So, da bin ich wieder. Leider hat es diesmal etwas länger gedauert, da ich aus beruflichen und privaten Gründen unterwegs war - dafür erfahrt ihr heute endlich, warum Ron eigentlich plötzlich so relaxed ist, wenn es um Frauen geht :-)

Viel Vergnügen!

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Ron erwartet Hermine unruhig vor dem Büro. In der letzten Stunde sind ihm zunehmend Zweifel gekommen, ob es eine gute Idee war, sie in ihrer derzeitigen Verfassung ausgerechnet Kathleen Pince vorzuwerfen. Harrys Chefin ist gerecht, aber äußerst streng, und sie hat einen trockenen, bissigen Humor, den Ron mittlerweile sehr schätzt, von dem er aber nicht weiß, wie Hermine ihn aktuell verträgt.

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Schließlich geht die Tür auf, und Ron hört Mrs. Pinces Stimme: „Vielen Dank für Ihren Besuch, Miss Granger. Wir melden uns in der nächsten Woche bei Ihnen."

Hermines Antwort versteht er nicht, sie ist zu leise, trotz der offenen Tür.

Als Hermine aus der Tür kommt, will Ron sie schon fast stützen, so fertig sieht sie aus. Fast würde er sagen, sie ist den Tränen nahe, aber andererseits hat er sie in den letzten Wochen oft so gesehen, und vielleicht ist es sogar ein gutes Zeichen, dass sie nicht wirklich weint und auch scheinbar nicht geweint hat.

„Lass uns ein Eis essen gehen", schlägt er vor. Eis essen hilft immer.

Sie zögert.

„Komm, ich lade dich ein", fordert er sie munter auf.

Erst dann nickt sie zaghaft. Er kann nur ahnen, wie es um ihre Finanzen steht, aber er weiß, dass ihre Arbeit in den USA nicht besonders gut bezahlt war. Und da Hermine das selber gesagt hat, die eine Idealistin ist und den Wert ihrer Arbeit nicht in Galleonen misst, heißt das ziemlich sicher, dass sie mittlerweile pleite ist.

Es könnte der richtige Zeitpunkt sein, sie auf das Gästezimmer in seiner WG anzusprechen.

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„Und, wie ist es gelaufen?" fragt er, nachdem sie heiße Schokolade und ein großes Eis bestellt haben. Er hat ihr ein bisschen Zeit gegeben sich zu fangen, aber er ist mit Harry und Ginny schon letzte Woche zur Überzeugung gekommen, dass sie nicht alles in sich reinfressen darf.

Sie zuckt die Schultern.

„Sie ist schon taff", lockt er, „aber immer fair."

„Ja, das ist sie wohl", sagt Hermine endlich. „Sie hat mich an McGonagall erinnert."

„Jepp", grinst Ron. „Das sagt Harry auch immer. Dabei ist sie mit Irma Pince verwandt."

Ein unerwartetes Lächeln huscht über Hermines blasses Gesicht: „Dann solltest Du ihre Akten sehr pfleglich behandeln."

Ron lacht, und denkt sich im Stillen, dass sie ihm lächelnd eindeutig besser gefällt.

„Ich glaube, sie fand meine Zeugnisse ganz gut", meint Hermine etwas später. „Aber natürlich ist ihr aufgefallen, dass … es mir zur Zeit nicht so gut geht."

„Dann weiß sie aber auch, dass sich das legt", vermutet Ron optimistisch und ist froh, dass es Hermine gelingt, dem Bewerbungsgespräch etwas Positives abzugewinnen.

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Ihre Reaktion auf seinen Vorschlag mit der WG wenig später ist allerdings beunruhigend zahm. Sie zögert nur kurz, bevor sie zustimmt, und fragt, wann sie das erste Mal bezahlen müsste.

„Erst einmal bist Du Gast", sagt Ron. „Lee und ich teilen uns die Wohnung nur, weil es bequemer und lebhafter ist, nicht wegen des Geldes."

Er erinnert sich an ihren Brief, in dem sie ihre Überraschung über seine Wohngemeinschaft mit Lee Jordan geäußert hat. Sie war weit weg und hatte nicht gesehen, wie George bei jeder Begegnung mit Lee verschlossen wurde, und Lee bei jeder Begegnung mit George verstummte, weil sie beide allzu offensichtlich an die Lücke erinnert wurden, die Fred hinterlassen hat. Also hatten sich stattdessen Ron und Lee zusammengetan, damals noch aus finanziellen Gründen, und sie hatten sich von Anfang an bestens verstanden.

Lee ist mittlerweile Kommentator im Profi-Quidditch, und da Rons Team bei den wichtigen Spielen sehr oft als Eingreiftruppe vor Ort bereit steht, decken sich ihre Arbeitszeiten erstaunlich gut.

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„Hey, Ron, Du hast einen Gast mitgebracht", stellt Lee fröhlich fest. Er sitzt im Wohnzimer und studiert – natürlich – Quidditch-Magazine. Manchmal schreibt er auch Kolumnen, und er ist ein glühender Verehrer der Holyhead Harpies, seit diese ihr Team mit Katie Bell und Ginny Weasley verstärkt haben. Entsprechend aufmerksam beobachtet er die Presse rund um sein Lieblingsteam.

Als er Hermine die Hand gibt und sie Willkommen heißt, fragt Ron sich, ob Hermine zukünftig immer so fragil wirken wird, wenn ein alter Bekannter sie zum ersten Mal begrüßt. Andererseits ist es schon besser geworden, so im Vergleich zu ihrem ersten Besuch im Fuchsbau vor einer Woche.

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Er führt Hermine durch die Wohnung – mäßig aufgeräumt, aber vorzeigbar – und überspielt den peinlichen Moment, als Hermine beim kurzen Blick in sein Schlafzimmer erstaunt sein riesiges Bett mit der Satin-Bettwäsche mustert, indem er sie schnell zu ihrer neuen Unterkunft führt: „Klein, aber gemütlich, habe ich mir sagen lassen."

Und schließlich erntet Ron strahlende Freude, als er das kleine Regal im Gästezimmer kurzerhand transfiguriert und um weitere drei Regalböden aufstockt, damit Hermine genug Platz für ihre Bücher hat. Er stellt fest, dass es ihm Vergnügen bereitet, dieses Strahlen auf ihr Gesicht zu bringen.

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Es ist wirklich lange her, denkt Ron später, als er sich zu Lee setzt und an einem Whisky nippt. Hermine schläft schon, der Tag hat sie geschafft.

Als sie sich bettfertig gemacht hat, hat ihn das an die langen Wochen im Zelt erinnert. Und er ist einen Moment wirklich versucht, noch einen Blick auf ihr schlafendes Gesicht zu erhaschen, so wie damals, wenn er Wache geschoben hat.

Aber dafür ist zu viel passiert.

Sie ist nur noch die gute, alte Freundin aus Kindertagen, die ihn als Freund braucht.

Vielleicht war es nie anders, sinniert Ron. Sie haben sich geküsst, und er war bis über beide Ohren verliebt – aber viel näher sind sie sich nie gekommen. Ein paar Umarmungen. Einige Abende, an denen sie aneinander gekuschelt eingeschlafen sind.

Dann kamen die Paparazzi. Kommentierten jede Bewegung, jede Umarmung. Und vergällten Hermine jegliche Lust. Ron erinnert sich noch lebhaft an seinen jugendlichen Frust, auch wenn er sie verstehen konnte.

Es hatte – natürlich – zu weiteren Streitereien geführt.

Letztlich war Hermine verschwunden, bevor sie in einem richtig großen Streit hätten auseinander gehen können. Insofern hat ihre damalige Flucht ihr Gutes gehabt, denn sie können sich immer noch in die Augen sehen.

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Ron schwenkt nachdenklich die goldgelbe Flüssigkeit.

Einige Monate später kam Alice. Sie war fünf Jahre älter, erfahren, reif. Sie wollte keine Beziehung, nur Vergnügen, und ihr besonderes Vergnügen war es, junge Männer „zu vernaschen" und „zu lehren", wie sie selber sagte. Daraus machte sie nie ein Geheimnis – und Ron genoss es mit Staunen. Unkompliziert. Lustvoll. Ohne verwirrende Gefühle.

Natürlich nicht ganz ohne Gefühle. Alice hat ihm schließlich mehr gegeben als Sex: Selbstvertrauen. Erfahrung. Freundschaft. Und kleine Hinweise darauf, wie Frauen so ticken.

Sie ist immer noch eine gute Freundin.

Genau wie Natalie. Sie hat ihn nicht nur gelehrt, wie man eine Beziehung anbahnt, wenn einen die Frau interessiert, sondern auch, wie man eine solche Affäre nach ein paar netten Monaten elegant beendet, wenn es dann doch nichts Tiefergehendes werden soll.

Er hat mächtig Glück gehabt mit den beiden.

Lee hatte ihn damals schon hochgenommen, ob er jetzt ältere, erfahrene Frauen bevorzuge. Ron hatte nur die Schultern gezuckt: er wusste es schlicht nicht. Er wusste nur, dass es wesentlich entspannter war als alles, was er sonst mit Mädchen erlebt hatte.

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Nach Natalie kamen noch einige andere, die meisten älter als er, selbstbewusst und unabhängig.

Und er stellte immer wieder fest, dass diese Art von Frau ihn – zu seiner eigenen Überraschung – kaum mehr nervös machte. Was dazu führte, dass er ohne Scheu ausprobieren konnte: Flirten. Küssen. Sex. Trösten. Besser-nichts-sagen. Schlussmachen.

Von allen hat er sich nach einigen schönen Tagen, Wochen oder Monaten im Guten getrennt. Bei allen hat er von Anfang an mit offenen Karten gespielt – das hat er Alice versprochen. Am schwersten war das bei denen, von denen er glaubt, dass sie gerne mehr von ihm gewollt hätten.

Aber Ron genießt es immer noch, keine feste Verpflichtung zu haben, keinen Beziehungsstress.

Die Ausbildung zum Auror war kein Zuckerschlecken. Schon gar nicht, wenn man nicht die eigentlich erforderlichen Noten mitbringt, sondern nur einen fragwürdigen Heldenstatus. Und die unregelmäßigen Arbeitszeiten eines ausgebildeten Aurors sind auch nicht gerade beziehungsfördernd. Aber für einen One-Night-Stand oder ein unverbindliches Vergnügen mit einer alten Freundin oder einer neuen Bekanntschaft ist zwischendurch schon mal Zeit. Und manchmal bleibt es auch bei einer Einladung zum Essen und einem netten Gespräch – das ist auch in Ordnung.

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Ron hebt den Kopf.

Sein Instinkt hat ihn nicht getäuscht: Lee mustert ihn aufmerksam und grinst. „So nachdenklich, Kamerad?"

Ron zuckt die Schultern.

„Habe mich mit Deinem neuen Beuteschema wohl doch getäuscht", sagt sein Freund da augenzwinkernd, stellt das Glas auf den Tisch, steht auf und geht ins Bad.

„Was willst Du damit..." Rons Antwort kommt viel zu spät. Und er weiß sehr genau, was Lee sagen will. Er ärgert sich nur gerade, dass es scheinbar so offensichtlich ist.

Er hat nach der Trennung von Hermine viele Frauen gehabt.

Attraktive Frauen. Schöne Stunden. Gute Freundinnen.

Aber vergessen hat er Hermine nie.