Narzissa begegnete Hermine an der Tür, als sie am Tag nach Weihnachten bei den Malfoys ankam. Die Frau nahm ihre Hände und musterte sie mit einem liebevollen und fast besitzergreifenden Blick. „Wir sind so froh, dass du hier bist", sagte sie und lehnte sich vor, um mit ihren Lippen beide Wangen Hermines zu berühren.
„Ich bin auch froh, Sie zu sehen", sagte Hermine, während ein Elf, der an ihrer Seite erschienen war, ihre Taschen nahm. Während Narzissa sie in das Herrenhaus geleitete, sagte Hermine: „Wäre es möglich, dass ich mir eine Eule ausleihe, um ein paar Geschenke loszuschicken? Ich hatte keine Gelegenheit, Schuleulen dafür zu verwenden, und war nicht in der Winkelgasse, um die öffentliche Post zu benutzen."
„Natürlich", sagte Narzissa. „Unser Zuhause ist deines, Kind, und es macht überhaupt keine Umstände. Ich nehme nicht an, du würdest meine Neugierde befriedigen und mir verraten, was du deinen Freunden schenkst?"
Hermine lächelte. „Ich habe Greg und Vincent Hausaufgabenplaner besorgt; wenn ich sie schon durch Zaubertränke schleifen muss, dann bekommen sie Kalender."
Narzissa lachte. „Und den anderen?"
„Süßigkeiten für die anderen Jungs; Daphne, Pansy und Millie lieben Muggle-Make-up immer noch, auch wenn ich nicht sicher bin, warum." Sie hielt inne, biss auf ihre Lippe und platzte dann heraus: „Kann ich Sie etwas fragen?"
Narzissa verbarg ihr Lächeln. Sie konnte sich ziemlich gut vorstellen, was Hermine fragen wollte, aber sie sagte nur: „Natürlich, mein süßes Mädchen. Ich hoffe, du denkst von mir wie eine… nun, eine Mutter wäre vielleicht anmaßend von mir, aber…"
„Was schenke ich Draco?" Hermine drehte das Armband nervös um ihr Handgelenk, und Narzissa musste sich stärker anstrengen, um ihr Lächeln zu unterdrücken. „Ich weiß nicht, was angemessen ist, und ich möchte nicht… und… es sollte Unterricht geben!", jammerte sie schließlich. „Wenn ich ihm etwas schenke, das zu… denkt er dann, dass ich nicht… aber was, wenn ich es übertreibe." Sie sah Narzissa elendig an. „Ich glaube, es ist einfacher für Muggel. Nicht annähernd so viele Regeln."
Darüber musste Narzissa lachen. „Ich versichere dir, Kind, dass es ganz genauso viele Regeln in jeder Kultur gibt. Du bist nur verwirrt, weil du nicht daran gewöhnt bist, dass sie ganz so kodifiziert sind und schon in so einem jungen Alter beginnen. Wie ich es verstehe, heiraten Muggel meist viel später."
„Ja." Hermine scharrte den Fuß über den Boden, ihre Selbstsicherheit, die kam und ging, im Angesicht ihrer eleganten Gastgeberin völlig verschwunden.
Narzissa legte ihren Finger unter das Kinn des Mädchens und hob ihr Gesicht nach oben. „Du hast den Ball letztes Jahr brillant hinter dich gebracht. Aber dieses Jahr solltest du dem armen Jungen vielleicht etwas geben, das ein bisschen formeller ist. Wenn ich mich ein kleines Bisschen aus dem Fenster lehnen darf; ich habe eine Auswahl von Manschettenknöpfen zur Seite gelegt, und vielleicht möchtest du eine Paar davon aussuchen und ihm schenken?"
„Ich … danke", brachte Hermine hervor. „Sie sind so gut zu mir, Mrs. Malfoy. Ich …. Danke."
„Nun", sagte Narzissa, „hätte ich dich damals noch nicht gemocht, an dem Tag, als du gedroht hast Moody umzubringen, weil er Draco verletzt hat, hättest du mich für dich eingenommen."
Hermine zuckte leicht zusammen und sah Narzissa an, die ein nichtssagendes Lächeln auf dem Gesicht trug. Langsam lächelte Hermine zurück, aber sie sagte nur: „Versprochen."
„Wie bitte?"
„Ich habe nicht gedroht. Ich habe es versprochen." Hermine runzelte einen Moment mit einem leicht schmollenden Gesichtsausdruck die Stirn. „Aber das Ministerium hat ihn zuerst erwischt."
Narzissa fing zu lachen an, und das laute, erfreute Geräusch lockte Draco von wo auch immer er zuvor gewesen war heraus. „Du bist das entzückendste Kind, das mir je begegnet ist", sagte Narzissa, bevor ihr Sohn seine Freundin zu einem privateren Ort entführen konnte. „Ich vermute, dass du irgendwann die Möglichkeit bekommen wirst, deine herrlich mordlustige Seite auszuleben, aber fürs Erste wirst du dich mit unserer Gesellschaft und friedvolleren Beschäftigungen zufrieden geben müssen."
Draco zog an ihrer Hand, während er seine Mutter noch mit angestrengter Geduld anlächelte.
„Einen Moment, Sohn", sagte Narzissa. „Wir können uns später treffen, Hermine, um die Sache zu erledigen, über die wir geredet haben. Und wir werden einen Gast beim Abendessen haben, der euch treffen will, also, Draco, kleidet euch bitte angemessen. Ihr alle."
„Ja, Mum", sagte Draco, Narzissa entließ die beiden mit einem Winken, und sie liefen hoch zu dem Zimmer, in dem die Teenager sich bei kühlem Wetter immer versammelten. „Daphne und Theo waren bereits dort, und Daphne trug einen einfachen, glitzernden Stein an einer Kette, bei dessen Anblick Hermines Augen sich weiteten und sie ihren Kopf mit offensichtlicher Frage in Richtung Theo neigte. Daphne grinste und die beiden Mädchen ließen sich zum Reden auf Plätze am Fenster fallen.
„Sie ist gerade erst da und schon bin ich verlassen worden", beschwerte Draco sich.
Hermine blickte auf und grinste. „Niemals verlassen, das weißt du."
„Noch nicht mal ein Kuss", jammerte er und sie erhob sich von ihrem Stuhl und, nachdem er sich Theo zugewandt hatte, um scherzhaft weiter zu nörgeln, fiel sie über ihn her. Als er durch die Heftigkeit ihres Angriffs zurück auf das Sofa stolperte, drückte sie ihn ganz darauf, setzte sich rittlings auf ihn und, nachdem seine Nase mit ihrer gestreift hatte, küsste ihn.
„Das", sagte er während einer Atempause einige Minuten später, „ist schon besser."
„Idiot", sagte sie und er lachte, setzte sich auf und zog sie auf seinen Schoß, sodass er sein Gesicht in ihrem Hals vergraben konnte.
„Ich habe dich vermisst", sagte er. „Ich mag es nicht, wenn du nicht in der Nähe bist."
„Gut", sagte sie und verschränkte ihre Finger mit seinen. „Weil ich nicht vorhabe, woanders hinzugehen."
Später, nachdem Hermine ein Paar Manschettenknöpfe aus der oh-so-gelegen-gekommenen Auswahl Narzissas ausgesucht hatte, und nachdem sich alle Jugendlichen für das Abendessen umgezogen hatten, fragte sie ihn: „Weißt du, wer der Gast ist, für den wir uns so schick machen sollen?"
„Keine Ahnung." Draco schüttelte den Kopf.
„Mein Vater ist hier", bot Theo an, aber sie rollten darüber nur mit den Augen.
„Jemand Wichtiges, schätzungsweise", sagte Daphne nur, während sie die Treppe hinunter gingen zu dem Raum, den Hermine als mittelgroßes Esszimmer bezeichnete. Er war nicht mal so groß, eigentlich, aber weit förmlicher als der Familienessbereich, in dem sie die meisten Mahlzeiten hier eingenommen hatte. Narzissa hielt den heutigen Abend intim und förmlich zugleich.
Nun, das war ein wenig nervenaufreibend.
Als sie in den Raum gingen, lächelte Hermine den Malfoys zu und nickte in Richtung Nott Senior. Der einzige andere Gast im Raum war ein bedeutsam wirkender Mann mittleren Alters mit ein paar grauen Haaren neben den Schläfen, der zu Narzissa Linken saß und sie mit abschätzenden blauen Augen beobachtete. Er, Nott und Lucius erhoben sich, als die Teenager durch die Tür kamen, auch wenn er über diese Höflichkeitsgeste belustigt schien.
Hermines Blick wanderte rasch um den Tisch. Die Zahlen stimmten nicht; es waren nicht genügend Frauen hier. Das war… interessant. Also war es keine Party. Es war ein… Treffen?
Draco zog ihren Stuhl zurück und sie dankte ihm, als sie sich gegenüber des Fremden niederließ.
Sobald Theo Daphne zum Platz geleitet hatte, setzten sich die Männer alle wieder. Hermine verschränkte ihre Hände in ihrem Schoß und saß mit betont geradem Rücken, während der Mann sie betrachtete.
„Du", sagte er schließlich, „stellst ein ziemliches Dilemma dar."
„Tom", sagte Narzissa, „Lass mich dir Hermine Granger vorstellen. Hermine, Liebes, das ist Tom Riddle."
Er sah, dass sie die leichte Anspannung in ihrer Haltung nicht ganz unterdrücken konnte, und er lächelte. „Also weißt du, wer ich bin?", fragte er, die Stimme leise.
„Nachdem ich von Ihrem Basilisken in ein Koma versetzt wurde, habe ich nachgeforscht", gab Hermine zu, und Draco, der sie mit besorgter Miene beobachtete, wurde blass.
„Und was hast du entdeckt?"
„Tom Vorlost Riddle. Schulsprecher, galt als brillanter Schüler mit glänzender Zukunft. Mutter die letzte Nachfahrin Salazar Slytherins. Vater… wer Ihr Vater war, ist nicht sicher, aber wenn der Name ein zutreffender Hinweis ist, war er ein vermögender aber unwichtiger Muggel." Hermine hielt sich nur mit Mühe davon ab, ihre Hände nervös umeinander zu schlingen. „Sie sind nach dem Abschluss verschwunden. Zurückgekehrt mit einem neuen Namen als Anführer von… naja, wovon Sie der Anführer waren, darüber streiten sich die verschiedenen Bücher."
„Du kannst gut recherchieren", sagte Riddle amüsiert klingend.
„Ich habe dir gesagt, dass sie clever ist." Narzissa wirkte eindeutig selbstzufrieden und Hermine kam sich ein bisschen vor wie ein Kind, das in den Mittelpunkt gestellt wurde um zu zeigen, was der Ballett-Unterricht gebracht hatte. Dadurch fühlte sie sich nur noch unwohler, und ihr war nicht klar gewesen, dass das in dieser angespannten Situation überhaupt möglich war. Es mochte ein Buch darüber geben, wie man die Paarungsrituale der Reinblüter durchführte, aber die angemessen Knigge-Regeln dafür, wie man sich beim Essen mit Lord Voldemort verhielt, waren mit großer Sicherheit in keinem Buch der Welt zu finden.
„Wenn du mir noch ein paar weitere langweilige Fragen gestattest, was haben deine Bücher gesagt, dass ich anführen würde? Ich bin ganz neugierig darüber, wie mich die Presse heutzutage darstellt." Riddle legte seine Serviette mit täuschender Unbekümmertheit auf den Schoß.
„Die meisten nannten Sie einen brutalen, verstörten Terroristen", sagte Hermine, die Stimme so ausdruckslos wie möglich.
„Nicht alle?"
„Manche haben noch die Beschreibung ‚böse' hinzugefügt", sagte sie, und er lachte.
„Oh Lucius", sagte er, „wo hast du dieses Mädchen gefunden? Es muss… oh, Jahre her sein, dass jemand den Mumm hatte, mir ins Gesicht zu sagen, ich sei böse."
Lucius lächelte. „Sie war mit Draco verabredet, um Schulsachen zu kaufen. Ich habe sie mit zu Borgin und Burkes genommen, wo sie direkt eine Hand des Ruhmes identifiziert und einen Job angeboten bekommen hat."
Riddle wandte sich zurück zu Hermine. „Oh, da finden wir etwas Besseres, denke ich", sagte er. „Ich habe dort gearbeitet und es ist ziemlich langweilig; es würde dir nicht gefallen. Ich frage mich ob du etwas gelesen hast, das eine andere Sicht auf meine kleine Gruppe hatte?"
Hermines Augen huschten ohne es zu wollen zu Theo, der sie anblickte – alle blickten sie an. „Eines", gab sie zu. „Eines hat Ihre Organisation eher als politische Gruppierung beschrieben, die sich für… nun, wofür sie sich eingesetzt hat, wurde ehrlich gesagt nicht ganz klar. Das Buch hatte viel darüber zu sagen, dass das Ministerium korrupt ist und das Verbot der Dunklen Künste repressiv, aber sogar das Buch hat nicht verschwiegen, dass Sie keine Skrupel hatten Gewalt einzusetzen." Sie hielt inne und schluckte schwer. „Oder dass Sie Leute durch das Thema der Reinblütigkeit um sich geschart haben."
„Was uns zu dir bringt", sagte der Mann, goss sich etwas Wein ein und reichte die Flasche an Nott Senior, der es ihm gleich tat. Hermine bemerkte, dass die Erwachsenen alle weit entspannter schienen als ihre Freunde, und sich nach ihnen richtend entspannte sie sich ein kleines bisschen. „Der muggelstämmigen Slytherin, die bereits zwei meiner Todesser zu töten gedroht hat."
Hermine verkrampfte sich wieder.
Riddle bemerkte es und lächelte ihr erneut zu. „Du bist die erste muggelstämmige Hexe in unserem Haus seit… wie lange war es, Lucius?"
„Ein paar hundert Jahren mindestens", sagte der ältere Malfoy, „auch wenn es gut möglich ist, dass einige Leute mit obskuren Vorfahren muggelstämmig waren und ihre Abstammung verschleiert wurde, um den Familien, in die sie einheirateten, den Anschein der Reinblütigkeit zu bewahren."
„Habt ihr vor, das zu tun?", fragte Riddle und Narzissa lachte.
„Nein. Ich nehme an, dass sie in ein paar Jahren ein strahlender Gewinn für unseren Stammbaum sein wird."
„Strahlen dunkle Dinge?", fragte Riddle und als Narzissa ihr Handgelenk, an dem ein Armband mit schwarzen Opalen hing, hob, nickte er. „Das tun sie in der Tat", gab er zu. „Ich möchte aber gerne eine Erklärung für deine kleinen Zusammenstöße mit meinen Todessern hören."
Der letzte Satz war an Hermine gerichtet und sie schluckte erneut, da ihre Kehle sich enger anfühlte.
„Um fair zu bleiben", fing sie an, „wusste ich nicht, dass Moody ein Todesser war."
„Nein, du hieltst ihn für einen mächtigen, wenn auch leicht verrückten Auror, und du hast ihn trotzdem bedroht."
„Er hat Draco weh getan", sagte Hermine mit ruhiger Stimme.
„Und das ist nicht erlaubt?" Riddle klang, als hielte er sich nur mit Mühe vom Lachen ab, aber Hermines Augen blitzten im Kerzenschein, als sie den Kopf schüttelte.
„Nein", sagte sie. „Ist es nicht."
„Was ist mit Peter Pettigrew?", fragte Riddle.
Hermine wich leicht aus. „Ich wusste ebenfalls nicht, dass er ein Todesser war. Und ich habe nicht gedroht ihn zu töten, ich habe nur Sirius Black gesagt, er solle es hinter sich bringen."
„Er ist nicht dein größter Fan", sagte Riddle und nippte an seinem Weinglas.
„Ich bin wahrscheinlich nicht seiner", murmelte Hermine.
„Ich bin nicht sicher, ob Peter überhaupt Fans hat", warf Nott Senior ein, reichte Theo die Flasche und nickte leicht. Theo goss mit zitternder Hand erst sich und dann Daphne Wein ein.
„Was hast du von ihm gehalten?", fragte Riddle Hermine und sie zuckte die Schultern.
„Abgesehen davon, dass er selbst als Mensch aussah wie eine räudige Ratte? Nicht viel. Wir hatten nicht wirklich die Gelegenheit einander kennen zu lernen."
„Er ist ein Idiot", sagte Narzissa.
„Stimmt", sagte Riddle. „Und ein unterwürfiger, kriecherischer Trottel. Aber Karkaroff ist geflohen und Crouch ist tot und die Lestranges sind in Askaban, ganz abgesehen davon, dass sie inzwischen wahrscheinlich vollkommen verrückt sind. Ich habe momentan, wenn man es so nennen will, Personalprobleme."
„Wir sind absolut loyal, mein Lord", warf Lucius glatt ein, aber Riddle wedelte nur irritiert mit der Hand und hielt den Blick auf Hermine gerichtet.
„Nun", sagte er endlich. „Ich kann dich nicht einfach beim Abendessen töten. Das wäre unhöflich und ich bin nicht sicher, dass Narzissa mir vergeben könnte, sollte ich Blut auf ihren Teppich bekommen. Und Snape berichtet, dass du eine begabte Schülerin bist, trotz einer, wie er es nennt, ‚beklagenswert schlampigen Herangehensweise an die Vorbereitung von Zutaten'. Tatsächlich erzählt er, dass du einen Patronus erzeugen kannst."
Hermine nickte, leicht brüskiert über die Kritik an ihrer Arbeit mit Zaubertränken.
„Zeig es mir."
Hermine erkannte den Befehl, zog ihren Zauberstab hervor, und mit einem kurzen Spruch und einer Bewegung des Stabs, der inzwischen schon fast eine Verlängerung ihres Körpers war, rief sie ihren Patronus herbei. Die Katze sprang auf ihren großen Pfoten durch den Raum und hielt inne um an Riddle zu schnüffeln, bevor sie ihren Kopf an Draco rieb und ein Staubkorn durch die Tür jagte und verschwand.
Narzissa sah zwischen der Katze und Draco hin und her, bevor sie lächelte und sich auf ihrem Stuhl zurück lehnte, das Weinglas in ihren Fingern.
„Beeindruckend", sagte Riddle.
Die Elfen fingen an, das Essen zu servieren, und das Gespräch verstummte einen Moment lang, während die Anwesenden ihre Servietten auf dem Schoß ausbreiteten und zu essen begannen. Draco schnitt und kaute seine Portion mit hölzernen Bewegungen und Daphnes Hand zitterte so sehr, dass sie ihr Glas gegen ihren Teller stieß, als sie es abstellen wollte. Hermine aß das sicherlich ausgezeichnete Mahl ohne zu bemerken, was es war. Als Theo sein Glas ebenfalls an den Teller stieß, legte Riddle seine Gabel auf den Teller, sah den Jungen an und seufzte.
„Ich werde sie nicht töten."
„Sie töten eine Menge Leute", murmelte Theo und Riddle lachte.
„Das tue ich in der Tat, aber normalerweise nicht diejenigen, die mir nützlich sind." Er wandte sich an Hermine und lächelte. „Und du wirst sehr nützlich sein, oder, meine Liebe?"
„Sie haben schließlich Personalprobleme", sagte Hermine und lächelte eher nervös zurück.
„Geben wir der aktuellen Generation ein paar Jahre um zu reifen und das Problem, denke ich, wird gelöst sein", sagte er. „Nein, ich habe ein Dumbledore-Problem, und ein Potter-Problem."
„Kein Ministeriumsproblem?", fragte sie.
Er schnaubte. „Willensschwache Trottel. Sie würden mir den Posten des Zaubereiministers geben und dankbar sein, wenn ich ihn akzeptiere, wäre da nicht der Orden des Phönix, und das bedeutet, hauptsächlich, Dumbledore."
„Und die Weasleys", sagte Lucius.
„In der Tat." Riddle lehnte sich zurück und klopfte gedankenverloren mit den Fingern auf den Tisch. „Potter scheint das leichtere Ziel zu sein, aber er ist mir schon einmal entkommen. Ich bin nicht ganz sicher, ob es einfach nur Glück war, oder ob der Blutschutz, den seine Mutter ihm gegeben hat, schlüpfriger ist, als ich dachte."
„Apropos Lily Potter", warf Narzissa ein, „wir müssen uns noch um die Snape-Angelegenheit kümmern."
„Warum konnte der Mann sich nicht in jemanden verlieben, der seine Gefühle erwiderte?", murmelte Riddle. „Es ist so ermüdend, mit seiner Ergebenheit zu dieser Frau umzugehen." Er beäugte Draco und Theo und sagte: „Versucht, nicht euer ganzes Leben als ewigen Dienst für eine tote Frau zu leben. Es ist irritierend für alle um euch herum."
„Vor allem, da sie sich zuletzt völlig auseinander gelebt hatten", sagte Narzissa.
„Menschen und ihre verfahrenen Emotionen", sagte Riddle mit offenkundiger Abscheu.
Die Jugendlichen sahen verwirrt aus und Nott Senior kam ihnen zu Hilfe. „Euer Professor Snape was ganz verliebt in eine muggelstämmige Hexe, die ein winziges Problem damit hatte, dass er Todesser wurde."
„Wenn du mit ‚winzig' meinst ‚so bedeutsam, dass sie ihn gänzlich abgewiesen und den Mann geheiratet hat, der ihn jahrelang gemobbt hatte', dann ja, war es ein ‚winziges' Problem", sagte Narzissa.
„Harry Potters Mutter", fuhr Nott Senior fort, und Theo und Draco sahen sich schockiert an. Als darum verabscheute Snape Potter so sehr.
„Wirst du ein ähnliches Problem haben?", fragte Riddle Hermine. „Weil ich wirklich nicht sicher bin, ob ich es schaffen würde vorzugeben, dass ich nicht bemerke, wie ein weiterer Todesser für Dumbledore spioniert, weil seine wahre Liebe sich auf die andere Seite gesellt hat und ich sie töten musste."
„Ich verabscheue die andere Seite", sagte Hermine mit ruhiger Stimme. Riddle machte ein höflich neugieriges Geräusch und sie fuhr fort. „Sie sind voreingenommen und… niemanden in Slytherin stört es, wo ich herkomme, nur dass ich eine von ihnen bin. Die… die werfen mir Beleidigungen an den Kopf und hassen mein Haus und… sie mögen mir erzählen, dass Todesser brutale Fundamentalisten sind, aber ich habe bisher nur rund herum freundliche Leute getroffen, die mich in ihren Häusern und Leben willkommen geheißen haben."
„Um fair zu sein", sagte Riddle, „wir sind brutale Fundamentalisten." Er legte sein Besteck zur Seite und ein Elf erschien und räumte seinen Teller ab. „Ich denke aber, dass wir die Reinblutrhetorik anpassen können, damit sie, sagen wir, eine Fußnote darüber enthält, dass Hauszugehörigkeit wichtiger ist."
„Manchmal braucht man Gewalt", sagte Hermine leise. „Manchmal erreicht man Veränderung nicht mit… sie sind nicht fair. Dumbledore ist nicht fair. Selbst wenn wir eine Abstimmung abhalten und nett darum bitten würden, dass die Dinge sich ändern, würde es nicht passieren."
„Du bist ein pragmatisches kleines Ding, oder?", fragte Riddle.
„Sie wurde in unser Haus eingeteilt", sagte Lucius.
„Abstimmungen würden sowieso nicht funktionieren", sagte Narzissa. „Nicht im Augenblick. Wir sind in der Unterzahl und zuzugeben, dass man auch nur ein bisschen mit Todessern überein stimmt, ist der schnellste Weg in die Arbeitslosigkeit und möglicherweise sogar noch Askaban."
„Nein, es muss Gewalt sein", stimmte Riddle zu. „Hast du gar keine Sympathie für die muggelstämmigen Schüler in anderen Häusern? Die meisten Leute würden annehmen, dass du dich mit ihnen verbunden fühlen würdest."
„Warum?" Hermine sah ihn mit ehrlicher Verwunderung an. „Warum würde ich… Haus vor Blut", sagte sie schließlich. „Haben Sie Mitgefühl mit den Weasleys, nur weil sie reinblütig sind?"
Riddle sah sie einen Moment lang an und lehnte sich dann zurück, den Blick auf Narzissa gerichtet. „Bella wird ein Problem sein", sagte er und die Gastgeberin nickte mit Resignation.
„Tante Bella ist in Askaban", sagte Draco, zum ersten Mal die Stimme erhebend; Hermine schenkte ihm einen ‚versuch kein Idiot zu sein'-Blick.
„Sie ist die gerissene von den zweien, sehe ich", sagte Riddle und Lucius seufzte.
„Du beginnst zu verstehen, warum wir uns so schnell an sie gehängt haben."
„Er wird auch Theo haben", sagte Nott Senior, und während die Elfen den Tisch zu Ende abdeckten, schwenkten die Erwachsenen das Gespräch weg von Politik hin zu den diesjährigen Quidditchergebnissen. Theo und Draco schalteten sich, zunächst zögerlich und dann mit mehr Zuversicht, in das Gespräch ein, und Hermine sah zu, wie Tom Riddle, auch bekannt als Lord Voldemort, so tat, als würde Sport ihn interessieren.
Nach dem Essen wurden sie aus dem Raum gescheucht und sie flohen, ohne dass es ihnen zweimal gesagt werden musste.
„Tom Riddle", sagte Draco, sobald sie die relative Privatsphäre ihres Salons erreicht hatten, mit zittriger Stimme. „Du wurdest gerade von Tom Riddle geprüft."
„Ich schätze, die Reinheitssache wird kein Problem werden", versuchte Theo zu scherzen, aber seine Blässe strafte den Versuch Lügen.
„Das war heftig", stimmte Hermine zu, deren Schultern wehtaten, nachdem sie das ganze Abendessen lang verkrampft da gesessen hatte. „Ich... Ich habe nicht geglaubt, dass er mich einfach töten würde, aber…"
Draco zog sie in seine Arme. „Logisch gesehen warst du nicht in Gefahr", gab er zu. „Wenn der Mann dich hätte töten wollen, hätte er nicht auf ein gemeinsames Abendessen warten müssen."
„Er hat Brot mit ihr gebrochen", sagte Daphne, und die Bedeutung dessen ließ sie langsam auf einen Sessel sinken. „Er hat mit uns allen Brot gebrochen."
Hermine löste sich von Draco und blickte von Daphne zu Theo, der zu lachen begonnen hatte, ein erleichtertes, hysterisches Geräusch. „Das ist irgendeine Reinblutsache, oder?", sagte sie schließlich und wartete, dass es jemand erklärte.
„Technisch gesehen, sobald man mit jemandem gegessen hat, hat… ist man…"
„Danach kann man einen nicht mehr töten", sagte Draco. „Traditionell."
„Nicht", gab Theo zu, „dass ich deiner Mutter nicht zutrauen würde, Leute zu vergiften, während Appetithäppchen serviert werden."
„Aber nach einem Abendessen am Tisch?", fragte Daphne.
„Nein", stimmte Theo zu und fuhr sich nervös lachend mit der Hand durch die Haare. „Wir sind drin." Er sah Hermine an. „Du bist drin. Und er stuft dich über Bellatrix Lestrange ein."
Das letzte klang staunend und Draco sagte erneut: „Aber Bella ist in Askaban."
Dieses Mal war es Theo, der Draco einen verächtlichen Blick zuwarf. „Nicht mehr lange, würde ich wetten. Aber… unsere Hermine hat eine höhere Priorität. Und deine Mutter hat nicht mal widersprochen."
„Das hätte ich nicht erwartet", gab Daphne zu. „Allein sie zu akzeptieren schien wie etwas, für das wir… Aber sie zu… du musst ihn wirklich beeindruckt haben", sagte sie schließlich zu Hermine. „Das ist ein bisschen verstörend."
„Dieser Patronus ist beeindruckend", sagte Draco, setzte sich und zog Hermine auf seinen Schoß.
„Vielleicht", sagte Daphne. „Aber ich wette, dass es die Loyalität ist. Sie ist ziemlich unerbittlich, wenn Leute es auf dich abgesehen haben, weißt du."
„Bella ist loyal", widersprach Draco.
Theo verdrehte die Augen. „Klar, aber nach zwölf Jahren in Askaban ist sie wahrscheinlich ziemlich entrückt, und Hermine ist loyal und rational. Das ist die bessere Variante."
„Wobei sie diese Sympathie für Potter hat." Aber Draco machte nur noch Spaß; die Anspannung des Abendessens hatte sich gelöst und wurde durch eine leicht manische Erleichterung darüber ersetzt, dass der Dunkle Lord Hermine akzeptiert hatte.
Hermine schlug Draco gegen die Schulter. „Au", murmelte er.
„Potter hat jede Sympathie, die ich für ihn gehabt haben mochte, verspielt, als er dich verprügelt hat", sagte Hermine, „also kannst du mit dem ganzen ‚Hermine mag Harry' Scheiß aufhören."
„Aber es ist in Ordnung, dass du mich verprügelst?", fragte Draco und rieb sich die Schulter.
„Gehe ich zwei zu eins auf dich los?", fragte Hermine. „Oder schlage weiter zu, wenn du schon am Boden liegst?"
„Ich glaube, die kleine Schlägerei könnte Potter den Krieg gekostet haben", sagte Theo, während er ein Schachspiel aufbaute. „Weil die unsere Patronus erzeugende, muggelstämmige Hexe vorher noch hätten überzeugen können, dass sie sich mit ihrer Seite verbunden fühlt."
„Niemals." Hermine schüttelte den Kopf.
Theo zuckte die Schultern. „Schätze, jetzt ist es egal, ob sie deinen unablässigen Drang nach Gerechtigkeit oder dein Mitleid für Potters miserables Leben hätten ausnutzen können; ich denke trotzdem, dass wenn Potter seine Hände von Draco hätte lassen können, Dumbledore hätte versuchen können, euch beide zu rekrutieren. Er ist definitiv ein manipulativer alter Bastard, der weiß, wie man Leute richtig ausspielt. Jetzt?" Daphne gesellte sich zu ihm an den Tisch, bewegte einen Bauern und Theo stöhnte. „Du kannst dieses Spiel so gar nicht, Daph."
„Ich kann die Spiele, die wichtig sind", sagte sie.
„Das können wir alle", stimmte Hermine zu.
Später am Abend lotste Narzissa Theo und Daphne unter einem fadenscheinigen Vorwand aus dem Raum. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft allein mit Draco fühlte Hermine sich auf einmal sehr viel ungeschickter und sprachloser als sogar in Gesellschaft von Riddle. Ein möglicherweise böser beinahe-Diktator, der sich beim Abendessen mit ihr unterhielt, war das eine, aber…
„Ich habe etwas für dich", sagte sie schließlich, die kleine Schachtel aus ihrer Tasche ziehen, die sie bei sich getragen hatte, seit sie sie in Narzissas privatem Wohnzimmer eingepackt hatte. Sie hielt sie ihm hin. „Frohes Julfest." Als er die Schachtel nicht direkt nahm, stotterte sie weiter. „Ich weiß, dass es spät ist, aber ich habe erst angefangen Geschenke zu kaufen, als die Schule schon vorbei war, und ich habe keine Eule und…"
Draco schluckte schwer und nahm ihr die Schachtel aus der Hand. „Nein, es ist okay", sagte er. „Meins ist auch zu spät." Er zog eine kleine, rechteckige, eingewickelte Schachtel aus der Schublade, in der er sie verstaut hatte, und hielt sie ihr hin. Sie stolperte über die Teppichkante, als sie auf ihn zutrat sie zu nehmen, und fiel auf ihn und er fing sie auf und sie lachten beide nervös, während er ihr zurück auf die Füße half.
„Gleichzeitig?", fragte sie und er nickte.
Sie entfernte die Schleife von der Schachtel, entfernte das Papier vorsichtig und legte es beiseite. Als sie den Deckel der Schachtel hochziehen wollte, blieb er stecken, und sie musste einen Finger darunter zwängen, um ihn abzukriegen. Bis es ihr gelungen war, hörte sie, wie Draco scharf Luft holte, und sah auf, ihr eigenes Geschenk noch eingeschlagen in das Papier im Inneren der Schachtel. Er hatte ein unkontrolliertes Grinsen auf dem Gesicht. „Also… ganz richtig?", fragte er und sie nickte dümmlich und er schlang seine Arme um sie und drückte so fest, dass sie leiste quiekte, woraufhin er den Griff ein wenig lockerte. „Ich weiß, dass… Muggel tun das nicht so früh, oder?", fragte er. „Ich will nicht mutmaßen, dass du…"
„Seit wir elf waren", sagte sie.
Er löste sich von ihr und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. „Ist staubig hier drin", murmelte er. „Blöde Elfen." Er blickte auf die Schachtel in ihrer Hand, deren Inhalt noch von dem Papier verdeckt wurde, und sagte: „Öffne deins."
Sie tat wie geheißen und blickte auf ein Armband. Die Perlen waren grün dieses Mal, und kein Glas. Eine Perle war nicht grün, sondern überzogen von kleinen Diamanten. Nicht, dachte sie, billig. Dies war… eine Stellungnahme, wenn sie je eine gesehen hatte.
„Jade", sagte Draco, der wieder nervös klang. „Aber wenn es dir nicht gefällt -"
„Ich liebe es", sagte sie, den Blick auf die einfache Reihe geheftet. „Draco, das… es ist…"
„Ich habe gesagt, dass ich dir ein richtiges besorgen würde", sagte er, legte sein eigenes Geschenk zur Seite und zog das Armband aus der Schachtel. „Gestatte mir?"
„Ist das… kann ich das tragen?"
„Ja", sagte er sanft, nahm ihr die Schachtel aus den Händen und ließ sie auf den Tisch fallen. „Es würde mich sehr glücklich machen, wenn du es tragen würdest."
Sie streckte ihr Handgelenk aus und er machte den Verschluss zu, wobei er ein wenig mit dem Haken fummelte, bevor er es hinbekam. Sie drehte ihren Arm hin und her und sah zu, wie die eine Perle funkelte, als sich das Licht in den kleinen, glitzernden Steinen brach. „Das ist so viel", sagte sie schließlich. „Ich… ich weiß nicht, was ich sagen soll."
„Du musst nichts sagen, bis wir unseren Abschluss haben", sagte Draco und lehnte sich vor, um sein Gesicht an ihre Brust zu drücken. „Dann werde ich dir einen Ring geben und du wirst ja sagen und meine Mutter wird die Hochzeit des Jahrhunderts planen und wir werden heiraten und glücklich bis ans Ende unserer Tage leben."
„Du vergisst das nebensächliche Detail, dass uns ein Krieg bevorsteht", sagte sie mit einem nervösen Lachen, und er hielt sie fester.
„Nun, wir werden Potter nicht einladen, weil er bis dahin garantiert tot sein wird, nein."
„Oder die Weasleys", sagte sie.
„Nein", stimmte er zu. „Die auch nicht." Sie standen lange da, bevor er sagte: „Es wird alles gut werden, Hermine."
„Krieg ist niemals gut", sagte sie. „Menschen sterben. Menschen werden verletzt."
„Ich nicht", sagte er.
„Das weißt du nicht", widersprach sie. „Das kannst du nicht wissen."
„Ich habe dich auf meiner Seite", sagte er. „Die beste Waffe aller Zeiten."
Beim Frühstück sah Daphne das Armband und unterdrückte ein Keuchen.
„Verdammt", sagte Theo. „Du lässt mich knausrig wirken, Arschloch." Draco grinste und machte sich über den Teller Eier und Tomaten her, den ein Elf vor ihn geschoben hatte.
Hermine zog ihren Ärmel mit einer verlegenen Bewegung über das Armband und Theo lachte. „Es steht dir gut", sagte er und küsste sie aufs Haar. „Grün ist deine Farbe."
„Gewöhn dich schon mal daran, dass Leute dich dafür anstarren werden", riet Daphne, als sie sich Saft eingoss. Hermine schenkte Draco einen Blick, der sich fröhlich weigerte, ihn zu erwidern, bis Hermine beinahe knurrte.
„Du hast gesagt, es wäre okay", sagte sie, und er zuckte mit geheuchelter Unschuld die Achseln.
„Niemand würde von einem Malfoy weniger erwarten", sagte Lucius, als er in den Raum kam, und strich Draco liebevoll eine Hand über den Kopf. Der Junge lehnte sich mit einer genierten Bewegung von ihm weg und Theo lachte. „Es ist alles gut, Hermine", fügte Lucius hinzu. „Wir haben nicht vor, dich in die Irre zu führen."
„Und", warf Daphne ein, „es ist ja auch nicht so, als hätte Theo mir Ramsch geschenkt. Das ist normal, Hermine."
„Das ist es wirklich", sagte Theo. „Wir machen nur Spaß."
„Vergib ihnen", sagte Lucius. „Du fügst dich so gut ein, dass sie vergessen, dass du nicht den gleichen Bezugsrahmen hast. Ich würde erwarten, dass nicht wenige eurer Schulfreunde hübsche kleine Kinkerlitzchen tragen, wenn ihr zurückgeht, vor allem mit dem bevorstehenden Krieg. Die Leute klammern sich an das, was sie glücklich macht, und junge Liebe bringt jeden zum Lächeln."
„Danke", murmelte Hermine.
Lucius legte ihr eine Hand auf die Schulter und als sie sich zu ihm umdrehte, sagte er: „Wir denken von dir wie von einer Tochter, Hermine. Du kannst uns vertrauen."
„Ich weiß", sagte sie errötend, „es ist nur… das ist alles…"
„Anders, ich weiß." Er lächelte. „Wenn du fertig bist, möchte Riddle dich gern sehen. Er ist in der Bibliothek."
Hermine ließ ihr Brötchen fallen und rückte ihren Stuhl vom Tisch ab, als Lucius lachte. „Du musst dich nicht beeilen. Er liest den Propheten."
Riddle saß auf einem der Lehnstühle am Fenster, und das Licht hinter ihm verhinderte es fast völlig, seinen Gesichtsausdruck zu erkennen, als Hermine die Bibliothek betrat.
„Das muss ich mir merken", sagte Hermine ohne nachzudenken.
„Was?", fragte er und sie wünschte sich sofort, sie hätte daran gedacht, mit wem sie es zu tun hatte, und hätte den Mund gehalten.
„Am Fenster zu sitzen", sagte sie und versuchte nicht zu schlucken. Er gab eines der höflich neugierigen Geräusche von sich, die eindeutige Befehle waren weiterzureden, also sagte sie: „So fällt es schwer, Ihr Gesicht zu sehen, schwer, Sie zu entziffern. Es ist eine gute Möglichkeit, die… die Informationen, die man preisgibt, einzuschränken."
Riddle lächelte – zumindest dachte sie das – und lehnte sich zu ihr; eine Geste, die sie bei jedem anderen als Versuch interpretiert hätte, eine Verbindung zwischen ihnen aufzubauen. Bei diesem Mann machte es ihr ein wenig Angst, und sie musste sich zwingen, keinen Schritt zurück zu treten.
„Du hast erwähnt, dass das Buch, das du gelesen hast und das ein wenig mehr hinter meinen – sollen wir sie Aktivitäten nennen? – stand, meine Ziele nicht ganz klar gemacht hat. Ich dachte, dass ich dir, bevor ich dich in den Schoß unserer Gruppe hole, eine Gelegenheit geben würde, mir Fragen zu stellen."
„Wirklich?" Wieder sprach sie ohne nachzudenken, und Riddle lachte.
„Ja, wirklich."
Hermine verschränkte ihre Hände vor sich – es fühlte sich fast so an, als wäre sie in das Büro eines Lehrers gerufen worden – und dachte darüber nach, was sie fragen wollte. „Ich dachte, Ihr ursprüngliches Ziel sei Unsterblichkeit gewesen", sagte sie schließlich und er nickte. „Nun", fuhr sie fort, „das scheinen Sie erreicht zu haben."
Tom Riddle lachte erneut und sie fühlte sich, als hätte sie ihn erfreut und belustigt und wollte ihn wieder entzücken. Ja", gab er zu, „auch wenn der Teil, als ich eine Weile lang körperlos war und aus einem Kessel wiedergeboren werden musste, … unangenehm war. Sei dankbar, dass du dich nicht an deine Geburt erinnerst."
„Also… was jetzt?", fragte sie.
„Potter töten", sagte er unverblümt. „Er ist die einzige Person, die diese Unsterblichkeit angreifen kann, und ich bin daran interessiert, eine zweite Runde als kaum lebendiger Geist zu vermeiden."
„Und danach?"
„Die Macht übernehmen", sagte er. „Ich habe … Ansichten darüber, wie unsere Gesellschaft geführt werden sollte. Ansichten, die du vielleicht teilst, meine Liebe."
„Das Ministerium", murmelte sie.
„Genau", sagte er. „Voreingenommen, voll von Leuten, die sich Einfluss erkaufen und den Großteil der Zeit über kein Interesse daran haben, auch nur fair zu erscheinen." Er beäugte sie und fügte hinzu: „Doppelt voreingenommen gegen dich, nehme ich an: einmal wegen deines Blutes und einmal wegen deines Hauses."
Hermine nickte kurz, sah ihn aber auch mit zusammen gekniffenen Augen an und sagte: „Wollen Sie mir erzählen, dass Sie alle Korruption beseitigen werden?"
„Natürlich nicht", antwortete er schlicht. „Ich werde sie nur in Bahnen lenken, die mir mehr gefallen."
„Leute müssen Verhandlungen bekommen", sagte sie leise. „Es ist nicht fair, jemanden ohne Verfahren nach Askaban zu schicken."
„Nicht einmal Sirius Black?", fragte er mit belustigtem Tonfall.
„Nein", sagte sie stur. „Nicht auf Ihrer Seite, nicht auf der anderen Seite. Es ist nicht fair."
Darüber lachte er frei heraus. „Du bist entzückend. Nach Pettigrew, der mir zu Füßen fällt und erzählt, er würde nichts lieber wollen als ins Gesicht getreten zu werden, ist es eine erfrischende Abwechslung, jemanden zu haben, der keine Angst hat seine Meinung zu sagen."
„Oh, ich habe Angst", murmelte sie, auch wenn diese sich inzwischen stark verringert hatte. „Alle haben Angst vor Ihnen."
Er lächelte erneut. „Narzissa nicht", stellte er fest. „Und ich glaube, dass du ihrem Beispiel folgen wirst, eine weitere entzückende Viper, die von allen unterschätzt wird: sie, weil sie nichts ist als eine Gesellschaftsdame, du, weil du nichts bist als ein Schlammblut."
Sie kniff ihre Augen zu Schlitzen zusammen, und er lächelte sein charmantes, grausames Lächeln. „Du weißt, dass sie das denken. Oh, dein eigenes Haus nicht, aber sogar Dumbledore hält dich wahrscheinlich dafür, auch wenn er bestimmt eine gewisse Portion Schuld fühlt, wenn er das Schimpfwort in seinem eigenen Kopf hört. Heißt nicht, dass er es nicht denkt. Heißt nicht, dass er nicht erwartet, dass du geringer bist."
„Was denkt mein Haus über mich?"
„Dass du eine Slytherin bist. Dass du von den Malfoys praktisch adoptiert worden bist. Bald werden sie wissen, dass du zu mir gehörst. Ich versichere dir, niemand von ihnen würde wagen, so etwas Respektloses über dich zu denken. Sie wissen zu viel. Andere?" Er zuckte die Schultern.
Hier erwiderte sie sein Lächeln, seinen Gesichtsausdruck imitierend, bis er etwas aus einer Innentasche zog und sagte: „Ich habe etwas für dich."
Er warf ihr die Schachtel zu und sie öffnete sie und sah, zuerst verwirrt und dann besorgt, auf die Kette darin. „Ich… ich glaube nicht, dass ich Schmuck von jemand anderem als Draco annehmen soll."
Riddle stand auf und zog die Kette aus der Schachtel. „Ich mag alt genug aussehen, dein Vater zu sein, aber ich bin alt genug, dein Großvater zu sein, also wäre es, selbst wenn ich nicht der Dunkle Lord wäre, vollkommen angemessen, wenn du ein Geschenk von mir akzeptierst. Und wie es so steht, kannst du einfach nicht ablehnen."
Hermine blickte auf den einfachen Anhänger. „Was ist es?"
„Ein Dunkles Mal", sagte er, als wäre er irgendwie enttäuscht von ihr.
„Das kann ich sehen", sagte sie. „Was ist es noch?"
Damit schien er sehr viel zufriedener. „Es ist Schutz. Jeder meiner Todesser, der es sieht, wird wissen, dass du zu mir gehörst. Jeder andere wird dies sehen" – der Anhänger schimmerte in seiner Hand, bis er zu einem Herzen wurde – „außer du entscheidest dich bewusst, dass sie das Mal sehen sollen."
„Ein Herz?" Sie sah zu ihm auf, Entsetzen in der Stimme. „Sie haben die unscheinbare Version in ein Herz verwandelt?"
„Was stimmt nicht mit einem Herz?"
Sie zog ein vollkommen verstörtes jugendliches Gesicht. „Es ist lahm", sagte sie, und Tom Riddle, der Dunkle Lord, brach in Gelächter aus, während er sein Mal um ihren Hals legte.
Anm. d. Übersetzerin: Ich weiß, ich weiß. Es ist viel, viel zu lange her, dass ich das letzte Mal gepostet habe. Die Hauptgründe dafür sind aber inzwischen wieder vorbei, und es sollte in Zukunft wieder regelmäßig ein neues Kapitel geben. Es tut mir leid, und ich hoffe, euch gefällt die Geschichte trotzdem weiterhin.
