Es stand in der Zeitung. Die Massenflucht. Hermine las es beim Frühstück und betrachtete die Todesser, sah, was Askaban in den ausgemergelten Gesichtern verursacht hatte, und machte sich Sorgen.

Diese Leute waren nicht stabil.

Sie las von ihren Verbrechen und konnte Riddles Stimme in ihrem Kopf hören. Um fair zu sein, wir sind brutale Fundamentalisten.

Selbst wenn sie die unausweichliche Sensationslust des Propheten mit einrechnete, wurde offensichtlich, dass er eher untertrieben hatte.

Bellatrix Lestrange, die Frau, über die sie scheinbar priorisiert worden war, blickte sie an. Das Gefängnis hatte sie der früher wahrscheinlich nicht unbeträchtlichen Schönheit beraubt, aber sie wirkte noch immer eindrucksvoll. Sie wirkte, als wolle sie jeden vernichten, der sie in der Zeitung betrachtete. Sie wirkte verrückt, dachte Hermine bei sich, auch wenn sie jetzt wusste, warum sich Neville mit solcher Wucht auf Draco gestürzt hatte.

Seine Eltern waren bis in den Wahnsinn gefoltert worden.

Sie wäre ebenfalls aufgebracht.

Sie fragte sich, wie er sich fühlte, das zu lesen und zu wissen, dass die Angreifer seiner Eltern draußen waren, frei waren. Sicherlich bereits jetzt auf dem Weg zum Herrenhaus der Malfoys, um ihre Verrücktheit auf Narzissas Teppiche tropfen zu lassen und ihren Wahnsinn auf ihren schönen Stühlen auszubreiten.

Personalprobleme, in der Tat.

Sie reichte die Zeitung an Theo und sah hinauf zum Lehrertisch. Die Professoren lasen die Neuigkeiten mit Mienen, die sich zwischen grimmig und zornig bewegten.

Sie fuhr mit den Fingern ihre Halskette entlang und machte sich Sorgen.

Sie gaben den ganzen Tag lang vor, mit jugendlichen Dingen beschäftigt zu sein, und sandten gedankliche Warnungen von Gesicht zu Gesicht, stumm zu bleiben, zum ersten Mal in deinem Leben die Klappe zu halten, Draco. Luna analysierte ihre Gesichtsausdrücke und sagte: „Also so ist das", und als Blaise sich verkrampfte, fragte sie Hermine, ob sie die Halskette mochte, die Blaise ihr geschenkt hatte.

Also war sie in Ordnung, dachte Hermine. Seite gewählt.

In der nächsten Stunde klang Umbridge angespannter als gewöhnlich, als sie ihnen wieder befahl, leise ihre Bücher zu lesen. Hermine überlegte, wie die Frau vorgeben konnte, dass niemand jemals praktische Fähigkeiten in defensiver Magie brauchen könnte, während zehn Wahnsinnige aus einem angeblich perfekten Gefängnis entkommen waren, aber das vorzugeben war, was sie tat.

Die DA traf sich mit erneuertem Eifer. Sogar Pansy war es auf einmal wichtig, sich verteidigen zu können. „Ich dachte, diese Leute wären auf unserer Seite", sagte Hermine eines Abends nach der Lerngruppe mit sehr leiser Stimme zu Theo. „Warum sind alle -?"

„Wenn du nur an das Foto denkst, möchtest du mit Rabastan alleine in einem Zimmer sein?", fragte Theo und fügte hinzu, als Hermine ein Schauer überlief, „Ich auch nicht."

„Warum sind sie draußen?", fragte sie und er seufzte.

„Man kann seine Anhänger nicht wirklich im Gefängnis sitzen lassen. Loyalität geht in beide Richtungen."

Sie nickte verstehend.


Sie war über ein Schneidbrett in extra Zaubertränke gebeugt, als sie aufsah und bemerkte, dass Snape ihre Halskette betrachtete.

Natürlich.

Natürlich konnte er sehen, was der Anhänger wirklich war, und nicht das dämliche Herz, das Pansy zum Kichern gebracht hatte, als sie gefragt hatte, ob sie sich das selbst ausgesucht hätte, weil es offensichtlich Dracos Geschmack war, der in dem Armband vorherrschte.

„Also", sagte der Mann. „Du hast eine Seite gewählt."

Sie wischte ihre Hände ab und steckte die Kette mit einer schnellen, befangenen Bewegung zurück unter ihr Shirt. „Gab es je einen Zweifel?", fragte sie.

„Für dich?" Er seufzte. „Ich schätze nicht."

Sie durchquerte den Raum und zog einen Stuhl an den Schreibtisch, auf dem er Aufsätze benotete. Snape öffnete seinen Mund, aber bevor der unausweichliche Schwall herablassender Bemerkungen beginnen konnte, sagte sie: „Er weiß Bescheid."

Ihr Professor hielt inne und sah sie mit zusammengekniffenen Augen an.

„Riddle weiß Bescheid", wiederholte sie. „Er weiß, dass Sie ein Spion für Dumbledore sind."

„So schnell verrätst du deinen Herren?", fragte Snape spöttisch.

„Ich versuche, einen von ihnen zu retten", entgegnete sie.

Der Mann sank einen Moment lang in sich zusammen, bevor er sich zurück lehnte und so schnell sprach, dass die Worte fast verschmolzen, fast unverständlich geworden wären, hätte er nicht so eine deutliche Aussprache. „Er hat Lily getötet. Hat er dir das erzählt, bevor er dir die kleine Kette um den Hals gelegt hat? Wahrscheinlich nicht. Er tötet schließlich so viele, dass eine mehr keine Rolle spielt. Was macht es schon, dass ich sie geliebt habe? Ich habe ihn gebeten – habe ihn angefleht – aber sie war im Weg, als er es auf das Potterbalg abgesehen hatte, und es gab keine Alternative. Nicht, dass er überhaupt versucht hätte, sie zu verschonen."

Snape hielt inne und sah Hermine mit tiefer Verbitterung an. „Muggelstämmig, musst du wissen, und nicht der entzückende kleine Widerspruch, den du darstellst, in Slytherin und mit deinen Verbindungen zu den Malfoys. Nein, sie war durch und durch eine Gryffindor, und tapfer und brillant und schön und er hat sie getötet.

Ich habe Dumbledore angefleht sie zu beschützen, habe mich dem Orden des Phönix verkauft, um für ihre Sicherheit zu sorgen, habe versprochen, dass ich spionieren würde, nur damit er sie beschützt."

Als Snape inne hielt, um Luft zu holen, sagte Hermine: „Aber das hat er nicht, oder?"

„Nein."

In dem Wort schwang eine ganze Welt mit.

„Sie haben vierzehn Jahre lang unterrichtet", sagte Hermine. „In einer Position, die Sie nicht einmal wollen, die sie verabscheuen." Sie lehnte sich vor. „Sie haben sich selbst verkauft, und nichts dafür bekommen."

„Er hat mich vor Askaban bewahrt", sagte Snape.

„Gregs Vater war nicht in Askaban, ohne Dumbledores Hilfe. Dracos Vater ist draußen geblieben. Theos. Vincents. Dumbledore hat nichts für Sie getan", beharrte Hermine, die sich weiter vorlehnte, als könne sie ihn überzeugen, indem sie die Distanz zwischen ihnen verringerte.

„Er hat aber auch nicht Lily getötet", sagte Snape. „Es gibt keine Seite für mich, Kind."

„Selbst keine Seite wäre besser, als für Dumbledore zu spionieren", sagte sie.

Snape holte tief Luft und schloss einen Moment lang die Augen. Als er sie öffnete, sagte er: „Ich sehe keinen Grund, warum du mich über Politik belehrst, Miss Granger, obwohl du an der Vorbereitung für deinen Trank arbeiten solltest. Ich möchte sehen, dass die Occamy-Eischale perfekt gemörsert wurde. Deine schlampige Herangehensweise an die Zutaten wird noch dein Untergang sein.


Harry Potter gab dem Propheten ein Interview. Irgendwie gelang es ihm, vorrangig vernünftig zu klingen, als er insistierte, dass der Dunkle Lord zurück war. Hermine las es, als die Zeitung während des Frühstücks geliefert wurde, und sah hinüber zum Gryffindortisch, wo seine rot und goldenen Hausgenossen dem Jungen gratulierten. Er musste ihren Blick gespürt haben, denn er sah zu ihr hinüber und streckte ihr den Mittelfinger entgegen. Weasley sah ebenfalls zu ihr und grinste selbstzufrieden.

„Ich frage mich, was sie denken, dass das erreichen wird", sagte Hermine und warf die Zeitung frustriert auf den Tisch.

Er hatte Namen genannt; behauptet, dass Leute Todesser seien.

Nun, er hatte Recht, gestand sie sich ein. Sie waren Todesser. Aber als der Nachmittag kam, waren Greg und Vincent hin und hergerissen dazwischen, ob sie jeden angreifen wollten, der sie ansah, als würden sie jederzeit unverzeihliche Flüche um sich werfen, oder sich in ihrem Zimmer vergraben wollten, Theo wirkte, als würde er bald zusammenklappen, und Draco hielt sich auf die Weise, die ihr verriet, dass er kurz davor war zu weinen. Es war nicht fair, dass Potter die ganze Schule gegen sie aufgehetzt hatte.

Sogar die Lehrer waren hocherfreut über Potter und bevorzugten ihn noch mehr als üblich.

Sie war jedes Mal kurz vorm Hochgehen, wenn jemand einen ihrer Jungs schief ansah. Sie waren keine Todesser; sie waren nur Schüler, die diese voreingenommenen Arschlöcher kannten, seit sie elf Jahre alt waren. Draco konnte ein Fiesling sein, aber Theo hatte nie auch nur Buh zu jemandem gesagt, und sie sah zu, wie ihm Leute den ganzen Tag lang auswichen, als sei er ansteckend oder gewalttätig oder böse, und beim Abendessen war sie so aufgebracht, dass sie vor Zorn bebte.

„Ich hasse sie", zischte sie, als sie zurück im Gemeinschaftsraum waren. „Ich hasse sie alle." Sie hatte ihre Arme um Draco geschlungen, der sein Gesicht in ihrer Schulter vergraben hatte, nachdem er den ganzen Tag so getan hatte, als bemerke er nicht, was die Leute flüsterten, wenn sie auf ihn zeigten. Theo hatte eine Flasche Feuerwhiskey von irgendwo hervorgezogen und war dabei, sich zusammen mit Greg und Vincent zu betrinken; Daphne versuchte nicht einmal, sie aufzuhalten.

„Gib mir was davon", sagte Hermine und mit einem überraschten Blick schenkte Theo ihr eine Portion ein.

„Ich hasse sie", wiederholte sie. „Ich hoffe, dass sie alle sterben."


Wenigstens lief die DA gut, und sie hatten sich von Dingen, die wahrscheinlich in den Z.A.G.s abgefragt werden würden, vorgearbeitet zum Patronuszauber. Nicht alle schafften ihn, aber Lunas Hase hüpfte durch den Slytherin-Gemeinschaftsraum und zuckte mit der Nase und brachte alle zum Lachen.

Zurzeit brauchten sie Gelächter.

„Warum ist meiner ein Otter?", fragte Draco zum fünften Mal, während sein Patronus lustig um ihn herum schwamm.

„Weil es süß ist?", schlug Hermine vor und er verzog das Gesicht.


„Sie können es Schülern einfach nicht erlauben, herumzulaufen und Interviews zu geben." Hermine hielt mitten im Korridor inne, als sie die Stimme der schrecklichen Vettel hörte. Umbridges Stimme war immer nervenaufreibend, aber heute klang sie besonders selbstzufrieden. „Vor allem nicht Interviews, die sich genau gegen die Dinge aussprechen, die das Ministerium für wahr erklärt hat."

Sie drückte sich zurück gegen die Wand und lauschte. Sie konnte Umbridge hören, McGonagall und … Fudge? Der Zaubereiminister hier im Flur?

„Sieh an, sieh an", sagte Fudge erfreut. „Diesmal sind Sie zu weit gegangen, Dumbledore."

„Was habe ich getan?", fragte der Schulleiter, der mehr belustigt schien als alles andere.

„Sie haben die Kontrolle über Ihre Schule verloren", sagte Fudge. „Sie haben zugelassen, dass Potter der Welt mitteilt, Sie-Wissen-Schon-Wer sei zurück. Er hat Namen genannt! Aufrechte Bürger, die schon vor langer Zeit für unschuldig erklärt wurden, was ihre Teilnahme beim… letzten Mal anging."

„Aber er ist zurück, Cornelius", sagte Dumbledore, und Hermine fragte sich, warum um Himmels Willen sie dieses Gespräch in einem Flur hielten.

„Ist er NICHT!", keifte Fudge, und Hermine hob ihre Hand an ihre Halskette.

„Möchten Sie mich dafür verhaften, dass ich die Wahrheit sage, Cornelius?", fragte Dumbledore. „Ist es schon so weit gekommen?"

„Es ist eine Verletzung des Erlasses…" Umbridge durchwühlte ihren Stapel von Zetteln, um herauszufinden, welches der neuen Gesetze Dumbledore genau gebrochen hatte.

„Das passt schon, Dolores", sagte Dumbledore, „ich bin sicher, Sie werden es irgendwann finden."

„Sie versuchen, das Ministerium zu destabilisieren!" Fudge war noch immer fast am Keifen.

„Ja", sagte Dumbledore nachdenklich. „Ich schätze, das tue ich."

„Haben Sie das?" Fudge klang schadenfroh, und Hermine hörte irgendeinen Gehilfen sagen: „Ja, Sir, ich habe alles."

„Wir werden Sie zurück zum Ministerium bringen, morgen früh die Anklage erheben und mittags werden Sie schon in Askaban sitzen." Fudge konnte seine Freude kaum im Zaum halten und, trotz ihrer allgemeinen Abneigung gegenüber Dumbledore, war Hermine entsetzt zu hören, wie all die schlimmsten Missbrauchsmethoden des magischen Gerichtssystems so offen dargelegt wurden.

Dumbledore seufzte. „Sie armer Mann. Sie scheinen offenbar zu glauben, dass ich mich, wie sagt man doch so schön, widerstandslos abführen lassen werde?"

„Wie bitte?", unterbrach ihn Umbridge. „Sie können sich nicht einfach der Festnahme widersetzen!"

„Ich fürchte, ich werde ganz genau das tun, Dolores." Er klang, als würde er eine Einladung zu einer Party ablehnen, zu der er nie hatte kommen wollen, sein Tonfall höflich bedauernd aber ohne eine Spur wirklicher Reue. „Ich könnte natürlich aus Askaban fliehen – das scheint zurzeit häufig zu geschehen – aber das ist so ein Ärgernis."

Es gab einen lauten Knall und dann schritt Dumbledore den Korridor entlang, vorbei an der Stelle, an der Hermine sich gegen die Wand drückte. Er hielt kurz inne, sah sie an und sagte: „Es tut mir leid, das zu sehen, Miss Granger", bevor er weiterging.


Draco las die Einladung zu Professor Umbridges Büro mit Grauen. „Bringen Sie vertrauenswürdige Freunde mit", hieß es. „Aus guten Familien."

„Ich nehme an, das heißt, dass ich raus bin", sagte Hermine, die über seine Schulter mitlas.

„Ich bin aus einer guten Familie", sagte Pansy ziemlich selbstgefällig. Als Theo etwas auf sie warf, fügte sie hinzu: „Heißt nicht, dass Umbridge keine abscheuliche Kuh ist."

„Wir müssen das Biest abgelenkt halten", sagte Cassius Warrington, einer der Siebtklässler. „Wir wollen nicht, dass sie von Delle Arti erfährt."

„Deine Mutter hat gesagt, wir sollen mitspielen", sagte Theo.

Cassius wirkte überrascht, dass sie es mit Narzissa Malfoy besprochen hatten, sagte aber mit respektvollem Ton: „Wenn Mrs. Malfoy gesagt hat, dass wir mitspielen sollen, dann müssen wir mitspielen." Er hob die Stimme. „Freiwillige, um mit Umbridge fertig zu werden?"

Blaise schüttelte den Kopf. „Ich hasse die Frau. Ich kann unmöglich so tun, als würde ich mich bei ihr einschleimen, egal was sie plant."

„Ich auch nicht", gab Daphne zu.

„Ich werd's tun", sagte Greg, und als sie die Freiwilligen organisiert hatten, sodass niemand der Kleinen dabei war, gesellten sich Greg, Vincent, Theo, Pansy, Millie, Cassius und Graham Montague zu Draco und marschierten zum Büro der Frau.

„Versuch ruhig zu bleiben", murmelte Theo. „Egal, wie provozierend die Frau ist, kriech ihr in den Arsch."

„Redest du mit mir oder dir?", fragte Draco.

„Sowohl als auch", antwortete er kurz ab.

Sie saß hinter ihrem Schreibtisch, als sie ankamen, sich mit vor dem Körper verschränkten Händen aufreihten und gelassene Gesichter zeigten. Pansy schaffte es, ihr Schaudern ob der rosafarbenen Strickjacke zu unterdrücken – manche Dinge überschritten einfach die Grenze des guten Geschmacks – aber sie und Millie tauschten einen Blick aus, der ihre beidseitige Abscheu für die Klamotten der schrecklichen Frau ausdrückten.

Später würde Pansy zu Draco sagen: „Ich hoffe, dass wenn ich so alt bin, ich nicht jedes Gefühl dafür verliere, was gut aussieht. Merlin. Dieses Rosa. Und diese Kätzchen. Ich… diesen Schrecken kann man gar nicht beschreiben." Jetzt aber stand sie wie der Rest ihrer Hausgenossen dort, lächelte ihr Slytherin-Lächeln und dachte, wie dämlich die Frau war, dass sie den Kindern von Todessern vertraute.

„Es wird Veränderungen geben in Hogwarts", sagte Umbridge in ihrer kleinen Mädchen Stimme. „Aufregende Veränderungen! Und ich will, dass Sie Schüler diese Veränderungen vorantreibt."

Sie hielt inne, als warte sie auf eine Antwort, und Theo sprang ein. „Wir fühlen uns geehrt, Ma'am", sagte er.

Sie lächelte ihn an und es schien, als wolle sie ihm den Kopf tätscheln. Theo fragte sich oft, ob die Frau jemals zuvor Jugendlichen begegnet war, da sie sie ständig mit Kleinkindern oder Hunden zu verwechseln schien. „Ich brauche Schüler, die dem Ministerium gegenüber treu sind", fuhr sie fort. „Und in diese Schule grassiert es vor Leuten, die Harry Potter und seinem Unsinn glauben zu scheinen." Sie hielt inne. „Grassieren bedeutet -"

„Wir wissen, was ‚grassieren' bedeutet, Ma'am", sagte Millie.

Umbridge schenkte dem Mädchen einen genervten Blick. „Unterbrechen Sie mich nicht, meine Liebe. Grassieren bedeutet, dass etwas voll von unerwünschten Dingen ist, und unerwünscht ist genau das, was Potter ist." Sie lächelte wieder. „Kann ich darauf vertrauen, dass Sie dem Ministerium gegenüber treu sind? Ich weiß, dass ich Ihnen vertrauen kann, Mr. Malfoy. Ihr Vater ist sehr bekannt in den inneren Büros."

„Unsere Treuist gänzlich ohne jeden Zweifel", sagte Theo und Umbridge lächelte ihn erneut an.

„Gut, mein Lieber." Sie sah sie rund herum an und sagte: „Über eine Sache wollte ich mit Ihnen reden, bevor wir fortfahren. Ich weiß, dass viele von Ihnen einen oder zwei Freunde hsbt, die… Ihnen unterlegen sind. Manchmal kann der Sprechende Hut Fehler machen, wissen Sie, aber ich bin sicher, dass Sie Qualität erkennen, wenn Sie sie sehen, und genauso schmutziges Blut, wenn es Ihnen begegnet."

Greg verengte die Augen zu Schlitzen. „Meinen Sie damit -?"

Vincent trat ihm auf den Fuß. Hart. „Ja, Ma'am", sagte er.

„Mr. Malfoy, ich weiß, dass Ihre Familie sehr gütig zu den… Bedürftigen sein kann", fuhr Umbridge fort, „aber ich bin sicher, Ihre Mutter würde nicht wollen, dass gewisse Leute dies ausnutzen."

Draco zwang ein Lächeln auf sein Gesicht, indem er überlegte, wie Umbridges Kopf abgetrennt von ihrem Krötenkörper aussehen würde. „Ich versichere Ihnen, Professor Umbridge, dass Miss Granger sich ihrer Position bewusst ist. Ihrer genauen Position. Meine Familie war sehr darauf bedacht, das klar zu stellen."

„Das ist gut zu hören." Dolores Umbridge leckte sich wegen der Information beinahe über die Lippen. „Lassen Sie mich Ihnen Schülern von dem Inquisitionskommando erzählen, das ich gründen möchte…"

Als sie wieder im Gemeinschaftsraum waren, schubste Theo Draco. „Ist sich ihrer Position bewusst?", fragte er.

„Was ist mit ‚unsere Treue ist ohne Zweifel'?", erwiderte Draco.

Theo zuckte die Schultern. „Ich habe nicht gelogen. Wenn sie minderjährige Slytherins nicht überlisten kann, dann sollte sie nicht versuchen, uns zu benutzen um eine Gruppe zu gründen, mit der sie Schüler unterdrücken kann, die sie nicht mag."

„Ich hasse die Frau so sehr", murmelte Greg.

„Aber es wird spaßig, dem Weasley Punkte abzuziehen", sagte Draco. „Wo ist Hermine?"


Am Morgen hingen überall in der Schule Zettel, die besagten, dass Umbridge die neue Schulleiterin war, und das Gerücht hatte sich verbreitet, dass das Büro des Schulleiters sich nicht für sie geöffnet hatte.

„Ich wette, sie konnte es kaum erwarten, dort oben zu sitzen", sagte Parvati Patil bösartig, als sie den Schulhof zusammen mit Harry Potter, Ron Weasley und Ernie Macmillan überquerte, in der Winterluft zitternd. „Blöde, aufgeblasene, machtgeile alte -"

„Ich würde den Satz nicht zu Ende reden, wenn ich du wäre", sagte Draco, der lässig an der Schlosstür lehnte. Vincent und Greg standen hinter ihm und grinsten die anderen Schüler selbtgefällig an. Parvati kniff die Augen zusammen.

„Seht euch die kleinen Todesser an", sagte sie.

„Seht euch an, wie ich Gryffindor und Hufflepuff ein paar Punkte abziehe", sagte Draco gedehnt.

„Sei kein Idiot, Malfoy", schnappte Ernie. „Du kannst anderen Vertrauensschülern keine Punkte abziehen."

„Versuch dran zu bleiben, Macmillan", sagte Draco. „Vertrauensschüler können das nicht, nein, aber Mitglieder des Inquisitionskommandos schon."

„Des was?", fragte Parvati und Draco deutete auf das silberne I auf seinem Umhang direkt unter seinem Vertrauensschülerabzeichen. Hermine hatte es angesehen, geseufzt und ziemlich unschöne Dinge über das Mittelalter und Amtsmissbrauch und Schriftartwahl gemurmelt, aber um ehrlich zu sein freute er sich darauf, einen Vorwand zu finden, um jedem Punkte abzuziehen, der seit Potters Artikel etwas über ‚kleine Todesser' gesagt hatte.

„Es ist eine auserlesene Gruppe", erwiderte er gedehnt, „ausgewählt von unserer neuen Direktorin höchstpersönlich. Sie vertraut unserer Loyalität, wisst ihr. Was von euch nicht behauptet werden kann. Und Mitglieder des Inquisitionskommandos haben die Macht, Punkte abzuziehen, also, mal sehen, fünf Punkte Abzug von dir, Patil, weil du unsere neue Schulleiterin beleidigt hast. Macmillan, fünf weg, weil du mir widersprochen hast, und Potter, fünf für diese fiesen Lügen, die du in der Zeitung veröffentlicht hast. Weasley, sieh dich an. Dein Hemd ist nicht in der Hose. Das sind weitere fünf Punkte. Und, oh ja, hab ich vergessen. Du bist ein Blutsverräter, Weasley, also dafür nochmal zehn Punkte Abzug."

Weasley zog seinen Zauberstab, aber Parvati Patil zischte: „Nicht."

„Du bist eine der wenigen cleveren Gryffindors, was?", sagte Draco hämisch, bevor er davon ging, Greg und Vincent dicht hinter ihm.

Sobald sie um die Ecke waren, fingen sie so leise wie möglich an zu lachen. „Verdammte Idioten", sagte Greg. „Habt ihr sie gehört: ‚Seht euch die kleinen Todesser an'?"

„Daran könnte ich mich gewöhnen", gab Vincent zu.

Der Rest des Tages war fast annähernd so lustig wie ihr erster Morgen als gemeine Tyrannen, denn die Weasley-Zwillinge zündeten ein ganzes Lagerhaus voll Feuerwerk an, und sie konnten nicht nur die Funken stäubenden Drachen und Fledermäuse genießen, sondern auch zusehen, wie Umbridge umher rannte und versuchte, das Chaos einzudämmen, während die übrigen Professoren mit den Händen rangen und taten, als wüsste sie nicht genau, was sie tun sollten.

„Das war der beste Tag überhaupt", sagte Greg abends.

„Wo ist Montague?", fragte Theo und Draco zuckte die Achseln.

„Wird von irgendeinem Mädchen flach gelegt, das von seinem großen, silbernen I beeindruckt ist?", schlug er vor.


Am nächsten Abend kam Draco in den Gemeinschaftsraum und wirkte unglaublich selbstgefällig und zufrieden mit sich.

„Was hast du getan?", fragte Hermine und sah mit zusammen gekniffenen Augen von ihrem Aufsatz hoch. Diese Menge Selbstgefälligkeit war nie gut und hieß fast immer, dass Draco Potter etwas absolut dämliches angetan hatte.

„Ich habe etwas rausgefunden", sagte er. „Zwei Dinge eigentlich."

„Und die wären…"

„Sie haben Montague gefunden. Er war in einer Toilette im vierten Stock, eingezwängt und verwirrt."

„Das ist merkwürdig." Hermine legte ihre Feder zur Seite. „Weiß er, wie er dort gelandet ist?"

„Nein." Draco schüttelte den Kopf. „Aber das ist nicht das Beste." Er wirkte extrem schadenfroh. „Das Beste ist, dass als ich Snape gesagt habe, dass er mit Montague helfen muss, Potter dort war, und scheinbar bekommt Potter Nachhilfe in Zaubertränke. Nachhilfe in Zaubertränke."

Hermine sah ihn an. „Nein, bekommt er nicht."

„Nein." Draco sah zurück. „Ich war gerade da. Snape hat mir gesagt, dass Potter zur Nachhilfe da war."

Hermine schüttelte den Kopf. „Dann hat er dich angelogen." Draco wirkte stur und sie seufzte. „Draco, ich bin die ganze Zeit in dem Raum und dem Labor. Ich kenne jeden Kurs, den Snape unterrichtet, den Lehrplan, die Zutaten, die er verbraucht. Ich korrigiere die Hälfte seiner Aufsätze, Himmel noch mal. Potter bekommt keine Nachhilfe. Hatten sie überhaupt einen Kessel aufgebaut?"

Draco schien sich zu erinnern versuchen. „Neeeein…", gab er schließlich zu. „Aber Snape hat gesagt -"

Er sah den Ausdruck auf Hermines Gesicht und sackte in sich zusammen. „Was zur Hölle hat er dann dort gemacht?"

„Das klingt nach einer sehr guten Frage."


Die Weasley-Zwillinge schafften es, einen Sumpf in einen Flur zu zaubern. Draco und sein Inquisitionskommando machten einen scheinbar guten Versuch, die Idioten zu fangen, aber die beiden riefen ihre Besen mit einem Accio herbei, bevor sie sie kriegen konnten.

„Das sind eindrucksvolle Zauber", gab Hermine zu. „Sie sind Arschlöcher, aber sie können zaubern."


Das Inquisitionskommando wurde von allen Seiten her angegriffen. Graham Montague war noch immer im Krankenflügel, nachdem er in der Toilette gefunden worden war, und niemand war sich so ganz sicher, was ihm fehlte, abgesehen davon, dass er verwirrt war und das nicht besser wurde. Cassius Warrington wurde mit etwas verflucht, das ihn aussehen ließ, als wäre er von Cornflakes überzogen. Pansy wuchs ein Geweih.

„Der Frau in den Arsch zu kriechen wird jeden Tag riskanter", murmelte Theo zu Hermine. „Bitte sag mir, dass wir einen Plan haben, sie loszuwerden."

Hermine beobachtete Montagues Eltern, die sehr zornig angekommen waren. „Ich muss mit jemandem reden gehen", sagte sie.

„Ich… was?", fragte er, aber sie war bereits fort und marschierte aus dem Gemeinschaftsraum und durch die Flure. Sie fand Potter im Schulhof, wo er seine Narbe rieb und auf und ab ging, während Weasley an einer Mauer lehnte und ihm zusah.

„Was habt ihr Montague angetan?" fragte sie. Er wirkte einen Moment lang verwirrt, dann selbstgefällig.

„Was kümmert es dich?", fragte Weasley. „Er wird sich erholen."

„Ist mehr Arbeit für Umbridge, oder?", fragte Potter mit zufriedenem Tonfall.

Hermine zog ihren Zauberstab und stieß in Potter an den Hals. „Du schuldest mir was, Potter, und ich fordere es ein. Sag mir, was ihr Ärsche Montague angetan habt, damit ich es Pomfrey sagen kann, und sie eine Chance hat, den armen Bastard zu heilen."

Weasley zog seinen eigenen Zauberstab und Hermine sagte, ihre Stimme vollkommen ruhig: „Du glaubst, dass du mich verhexen kannst, bevor ich den Wunderknaben hier zerstöre? Wirklich?"

Potter blickte sie finster an, aber ihr Mund formte stumm ‚Sirius', und er zuckte und murmelte: „Er hat versucht, Punkte von Fred und George abzuziehen, und sie haben ihn in ein kaputtes Verschwindekabinett geworfen."

Sie trat zurück, den Zauberstab noch immer in der Hand, und sah mit offensichtlicher Abscheu von einem zum anderen. „Und ihr habt es keinem gesagt? Was zur Hölle stimmt nicht mit euch beiden?"

„Er hat Punkte abgezogen", sagte Weasley mürrisch und sie starrte ihn an.

„Also dachtet ihr, es wäre in Ordnung, in einfach in einen kaputten magischen Apparat zu werden und es niemandem zu sagen. Das war verdammt noch mal gefährlich; er hätte sterben können. Wer weiß, wie er entkommen ist, und es geht ihm noch immer nicht gut. Wegen Hauspunkten. Ihr zwei habt ein paar echt bescheuerte Vorstellungen von Richtig und Falsch."

„Na und?", sagte Weasley, verschränkte die Arme und sah sie finster an. „Er hätte nicht versuchen sollen, all die Punkte von Gryffindor abzuziehen. Und außerdem, das waren nicht wir; es waren Fred und George."

Hermine drehte sich um und Potter sagte: „Wo gehst du hin?"

„Zu Madam Pomfrey, um ihr zu sagen, was passiert ist." Sie hielt inne und sah zurück zu ihnen. „Punkte. Arschlöcher." Das letzte Wort spuckte sie mit Abscheu aus und ließ sie auf dem Hof zurück, wo Potter seine Narbe rieb und Weasley tat, als würde er aus irgendeinem Buch lernen.


Als die Z.A.G.s näher rückten, hatte niemand mehr Zeit, Unsinn zu veranstalten. Hermine spornte sogar Greg und Vincent zum Lernen an, und sie und Theo arbeiteten so spät noch an Runen und Arithmantik, dass Draco mehr als einmal mitten in der Nacht in den Gemeinschaftsraum stolperte, wo er sie auf der Couch schlafend fand, etwas über Fächer murmelnd, die er nicht verstand. Er weckte sie jedes Mal und wartete, bis sie in ihrem eigenen Zimmer war, bevor er zurück zu Bett ging. Er arbeitete selbst ziemlich hart, da sein Vater deutlich gemacht hatte, dass er eine ‚mehr als respektable' Leistung in seinen Z.A.G.s erzielen sollte.

Er versuchte sich damit zu belustigen, dass er in Hörweite von Potter fallen ließ, dass der Leiter der Zaubererprüfungsbehörde ein Freund seiner Familie war, aber er merkte, dass es nicht wirklich fruchtete und da er so viel Zeit damit verbrachte, seine Fächer zu wiederholen, hatte er nicht die Energie, etwas anderes zu probieren.

Als die Prüfungstermine ans Schwarze Brett gehängt wurden, ließ er zu, dass Hermine ihm einen Lehrplan erstellte. Er folgte ihm sogar.

„Wir bekommen die Ergebnisse im Juli", sagte er eines Nachts während einer Lernpause, in der er sein Gesicht in ihrem Haar vergrub und davon träumte, dass das alles vorbei war. „Wir müssen das nur hinter uns bringen und dann können wir nach Hause gehen und in der Sonne sitzen und den ganzen Sommer lang gar nichts tun."

Hermine murmelte einige Arithmanik-Formeln vor sich hin, die sie sich merken wollte, und antwortete nicht.

Die erste Prüfung war in Zauberkunst und als Hermine hinterher darüber zu reden versuchte, legte Theo ihr die Hand über den Mund. „Stopp", sagte er, „ich flehe dich an." Die restlichen Prüfungen liefen alle auf etwa die gleiche Weise. Sie steigerten sich in nervöses Zittern hinein, legten die Prüfung ab und bemühten sich anschließend, Hermine davon abzuhalten darüber zu sprechen.

„Warum tust du das?", fragte Daphne schließlich.

„Ich fühle mich dadurch besser", gab Hermine zu, die das Armband wieder und wieder um ihr Handgelenk drehte.

Den einzigen Test, den sie alle genossen, war der praktische Teil von Verteidigung gegen die Dunklen Künste. "Es war toll", sagte Greg. „Die alte Fledermaus stand da und hat darauf gewartet, dass ich versage, und ich konnte alles." Er umarmte Hermine erfreut und erleichtert. „Mein Vater wird so stolz sein." Hermine und Draco zeigten beide ihren Patronuszauber, und Hermine sah entzückt den wütenden Ausdruck auf Umbridges Gesicht. Nimm das, du alte Kuh, dachte sie. Wir haben trotzdem gelernt.

Hermine kam aus Runen, ließ eine Tirade darüber los, dass sie die Übersetzung vermasselt hatte, und Theo schüttelte den Kopf und murmelte Draco tonlos zu: „Ich verstecke mich", bevor er in ihren Schlafsaal ging, damit sie ihm nicht folgen konnte. Eine Hermine, die nach dem Test überzeugt war, dass sie eine schlechte Note bekommen würde, war eine Hermine, der man aus dem Weg gehen wollte.

Astronomie lief für niemanden gut, da kurz vor Schluss Umbridge versuchte, Hagrid gefangen zu nehmen, und ihre Handlanger betäubten McGonagall, während Hagrid davon lief. Die Prüfung wurde extrem gestört.

„Diese widerliche Frau", murmelte Hermine. „Ich schwöre, ich werde…" Aber sie hörte auf zu reden und kniff ihre Augen nachdenklich zusammen und nach einer Woche, in der sie pausenlos darüber geredet hatte, wie sie abgeschnitten hatte und ob ihre Antworten richtig waren oder nicht, waren alle so froh, dass sie ruhig war, sodass niemand fragte, was sie tun würde.

Die schriftliche Prüfung für Geschichte der Zauberei wurde ebenfalls gestört, dieses Mal durch Potter, der plötzlich auf den Boden fiel, seine Narbe hielt und schrie. Hermine funkelte ihn wütend an, während einer der Prüfer ihn aus dem Raum begleitete. Als ob sie diese Art Unterbrechung brauchte.

Sie ging mit Draco spazieren, erleichtert, dass die Tortur vorbei war, als Warrington auf sie zu gerannt kam. „Umbridge", japste er, „irgendwas darüber, dass sie Potter in ihrem Büro erwischt hat. Wir sollen die Wachposten suchen."

Draco seufzte verärgert, aber als Hermine die Augen verdrehte und sagte: „Mach einfach, ich komme nach", folgte er Warrington dahin, wo das Inquisitionskommando Ginny und Ronald Weasley zusammen mit Neville Longbottom aufgabelte, die die Schüler von Umbridges Büro weg gelotst hatten, und zerrten sie alle vor die Frau, Hermine dicht hinter ihnen.

„Nun", sagte Umbridge und alle beobachteten sie fasziniert, „Sie wollten unbedingt mit jemandem reden. Wer war es? Dumbledore? McGonagall kann es nicht sein. Nach den vier Stupor, die sie in die Brust bekommen hat, ist sie noch immer nicht ansprechbar."

Draco lachte nervös und Potter blickte ihn finster an.

„Sagen Sie es mir", verlangte Umbridge.

„Es geht Sie nichts an, mit wem ich rede", sagte der Junge, sie beinahe anspuckend.

„Nun gut, dann werde ich Sie zwingen müssen, zu reden", sagte sie. „Draco, holen Sie Professor Snape."

Mit einem kecken Winken verließ Draco den Raum. Hermine betrachtete Umbridge, während sie ihre Halskette berührte, ihre Augen flackerten von der krötengleichen Frau zu Potter und wieder zurück. Niemand sagte etwas, während sie warteten; Vincents Arm war so eng um Neville geschlungen, dass er Probleme hatte Luft zu bekommen, Ginny wurde von Millie fest gehalten, und Ron lag von Warrington hinab gedrückt mit blutiger Lippe auf dem Teppich, aber Umbridge stand einfach bedächtig da, ein halbes Lächeln auf dem Gesicht, während sie auf Draco und Snape wartete.

„Ich brauche mehr Veritaserum", sagte sie, sobald er zur Tür hinein kam.

Der Mann sah sie mit seiner gewöhnlich spöttischen Miene an. „Ich habe Ihnen bereits alles gegeben, was ich hatte, als Sie Potter das letzte Mal ausgefragt haben; ich habe Ihnen gesagt, dass Sie nur drei Tropfen bräuchten. Sind Sie der Anweisung etwa nicht gefolgt, Dolores?"

Hermine sah Potter an. Veritaserum war eine kontrollierte Substanz, und es war vollkommen illegal, sie ohne Beisein der Eltern an einen Schüler zu verabreichen. Warum dachte sie bloß, dass diese Ministeriumsmitläuferin diese kleine Sicherheitsvorkehrung übersehen hatte?

„Können Sie nicht mehr davon herstellen?", sagte Umbridge, die Stimme sogar noch süßlich-mädchenhafter als sonst, und Hermine musste sich davon abhalten zu lachen.

„Natürlich", erwiderte Snape gelangweilt. „Miss Granger, wie lange dauert es, Veritaserum herzustellen?"

„Einen Mondzyklus, Sir", sagte sie und er nickte.

„Sehr gut, Miss Granger." Er sah Umbridge an. „Also etwa einen Monat, falls Sie Probleme hatten zu verstehen, was ‚ein Mondzyklus' bedeutet. Es ist kein Trank, den Sie in der Schule behandelt haben, sicherlich, Dolores, da es ein Trank auf U.T.Z.-Ebene ist. Miss Granger ist eine wirklich bemerkenswerte Schülerin, die ihrem Schuljahr in diesem Fach weit voraus ist. Eine weise Person würde ihrem Rat folgen."

„Ich muss Potter befragen", sagte Umbridge, Snapes offensichtliches Lob für Hermine ignorierend. „Er hat versucht, mit jemandem außerhalb der Schule zu reden, und ich muss wissen, mit wem!"

Snape zuckte die Schultern. „Wie ich bereits gesagt habe, Sie haben meinen ganzen Vorrat an Veritaserum aufgebraucht. Solange Sie nicht vorhaben, den Jungen zu vergiften – eine Tat, die ich Ihnen nicht verübeln würde – kann ich Ihnen schlicht nicht helfen."

Snape wandte sich zur Tür um und Potter schrie: „Er hat Tatze! Er hat Tatze an dem Ort, wo sie versteckt ist!"

Snape blickte zu Umbridge. „Haben Sie ihm bereits einen Plappertrank verabreicht? Nicht dass es eine Rolle spielt, natürlich, da ich Ihnen kein Veritaserum geben kann, aber man sollte die zwei wirklich nicht mischen. Das Ergebnis kann für den Anwender ziemlich unangenehm sein."

„Also können Sie nichts mit dem anfangen, was er gesagt hat?", beharrte Umbridge.

Snape sah sie an und dann Vincent und sagte nur: „Crabbe, wenn Sie Ihren Griff nicht lockern, wird der lästige Junge wahrscheinlich ersticken, und ich wäre höchst ungehalten über den daraus resultierenden Papierkram." Er nickte Umbridge zu. „Dolores", sagte er und verließ den Raum.

Umbridge blickte Potter an, und auf ihrem Gesicht rangen Wut und Frustration um Vorherrschaft. „Nun gut", sagte sie. „Sie lassen mir keine Wahl. Ich werde den Cruciatus-Fluch anwenden müssen."

„Das ist nicht legal", sagte Hermine mit leiser Stimme.

„Es ist zum Wohle des Ministeriums." Umbridge schnaufte beinahe, und Draco trat von ihr zurück und zu Hermine, als wolle er sich zwischen die fast manische Frau und die Hexe mit den buschigen Haaren stellen.

„Es ist nicht richtig", sagte Hermine mit lauterer Stimme. „Der Minister würde nicht wollen, dass Sie das Gesetz brechen."

„Was Cornelius nicht weiß, macht ihn nicht heiß", sagte Umbridge, zog den Zauberstab hervor und drehte sich zu Potter. „Er hat nie erfahren, dass ich es war, die letzten Sommer Dementoren zu dem Jungen geschickt hat, um dem Minister die Chance zu geben, ihn der Schule zu verweisen; eine Chance, die er nur zu gerne ergriffen hat."

„Sie haben die Dementoren geschickt." Potter glotzte sie an, sein Mund weit genug aufgerissen um Fliegen zu fangen.

„Jemand musste Sie aufhalten", sagte Umbridge. „Sie alle reden und reden und reden, aber niemand tut etwas. Ich… Ich war bereit, etwas zu tun. Ich bin bereit, jetzt etwas zu tun."

„Aber Sie müssen das Gesetz nicht brechen, das versuche ich Ihnen zu erklären", Hermine, sehr laut diesmal, so laut, dass sie Umbridge inne halten ließ und Draco sich mit zusammen gekniffenen Augen langsam zu ihr umwandte. „Ich weiß, mit wem er geredet hat", sagte Hermine.

„Wem?", fragte Umbridge.

„Wie?", fragte Greg, und Vincent trat ihm auf den Fuß. Hart.

„Ich meine, ich weiß nicht, wie er glauben konnte, dass das funktionieren würde", sagte Hermine und zeigte auf den Kamin, „aber er weiß, wo Dumbledore ist, oder, Potter?"

Harry Potter beäugte Hermine und sagte: „Woher weißt du das?"

„Ich habe gehört, wie du mit deinem wertlosen Weasley-Handlanger geredet hat", sagte Hermine verächtlich. "Versucht mitzuhalten, Potter. Ernsthaft, du bist so subtil wie ein Stein."

„Wo?", fragte Umbridge.

„Ich weiß nicht genau, wo", wich Hermine aus, die Augen auf Potter, der ‚Verbotener Wald' mit den Lippen formte, „aber ich weiß, dass die wissen, wo er ist, und sie können Sie zu ihm führen. Er wurde verletzt, als er aus dem Schloss geflohen ist, und sie haben sich um ihn gekümmert, ihm Tränke und so gebracht."

„Es… geht ihm nicht gut?" Umbridge versuchte nicht einmal, ihren Eifer zu vertuschen.

Hermine schüttelte den Kopf. „Ausgehend von den Tränken, die sie gestohlen haben – Sie wissen, dass ich die ganze zusätzliche Arbeit mit Professor Snape mache, oder? – ist er kaum bei Bewusstsein. Natürlich ist Potter kein besonders guter Schüler in Zaubertränke, also -"

Umbridge unterbrach sie. „Wo ist er, Sie… mein liebes Mädchen?"

„Irgendwo im Verbotenen Wald", sagte Hermine. „Aber Sie müssen sich von Ihnen den genauen Ort zeigen lassen."

Umbridge tätschelte ihr den Kopf – „So als wäre ich ein Hund", sagte Hermine später genervt zu Theo – und wandte sich Potter zu.

„Sie werden mich dorthin führen und es mir zeigen. Jetzt." Sie gab den Wink, dass der blutende Ron vom Teppich aufstand, und dass Neville und Ginny ebenfalls mitkamen. Als sie mit ihnen aus dem Zimmer marschierte, drehte Harry Potter sich zu Hermine und formte ‚Danke' mit den Lippen.

Als sie verschwunden waren, fragte Draco: „Ich dachte, Potter ist dir nicht mehr sympathisch. Was zur Hölle war das?"

„Rache", sagte Hermine. „Versuchen, mich mit einer Blutfeder schreiben zu lassen, wirklich? Schnöselig darüber sein, dass ich nicht gut genug wäre? Bitch."

„Was?", fragte er.

„Guck", sagte sie gereizt, „welche zwei Schüler gehen seit dem ersten Schuljahr mit ihrem Halbriesenfreund andauernd in den Wald?"

„Potter und Weasley", sagte Draco. „Ich folge dir immer noch nicht."

„Warum ist der Wald verboten?"

„Riesige Spinnen", sagte Warrington und betrachtete sie mit einem belustigten Funkeln in den Augen.

„Zentauren", bot Theo an.

„Einhörner", sagte Greg, die Verträumtheit in seinem Tonfall fast völlig versteckend. Als die anderen ihn ansahen, sagte er: „Was? Sie können einen mit den Hörnern aufspießen, und sie sind sehr territorial."

„Genau", sagte Hermine. „Wer möchte wetten, dass unsere kleinen Gryffindor-Freunde, diejenigen, die den Wald so gut kennen, sie ihn den sicheren Untergang führen, bevor sie abhauen und kontaktieren, wen auch immer sie kontaktieren wollten?"

„Manchmal", sagte Draco, „bist du wirklich verdammt angsteinflößend, weißt du das?"


„Sir." Hermine scharrte den Fuß über den Boden und Snape sah sie ziemlich genervt an.

„Was?", fragte er.

„Ich wollte Sie fragen", murmelte sie und er biss die Zähne zusammen.

„Spuck es aus, bevor ich an Altersschwäche sterbe, Miss Granger."

„Warum-bin-ich-nicht-Vertrauensschülerin-geworden?", brachte sie in einem ungeordneten Durcheinander hervor.

Er verengte die Augen. „Du nimmst Runen und Arithmantik und das war dein Z.A.G.-Jahr. Ich habe dir schon einmal erklärt, dass ich nicht daran glaube zuzulassen, dass die Schüler meines Hauses sich an den Rande des Nervenzusammenbruchs arbeiten. Miss Parkinson hat einen akademischen Stundenplan, der deinem nicht auch nur ansatzweise nahe kommt; sie hatte die Zeit, die Flure zu durchstreifen, um eure idiotischen Mitschüler zu suchen und sie bei ihren sinnlosen Missetaten zu erwischen."

„Oh." Hermine löste die Anspannung, die sie vorher nicht einmal gemerkt hatte.

„Du dachtest doch nicht, dass es dein Blutstatus war, oder?", fragte Snape seufzend und als er den Ausdruck auf ihrem Gesicht sah, der seinen Verdacht bestätigte, deutete er auf die Tür. „Raus, bevor du einen anderen Weg findest, mich zu beleidigen, Miss Granger."


Sie hörten die Neuigkeiten, als sie im Gemeinschaftsraum waren. Theo erhielt sie zuerst. „Es gab einen… Zwischenfall", sagte er zu Hermine. „Hol Greg und Vince und Draco." Als sie in anblickte, würgte er beinahe hervor: „Jetzt!"

Sofort hämmerte sie an die Schlafsäle und rief nach ihnen und Theo erzählte es ihnen.

„Es gab einen Vorfall", sagte er. „Einen Kampf. Im Ministerium."

Draco zog Hermine in seine Arme und begann zu zittern. Der Ausdruck auf Theos Gesicht sagte alles, was er wissen musste, aber der Junge fuhr schonungslos fort, die Stimme ruhig und ohne zu stocken, während Daphne seine Hand in ihre nahm, als Millie sich an Greg klammerte. Hermine streckte die Hand aus und nahm Vinces Hand in ihre.

Potter war zum Ministerium gegangen, gelockt von einer Vision, die ihm der Dunkle Lord geschickt hatte. Er hatte gehen sollen. Das war Teil des Plans gewesen.

Er hatte eine Prophezeiung holen sollen, diejenige, die ihn den Auserwählten nannte. Der Dunkle Lord hatte sie in ihrer Gesamtheit hören wollen.

Sie waren alle dort gewesen. Die kürzlich entkommenen Todesser. Ihre Väter. Der Dunkle Lord selber. Es hatte keine Rolle gespielt. Potter hatte die Prophezeiung zerstört, Dumbledore war erschienen, und ihre Seite hatte verloren. „Sie sind alle in Askaban", sagte Theo.

„Ich habe das getan", sagte Hermine, die Stimme leiser und voller Schuld. „Ich habe sie aus Umbridges Büro geschickt um das zu tun."

„Nein!" Theos Tonfall war schmerzerfüllt aber beharrlich. „Er wollte, dass sie dorthin gehen, du hast getan, was Er gewollt hätte."

Es ging weiter. Theo wandte sich an Draco. „Dein Cousin, Sirius, der, den Hermine vor Jahren gerettet hat."

„Ja?", fragte Draco.

„Deine Tante Bella hat ihn getötet."

„Aber…" Draco klang verloren. „Er war Familie. Mum hat gesagt, dass er Familie war. Wie konnte sie das tun?"

„Ich werde sie töten", sagte Hermine, sich an ihn klammernd, und versuchte ihm durch ihre mörderischen Versprechen Kraft einzuflößen. „Ich werde sie alle töten. Jeder der… eure Väter und Sirius und… sie sterben alle. Jeder einzelne. Ich werde sie alle töten."

„Das kannst du nicht", sagte Theo. Sie blickte ihn an und er erwiderte den Blick aufgebracht. „Du musst mir welche übriglassen."

Sie sahen Potter noch einmal, bevor die Schule vorbei war. Er war, ausnahmsweise, ohne seinen Handlanger.

„Du bist tot", sagte Draco und Potter lachte und prüfte seine Arme, als würde er nachschauen, dass sie noch funktionierten.

„Scheine noch ganz okay zu sein", sagte er.

„Es ist nur eine Frage der Zeit", sagte Hermine, legte ihren Arm um Draco und lehnte sich an ihn, jede Kurve ihres Körpers verkündete ihre Solidarität zu dem blassen und wütenden Jungen an ihrer Seite. „Mehr Leute, die ohne Verhandlung im Gefängnis sitzen. Ich hätte gedacht, dass du nach Sirius was dagegen hättest, aber ich schätze, du denkst, dass Todesser keine Rechte verdienen."

„Tun sie nicht", sagte Harry und funkelte sie an.

„Die Dementoren haben Askaban verlassen", sagte Hermine mit leiser Stimme. „Sie werden bald draußen sein, zu Hause bei ihren Familien."

„Du musst nicht mitmachen", sagte Potter. „Es sind nicht deine Familien, Granger. Du bist nicht böse, nicht so wie sie. Nicht so wie er." Potter deutete mit dem Kopf auf Draco. „Geh einfach davon."

„Sie sind meine Familie", berichtigte Hermine ihn. „Und du hast gerade ein Mitglied meiner Familie ohne Verhandlung nach Askaban geschickt, und das ist nicht richtig."

„Tja, ich zittere", spottete er. „Ich bin sicher, du wirst wirklich zäh sein, im Vergleich zu Voldemort."

Falls Potter erwartete, dass sie bei dem Namen zusammen zucken, wie es die meisten Leute taten, oder lauten Widerspruch ausstoßen würde, wurde er enttäuscht, denn sie zuckte nur die Schultern und wiederholte ihre Drohung.

„Sei sehr vorsichtig, Harry Potter", sagte Hermine. „Dein Blutschutz wird nicht ewig halten und ich werde warten. Wir alle werden warten."