Kapitel 4

Ich wachte am nächsten Tag auf der Couch auf und bemerkte, dass Rosalie noch am gleichen Platz saß wie gestern Abend, aber ich konnte die anderen Vampire nicht entdecken. Da ich sie erst einmal getroffen hatte, war ich mir nicht sicher, wie ich mit ihr umgehen sollte.

"Guten Morgen Rosalie", murmelte ich, als ich mich langsam aufsetzte.

"Morgen", Rosalie lächelte mich an.

"Ähm, wo sind die anderen?" Ich konnte nicht anders als danach zu fragen.

"Die Jungs sind letzte Nacht nicht mehr gekommen", begann Rosalie. "Char ging, um sich fertig zu machen. Ich bin geblieben, um dich zur Schule zu fahren."

"In Ordnung", seufzte ich, da ich nicht unbedingt in die Schule wollte. "Ich gehe nur noch schnell duschen und mich fertig machen."

Rosalie nickte, als ich hinausging. Ich fragte mich, für was sich Char fertig machen musste, aber ich dachte, wenn ich es wissen sollte, würden sie es mir schon sagen, meine Gedanken gingen über zu den Jungs. Ich zweifelte nicht daran, dass es Jasper, Peter und Emmett gut ging, da es drei gegen einen waren, aber ich war neugierig, warum sie noch nicht zurück waren. Ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, was sie gestern mit Edward gemacht hatten.

Als ich mich für die Schule fertig gemacht hatte, ging ich wieder nach unten, hielt aber kurz inne, als ich meinen Dad in der Küche sitzen sah. Ich hatte vermutet, dass er schon im Bett war, aber wahrscheinlich war er gerade erst nach Hause gekommen. Verdammt, ich wollte mich jetzt nicht mit Dad beschäftigen.

"Morgen Bells", meinte Charlie. "Wer ist den deine Freundin?"

"Morgen Ch-, Dad", ich musste mich immer zusammenreisen, ihn Dad und nicht Charlie zu nennen. "Das ist Rosalie." Mir war nicht danach, dieses Thema weiter auszuführen, da ich nicht genau wusste, wie ich sie vorstellen sollte. Edwards Schwester? Theoretisch war das ja richtig, aber das war ja nicht der Grund, warum sie da war. Nicht zu vergessen, dass mit Edward Schluss war und ich jetzt mit seinem Adoptivbruder Jasper zusammen war.

"Oh, eines von Dr. Cullens Kindern, oder?" anscheinend wollte er näher darauf eingehen.

"Ja", gab ich zurück und hoffte, je weniger ich darüber redete, desto schneller wäre es vorbei. "Wir müssen jetzt los. Bis später!" Ich ging hinaus und bemerkte, dass Rosalie direkt hinter mir war.

"Wir müssen uns unterhalten", meinte Rose auf dem Weg zur Schule. "Ich hole dich nach der Schule ab und wir können ungestört reden."

"Ok", ich war mir nicht sicher, ob das Gespräch gut oder schlecht laufen würde, hoffte aber auf ersteres.

Die restliche Fahrt verlief schweigend, mir war immer noch unwohl in ihrer Nähe, aber ich hatte keine Angst vor ihr. Ich war eher nervös, eine neue Person kennenzulernen und Zeit mit ihr zu verbringen, ohne sie richtig zu kennen.

Nachdem wir an der Schule ankamen, stand Char neben meinem Truck. Ich hatte noch gar nicht bemerkt, dass mein Truck nicht zu Hause war. Vermutlich hatte mich Rosalie deshalb zur Schule gefahren, trotzdem war ich etwas verwirrt, warum Char bei meinem Truck vor der Schule stand.

"Ich hole dich dann nach der Schule ab", erinnerte mich Rosalie und ich nickte nur.

"Hey Char", ich lächelte sie an und umarmte mich kurz. "Was machst du denn hier?"

"Nun, ich werde ab heute mit dir zur Schule gehen", Char erwiderte die Umarmung. "Komm, zeig mir die Schule."

Wir gingen nebeneinander her und unterhielten uns. Es war schön, Char hier bei mir zu haben. So sehr ich mir auch wünschte, dass Jasper hier bei mir wäre, es war nicht möglich, da er diese High School gerade erst letztes Jahr abgeschlossen hatte.

Wir kamen schnell bei dem Sekretariat an und Char stellte sich selbst als meine Cousine vor. Da sie mitten im Schuljahr an diese Schule wechselte, bat sie, in all meine Kurse zu kommen, damit ich ihr helfen konnte, den verpassten Unterrichtsstoff nachzuholen – nicht dass das wirklich nötig wäre. Ms. Cope, die Schulsekretärin, dachte wohl auch, dass das eine gute Idee wäre und schrieb sie in die Kurse ein, die ich hatte.

Dann gingen wir zur ersten Stunde. Ich warnte sie, welche Stunden ich mit Alice oder Edward hatte und erklärte ihr, dass ich in Spanisch mit Alice an einem Projekt arbeiten musste und dass Edward mein Laborpartner in Biologie war. Char schien deshalb nicht beunruhigt zu sein.

Ich stellte Char unserer Mathelehrerin vor und sie wies uns an, uns zu setzten. Wir fanden Plätze, die weit von Alices üblichem Platz weg waren. Als Alice kurz vor dem Klingeln hereinkam, konnten wir den Zorn in ihrem Blick sehen. Ich war überrascht, dass Alice in der Schule überhaupt negative Gefühle zeigte. Ich fragte mich, ob sie ärgerlich war, dass Char im Kurs war, oder darüber, dass sie es nicht gesehen hatte.

Mathe ging relativ schnell vorbei, aber jetzt mussten wir zur Englischstunde mit Edward. Ich war neugierig, ob er heute überhaupt zur Schule gekommen war. Ich hoffte, dass Jasper, Peter und Emmett ihm genügend Schaden zugefügt hatten, damit er für eine Weile nicht zur Schule konnte.

Char und ich unterhielten uns etwas auf dem Weg zur Englischstunde. Sie ging auf den Lehrer zu, bevor sie merkte, dass ich erstarrt war. Edward saß an seinem üblichen Platz und sah so perfekt wie immer aus und nicht so, als wäre er heftig verprügelt worden war. Jetzt wurde ich nervös, da ich noch nichts von meinem Engel, meinem Bruder oder Emmett gehört hatte. Char sah, wohin mein Blick ging, nahm einfach meinen Arm und zerrte mich vorwärts. Sie schien nicht beunruhigt, Edward hier zu sehen, vielleicht wusste sie ja, was gestern Nacht passiert war. Als ich an heute Morgen zurückdachte, wurde ich zunehmend beunruhigter. Rose hatte auch nur gemeint, dass die Jungs in der Nacht nicht mehr zurück gekommen waren und dass sie mit mir reden wollte. Wussten Char und Rose etwas, dass ich nicht wissen sollte? Ich hatte keine Ahnung, wie ich den Tag überstehen sollte.

Nachdem sich Char beim Lehrer vorgestellt hatte, führte sie mich zu einem Platz, der weit weg von Edward war. Ich war ihr dafür dankbar, konnte mich aber nicht richtig auf den Unterricht konzentrieren.

Glücklicherweise war meine "Cousine" Char ein Vampir mit perfekter Erinnerung, sie würde mir danach bestimmt erzählen, was ich verpasst hatte. Vermutlich würde ich den Tag dank Char überstehen, aber ich konnte mich einfach nicht auf den Unterricht konzentrieren. In meinem Kopf drehte es sich und so war ich mir nicht sicher, wie wir zur Spanischstunde gekommen waren. Ich schaffte es sogar, unsere Lehrerin zu bitten, dass Char mit Alice und mir arbeiten konnte und da Char sie mit ihrem Charme beeinflusste, stimmte sie zu. Alice sah wütender aus als in der ersten Stunde.

Nachdem die Lehrerin mit ihrem Teil des Unterrichts fertig war, begannen wir mit der Arbeit an unseren Projekten. Alice schien nicht mit uns reden zu wollen, also nahm ich ihren Ordner und zeigte Char, was wir bis jetzt hatten. Char schien davon beeindruckt, gab aber noch einige Vorschläge während Alice und ich ihr sagten, was sie dazu beitragen konnte. Wir wussten alle, dass die Lehrerin uns im Auge hatte, also waren Alice und Char nett zueinander. Ich war froh, als wir Spanisch hinter uns hatten und Char und ich zur Geschichtsstunde gingen.

Als ich ihr erzählte, dass wir den Bürgerkrieg durchnahmen, lachte sie. Alice starrte uns auch weiterhin zornig an, aber wir ignorierten sie einfach. Die Stunde ging schnell vorbei und ich dachte wir wollten zum Mittagessen in die Cafeteria, doch Char führte mich nach draußen.

"Wohin gehen wir?" schaffte ich es, sie zu fragen, während sie mich hinter sich herzog.

"Wirst du gleich sehen", grinste Char während sie weiter ging. Ich schüttelte nur meinen Kopf, war aber etwas schockiert, als ich sah, wohin wir gingen und vor allem zu wem.

Direkt vor meinem Truck standen mein Engel, mein Bruder und Emmett. Ich merkte, wie ich vor Erleichterung aufschluchzte und warf mich in Jaspers Arme. Nachdem ich etwas beruhigt war, umarmte ich Peter. Er kicherte, hielt mich aber fest. Sobald ich auch sicher sein konnte, dass Peter in Ordnung war, drehte ich mich zu Emmett und umarmte auch ihn. Ich merkte, dass er erstaunt war, da wir uns erst ein paar Mal gesehen und noch nie miteinander gesprochen hatten. Emmett hatte sich gegen den einen Bruder, Edward, gestellt, um loyal hinter dem anderen Bruder, Jasper, zu stehen und das bedeutete mir sehr viel. Ich konnte mich immer noch daran erinnern, wie ich mich auf der Lichtung gefühlt hatte, als Carlisle und Esme meinen Engel gebeten hatten, Edward nicht zu verletzen, nachdem er mich angegriffen hatte. Ich hatte mich so wertlos gefühlt, aber nachdem Emmett geholfen hatte, mich zu beschützen, fühlte ich mich wichtiger.

Logischerweise wusste ich, dass ich das war, da mein Engel, mein Bruder und meine Schwester immer sicher gingen, dass ich mich sicher, geliebt und gewollt fühlte aber es war schön, dass mich auch jemand anderes so sah. Ich glaube, in diesem Moment beschloss ich, dass Emmett genauso mein Bruder war, wie er auch Jaspers Bruder war, zumindest hoffte ich das.

Nachdem ich mir auch sicher war, dass Emmett genauso in Ordnung war wie Jasper und Peter, flüchtete ich mich schnell wieder in die Arme meines Engels. Wir unterhielten uns während der restlichen Mittagspause und ich informierte Jasper darüber, dass Rosalie mich nach der Schule abholen würde. Zuerst dachte ich, er hätte Einwände, aber er sagte nichts, und dass machte mich erst richtig nervös.

"Woran denkst du Süße?" fragte mein Engel. Vermutlich hatte er meine Neugierde und Verwirrtheit gespürt.

"Nun, ich habe mich gefragt, was gestern passiert ist, nachdem ihr drei mit Edward verschwunden seid", erklärte ich.

"Wir haben Edward tief in den Wald gebracht", begann mein Bruder Peter und klang böse. Natürlich erschreckte er mich nicht, ich schaute ihn nur mit erhobenen Augenbrauen an.

"Was der Captain zu sagen versucht", sprang Jasper ein, bevor Peter noch etwas sagen konnte. "Ist, dass wir Edward von deinem Haus weggebracht und eine Weile mit ihm geredet haben."

"Ok, also ward ihr alle dazu notwendig, um mit ihm zu reden?" fragte ich und verwendete Anführungszeichen.

"Wir haben ihn auch etwas aufgemischt", antwortete Emmett enthusiastisch.

"OK, aber warum schien er dann im Unterricht die ganze Zeit so selbstzufrieden zu sein?" Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Edward so selbstzufrieden gewesen wäre, wenn diese drei Vampire ihn 'aufgemischt' hatten, auch wenn sie ihm keine bleibenden Schäden zugefügt hatten.

"Was meinst du?" Mein Engel sah aus, wie damals bei meiner Mum. Natürlich hatte ich keine Angst vor ihm, aber ich wunderte mich, was in ihm vorging.

"Er war den ganzen Tag in der Schule und während der Englischstunde sah er so aus, als wüsste er etwas, dass ich nicht weiß! Er sah definitiv nicht so aus, als wäre er mit euch dreien letzte Nacht im Wald gewesen!"

"Jemand hat ihm geholfen", fauchte mein Engel, danach wurde es still. Ich schaute die vier Vampire an und bemerkte, dass Char die ganze Zeit an Peter gekuschelt war und die Unterhaltung beobachtete. Da realisierte ich erst, dass sie sich unterhielten, aber in Vampirgeschwindigkeit, so dass kein Mensch sie verstehen konnte. Ich beschloss, dass sie sich um die Vampirprobleme kümmern sollten und entspannte mich einfach in Jaspers Armen.

Bald darauf signalisierte das Klingeln, dass Char und ich wieder zum Unterricht mussten. Ich hatte etwas von dem gegessen, was die Jungs mitgebracht hatten, also musste ich die restliche Zeit nicht hungern.

Auch wenn ich Edward in der nächsten Stunde sehen würde, hatte ich keine Zweifel daran, dass ich es mit Char an meiner Seite schon aushalten würde.

"Hi, ich bin Charlotte, Bellas Cousine"; stellte sich Char beim Lehrer mit einem umwerfenden Lächeln vor. "Ich habe gehofft, mit Bella arbeiten zu können, damit sie mir zu Hause beim Aufholen des Stoffes helfen kann."

"Das ist kein Problem", die Augen unseres Lehrers schienen beinahe herauszufallen. "Es gibt sowieso eine ungerade Anzahl an Schülern."

Damit zufrieden gingen Char und ich zu dem Tisch, an dem Edward bereits saß und während ich noch einen Stuhl holte, setzte sich Char gleich neben Edward. Ich war sehr dankbar, dass Char die ganze Stunde zwischen Edward und mir sitzen würde. Da der Lehrer heute referierte, war die Stunde sehr ruhig.

Als ich aber am Ende der Stunde zu Char sah, war ich sehr überrascht, zu sehen, dass sie zu Edward sah, während sich ihre Lippen so schnell bewegten, dass es fast so aussah, als ob sich gar nichts bewegte. Zuerst war ich etwas besorgt um sie, da es sich um Edward handelte, doch plötzlich sah er sehr schockiert aus. Ich wusste nicht warum, und im Moment war es mir auch egal, also konzentrierte ich mich wieder auf den Lehrer.

"Was war das?" fragte ich Char auf dem Weg zur nächsten Stunde.

"Was?" Sie versuchte unschuldig dreinzuschauen, aber ich kannte sie besser. Nachdem ich ihr keine Antwort gab, sondern einfach nur wartete, gab sie schließlich nach. "Ich habe ihn nur gewarnt, dass er sich von dir fernhalten soll, denn das nächste Mal wird niemand da sein, der den Major davon abhalten kann, ihn in kleine Stücke zu reisen."

"OK", gab ich zurück.

Da wir jetzt eine Stunde zur Stillbeschäftigung mit Edward hatten, beschloss ich, keine weiteren Fragen zu stellen. Es war schlimm genug, dass er die Gedanken von allen lesen konnte, die ich liebte und die mir etwas bedeuteten, aber ich konnte es wenigstens verhindern, dass er meine Gespräche mithörte.

Char und ich konzentrierten uns darauf, dass sie in allen Kursen auf dem aktuellen Stand war, was irgendwie komisch war, da sie sogar mehr wusste als die Lehrer, aber sie machte ihre Sache ziemlich gut und gab vor, die extra Hilfe von mir zu brauchen.

Schließlich mussten wir noch zur Sportstunde, die wir mit Alice hatten. Neben Spanisch und Biologie hatte ich vor der Stunde die meiste Angst, da sie einen körperlichen Aspekt hatte. Ich wusste nicht, ob Alice ihre vampirischen Fähigkeiten in Schach halten würde oder nicht. Das Schlimmste war, dass wir Völkerball spielen würden und wusste sofort, warum Alice im gegnerischen Team war und dass ich mich von ihr fernhalten sollte.

Während des Spieles gab Char ihr Bestes, um darauf zu achten, dass Alice mich nicht treffen konnte. Unglücklicherweise schaffte es Alice, Char abzulenken und mich abzuschießen. Ich wusste, dass Alice all ihre Kraft eingesetzt hatte, da der Ball mich direkt im Bauch traf und ich hinfiel.

Char war sofort an meiner Seite und als der Coach mich am Boden sah, beschloss er, dass das Spiel zu Ende war und befahl, dass alle duschen und sich umziehen sollten. Nachdem ich ihn endlich davon überzeugt hatte, dass ich in Ordnung war, ging er schließlich auch. Alice hatte die Turnhalle natürlich auch noch nicht verlassen, aber als Char mir aufhalf, sah ich, dass Rosalie Alice an der Gurgel gepackt hatte. Es sah so aus, als ob sie Alice etwas zuflüsterte, aber ich konnte es natürlich nicht hören.

"Bella, lass und gehen", Rosalie kam schließlich zu mir, lies Alice aber nicht los, sondern reichte sie an Char weiter.

"In Ordnung", ich war immer noch sehr langsam und Rosalie war so lieb mich zu stützen.

Wir schafften es endlich zu ihrem Auto und ich fühlte mich schlecht, da wir meinetwegen so langsam waren.

Die Fahrt verlief schweigend und ich wusste nicht, wohin wir unterwegs waren, aber da Char mich mit Rose fahren lies, vermutete ich, dass ich nicht in Gefahr war.

"Rosalie"; begann ich, aber sie unterbrach mich sofort.

"Meine Familie nennt mich Rose", sagte sie. Ich wusste nicht, ob sie mir damit sagen wollte, dass ich sie Rose nennen sollte oder nicht. ""Du kannst Rose zu mir sagen." Ich vermutete, dass Vampire spüren konnten, in welche Richtung sich der menschliche Verstand drehte. Oder Rosalie war einfach gut.

"In Ordnung Rose", ich lächelte leicht. "Danke das du Alice in der Sporthalle zurückgehalten hast!"

"Sie hätte dich nicht angreifen dürfen!" Rose schüttelte den Kopf. "Ich wäre wirklich nicht überrascht, wenn sie nur noch ein Haufen Asche wäre, wenn wir zurückkommen!"

"Oh", ich hatte nie darüber nachgedacht, dass wegen mir jemand sterben könnte und ich war mir nicht sicher, wie ich mich deswegen fühlen sollte. Ich wusste, dass ich nicht so alarmiert war, wie ich hätte sein sollen. "Also, wohin fahren wir?"

"Ach wir fahren nur ein bisschen rum", Rosalie blickte stur auf die Straße, obwohl ich wusste, dass das nicht notwendig war. "Ich will dich einfach nur besser kennen lernen."

"In Ordnung", ich zögerte kurz, weil ich nicht wusste, warum sie das wollte. Ich war nicht mehr mit Edward zusammen und dachte, dass der Rest der Familie nichts mehr mit mir zu tun haben wollte.

"Ich war überrascht, als Esme mir erzählte, dass Edward seine Seelenverwandte, einen Menschen, gefunden hatte", begann Rose. Ich war nicht sicher, was ich darauf sagen sollte, doch zum Glück fuhr Rose gleich fort. "Zuerst war ich erschrocken und dachte nicht, dass er eine menschliche Seelenverwandte haben sollte. Ich hatte dich noch gar nicht kennen gelernt und wollte dich schon aus der Familie haben." Ich wollte sie hier unterbrechen, doch nachdem sie sofort weiterredete, blieb ich still, wer weiß, vielleicht würde sie mich überraschen. "Edward ist ein hochnäsiges Weichei, er fordert immer die gesamte Aufmerksamkeit der Familie und will, dass wir das tun, was er sagt. Ich liebe es, wenn ich aufs College gehen kann, nur um von ihm wegzukommen. Jasper, auf der anderen Seite, ist wie ein richtiger Bruder für mich. Wenn er bei uns lebt, geben wir uns als Zwillinge aus und er trägt meinen Nachnamen. Über die Jahre haben wir eine sehr starke Bindung entwickelt, fast wie bei richtigen Geschwistern. Ich würde fast alles für ihn tun. Die einzige Person, die mir noch wichtiger ist als Jasper, ist mein Seelenverwandter." Für mich war das verständlich. Wir fuhren schon eine Weile rum, aber Rose schien noch nicht fertig zu sein.

"Als Edward mit dir an der Lichtung auftauchte, war ich erstaunt, du schienst ein sehr netter Mensch zu sein, aber ich war dazu entschlossen, dich nicht zu mögen, in der Hoffnung, Edward würde das Interesse an dir verlieren. Zugegeben, als Edward dich maßregelte, weil du nicht über deine Übelkeit hinwegkamst, mussten Esme und Carlisle Emmett und mich zurückhalten. Keiner von uns billigt es, wenn jemand so behandelt wird, egal ob Mensch oder Vampir. Ich war ehrlich gesagt überrascht, als Jasper Edward widersprach, da er das davor noch nie getan hatte. Es überraschte mich noch mehr, dass du dich auf ihn gestürzt hast, aber für mich war es in Ordnung, dass du und Jasper zusammengehört, auch bevor ihr uns eure Geschichte erzählt habt. Alles was ich dir jetzt noch zu sagen habe ist, wenn du ihm wehtust, tue ich dir weh!"

"Klingt gut für mich!" Ich wusste nicht genau, was ich darauf antworten sollte, aber ich wusste, würde ich Jasper jemals verletzen, würde ich mich bereitwillig von Rose verletzen lassen.

"Nur damit du das weißte, ich könnte mir nie auch nur vorstellen, ihn zu verletzten. Jasper war immer für mich da und alles, was ich immer wollte war, dass Jasper in meinem Leben bleibt, egal in welcher Form oder zu welchen Bedingungen. Bis ich herausfand, dass ich seine wahre Seelenverwandte bin, habe ich einfach nur gehofft, dass er nicht wieder wegläuft, vor allem da ich wusste, dass er ein Vampir ist. Ich war mir nie sicher, warum er mich nur sporadisch besucht hatte, aber mir ging es immer so viel besser, nachdem er da war. Verdammt, selbst Peter oder Char zu sehen, erhellte meine Tage."

"Diese Gefühle hattest du durch die Seelenverwandtschaft", erklärte Rose, sah aber sehr verwirrt aus.

"Okay, aber?" forderte ich sie auf, fortzufahren.

"Nun, ich habe noch nie von einem Menschen gehört, der den Effekt der Seelenverwandtschaft gespürt hat", sagte Rose. ""Ja, es gibt viele Vampire, die ihre Seelenverwandten in Menschen finden und üblicherweise verwandelten sie sie, so wie ich das mit Emmett gemacht habe, aber alle Vampire, mit denen ich über die Jahre gesprochen habe, sagten, der menschliche Seelenverwandte wäre nicht in der Lage, etwas anderes als die normale Anziehung, die alle Menschen uns gegenüber spüren, zu fühlen."

"Möglicherweise ist es so, weil ich Jasper kennengelernt habe, als ich noch so klein war und er im Laufe der Jahre so oft zu mir kam?" gab ich eine mögliche Erklärung.

"Möglich", murmelte Rose. "Das ist wahrscheinlich eines der Geheimnisse, die wir nie lösen werden."

Nach einiger Zeit drehte Rose um und wir fuhren wieder zurück nach Forks. Ich vermutete, dass sie mich direkt nach Hause bringen würde, da ich kein Verlangen danach hatte, zu den Cullens zu gehen, besonders da Alice und Edward dort sein würden.

Ich musste eingedöst sein, denn das nächste, was ich wahrnahm war, dass Rose mich wachrüttelte. Ich schaute auf und sah all meine Vampire vor meinem Haus stehen. Ich lächelte und ging auf sie zu, Rose folgte mir. Charlies Streifenwagen war nicht da, also war er schon zur Arbeit gefahren. Es war irgendwie nett, dass er nicht zu Hause war, so konnte ich mit meinen Freunden hier Zeit verbringen, statt zu den Cullens zu müssen.

Es fühlte sich an wie ein Déjà vu an, als ich in die Küche ging, um mir etwas zu essen zu machen. Rose hatte mich zwar früher nach Hause gebracht als Peter, aber ich war trotzdem hungrig, also machte ich mir schnell etwas einfaches, damit ich wieder zu meinen Freunden konnte.

Anscheinend war mein Déjà vu noch nicht zu Ende. Als ich ins Wohnzimmer ging, sah ich, dass Jasper da stand und Rosalie böse anstarrte. Ich konnte nicht herausfinden, was da vor sich ging. Er hatte genau das Gleiche auch mit Peter gemacht.

"In Ordnung, kann mir bitte jemand sagen, was verdammt nochmal hier los ist?" verlangte ich, da ich nicht zwischen meinem Engel und seinen Freunden stehen wollte. Ich musste herausfinden, was passiert war, aber ich wartete vergeblich auf eine Antwort. "Gut, dann will ich, dass ihr alle geht, bis mir jemand sagt, was los ist"

"Es tut mir leid!" Jasper war sofort an meiner Seite. Ich hatte mir schon gedacht, dass er nicht gehen wollen würde.

"OK, fahr fort!" spornte ich ihn an, nachdem er nicht gleich fort fuhr.

"Ich war nur besorgt, weil meine Familie anscheinend nicht in der Lage ist, dich mit Nahrung zu versorgen", am Ende der Aussage starrte er nicht nur Rose, sondern auch Peter an.

"Hast du daran gedacht, dass ich vielleicht nicht hungrig war, oder dass sie mir etwas zu Essen besorgt haben und ich jetzt einfach wieder etwas essen wollte?" fragte ich ihn.

"Ähm", Jasper sah bei meiner Frage verlegen drein.

"Ich bin schon ein großes Mädchen und auch wenn du dich viele Jahre um mich gekümmert hast, bin ich in der Lage, etwas zu sagen, wenn ich hungrig bin!" Ich sah Jasper in die Augen. "Es gibt keinen Grund, böse auf Peter oder Rose zu sein, nur weil ich lieber zu Hause essen und nirgendwo anhalten wollte. Wenn ich hungrig genug gewesen wäre, hätte ich es ihnen gesagt und ich bin mir sicher, sie hätten irgendwo für mich angehalten."

"Natürlich hätte ich das!" rief Peter.

"Wir alle würden das machen!" Rose lächelte mich an.

Siehst du", wies ich ihn auf seinen Fehler hin. "Und ab jetzt gibt es kein Überreagieren wegen dummer Sachen mehr!"

"In Ordnung", Jasper lächelte mich an und umarmte mich. Nachdem ich die Geste nicht erwiderte, sah er mich an und realisierte, was ich noch wollte. "Es tut mir Leid Captain, Rose, ich hätte wissen sollen, dass ihr meine Bella nicht verhungern lassen würdet."

Die beiden nahmen die Entschuldigung wohlwollend an und als Jasper mich dieses Mal umarmte, erwiderte ich die Geste. Ich war glücklich darüber, dass Jaspers Sorge um mich nicht seine Familie zerstörte.

Char holte dann ein paar Spiele heraus und fragte, ob wie etwas spielen wollten. Ich musste ablehnen, da ich noch Hausaufgaben machen musste. Ich beschloss, im Wohnzimmer zu arbeiten, da ich dort die Gesellschaft meiner Vampire genießen konnte. Außerdem konnten sie mir alle helfen, wenn ich nicht weiterwusste, da sie sich an alles, was sie jemals gelernt hatten, perfekt erinnern konnten. Jasper fing natürlich gleich an, alle Fakten über den Bürgerkrieg in meinem Geschichtsbuch zu korrigieren. Ich lächelte nur und nickte, als er fortfuhr.

Insgesamt war es ein sehr lustiger Abend. Meine Freunde, die schon wie meine Familie waren, redeten in menschlicher Geschwindigkeit, sodass ich in die Unterhaltung einsteigen konnte, wenn ich wollte, während ich meine Hausaufgaben machte. Ich war mir sicher, so wollte ich mein restliches Leben verbringen, umgeben von meiner Familie. Jetzt musste ich nur noch die High School abschließen und sicher gehen, dass Edward mir fernblieb.