erst angefangen.
„Hey Mister!" Ich versuche, seine Aufmerksamkeit zu erlangen. „Ich bin noch nicht fertig mit trinken!"
„Nicht? Was hast du denn noch vor? Warum trinkst du so viel?", fragt er.
„Ich trinke um zu vergessen!", lalle ich.
„Was willst du vergessen?", fragt er mich.
„Ich weiß nicht mehr, das hab ich vergessen!", sage ich.
„Mensch, Ana, wie viel hast du schon getrunken? Hier, trink das Wasser und komm wieder runter, bevor du noch irgendeinen Blödsinn machst!", befiehlt er mir und drückt mir das Wasserglas in die Hand, welches ich mit einem Zug leere. Mmmmhhhh, das hilft. Der Raum dreht sich schon deutlich weniger und ich seufze zufrieden.
„Ich glaube, ich nehme noch einmal so einen Drink, der tut gut!", sage ich.
Er kichert. „Gerne!", sagt er und bestellt noch ein Wasser. Nachdem er mir auch dieses Glas in die Hand gedrückt hat, stürze ich es auch noch hinunter, bevor ich mich umdrehe und beim Barkeeper noch zwei Drinks bestelle.
„Ich glaube, du hast echt genug getrunken heute Abend!", sagt der schöne fremde Mann und versucht, mir das Glas wegzunehmen, aber ich bin schneller und halte es von ihm fern, während ich ihm seines in die Hand drücke.
„Wir können meinetwegen noch stundenlang darüber diskutieren, wie viel Alkohol ich heute Abend noch trinken werde, oder aber du kippst jetzt noch diesen letzten Drink mit mir, bevor wir hier verschwinden und du eine ganze Nacht lang mit mir tun kannst, was du willst", sage ich und frage mich, woher der Mut kommt, so etwas zu einem Wildfremden zu sagen. Ach ja, die Antwort lautet wohl Alkohol. Er sieht mich ungläubig an, nimmt aber sein Glas und sagt „Cheers!", bevor er es in einem Zug leert. Ich lächle ihn zufrieden an und trinke mein Glas ebenfalls leer.
