Eigentlich unverzeihlich - da habe ich schon mal eine Geschichte mit mehr als einem Kapitel geschrieben und auch tatsächlich beendet, und dann lade ich sie trotzdem nicht hoch.

Nun ja - für die, die sich noch interessieren: es geht weiter mit Ron und Hermine.


„War richtig nett."

Freude macht sich in Ron breit, als er die Tür zur Wohnung öffnet und Alices Stimme hört. Er ist hundemüde, denn es gibt für ihn nichts Schlimmeres als einen Bereitschaftseinsatz in den frühen Morgenstunden. Aber Alice schafft es immer, ihn aufzumuntern.

Besonders, wenn sie nach einer Nachtschicht vorbeikommt. Er grinst vorfreudig.

„Hey, guck nicht so entgeistert", sagt Alice da zu jemandem. Sie klingt belustigt.

Hermine! fällt es Ron siedend heiß ein.

Beunruhigt macht er die Tür ganz auf und erfasst die Lage mit einem Blick: Hermine starrt Alice an, Verblüffung im Gesicht, während Lee sein Grinsen mit einem Schluck aus der Kaffeetasse verbirgt.

„Ich …" murmelt Hermine verlegen und greift dann ebenfalls hastig nach ihrer Tasse.

Ron weiß nicht so recht, in was er da reingeplatzt ist, aber er beschließt, dass es nur gut sein kann, die sich ausbreitende Stille zu durchbrechen: „Kaffee! Und Frühstück!" ruft er. „Ihr seid wahre Freunde!"

Er schmeißt seinen Umhang auf einen Sessel, lässt sich auf den letzten freien Stuhl am Tisch plumpsen und greift sehnsüchtig nach der Kaffeekanne.

„Du kommst gerade richtig", kommentiert Lee gut gelaunt und ergänzt schonungslos: „Hermine wurde soeben über Deine wilde Vergangenheit aufgeklärt."

„Vergangenheit?" fragt Alice mit gespielter Enttäuschung und funkelnden Augen.

Die beiden amüsieren sich offenbar prächtig. Auf Hermines Kosten.

Ärger steigt in Ron auf, und er wirft Hermine einen besorgten Blick zu. Sie lächelt etwas gezwungen und murmelt dann: „Schon gut. Ich hab gefragt …"

„Ich hab nix Unanständiges gesagt", verteidigt sich Alice und breitet in einer Geste der Unschuld die Hände aus, immer noch sichtlich belustigt.

„Vielleicht fand Hermine Deine Beschreibung mit niedlich und Jüngelchen etwas … befremdlich?" wirft Lee kichernd ein, und Ron sieht aus den Augenwinkeln Hermines unwillkürliches Nicken.

Er kann ihnen nicht recht böse sein. Sie wissen nicht, wie mies es Hermine zur Zeit geht, und durch ihr harmloses Geplänkel geben sie ihr gerade Gelegenheit, sich wieder zu fassen.

Ron beschließt deswegen mitzuspielen. „Niedlich?" wiederholt er empört und schüttelt gespielt resigniert den Kopf. „Ich bin ein ausgewachsener, gefährlicher Auror! Mein armer Ruf!"

Alice und Lee brechen in Gelächter aus. Hermines Blick ist konzentriert auf ihr Marmeladenbrötchen gerichtet, aber er meint, ein leichtes Lächeln um ihre Mundwinkel zu sehen.

Obwohl sie keine falsche Scham kennt und auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt, mangelt es Alice nicht an Taktgefühl. Während Ron zwischen Bissen von Marmeladenbrot von seinem Einsatz berichtet, schweift ihr Blick immer wieder von Hermine zu Ron, und sie zieht ein, zwei Mal vielsagend die Augenbrauen hoch, wenn sie sich von Ron ertappt findet und ihre Blicke sich treffen.

Ron weiß, warum sie ursprünglich vorbeigekommen ist, und schon öfters haben sie sich nach einem locker-freundschaftlichen Frühstück mit Lee nochmal in Rons Zimmer zurückgezogen. Aber diesmal verabschiedet sie sich ohne zu zögern.

„Ich bin dann mal weg", sagt sie. „Mein Bett ruft."

Sie küsst Ron zum Abschied auf den Mund, wie immer. Aber es ist ein freundschaftlicher Kuss.

Und Ron weiß einmal mehr, warum er sie so schätzt.

Hermine hat Alice beim Abschied angelächelt, aber sie ist überaus schweigsam, nachdem die Tür hinter ihr zugegangen ist.

Ron weiß nicht so recht, was er jetzt machen soll. „Sie ist eine echt gute Freundin", sagt er schließlich.

Hermine hebt den Kopf und lächelt wieder, auch wenn es etwas gequält aussieht. „Du musst dich nicht erklären, Ron", sagt sie.

Es sieht aus, als ob sie noch mehr sagen möchte, aber nach einem Moment dreht sie sich um und fängt an, das Geschirr vom Frühstückstisch einzusammeln.

Ron will ihr helfen, aber Lee meint „das machen wir schon" und schickt ihn unter die Dusche.

Das Wasser hilft nicht, seine Gedanken zu klären. Er weiß nicht, was Hermine von Alice hält, und von dem, was Alice so offenherzig angedeutet hat.

Er fühlt sich wohl mit seinem Liebesleben, wie es momentan ist, und er bereut nichts. Weder Alice noch seine anderen Bekanntschaften, noch irgendetwas von dem, was er mit diesen Bekanntschaften getan hat. Aber trotzdem hat sich irgendwie alles verändert, seit Hermine wieder da ist, und Ron hat keine Ahnung, was das für Auswirkungen auf sein Leben haben wird.

Spontane Damen-Besuche mit eindeutigen Absichten, wie die von Alice, sind kein so seltenes Phänomen in der WG, und Ron ist Gentleman und genießt diesen Luxus. Aber wenn Hermine im Zimmer nebenan wohnt, wird so etwas plötzlich undenkbar.

Als er zurückkommt, hat sich Hermine in einem Sessel – seinem Lieblingssessel, obwohl sie das nicht weiß – eingekuschelt, die Arme um ihren zu mageren Körper geschlungen.

Er setzt sich auf das Sofa ihr gegenüber.

„Alles in Ordnung?" fragt er besorgt.

Sie öffnet die Augen und sieht ihn eine Weile an. Er war noch nie gut im Lesen von Gesichtern, und er weiß nicht, was sie von ihm erwartet.

„Du magst sie sehr", murmelt Hermine schließlich.

Ron nickt. „Sie hat mir geholfen, Frauen zu verstehen", sagt er, und muss unwillkürlich lächeln bei der Erinnerung, wie ungeschickt er sich damals angestellt hat. Dass er heute so entspannt an seine Unbeholfenheit zurückdenken kann, verdankt er auch Alice.

„Warum habt ihr euch getrennt?"

„Wir waren nie richtig zusammen", erklärt Ron. „Es war nur Spaß, das hat sie von Anfang an klar gemacht." Nach einer kurzen Pause ergänzt er die Antwort auf Hermines unausgesprochene Frage: „Am Anfang öfter, und dann immer mal wieder, wenn es sich ergab."

Hermine sieht ihn nachdenklich, aber nicht überrascht an. Offenbar passt das zu dem, was sie sich bisher über Alice zusammengereimt hat.

„Und in der Zeit, als du feste Beziehungen hattest?"

Ron ist sich nicht sicher, ob sie einfach davon ausgeht, dass es feste Beziehungen gab, oder ob sie die Frage gerade stellt um das herauszufinden. Auf jeden Fall findet er sich unvermittelt in der seltsamen Situation, sein freiheitliches Liebesleben ausgerechnet der einzigen Frau zu erklären, die er jemals als „feste Beziehung" betrachtet hat.