Das hier ist sicherlich die nerdigste (und vielleicht auch albernste) Shamy-Geschichte, die ich bisher geschrieben habe. Aber sie war irgendwie in meinem Kopf und musste raus. Ich liebe einfach Shamy im "Wissenschaftsmodus" und für irgendwas muss sich der Chemie-LK ja auch gelohnt haben. Die Schulzeit ist zwar schon etwas her, aber ich hoffe, dass meine Darstellungen wissenschaftlich richtig sind. Sheldon und Amy wären sonst sicherlich sehr enttäuscht ;-)

„Einmal für den Herrn..." Der junge Kellner platzierte mit galantem Schwung einen Teller vor Sheldons Nase „und einmal für die Dame. Ich wünsche den Herrschaften guten Appetit!"
„Danke" verabschiedete Amy den Kellner mit einem kurzen Lächeln und hoffte dabei inständig, dass Sheldon jetzt nicht darauf herumreiten würde, dass dieser ihr den Teller von der falschen Seite aus serviert hatte.

„Das sieht köstlich aus, Sheldon. Meinst du, ich könnte gleich mal ein bisschen was von deinem Teller kosten?"
Vor einiger Zeit noch hätte Sheldon diese Frage dazu veranlasst, einen Schutzwall aus Speisekarten, Blumenvasen und Pfeffermühlen um seinen Teller herum aufzubauen, damit Amy bloß nicht ihre mit Speichel kontaminierte Gabel in sein Essen stecken könnte, aber er war zu dem Schluss gekommen, dass die inzwischen regelmäßig stattfindenden körperlichen Zärtlichkeiten zwischen ihnen beiden sowieso einen regen Speichelaustausch beinhalteten und es deshalb unlogisch wäre, ihr das Naschen von seinem Teller weiterhin zu verbieten.
„Natürlich. Solange dir bewusst ist, das es ein absolutes Privileg ist, das allein dir zuteil wird! "
„Das ist es!" Lächelnd spießte Amy ihre Gabel in das Gemüse auf Sheldons Teller und führte sie zum Mund. Nur um gleich daraufhin das Gesicht zu verziehen.
„Der Koch muss sehr, sehr einsam sein!"
Sheldon sah sie fragend an.
„Es ist keinerlei Salz am Essen."
Er sah sie immer noch fragend an.
„Na, verliebte Köche versalzen das Essen, und hier fehlt das Salz komplett. Die logische Schlussfolgerung ist, dass es in seinem Leben keine Liebe gibt."
Sheldon wackelte zustimmend mit dem Kopf „Der Arme, das muss schlimm für ihn sein! Andererseits, davon ausgehend, dass dann wahrscheinlich auch sein eigener Salzkonsum eingeschränkt ist, gut für sein Herz! Also für das physische, für sein metaphorisches sieht es natürlich weiterhin schlecht aus!"
Er griff zur Mühle mit grobem Meersalz und würzte sein Essen beherzt nach.
Amy sah ihn erstaunt an. „Du hast noch nie dein Essen nachgesalzen, ohne vorher zu probieren." „Nun ja, du hast gesagt, es ist zu fad."
„Und du vertraust mir blind?"
„Blind ist in diesem Fall nicht der richtige Begriff, denn es geht ja nicht um die fehlende optische, sondern geschmackliche Erfahrung, ergo hättest du anosmisch sagen müssen. Aber davon abgesehen: natürlich vertraue ich dir in jeder Hinsicht. Wie könnte ich sonst wollen, dass du jede Nacht in meinem Arm schläfst, mit so wenig Sicherheitsabstand zu meinem Herzen?"
Amy war noch dabei, diese unerwartet romantische Liebeserklärung zu verarbeiten, als ihr Freund ein besonders großes Salzkristall von seinem Teller aufpickte und gedankenverloren in das Licht der Kerzenflamme hielt. „Natriumchlorid... Mit 3 Jahren fragte ich meine Mutter, wieso Zucker in der Pfanne schmilzt und anbrennt, Salz aber nicht, wo beides doch fast gleich aussieht. Sie konnte es mir natürlich nicht erklären und meinte nur, dass Gott wohl kein Bedürfnis nach geschmolzenem Salz hatte, als er die Welt erschuf."
„Ich habe meiner Mutter dieselbe Frage gestellt!" rief Amy aufgeregt aus. „Allerdings war ich schon 10. Und sie antwortete mir, dass die wahre Frage, die ein Mädchen sich stellen sollte, lautete, wieviel von welchem Gewürz an welches Gericht gehört. Ich habe mir dann die Antwort verkniffen, dass Zucker nicht zu den Gewürzen gezählt wird."
Sheldon griff nach Amys Hand und drückte sie. „Wenn unsere Kinder uns eines Tages diese Frage stellen werden, dann werden wir ihnen die wissenschaftlich korrekte Antwort geben können."

Sie schwiegen einen kurzen Augenblick, während sie sich lächelnd in die Augen sahen.
Schließlich räusperte sich Sheldon. „Ich, ähm, ich würde dich gerne etwas fragen, Amy..." er wirkte nervös.
Amy wurde hellhörig. Das Essen im schicken Restaurant, Sheldons Liebeserklärung, die selbstverständliche Art, mit der er über ihre zukünftigen Kinder sprach… konnte es etwa sein, dass er heute...
Sheldons Augen funkelten im Kerzenlicht, als er sie anblickte und sich dann schließlich zu der alles entscheidenden Frage durchrang:
„Kennst du den Unterschied zwischen einer Ionenbindung und einer Elektronenpaarbindung?"
„Ich… äh… WAS?… Ich meine, ja, natürlich kenne ich den Unterschied."
„Lass es mich dir trotzdem noch einmal erklären!"
Amy rollte mit den Augen.
„Dieser Salzkristall ist ein gutes Beispiel für die Ionenbindung, bei der ein negativ geladenes Anion und ein positiv geladenes Kation sich gegenseitig anziehen. Das Kation hat ein starkes Bedürfnis nach Elektronen, denn auf Grund seiner schwachen Elektronegativität hat es seine eigenen Elektronen bereits an andere verschenkt. Das Anion dagegen hat einen Elektronenüberschuss und muss daher immer nur geben. Sie beide führen eine so ungleiche Beziehung, Amy." Sheldon schüttelte kurz traurig den Kopf.
„Bei der Elektronenpaarbindung dagegen haben sich zwei gleich starke Atome zusammengetan. Sie sind allein schon gut klargekommen, haben aber erkannt, dass eine voll besetzte Außenschale mit 8 Elektronen natürlich noch mal eine Nummer besser ist..."
„Worauf um alles in der Welt, willst du hinaus, Sheldon?"
„Wir sind eine Elektronenpaarbindung, Amy, du und ich. Bevor wir uns kannten, waren wir glückliche Singles, starke Atome, keine bedürftigen Ionen. Dann haben wir uns zusammengetan und erkannt, wie gut wir uns ergänzen und dass wir zusammen noch stärker sind. Wir haben eine gemeinsame, vollbesetzte Außenschale, die unser Schutzschild gegen die Welt ist."
Amy flatterte kurz irritiert mit den Wimpern. „Sheldon, diese Analogie ist irgendwie wirklich romantisch, vor allem, weil du mich als Atom und nicht als Kation betrachtest, und gleichzeitig total bekloppt. Du magst zwar alle deine Elektronen beisammen haben, aber wie sieht es mit den Tassen in deinem Schrank aus?"
Sie schüttelte lächelnd den Kopf, teils wegen Sheldons verrückten Ideen, mit denen er seine Liebe ihr gegenüber ausdrückte, ein wenig aber auch aus Enttäuschung darüber, dass sie sich bezüglich des Heiratsantrags heute wohl falsche Hoffnungen gemacht hatte. „Ich liebe dich trotzdem über alles und bin sehr glücklich, zusammen mit dir ein Molekül in der Edelgaskonfiguration zu bilden!"
Sheldon atmete tief durch. „Weißt du, was noch über eine Edelgaskonfiguration verfügt? Der elektronenpaargebundene Kohlenstoffkristall. Ich denke, ich hätte da ein ganz hübsches Anschauungsobjekt" Er räusperte sich, stand auf, nestelte an seiner Hosentasche und holte ein schwarzes Samtkästchen hervor. Damit ging er um den Tisch herum zu Amys Platz und kniete sich vor sie hin. Er öffnete das Kästchen und zum Vorschein kam ein wunderschöner Goldring, den ein Diamantring mit Brillantschliff zierte.
„Ich würde dich gerne noch etwas anderes fragen, Amy." Seine Stimme klang nun verlegen.
„Wenn du ja sagst, darfst du nicht nur dieses funkelnde Atomgitter inklusive praktischer Haltevorrichtung aus einem Edelmetall mit der Ordnungszahl 79 für immer als das deinige betrachten, sondern auch mich." Er sah sie mit vielsagend wackelnden Augenbrauen an.
„Einen brillanten Kopf und einen Brillantring zum gleichen Preis? Was für ein verlockendes Angebot," witzelte Amy und zwinkerte ihm aufmunternd zu, um ihre eigene Nervosität zu überspielen. „Dann nenn mir mal deine Bedingungen."
„Du müsstest mir das Versprechen geben, dich für den den Rest deines Lebens an mich zu binden. Und zwar rechtsgültig! Tust du das?"
„Nun frag schon endlich richtig!"
„Heiratest du mich, Amy?"
„Ja!"

So, das war meine vorletzte Geschichte. Die letzte poste ich dann übermorgen und die wird dann noch mal so richtig nerdig-romantisch. Naja, oder wie es im Fandom ausgedrückt wird "adorkable" (hoffe ich zumindest)! Über Reviews freue ich mich natürlich wie immer sehr!