Auf wen auch Hermine auch immer abfahren mochte, sie wurde 'herzlich eingeladen' den Malfoys für ein Abendessen während der Weihnachtsferien Gesellschaft zu leisten. „Von wegen herzlich eingeladen", murmelte sie, als sie den Brief las. „Eher mehr beordert. Ich frage mich, ob der Arsch Pansy eingeladen hat."

Aber obwohl sie stampfte und das Gesicht verzog und vor sich hin murmelte, verbrachte sie so viel Zeit damit, sich zu überlegen, was sie anziehen wollte, und Klamotten auszuwählen und dann wieder zu verwerfen, dass, nachdem sie endlich gegangen war, ihre Mutter zu ihrem Vater sage: „Die Arme hat es schlimm erwischt, nicht? Ich frage mich, wie diese Malfoys so sind, ob es nette Leute sind."

„Ich bin sicher, dass sie das sind", beschwichtigte Mr. Granger seine Frau. „Unsere Tochter wird sich nicht mit einem Jungen angefreundet haben, dessen Eltern, ich weiß nicht, Terroristen oder so sind."

Mrs. Granger lachte. „Ich meinte eher nett wie in 'kann man mit ihnen mal eine Tasse Kaffe trinken?' Natürlich sind sie keine Terroristen. Sei nicht lächerlich."

Als sie im Herrenhaus der Malfoys ankam, stellte Hermine befriedigt fest, dass Pansy nicht eingeladen worden war, aber dass Theo, der wirklich eine Krawattennadel trug, und Daphne beide da waren. Theos Vater war ebenfalls anwesend, und Hermine war etwas überrascht zu sehen, wie viel älter Nott Senior war. Er flirtete mit Daphne auf eine charmant altmodische Art und sie lächelte und flirtete zurück, mühelos durch viele Jahre Übung; ihr war es nicht fremd, mit älteren Gentlemen zu speisen und von ihnen Komplimente zu erhalten. Sie kannte ihre Rolle als eine der neuesten Generation hübscher Slytherin-Mädchen gut.

Wie im Jahr zuvor begrüßten die Kinder pfichtbewusst ihre erwachsenen Gastgeber, bevor sie bis zum Abendessen davon gescheucht wurden. Daphne und Theo hielten Händchen, und Daphne errötete sehr viel mehr, als es sich für eine Slytherin schickte. Draco und Hermine standen mit den Händen in den Taschen daneben und sprachen leicht unbehaglich über Quidditch und ihren Fortschritt in Zauberkunst.

„Ich habe Neuigkeiten", sagte Lucius Malfoy, nachdem sie sich alle gesetzt und die Elfen den ersten Gang serviert hatten.

„Oh?", fragte Nott Senior, der Theo mit einem Nicken die Erlaubnis gab, sich etwas Wein zu nehmen.

„Der Hippogreif, der Draco angegriffen hat, wird im April eine Anhörung vor dem Ausschuss zur Beseitigung gefährlicher Geschöpfe erhalten."

„Und der idiotische Lehrer, der dachte, dass Hippogreife sich gut für Drittklässler eignen würden?", fragte Nott.

„Hat seine Anstellung noch, fürchte ich", gab Lucius zu.

„Wie sehr war Draco verletzt?"

„Es war schrecklich", meldete Draco sich zu Wort und Hermine schnitt eine Grimasse.

„Du stimmst nicht zu?", fragte Narzissa sie, und das Mädchen errötete.

„Ich bin sicher, dass es ganz schön weh getan hat", versuchte sie ihren Fauxpas zu überdecken, „aber..."

„Er hat es ausgeschlachtet, oder?", fragte Narcissa mit amüsierter Zuneigung im Tonfall.

„Sehr sogar", gab Hermine zu. Die Erwachsenen am Tisch lachten und Draco sandte ihr einen bösen Blick.

Nott Senior sah ihn und lächelte nachsichtig. „Wenn du einem alten Mann einen Ratschlag erlaubst?"

„Natürlich, Sir", sagte Draco, der noch immer stur drein blickte, aber dessen jugendliche Unnachgiebigkeit von jahrelange Benimmkursen überstimmt wurde.

„Deine Welt wird einmal mit Leuten gefüllt sein, die dir erzählen, was du hören willst. Eine... Freundin... die ehrlich mit dir ist, sollte hoch geschätzt werden." Er sah von dem Jungen weg und sein Gebaren wurde einen Moment lang rührselig. „Theodores Mutter hat mich mit nichts davon kommen lassen, und ich vermisse diese Frau jeden Tag."

„Ich vermisse sie auch", sagte Narzissa sanft. „Sie war eine wundervolle Frau."

„Nun ja", besann sich Nott Senior und lächelte Daphne und Hermine an. „Die nächste Generation von Slytherin-Mädchen scheint mir genauso anmutig und unverblümt zu sein wie die letzte." Er hob sein Weinglas und prostete den beiden zu, bevor er einen Schluck trank.

Nach dem Abendessen, und nachdem Daphne und Hermine nach Hause geschickt worden waren, trat Draco missmutig gegen den Teppich. „Ich bin es so leid, dass sie denken, sie könnten unser ganzes Leben für uns planen", sagte er zu Theo, der nur seine Krawattennadel befingerte und die Stirn runzelte.

„Dann sag deinen Eltern, dass du nicht an ihr interessiert bist", sagte er, aber Draco schüttelte den Kopf und Theo seufzte.


„Er hat einen Feuerblitz bekommen?" Draco klang empört. „Aber das ist besser als mein Besen!"

Hermine und Daphne blickten sich an und versuchten erfolglos nicht zu kichern.

„Was?!", fragte er.

„Nur... Jungen und ihre Besenstiel-Vergleiche", sagte Hermine, und ihr Kichern wurde zu lautem Lachen.

„Du fliegst immer noch besser als er", sagte Pansy, die ihre Hand über seinen Arm streichelte und die beiden lachenden Mächen beobachtete.

„Mir war nicht klar, dass du genug darüber weißt, um den Vergleich machen zu können", sagte Daphne angriffslustig, während Hermine beinahe unerkennbar zuckte.

Draco sah von einem Mädchen zum nächsten, offensichtlich verwirrt, aber er versteckte es mit einem Grinsen.


„Deine Flubberwürmer sind endlich annehmbar", sagte Professor Snape, der den Haufen sorgfältig geschnittener Würmer geringschätzig untersuchte. „Wenn auch nur gerade so."

Hermine hatte gelernt, von diesem Mann Lob anzunehmen, wo sie es kriegen konnte. Im Unterricht sagte er Dinge wie „Nun, Miss Granger hat es richtig gemacht, also muss ich zumindest nicht davon ausgehen, dass es im Buch einen Fehldruck gab, aufgrund dessen der Rest von euch solch eine völlige Inkompetenz gezeigt hat", aber im Privaten kritisierte er alles, was sie tat. Ihr Wolfsbanntrank würde zwar die gewünschte Wirkung haben, aber er hatte nicht die exakt richtige Konsistenz, und darum goss er ihren ersten Versuch vor ihren Augen aus. Er zwang sie dazu, ihren eigenen Haarsträubetrank zu trinken, und auch wenn seine Lippen bei dem Anblick zuckten und er ihr das Gegenmittel gab, bevor sie das Labor verlassen musste, so erklärte er ihn doch für „nicht ganz stark genug, um dein Haar zu bewältigen, Miss Granger. Du wirst sehen müssen, ob du den Trank für größere Potenz verändern kannst. Zwei Fuß Pergament über mögliche Variationen, wenn ich bitten darf." Aber bei nichts – nichts - anderem legte er so viel Wert auf obsessive Genauigkeit wie bei der Vorbereitung der Zutaten.

Sie hatte monatelang Flubberwürmer klein geschnitten, um dem kaum zu erreichenden Ideal vollkommen identischer Scheiben näher zu kommen.

'Gerade annehmbar' war in diesem Kontext ein beinahe überschwängliches Lob.

„Komm am Donnerstag um acht Uhr abends zum Klassenzimmer von Geschichte der Zauberei", wies er sie an und, als sie ihn verwirrt ansah, fügte er schneidend hinzu: „Du wolltest doch kläglich dabei versagen, einen Patronus zu erzeugen, oder nicht, Miss Granger?" Ihre Reaktion ließ ihn fortfahren. „Schließ deinen Mund, Miss Granger. Ich erwarte überhaupt keinen Erfolg, aber ich habe den Irrwicht besorgt, den Professor Lupin in seiner überwältigend fehlgeleiteten Stunde verwendet hat, und wenn du vernünftig genug sein kannst, mehr Angst vor Dementoren als vor einem Teenager zu haben, der beinahe übelkeiterregend von dir eingenommen ist, kannst du den Zauber zumindest versuchen."

„Ja, Sir", hörte sie sich selbst stammeln. „Danke sehr."

„Gern geschehen, Miss Granger. Jetzt pack die Flubberwürmer in Gläser, damit die Erstklässler sie verwenden können, und dann verschwinde."

Snape sah ihr bei der Arbeit zu und, wie er es schon früher getan hatte, dankte den Sternen, dass die Götter ihm, zum ersten Mal in seinem armseligen Leben, gut genug gesinnt gewesen waren, sie nicht rothaarig zu machen. Eine muggelstämmige Hexe in Slytherin zu sehen; zu sehen, was gewesen hätte sein können, das war schwer genug. Wenn sie auch nur im Entferntesten wie Lily ausgesehen hätte... aber selbst der verdammte, Unruhe stiftende Sohn der Frau sah nicht aus wie sie, verhielt sich nicht wie sie.

Wie sollte er dieser verlorenen Liebe am besten treu bleiben, überlegte er, während er das leicht harte Mädchen mit den buschigen Haaren beobachtete. Er hatte seine Lippen zu einer abfälligen Grimasse verzogen, als er gehört hatte, dass sie Vincent Goyles Platz als erstes Opfer der absurden Stunde mit dem Irrwicht eingenommen hatte. „Wie gryffindorhaft von ihr", hatte er im Lehrerzimmer gesagt. Dennoch war er amüsiert gewesen über ihren Widerstand gegen Lupin und beeindruckt von ihrer Loyalität gegenüber ihrem Freund; Vincent, nahm er an, würde in jeder kommenden Auseinandersetzung hinter ihr stehen.

Gryffindors. Sie waren gedankenlos loyal zu der ersten Person, die sie fütterte, so wie Hunde. Aber die Fähigkeit, Loyalität in einem Haufen herablassender Reinbüter hervorzurufen, nun, die hatte er schon einmal gesehen.

Ehrte er die Frau, die er geliebt hatte, mehr, indem er ihren Sohn beschützte, oder indem er die muggelstämmige Hexe beschützte, die wie Lily die klügste Schülerin ihres Jahrgangs war? Die Hexe, die wie Lily sicherlich in den Fokus des Dunklen Lords geraten würde?


„Um einen Patronus heraufzubeschwören", erklärte Snape gedehnt, und betrachtete das nervöse und erwartungsvolle Mädchen vor ihm, „musst du deine glücklichste Erinnerung verwenden. Jeder Patronuszauber ist unterschiedlich, er bezieht seine Kraft und Form aus den frohen Gedanken des Zauberers, der ihn hervor ruft, aber falls du es richtig hinbekommst, was du natürlich nicht wirst, wirst du einen Schild produzieren, der zwischen dir und dem Dementor steht."

„Also denke ich einfach fröhliche Gedanken?", fragte sie mit offensichtlichem Zweifel in ihrer Stimme.

„Es ist kaum so einfach, Miss Granger. Du musst deinen Verstand kontrollieren. Du musst absichtlich Freude heraufbeschwören im Angesicht der Verzweiflung. Erwachsene Zauberer schaffen das nicht. Dennoch, als Beweis, dass die Last dieser speziellen Ausbeute Gryffindors mich um den Verstand gebracht hat, werde ich versuchen, es dir beizubringen."

„Und ich bin sehr dankbar, Sir", sagte sie.

„Spar dir deine Manieren für die Malfoys auf, und versuche, eine glückliche Erinnerung zu finden", erwiderte Snape.

Hermine dachte an den Tag, an dem sie erfahren hatte, dass sie eine Hexe war, und ergriff ihren Zauberstab. Ihre Faust umklammerte den hölzernen Stab, der ein Teil ihrer Selbst geworden war, fest.

„Der Spruch lautet 'Expecto Patronum'. Sobald du eine der langweiligen, jugendlichen Erinnerungen gefunden hast, die dich mit Freude erfüllt, denk fest daran und wirke den Zauber." Snape hörte sich völlig gelangweilt von dem ganzen Vorgang an, aber tatsächlich beobachtete er die Hexe scharf. So etwas Fortgeschrittenes in ihrem Alter auch nur zu versuchen war beeindruckend; er erwartete nicht, dass sie Erfolg haben würde, aber er war dennoch neugierig, ob sie irgendein Ergebnis vorweisen können würde.

Expecto Patronum", flüsterte sie und schwang ihren Zauberstab. Nichts passierte.

„Versuch wenigstens, dich selbstbewusst anzuhören", schlug Snape vor, der seine Nägel betrachtete. Zaubertrankzutaten hatten die lästige Angewohnheit, sich unter ihnen einzufinden. „Und vielleicht wäre eine Erinnerung erfolgreicher, bei der du glücklich genug bist, um dich nicht so anzuhören, als hättest du Angst vor einem Werwolf."

Hermine dachte an den Tag, an dem sie nach Slytherin gekommen war, und wie schnell und bedingungslos die Akzeptanz in ihrem Haus gewesen war. „Expecto Patronum", sagte sie fester, und es war möglich, dass eine winzige Wolke silbrigen Nebels sich von der Spitze ihres Zauberstabs zur Decke bewegte und dort verpuffte.

„Versuch es noch mal, Miss Granger", sagte Snape. „Eine glückliche Erinnerung. Du hast doch glückliche Erinnerungen, oder?"

Sie dachte an eine letzte Erinnerung und schnappte beinahe trotzig „Expecto Patronum", und dieses Mal bildete sich eine unverkennbare, wenn auch formlose, Wolke, die von Snape mit beeindruckten Augen betrachtet wurde.

Expecto Patronum", sagte er, und seine Hirschkuh huschte hervor, sprang gut gelaunt durch den Raum, hielt kurz an um an Hermine zu schnuppern und verschwand dann durch eines der Fenster.

„Sie ist wunderschön", flüsterte Hermine, als sie dem Patronus hinterher sah.

„Ja", sagte Snape. „Das war sie."

Hermines Kopf schnellte herum, um ihn anzusehen, aber er hatte seinen Zauberstab bereits wieder weggesteckt. „Aber, wie du zweifelsohne gesehen hast, Miss Granger, hat sie sich ohne eine Bedrohung bereits wieder aufgelöst. Ich möchte, dass du wann immer du etwas Zeit hast und alleine bist, den Zauber mit dieser letzten Erinnerung übst, was auch immer sie gewesen sein mag. Es ist möglich, dass du mit außergewöhnlichem Fleiß etwas weniger inkompetent als deine Mitschüler sein könntest."

„Ja, Sir."

„Natürlich scheine ich wertvolle Zeit damit verschwendet zu haben, den Irrwicht zu besorgen, da du nicht weit genug fortgeschritten bist, um ihn zu benötigen. Wir werden uns erneut treffen müssen, sobald du geübt hast, damit meine Mühen nicht komplett verschwendet waren."

„Es tut mir leid, Sir. Ja, Sir." Aber Hermine lächelte. 'Du könntest etwas weniger inkompetent sein' war ein großes Lob, und der Plan, sie erneut zu treffen, sogar ein noch größeres.


„Sie werden ihm den Kuss geben", sagte Draco. Pansy war ausnahmsweise einmal nicht da, um jeden Mist, der aus seinem Mund kam, mit einem Schwall ihres geistlosen Enthusiasmus zu würdigen. Hermine fragte sich manchmal, ob er absichtlich dumme Dinge sagte, nur um zu sehen, ob Pansy ihm zustimmen würde.

Jetzt sah sie ihn nicht besonders interessiert an. „Wem?", fragte sie.

„Sirius Black. Sie werden ihm den Kuss des Dementors geben."

„Angenommen sie schnappen ihn", sagte sie. „Warum kümmert dich das?"

„Er ist mein Cousin", sagte Draco und sank tiefer ins Sofa, während er in die Flammen des Feuers im Gemeinschaftsraum starrte. „Oder Großcousin, schätze ich. Ich wusste das nicht, meine Mutter hat es mir erzählt. Und Tante Walburga hat ihn aus dem Teppich heraus gebrannt, also zählt er nicht wirklich, aber..."

„Aber du möchtest nicht, dass er stirbt", sagte Hermine, legte ihr Arithmantikbuch weg und setzte sich neben ihn.

„Nein", gab Draco zu. „Ich meine, es ist bescheuert, und er ist völlig verrückt, und er ist hinter Potter her und ich meine, ich hasse Potter-"

„Ich weiß, glaub mir, ich weiß", murmelte Hermine.

„Aber er gehört trotzdem zur Familie. Selbst wenn er sterben muss, seine Seele zu verlieren... das ist..." Draco erschauderte.

„Es ist ziemlich schrecklich", stimmte Hermine zu und sie saßen in stummer Übereinkunft lange Zeit nebeneinander.


Als Krummbein mit einer noch sehr lebendigen Ratte im Maul auftauchte, sah er höchst zufrieden mit sich aus. „Wie kommt es, dass Katzen fast keine Mimik haben, aber trotzdem extrem selbstgefällig wirken können?", fragte Blaise, während er die sich windende Ratte in den Käfig fallen ließ, in den er eine Kiste verwandelt hatte.

„Das ist eine ziemlich hässliche Ratte", sagte Draco und stieß sie mit einem Finger an. „Sieht aus, als könne sie jeden Moment tot umkippen. Und ich glaube, sie könnte räudig sein."

„Werden Ratten überhaupt räudig?", fragte Hermine und die Jungs zuckten die Achseln.

„Ihr wisst, wem die Ratte gehört, oder?", fragte Theo, der selbstzufrieden grinsend das Tier betrachtete, das sich so weit von Draco entfernt wie möglich im Käfig zusammen kauerte. „Das ist Ron Weasleys Ratte."

„Nein!" Hermine sah die unglückliche Kreatur mit neuem Interesse an. „Ich wette, er denkt sie wäre tot. Ich wette, er ist todunglücklich."

„Geben wir sie ihm zurück?", fragte Greg und die ganze Gruppe lachte.

„Gentlemen", verkündete Draco, „ich denke, wir haben ein neues Haustier. Willkommen in Slytherin, Ratti."


Hermine hatte aufgegeben auch nur zu versuchen, sich vor Quidditchspielen zu drücken. Als sie Blaise an der Tür traf, fragte sie: „Wo ist Greg?", und er zuckte die Achseln.

„Blaise", sagte sie und zog seinen Namen dabei in die Länge. „Was habt ihr beide vor?"

„Gar nichts", sagte er mit einem Ausdruck verletzter Unschuld. „Wenn du nicht mit mir zu dem Spiel gehen willst, dann sag das einfach."

„Mh mh." Hermine sah ihn mit verengte Augen an. „Das hat aber nichts mit dem dämlichen Besen von dem dämlichen Jungen zu tun, oder? Ihr seid nicht losgegangen und habt etwas getan, wegen dem wir all unsere Punkte verlieren werden, oder?"

„Können wir einfach gehen?", fragte Blaise, und Theo trat auf sie zu, die Hand fest umschlossen in Daphnes.

„Worauf warten wir?"

„Jemand scheint zu glauben, dass Greg nicht hier ist, weil es einen Komplott um Potters Besen gibt."

„Vertrau mir", sagte Theo. „Niemand hat sich an Potters Besen vergriffen."

Das Spiel war langweilig wie immer. Pansy und Draco fehlten beide, was eine Erleichterung war, weil ihr übel wurde, wenn sie ihnen beim Händchen halten und flirten zusehen musste. Trotzdem lief alles wie gehabt, genau wie sie es erwartet hatte – schauten Leute dem hier wirklich gerne zu? - bis sie sah, dass Harry Potter einen Patronus hervorbrachte.

Wie kam es, dass der es schaffte? Sie fühlte sich eine lange Minute lang gereizt und missmutig, bis sie sich zu fragen begann, warum er einen Patronus mitten im Quidditchspiel beschwört hatte.

„Der dämliche Mistkerl hat den Schnatz schon wieder gefangen", sagte Theo hinter ihr. „Es ist, als wäre er unaufhaltsam."

Sie sah auf das Feld hinunter, wo drei Dementoren umgefallen waren und sich in einem Haufen schwarzer Umhänge verstrickt hatten. „Oh, nein", murmelte sie. „Das habt ihr Ärsche nicht getan. Schlimm genug, dass jeder denkt, dass wir bei allem schummeln, aber ihr musstet losgehen und..." Sie drehte sich zu Blaise um. „Sag mir, dass du davon nichts gewusst hast!"

„Ich war nicht beteiligt", mäßigte er ab, und sie funkelte ihn an.

„Und du hast sie nicht aufgehalten, oder?"

McGonagall war dabei die Missetäter anzuschreien, und Hermine hörte entsetzt den Satz „Fünfzig Punkte Abzug von Slytherin."

„Ihr -", sie funkelte Blaise weiter an, dann fuhr sie zu Theo herum, der sie angrinste. Sogar Daphne schien belustigt, wenn auch ein bisschen schuldbewusst.

„Komm schon, Hermine", beredete Theo sie. „Er ist so ein Mistkerl. Und du musst zugeben, dass es lustig war."

„Nein, muss ich nicht." Sie stampfte beinahe mit dem Fuß. Sie blickte zurück auf den Haufen Umhänge und die Leute, die daraus hervor krabbelten. Draco. Greg. Vincent. Marcus. Und Pansy. Sie alle hatten einen Streich gespielt und sie außen vor gelassen, hatten ihr nicht einmal davon erzählt. „Ich finde es überhaupt nicht lustig."

Sie riss sich von den Tribünen los und ging alleine zurück zum Gemeinschaftsraum. Sie fing nicht zu weinen an, bis sie die Vorhänge um ihrem Bett zugezogen hatte.


Es fiel Hermine schwer Draco zu vergeben. Er hatte Punkte verloren. Als es Sirius Black gelang, in die Schlafsäle der Gryffindors einzudringen, weil Neville Longbottom alle Passwörter aufgeschrieben hatte, stellte sie nicht einmal sicher, dass es ihm gut ging. Nicht, dachte sie bei sich, dass er überhaupt mitbekam, dass sie ihn ignorierte. Er hatte Pansy und ganz Slytherin und sie hatte... nun, sie hatte ihren Kater. Sie hatte ihren Kater und viel Zeit ihren Patronus zu üben. Wenn Harry Potter es schaffen konnte, dann würde es ihr auch gelingen.

Als Neville einen Heuler bekam, lächelte sie nicht einmal, obwohl der Rest ihres Tisches lachte; sie zuckte nur mit den Schulten, sammelte ihre Bücher ein und ging zum Unterricht.

„Was ist mir ihr los?", fragte Draco. Theo und Daphne sahen sich unbehaglich an, sagten aber nichts.

„Sie schmollt nur wegen der Dementoren-Sache", sagte Pansy. „Du weißt ja, wie sie ist."

„Aber das war lustig", sagte Draco verwirrt.

Pansy warf ihre Haare über die Schulter. „Sie hat kaum mit Blaise gesprochen, seit es passiert ist, so aufgebracht ist sie darüber. Oder vielleicht hat er nicht mit ihr geredet. Ich schätze, er hat endlich genug bekommen von ihren Attitüden."

„Ich dachte, sie wären zusammen", sagte Draco.

Waren ist das richtige Wort dafür", sagte Pansy. „Jetzt nicht mehr."


Sie ging nicht mit nach Hogsmeade und verpasste den körperlosen Kopf Harry Potters – der offenbar irgendwie an einen Tarnumhang gekommen war – wie er Schlamm auf Draco warf.

Sie verpasste nicht, wie Draco anschließen darüber prahlte. Er hatte Ron über den Hippogreif angestachelt, Potter, der das Schloss überhaupt nicht hätte verlassen dürfen, hatte Schlamm geworfen, er hatte es Snape erzählt und Potter war in Schwierigkeiten geraten. Es war ein fast perfekter Tag gewesen.

Sie hatte ihn in der Bibliothek verbacht.

„Der beste Teil", sagte Draco, der seinen Arm um Pansy geschlungen hatte, „ist, dass das große Monster seine Anhörung verloren hat." Er zog den Finger seiner anderen Hand über seine Kehle und Millie, Greg und Pansy lachten. Vincent, der wie immer zu Dracos Gefolge gehörte, blickte zu Hermine.

„Hey", sagte er. „Ich wünschte, du hättest es sehen können, Hermine. Es war wirklich lustig, erst der Schlamm aus dem Nirgendwo, und dann der Gesichtsausdruck von Potter, als er ihn erwischt hat." Er runzelte die Stirn. „Ich habe dich vermisst. Warum bist du nicht gekommen?"

Sie lächelte ihn mit einem leicht wässrigen Lächeln an und sagte: „Danke, Vince. Ich hatte viel für Arithmantik zu tun."

„Aber Theo ist gekommen", sagte er mit scharfem Blick, aber sie sammelte bereits ihre Bücher auf und verschwand in ihrem Schlafsaal.


Hermine hatte Sirius Black, Potters Paten und Dracos Großcousin, nachgeschlagen. Draco war über die Sache so aufgebracht, auf seine merkwürdige, private Weise. Es war etwas, das er mit ihr geteilt hatte – nur mit ihr – und nicht mit Pansy, und sie wollte mehr wissen und einen Weg finden, damit es Draco damit besser ging.

Was sie herausgefunden hatte, störte sie. Die Zeitungen waren voll von seinen angeblichen Verbrechen, aber es schien keinen Bericht einer tatsächlichen Verhandlung zu geben. Potters Eltern waren ermordet worden, das schien eindeutig und ziemlich schrecklich. Black war entdeckt worden, wie er an ihrer Seite geweint hatte. Dass er ein Geständnis gemacht hatte, war weniger eindeutig. 'Es ist meine Schuld' konnte bedeuten 'Ich habe es getan' oder 'Ich habe etwas getan, durch das es geschehen ist.'

Sie war ziemlich sicher, dass er keine Gerichtsverhandlung gehabt hatte.

Sie war ziemlich sicher, dass sie eine Gesellschaft, die einen möglicherweise unschuldigen Mann ohne Verhandlung in ein Gefängnis voller Dementoren warf, nicht mochte.

Sie entschloss sich, diese Meinung über die magische Gesellschaft besser für sich zu behalten.


Alle Jungs versuchten fröhlich, Potter vor seinem nächsten Quidditchspiel Angst einzujagen. Sie bedrängten ihn auf den Fluren, und machten sich über seine emotionale Verbundenheit zu dem todgeweihten Hippogreif lustig. Es war einfach ihn zu reizen.

„Ernsthaft", murmelte Hermine einmal, als Draco sich lachend von einer erneuten Begegnung mit Potter zurückzog. „Du kannst so eine böse kleine Kakerlake sein."

„Aber du liebst mich trotzdem." Draco grinste sie an, aber sein Lächeln verblasste, als sie seufzte. „Hey. Wir sind Freunde, richtig? Freunde für immer?"

„Ja", sagte sie und seufzte erneut. „Freunde für immer."


Hermine machte sich auf, schon wieder ein Quidditchspiel anzusehen. Sie wusste nicht, warum sie sich die Mühe machte. Sie ließ sich auf die Bank fallen und betrachtete die Slytherinfahne, die ihr jemand in die Hand gedrückt hatte. Das Spiel war dreckig, und beide Seiten verletzten so viele Regeln, wie sie nur konnten. Der Kommentator war komplett parteiisch.

Vincent setzte sich neben sie.

„Wir gewinnen nie", murmelte sie und wartete nur, dass Potter den blöden Schnatz schon wieder fing. „Es fühlt sich wie ein Symbol an."

„Was meinst du?", fragte er.

„Ob wir fair spielen oder ob wir dreckig spielen. Slytherins gewinnen nie. Nicht im Quidditch. Nicht sonst wo."

„Wie dreckig würdest du spielen um zu gewinnen?", fragte er und sie zuckte mit den Schultern, den Blick auf das Feld unter ihr gerichtet.

„Ziemlich dreckig, denke ich", gab sie schließlich zu und er nickte.

„Ich auch", sagte er.


Hermine hatte den Kopf wegen der Prüfungen in ihren Büchern vergraben und verbrachte all ihre Zeit mit lernen, um ihren Verstand zu beschäftigen. Das ganze Haus war nach Gryffindors Sieg im Quidditch nieder gedrückt, und Pansy verbrachte den Großteil ihrer Tage damit, Draco zu erzählen, dass es nicht fair war, und dass niemand ihn wert zu schätzen wusste.

Blaise beobachtete Hermine, die Pansy und Draco mit keinem Blick würdigte, und schleifte den anderen Jungen hinunter zum See. Sie kamen mit blutigen Lippen zurück, und ein Auge von Draco war am Zuschwellen, aber sie weigerten sich beide, über den Grund für ihren Kampf zu reden, und standen demonstrativ mit ihren Armen um den Schultern des anderen, sodass alle Gerüchte eines großen Streits zerschlagen wurden.

Greg berichtete einer begierigen Millie, dass er Draco hatte sagen hören „Wenn sie es nicht in der Öffentlichkeit trägt, zählt es nicht, und sonst wäre es auch komplett daneben von dir gewesen, mit ihr nach Hogsmeade zu gehen und so."

Blaise hatte laut Gerüchten Draco an dieser Stelle auf das Auge geschlagen und ihn ein Arschloch genannt, der nicht verdiente, was er hatte.

Niemand berichtete Hermine von den Gerüchten; Pansy war normalerweise ihre Quelle für solchen Tratsch, und Pansy schien nicht besonders interessiert daran zu erforschen, warum genau Blaise seinen Freund vermöbelt hatte.


„Denkst du", fragte Hermine Theo, als sie ihren ersten Test verließen, „dass meine Teekanne wie eine Landschildkröte aussah? Ich mache mir Sorgen, dass sie zu sehr nach einer Wasserschildkröte aussah. Denkst du, dass sie dafür Punkte abziehen werden?"

Er schubste sie. „Merlin, was muss ich unternehmen, dass du nicht mehr so eine Streberin bist?"

„Das wird nie passieren", sagte sie mit einem Grinsen und er wirbelte sie herum.

„Es ist schön, dich wieder lächeln zu sehen, Hermine", sagte er.

„Wer ist das?", fragte sie und deutete auf einen beflissen wirkenden kleinen Mann.

„Minister Fudge", sagte Theo und sah kurz beeindruckt aus. „Ich frage mich, warum er hier ist."

„Es ist wegen der Hinrichtung." Draco gesellte sich zu ihnen und warf einen Arm um Hermines Schulter, scheinbar ohne zu merken, wie angespannt sie dadurch wurde. „Der Hippogreif wird endlich das Beil zu spüren bekommen."

„Wortwörtlich." Hermine deutete auf einen schwarz gekleideten Mann, der zu dem Minister getreten war. Er trug eine Axt in einem Holster an seinem Gürtel.

Draco nahm seinen Arm von Hermines Schulter, als Pansy neben ihm auftauchte, und nahm stattdessen deren Hand. „Ich hätte dich für eine rührselige Hippogreif-Verfechterin gehalten, Hermine, vor allem nachdem du dieses Jahr so ein großer Fan von Potter geworden bist."

„Versuch mal, nicht so eine Bitch zu sein", sagte Hermine beinahe – aber nur beinahe – ohne Böshaftigkeit. „Es passt nicht zu deinen Haaren."

Pansy lachte, und dann lachte sie erneut vor Freude, als Hermine Modemagazine aus ihrer Tasche zog und ihr reichte. „Du bis die Beste", sagte sie und Draco blickte zu Theo, der mit den Schultern zuckte.

Hermine sah zurück zu dem Henker. „Ich dachte, es soll noch eine Berufung geben. Es scheint merkwürdig, so auf Hinrichtung vorbereitet zu sein. Was, wenn das Viech die Berufung gewinnt?"

Draco rollte mit den Augen. „Wird es nicht. Es hat mich verletzt, Hermine."

„Hab ich doch gesagt", sagte Pansy, das Gesicht bereits im Heft vergraben. „Hippogreif-Verfechterin."

„Ich will einfach nur, dass Dinge fair sind", sagte Hermine. „Es sollte seine Berufung bekommen. Ich meine, ich wäre genauso aufgebracht, wenn du ohne Verhandlung hingerichtet oder ins Gefängnis geworfen werden würdest."

„So gryffindorhaft, dieser Gerechtigkeitssinn, den du hast", neckte Theo.

„Du musst nicht fies werden", sagte sie, stieß ihn an und sie alle lachten.


Theodore Nott lehnte sich auf seinem Bett zurück und beobachtete seinen Freund. „Denkst du, dass er zurückkommt?", fragte er.

„Wer?", fragte Draco argwöhnisch.

„Der Dunkle Lord", sagte Theo.

„Besiegt von Sankt Potter", sagte Draco. „Leben wir jetzt nicht alle im Lande Dumbledores?"

Theo schaubte. „Hermine hat mich darauf aufmerksam gemacht. Er ist nicht tot. Er ist verschwunden. Sie haben keine Leiche gefunden. Und verlorene Dinge kommen am Ende immer zurück, wenn auch oft nicht so, wie wir es erwarten."

Draco warf einen Blick auf die Tür. „Möchtest du ihn zurück haben?"

„Ja", sagte Theo knapp. „Ich bin den ganzen Anti-Slytherin-Mist leid. Und du auch. Es gibt nur ein Problem."

„Welches?", fragte Draco.

„Hermine. Die muggelstämmige Hexe, mit der du vielleicht oder auch nicht eine Übereinkunft hast, egal, was du mit Pansy anstellst. Das Mädchen, das von deinen Eltern zum offiziellen Kontrollbesuch eingeladen wurde, auch wenn sie nicht wusste, dass er das war. Sie wäre ansonsten schreiend davon gelaufen. Muggle machen es nicht so, wenn ich es richtig verstehe. Sie ist in einer völlig anderen Welt groß geworden. Sie ist nicht... Sie weiß nicht, wie die Dinge funktionieren. Nicht so wie du. Nicht so wie Daphne. Sie hat die Bücher gelesen, aber... es ist alles anders, weil sie muggelstämmig ist. Du musst anders... du musst mehr... du musst daran denken, Draco."

„Niemanden schert, dass sie muggelstämmig ist", sagte Draco und blickte seinen Freund stur an.

„Mich schert es nicht. Dich nicht. Deine Eltern nicht. Ich denke, deine Tante Bellatrix würde es scheren. Du hast mir mal erzählt, dass deine Familie deine andere Tante vom Stammbaum gebrannt hat, weil sie einen Muggelstämmigen geheiratet hat."

„Er war kein Slytherin", sagte Draco, aber seine Stimme klang jetzt leicht angespannt.

„Ich glaube, du musst mit deinem Vater reden", sagte Theo. „Wenn Er zurückkommt, dann könntest du ein Problem haben." Ihre Ratte – Weasleys Ratte – huschte ihn ihrem Käfig umher und Theo sah sie neugierig an.

„Sie ist eine Slytherin", sagte Draco erneut.

Theo öffnete die Tür und warf ein paar Leckereien in den Käfig. „Und du hast ihren Irrwicht gesehen. Sie ist nicht dumm, Draco. Sie weiß, dass ihre Abstammung sie..."

„Sie wäre eine Bereicherung in jedem Krieg", sagte Draco in steifem Tonfall. „Sie ist klug und talentiert und sie -"

„Mich musst du nicht überzeugen", sagte Theo. „Aber du solltest vielleicht darüber nachdenken, wie du den Dunklen Lord überzeugen willst, sollte es jemals dazu kommen."

„Fuck", sagte Draco. „Du hast die Ratte entkommen lassen."

Sie sahen beide zu, wie Ratti auf den Boden sprang und davon hastete.

Theo zuckte mit den Schultern. „Naja, ich wollte das Ding nicht mit nach Hause nehmen. Ich hätte sie einfach draußen frei gelassen, damit etwas anderes sie fressen kann."


Die Prüfungen waren geschafft, das Schuljahr beinahe vorbei und die meisten Slytherins feierten. Draco und Theo hatten sich in ihrem Zimmer eingesperrt, wo sie sich wahrscheinlich mit weit besserem Alkohol betranken als der Rest des Hauses, vermutete Hermine. Sie fühlte sich noch immer etwas angespannt in Gegenwart ihrer Freunde, sie hatte noch nicht ganz vergessen können, dass sie aus dem Dementorenstreich außen vor gelassen wurde.

Sie alle dachte, dass sie solch eine die Regeln befolgende Streberin war. Es war nicht fair. Und Draco und Theo wussten, dass sie den Vielsafttrank gebraut hatte. Daphne und Pansy wussten, dass sie Magazine für sie schmuggelte, die sie beide in ernsthafte Schwierigkeiten bringen könnten. Aber irgendwie, weil ihre Noten ihr wichtig waren und sie sich um die Hauspunkte scherte und gewinnen wollte, sahen die Leute sie als eine... eine... eine rührselige Hippogreif-Verfechterin.

Als ob sie sich auch nur einen Deut um den blöden Hippogreif kümmerte. Er hatte Draco verletzt; sie würde ihn eigenhändig umbringen, wenn sie gelassen würde.

Auch wenn er es momentan nicht verdienen würde.

Blöder Arsch.

Sie verließ den Gemeinschaftsraum und schlich sich nach draußen. Sie würde es ihnen zeigen. Sie würde spazieren gehen, wenn es nicht erlaubt war. „Ich werde während der Nachtruhe draußen sein", murmelte sie. „Und sie können alle rum sitzen und billiges Bier trinken und sich morgen krank fühlen."

Sie ging und ging und achtete nicht darauf, wo sie hinlief, bis sie merkte, dass sie an der Peitschenden Weide war, und dass Potter und Weasley einem schwarzen Hund durch einen Tunnel am Fuße des Baumes folgten.

Sie legte den Kopf schief und fragte sich, wie jemand so töricht sein konnte, in einen Baum hinein zu laufen, der einen umbringen konnte, nur um einen wilden Hund zu jagen; keiner der beiden Jungen schien unbeschadet davon gekommen zu sein, und Weasley wirkte, als wäre sein Bein von den umher schlagenden Ästen des Baumes gebrochen worden. Sie stand da und überlegte, ob sie Hilfe holen sollte, als Krummbein herbei schlenderte, unter die Äste der Weide schlüpfte und auf einen Knoten an seinen Wurzeln sprang.

Der Baum hörte auf sich zu bewegen und sie sah den Kater an. „Du bist ein wirklich schlauer Junge, nicht?", sagte sie, und ihre Neugier, wie es so häufig geschah, überwältigte sie und sie huschte unter den merkwürdig stillen Zweigen her, bis sie in dem gleichen Tunnel stand, durch den die Jungen gegangen waren.

Sie erleuchtete ihren Zauberstab mit einem kurzen Lumos und ging dann durch den dunklen Tunnel ihrem selbstgefälligen Kater hinterher, bis er vor einem kleinen Raum stehen blieb. Drinnen stritten Potter und Weasley sich in ihrem angeschlagenen Zustand mit einem großen, schwarzhaarigen Mann mit wilden Augen, der anscheinend Ron Weasleys Zauberstab in der Hand hielt. Sein Gesicht war ausgemergelt und seine Zähne schrecklich gelb.

Als Tochter zweier Zahnärzte kam sie nicht umhin seine Zähne zu bemerken. Sie waren grauenvoll.

Der Hund, dem die Jungen gefolgt waren, war nirgendwo zu sehen.

„Harry." Ron stöhnte und sie bemerkte, dass der Baum ihm tatsächlich sehr weh getan haben musste. „Er ist der Hund. Er ist ein Animagus! Er ist Sirius Black!"

Natürlich. Sie sah den Mann erneut an.

Expelliarmus", murmelte der Mann und fing Potters Zauberstab aus der Luft.

Dieser Entwaffnungstrick war wirklich gut. Das hatte sie schon vorher gedacht.

„Sie werden uns beide töten müssen", sagte Ron. „Ich werde nicht zulassen, dass Sie Harry einfach so töten!"

Das war wirklich dämlich, fand sie. Sich ohne nachzudenken einem Mann zu widersetzen, der ein psychotischer Mörder sein könnte – oder aber auch nicht – würde so gar nicht helfen.

„Nur eine Person wird heute Nacht sterben", sagte der Mann und blickte durch den Raum.

„Sie haben meine Eltern getötet!", fauchte Potter. „Sie haben dreizehn Muggel getötet, um an Peter Pettigrew heran zu gelangen. Was ist passiert? Sind Sie in Askaban weich geworden?"

„Oh, scheiße." Hermine betrat das Zimmer. „Potter, ich weiß, dass du ein Idiot bist, aber wenn er dich umbringen wollte, dann hätte er das bereits getan. Er mag ein verrückter Mörder sein, aber ich glaube nicht, dass er hinter dir her ist."

Sie blickte den Mann finster an, ihren Zauberstab fest in der Hand. „Was wollen Sie, Black?"

„Was kümmert es dich?", fragte der Mann, und betrachtete ihren Zauberstab, während der von Weasley in seiner unsicheren Hand zitterte.

„Sie sind Dracos Cousin. Er will nicht, dass Sie sterben." Ihre Augen waren zu Schlitzen verengt. „Also will ich nicht, dass Sie sterben. Und Sie haben kein Verfahren bekommen, und das ist nicht richtig."

„Peter Pettigrew", sagte der Mann schwer atmend. „Der Geheimniswaher. Die Ratte."

„Die Ratte?" Ron klang entsetzt. Krummbein wand sich wieder mit dem selbstgefälligen Katergebaren um Hermines Fußknöchel. „Meine Ratte?"

„Peter war der Geheimniswahrer?", sagte Potter ungläubig. „Peter Pettigrew hat meine Eltern verraten?"

Meine Ratte ist ein erwachsener Mann?", fragte Weasley voller Abscheu.

„Und du hast jede Nacht mit ihm geschlafen, oder?" Hermine grinste, ihren Zauberstab noch immer auf Black gerichtet. „Finden Sie Ihre blöde Ratte und töten Sie ihn, Black. Und dann verschwinden Sie oder die werden Sie fangen und Ihnen den Kuss des Dementors verabreichen."

„Meine Ratte ist ein erwachsener Mann!", schrie Weasley dieses Mal, und es gab einen lauten Krach, als Professor Lupin durch den gleichen Tunnel kam, dem Hermine gefolgt war, und in den Raum stürzte.

„Wo ist er, Sirius?", fragte Lupin mit leiser und angespannter Stimme, und Sirius Black zeigte auf Ron. „Ihr habt getauscht, oder? Ihr habt getauscht, ohne es mir zu sagen."

„Es sollte...", sagte der Mann, der jetzt Probleme damit hatte, aufrecht zu stehen, „ein zusätzlicher Schutz sein."

Remus Lupin und Sirius Black schätzten sich kurz gegenseitig ein, und dann wandte Lupin sich an Hermine. „Du kannst deinen Zauberstab runter nehmen, Miss Granger."

„Ich denke nicht", sagte sie und ging langsam rückwärts auf die Tür zu. „Ich bin in einer Hütte mit einem Mörder und einem Werwolf. Ich glaube, ich behalte meinen Zauberstab fest in der Hand."

„Ein Werwolf?" Potter sah sie an.

„Merlin bist du langsam", murmelte sie. „Kein Wunder, dass du nicht nach Ravenclaw gekommen bist. Hast du nicht gemerkt, dass er immer an Vollmond gefehlt hat und krank war? Ich braue seit Monaten seinen Wolfsbann."

„Du hast was?" Lupin sah sie ziemlich schockiert an.

„Teil meines Einzelunterrichts", sagte sie. „Denken Sie, dass Sie beide die Ratte finden und es hinter sich bringen können?"

„Es ist Vollmond heute Nacht", sagte Potter sehr langsam, und bewegte sich von Lupin weg in Richtung Hermine und Tür.

„Scheiße", murmelte Hermine.

„Und du nennst mich langsam", sagte Potter.

Ron Weasleys Ratte nutzte diesen Augenblick, um aus seiner Tasche zu schlüpfen und durch den Raum zu huschen. Er hätte vielleicht entkommen können, wäre Krummbein nicht auf ihn gesprungen. Um einem sofortigen Tod durch den großen, orangen Kater zu entrinnen, verwandelte sich die Ratte, und auf einmal saß vor ihnen auf dem Boden ein übergewichtiger, furchtsamer Mann mit dünnen, ungleichmäßigen Haaren und glänzenden Augen.

„Wow", sagte Hermine. „Theo hat es mit den Leckereien wirklich übertrieben, oder?"

„Was meinst du?" Weasley sah sie an. „Theo... Leckereien... ihr Slytherin-Bastards hattet die ganze Zeit meine Ratte!"

Hermine grinste ihn an. „Wir haben ihm ein gutes zu Hause gegeben, Weasley. Ein sauberer Käfig, ganz viele Leckereien..."

„Ich dachte, er wäre tot", schrie Weasley. „Was für eine schreckliche, herzlose Bitch bist du? Wer entführt jemandes Ratte?"

„Mein Kater", sagte Hermine.

„Bitte", sagte der Mann auf dem Boden, „ich kann es erklären."

Sie bekamen allerdings nie zu hören, welche Entschuldigung er vorbringen wollte, denn der Mond machte den letzten Schritt zur Vollständigkeit und Lupin begann sich vor ihnen zu verziehen und verwandeln.

„Wolfsbann", stieß er hervor. „Ich habe ihn heute nicht genommen. Lauft!"

Hermine öffnete die Tür der Hütte und rannte hinaus nach Hogsmeade, Harry Potter dicht hinter ihr. Sirius Black hielt lange genug an, um Ron Weasley aufzusammeln und die Hüttentür hinter sich zu zuschlagen, sodass Remus Lupin eingeschlossen war.

Peter, nahmen sie später an, hatte sich zurück in eine Ratte verwandelt und war in die Nacht verschwunden.

„Zurück zu seinem Herren", sagte Sirius Black bitter.

„Sie müssen fliehen", sagte Hermine und sah den Mann an.

„Wie?", fragte er schnaubend. „Wie komme ich schnell genug weg, um den Dementoren und dem Ministerium zu entkommen?"

„Seidenschnabel", sagte Harry Potter plötzlich. „Sie haben ihn noch nicht getötet; er hat seine Berufung verloren und die Hinrichtung soll um Mitternacht stattfinden. Wir haben noch dreißig Minuten. Wir bringen Ron zum Hinrichtungsort und erzählen denen, dass er von einem Werwolf angegriffen wurde, der sein Bein gebrochen hat."

„Das wird sie ablenken", stimmte Hermine zu. „Und Sie können auf dem dämlichen Hippogreif davon reiten."


„Ich kann nicht glauben, dass der Hippogreif entkommen ist", beschwerte Draco sich beim Frühstück. „Und das auch noch direkt bevor sie ihn umgebracht hätten."

„Ich gebe dir die Schuld", sagte Pansy und sah Hermine naserümpfend an. „Was hast du überhaupt mit Weasley und Potter getrieben?"

„Hab ich doch gesagt", sagte Hermine und nahm sich noch einen Streifen Schinken. „Ich bin spazieren gegangen, weil ich keine Lust auf die Party hatte -"

„Und seit wann gehst du überhaupt nach der Abendruhe noch raus?", wollte Theo wissen.

„Ich bin nicht nur das brave Mädchen, das die Regeln befolgt", sagte Hermine selbstzufrieden. „Als ich draußen war, habe ich Potter und Weasley in die Heulende Hütte schleichen gesehen, und ich dachte, ich erwische sie dabei, wie sie Unheil anrichten. Und stattdessen haben wir alle drei Lupin dabei erwischt, wie er sich in einen Werwolf verwandelt hat."

Theo schauderte deutlich bei dem Gedanken an einen Werwolf, und sie tätschelte ihm tröstend die Hand.

„Er hat Weasleys Bein erwischt, bevor wir aus der Hütte entwischen konnten, und dann haben Potter und ich ihn zum Hinrichtungsort geschleppt, weil das am Nächsten war, und Potter und... Potter hat die ganze Zeit gequasselt. Und in dem ganzen Aufsehen um uns hat jemand den Hippogreif losgeschnitten, und er ist weggeflogen."

„Da ist etwas, das du mir nicht erzählst", sagte Draco mit verengten Augen und Hermine zuckte die Schultern.

„Ich wusste nicht, dass ich dir alles erzählen soll. Ich tue noch andere Dinge, als mit dir befreundet zu sein, weißt du."

Draco schnaubte ziemlich unattraktiv und stieß Pansys Hand vom Krug weg, um sich selbst Saft einzugießen.

„Hast du die Nachricht meiner Mutter über die Quidditch-Weltmeisterschaft bekommen?", fragte er und Hermine seufzte.

„Quidditch? Ernsthaft? Muss ich?"

„Ja!", sagten Daphne und Theo zusammen.

Hermine grinste sie an und tat, als bemerke sie den hässlichen Ausdruck auf Pansys Gesicht nicht. „Tja, wenn ich muss, dann sehe ich euch alle dort."


Anm. d. Autorin: Einige Fragen, die ich häufig zu diesem Jahr gehört habe: Nein, es gibt keinen Zeitumkehrer. Snape, als der kaum akzeptierte, frühere Todesser, der er ist, würde als ihr Hauslehrer wohl kaum die Erlaubnis dafür bekommen, selbst wenn er es versuchen würde. Draco nimmt Pansy im vierten Schuljahr im Canon mit zum Ball, und damit das glaubhaft ist, muss er vorher schon mehr mit ihr zu tun gehabt haben; ja, er verhält sich wie ein Idiot, aber er ist ein dreizehnjähriger Junge. Das tun die manchmal. Meine Beta findet, er braucht eine Ohrfeige.

Jahr Vier wird aus drei Kapiteln bestehen. Die Bücher werden einfach immer länger.

Großer Dank geht an meine wundervolle Beta, ShayaLonnie. Wenn ihr A Debt of Time nicht gelesen habt, ich empfehle es sehr.