Kapitel 2

Nach dem späten Mittagessen im Restaurant brachte Char mich nach Hause. Ich dachte, es wäre gut für mich ein wenig zu entspannen und die Hausaufgaben fertig zu machen, da ich am nächsten Tag wieder zur Schule musste. Mein Kopf drehte sich immer noch, weil Char mir erklärt hatte, dass Alice nicht Jaspers Seelenverwandte war. Diese Information gab mir so viel Hoffnung, da ich nichts mehr wollte, als mit meinem Engel zusammen zu sein. Leider wusste ich aber nicht, ob er das gleiche für mich fühlte, wie ich für ihn. Als ich in dieser Nacht einschlief, war mein einziger Gedanke, meine einzige Hoffnung, dass ich meine Vampire auf irgendeine Weise behalten konnte.

Am nächsten Morgen auf der Fahrt zur Schule war ich nervös. Keiner in der Schule wusste, dass ich mit Edward Schluss gemacht hatte. Verdammt, niemand wusste, dass ich auch nur daran gedacht hatte. Außerdem wusste ich auch nicht, wie sich Edward und Alice mir gegenüber verhalten würden.

Ich ging davon aus, dass sie da sein würden, da es wolkig war und der Wetterbericht das Wort 'Sonne' in den letzten Wochen nicht beinhaltet hatte und auch für die nächste Zeit kein Sonnenschein vorhergesagt wurde.

Ich brauchte nur etwa zehn Minuten bis zur Schule und als ich parkte sah ich sofort Edwards Volvo. Edward und Alice standen vor dem Auto, sie hatten wohl auf mich gewartet und starrten mich an. Um ehrlich zu sein machte mir das ein wenig Angst, darum wartete ich in meinem Truck bis die erste Glocke läutete und hoffte so, den zwei Vampiren, die ich nicht in meiner Nähe haben wollte, ausweichen zu können. Ich wusste, dass ich sie in den Kursen sehen würde. Verdammt, kurz nachdem ich begann, mit Edward auszugehen, haben sie ihre Stundenpläne so ändern lassen, dass mindestens einer von ihnen in jedem meiner Kurse war. Der heutige Tag würde echt ätzend werden.

Erste Stunde Mathe mit Alice. Vermutlich war es gut, dass ich die erste Stunde nicht mit Edward hatte und ich war auch glücklich darüber, dass der Lehrer nicht auf einer festen Sitzordnung bestand. Als ich in den Klassenraum kam, sah ich, dass Alice schon an ihrem normalen Platz saß, also setzte ich mich auf einen Platz, der von meinen Freunden umgeben war, sodass Alice nicht die Möglichkeit hatte, sich zu mir zu setzen. Ich sah während der gesamten Stunde kein einziges Mal zu Alice, sondern versuchte mich so gut wie möglich auf den Unterricht zu konzentrieren, auch wenn das sehr schwierig war. Ich beobachtete die Zeiger der Uhr, um zu verschwinden, sobald die Stunde zu Ende wäre.

Zweite Stunde Englisch mit Edward. Da ich schnell aus dem ersten Klassenraum gerannt war, hielt ich jetzt inne, da ich nicht mit Edward zusammentreffen wollte. Da ich ihm sowieso nicht umhin kam, wartete ich ab, bis Alice in die andere Richtung ging und ging dann zum nächsten Klassenraum, wo ich kurz vorm Klingeln ankam. Edward saß auch an seinem üblichen Platz und als ich einen Platz weit weg von ihm fand, begann das Getuschel. Da Englisch mein Lieblingsfach war, war ich beim Buch schon weiter als die anderen und dadurch viel meine Unaufmerksamkeit heute nicht so auf. Ich spürte Edwards Blick die gesamte Stunde auf mir und starrte demonstrativ auf die Tafel. Außerdem schrieb ich alles von der Tafel ab und hoffte, dass das, was der Lehrer sagte, nicht so wichtig sein würde. Ich beobachtete wieder die Uhr, um gleich beim Klingeln hinausstürmen zu können, aber bevor ich aufspringen konnte, sah ich, dass Edward auf mich zukam. Gott sei Dank war Angela auch in der Klasse, also drehte ich mich zu ihr und fragte sie, ob sie mit mir zum nächsten Raum gehen wollte und glücklicherweise stimmte sie zu. Angela war eine wirklich liebe Person und auch wenn sie viele Fragen zu haben schien, fragte sie mich nichts über Edward, Alice, oder warum ich nicht bei ihnen gesessen bin.

Dritte Stunde Spanisch mit Alice. Das würde lustig werden, dachte ich sarkastisch. Nicht nur, dass unsere Lehrerin eine feste Sitzordnung hatte, sie hatte uns auch noch Projektpartner zugeteilt. Als Alice in diesen Kurs kam, hatte sie darauf bestanden, mit mir zusammenzuarbeiten und ich wusste, dass unsere Lehrerin einem Partnertausch nicht zustimmen würde, da wir schon an unseren Projekten arbeiteten. Zudem würde vermutlich niemand mit mir tauschen wollen. Ich setzte mich neben Alice und war dankbar, dass die Lehrerin in der ersten Hälfte der Stunde normalen Unterricht machte und ich noch etwa dreißig Minuten hatte, bevor ich mit Alice sprechen musste.

In gewisser Weiße dachte ich, dass es besser war, zuerst mit Alice zu reden, aber da ich nicht Hellsehen konnte, wusste ich nicht mal, ob ich überhaupt mit ihnen sprechen würde.

Nachdem die Lehrerin fertig war, ich hatte nur die Hälfte davon verstanden, da sie alles auf Spanisch vortrug, starrte ich so lange wie möglich nach vorne, bevor ich mich langsam zu Alice drehte. Wie erwartet starrte sie mich schon an. Ich nahm meinen Ordner und gab ihr die neuesten Informationen, die ich gestern noch gefunden hatte. Ich weigerte mich, als erste zu sprechen, verdammt, ich würde es vorziehen, überhaupt nicht mit ihr zu reden, aber ich wusste, irgendwann würden wir miteinander reden müssen, und wenn es nur darum ging, das Projekt zu diskutieren.

"Das sieht gut aus", kommentierte Alice meine Informationen, ich wusste, sie wartete den richtigen Zeitpunkt ab, damit niemand bemerken konnte, dass sie nicht mal die Hälfte der Zeit zum Lesen gebraucht hatte.

"Danke", gab ich die passende Antwort, da ich vor allem in der Schule, zivilisiert mit ihr umgehen musste.

"Aber", Alice begann eine Liste der Dinge, die wir noch finden mussten, herunter zu rattern. Ich hörte geduldig zu und lies sie die restliche Stunde herum faseln. Ab und zu machte ich mir Notizen, damit ich meinen fairen Anteil am Projekt leisten konnte. Als die Glocke bimmelte stand ich einfach auf, auch wenn Alice noch immer redete, nahm meine Sachen und ging zum nächsten Kurs.

Vierte Stunde Geschichte mit Alice. Ich ging schnell zum Klassenraum. Gott sei Dank musste ich nur im Spanischkurs mit Alice zusammenarbeiten. Ich fand einen freien Platz in mitten von anderen Schülern, der auch noch sehr weit von dem Platz weg war, auf dem Alice normalerweise saß. Kurz bevor der Lehrer mit dem Unterricht begann, kam Alice herein und setzte sich auf ihren Platz.

Heute fuhren wir mit dem Bürgerkrieg fort. Ich erinnerte mich daran, dass Alice gesagt hatte, Jasper wäre während dieses Krieges verwandelt worden. Zu diesem Zeitpunkt waren diese Kommentare beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus gegangen. Ich hatte damals nicht viel über Jasper nachgedacht, wenn er von den Cullens oder den anderen Schülern erwähnt wurde. Nachdem ich hierher gezogen war, wusste ich noch nicht, dass Jasper mein Engel war, also war er für mich nur Alices Freund und Seelenverwandte.

Nun würde ich aber gerne wissen, was Jasper mir über den Bürgerkrieg erzählen könnte, vielleicht auch Peter und Char. Ich wusste nicht genau, wann Peter verwandelt worden war, aber er hatte die gleichen Narben wie Jasper, also vermutete ich, dass sie schon sehr lange miteinander unterwegs waren und vielleicht auch zur gleichen Zeit verwandelt worden waren. Den Rest der Stunde dachte ich nur über Jasper nach, hoffentlich könnte er mir das beibringen, was ich gerade versäumte.

Beim Läuten nahm ich meine Sachen und lief zu meinem Schließfach, da ich noch Bücher holen musste, die ich nach der Mittagspause brauchen würde. Danach ging ich in die Cafeteria, wo ich mir etwas von der Salatbar nahm und mich zu meinen anderen Mitschülern setze. Hauptsache nicht zu Alice und Edward.

Die meisten meiner Mitschüler blickten mich komisch an, aber keiner sagte etwas. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was sie für Fragen hatten und welche Gerüchte wohl im Umlauf waren. Es überraschte mich, dass Jessica Stanley noch nichts zu mir gesagt hatte. Sie war die einzige, von der ich vermutet hatte, dass sie mich mit einer Million Fragen überhäufen würde, warum ich Alice und Edward mied.

Nach ein paar Minuten fingen alle an, über den Unterricht oder das letzte Wochenende zu sprechen. Ich nahm an diesen Gesprächen nicht teil, verdammt, ich hörte noch nicht mal richtig zu und hoffte, dass sie mich nicht in ihre Gespräche einbeziehen würden.

Während der gesamten Mittagspause dachte ich an meinen Engel und seine zwei Freunde. Sie waren meine Vampire, meine Freunde, einfach… Mein. Sie waren immer da, während Renee versuchte, mich groß zu ziehen. Sie tauchten zwar immer an zufälligen Zeitpunkten auf, waren aber immer da, wenn ich sie dringend brauchte. Das einzige Mal, wo ich nicht in Schwierigkeiten war, war als Char an meinem sechzehnten Geburtstag auftauchte und auch da fühlte ich mich niedergeschlagen, da meine Mum meinen Geburtstag – meinen sweet 16 – vergessen hatte. Zurückblickend hat Renee auch danach nichts deswegen unternommen.

Die Glocke riss mich aus meinen Gedanken und signalisierte mir, dass ich zu meiner nächsten Stunde musste, vor der ich mich am meisten fürchtete.

Fünfte Stunde Biologie mit Edward. Als ich das Klassenzimmer erreichte, wusste ich, dass diese Stunde für mich nicht gut enden würde. Ich ging hinein und auf meinen Platz zu. Leider gab es eine feste Sitzordnung und zugewiesene Laborpartner. Meiner war natürlich Edward. Ich sah ihn nicht sofort an und wartete bis zum letzten Moment, um mich zu setzen, damit ich mich vor Beginn der Stunde nicht mit ihm unterhalten musste.

"Bella, wir müssen reden", flüsterte Edward. Unglücklicherweise beschloss der Lehrer, dass heute ein guter Tag für ein Video war.

"Nein, müssen wir nicht!" antwortete ich, ohne ihn anzusehen.

"Du musst über diesen bescheuerten Wutanfall hinweg kommen", Edward sprach weiter, so als hätte ich gar nichts gesagt.

"Ich habe keinen Wutanfall", versuchte ich nochmals und versuchte, so leise wie möglich zu sein, damit der Lehrer uns nicht kören konnte. "Ich habe mit dir Schluss gemacht. Ich will, dass du mich in Ruhe lässt!"

"Ich komme nach der Schule zu dir und wir hängen etwas rum, so wie immer!" Edward hörte mir einfach nicht zu.

"Du wirst von meinem Haus weg bleiben!" schnappte ich.

"Bella", Edward sprach mit seiner bevormundenden Stimme weiter. Ich wurde nun wirklich zornig. Dieser Junge, Vampir oder wie auch immer man ihn nennen wollte, ging mir wirklich auf die Nerven.

"Alice sagt, sie möchte morgen nach der Schule mit dir shoppen gehen."

"Verdammt NEIN!" schrie ich und sprang auf. Es war mir egal, dass wir noch im Unterricht waren, dass alle mich anstarrten oder dass der Lehrer versuchte, auf mich einzureden, damit ich mich wieder hinsetzte. Ich griff nach meinen Sachen und rannte aus dem Klassenraum und aus der Schule.

Sechste Stunde Stillbeschäftigungsstunde mit Edward schwänzte ich.

Siebte Stunde Sport mit Alice schwänzte ich auch. Ich hasste Sport sowieso.

Ich rannte aus der Schule ohne nochmals zurückzusehen, ich konnte gerade einfach nicht mehr damit umgehen. Ich wollte mich nicht für zwei weitere Stunden mit ihnen herumschlagen, also lief ich auf meinen Truck zu, stoppte aber, als ich einen meiner Vampire sah, der an der Fahrerseite lehnte.

Ich rannte schnell auf ihn zu und warf mich in seine Arme. Ich war überrascht, Peter hier zu sehen, aber ich wusste, dass ich jetzt sicher war, er würde Edward und Alice für den Moment von mir fernhalten. Ich wusste nicht, woher er wusste, dass ich ihn genau jetzt brauchte, da ich erst gerade beschlossen hatte, die letzten zwei Stunden zu schwänzen, aber ich war sehr dankbar dafür. Er ging mit mir zur Beifahrerseite und half mir beim einsteigen, bevor er die Hand nach den Schlüsseln ausstreckte. Nachdem ich sie ihm gegeben hatte, stieg er ein und fuhr los. Ich wusste nicht, wohin er mich fuhr, aber ich sah, dass wir nicht auf dem Weg nach Hause waren. Es war mir auch egal, wohin wir fuhren, ich war einfach nur glücklich, von der Schule wegzukommen.

"Also, wie konntest du wissen, dass du da sein solltest?" wollte ich nach etwa zwanzig Minuten Fahrt wissen.

"Meine Gabe", feixte Peter, ging aber nicht näher darauf ein.

"Okay, also bis du ein Seher wie Alice?" Das war das einzige, was für mich gerade einen Sinn ergab.

"Nein", knurrte Peter. "Ich bin ganz sicher nicht wie diese Elfenschlampe! Ich weiß einfach Sachen. Alices Visionen sind subjektiv und ändern sich, je nachdem, wie sich jemand entscheidet. Ich habe keine Visionen, ich habe nur manchmal ein Gefühl, oder zufällige Dinge zeigen mir was ich tun, oder wo ich sein sollte."

"In Ordnung Yoda", sagte ich und hoffte, die Spannung damit zu lösen.

"Du bist wirklich die Seelenverwandte vom Major", kicherte Peter, beruhigte sich aber. "Er nennt mich auch immer so."

"OK Mr. Vampir, wann wurdest du verwandelt?" Ich entschied, das Thema zu wechseln, denn ich war noch nicht bereit, ihn darüber zu befragen, dass ich Jaspers Seelenverwandte zu sein schien. Diese Antworten mussten von Jasper kommen. Peter und Char erzählten mir immer wieder, dass Alice nicht seine Seelenverwandte war oder dass ich das war, aber Jasper und ich hatten darüber noch nie geredet. Bisher wusste ich nur, dass Jasper mein Fels, mein sicherer Hafen war und dass ich ihn nie verlieren wollte, egal was passierte.

"Was wird das? Zwanzig Fragen?" schoss Peter mit einem Grinsen zurück.

"Nun, ich kenne euch drei jetzt schon seit Jahren, weiß aber so gut wie nichts über euch", begann ich. "Ich hatte nur gehofft, euch endlich besser kennenlernen zu können. Wenn du aber nicht darüber reden willst, ist das auch okay", meinte ich entmutigt, da ich dachte, ich könnte Peter besser kennenlernen. Ich hatte gehofft, dass er mich deswegen abgeholt hatte, aber er schien heute nicht gerade gesprächig zu sein.

"Ich wurde etwa zwanzig Jahre nach Jasper verwandelt", beantwortete Peter schließlich meine Frage. "Ich wurde von Jasper verwandelt, Char übrigens auch. Wir wurden verwandelt, um in Marias Armee zu dienen. Hast du schon von Maria gehört?"

"Irgendwie schon", antwortete ich ehrlicherweise. Ich war überrascht, dass er fortgefahren war, ohne dass ich mit den zwanzig Fragen weitermachen musste. "Edward und Alice haben Jaspers Zeit in den südlichen Vampirkriegen oberflächlich erwähnt. Im Grunde haben sie mir gerade genug gesagt, um mir klarzumachen, dass ich mich von ihm fernhielt, wenn ich ihn treffen sollte."

"Was genau haben die zwei gesagt?" Ich konnte nicht sagen, ob Peter nur neugierig war oder ob er keine Fragen mehr beantworten wollte.

"Alice erklärte, wie Jasper von Maria verwandelt wurde, um bei Territorialstreitigkeiten zwischen Vampirkriegsherren zu helfen", begann ich. "Sie sagte, Jasper war dafür verantwortlich, Menschen zu verwandeln und die Neugeborenen mit seiner Gabe zu kontrollieren. Keiner von ihnen sagte mir damals, was das für eine Gabe war, ich fand das erst heraus, als Char und du aufgetaucht seid. Edward betonte immer wieder, dass Jasper es gewohnt war, Menschen- statt Tierblut zu trinken und dass er es deswegen schwer hatte, unter Menschen zu leben. Er wiederholte immer und immer wieder, wie gefährlich Jasper wäre, wie gefährlich alle Vampire waren, die Menschenblut tranken", ich hielt kurz inne, nachdem ich ihm all das gesagt hatte, bevor ich mit einem etwas anderem Thema fortfuhr.

"Das erste Mal, als ich Carlisle und Esme getroffen habe, erklärten sie mir einiges über Vampire. Das war der Tag, an dem ich erfuhr, dass topasfarbene Augen bedeuteten, dass die Vampire Tierblut tranken, während Vampire mit blutroten Augen sich von Menschenblut ernährten und das die schwarzen Augen bedeuten, dass der Vampir entweder durstig ist oder Wut oder Lust fühlte. Ich erinnerte mich, dass ihr alle bei unserem ersten Treffen im Park blutrote Augen hattet. Über die Jahre hatten Jaspers Augen entweder eine blutrote, eine topas Farbe oder eine Farbe, die irgendwo dazwischen lag, vermutlich wegen dem Wechsel seiner Ernährung. Char und du, ihr hattet immer blutrote Augen, aber ich habe euch dreien immer vertraut und das hat sich auch nicht geändert, nachdem ich wusste, wofür eure Augenfarbe steht."

"Du hattest nie Angst vor uns?" stellte Peter nach meiner kleinen Ansprache fest. "Nicht einmal, während der gesamten Zeit, in der wir zu dir kamen?" Er schien davon etwas schockiert zu sein.

"Nun, als ihr aufgetaucht sein, nachdem der Strom abgestellt worden war und auch die anderen Rechnungen nicht bezahlt waren, war Jasper so wütend, und zu sehen, wie seine Augen von topas zu schwarz wechselten, war ein großer Schock, aber ich hatte nie Angst vor ihm." versuchte ich zu erklären. Das war das einzige Mal gewesen, wo Jasper mich hätte erschrecken können, aber ich hatte trotzdem keine Angst.

"Ich denke, irgendwo in meinem Inneren wusste ich, dass der Farbwechsel seiner Augen gegen meine Mutter gerichtet war, nicht gegen mich, weil sie die Rechnungen nicht bezahlt hatte. Ich weiß nicht, woher ich das wusste, aber ich wusste einfach, dass er mich nie verletzen würde!"

"Und was ist mit Char und mir?" wollte Peter wissen. Er hielt an einem Park in Port Angeles an.

"Nun, Char war immer süß und lieb zu mir", begann ich mit Char, als wir ausstiegen. Da ich kein Ziel ausmachen konnte, dachte ich, dass wir wohl spazieren würden. "Das einzige Mal, dass ich vor ihr Angst hatte war, als wir an meinem sechszehnten Geburtstag shoppen waren." Ich pausierte kurz und nach einem Moment merkte er, dass ich ihn nur aufzog und begann zu kichern. "Die Massen an Kleidung, die sie zusammensammelte und herumtrug und mich kaufen lies, machten mir etwas Angst, aber die Zeit, die ich mit Char, dir oder Jasper verbringen konnte, machte immer Spaß. Auch wenn ich sie nicht wirklich kannte, da ihr nur sporadisch aufgetaucht seid, fühlte sie sich doch immer wie eine große Schwester an. Es fühlt sich immer noch so an. Ich hoffe wirklich, dass ich euch auch weiterhin in meinem Leben behalten kann."

"Und was ist mit mir?" wollte Peter zu seiner eigentlichen Frage vordrängen. "Ich war erschrocken als Char und ich nach dir sehen wollten und du weg warst. Deine Mutter war auch nicht da und wir konnten erkennen, dass ihr schon seit Monaten fort wart. Ich bin mir sicher, deine Mutter wird ausflippen, wenn sie sieht, in welchem Zustand dein Zimmer ist. Sie wird sofort wissen, dass jemand da war, nachdem ihr fortgegangen seid."

"Petey!" Ich verwendete wieder seinen Spitznamen vom Vortag. "Ich habe eine Notiz hinterlassen, bevor ich ging, sie lag auf dem Bett. Meine Mutter ging am gleichen Tag wie ich und ich denke nicht, dass sie vor ihrem Flug nochmal zurückging, also hatte ich keine Angst, dass sie sie finden könnte. Ich hatte die Notiz an 'Major' adressiert, da ich Jaspers Namen nicht kannte und am Bett liegen gelassen. Ihr hättet sie finden müssen, wenn sie noch da war. Ich wollte nie, dass ihr euch aufregt." Ich holte tief Luft und hoffte, dass er mir glauben würde.

"Hattest du je Angst vor mir?" er wollte es also wirklich wissen. Ich hätte es riskieren und raten können, warum, aber ich wollte nicht. Ich wollte ihm einfach nur die Wahrheit sagen.

"Nein", verkündete ich. Ich zögerte kein bisschen, da es die absolute Wahrheit war. "Ich hatte nie Angst. Nicht, als ich dich das erste Mal gesehen habe, nicht während der ganzen Jahre, in denen du zu mir kamst, und auch nicht, als ich erfuhr, dass du Menschenblut trinkst. Niemals!"

"Wirklich?" Er schien erstaunt zu sein.

"Ja, wirklich!" ich drehte mich zu ihm und lächelte. Wir standen in einem Bereich des Gartens, umgeben von einer wunderschönen Blumenvielfalt. "Ich erinnere mich an einmal, als du alleine aufgetaucht bist. Ich war entsetzt. Es war mein Freshman Jahr an der High School und ging gerade nach Hause, als einige der älteren Schüler mir folgten und mich umkreisten." Ich wartete, nachdem ich ihn knurren hörte, aber das erschreckte mich nicht. Ich legte meine Hand an seinen Arm und wartete, bis er sich beruhigt hatte. "Es versetzte mich in Schrecken, als ich herausfand, was sie dachten und dennoch, als ich zu Hause war und du wieder weg warst, konnte ich nicht aufhören, an das zu denken, was sie beinahe getan hätten, aber als du da warst, fühlte ich mich sicher. Ich wusste, mein großer Bruder würde mich beschützen. Ich verstand damals nicht, woher du wusstest, dass ich dich in diesem Moment brauchte, aber immer, wenn beinahe etwas Schreckliches passiert wäre, warst du da. Manchmal waren auch Char oder Jasper dabei, aber du warst immer da, bevor etwas Schreckliches passieren konnte."

Ich hörte schließlich auf zu reden und realisierte, das die Sonne angefangen hatte zu scheinen. Es war den ganzen Tag über wolkig gewesen, aber jetzt kam die Sonne durch und ich sah Peter, meinen großen Bruder, an und merkte, wie seine marmorne Haut im Sonnenlicht glitzerte. Durch die Reflektion der Sonne konnte ich auch seine Narben erkennen. Diese Narben zeigten mir, wie viel er und auch mein Engel überlebt hatten. Ich wusste, sie hatten beide das Grauen von Marias Armee überlebt und ich konnte noch nicht mal die Hälfte aller Geschichten.

Ich war ehrlich gesagt überrascht, als ich sah, dass Peter ein kurzärmliges Shirt trug und dadurch seine Narben sichtbar waren. Ich bemerkte, dass Jasper und Peter normalerweise immer Shirts mit langen Ärmeln trugen, vermutlich um die Narben zu verdecken. Ich konnte nicht widerstehen, lehnte mich gegen Peter und legte meinen Kopf auf seine Schulte. Ich fühlte mich bei ihm sicher, so wie bei meinem Engel und Char. Ich hoffte nur, dass Peter und ich nach diesem schönen Nachmittag und Abend für lange Zeit Freunde bleiben konnten. Ich wollte meinen großen Bruder nicht verlieren.

Wir blieben noch eine Weile stehen und sahen der Sonne beim untergehen zu. Ich sah zu Peter und merkte, dass er telefonierte. Ich hatte es nicht läuten gehört und hatte definitiv nicht mitbekommen, wie er ranging. Er musste bemerkt haben, dass ich ihn beobachtete, denn er sah mich kurz an und beendete das Telefonat. Ich dachte, ich sah wie sich seine Lippen bewegten, war mir aber nicht ganz sicher.

"Wir müssen nach Hause Prinzessin", meinte Peter und führte mich zurück zum Truck.

"Okay", seufzte ich. Ich wollte aber weder Edward noch Alice begegnen. "Wir fahren doch nicht zu den Cullens, oder?"

"Nein, Char und Jasper warten bei dir zu Hause", antwortete Peter, ohne seinen Blick von der Straße abzuwenden, auch wenn das Fahren nicht seine ganze Aufmerksamkeit forderte. Meines Wissens nach, konnten Vampire sehr viele Dinge gleichzeitig machen. Er könnte das Auto wahrscheinlich blind lenken und wäre trotzdem sicherer unterwegs als ein Mensch.

"Danke", murmelte ich. Ich wusste, er konnte mich verstehen, auch wenn ich mich selbst kaum hören konnte. Anstatt zu antworten, zog er mich einfach näher zu sich. Ich war bei meinem großen Bruder sicher und ich war glücklich.

Die restliche Fahrt verbrachten wir in angenehmer Stille. Ich blieb ganz nahe an Peter und er legte einen Arm um meine Schulter.

Als wir zu meinem Haus kamen, sah ich, dass Char und mein Engel schon vorm Eingang auf uns warteten.