Kapitel 6

„Severus mein Junge", gluckste Dumbledore, als er sich zu dem jüngeren Zauberer hinüberbeugte. „Wer hätte gedacht, dass du das Highlight der Show sein würdest? Zweifellos unerwartet."

„Du wirst dafür bezahlen, Albus!" fauchte Severus.

„Ich denke, die Show hat erst begonnen, und ich bin mir sicher, dass ich Spaß haben werde", sagte Albus.

„Warum ist es so, dass du mich immer zum Gespött aller Leute machen möchtest?" fragte Severus. „Es ist nicht lustig."

„Wo bleibt dein Sinn für Humor?" entgegnete der Schulleiter. „Hoffentlich wird diese besondere Hexe, die du heute Abend ausführen wirst, dich wieder humorvoller machen." Er entschied, mit der Show fortzufahren und sprach ins Mikrofon. „Was sind deine Pläne für dein heutiges Date?"

„Sie kann entscheiden, was wir machen", antwortete Severus mit seiner seidigen Stimme. Seine Hand bewegte sich zu seiner Hosentasche; er war bereit, seinen Stab jederzeit zu zücken. Durch seine Antwort schienen die Frauen noch mehr zu schreien und wilder zu werden. Was zum Teufel war falsch mit ihm? Inmitten der Menge versuchte er seine rettende Grazie ausfindig zu machen, aber er sah sie nirgendwo.

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Hermine sah Severus durch den Spalt zwischen den beiden verdammt großen Hexen, die vor ihr standen. Sie erdrückte ihr Lachen in der Hand, als sie ihn beobachtete. Er war blasser als sonst und sie konnte die leichte Panik in seinem Gesicht sehen. Er war erledigt – und es würde unterhaltsamer werden.

„Ich werde so sehr für ihn bieten!" sagte Ginny, die auf Zehenspitzen stand.

„Ich auch!" quietschte Pavarti.

„Wir werden einfach so für ihn bieten, wie es die Models getan haben", meinte Padma. „Meinst du, er kann uns beide bearbeiten, Schwester?" Sie zwinkerte.

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„Ach du Scheiße!" murmelte Sirius, als er die Frauen überrascht beobachtete. „Sind die alle wegen einem Zauber von ihm besessen, oder was?"

„Ich denke nicht", entgegnete Harry ehrfürchtig. Er dachte, dass das Gebot für Draco schon etwas war, aber Snape setzte die Messlatte eindeutig höher an. Als er Ginny sah, war er überrascht, dass sie genauso durchgedreht war.

„Sieht so aus, als würdest du ihm hundert Galleonen schulden", lachte Remus.

„Verdammt ihn!" fluchte Sirius. „Er ist ein verdammter, schmieriger Idiot! Was sehen sie bloß in ihm? Warum wollen sie ihn bloß so sehr?"

„Er ist groß, dunkel, attraktiv, hat eine großartige Stimme, ist klug, stark, und hat dieses gewisse „Bad-Boy"-Image, das wir alle lieben", meinte Millicent mit einem Achselzucken.

„Du machst Witze?" fragte Harry ungläubig.

Millicent schüttelte den Kopf. „Beinah jedes Mädchen in Hogwarts ist in ihn verknallt. Sieh sie doch mal manche von ihnen an", sagte sie und sah hoch zu einigen jüngeren Schülerinnen. Sie lehnten sich aufgeregt über ihre Besen und kicherten. „Er ist der Schwarm aller Schulmädchen."

„Und was war mit mir, als ich Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtet?" wollte Sirius wissen.

„Tut mir Leid, kann man nicht vergleichen", erwiderte Millicent feixend. „Sogar ich hab mich zu ihm angezogen gefühlt, als ich Schülerin war. Naja jetzt eigentlich auch noch ein wenig. Ich erinnere mich sogar an einige Fantasien, die im Slytherinturm erzählt wurden. Pansy hat einmal erzählt, dass wenn ein Mann eine große Nase hat, der Schwanz auch –"

„Danke, aber ich hab genug gehört", stoppte Sirius sie gereizt.

„Ich glaube nicht, dass er etwas von den Schwärmereien weiß", meinte Harry. „Trelawney, na gut, das ist eine andere Geschichte. Jeder weiß davon." Er drehte sich um und sah zu ihrer ehemaligen Professorin für Wahrsagen. „Ich denke, sie ist die aufgeregteste Person hier in diesem Raum. Sie wird das bekommen, was sie schon immer wollte."

„Oder eine andere Hexe", sagte Remus. Dann lachte er, als er Snape auf der Bühne beobachtete. „Er verliert seine Lässigkeit und wird hier jede Minute raus rennen."

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Albus räusperte sich, als er versuchte, die Versteigerung zu starten. „Ladies, sollen wir bei hundert –"

„Fünfhundert Galleonen!" schrie Trelawney.

„Sechshundert!" rief Sprout neben ihr.

Trelawney drehte sie zu ihrer Kollegin um, kein bisschen amüsiert. „Was machst du? Er gehört mir!"

„Ich versuche, dich zu überbieten!" gackerte Sprout.

„Siebenhundert Galleonen!" brüllte Hooch und grinste Trelawny kurz selbstgefällig an.

„Eintausend Galleonen!" kreischte eine Hexe durch den Raum.

„Eintausendfünfhundert!" bot eine andere.

Trelawney schüttelte ihren Kopf einen Moment lang und sagte mehrere Male „Nein." zu sich. Das passierte gerade nicht. Sie hob ihr Schild und brüllte: „Zweitausend!"

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Severus stand erstarrt auf der Bühne, er war total schockiert. Nur seine Augen bewegten sich. Sein Blick sprang von der einen Hexe zur anderen; er hörte ihre Stimmen, sah ihre Gesichter, ebenso wie ihre Schilder. Wo war Granger? Verdammt, warum hatte er sie vorher nicht nach ihrer Schildnummer gefragt?

Seine Panik wurde mit jedem Angebot größer. Trelawney war nicht die einzige Kollegin, die für ihn bietete, und war überrascht, als die anderen ihre Gebote nannten. Andere wenige Gesichter hatte er ebenfalls erkannt. Die reinblütige Witwen Mrs Nott und Mrs Goyle nahmen ebenfalls an dem Kampf teil. Das Weasley Mädchen, Potters Freundin, und sogar ein paar frühere Schülerinnen schrien ebenfalls ihre Preise.

Das passierte wirklich nicht. Er fühlte, wie sein Hals austrocknete, als er in seine Tasche griff, das Holz seines Zauberstabes berührte. Wo war Granger? Er würde jeden Moment sterben, er fühlte es. Überleben war entscheidend, aber wohin sollte er sich retten?

„Mrs. Nott bei fünftausend", konnte Albus letztendlich sagen, als der Tumult zu Ende war. Jedoch gab es immer noch einige wenige Bieterinnen, die ihre Schilder hoben und den Preis in die Höhe trieben.

„Füntausendfünfhundert", bot Mrs Goyle und warf der Frau, die sie so verachtete, einen hochnäsigen Blick zu. Sie fühlte sich ihr überlegen.

„Siebentausend!" rief Trelawney verzweifelt und griff nach ihrem letzten Strohhalm, wie eine Ertrinkende.

Der Raum war still, als sich Albus umsah. „Wir haben Professor Trelawney bei siebentausend Galleonen. Irgendwelche anderen Gebote? Zum ersten…"

Severus schloss seine Augen und fing an, zu Merlin, Jesus, Zeus oder irgendeinem anderen verdammten Gott, der ihm in den Sinn kam, zu beten. Rettet mich!

„Zum zweiten…"

Töte mich irgendeiner mit dem unverzeihlichen Fluch!

„Zehntausend!" sagte eine Stimme und durchbrach die Stille.

Albus sah sich um; er sah kein Schild. „Verzeihung?"

Hermine stand auf und zeigte ihm sein Schild. „Zehntausend Galleonen."

Ginny blickte zu ihrer besten Freundin hoch; ihr Mund stand offen. „Hermine, das meinst du nicht ernst?!"

Severus öffnete ein Auge, dann das andere und war etwas erleichtert, letztendlich Granger zu sehen.

„Habe ich Sie richtig verstanden, Professor Granger?" fragte Albus, um es klarzustellen.

„Zehntausend Galleonen, oder hundertsiebzigtausend Sickel, oder viermillionen neunhundertdreißig Knuts", antwortete Hermine. Sie grinste Trelawney an – sah ihre übergroß geweiteten Glubschaugen. Als sie bemerkte, wie sie sich setzte, wusste sie, dass sie gewonnen hatte.

„Geht jemand höher?" wollte Albus wissen. Als keiner sein Schild hob, fing er mit dem Countdown an. „Zum ersten… zum zweiten… verkauft!"

„Oh, danke Merlin!" seufzte Severus und schwankte leicht. Er hatte sich in seinem ganzen Leben noch nie so erleichtert gefühlt.

Albus fasste Severus am Arm und lachte. „Du lebst noch Severus. Geh zu Hermine."