Anmerkung:
ich habe gelesen, dass Jim Parsons Kreuzworträtsel liebt (was ich irgendwie sehr süß finde) und könnte mir vorstellen, dass das durchaus auch ein Hobby für Amy und Sheldon wäre.
Hach, dieser Duft von frischgedruckten Magazinen! Er wurde nur noch übertroffen von dem staubigen, ledrigen, leicht süßlichen Geruch einer Bibliothek voller alter (richtig alter) Bücher und natürlich dem warmen Duft ihres Freundes, wenn er seinen Arm um sie legte und sie fest an sich zog.
Amy stand am Briefkasten ihrer gemeinsamen Wohnung mit Sheldon (sie konnte es manchmal immer noch gar nicht fassen!) und hielt die neueste Ausgabe von „Neuronen" dicht vor ihre Nase. Sie freute sich schon darauf, gleich eine Kanne Tee aufzusetzen (das war jetzt das Neueste, seit sie mit Sheldon zusammenwohnte: Sie bereiteten den Tee seit kurzem auf die altmodische, englische Art zu), sich dann neben Sheldon auf das Sofa zu kuscheln und, während dieser in seinen Comicbüchern schmökerte, ihre liebste Wissenschaftszeitschrift zu lesen. Sie fing immer von hinten an (ein Umstand, der Sheldon mehr als nur ein wenig irritierte und über den er sich regelmäßig echauffierte) und löste als allererstes das Kreuzworträtsel.
Das hatte sie als Kind immer gerne gemacht, wenn sie bei ihrer Oma zu Besuch war und diese im Lehnstuhl strickte oder am Küchentisch die braunen Stellen aus dem Fallobst schnitt. Oma hatte ihr immer die Begriffe genannt, die sie selbst nicht wusste. Vor einigen Monaten war ihre Oma dann in hohem Alter gestorben und Amy hatte, quasi um die Erinnerung an sie aufrecht zu erhalten, damit angefangen, wieder regelmäßig Kreuzworträtsel zu lösen. Wenn ihr nun ein Begriff fehlte (was aber nicht mehr allzu oft vorkam) war es Sheldon, der ihr mit seinem Wissen aushelfen konnte (was dieser wiederum sehr zu genießen schien, wann kam es schließlich schon mal vor, dass seine Belehrungen auf offene und wissbegierige Ohren stießen?).
Inzwischen war Amy in ihrer Wohnung angelangt und war jetzt dabei, den Wasserkessel zu befüllen. Sheldon, der gerade aus dem Badezimmer gekommen war, ging zu ihr in die Küche, legte von hinten seine Arme um ihre Taille und drückte ihr ein Küsschen auf die Wange „Wie war dein Tag?" „War ok. Und bei dir? Gab's was Neues bei den Jungs?" „Howard hat eine neue App, die ich mir unbedingt auch mal installieren muss, aber sonst eigentlich nichts, nein. Hast du die Post mitgebracht?" Amy sah nicht, wie Sheldon sich bei dieser Frage nervös auf die Unterlippe biss und mit den Fingern leicht an der Arbeitsplatte herumspielte.
„Ja, habe ich." Amy wies auf den Stapel Briefe und Zeitschriften, den sie auf dem Couchtisch abgelegt hatte.
„So, der Tee ist in ein paar Minuten fertig. Möchtest du auch wieder Milch und Zucker?"
„Ja, gerne!" Sheldon durchsuchte gerade einen Stapel Comicbücher und versuchte, möglichst unauffällig und beiläufig dreinzuschauen. Dann setzte er sich mit dem Comicheft seiner Wahl auf das Sofa und wartete darauf, dass Amy sich zu ihm gesellte.
Diese ging zum Stapel mit der Post und griff nach ihrer Zeitschrift. Sie wusste noch nicht, dass sie ein präpariertes Exemplar in der Hand hielt, das Sheldon schon einige Zeit vor ihr aus dem Briefkasten geholt und dann, nach einer gewissen Überarbeitung, wieder zurück gelegt hatte.
Sie wusste auch nicht, dass Sheldons Herz in diesem Moment wie verrückt klopfte.
Amy setzte sich neben Sheldon auf das Sofa, griff nach einem Stift auf dem Beistelltisch und schlug die letzte Seite des Magazins auf. Da war es, ihr geliebtes Kreuzworträtsel. Für einen kurzen Moment verweilte ihr Blick auf dem dazugehörigen Preisausschreiben „Mitmachen und gewinnen! Schicken Sie uns das richtige Lösungswort zu und gewinnen Sie eine dreiwöchige Traumreise nach..." Aber Amy war sowieso nicht an irgendwelchen Traumreisen interessiert. Der schönste Gewinn war für sie schließlich der Spaß, den sie beim Rätseln selber hatte.
Sie fing wie immer links oben an. Drei Buchstaben. „Fahrzeug, in dem ich dich zum ersten Mal küsste." Häh? Amy zog verwundert die Stirn kraus. Wer war „ich"? Und wer in der Redaktion von „Neuronen" hatte dieses Kreuzworträtsel hier eingesetzt? Offensichtlich war ihm da ein ziemlicher Fehler unterlaufen. Naja, erstmal die nächste Frage ansehen. „Das sagte ich zu dir am Tag des Balls", 16 Buchstaben. „Wer war mit dabei, als du offiziell meine Freundin wurdest?", 6 Buchstaben, „Was haben wir zusammen mit Decken im Wohnzimmer errichtet", 4 Buchstaben. WAS? Amy verstand gar nichts mehr. Das Kreuzworträtsel… Es stellte ihr Fragen zu den Meilensteinen in ihrer Beziehung zu Sheldon. Aber es war doch in der Zeitschrift, die sie gerade erst aus dem Briefkasten geholt hatte? Wie konnte das sein? Sie sah zu Sheldon hinüber, der sich sein Grinsen kaum noch verkneifen konnte.
„Sheldon, steckst du dahinter? Wie..."
„Geheimnis!" verkündete er nur breit grinsend. „Lös doch erst mal die anderen Fragen, ich denke nicht, dass ich dir diesmal etwas vorsagen muss." Er küsste sie flüchtig und stand dann auf, um den Tee aus der Küche zu holen.
Amy war noch ganz verdattert. Na gut, also, das Fahrzeug war ein ZUG, Sheldon sagte „ICHLIEBEDICHAUCH" (wenn sie daran dachte, wurde ihr immer noch ganz weich ums Herz), STUART war mit im Kino gewesen, aus den Decken bauten sie ein FORT.
Was gab es noch für Fragen? „Diese Tierart schaffte ich mir in großen Massen an, als wir uns zum ersten Mal zerstritten hatten". KATZE. „Auf diesem Himmelskörper werden wir vielleicht einmal zusammen leben." Hoffentlich nicht, dachte Amy, schrieb dann aber MARS. „Kleidungsstück, dass du bei unserem ersten Koitus trugst." NACHTHEMD.
Amy sah zu Sheldon hinüber, der sie nun auf seltsame Weise anblickte. Ihre Augen hatten sich bereits mit Tränen gefüllt, so gerührt war sie, dass Sheldon all diesen Momenten ihrer gemeinsamen Geschichte die gleiche Bedeutung zumaß wie sie selbst. Und gleichzeitig war sie immer noch verwirrt, wie er das Kreuzworträtsel hatte austauschen können… Hatte er die Seite vielleicht einfach überklebt? Sie nahm das Papier der letzten Seite zwischen die Finger. Hm, könnte sein, dass es dicker war als die anderen… Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder den Fragen zu.
„Dieses Körperteil habe ich dir mal versohlt" GESAESS (so würde Sheldon das sicherlich sagen)
„Was kaufte ich dir, nachdem ich deine wissenschaftliche Leistung nicht gewürdigt hatte?" DIADEM „Womit habe ich dich getröstet, als Penny und Bernadette ohne dich Kleider anschauen waren?" KUSCHELN
Nach einigen weiteren Fragen hatte Amy das Rätsel komplett gelöst.
„Oh Sheldon, das ist eine der romantischsten Sachen, die du je für mich gemacht hast!" Amy fiel Sheldon um den Hals, der die ganze Zeit neben ihr gesessen und ihr beim Lösen der Fragen zugesehen hatte. „Du musst noch das Lösungswort ausfüllen," sagte er mit belegter Stimme.
Stimmt. Amy füllte sonst nie das Lösungswort aus. Sie war ja an dem Gewinnspiel nicht sonderlich interessiert.
Also, die 1 war hier: „Kleidungsstück, das ich trug, als ich mit Bongos in deine Wohnung kam" PYJ(1)AMA, die 2 befand sich bei der KA(2)TZE, die 3 bei „GE(3)SAESS", die 4 beim NAC(4)HTHEMD, die 5 beim KUSCH(5)ELN. Die 6 war in folgender Frage versteckt: „Hier hatten wir unseren allerersten Kuss" AMYSW(6)OHNUNG, Buchstabe Nr. 7 war im DI(7)ADEM, die 8 in ICHL(8)IEBEDICHAUCH und die 9 in der Frage „Haustier, welches wir uns gemeinsam anschaffen wollten" SCHIL(9)DKRÖTE.
Das Lösungswort lautete also: JAECHWILL
„Da ist noch ein Fehler drin," flüsterte Sheldon heiser und zeigte auf das „E".
GESAESS. War doch richtig? Amy sah fragend zu Sheldon. „Man versohlt doch kein Gesäß, man versohlt einen Hintern," klärte der sie auf. Amy schmunzelte, korrigierte das Wort und anschließend das Lösungswort. JAICHWILL. Sie verstand noch nicht.
„Erhoffte Antwort auf eine Frage, dich ich dir gleich stellen werde," brachte Sheldon krächzend hervor. Er räusperte sich, atmete tief durch und nahm dann Amys Hand in seine.
„Amy, ich war - und bin immer noch - stolz auf mein Gehirn und auf die Dinge, in denen es sich von anderen Menschen unterscheidet. Aber inzwischen habe ich erkannt, dass die vielleicht größte und wichtigste Leistung des menschlichen Gehirns und damit auch meines eigenen Gehirns die - zum Glück weit verbreitete - Fähigkeit ist zu lieben. Und diese Erkenntnis habe ich dir zu verdanken und all den kleinen uns großen gemeinsamen Erlebnissen, die ich in diesem Kreuzworträtsel verewigt habe." Er drückte ihre Hand, lächelte sie an und Amy fühlte, wie die Tränen erneut in ihr aufzuwallen begannen.
„Dank dir weiß ich, dass ich meine Gefühle nicht bekämpfen muss, dass ich sie zulassen darf und trotzdem immer noch ein genialer Wissenschaftler sein kann. Ich muss nicht böse, gemein und kaltherzig sein und die Welt beherrschen wollen, wie es mich die Filme und Comicbücher meiner Kindheit, Jugend und frühen Adoleszenz haben glauben lassen. Ich kann meine außergewöhnliche Intelligenz zur Erforschung der Geheimnisse des Universums nutzen und trotzdem ein liebevoller Ehemann sein." Er stockte kurz, fand dann aber den Mut weiter zu reden: „Denn das möchte ich sein Amy, dein Ehemann. Und ich möchte darauf nicht mehr lange warten. Deswegen stelle ich dir nun endlich die Frage, deren erhoffte Antwort du bereits schon kennst: Amy Farrah Fowler, willst du mich heiraten?"
Amy konnte nicht antworten, nur nicken, und warf sich schluchzend vor Freude um Sheldons Hals. Er hielt sie fest umschlungen und fühlte nun selbst, wie ihm die Tränen die Wangen herabliefen.
In diesem Moment ging die Tür auf, Penny und Leonard standen im Türrahmen und starrten die beiden schockiert an. „Sheldon, was ist passiert, Kumpel?" rief Leonard erschrocken aus, bevor er erleichtert feststellte, dass Sheldon nun lächelte und Amy zärtlich die Tränen aus den Augenwinkeln wischte. Pennys Blick war auf das Kreuzworträtsel gefallen, das in einiger Entfernung auf dem Couchtisch lag. Sie verdrehte die Augen. „Sieht so aus, als hätten die beiden schon wieder Kreuzworträtsel gelöst. Dass so ein lahmes Hobby echt zu Heulen ist, hab ich ja schon immer gesagt. Aber dass es jetzt schon Freudentränen auslöst, das müsst ihr uns vielleicht noch mal etwas genauer erklären!"
Liebe Leser, das war's für's Erste. Ich hoffe natürlich, meine kleinen Geschichten haben euch gefallen. Welches Szenario fandet ihr am besten? Oder gab es vielleicht eins, was ihr gar nicht mochtet? Hatte ihr selbst ein „Wunschszenario" für den Heiratsantrag? Ich bin gespannt auf eure Meinungen!
