11: Ein Bouquet von Rot

Aeren tauchte aus seiner Ohnmacht auf wie ein Stück Treibgut aus einer dunklen, sturmgepeitschten See. Der Schmerz nahm ihn in Empfang, bohrte Löcher in seinen Schädel und füllte sie mit Säure. Nur halb nahm er war, das etwas sein Sichtfeld einschränkte. Vor sich erkannte er drei Gestalten: Sabato, die Stirn in Falten gelegt; Endymion, der besorgt aussah; und zu guter Letzt Errake, sein Gesicht die gleiche steinerne Maske wie eh und je. Er musste wohl ein Geräusch von sich gegeben oder ihre Aufmerksamkeit sonst wie erregt haben, denn sie wandten sich ihm zu. „Keine Angst, du wirst überleben", sagte Errake. „Und mehr noch: dein Aufstieg beginnt jetzt."

Mit einer kurzen Kopfbewegung bedeutete Sabato den beiden, zu verschwinden. „Geht, ich kümmer' mich um ihn." Dann zog er sich eine Chirurgenmaske übers Gesicht.

Bevor Endymion aus seinem Blick entschwand, wandte er sich noch einmal um und warf ihm einen ernsten Blick zu. „Fürchte nicht den Schmerz. Nimm ihn an. Er bereichert dich, und macht dich stärker. Fürchte ihn nicht."

Sabato schob ihn nach draußen, und trat dann zu dem Jungen. „Versuch' dich zu entspannen."

Aeren versuchte zu sprechen, versuchte ihm zu sagen, er solle ihn töten, oder ihm etwas gegen die Schmerzen geben. Aber jede Bewegung ließ Blitze durch sein Gesicht schießen, und nur ein unartikulierter Laut kam über seine Lippen. Sabato wandte sich an jemanden, den Aeren nicht sehen konnte. „Bereitet die Organe vor." Dann beugte er sich über Aeren, in seiner Hand etwas, das so aussah, wie ein großer Metallstift, an dem eine Art Schlauch befestigt war, und mit einem Punkt roten Lichtes an der Spitze. Aeren konnte nicht sehen, was als nächstes geschah, denn seinen Kopf zu bewegen stand außer Frage. Er hörte nur ein leises Zischen.


Danach musste er wohl ohnmächtig geworden sein, denn das nächste, was er wahrnahm, war ein grellweißes Licht, das auf ihn herab schien. Zu dem Schmerz in seinem Kopf hatten sich nun Schmerzen in seiner Brust gesellt; er fühlte sich, als würde er entzwei gerissen.

Er konnte zwei, nein drei Umrisse vor dem grellen Licht ausmachen, die sich über ihn beugten. Er hörte Sabatos Stimme. „Gib mir jetzt das Herz." Etwas wurde über seinen Körper gehalten, und Sabato griff danach und senkte es zu ihm herab. Aeren konnte etwas fühlen, wie eine winzige, ferne Stimme, die er durch die Kakophonie der Qual hörte, die seinen gesamten Körper ergriffen hatte; etwas berührte seine Innereien, übte sanften Druck aus, als wolle es Platz schaffen.


Er erwachte einige Male zu dem gleichen Bild: die Gestalten, die über ihm standen, umgeben von einer Aura weißen Lichtes, während er selbst dort lag, unfähig sich zu rühren, und mit einem Gefühl als fresse der Schmerz langsam seinen Körper auf. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, seine Wahrnehmung auf diese anscheinend unveränderliche Vision allumfassenden Schmerzes reduziert, die schon lange jeden bewussten Gedanken in seinem Geist ausgebrannt hatte.

In den Zeiten, in denen er nicht völlig wach war, wurde er erneut von Alpträumen heimgesucht; dicke, fleischfarbene Würmer wanden sich durch seinen Körper, und schlugen Wellen in seiner Haut, wenn sie unter ihr hindurchkrochen; schließlich brachen sie hervor, sich hierhin und dorthin beugend wie riesige, knochenlose Finger. Und dann waren da die Schreie, die er hörte, oder glaubte zu hören. Sie waren entsetzlich, und mussten von einer Kreatur stammen, die aller Freude auf immer beraubt war.


Schließlich änderte sich seine Umgebung doch. Die Helligkeit verschwand, und wurde durch kühles Zwielicht ersetzt. Das zumindest war ein kleiner Trost, obwohl er sich dessen kaum gewahr wurde.

Es gab auch Geräusche, und wie der Schatten seinen Augen Trost spendete, so erschienen auch sie als Balsam für seine Seele; aber es war nicht genug.

In jenen Momenten wollte er sterben, auch wenn er unfähig war, diesen Gedanken zu ende zu formen; dieses Verlangen entstammte den tiefsten Tiefen seines Wesens, wo allein Gefühle und Träume herrschen. Es war auch dieser Kern in ihm, der versuchte, diesen Wunsch an die ferne Außenwelt zu übermitteln. Doch Leider ist die Sprache dieser verborgenen Reiche für die wachende Welt schwer zu verstehen. Und so fuhr er fort zu leiden, zu brennen, begraben in dieser Hölle, die jetzt das einzige war, an das er sich erinnern konnte.


Eine graue Zimmerdecke war das erste, was er wahrnahm, als sein Verstand endlich zurückkehrte. Er brauchte einen Moment um zu merken, dass er wach war. Ich lebe, dachte er. Ich lebe noch. Und dann: Tötet mich. Tötet mich. TÖTET MICH! Er versuchte, seinen Mund zu bewegen, die Worte hinaus zu zwingen. Es tat weh, was ihn nicht sonderlich überraschte. Schließlich gelang es ihm, ein leises Krächzen auszustoßen.

„Hey, bist du wach?" Die Geräusche kamen von links. Er sah hin; auch das tat weh. Jemand stand dort. Er sah ein Gesicht, sanft geschwungen, mit braunen Augen, und eingerahmt von braunem, glattem Haar. Langem Haar. Er brauchte ein paar Sekunden, um die Eindrücke in seinem Geist zusammen zu setzen. Ein Mädchen, dachte er. Ich erinnere mich an so etwas. Und er starrte es einfach nur an, dieses Ding, das nicht ihn seine Welt zu passen schien, die nur aus Schmerzen bestand, und in der angenehme Dinge keinen Platz hatten. Aber er erinnerte sich; an einen Teil eines Lebens, das lange vorbei war, und bis eben vergessen. Ein Leben, das weiche Dinge gekannt hatte, so wie jenes, das er nun anstarrte. Es, nein, vielmehr sie runzelte die Stirn. „Kannst du verstehen, was ich sage?"

Aeren wusste es besser, als ein Nicken zu versuchen, und setzte seine Stimmbänder in Bewegung, seinen Widerwillen überwindend. „Ja." Er starrte immer noch; in diesem Moment schien ihm dieses Mädchen die schönste Sache der Welt zu sein, und er fühlte sich von Freude überwältigt, weil ihm diese Auszeit von seinem Leid gewährt wurde, dieser Lichtstrahl nach der scheinbar endlosen Reihe von Schrecknissen. Tränen der Freude liefen seine Wange hinunter. Doch im selben Augenblick merkte er, dass etwas mit seiner Sicht nicht stimmte: Er konnte auf dem linken Auge nichts sehen.

Er hob seine linke Hand, angenehm überrascht, als sich dies nicht als weitere Tortur herausstellte, wenn auch als ein wenig anstrengend. Er berührte vorsichtig die linke Seite seines Gesichtes, die noch immer von pulsierendem Schmerz erfüllt war, und fühlte den Stoff eines Verbandes. Auch dies war, in Anbetracht der Umstände, nicht sonderlich überraschend.

Das Mädchen biss sich auf die Unterlippe. Etwas bereitete ihr Unbehagen. „Hör mal, ich sollte wirklich jemanden holen." Und damit stand sie von ihrem Stuhl auf und verließ hastig den Raum.

„Warte!", keuchte Aeren ihr hinterher, aber sie ließ sich nicht aufhalten. Etwas enttäuscht, so schnell wieder sich selbst überlassen zu sein, machte er sich wieder daran, sein Gesicht zu untersuchen, und tastete vorsichtig mit den Fingern über seine Wange. Er fühlte Wülste und Furchen, die da mit Sicherheit nichts zu suchen hatten. Ich schätze, ich seh' so aus wie ich mich fühle. Dann bewegte er sich nach oben, in Richtung seines Auges. Aber wo er die Wölbung des Augapfels erwartete, fühlte er nur den leichten Widerstand des Stoffes; und dahinter, nichts. Nur einen Hohlraum. Und das war der Moment, in dem die Erinnerungen auf ihn einstürzten. Er erinnerte sich an alles, bis zu seinem letzten Kampf in der Grube und die Frau, die sich irgendwie so sehr verändert hatte. Die Erinnerung daran ließ ihn aufstöhnen: diese abscheuliche Fratze, die Kälte, der Schrecken. Wie sie ihn mit ihren Klauen angegriffen hatte. Mein Auge, dachte er. Sie hat mir mein scheiß Auge raus gerissen. Was zur Hölle war sie?

Er tastete weiter über den Verband. Die Leere darunter übte eine seltsame Anziehungskraft auf den Jungen aus. Zu anderer Zeit, an einem anderen Ort, hätte ihn der Verlust seines Auges schockiert; aber hier und jetzt war es nur ein weiterer Felsen auf dem Berg der Qual, unter dem er begraben war.

Bin gespannt, was Errake sagt, wenn er erfährt, dass sein auserwählter Anwärter eins seiner scheiß Augen verloren hat. Doch dann kam eine weitere Erinnerung. Warte, warte, er weiß es. Er war dabei. Was hat er nochmal gesagt? Was war es, irgendwas über einen Aufstieg? Mein Aufstieg beginnt jetzt? Und dann erinnerte er sich, warum ihm die Brust so schmerzte. Sie haben mich operiert. Sie haben mir etwas eingesetzt. Ein Herz? Scheiße, ich hab schon eins. Und es scheint tadellos zu funktionieren, unglücklicherweise. Hat es etwas damit zu tun, ein Space Marine zu werden? Sie haben mir nicht mal ein scheiß' Betäubungsmittel gegeben. Sie haben eine scheiß Operation an mir durchgeführt, während ich mehr oder weniger wach war. Aber ist das wirklich so überraschend? Ich schätze nicht.

In diesem Moment kehrte das Mädchen mit Sabato im Schlepptau zurück. Aeren richtete sein verbleibendes Auge auf den Apothekarius. „Heda, Arschloch." Der Astartes ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Schöne Begrüßung. Was habe ich getan, außer dich wieder zusammenzuflicken?"

„Du hast mich operiert. Mir diese Scheiße eingesetzt, und mir nicht mal ein scheiß Betäubungsmittel gegeben."

„Diese 'Scheiße' wie du sie nennst, ist ein Teil der Gensaat. Das wird dich zu einem Astartes machen, mit der Zeit. Was die Betäubung angeht: diese Operationen werden immer durchgeführt, während der Aspirant bei Bewusstsein ist. Es ist ein Teil der Auslese."

„War ja klar. Es überrascht mich, dass Errake mich immer noch zu einem Marine machen will. Ich hab' schließlich verloren."

„In Anbetracht der etwas ungewöhnlichen Umstände hat er sich entschlossen, dir diese Niederlage durchgehen zu lassen."

Aeren hob seine Augenbraue. „So was macht der?"

Sabato nickte. „Ja. Aber nicht oft."

Der Junge sammelte seine Gedanken. „Diese Frau… was war das? Ich habe noch nie so etwas gesehen. Etwas so… entsetzliches."

Der Marine schüttelte den Kopf. „Frag den alten Mann. Ich denke, er wird deinen Unterricht fortsetzen wollen, jetzt, wo du ans Bett gefesselt bis. Es kommt ihm wahrscheinlich sehr gelegen, dass du nicht abhauen kannst."

„Stört es ihn nicht, dass ich ein Auge verloren habe?"

Sabato machte eine wegwerfende Handbewegung. „Halb so wild. Wir verpassen dir eine Prothese. Eh du dich versiehst, hast du deine Tiefenwahrnehmung wieder."

„Einfach so, hä. Also, wie lange werde ich hier noch liegen?"

„Mindestens noch zwei Wochen."

„Fantastisch." Aeren wandte sich an das Mädchen, das wieder neben ihm stand und das Gespräch schweigend verfolgt hatte. „Also, was hast du für eine Geschichte?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Anscheinend soll ich deine Krankenschwester sein. Ich heiß Jessy. Also, eigentlich Jessyca, aber jeder nennt mich eigentlich nur Jessy."

„Ich bin Aeren."

„Ja, ich weiß."

„Bist du ein Sklave?"

Sie warf Sabato aus den Augenwinkeln einen Blick zu und zuckte erneut mit den Schultern. „Ja, schätze schon."

„Du schätzt schon?" Sie runzelte die Stirn. „Hör mal, diese ganze Scheiße ist noch neu für mich, okay? Vor kurzem war ich noch glücklich zu Hause in Macharius. Ich hatte Arbeit, eine Familie und Freunde. Und dann eines Tages tauchen deine Freunde hier auf, und alle sterben entweder oder werden in ein Schiff gesteckt. Als nächstes taucht dieses Arschloch Cortez auf und hält eine große Rede darüber, dass wir alle wertlos sind und das Imperium auf uns scheißt. Dann müssen wir uns ausziehen, und noch mehr Leute werden verprügelt und sterben. Ich hab' Wochen in diesem scheiß Frachtraum verbracht und hab mir den Arsch aufgerissen für Kleiderprivilegien und Essensprivilegien und Wasserprivilegien, und ich hoffe jeden Tag, dass ich mich nicht gegen irgendein Arschloch wehren muss, das mich vergewaltigen will. Also ja, ich schätze ich bin ein scheiß Sklave."

Aeren hatte Schwierigkeiten, das alles zu verarbeiten. „Tut mit leid."

Jessyca schnaubte. „Ich brauch dein Mitleid nicht."

Nun schaltete sich Sabato ein, eine Augenbraue angehoben. „Vorsicht, Mädchen. Du gehörst jetzt diesem Jungen."

Sie setzte ein trotziges Gesicht auf, und für einen Moment schien es, als wollte sie den beiden gehörig die Meinung sagen. Aber schließlich schluckte sie herunter, was immer sie im Sinn hatte. „Na fein. Mir doch egal."

„Gut." Sabato nickte. „Du kannst hier schlafen, während Aeren sich erholt. Da ist eine Pritsche, die du haben kannst."

„Danke."

Sabato wandte sich zum gehen. „Gut, ich verschwinde dann. Du kannst später in der Messe was zu essen holen."

Und dann waren sie allein. Aeren fühlte sich beschwingt: hier war jemand, der nicht nur auch ein Überlebender von Ocallus war, sondern auch, und das war das wichtige, ungefähr in seinem Alter; Jessyca sah so aus, als wäre sie nur wenige Jahre älter als er. Nach allem was er durchgemacht hatte, platzte er nun schier vor Neugier und dem Verlangen nach einer normalen Unterhaltung.

„Also", begann er, aber Jessyca hob eine Hand. „Warte. Es gibt etwas, über das wir zu allererst reden müssen." Sie ging an seinem Bett vorbei, auf die linke Seite. Er wandte ihr den Kopf nach, auch wenn seine linke Gesichtshälfte Blitze des Protestes in sein Hirn jagte. Jessyca ging in einen unbeleuchteten Bereich der Krankenstation, und verschwand kurz hinter einer Trennwand. Er hörte sie leise reden, und dann kam sie wieder hervor. Neben ihr ging ein kleines Mädchen, das sich an ihre Hand klammerte. Einen Meter vor Aerens Bett blieben sie stehen. Der junge sah sich den kleinen Neuankömmling an. Das Mädchen mochte etwas drei Jahre alt sein. Sie sah schüchtern aus und stand halb verdeckt hinter Jessyca. Mit ihrem einen sichtbaren Auge musterte sie Aeren vorsichtig.

„Das ist Ada. Ich habe sie in Macharius gefunden, allein, am Tag der Invasion. Seitdem ist sie bei mir." Jessycas Gesicht war nun flehend und verzweifelt. „Hör zu, ich tu alles was du willst, aber du musst mir erlauben, mich um sie zu kümmern. Das ist alles, um das ich dich bitte."

Aeren war völlig überfahren. „Ja klar, ich meine, keine Problem." Jessyca entspannte sich und sah merklich erleichtert aus. „Danke." Der Junge schüttelte den Kopf und ignorierte die neue Welle des Schmerzes, die das auslöste.

„Hör zu, ich hab für diese ganze Sklavengeschichte nichts übrig. Wenn's nach mir ginge, wärst du frei und könntest gehen wohin du willst. Blöderweise steht das nicht zur Diskussion. Trotzdem, ich will keine Sklavin. Aber vielleicht könnten wir Freunde werden?"

Sie legte den Kopf schief, und erwog seine Worte. „Ja. Vielleicht."

Nun sah Aeren Ada an. „Für dich auch okay?" Doch das kleine Mädchen wandte sich ab, und versteckte ihr Gesicht hinter Jessycas Oberschenkel.

„Sie spricht nicht", sagte Jessyca, während sie zärtlich über die braunen Locken des Mädchens strich. „Seit ich sie getroffen habe, hat sie keinen Ton rausgebracht."

„Woher weißt du dann, wie sie heißt?"

Das ältere Mädchen sah ein wenig verlegen zur Seite. „Eigentlich weiß ich das gar nicht. Ich nenne sie einfach Ada. Meine Oma hieß so. Ich meine, ich kann sie doch nicht immer nur mit 'Kleine' anreden, oder?"

Aeren stöhnte innerlich. Einmal mehr traf ihn die Sinnlosigkeit von allem; die Gewalt, und das Elend, dass sie den Menschen brachte. Sein eigener Schmerz erschien ihm auf einmal nicht mehr ganz so schlimm.

„Ada. Nun, warum nicht. Ist so gut wie jeder andere Name."

Er grübelte einen Moment, dann sah er erneut zu Jessyca. „Also, wie bist du zu meiner 'Krankenschwester' geworden?"

Sie setzte sich auf das Fußende des Bettes, und Ada neben sich. „Das war die Idee von diesem Endymion. Er kam in den Frachtraum und schien nach etwas Ausschau zu halten. Oder nach jemandem. Wenn ich so darüber nachdenke, schien er mehr an Ada interessiert zu sein als an mir. Aber ich sagte zu ihm: 'Wo sie hingeht, gehe ich auch hin.' Und das war okay für ihn. Hölle, als er darüber nachdachte, war er richtig begeistert darüber, mich auch mitzunehmen."

„Verstehe." Genau genommen verstand verstand Aeren kein Stück.

Unterdessen hatten die Augen des Mädchens zu glänzen begonnen. „Wer ist er überhaupt? Ich meine, der ist echt… wow. Er wirkt auf diesem Kahn ziemlich fehl am Platz."

Aeren starrte sie an. „Oh. Ooooh. Verstehe."

Jessyca errötete. „Was? Was? Oh, du Penner!" Sie schlug ihm spielerisch auf das Bein, und beide mussten lachen. Sofort wurde Aeren von einer Wand höllischer Qualen getroffen, die ihm Tränen in die Augen trieb. „Aaah, Scheiße!"

Jessyca sprang vom Bett, immer noch lachend. „Oh, Scheiße!", rief sie. „Du hast deine Nähte wieder aufgerissen!" Ada war ihr gefolgt, unwillig, auch nur einen Moment von ihrer Seite zu weichen.

Aeren sah Sterne. Er wurde von Schmerzen geschüttelt, die ihm das Lachen ausgetrieben hatten. „Aaah, Scheiße."

Das Mädchen hatte nach etwas Verbandsmaterial gegriffen und machte sich mit einem Grinsen an Aerens Gesicht zu schaffen.

„Weißt du überhaupt, was du da tust?", fragte er.

„Klar. Schließlich mache ich das schon seit einer Woche."

„Seit einer Woche?"

Sie entfernte den Verband von Aerens Gesicht, und ließ ihn auf den Boden fallen, wobei sie ihre Hand in einen weiten Bogen um Ada herumbewegte. „Vorsicht, Süße." Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Jungen zu. „Ja, und das Eine will ich dir sagen: du siehst ziemlich beschissen aus."

„Oh, danke schön. Allerdings fühle ich mich auch so."

Aeren atmete langsam und tief, darum bemüht, das Feuerwerk zu ersticken, das sein Körper immer noch abbrannte.

Schließlich beendete Jessyca ihre Arbeit und besah sich das Ergebnis mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck.

„Besser. Was im Namen des Imperators hat dich so zugerichtet?"

„Willst du die kurze oder die lange Fassung?"

Sie hob eine Augenbraue. „Wieso, hast du heute noch was vor?"

Aeren seufzte. „Na schön. Die ganze Sache begann natürlich auf Ocallus, am Tag des Angriffs..."


Endymion fand Errake in seinem Studierzimmer vor, und legte seine Hände auf die Lehne des Stuhls, der vor dem mächtigen Tisch aus Nalholz stand.

Der Kriegsherr sah von seiner Lektüre auf. „So. Unser junger Neophyt ist also aufgewacht, und soweit scheint sich sein Körper ganz gut auf die Gensaat eingestellt zu haben. Und du hast etwas gefunden um seinen schwachen Geist etwas abzulenken. Gut gemacht. Obwohl ich Zweifel wegen des älteren Mädchens habe. Sie könnte ein Problem werden, wenn sie zu viel von seiner Aufmerksamkeit beansprucht."

„Falls du dir Sorgen machst, dass er von jetzt an mit einer riesigen Erektion rumläuft, entspann dich. Er hat die Biscopea nun seit fast einer Woche im Leib. Seine fleischlichen Gelüste werden bald verschwinden, wenn sie es nicht schon sind. Er kann einem leidtun."

„Wohl kaum. Es erlaubt uns, seine Energie auf produktivere Dinge zu richten. Es ist an der Zeit, das sein Training Fahrt aufnimmt."

Endymion zuckte mit den Schultern. „Wie dem auch sei, etwas Gesellschaft zu haben kann für seine Genesung nur von Vorteil sein."

Errake stützte seine Ellbogen auf dem Tisch und faltete die mächtigen Hände vor seinem Mund. „So oder so werden wir die Zeit nutzen, die er ans Bett gefesselt ist. Er hat immer noch viel zu lernen."

Endymion lächelte. „Wenigstens hat er es nicht weit, falls er wieder zusammenbricht."

„Wenn das noch mal passiert, werfe ich ihn aus der nächsten Luftschleuse."

Endymion warf den Kopf zurück und lachte; und damit empfahl er sich.