Kapitel 2
Hermine Granger seufzte, als sie ihre Brille abnahm und sich in ihrem Stuhl zurücklehnte. Sie rieb ihre Augen und sah zum Stapel vor ihr, dann zur Uhr an der Wand. Sie hätte nie gedacht, dass sie es je fertig bringen würde, den ganzen Stapel zu Ende zu zensieren. Die meiste Zeit wurde ihre Geduld durch die Schüler ziemlich auf die Probe gestellt. Doch trotzdem machte ihr der Job wirklich Spaß.
Als der Krieg zu Ende gegangen war, war ihr die Verwandlungsstelle und die Leitung von Gryffindor angeboten worden. Minerva McGonagall hatte entschieden, einen Karrierewechsel zu starten und sich um die Kinder in dem Waisenhaus zu kümmern, das sie und Molly Weasley eröffnet hatten. Ihre Stelle als stellvertretende Schulleiterin wurde Severus übergeben. Hermine hatte den Job natürlich direkt angenommen. Sie hatte eine Leidenschaft fürs Unterrichten und fühlte, dass Hogwarts zu ihrem Zuhause geworden war, seit ihre Eltern im Krieg umgekommen waren.
Hermine lächelte, als sie sich an die Neuigkeiten erinnerte, die sie vorhin gehört hatte. Hogwarts würde eine Junggesellenauktion veranstalten, inbegriffen aller Junggesellen im Orden. Sie hatte sofort an Severus Snape denken müssen.
Seit ihrem sechsten Schuljahr war Hermine in den Zaubertrankmeister verknallt. Sie war aber nicht die einzige gewesen. Viele ihrer Mitschülerinnen hatten ebenfalls einen Narren an Snape gefressen. Aber Hermine hatte niemals mit jemanden darüber geredet. Der Mann war groß, geheimnisvoll, gut aussehend und hatte ein „Bad-Boy"-Image. Natürlich war jeder weibliche Teenager in Hogwarts in Snape verliebt, wer war das schon nicht? Aber es war halt nur eine Schwärmerei.
Dennoch war Hermines Gefühle für Severus nicht einmal verschwunden, als sie Kollegen wurden. Es gab viele Momente, in denen er sie immer noch wie eine Schülerin behandelte und zu ihr herab sah. Es war schwer, seinen Respekt zu gewinnen - nicht dass Hermine es wollte, aber es würde ihre Zusammenarbeit einfacher machen. Er war immer noch derselbe Mann, derselbe kaltherzige Bastard, der er schon immer gewesen war.
Niemals hatte sie einen Versuch gewagt, einen Schritt auf ihn zuzugehen, weil sie wusste, dass sie abgelehnt werden würde. Jedoch mit der Auktion… würde sie es riskieren, für ihn zu bieten? Der Gewinner würde ein Date mit ihm haben, was ein Traum für sie war.
Ein Date mit Snape? Alleine bei der Vorstellung wurde Hermine schwindelig. Sie stand auf, verließ ihr Büro und machte sich auf den Weg zur Küche.
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„Sie waren nicht beim Abendessen", knurrte Snape, als er seine Gabel in den Teller mit Spaghetti stieß. Er saß an dem kleinen Tisch auf der einen Seite der Küche, alleine.
„Ich musste noch Arbeiten zu Ende korrigieren", erwiderte Hermine, als sie sich auf den Weg zu der großen Insel in der Mitte machte. Sie nahm sich einen Teller und belud ihn mit all den Sachen, die die Schüler nicht aufgegessen hatten. „Also, warum sind Sie hier?" fragte sie und nahm ihm gegenüber Platz.
„Sie sitzen immer neben mir, Miss Granger. Wenn sie nicht da wären, würde Trelawney es für eine gute Idee halten, sich neben mich zu setzen", antwortete Severus.
Hermine kicherte. Sie konnte sich gut vorstellen, was passieren würde. Trelawneys Gefühle für Severus waren vielen Leuten bekannt, und sogar sie fand die Vorstellung wahnsinnig komisch.
„Ich finde es überhaupt nicht witzig, Granger", brummte er.
„Ich wette, sie würde versuchen, Sie erneut zu küssen", lachte sie. Merlin, wie sehr wünschte sie sich, die gleiche Kühnheit wie Trelawney zu haben und ihm ihre Gefühle zu zeigen. Aber das konnte sie nicht.
„Bitte, ich esse gerade!" ächzte Severus vor Ekel. „Ich dachte, wir hätten eine Abmachung, dass Sie beim Essen immer neben mir sitzen."
„Ich wusste nicht, dass wir eine Abmachung haben, Professor. Wir haben nie darüber gesprochen."
„Sie setzt sich immer neben mich, wenn Sie nicht da sind!"
„Hey, es gibt keinen Grund, auf mich sauer zu sein!" kicherte Hermine. Sie amüsierte sich immer noch über ihn.
„Sie lieben es, wenn ich vor allen anderen lächerlich gemacht werde, was?" fragte Severus und sah Hermine direkt an.
„Ehrlich, Professor, ich finde es lustig", antwortete Hermine.
Severus schüttelte seinen Kopf und seufzte niedergeschlagen. „Was soll ich bloß wegen der Junggesellenauktion machen?" murmelte er. In der letzten Woche hatte er versucht, eine Lösung zu finden, aber ihm fiel einfach nichts ein. „Verdammt, dass diese Hexe gesagt hat, dass sie mich gewinnen wird!"
„Oh, ich wette, dass sie es tun wird!" Hermine brach in Gelächter aus. „Ich kann es nicht abwarten. Wie hat sie Sie bei der letzten Lehrerkonferenz noch genannt? Sevischnuckiputzilein?"
„Muffin, Bärchen, Muckele, Honighase", murrte Severus, als er sich an einige der Namen erinnerte, die Trelawney für ihn benutzt hatte. Er blickte Hermine finster an, er hatte sie noch nie so sehr lachen gesehen. „Sie machen es nicht einfacher für mich. Ich versuche, einen Weg daraus zu finden, seit Albus sich entschieden hat."
„Sie wollen es wirklich nicht machen, oder?" fragte Hermine, als sie wieder zu Atem kam.
„Keineswegs!" brüllte Severus. Als er sah, wie sie vor Überraschung zusammenschreckte und ihre Belustigung verschwand, sackte er in seinem Stuhl zusammen. „Tut mir Leid. Ich wollte Sie nicht anschreien."
Hermine sah ihn an. Sie versuchte ihr Erstaunen zu verbergen. Es war das erste Mal in ihren Leben, dass sich Snape bei ihr entschuldigt hatte, das allererste Mal. Verzweiflung war in seinem Gesicht geschrieben, sie hatte Mitleid mit ihm. „Ich sollte mich entschuldigen, Professor", sagte sie sanft. „Ich habe mich über Sie lustig gemacht. Ich wollte Sie nicht angreifen oder verärgern."
„Es ist völlig in Ordnung, Miss Granger." Severus stützte seinen Kopf auf seinen Händen ab. Er massierte seine Schläfen und schloss die Augen. Probleme lösen war leicht für ihn und selten machte er sich darüber Sorgen - sogar im Krieg war ihm stets schnell eine Lösung eingefallen. Jedenfalls spielte dieses Problem in einer ganz anderen Liga und er wusste nicht, wie er da raus kommen könnte.
Hermine trank ihren Kürbissaft aus. Während sie ihr Glas abstellte, sah sie ihn wieder an. „Es tut mir Leid. Ich würde Ihnen helfen, wenn ich könnte", sagte sie, als sie aufstand. „Ich sollte ins Bett gehen. Gute Nacht, Professor."
Severus sah zu Hermine auf und nickte. „Gute Nacht, Miss Granger."
