Hallo liebe Leser,
da ist das letzte Kapitel. Ja, richtig gelesen. Wie ich am Anfang geschrieben habe, gibt es hier weder viel Dramatik, und nach 12 Kapiteln Gefühlswirrungen möchte ich Hermine und Ron in die Zukunft entlassen.
Ok, einen kleinen Epilog gibt es noch, den hänge ich auch gleich dran.
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Es gibt keine Zu- und keine Absage in dem Brief, sondern eine Einladung zu einem zweiten Gespräch, und Ron weiß nicht, was er davon halten soll. Er kennt Kathleen Pince mehr aus Harrys Anekdoten als aus persönlichem Kontakt, aber bisher hatte er immer den Eindruck, sie sei eine Frau, die sich ihrer Sache sicher ist und grundsätzlich klare Ja-oder-Nein-Entscheidungen trifft.
Es beschäftigt ihn deutlich mehr als die Verlobung seiner Schwester – die kommt nämlich nicht überraschend, so nach den letzten Kumpel-Gesprächen mit Harry in der vergangenen Woche.
Hermine hat sich wieder in seinem Sessel zusammengerollt.
Aber es ist nicht der Brief, der ihr zu denken gibt. „Bin ich so verdreht?"
„Was? Nein! Wer sagt so etwas?"
Aber Hermine scheint seine Antwort gar nicht wirklich wahrzunehmen. Sie stellt schon die nächste Frage: „Was haben sie richtig gemacht und wir nicht?"
„Wer?" fragt er, obwohl er eine ziemlich konkrete Ahnung hat, und diesmal antwortet sie.
„Ginny und Harry. Sie sind immer noch zusammen. Warum wir nicht?"
Weil Du davongelaufen bist! ist Rons spontaner erster Gedanke. Aber er spricht ihn nicht aus, das wäre unfair. Außerdem ist er sich gar nicht mehr sicher, ob es stimmt. Er hat genug langjährige Beziehungen scheitern sehen, um zu wissen, dass es auch ihm und Hermine so hätte ergehen können, gerade im Nachgang des Krieges. Und er weiß nicht, ob er neben Hermine, seiner brillanten, neunmalklugen, überlegenen Hermine, so viel erreicht hätte. Ob er sich alleine durch seine Ausbildung gebissen hätte, soviel Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen in sich gefunden hätte.
Nein, Hermine kann er keinen Vorwurf machen, und er hat ihr ohnehin schon lange verziehen. Er war wütend und enttäuscht, damals, aber immerhin hat er selber eine unrühmliche Episode der Flucht hinter sich– wo Harry und Hermine ihn viel mehr gebraucht hätten … Es ist lange her, seit er zuletzt an ihre Tage in den Wäldern gedacht hat.
„Ron?"
Erst jetzt merkt er, dass er schon eine Weile schweigt und Hermine damit noch weiter verunsichert.
„Es ist meine Schuld", murmelt sie.
„Unsinn", sagt er energisch.
„Doch", widerspricht sie traurig, „ich hätte nicht …"
Ron beugt sich zu ihr herunter, zieht sie fast schon ruppig aus dem Sessel hoch auf die Beine und zwingt sie, ihm ins Gesicht zu sehen. „Keine Selbstvorwürfe, Hermine."
In ihren Augen stehen Tränen.
Er weiß nicht, was er noch sagen soll. Die richtigen Worte zu finden war noch nie sein Ding, und alles, was er jetzt sagen könnte, würde entweder doch nach Vorwurf klingen oder danach, als ob es ihm nicht wichtig sei.
Zuletzt übernimmt sein Körper die Führung: er wischt ihr eine Träne von der Wange, streicht eine widerspenstige Locke aus ihrem Gesicht und drückt sie dann einfach an sich.
Sie schlingt wie eine Ertrinkende die Arme um ihn und weint still an seiner Schulter. Er streicht über ihren Rücken und wiegt sie leicht hin und her, bis ihre leisen Schluchzer weniger werden.
Und als sie den Kopf hebt, um ihn anzusehen, küsst er sie.
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Es war spontan, nur eine sanfte Berührung der Lippen, und es wird nicht einfacher dadurch.
Hermine hat den Kuss erwidert, aber wie auf Kommando sind sie danach wieder auseinander gestoben, und jetzt starren sie sich an.
Hermine dreht verlegen eine Haarsträhne zwischen den Fingern, und Ron ist sich sicher, dass sein Gesicht glühen muss.
„Entschuldige", sagt er. „Das war falsch."
„Nein", murmelt sie und senkt den Blick, „du musst dich nicht entschuldigen. Es war nicht falsch."
Schweigen.
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Das schrille Kreischen aus dem Kamin lässt sie beide zusammenzucken.
„Mist! Der Auroren-Notruf!" ruft Ron und stürzt schon zu seinem Umhang.
Das ist antrainiert, mittlerweile ein Reflex, und erst als er schon den Zauberstab zum Apparieren in der Hand hat, realisiert er sie wieder richtig, wie sie da verloren immer noch an der gleichen Stelle steht und ihn beobachtet.
Er zögert.
„Geh nur", sagt Hermine, und plötzlich lächelt sie sogar. „Das entspannt bestimmt - ich bin mir sicher, jeder Verbrecher ist weniger schwierig zu handhaben als ich."
Sie meint es so, selbstironisch, aber ehrlich, ohne ihm böse zu sein.
Vielleicht ist sie über die Unterbrechung genauso froh wie er? Oder ist er doch nicht froh?
Er hat – glücklicherweise – keine Zeit mehr, genauer darüber nachzudenken.
Hermines ehrliches „Viel Erfolg!" begleitet ihn wie ein Patronus.
