Die Malfoys schickten eine Eule, dass sie sie am Sonntag um fünf Uhr nachmittags abholen würden.
„Wir wollen uns das Finale der Quidditchweltmeisterschaft ansehen", erzählte sie ihren Eltern. „Bulgarien gegen Irland."
„Seit wann magst du Sport?", fragte ihr Vater. „Ich habe versucht, dich zum Kinderfußball zu bewegen, und du wolltest nicht einmal die Schuhe anziehen."
„Es langweilt mich zu Tode", gab sie zu, „aber es ist etwas Besonderes, dass sie Karten bekommen und mich eingeladen haben. Ich werde wahrscheinlich den Großteil des Spiels damit verbringen, mir mit Daphne Zeitschriften anzugucken."
Sie war nervös darüber, wie die Malfoys sich vor ihren Eltern verhalten würden; kannten sie sich in der Muggelwelt überhaupt aus? Würden sie in den Vorgarten apparieren oder versuchen, das Flohnetzwerk zu benutzen?
Sie hätte sich keine Sorgen zu machen brauchen. Sie fuhren um Punkt fünf Uhr in einem Auto vor, das ihrem Vater einen leisen Pfiff entlockte. „Du hast nicht gesagt, dass diese Leute ganz so reich sind", murmelte er, als Lucius und Draco die Einfahrt hinauf kamen. Narcissa befand sich ein Stück hinter ihnen, da einer ihrer Absätze in einer Fuge der Pflastersteine stecken geblieben war. Sie waren sogar gut mit normalen Muggelsachen bekleidet. Etwas zu elegant vielleicht für diese Nachbarschaft, aber niemand würde sich beschweren, dass die Eltern der Freunde ihres Kindes sich zu gut anzogen. Keine Umhänge. Keine offenen Zauberstäbe. Keine Anzeichen der merkwürdigen Vorliebe für viktorianischen Tand, die so viele Hexen aufwiesen.
Obwohl, jetzt, wo sie darüber nachdachte, fiel Hermine auf, dass sie Narzissa noch nie in etwas Sonderbarem gesehen hatte. Vielleicht, überlegte sie, hatte es etwas mit ihrem Stand zu tun, denn einige der Eltern, die ihre Kinder am Bahnhof abholten, trugen auf jeden Fall Klamotten, die man höflicherweise als 'interessant' beschreiben konnte.
„Es ist so schön, Sie endlich kennen zu lernen", sagte Mr. Granger. „Hermine hat mir so viel von Draco erzählt, und es war sehr freundlich von Ihnen, sie letzten Sommer bei sich einzuladen. Ich wünschte, wir hätten die Möglichkeit gehabt, Sie vorher einmal zu treffen, aber unsere Praxis war so voll und sie war schon immer so ein unabhängiges Mädchen."
Lucius Malfoy hielt seine Hand aus und Mr. Granger schüttelte sie. „Ebenso", sagte er. „Ich war sehr froh, dass Draco eine Freundin gefunden hat, die es schafft, ihn aus Schwierigkeiten heraus zu halten." Mr. Granger gestikulierte ins Haus hinein, und Lucius trat gefolgt von Draco und Narzissa über die Türschwelle. „Sie wissen, wie Jungen in dem Alter sind."
„Ich weiß, wie ich war", sagte Mr. Granger lachend. „Ich war sehr dankbar, dass wir eine Tochter hatten. Können wir Ihnen etwas zu trinken anbieten?"
„Danke sehr", sagte Narzissa, die sich zusammen mit Mrs. Granger setzte. Draco und Hermine blieben stehen und bemühten sich, nicht zu zappeln.
„Oh, um Himmels Willen, geht nach draußen", sagte Mrs. Granger. „Ihr zwei macht mich kribbelig."
„Draco, warum hilfst du Hermine nicht mit ihren Sachen", schlug Lucius vor. „Im Kofferraum ist noch Platz."
Die zwei Teenager flohen dankbar aus dem Raum und Narzissa lachte. „Wir wollten sie zum Abendessen in ein Restaurant mitnehmen, damit sie sich noch ein bisschen in einer formalen Umgebung winden müssen, bevor wir sie morgen auf die Weltmeisterschaft los lassen. Theo und Daphne – die beiden anderen Kinder in ihrem Jahr, die uns begleiten – werden uns mit Daphnes Eltern in dem Restaurant treffen. Würden Sie uns gerne Gesellschaft leisten?"
„Danke, aber nein", erwiderte Mrs. Granger mit höflichem, wenn auch unaufrichtigem Bedauern. Sie fühlte sich noch immer nicht völlig wohl mit der magischen Welt, in die ihre Tochter eingetreten war. „Sie sind eine tapfere Frau, dass Sie zwei Wochen lang vier Teenager in Ihrem Haus aufnehmen."
Die Frage 'wie wollen Sie sie beaufsichtigen' hing ungefragt in der Luft.
Narzissa kontrollierte den Impuls sich zu versteifen, indem sich sich daran erinnerte, dass diese arme Muggelfrau keine Ahnung hatte, wie beleidigend auch nur die versteckte Andeutung war, dass man Draco nicht zutrauen könne, sich mit Mädchen, die ihm sozial ebenbürtig waren, richtig zu verhalten. Alles was sie sagte war: „Ich weiß. Und ich habe so einen leichten Schlaf, dass ich wahrscheinlich die ganze Zeit keine richtige Ruhe finden werde, aber wir haben Draco gefragt, ob er ein paar Freunde zu dem Spiel bringen wollte, und er und Theo sind unzertrennlich, seit sie Kleinkinder waren, und die beiden Mädchen waren so häufig bei uns zu Hause, dass es sich anfühlt, als würden sie dorthin gehören. Die Energie junger Leute ist so erfrischend, finden Sie nicht? All diese Unschuld und die charmant naive Art, mit der sie denken, dass sie mit Dingen davon kommen können, wenn wir natürlich jede ihrer Bewegungen genau kennen?"
Beruhigt sagte Mrs. Granger nur: „Nun, lassen Sie mich wissen, wenn Sie ihrer müde werden, und wir nehmen sie zurück."
„Wir könnten Ihrer Hermine niemals müde werden", sagte Lucius. „Wir würden sie entführen und dauerhaft in unserem Gästezimmer einquartieren, wenn das möglich wäre."
Mrs. Granger lachte. Narzissa Malfoy lächelte ihren Ehemann nur an.
„Deine Eltern haben ein Auto?", fragte Hermine, als sie ihren Koffer hinein hievten.
Draco zuckte nur die Achseln. „Mein Vater sagt, es ist töricht, sich nicht unter die Mehrheit der Einwohner Großbritanniens mischen zu können, selbst wenn die nur Muggeln sind." Er grinste sie an. „Du dachtest nicht, dass wir wie die dämlichen Weasleys sind, oder? Die Muggelabfall sammeln und keine Ahnung haben, wie er funktioniert?"
„Die Weasleys tun das?", fragte sie und fügte hinzu, „Ich denke nicht, dass ihr euch mit diesem Auto untermischen könnt, so wie mein Dad darauf reagiert hat."
Draco lachte, lehnte sich gegen die Seite des Fahrzeugs und strich sich die Haare aus den Augen. Hermine versuchte zu kontrollieren, wie ihre Atmung bei seinem Anblick schneller wurde. 'Es ist nur Draco', sagte sie sich selbst. 'Du kennst ihn seit Jahren und er will nur mit dir befreundet sein. Er hat Pansy, die auf ihn steht.'
Obwohl es natürlich nicht Pansy war, die eingeladen worden war, mit ihm zur Weltmeisterschaft zu kommen. Es war nicht Pansy, die seine Eltern regelmäßig einluden.
Sie fragte sich, ob er Pansy auch ein Armband geschenkt hatte.
„Arthur Weasley", sagte er, „ist irgendwie besessen von Muggeltechnik, aber er versteht nichts richtig. Es ist erbärmlich."
„Was erwartest du?", fragte sie und rollte mit den Augen. „Es wäre zu logisch – zu sehr wie Arbeit – tatsächlich jemanden zu fragen, der weiß, was das Zeug tut. Viel schlauer einfach daran herum zu schrauben, bis es explodiert oder so was."
Draco lachte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Tja, nun, niemand hat je behauptet, dass die Weasleys schlau oder fleißig wären."
„Ja."
Sie standen dort und traten von einem Fuß auf den anderen und strichen ihre Haare aus den Augen, bis Narzissa und Lucius aus der Tür kamen und die unbeholfenen Teenager auf den Rücksitz des Autos scheuchten.
"Wir müssen natürlich mit einem Portschlüssel anreisen", sagte Narzissa mit einem leichten Stirnrunzeln. „Ihr Kinder seid alle zu jung zum Apparieren. Schreckliche Art zu reisen, aber wir können es nicht ändern. Die Ankunft der Menschenmassen zu staffeln, ohne dass die Muggel etwas davon mitbekommen, hat ziemliche logistische Probleme bereitet."
„Leute mit billigen Karten mussten schon vor zwei Wochen anreisen", fügte Draco für Hermine hämisch hinzu. „Das ist kein Problem, das wir haben."
„Nein", stimmte Narzissa zu. „Und dein Vater hat einen privaten Portschlüssel arrangiert, sodass wir nicht durch irgendwelche Felder stapfen müssen, um einen der öffentlichen zu finden. Trotzdem kommen wir früher an, als mir lieb wäre."
Hermine schlang ihre Tasche über die Schulter und Daphne verschränkte ihren Arm mit Theos, während sie zusammen mit den Malfoys auf die Aktivierungszeit des Portschlüssels warteten. Als sich das verdammte Ding aktivierte und sie Kopf über Fuß nach vorn gesogen wurde, als würde sie durch die Leere fallen, musste sie Narzissa volkommen zustimmen; dies war eine schreckliche Art zu reisen.
Der Teil, bei dem man aus dem Nichts auf ein offenes Feld fiel, war nicht viel besser.
Lucius reichte Narzissa einige kleine Gegenstände und Hermine hörte ihn murmeln: „Nur für den Fall, dass du die Kinder raus schaffen musst. Es soll erst nach dem Spiel passieren, aber du weißt, wie übereifrig manche Leute sein können, und da es Riddle noch nicht wieder gut geht..."
„Verstanden", sagte sie, und strich ihre Hand in einer seltenen Geste öffentlicher Zuneigung über seine Wange.
„Soll ich euch unser Zelt zeigen?" Lucius Malfoy wandte sich den Kindern zu und Hermine folgte ihm in Richtung eines überfüllten Campingplatzes. „Draco, biete dem Mädchen deinen Arm an", wies Lucius ihn an, ohne auch nur zurück zu sehen.
Er hielt ihr die Hand hin und sagte: „Hermine?", und sie nahm sie und ließ sich von ihm vorwärts führen, wobei sie ihr Gesicht nach unten duckte, damit ihr Haar ihr Erröten versteckte.
„Ich habe jemanden von der Arbeit vorhin los geschickt, damit er das Zelt aufbaut", sagte Lucius Malfoy gerade, „und es sollte... ja, hier ist es."
Er hielt vor etwas an, das aussah wie ein gewöhnliches Muggelcampingzelt, bückte sich leicht und zog den Eingang für seine Frau offen. Narzissa lächelte ihn an und neigte ihren Kopf, um einzutreten. Draco leitete Hermine als nächstes hindurch, und sie richtete sich auf, sobald sie drinnen war, um sich verblüfft umzusehen.
Sie befand sich in einem charmanten Wochenendhäuschen. Eine helle und sonnige Küche lag rechts von ihr, mit einem Tisch, der groß genug war, ihnen allen sechs einen Sitzplatz anzubieten. Auf der linken Seite war eine gemütliche Sitzecke, inklusive einem Schachspiel und einem kleinen Bücherregal voll zerlesener Taschenbücher. Eine Reihe Türen am Ende des Raums führte, wie sie annahm, zu Schlafzimmern.
„Wir sollten nicht über Nacht bleiben müssen", sagte Narzissa, die ihrem Blick gefolgt war, „auch wenn man es bei Quidditch natürlich nie genau wissen kann, darum habe ich dieses Zelt aufbauen lassen anstatt dem kleineren."
„Noch mal vielen Dank, dass Sie mich eingeladen haben", sagte Hermine. „Es war wirklich sehr freundlich von Ihnen."
„Unsinn", sagte Narzissa mit einem Lächeln. „Du weißt, dass du so gut wie zur Familie gehörst."
„Sollen wir unsere Plätze finden gehen?", fragte Draco, der neben dem Eingang wartete, offensichtlich begierig darauf, seinen Eltern zu entkommen. „Ich könnte ihr die Umgebung zeigen?"
Lucius gab seinem Sohn einen bezwingenden Blick und der Junge sank unter der Begutachtung leicht zusammen. „Es dauert noch eine Weile, bevor das Spiel anfängt, Draco, aber du kannst gerne mit deinen Freunden einen Spaziergang machen. Seid zum Abendessen zurück, bitte, und wir werden nach dem Essen zur Ehrenloge gehen." Er drehte sich Narzissa zu und gab Draco dann, als wäre es ihm gerade erst eingefallen, einen schweren Geldbeutel. „Falls ihr einen Snack oder ein Souvenir oder so etwas kaufen möchtet. Kümmere dich um deine Gäste, Sohn."
Und damit entflohen Draco, Hermine, Theo und Daphne den Erwachsenen und hinein in die lärmenden Menschenmassen auf dem Campingplatz. Sie gingen zuerst zu einem Stand, an dem ein Mann ihnen heiße Schokolade und gezuckerte Scones verkaufte; Draco zog eine große Schau damit ab, dass er zahlte, und Theo steckte sein eigenes Geld seufzend zurück in eine Tasche.
Sie wanderten am Kakao nippend zwischen Leuten umher, die Flaggen schwangen, und an einer hitzigen Debatte über eine obskure Regeländerung vorbei, die vielleicht – oder vielleicht auch nicht – Irland einen Vorteil geben könnte. Irgendwann erreichten sie den Bereich der bulgarischen Zelte, und an den meisten von ihnen hingen Fotos eines mürrisch dreinblickenden Teenagers, der wieder und wieder einen goldenen Schnatz fing.
„Wer ist das?", fragte Hermine und Theo stöhnte.
„Du weißt wirklich nichts über Quidditch, oder?", fragte er und sie rollte mit den Augen.
„Das ist Viktor Krum", informierte Draco sie. „Der wahrscheinlich beste Qudditch-Spieler der Welt."
„Ich nehme an, er spielt für Bulgarien?", fragte sie, und Daphne bedeckte ihren Mund und fing zu kichern an.
„Ja, Hermine", sagte sie. „Er spielt für Bulgarien. Er ist ihr Sucher."
„Oh, so wie du, Draco", sagte sie und lächelte den Jungen an, der sie angrinste und wegen des Vergleichs ein bisschen herum stolzierte.
„Naja", meinte Theo gedehnt, „sie spielen auf der gleichen Position, aber ich würde mal schätzen, dass Viktor Krum ein klein wenig besser ist als Draco."
Hermine zuckte die Achseln und sah die Poster an. „Er sieht mürrisch aus."
„Er sieht heiß aus", korrigierte Daphne und nachdem Theo ihr einen Blick zuwarf, fügte sie hinzu: „Was? Tut er."
Sie wanderten einige Stunden lang herum, bevor sie zum Zelt zurückkehrten. Narzissa Malfoy entspannte sich auf einem der weichen Sessel und las eine magische Modezeitschrift. „Ich habe verschiedene Snacks und Sandwiches vorbereitet", sagte sie und zeigte zum Tisch. „Ihr Kinder bedient euch. Aber esst auch etwas Gesundes und nicht nur die Süßigkeiten."
„Wo ist Vater?", fragte Draco, als er und Theo sich die Teller mit Sandwiches, Chips und Keksen voll luden.
„Er trifft ein paar seiner Kollegen", sagte Narzissa. „Er wird rechtzeitig zurück sein, um mit uns zur Loge zu gehen, keine Sorge." Sie hielt Hermine die Zeitschrift hin. „Ich denke, dieses Kleid würde dir gut stehen, meine Liebe."
Hermine sah das einfache, blaue Kleid an und lächelte einen Moment lang, während sie sich vorstellte, so für einen Ball herausgeputzt zu sein, wie es das Model war, das sich auf dem Bild drehte und winkte. „Es ist wunderschön", stimmte sie zu, „aber ich glaube nicht, dass ich so ein festliches Kleid wirklich brauche."
Narzissa lächelte nur. „Nun, falls ihr Mädchen entdeckt, dass ihr dieses Jahr eines benötigt, dann werde ich sehr gern mit euch Shoppen gehen."
„Das ist sehr freundlich", sagte Daphne und Narzissa lächelte sie an.
„Überhaupt nicht freundlich, Kind; ich bin vollkommen eigennützig. Ich liebe Draco zutiefst – und dich auch, Theodore – aber es macht nicht halb so viel Spaß, für Jungen einzukaufen und sie einzukleiden wie Mädchen, und jetzt wo ihr so erwachsen seid, müsst ihr nachsichtig mit mir sein, wenn ich euch wie die Töchter behandele, die ich nie hatte."
Als Lucius zu ihnen stieß, machten sie sich auf den Weg die unangenehm wackligen Treppen zur Ehrenloge hinauf zu steigen. Hermine seufzte, als sie sah, dass Harry Potter und die ganze Truppe Weasleys bereits dort saß. Draco war sofort aufgebracht und grinste hämisch, und Narzissa wirkte leicht beleidigt, als hätte jemand ihr etwas Verfaultes unter die Nase gehalten und erwartete nun, dass sie es ignorierte. Lucius Malfoy blickte Arthur Weasley mit offensichtlicher Abneigung an.
„Was haben Sie verkauft, um sich diese Plätze leisten zu können?", fragte er mit hoch gezogener Augenbraue. „Ihr Haus hätte sicherlich nicht genug eingebracht." Als er Ludo Bagman erblickte, der hinter den Weasley stand, schnaubte er.
Hermine verbarg ihr Lächeln, als Ron Weasley düster von ihr zu Draco zu Daphne und wieder zurück blickte. Harry Potter war in seinen Platz gesunken und wünschte sich offenbar, irgendwo anders zu sein.
„Das sind doch nicht alles Ihre Kinder?", fragte der Patriarch der Weasleys. „Haben Sie Streuner aufgenommen, Lucius?"
„Ganz und gar nicht." Er betrachtete die schäbige Kleidung der Weasleys mit offensichtlicher Abscheu. „Theodore Notts Vater und ich sind seit vielen Jahren Freunde und wir betrachten seinen Sohn als ein Mitglied unserer Familie. Und es ist immer entzückend, die Mädchen bei uns zu haben."
„Ja, wir wissen alles über Ihre Freundschaft mit Nott", schnappte Weasley. „Langzeitige politische Kumpel, nicht?"
Lucius lächelte. „Ich bin sicher, dass ich nicht weiß, was Sie meinen. Vielleicht möchten Sie das genauer erklären?"
Es gab eine lange Pause, bevor Lucius seiner Frau mit Bedacht auf einen Stuhl half und die beiden Jungen mit einem Blick anwies, das gleiche für ihre Begleiterinnen zu tun.
„Es gab eine Zeit", sagte Lucius schließlich mit ruhiger Stimme, „in der öffentliche Diskussionen über die Probleme, der die magische Welt gegenüber steht, gerne gesehen wurde. Jetzt sitzt meine Schwägerin wegen Scheinbelastungen in Askaban und Sie sitzen hier, in einer Loge, die Sie sich nicht leisten können, weil Sie politische Gefälligkeiten erledigt und Skandale vertuscht haben, während Männer mit guten Absichten sich nicht frei treffen dürfen. Wenn Sie Menschen von politischen Prozessen fern halten, Arthur, dann seien Sie nicht überrascht, wenn diese andere Wege finden, ihre Ziele zu erreichen."
„Ist das eine Drohung?", fragte der Mann.
Lucius zog seine Augenbrauen hoch, und sein arroganter Gesichtsausdruck erinnerte Hermine an Draco, wenn er herablassend wurde. „Ich mache nur eine Bemerkung über die Geschichte und über Unterdrückung, Arthur. Versuchen Sie doch, mitzuhalten." Dann setzte er sich neben Narzissa, drehte dem noch immer brodelnden Weasley den Rücken zu und fragte sie, ob er ihr ein Programm holen sollte, oder vielleicht ein paar gebrannte Mandeln.
Die Qudditch-Weltmeisterschaft anzusehen überzeugte Hermine, dass sie Qudditch langweilig fand, egal auf welchem Level. Sie erkannte, dass die Spieler überragend waren; es war ihr einfach nur egal. „Hast du keinen Spaß?", fragte Draco, der sich hinüber gelehnt hatte um in ihr Ohr zu flüstern.
Sie lächelte ihn an und zuckte die Schultern. „Ich mag es einfach lieber, dir zuzusehen", sagte sie, und er grinste, was dazu führte, dass sie sich in seine Arme werfen und ihn umarmen wollte, wie sie es getan hatte, als sie jünger waren.
Aber sie tat es nicht und wandte sich einfach nur zurück nach vorne, um vorzugeben, das Spiel anzuschauen. Draco betrachtete sie einen weiteren Moment lang, bevor er sich ebenfalls umwandte und sich nach vorn lehnte, um einem komplizierten Spielzug konzentriert zu folgen.
Irland gewann. Hermine tat, als würde es sie kümmern.
Als sie wieder im Zelt der Malfoys angekommen waren, tauschten Lucius und Narzissa einen Blick aus und sie sagte: „Nun, Kinder, ich zumindest würde es vorziehen, in meinem eigenen Bett zu schlafen. Kommt mit mir nach draußen und wir nehmen den Portschlüssel zurück zum Herrenhaus."
„Warum können wir nicht für die Feiern nach dem Spiel hier bleiben?", wollte Draco wissen und Lucius wandte sich zu ihm um.
„Widersprichst du deiner Mutter?"
„Nein, Sir", murmelte er.
„Gut. Denn einen Moment lang habe ich gedacht, du würdest dich darüber beschweren, die Damen nach Hause zu bringen. Feste nach einem Quidditchspiel können etwas brutal werden, und sie sind kein Ort für Kinder oder deine Mutter."
Theo drehte sich mit einem ernsten Ausdruck auf seinem jungen Gesicht um. „Soll das heißen...?", fragte er und verstummte dann.
„Dass das Rad des Schicksals sich immer dreht", sagte Lucius Malfoy. „Diejenigen, die einmal an der Spitze waren, können sich am Boden wiederfinden."
„Gut", sagte Theo erbittert. „Gut."
„Behalte diese Meinung noch eine Weile lang für dich", empfahl Lucius, „und bring die Mädchen heim."
„Das werde ich, Sir", sagte Theo und, nachdem er Draco einen kurzen Blick zugeworfen hatte, bot er Daphne seinen Arm an und begleitete sie aus dem Zelt hinaus.
Draco folgte mit Hermine, aber bevor sie draußen war, hörte sie Narzissa sagen: „Pass auf dich auf, Liebling."
Sie reisten mit dem Portschlüssel zurück zum Herrenhaus, Narzissa bestellte Kekse und heiße Schokolade und sie saßen um ein Feuer herum in einem der Salons.
„Was geht da vor?", fragte Hermine Draco mit leiser Stimme.
„Nichts, worüber du dir Gedanken machen musst", sagte er und starrte ins Feuer.
Als Draco am nächsten Morgen zum Frühstück kam, sah Hermine auf. Sie schob den Tagespropheten mit dem Foto des Dunklen Mals über dem Platz der Quidditch-Weltmeisterschaft über den Tisch. „Möchtest du mir etwas sagen?" fragte sie, ihre Stimme sehr leise.
„Ich war die ganze Nacht hier", sagte er missmutig. „Wie Vater so deutlich gesagt hat, war es kein Ort für Kinder."
„Wenn du älter gewesen wärst, wärst du dann dort gewesen?"
Er schenkte sich etwas Saft ein und setzte sich auf seinen Stuhl, wo er sich fläzte und sie finster ansah.
„Würde es dich kümmern?"
„Ich will nicht, dass dir etwas passiert." Ihre Stimme wurde lauter. „Leuten, die... protestieren, geschieht oft etwas."
„Du musst dir keine Sorgen um mich machen", murmelte er. „Ich bin zu jung, um etwas Gefährliches zu tun."
„Und wann wirst du nicht mehr 'zu jung' sein?", wollte sie wissen.
„Ich weiß es nicht, Hermine. Wenn ich sechzehn oder siebzehn bin, schätze ich. Es spielt keine Rolle." Er knallte sein Glas auf den Tisch und stand auf. „Merlin, Pansy hat recht. Du denkst, du wärst meine Aufpasserin. Aber das bist du nicht." Er stürmte aus dem Zimmer und sie zog die Zeitung zurück zu sich, um mehr darüber zu lesen, wie das Mal Voldemorts – des Dunklen Lords, den Harry Potter angeblich vernichtet hatte – über dem Zeltplatz erschienen war, und sie dachte über Lucius und Draco und Theo nach und daran, dass Daphne einmal gesagt hatte, dass ihre Eltern entschieden hatten, dass der Sohn eines Todessers eine akzeptable Wahl für ihre Tochter sei.
Sie fragte sich, wer auf den Namen 'Todesser' gekommen war. Es war bestimmt niemand gewesen, der an friedlichen Protesten und Sitzstreiken interessiert war.
„Oh gut, da bist du." Narzissa kam in den Raum und nahm ihr die Zeitung aus den Händen. „Diesen Müll brauchst du nicht lesen. Ich habe mir die Bücherlisten für Hogwarts dieses Jahr angeschaut, und anscheinend braucht ihr eine Garnitur Festumhänge. Das klingt, als ob wir doch nach einem hübschen Kleid für dich suchen müssen." Sie lächelte Hermine an. „Was sagst du zu einem kleinen Einkaufsbummel – nur wir Mädchen – für heute?"
„Das hört sich super an", sagte Hermine. „Könnten wir vielleicht nach einem Kleid suchen, das zu einem Armband passt, das ich habe? Wenn wir dieses Jahr die Möglichkeit bekommen, uns in der Schule in Schale zu werfen, dann würde ich es gerne tragen."
Narzissa Malfoy, die im Flur ihrem übel gelaunten pubertierenden Sohn begegnet war, sagte nur: „Natürlich können wir das."
Die Malfoys brachten alle vier Kinder zum Bahnhof. „Habt Spaß", sagte Narzissa. „Eventuell müssen wir unser alljährliches Weihnachtsessen ausfallen lassen; ich habe den Verdacht, dass ihr dieses Jahr wahrscheinlich die ganzen Ferien in der Schule verbringen wollen werdet."
„Und versucht, nicht in Schwierigkeiten zu geraten", sagte Lucius, eher amüsiert als alles andere. „Bis zum... nun, bis wir uns wiedersehen."
Als sie sich im Zug versammelten und nach einem leeren Abteil suchten, kamen sie an einigen ihrer ungeliebtesten Mitschülern vorbei, die dicht gedrängt standen und sich aufgeregt über die Weltmeisterschaft unterhielten.
„Wir waren in der Ehrenloge", sagte Ron Weasley voller Stolz. „Man konnte alles sehen."
„Zum ersten und letzten Mal in deinem Leben", sagte Hermine, lehnte sich an die Tür und betrachtete den Jungen verächtlich. Draco und Daphne standen hinter ihr; Theo hatte die Augen verdreht und war weitergegangen, um einen Sitzplatz zu finden.
„Als ob du ohne die Malfoys in die Loge gekommen wärst", sagte Weasley spöttisch. „Niemand möchte etwas mit einer muggelstämmigen Slytherin wie dir zu tun haben; es ist das Schlechteste von beidem. Deine Eltern hätten noch nicht einmal gewusst, wie man Karten kauft."
„Was ist das?", fragte Draco und zeigte auf einen braunen Samtärmel, der aus einem schlecht verschlossenen Koffer hing. Muffige Spitze säumte den verschlissenen Samt und Draco sah Ginny Weasley mit scheinbar ehrlichem Mitleid an. „Ist das wirklich der beste Festumhang, den du finden konntest, selbst gebraucht?"
Hermine griff nach dem Ärmel, zog daran und hielt den Umhang hoch, damit alle ihn sehen konnten. „Ähm... Draco", sagte sie. „Das ist kein Mädchenkleid. Ich glaube, das gehört Ronald."
Daphne lachte so sehr, dass sie nach Luft schnappen musste. „Ich glaube, das war so um 1760 herum der letzte Schrei."
„Vintage", sagte Hermine mit höhnischem Beifall. „Sehr gewagt von dir, Weasley. Nicht jeder Mann kann so etwas tragen."
„Das Problem mit Vintage", sagte Daphne mit tränenden Augen, „ist, dass man nie ganz den Mottengeruch heraus bekommt."
Weasley riss Hermine den Umhang aus der Hand und murmelte: „Leck mich, du -"
Plötzlich wurde er gegen die Sitze des Abteils gedrückt und hatte Dracos Zauberstab an der Kehle. „Sei vorsichtig, Weasley."
„Komm, Draco", sagte Hermine und zog ihn zurück. „Er ist es nicht wert." Mit einem verächtlichen Blick auf den Jungen, der noch immer über den Sitzplätzen ausgebreitet lag, wandte Draco sich zum gehen. Daphne blickte auf den Samtumhang, der jetzt auf dem Boden lag, und kicherte bösartig, als sie den beiden folgte.
Hermine jubelte all den neuen Erstklässlern zu, die nach Slytherin eingeteilt wurden. Die verdammten Weasley-Zwillinge zischten den ersten kleinen Jungen an, der zu ihnen kam, und sie lehnte sich über den Tisch zu ihm und sagte: „Die Ekel haben mich auch ausgebuht. Kümmer dich nicht um sie."
Er gab ihr ein zittriges Daumen hoch.
Pansy umkoste Draco, und wenn er auch einen leicht schuldigen Blick in ihre Richtung sandte, so bemerkte Hermine doch, dass er keine wirklichen Anstalten machte, das Mädchen davon abzubringen. Blaise quatschte eine Drittklässlerin an, die sie nicht kannte, und Greg und Vincent hatten die Köpfe zusammengesteckt und flüsterten über irgendetwas.
„Hermine", Greg sah zu ihr hinüber, „ihr wart bei der Weltmeisterschaft, oder?"
„Ja", sagte sie mit fragendem Tonfall.
„Bist du... okay?"
„Warum sollte ich das nicht sein?", fragte sie.
„Es wurde da am Ende nur ziemlich brutal", erwiderte er indirekt und sie starrte ihn an, als er hinzufügte: „Die Leute waren vielleicht... sie wussten vielleicht nicht alle, dass du... naja, du weißt schon... eine von uns bist."
„Nein", sagte sie. „Weiß ich nicht. Ich war mit Dracos Familie da."
Er nickte und schien zu überlegen, wie er noch etwas sagen konnte, aber dann zuckte er mit den Schultern und konzentrierte sich wieder auf die diesjährige Rede.
Kein Qudditch. Hermine war nicht ganz sicher, dass sie das richtig gehört hatte. Es war zu schön um wahr zu sein. Nicht im Regen herumsitzen, während Potter den Schnatz schon wieder fing. Nicht von Büchern und Kaminen und ihrer Katze weggezerrt werden, um auf der Tribüne zu sitzen und sich Sorgen zu machen, dass Draco von einem dieser schrecklichen Klatscher verletzt werden köntte.
Dumbledore wollte gerade weiter reden, als die Türen aufgestoßen wurden und ein höchst sonderbarer Mann durch sie herein trat. Er war von Narben bedeckt und die Hälfte seiner Nase fehlte. Er stapfte mit starkem Hinken zum Lehrertisch und am allermerkwürdigsten war, dass er ein künstliches Augen hatte, das wie wild herum rollte und im ganzen Raum umher blickte, während der Mann selbst sich zu Dumbledore lehnte und etwas sagte, dass sie nicht hören konnte. Dumbledore deutete auf einen leeren Stuhl und der Mann setze sich, wobei er seinen Mantel zurückwarf und ein geschnitztes Holzbein entblößte.
In dem Moment kam Hermine der Gedanke, dass die Muggelwelt weit überlegene Prothesen hatte.
Sie wusste, dass sie nicht starren sollte – es war unhöflich zu starren – aber sie schien ihre Augen nicht von dem Mann abwenden zu können, während Dumbledore verkündete, dass er mit Freude den neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, Professor Alastor Moody, vorstellte.
„Mad-Eye Moody", sagte Vincent ungläubig, während alle gesunden Augen im Raum auf das betreffende verrückte Auge gerichtet waren. „Ein Auror. Er ist jetzt im Ruhestand."
„Ein was?", fragte Hermine ihn.
„Sie fangen Schwarze Magier", sagte Vincent, aber sein Tonfall war jetzt zurückhaltend. „Sie arbeiten für das Ministerium. Die Hälfte der Zellen in Askaban sind wahrscheinlich mit Leuten gefüllt, die er erwischt hat."
„Und ich bin sicher, dass all diese Leute auch einen fairen Prozess hatten", murmelte Hermine, die in ihrem Essen herumstocherte und den neuen Professor noch immer betrachtete.
Vincent schnaubte.
Theo sagte mit leiser Stimme: „Wenn man erst einmal angeklagt ist, ein Schwarzmagier zu sein, dann kann man kaum noch eine gute Verteidigung anbringen. Selbst wenn es eine Verhandlung gibt -"
„Es wird fast nie jemand für unschuldig befunden", sagte Daphne. „Außer sie können behaupten, unter dem Imperius gewesen zu sein."
Es kam zu einer plötzlichen Bewegung und alle Leute in Hörweite gaben sich Mühe, nicht zu Draco zu blicken. Hermine folgte den halbfertigen Kopfdrehungen, nur um zu sehen, dass er eine Hand unter Pansys Oberteil und seinen Mund neben ihrem Ohr hatte.
Sie sah sehr schnell wieder zum Hohen Tisch zurück.
Sie alle betrachteten den neuen Professor mit wachsamer Haltung. Sein Auge drehte sich, bis Hermine sicher war, dass es genau auf sie starrte. Sie senkte ihren Blick und fing an, ihr Fleisch mit kontrollierten Bewegungen zu schneiden.
„Nun", fuhr Dumbledore fort, „bin ich hocherfreut verkünden zu können, dass Hogwarts Gastgeber eines großen athletischen Ereignisses sein wird."
Sie hätte wissen sollen, dass die Schonzeit von Quidditch einen Haken haben musste.
Während sie aß, dröhnte der Schulleiter weiter über internationale magische Zusammenarbeit und über Jahrhunderte seit dem letzten Turnier wegen der hohen Todesrate -
„Der was?", zischte Hermine. Niemanden sonst schien das sonderlich zu stören.
- und die anderen europäischen Schulen würden im Oktober ankommen, und es gab einen magischen Pokal, der die Teilnehmer von der Gruppe der Freiwilligen aussuchen würde, und werft euren Namen nicht hinein, wenn ihr noch nicht volljährig seid.
Draco schien enttäuscht, dass er sich nicht in Gefahr würde stürzen können. Hermine fühlte sich erleichtert. Warum sich jemand für so etwas dummes und wertloses wie eine Sportveranstaltung in Gefahr begeben wollte, konnte sie nicht begreifen. Sie war dankbar, dass sie nicht mehr würde tun müssen, als auf der Tribüne zu sitzen und so zu tun, als würde ihr etwas an dem Ergebnis liegen.
Beim Frühstück am nächsten Morgen kam Dracos Eule an und brachte neben dem üblichen Vorrat an Kuchen und Süßigkeiten eine Ausgabe des Tagespropheten. Hermine schenkte sich etwas Saft ein und zog die Zeitung zu sich heran.
„Da ist ein Artikel über die Weasleys", sagte Draco. „Der liebe Papa wurde wohl dabei erwischt, dass er verheimlichen wollte, dass Mad-Eye Moody jetzt vollkommen verrückt geworden ist."
„Unser neuer Professor Moody?", fragte Hermine mit einem Stirnrunzeln.
„Könnte es mehr als einen geben?", fragte er höhnisch.
Sie las den Artikel während ihres Frühstücks und musste zugeben, dass, selbst wenn sie den offensichtlich Sensation heischenden Tonfall ignorierte, es sich so anhörte, als habe Arthur Weasley versucht, seinen Einfluss zu verwenden, um den Besorgnis erregenden alten Auror vor Verfolgung zu bewahren. „Also...", sie sah zu Draco hinüber, „werden wir von einem paranoiden Irren unterrichtet, der starke Verbindungen zu Gryffindor hat?"
„So ungefähr", sagte er und sie sank in sich zusammen.
„Na toll. Vielleicht hätten wir den Werwolf behalten sollen."
Nach dem Frühstück gingen sie gerade zum Hof, als Weasley sich an ihnen vorbei drückte. „Aus dem Weg, Slytherins", murmelte er.
Hermine funkelte den Rücken des Jungen an, aber Draco zog den Propheten wieder aus seiner Tasche. „Oh Weasley", sagte er gedehnt, „wusstest du, dass deine Familie berühmt ist?"
Draco fing an, den Artikel laut vorzulesen, während sich eine Menge um sie versammelte. Als er fertig war, faltete er die Zeitung um, um ein Bild zu zeigen. „Und guck, sie haben ein Bild deiner Eltern hinzugefügt. Aber ich denke, ich muss mich entschuldigen."
„Wirklich?" Weasley wandte sich um und sah den blonden Jungen an.
„Jep. Ich habe immer gedacht, ihr wärt so arm, dass ihr euch nicht einmal Essen leisten könnte, aber wenn ich deine Mutter so ansehe, tja, sie sieht nicht aus, als ob sie je Hunger gehabt hätte."
„Zumindest sieht sie nicht so aus, als hätte sie ständig Mist unter der Nase", schnappte Harry Potter.
„Fick dich", sagte Hermine. „Arschloch."
„Oh, ja, du bist deren kleines Haustier, oder?", sagte Weasley. „Hast den Sommer bei ihnen verbracht und sie sind sogar zur Weltmeisterschaft mit dir Gassi gegangen und alles. Sag mir, Miss ich-bin-ja-so-eine-perfekte-Muggelstämmige, sieht seine Mutter immer so aus oder nur, wenn Draco in der Nähe ist?"
„Wag es ja nicht, meine Mutter zu beleidigen", zischte Draco.
„Dann halt dein eigenes verdammtes Maul", schlug Potter vor, drehte sich um und ging davon.
Es gab einen lauten Knall, als Draco seinen Zauberstab zog und einen Fluch auf Potter feuerte, der von einem zweiten, lauteren Knall gefolgt wurde, als Draco plötzlich und zu Hermines Entsetzen in ein weißes Frettchen verwandelt wurde. Sie fiel neben dem Tier auf die Knie und wollte es gerade auf den Arm nehmen, als sie eine raue Stimme rufen hörte: „Lass das, Missy." Sie sah auf und erblickte Professor Moody, der auf sie zukam. „Hat er dich erwischt, Junge?", fragte er Harry Potter.
„Nein, ging daneben", sagte Potter kurz ab.
Moody humpelte in Richtung Hermine, die auf dem steinernen Boden kniete, und sie stand auf und stellte sich zwischen ihn und das Frettchen, das verängstigt in Richtung Kerker rannte. Moody bellte: „Oh nein, das wirst du nicht", schnappte seinen Zauberstab und das Frettchen wurde in die Luft geworfen und kam dann mit einem hörbaren Aufprall wieder auf den Boden zurück. Das Tier mühte sich auf die Füße zurück und versuchte weiter zu rennen, während Hermine um Hilfe schrie und Moody das kleine weiße Wesen wieder und wieder in die Luft warf.
„Du greifst niemals jemanden an, der dir den Rücken zukehrt", knurrte der Mann. „Schäbige, feige Tat das, und ich. Hasse. Feiglinge."
„Professor Moody!" Minerva McGonagall rannte auf sie zu. „Hören Sie sofort damit auf. Ist das ein Schüler?! Oh mein GODRIC! Wir verwenden Verwandlungen niemals als Bestrafung!"
Hermine hatte das zitternde Tier auf den Arm genommen, streichelte seinen Kopf und murmelte ihm beruhigend zu, während McGonagall Moody anfuhr. „Niemals... in all meinen Jahren... Dumbledore hat bestimmt..."
Der Mann zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, dass ein paar Stöße dem kleinen Bastard etwas Verstand einbläuen könnten."
McGonagall gab Hermine einen kurzen, erzürnten Wink, und das Mädchen ließ das Frettchen auf den Boden hinab, wo es sich rasch wieder in einen angeschlagenen, zitternden Draco Malfoy verwandelte. Der Junge murmelte etwas über 'mein Vater' und Moody verzog höhnisch das Gesicht.
„Dein Vater und ich sind alte Freunde, Junge. Ich bin sicher, er würde liebend gerne einen Plausch mit mir halten."
Draco presste die Lippen zusammen und funkelte den alten Auror rebellisch an, aber Hermine richtete sich auf, sah den Mann an und sagte mit einer Stimme, die zwar vollkommen eben war, aber dennoch im ganzen Hof gehört werden konnte: „Ich würde mir keine Sorgen um Lucius Malfoy machen, wenn ich Sie wäre."
„Mache ich nicht, Mädel", sagte der Mann. „Lass mir dir einen Rat geben; stell dich nicht auf die Seite mit solchen wie -"
„Ich würde mir um mich Sorgen machen. Weil ich Sie eines Tages hierfür töten werde."
Der bereits fast stille Hof verstummte.
„Als ob ich vor einem kleinen Schulmädchen Angst hätte", sagte der Mann abfällig, während Minerva McGonagall sagte: „Sie können keinen Professor bedrohen, Miss Granger."
„Dann ziehen Sie Punkte ab, Ma'am", sagte Hermine sehr höflich, ihre Augen fixiert auf Alastor Moody, der sonderbar berechnend zurück blickte. „Oder geben Sie mir Nachsitzen."
„Bringt ihn zum Krankenflügel", war alles, was McGonagall sagte. „Moody, ich möchte ein privates Wort mit Ihnen wechseln."
Hermine zog eine Feder hervor, nahm eine Rolle Pergament und fing an zu schreiben.
Liebe Mr. und Mrs. Malfoy,
Verzeihen Sie bitte meine Dreistigkeit, Ihnen zu schreiben, aber...
Narzissa las den Brief und gab ihn dann weiter an ihren Mann.
„Crouch hat unserem Sohn was angetan?", sagte Lucius mit einem leisen Knurren, nachdem er die Nachricht gelesen hatte.
„Sie denkt natürlich, es wäre Mad-Eye Moody", Narzissa, lehnte sich mit trügerischer Gelassenheit auf ihrem Stuhl zurück und betrachtete ihren Ehemann. „Sie erwähnt es nicht, aber anscheinend hat sie dem Mann, in Hörweite von Minerva McGonagall und einem Hof voller Schüler, gesagt, dass sie ihn eines Tages zur Vergeltung töten würde."
Lucius war noch immer zornig, aber er musste gegen ein Lächeln ankämpfen, als er seine Frau ansah. „Ich missbillige solch mangelnde Subtilität."
„Sie ist noch ein Kind", sagte Narzissa schulterzuckend. „Er hat natürlich von ihrer Drohung berichtet."
„Und?"
„Und scheinbar ist er belustigt und fasziniert."
Lucius faltete den Brief zusammen und gab ihn Narzissa zurück. „Dein Informationsnetzwerk hat mir immer etwas Angst eingejagt", sagte er liebevoll. „Wir sind uns also noch immer einig über sie?"
„Oh ja", sagte Narzissa. „Loyal, blutrünstig, Draco treu ergeben? Ich hoffe nur, dass wenn er endlich aufhört, das Parkinson-Mädchen zu jagen, sie ihn dafür arbeiten lässt."
„Ich bin sicher, das wird sie", sagte Lucius. „Vor Allem, wenn du darauf Einfluss hast."
In der ersten Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste setzte Hermine sich neben Draco.
„Ich sitze mit Draco zusammen", sagte Pansy. Hermine, die ihr Lehrbuch, Pergament und eine Feder aus der Tasche zog, sah nicht einmal auf.
„Nein", sagte sie. „Tust du nicht. Nicht in diesem Fach."
„Er ist mein Freund", blaffte Pansy und Hermine, die ein Grinsen unterdrückte, als Draco leicht erschauderte, zuckte nur mit den Achseln.
„Und er ist ein Freund von mir und in diesem Fach sitzt er neben mir, verstanden?"
„Ähm... Ich sehe dich nach der Stunde, okay, Pansy?", sagte Draco.
„Dir ist schon klar, dass ich dich für einen Idioten halte, oder?", sagte Hermine, und der Junge wurde rot und murmelte leise etwas darüber, dass alle Mädchen verrückt seien.
Professor Moody betrat den Raum und betrachtete die Viertklässler aus Slytherin mit kaum verhohlener Verachtung. Hermine sah ihn regungslos an. Komisch. Sie hatte gedacht, dass Remus Lupin ihrem Haus gegenüber voreingenommen gewesen war. Aber er war harmlos gewesen im Vergleich zu diesem Mann, der eine Anwesenheitsliste aus dem Schreibtisch zog und die Namen knurrend vorlas, wobei sein künstliches Auge jeden Schüler einzeln ansah. Er schien Theos, Gregs, Vincents und Dracos Namen mit besonderer Abscheu in der Stimme zu verkünden.
„Nun", sagte er schließlich. „Lupin hat mir eine Nachricht dagelassen, was er mit euch behandelt hat. Ihr scheint ein ziemlich gutes Wissen über Kreaturen zu haben." Er sagte das Wort mit leichtem Hohn. „Aber ihr habt leider kaum Erfahrung mit Flüchen, darum werden sie dieses Jahr durchnehmen. Genauer gesagt Unverzeihliche Flüche. Kann uns jemand verraten, was einen Fluch unverzeihlich macht?"
Er ließ seinen Blick durch den Raum wandern, bevor er auf Millie zeigte. „Du", blaffte er, „was macht einen Fluch zu einem Unverzeihlichen?"
„Sie sind... unverzeihlich?", brachte sie hervor.
„Ja", sagte er und schrieb 'unverzeihlich' an die Tafel. „Verwendet einen dieser drei Sprüche und ihr handelt euch einen lebenslangen Aufenthalt in Askaban ein. Kann eine von euch kleinen Schlangen mir einen von ihnen nennen?" Er sah Draco an. „Was ist mit dir, Junge."
„Imperius", sagte Draco, seine Stimme nur etwas zittrig. Hermine, deren Augen Moody mit unveränderlicher Intensität betrachteten, streckte eine Hand aus und legte sie ihm auf die Schulter.
„Ja. Ich bin sicher, dass deine Familie viel Erfahrung mit dem Imperius-Fluch besitzt, Mr. Malfoy. Viele Zauberer haben behauptet, sie hätten nur für Ihr-Wisst-Schon-Wen gearbeitet, weil sie unter dem Imperius gestanden hätten. Der Trick dabei ist natürlich die Lügner aufzuspüren." Er funkelte Draco an, bevor er 'Imperius' an die Tafel schrieb.
„Wer kann einen anderen nennen?", fragte er. „Du. Miss Parkinson."
„Cruciatus." Ihre Stimme stolperte über das Wort.
„Ganz genau. Der Folterfluch." Während er ihn anschrieb, fragte er, ohne sich umzudrehen: „Und der letzte?"
„Avada Kedavra", sagte Hermine mit kühler Stimme. „Der Todesfluch."
Mad-Eye Moody wandte sich um und sah sie an. „Ganz recht", sagte er. „Der Todesfluch." Er betrachtete sie einen langen, stummen Moment lang, bevor er den Rest der Klasse ansah. „Nun, das Ministerium sagt, dass ihr noch nicht bereit seid zu sehen, wie ein schwarzer Fluch aussieht, bis ihr in der sechsten Klasse seid, aber das ist Stuss. Ich finde, ihr müsst wissen, womit ihr es zu tun bekommt. Immer wachsam! Schwarzmagier sind überall, da wo ihr sie am wenigsten erwartet."
„Wir werden mit dem Imperius anfangen und uns dann hocharbeiten, oder runter, wenn euch das lieber ist. Ihr müsst wissen, wie diese Flüche aussehen und wie ihr euch dagegen verteidigen könnt! Immer wachsam!" Am Ende seiner Einleitung war er am Schreien, und er hielt inne und atmete einige Momente lang schwer. Hermine hatte den unfreundlichen Gedanken, dass ihm etwas weniger Wachsamkeit und etwas mehr Aktivität gut getan hätte, bevor er durchgedreht war. „Also schreibt mit, Leute. Ich werde nicht jünger und diese Informationen sind für euch, nicht für mich."
Am Ende der Stunde, als sie ihre Sachen zusammen packten und in den Flur hinaus gingen, sagte Draco sehr leise: „Danke."
Hermine zuckte die Achseln. „Wie du und Pansy so gerne betont, halte ich mich für deine Aufpasserin."
„Also, Hermine." Pansy hatte schon eine Weile auf dieses Gespräch hingearbeitet, und Hermine blickte mit einem höflichen Gesichtsausdruck von ihren Hausaufgaben für alte Runen hoch. „Du und Draco."
„Ja?", fragte Hermine.
„Seid ihr zwei nur Freunde oder mehr?"
Hermine starrte Pansy ziemlich ungläubig an. „Du hast den Großteil des Jahres mit deiner Zunge in seiner Kehle verbracht und jetzt fragst du mich, ob wir mehr als Freunde sind?"
„Es ist nur... eure Freundschaft ist merkwürdig", sagte Pansy.
Hermine zuckte mit den Schultern. „Draco ist merkwürdig, falls es dir noch nicht aufgefallen ist."
„Du verbringst viel Zeit mit seiner Familie", beharrte Pansy.
„Das tut Daphne auch", sagte Hermine.
„Ja, aber sie kann schlecht zu Theo gehen, weil seine Mutter tot ist", sagte Pansy.
Hermine zuckte erneut mit den Schultern und blickte zurück auf ihre Hausaufgaben, in Gedanken schon wieder bei Alte Runen, als Pansy sagte: „Also habt ihr keine Übereinkunft oder so?"
„Du meinst so wie Theo und Daphne?"
„Ja."
Hermine schnaubte. „Wenn wir eine dieser komischen Reinblut-Übereinkünfte hätten, dann hätte ich das bestimmt gemerkt."
„Okay", sagte Pansy. „Gut."
„Warum?", fragte Hermine. „Habt ihr zwei eine Übereinkunft? Irgendwelcher geschenkter Schmuck, den du geheim hältst?"
Pansy verzog das Gesicht. „Nein", gab sie zu. „Ich habe die Hoffnung, dass er mir zu Weihnachten etwas geben wird."
„Na, dann viel Erfolg dabei", sagte Hermine.
