Diese Geschichte wurde von einem Urlaub am Meer inspiriert. Ich fürchte, sie hat die Grenze zum Kitsch mehr als nur ein wenig überschritten und ist auch etwas OOC, aber wen stört's?
Knirschend kamen die Reifen von Amys Auto auf dem mit Kies und Schotter bedeckten Parkplatz zum Stehen. Schon bevor sie überhaupt die Türen geöffnet hatten, konnten sie das Rauschen der Wellen hören. Sheldon sah Amy an. Sie würden das jetzt durchziehen. Sie waren erwachsene Menschen, nicht nur das, sie waren brillante Wissenschaftler und er hatte sich mit Amys Unterstützung erfolgreich der Spinne erledigt.
Ja, die Spinne… Vor ein paar Tagen war es, als Sheldon auf einmal schreiend aus dem Bad lief und schnurstracks über den Flur zu Pennys Wohnungstür eilte, wo er in panischem Tempo sein dreifaches Klopfritual durchführte. Nur um sich dann daran zu erinnern, dass Penny nicht da war.
Seine blonde, in ländlichen Kenntnissen bewanderte und immer wieder überraschend starke und beherzt zupackende Nachbarin war mit Bernadette im Kino. Warum ausgerechnet jetzt? Er musste dringend auf die Toilette, aber dort in einer Ecke seines Badezimmers saß, schwarz und dick und ganz bestimmt unglaublich hinterlistig, eine der widerlichsten Spinnen, die er je zu Gesicht bekommen hatte. Penny musste sie wegmachen! Warum war sie nicht da, wenn er sie brauchte? Howard hätte ihm in diesem Moment wahrscheinlich empfohlen einfach das Waschbecken in der Küche zu benutzen, aber der Gedanke war ihm noch widerlicher vorgekommen als der, in Gegenwart der Spinne zu urinieren.
Was sollte er nur tun? Er rief Amy über Skype an. Sie war schließlich Biologin und hatte ihm auch schon erfolgreich mit dem blauen Vogel geholfen.
Zum Glück erschien ihr Gesicht, das er so sehr liebte, fast augenblicklich auf seinem Bildschirm.
„Amy, ich muss mal!"
Amy sah ihn nur irritiert an.
„Ganz dringend!"
Es folgte weitere Irritation von Seiten Amys.
„Im Bad ist eine Spinne und Penny ist nicht da und ich will nicht ins Spülbecken urinieren."
Endlich verstand Amy „Ok, Sheldon. Ich weiß, das ist nicht einfach für dich, aber du musst die Spinne wegmachen. Nimm ein Glas, stülpe es über die Spinne, dann schiebst du ein Stück Pappe unter das Glas..."
„Aber die Spinne ist so groß, Amy. Und so eklig!"
„Du hast vier Möglichkeiten: 1. du machst du Spinne weg. 2. Du ignorierst sie, während du die Toilette benutzt. 3. Du urinierst in das Waschbecken. 4. Du urinierst in deine Hose. Möglichkeit 3 und 4 halte ich persönlich allerdings für absolut indiskutabel."
„Na schön... Aber du kommst mit!"
Sheldon nahm seinen Laptop und trug ihn ins Badezimmer. Er hob ihn, so weit es ihm, physisch und psychisch, möglich war, in Richtung der Spinne.
„Siehst du sie? Sieht sie nicht fürchterlich aus?"
Amy rümpfte angewidert die Nase. Sie wollte es Sheldon gegenüber nicht zugeben, aber sie war in diesem Moment sehr froh, dass sie sich nur in virtueller Präsenz dieses Tieres befand.
„Halb so wild, Sheldon. Jetzt hol mal ein Glas und ein Stück Pappe, damit du sie einfangen kannst."
Resigniert stellte Sheldon den Laptop ab und holte die benötigten Utensilien. Als er wieder zurück kam, schaute er mit fragendem Blick in Amys Gesicht. Sie nickte ihm aufmunternd zu. „Du schaffst das!"
Sheldon nahm all seinen Mut zusammen, atmete tief ein und näherte seine Hand langsam dem garstigen Ungetüm in der Badezimmerecke. Mit einer schnellen Handbewegung hatte er schließlich das Glas über die Spinne gestülpt. Puh! Die erste Hürde war geschafft. Nun noch die Pappe unter das Glas schieben. Dafür musste er es noch mal ganz leicht kippen. Hoffentlich entwischte die Spinne nicht… Nein, er hatte es geschafft. Sie saß in der Falle. Erleichtert lächelnd drehte er sein Gesicht zu Amy, die alles über die Webcam verfolgt hatte.
„Ich bin stolz auf dich, Sheldon! Jetzt bring sie schnell raus!"
Sheldon sammelte noch mal etwas Mut, hob dann Pappe und Glas von der Wand weg und brachte das achtbeinige Monster zum Wohnzimmerfenster, was er zuvor schon geöffnet hatte. Er setzte die Spinne auf das Fenstersims, schloss danach das Fenster so schnell es ging, brachte das Glas in die Küche und eilte zurück ins Bad.
„Entschuldige, Amy". Er drückte die Stumm-Taste für das Mikrofon seines Laptops, drehte diesen dann zur Wand und hechtete zur Toilette. Ahhhh! Was für eine Erleichterung!
Jetzt, nachdem sein so dringendes körperliches Bedürfnis erledigt war, wurde ihm erst richtig bewusst, was er da gerade ganz allein geschafft hatte. Er wusch sich die Hände, ging zu seinem Laptop, drehte in zu sich herum, setzte sich damit auf den Rand der Badewanne und stellte das Mikrofon wieder an.
„Bist du noch da, Amy?"
„Natürlich, Sheldon. Deine Badezimmerkacheln waren ein Anblick, von dem ich mich einfach nicht losreißen konnte."
Sheldon erkannte ihren sarkastischen Unterton. „Entschuldige, ich wollte nicht, dass du mit ansehen musst wie ich..."
„Schon gut. Du Spinne ist also draußen?"
„Ja!" Sheldon spürte, wie ihm vor Stolz die Brust schwoll. In diesem Moment fühlte er sich, also könne er es mit jedem Gegner der Welt aufnehmen. „Weißt du Amy, ich habe das immer für dummes Geschwätz gehalten, aber es ist tatsächlich ein unglaublich befriedigendes Gefühl, sich seiner Angst gestellt und sie überwunden zu haben."
Dieser letzte Satz war es gewesen, der sie beide hier hin, an diesen mit schrecklichen Erinnerungen und Befürchtungen assoziierten Ort geführt hatte. Denn er hatte dazu geführt, dass Amy auf die Idee gekommen war, dass sie beide ihre Ängste überwinden sollten, zumindest die irrationalen davon. Und eine irrationale Angst, die sie beide teilten, war die vor dem Ozean.
„Noch niemals nicht habe ich einen Fuß in den Ozean gesetzt"*, hatte Sheldon Amy bei ihrem Trinkspiel in der Hütte im Wald anvertraut und Amy hatte nur angewidert den Kopf geschüttelt – sie ebenfalls nicht.
Wenigstens hat es ein Gutes, dachte Sheldon, dass ich Amy damals nicht gesagt habe „noch niemals nicht habe ich die Wohnung ohne Gummihandschuhe geputzt" oder „noch niemals nicht bin ich freihändig Rad gefahren" oder „noch niemals nicht habe ich eine Glühbirne gewechselt, ohne vorher die Sicherung rausgedreht zu haben." Wäre Amy auf die Idee gekommen, diese Ängste zu bekämpfen… Er wusste nicht, ob er das überlebt hätte.
Nun also der Ozean.
Sheldon öffnete die Autotür. Sofort schlug ihm der Geruch des Meeres, der Geruch nach Salz und Algen, entgegen, er hörte die Brandung rauschen, die Seevögel kreischen und er spürte den leichten Wind im Gesicht, der über die Dünen fuhr und die Küstenvegetation in wellenartige Bewegung versetzte.
Sofort war die Erinnerung wieder da an den Tag immer Sommer vor über dreißig Jahren, als er mit seiner Familie an den Strand gefahren war. Sein älterer Bruder hatte ihn geschnappt, war mit ihm ins Wasser gelaufen und hatte gedroht, ihn fallen zu lassen. Er hatte gekreischt wie verrückt und nur dem energischen Eingreifen seiner resoluten Mutter war es zu verdanken gewesen, dass er heile und trocken wieder an Land gekommen war. Nie wieder danach hatte er sich dem Wasser auch nur auf zehn Meter Entfernung genähert.
Bei Amy war es der Schwimmkurs in der Grundschulzeit gewesen. Dass die anderen Kinder sie wegen ihres altmodischen Badeanzugs und der gerüschten Badekappe, die ihre Mutter ihr aufgedrängt hatte, so gehänselt hatten, dass sie anschließend in der Umkleidekabine weinend zusammengebrochen war, war nur ein Grund für ihre Abscheu vor dem Wasser. Viel schlimmer war noch der Umstand, dass sie gesehen hatte, wie eines der Kinder heimlich ins Becken gepinkelt hatte. Als sie dann kurze Zeit später auch noch eine Dokumentation über die Verunreinigung der Meere gesehen hatte, war es mit ihrer Lust auf das Schwimmen endgültig vorbei gewesen.
Den Strand dagegen hatte sie aber immer gemocht.
Sheldon streckte seine Hand aus, um Amy eine der Taschen mit den Utensilien, die sie für ihren Strandtag brauchen würden, abzunehmen. Anschließend griff er mit seiner anderen Hand nach Amys und verschränkte seine Finger mit den ihrigen.
Kurze Zeit später hatten sie ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen am menschenleeren Strand ausfindig gemacht und ihre Strandlaken ausgebreitet.
Sheldon hatte darauf bestanden, dass sie einen einsamen Strand aufsuchen würden. Er hatte zu viel Angst davor, dass ihn irgendwelche Kinder schubsen, mit Wasser bespritzen oder mit Sand bewerfen würden. Amy hatte absolut nichts dagegen gehabt, ein paar einsame Stunden mit Sheldon am Strand zu verbringen, hatte sich dies aber nicht anmerken lassen, sondern nur darauf bestanden, dass „im Gegenzug" Leonards Metalldetektor zuhause bleiben müsste, worauf ihr Freund widerwillig zugestimmt hatte.
Amy, die bereits ihre Kleidung abgelegt hatte und nur noch einen trägerlosen Bikini trug (dieses Modell war von dem schicksalhaften Badeanzug aus der Grundschule so weit entfernt wie nur möglich), setzte sich auf ihr Laken und bedeutete Sheldon, sich links neben ihr niederzulassen. Er ging vorsichtig in die Hocke, darauf bedacht, mit seiner Hose nicht den Sand zu berühren und setze sich schließlich mit angezogenen Beinen neben Amy, die Unterarme auf die Knie aufgelegt.
„Haaach" seufzte Amy, „ist es nicht herrlich hier? Der Wind, die Sonne, das Rauschen der Wellen, der Sand zwischen den Fingern..."
Panisch blickte Sheldon auf ihre Hände, die sich schon tief in den Sand eingegraben hatten.
„Amy! Was um Himmels Willen tust du denn da? Wer weiß, was sich da alles im Sand verbirgt? Du könntest auf eine Glasscherbe stoßen oder auf ein totes Tier oder..."
Amy griff nach Sheldons rechter Hand, drehte seine Handfläche nach oben und ließ etwas von dem Sand darauf rieseln. „Probier es mal aus," meinte sie „es fühlt sich toll an."
„Aber-"
„Wie willst du jemals einen Fuß ins Wasser bekommen, wenn du noch nicht mal den Sand anfassen willst?"
Zögerlich streckte Sheldon seine flache Hand nach dem Sand aus. Faszinierend. An der Oberfläche war er ganz weich, fast samtig, trotzdem gab er auf Druck nicht nach, war ganz fest. Nun steckte er vorsichtig seinen Zeigefinger ein paar Zentimeter in den Sand, in der ständigen Befürchtung, auf etwas Komisches zu stoßen. Aber es fühlte sich wirklich gut an. Etwas mutiger griff er nun nach einer kleinen Portion Sand und ließ sie von einer in die andere Hand rieseln. Dann spreizte er die Finger seiner rechten Hand, fuhr damit einmal in den Sand und hob sie langsam hoch. Ein faszinierendes Gefühl.
„Du hattest Recht." Er strahlte Amy an und blickte für einen Moment in ihre glitzernden Augen, während er sich fragte, warum er sich als Kind eigentlich nie in den Sandkasten getraut hatte.
Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder seinem neuen Lieblingsspielzeug zu und hielt eine Portion Sand dicht unter seine Augen. Auf einmal schlug sein Herz schneller, er konnte nicht mehr richtig atmen, eine kleine Panikattacke setzte ein.
„Was hast du denn auf einmal?" Amy beunruhigte der plötzliche Gemütswandel ihres Freundes sehr.
„Sieh dir dieses Chaos an!," stieß Sheldon hervor. „Quarz, Granit, Basalt, Porphyr – alles durcheinander! Wie können wir jemals Ordnung in die alles verschlingende Entropie bringen?"
Oh, hätte er doch das vermaledeite Geologiebuch nicht gelesen, er hätte ahnen müssen, dass sich das eines Tages rächen würde!
„Komm her!" Amy schlang ihre Arme um Sheldon und zog ihn mit sich zu Boden, sodass sein Kopf auf ihrer Brust lag.
„Dir ist schon bewusst, dass sich auf diese Weise spätestens nach drei Stunden, vorausgesetzt, die Wetterlage ändert sich nicht, mein Profil in deine Haut eingebrannt haben wird, oder?"
Diese als Warnung gedachte Äußerung Sheldons hatte nicht ganz den gewünschten Effekt, denn augenblicklich hielt Amy ihn noch stärker fest. Er atmete immer noch sehr hektisch.
Beruhigend strich sie über seinen Rücken. „Alles unterliegt der Entropie, Sheldon und wir können nichts dagegen tun. Es ist wie es ist und es ist nicht schlimm. Du brauchst den Sand nicht zu sortieren, niemand muss das tun. Nimm doch mal einen Perspektivwechsel vor. Von weitem betrachtet wirkt der Sand völlig homogen."
„Ja, aber wenn man ihn sich genauer ansieht, dann sieht man die Wahrheit. Und die ist chaotisch!"
„Findest du die Details, die den Unterschied machen, denn so viel wichtiger als all die verbindenden Gemeinsamkeiten?"
„Worauf willst du hinaus? Wird das jetzt wieder so ein Frauengespräch?"
Amy seufzte. „Genau das ist so ein Paradebeispiel. Die genetische Übereinstimmung zwischen Mann und Frau liegt bei ca. 98,5%. Und trotzdem reiten alle, und du sowieso, immer nur auf den Unterschieden rum, anstatt mal darüber nachzudenken, was wir alles gemeinsam haben. Und das ist wirklich eine Menge."
„Nun ja, das stimmt, von all den Menschen, die ich kenne, bist du mir am ähnlichsten."
Amy lächelte und schwieg eine Weile. „Weißt du, man sagt ja immer, „gleich und gleich gesellt sich gern". Aber man sagt auch „Gegensätze ziehen sich an". Was denkst du darüber?"
„Dass es für alle zwischenmenschlichen Fragen und Probleme irgendwelche Sprichwörter gibt, aber keine, die sich mit der Faszination der Physik befassen."
„Sheldon, das war ernst gemeint!"
„Na gut. Also ich denke schon, dass Gemeinsamkeiten wichtig sind, aber ich kann mir vorstellen, dass auch eine Partnerschaft von zwei charakterlich völlig unterschiedlichen Individuen erfolgreich sein kann, wenn sie denn z.B. gemeinsame Ziele und Interessen haben. Leonard und Penny wären ein Beispiel dafür."
„Und wie würdest du uns diesbezüglich als Paar sehen?"
„Ich würde sagen, wir sind uns charakterlich sehr ähnlich und wollen meistens das Gleiche. Wir sind einfach das perfekte Paar. Ich kann mir keine bessere Ehefrau als dich vorstellen."
Er umarmte Amy fest, soweit ihm das aus dieser Position heraus möglich war, und sah sie dann an.
„Ehefrau?" fragte Amy erstaunt, einen freud'schen Versprecher vermutend.
„Nun ja, also Partnerin, Freundin, meine vielleicht irgendwann später mal Ehefrau..." wiegelte Sheldon schnell ab. Er befreite sich aus Amys Umarmung und zog sie dann hoch.
„Jetzt lass uns erstmal diese Sache mit dem Schwimmen hinter uns bringen!"
Huch, war das kalt! Erschreckt zog Sheldon seinen rechten großen Zeh zurück, den er probehalber ins Wasser gesteckt hatte. Wie konnten Menschen nur freiwillig - HUCH! Die nächste Welle hatte direkt seine beiden Füße umspült und Amys gleich mit. Erschrocken wich Sheldon einen Schritt zurück und zog Amy mit sich, deren Hand er fest umklammert hielt Aber die Wellen verfolgten sie. Schon wieder kam eine und umspülte ihre Füße. Huch… es war schon gar nicht mehr so schlimm. Sie blieben eine Weile stehen und wagten sich dann ein kleines bisschen weiter ins Wasser hinein. Wenn man sich erstmal dran gewöhnt hatte, ging es. - Aber was war das da, direkt neben seinem Fuß? Ein Krebs?! Sheldon sprang so erschrocken zur Seite, dass das Wasser spritzte.
„Ihhh, du hast mich total nassgespritzt!" schimpfte Amy und stapfte nun ebenfalls so fest mit dem Fuß auf, dass Sheldon bis zum Oberschenkel nass wurde.
In Sheldons Augen erschien ein für Amy völlig unbekannter Ausdruck. Er gierte nach Rache! Nach kurzer Überwindung tauchte er seine beiden Hände ins knöcheltiefe Wasser und schaufelte es in Richtung Amy. Kreischend lief sie davon, bis sie mit den Knien im Wasser stand.
„Warte auf mich, Amy, das ist zu gefährlich alleine!" rief Sheldon ihr nach und stapfte in ihre Richtung. Doch kaum war er bei ihr angekommen, legte er ihr mit einem hämischen Grinsen seine vom Wasser kalten Hände auf die Schultern. Amy sagte kein Wort. Sie ging in die Hocke, sodass ihr Gesicht gefährlich nah an Sheldons Badehose herankam, tauchte dann links und rechts seiner Beine ihre Hände ins Wasser und spritzte es von unten in Sheldons Hosenbeine. HUCH! Das konnte Sheldon nicht auf sich sitzen lassen. Er gab Amy einen leichten Schubs, sodass sie auf ihrem Hintern landete und nun bis zur Brust im Wasser saß. HUCH! Amy beugte sich nach vorne, legte ihre Hände in Sheldons Kniekehlen und kitzelte ihn dann so plötzlich, dass er vor Überraschung in die Knie ging und lachend und kreischend auf Amy fiel.
„Somit wären wir beide schon mal nass," bemerkte er trocken und verpasste Amy einen, wie diese fand, nicht ganz unleidenschaftlichen Kuss.
Doch dann stellte Sheldon etwas Kurioses fest. Seine Füße waren, während er seine Hände auf dem Sandboden aufgestützt hatte, an die Wasseroberfläche getrieben.
„Schau mal, ich kann auf meinen Händen laufen!" rief er begeistert aus, während er sich rückwärts auf den Händen von Amy fortbewegte und sich dann daran machte, Amy mit Hilfe seiner neuen Fortbewegungsart zum umrunden.
„Und ich kann das hier!" Amy legte sich mit dem Rücken auf das Wasser, breitete die Arme und Beine aus und spielte „toter Mann".
Kurz darauf entdeckten die beiden, dass der Auftrieb des Salzwassers auch eine ganz veränderte Erfahrung beim Hüpfen bot, zumindest wenn man sich dabei bis zur Brust ins Wasser wagte und schließlich trauten sie sich sogar, sich bäuchlings in die heranrollenden Wellen zu werfen.
Zuletzt ging Amy dabei jedoch so ungestüm vor, das ihr im Eifer des Gefechts das Bikinioberteil von den Brüsten auf die Taille rutschte und das genau in dem Moment, als in nur 12 km Entfernung ein Flugzeug über sie hinwegflog. Sheldon musste Amys Blöße natürlich sofort in seinen Armen verstecken, was Amy jedoch nicht sonderlich missfiel, mehr noch, sie hoffte, dass sich hieraus etwas entwickeln könnte, was sie in ihrer nächsten „Unsere Kleine Farm"-Fanfiction verarbeiten könnte, wenngleich sie dafür auch deren Rating auf P18 hätte hochsetzen müssen.
Doch leider, leider, wäre dies eine Erregung öffentlichen Ärgernisses und damit höchst gesetzwidrig gewesen und schon allein deshalb hätte sich Sheldon niemals darauf eingelassen. Außerdem hatte er gemerkt, dass Amys Haut schon ganz kalt war.
„Komm, lass uns erstmal wieder an den Strand gehen" meinte er, während er erst Amys Oberteil wieder hochzog (wer wusste schon, wie viele Flugzeuge da noch kommen würden, von den ganzen lüsternen Seevögeln ganz zu schweigen…) und dann seinen Arm um ihre Schultern legte. „Ich denke, wir sollten uns erstmal ein wenig aufwärmen."
Bei ihren Handtüchern angekommen, legte Amy sich sofort bäuchlings in die Sonne, während Sheldon sich zuerst sorgfältig abtrocknete und dann seine Sonnenmilch hervorholte.
„Willst du dich etwa nicht erneut eincremen?" fragte er mit leicht vorwurfsvollem Unterton. „Durch den Aufenthalt im Wasser wird ein Großteil der zuvor aufgetragenen Sonnenmilch abgewaschen, was ein Nachcremen unabdingbar macht, möchte man sich vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne schützen!"
„Mach ich später..." murmelte Amy, die durch das Toben im Wasser so ermüdet war, dass sie schon wegdöste.
Sheldon starrte mit gerunzelten Brauen auf sie herab. Wie konnte sie so unvernünftig sein? Ohne das Nachcremen würde sie einen Sonnenbrand riskieren und der wiederum steigerte die Gefahr für Hautkrebs und das… er durfte gar nicht darüber nachdenken. Nie würde er zulassen können, dass Amy etwas Schlimmes zustieß. Er musste sie beschützen! Dafür würde er es mit allen Gefahren dieser Welt aufnehmen. Mit Spinnen und schmutzigem Sand, Krebsen und riesigen Wellen und noch viel, viel mehr.
Für den Anfang würde es allerdings erst mal reichen, wenn er sie heimlich eincremen würde. Er hatte die Tube schon wieder in der Hand, als ihm auf einmal ein Gedanke kam. Vielleicht war es auch an der Zeit, dass er eine noch ganz andere Angst in Angriff nehmen würde? Er überlegte kurz, dann benetzte seinen Zeigefinger mit Sonnenmilch und machte sich mit einem leisen Lächeln ans Werk.
Kurze Zeit später legte er sich neben Amy in die Sonne. Er schloss die Augen, hörte das Rauschen der Wellen, das Kreischen der Vögel, spürte den Wind, roch den würzigen Duft des Meeres und auf einmal assoziierte er mit diesen Sinneseindrücken nicht mehr einen der fürchterlichsten, sondern einen der schönsten Tage in seinem Leben.
Sheldon wurde von einem sanften Kuss geweckt. Es wurde langsam dunkel und Amy war dabei, ihre Sachen zu packen.
„Wir müssen wirklich ziemlich lange geschlafen haben," bemerkte Amy und bekam dann ein schlechtes Gewissen. „Schaust du bitte mal auf meinem Rücken nach, ich habe Angst, dass er doch ein wenig rot geworden ist, auch wenn ich nichts spüre."
Sheldon sah nach und musste lächeln. „Nein, keine Sorge, einen Sonnenbrand hast du nicht bekommen."
Einige Zeit darauf waren sie in Amys Wohnung angekommen. Sheldon hatte angeboten, heute bei ihr zu übernachten und Amy hatte gemeint, dass der Tag kaum noch schöner werden könnte. Diese Aussage behielt ihre Gültigkeit bis zu demjenigen Zeitpunkt, an dem sie im Badezimmer, seitlich vor dem Spiegel stehend, ihre Kleidung ablegte, um zusammen mit Sheldon duschen zu gehen (natürlich in der Hoffnung, dass nun vielleicht doch noch etwas neues Inspirationsmaterial für ihre Fanfiction entstehen könnte).
Als Amy ihr Bikinioberteil über den Kopf zog, fiel ihr aus dem Augenwinkel heraus auf, dass ihr Rücken nicht mehr die gewohnte Blässe aufwies, sondern etwas Farbe bekommen hatte - jedoch nur an einigen Stellen…
Sie drehte ihren Rücken noch etwas mehr in Richtung Spiegel und runzelte irritiert die Augenbrauen. Da war ein Muster auf ihrem Rücken... nein, es waren Buchstaben, Sheldons Handschrift! Sie drehte sich auf die andere Seite, um alle Worte lesen zu können, was dank der Spiegelung gar nicht so leicht war, doch schließlich konnte sie die Botschaft entziffern:
„Mit dir als meiner Ehefrau würde ich alle Ängste überwinden"
Mit klopfendem Herzen drehte Amy sich auf der Suche nach Sheldon um und fand ihn schließlich mit einem Bein auf dem Fußboden kniend. In der Hand hielt er einen kleinen schwarz-weißen Stein mit fingerbreitem Loch, den er am Strand gefunden hatte und auf seinem Gesicht lag das bezauberndste verlegene Lächeln, das Amy je gesehen hatte.
*Ich habe die Folge bisher nur auf Englisch gesehen und weiß deshalb nicht, wie in der Übersetzung der genaue Wortlaut sein wird.
