Hermine betrat die erste Stunde Zaubertränke des Jahres leicht melancholisch. Seit sie nach Hogwarts gekommen war, war Zaubertränke der Ort gewesen, wo sie sich, abgesehen von den Schlafsälen, am meisten Zuhause gefühlt hatte. Snape hatte sie beleidigt, Dinge nach ihr geworfen, sie verspottet, hatte sich ihr sogar, bis zu einem gewissen Grad, anvertraut. Sie vertraute ihm vollkommen. Jetzt würde dieser merkwürdige Zufluchtsort von einem Mann eingenommen werden, der Schüler besitzen wollte, die später einmal mächtig sein könnten oder mit den Mächtigen verwandt waren.

Wenn Blaise seine Karten richtig gespielt hatte, sie.

Es hinterließ einen schlechten Geschmack in ihrem Mund.

Sie beobachtete die Schüler, die in den Raum kamen. Nur zwölf waren auf das U.T.Z.-Niveau in Zaubertränke vorgerückt, und sie versammelte sich mit Draco, Theo und Blaise an einem Tisch. Die Ravenclaws und Hufflepuffs saßen zusammen, sodass Weasley und Potter übrig blieben. Der Raum war bereits gefüllt mit blubbernden Kesseln und wundervollen Gerüchen und Hermine atmete tief ein.

Professor Slughorn watschelte herein und lächelte sie alle heiter, aber Potter und Blaise sehr viel wärmer, an. „Willkommen, Willkommen", sagte er. „Jetzt im U.T.Z.-Kurs werden Zaubertränke richtig interessant und ich dachte mir, dass wir ein paar der Tränke kennen lernen, die Sie dieses Jahr brauen werden, und noch einen weiteren, der wirklich viel zu kompliziert für Sie ist, aber, oh, es trotzdem wert ist zu besprechen, weil ich diese erste Stunde ein bisschen, nun, sagen wir sportlich machen will.

Bitte holen Sie all Ihre Sachen heraus und vergessen Sie Ihre Ausgabe von Zaubertränke für Fortgeschrittene nicht", fuhr Slughorn fort und Potter hob seine Hand.

„Harry, ja, mein Junge?", fragte der Mann und Hermine sah zu Theo, dessen Miene ihre eigenen Abscheu über die fröhliche, schmeichlerische Vertrautheit wiederspiegelte.

„Ron und ich haben, nun, wir haben nichts dabei, weil wir bevor wir ankamen, nicht wussten, dass wir Zaubertränke weiter nehmen konnten."

Damit wusste Hermine also, wer kein ‚Ohnegleichen' in seinen Zaubertränke-Z.A.G.s bekommen hatte. Sie war ein bisschen beschämt darüber, wie selbstgefällig sie sich fühlte, dass sie und die Ihrigen die Prüfung besser gemeistert hatten als die beiden Gryffindors. Slughorn quasselte, dass das völlig in Ordnung wäre und er bestimmt noch ein paar alte Bücher für die beiden herumliegen hatte, fischte zwei aus einem Lagerraum und gab sie ihnen, und, endlich, konnte die Stunde anfangen.

Slughorn deutete auf eine farblose, köchelnde Flüssigkeit. „Also, sehen wir mal, wer das hier erkennen kann."

Niemand antwortete und schließlich hob Hermine die Hand. Er nickte ihr zu und sie sagte: „Veritaserum. Farblos, geruchlos, und es zwingt den Trinkenden die Wahrheit zu sagen. Sollte nicht mit Plappertränken gemischt werden."

„Gut gemacht, Miss…" Er warf einen Blick auf seine Anwesenheitsliste. Als einziges Mädchen war sie leicht zu identifizieren. „Granger."

Er deutete auf den nächsten Trank, eine blubbernde, schlamm-ähnliche Substanz. Draco, Theo und Hermine lächelten sich an. Sie erkannten den Vielsafttrank von ihrem Abenteuer, ihn im zweiten Schuljahr gebraut zu haben. Als niemand antwortete, stieß Theo Hermine an und mit einem Seufzen streckte sie erneut den Arm in die Luft.

„Vielsafttrank", sagte sie, als Slughorn sie drannahm.

„Nun", sagte er, „ich schätze, ich kann einfach direkt Sie fragen, was der dritte Trank ist, Miss Granger."

Sie betrachtete den Trank mit dem perlmutt-farbenen Schimmer und dem spiralförmigen Dampf, der von ihm aufstieg. „Amortentia", sagte sie leise. „Ein starker Liebestrank. Er riecht für jeden Menschen anders, je nachdem, was wir am meisten auf der Welt lieben." Sie hielt inne und atmete ein. „Wie ein Besenstiel, vielleicht, und Kräuter und…" Sie verstummte und wurde rot.

„Ein Besenstiel?", fragte Theo flüsternd. „Du hasst Fliegen."

„Halt die Klappe, Theo", murmelte sie.

„Miss Granger." Slughorn sah sie neugierig an. „Sind Sie vielleicht mit Hector Dagworth-Granger verwandt, dem Gründer der Extraordinären Zunft der Trankmeister?"

„Das bezweifle ich, Sir", erwiderte Hermine. „Ich bin muggelstämmig."

Sie erwartete das übliche, schnell überspielte Zurückweichen, aber Professor Slughorn tat nichts dergleichen; stattdessen schien er noch aufgeregter zu werden. „Natürlich! Mr. Zabini hat mir von Ihnen berichtet. Sie sind die erste muggelstämmige Hexe in unserem illustren Haus seit viel zu langer Zeit. Willkommen, mein liebes Mädchen. So eine Freude, Sie kennen zu lernen. Ich erwarte große Dinge von Ihnen dieses Jahr! Große Dinge! Fürs erste bekommen Sie zwanzig Punkte für Slytherin, weil Sie alle Tränke richtig erkannt haben."

Er wandte sich an die Klasse und sagte: „Wollen wir anfangen?"

„Sir?" Ernie Macmillan hatte die Hand erhoben. „Sie haben uns nicht gesagt, was der da ist." Er deutete auf einen kleinen, schwarzen Kesseln, in dem eine goldene Flüssigkeit blubberte und schäumte.

„Oh", sagte Slughorn und Hermine war sehr sicher, dass er gewartet hatte, dass ihn jemand danach fragte, um es dann theatralisch zu verkünden. „Das ist Felix Felicis."

Draco erstarrte neben ihr und Hermine wusste sofort, dass er ihn haben wolle. Dieses Jahr – ihre Aufgabe – würde einfacher werden, wenn sie flüssiges Glück zur Hand hätten.

„Ja", fuhr Slughorn fort, „ein schwieriger Trank – sehr viel schwieriger, als wir in diesem Jahr behandeln werden – und eine Katastrophe, wenn man einen Fehler macht, aber wenn er richtig gebraut wird… oh, wenn er richtig gebraut ist, kann man ihn einnehmen für einen perfekten Tag. Er macht süchtig, fürchte ich, und ist in großen Mengen gefährlich, aber ein bisschen davon einmal oder zweimal im Leben ist… perfekt." Er lächelte verträumt, als würde er sich an einen eben solchen Tag erinnern.

Hermine hoffte innig, dass er nicht anfangen würde, in Erinnerungen zu schwelgen.

„Nun, um das Brauen heute zu einem kleinen Wettkampf zu machen, wer auch immer den besten Trank der lebenden Toten braut, bekommt diesen Zaubertrank zur Belohnung."

„Haben wir in der Tasche", flüsterte Theo. „Wir haben Hermine."

Aber es war nicht in der Tasche. Sie befolgte die Anweisungen im Buch, aber der Trank nahm nicht die richtige Farbe ein. Er blieb hartnäckig dunkellila, als er eigentlich Lavendel-farben hätte werden sollen. Sie wurde immer frustrierter, je weiter die Stunde voranschritt, und bald wischte sie sich vom Dampf nasse Haare aus dem Gesicht und musste sich zusammenreißen, um nicht zu fluchen.

Sie hatte versagt.

Versagt.

Versagt, als es wirklich gezählt hätte, den Trank zu vollenden, wenn es ihnen einen Preis gesichert hätte, der in ihrer wirklichen Aufgabe geholfen hätte. Eine Aufgabe, bei der sie nicht versagen konnten.

Der einzige Trost war, dass alle anderen auch zu versagt haben schienen. Draco, Blaise und Theo – alle hervorragend in Zaubertränke – hatten genau wie sie dunkellila Tränke. Die Ravenclaws wirkten alle aufgebracht, genau wie Ernie Macmillan. Sie machte sich nicht die Mühe, Weasley und Potter anzusehen; sie waren nur mit knapper Not in diesem Kurs gelandet, und wenn es niemandem sonst gelungen war, dann sicher auch ihnen nicht.

Nur… Potter hatte es geschafft. Sie ließ beinahe ihren Holzlöffel in den Kessel fallen, als Slughorn ihn zu seinem perfekten Trank gratulierte. „Genau wie Ihre Mutter", rief der Mann aus. „Sie war hervorragend in Zaubertränke, oh ja, das war sie."

Hermine blickte langsam auf. Potter grinste wie ein Idiot, während der Professor ihm das Fläschen Felix reichte. Er bemerkte, dass sie ihn anstarrte, und schenkte ihr ein selbstgefälliges Grinsen.

„Wie hast du das gemacht?", hörte sie Weasley fragen, als sie das Klassenzimmer verließen. Sie harrte inne, weil das genau die Frage war, auf die sie die Antwort wissen wollte.

„Einfach Glück gehabt, schätze ich", sagte Potter.


Sie fürchtete ihr erstes Treffen mit Snape.

„Versagt?" Er sah sie an, während sie sich auf ihrem Stuhl in seinem Büro zusammenkauerte. „Du hast es nicht geschafft, den Trank der lebenden Toten korrekt zuzubereiten?"

„Ich habe die Anweisungen befolgt", flüsterte sie, während er vor ihr auf und ab schritt.

„Jahrelanger Privatunterricht und bei der ersten Gelegenheit, deine Fähigkeiten für einen meiner Kollegen unter Beweis zu stellen, versagst du?", zischte Snape. „Habe ich meine Zeit verschwendet? Bist du genauso ein wertloser Schwachkopf wie alle deine Mitschüler?"

„Ich… es tut mir leid", flüsterte sie.

„Und schlimmer", fuhr Snape fort, „Potter hat es geschafft." Er stellte sich direkt vor ihren Stuhl; sie starrte weiter auf den Boden. „Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen, Miss Granger?"

„Ich habe die Anweisungen befolgt", wiederholte sie und Snape schnaubte mit unverhohlenem Spott.

„Das ist es, was dich davon abhält, wirklich herausragend zu sein, Miss Granger. Du denkst immer noch, dass wenn du nur ‚die Anweisungen befolgst'", sein Tonfall verdrehte die Worte in eine wahrhaftige Beleidigung, „du schon irgendwie Erfolg haben wirst. Du musst aufhören, mir die Lehrbücher zu zitieren, und aufhören zu glauben, dass sich alle Antworten in Büchern finden lassen. Du musst kreativ sein. Du musst denken."

„Es tut mir leid, Sir", flüsterte sie erneut und sank noch tiefer in ihren Stuhl.

Er atmete verärgert aus und funkelte sie an. „Wir werden dieses Jahr damit beginnen, dass du die einzelnen Schritte des Tranks der lebenden Toten analysierst. Hol dein Lehrbuch heraus und lies die ‚Anweisungen' vor."

Mit zitternden Händen tat Hermine wie ihr geheißen. Als sie zu dem Teil kam, an dem die Schlafbohne zerschnitten wurde, unterbrach Snape sie. „Warum", fragte er mit müder Stimme, „schneidet man die Bohnen klein und wirft sie nicht einfach ganz hinein?"

Mit enger Kehle und Tränen zurückhaltend sagte sie: „Um mehr von dem… dem Bohnenzeug zu bek -"

Er schnitt ihr das Wort ab. „Sei genauer. Was für ‚Bohnenzeug'?"

„Den Saft?", fragte sie.

„Bist du sicher?"

Sie dachte einen Moment lang nach und nickte. „Den Saft. Wenn man die festen Teile bräuchte, wäre es egal, ob man sie im Ganzen verwendet."

„Genau. Wenn man den Saft einer Bohne haben möchte, ist dann die beste Methode um den Saft zu erhalten, die Bohnen zu zerschneiden?" Er ließ ihr einen Moment Zeit zum Nachdenken und fügte hinzu: „Denk an Knoblauch."

Sie sah auf, zum ersten Mal mit einem aufgeregten Funken in den Augen. „Es ist besser, Knoblauch zu zerdrücken. Man… man zerdrückt die Bohnen?" Ihre Stimme wurde schneller. „Natürlich. Man zerdrückt sie, um all den Saft zu bekommen, den man braucht um… aber warum steht das nicht im Buch?"

Er zuckte die Schultern. „Wenn man frische Bohnen hat, ist es egal. Wenn man die alten, ausgetrockneten Vorräte einer Schule hat, dann nicht unbedingt. Ich nehme an, dass Slughorn sich nicht bemüht hat, euch frische Zutaten zu besorgen. Wie oft, du dummes Mädchen, habe ich dir gesagt, dass die Vorbereitung der Zutaten der Schlüssel für erfolgreiche Tränke ist?"

Sie betrachtete sein Gesicht. Er sah mit einer Spur Stolz in seiner Miene zurück und sie schniefte. „Ich werde es verstehen", sagte sie. „Ich verspreche es. Ich werde die beste Trankbrauerin sein, die Sie je unterrichtet haben, und -"

Snape sah sie an und seufzte, was ihren Schwall an Versprechen unterbrach. „Du wirst mir nochmal das Leben kosten, Kind."

„Ich möchte Sie nur stolz machen", sagte sie, noch immer zusammengekauert auf ihrem Stuhl.

„Nun", sagte er, „deine Leistung in deiner ersten Stunde mit Slughorn hat das definitiv nicht geschafft, aber… deine Fähigkeit, den Grund deines Versagens zu ergründen, schon. Wir werden nächste Woche über das Umrühren im und gegen den Uhrzeigersinn reden, und warum man das eine oder das andere wählt, und ich schwöre, dass wenn du auch nur daran denkst zu antworten ‚weil das Buch das sagt', dann werde ich dich wirklich schlagen."

„Professor Snape?"

„Was?"

„Wie konnte Potter es schaffen?"

Snape sah sie an und sagte: „Ich habe keine Ahnung."


„Sie haben schon wieder das Haus durchsucht", sagte Draco beim Frühstück.

„Was?", fragte Pansy.

„Das Ministerium", antwortete Hermine für Draco. „Sie haben es im Sommer schon einmal getan. Haben eine Vase kaputt gemacht und gelacht, Sachen aus Schubladen gezogen und überall liegen gelassen. Haben das ganze Haus verwüstet, auf der Suche nach dunklen Artefakten."

„Haben sie welche gefunden?"

„Beleidige mich nicht", sagte Draco mit einem finsteren Blick. „Der dumme Arthur Weasley ist dieses Mal aufgetaucht, hat auf einen ‚vertraulichen Hinweis' gehandelt."

„Schikane", murmelte Hermine.

„'Diese zweite Durchsuchung der Todesser-Residenz verlief offenbar ergebnislos'", las Draco den Artikel des Propheten vor. „Natürlich war sie das. Idioten."

Hermine legte ihre Hand auf seinen Arm. „Mach dir keine Sorgen darüber."

„Dreckskerle", murmelte er und warf die Zeitung über den Tisch.


Die Schule war anstrengend. Hermine und Theo verbrachten Stunden damit, an Arithmantik und Runen zu arbeiten, und sie alle waren fast jede Nacht noch spät wach, um Aufsätze zu schreiben. Hermine sah aufgebracht zu, wie Potter in jeder einzelnen Stunde seine neu entdecktes Können in Zaubertränke, das überhaupt keinen Sinn ergab, unter Beweis stellte.

Ihre eigene Arbeit in Zaubertränke war… gut. Sie wurde besser. Snape ließ sie nicht mehr einfach nur schneiden und brauen; er zwang sie dazu, jedes Rezept zu analysieren und ihm zu erzählen, warum Dinge auf eine bestimmte Art und Weise getan werden mussten, während er sie weiter antrieb herauszufinden, wie man sie verbessern konnte. Es war die schwierigste Arbeit, die sie je getan hatte, und sie brach anschließend mindestens jedes zweite Mal weinend zusammen. Aber es war es wert, für die seltenen Male, an denen er sagte: „Ja. Gute Erkenntnis."

Das erste Mal, dass er es tat, warf sie sich tatsächlich auf den Mann und umarmte ihn. Er stand steif in ihrer Umarmung und sagte schließlich: „Lass. Mich. Los."

Sie gehorchte, aber sie grinste ihn an, während sie ihr Haar aus dem Gesicht strich.

„Du musst diese schreckliche Masse im Labor zusammenbinden", sagte er.

„Ja, Sir."

Wie Potter alleine sogar noch größere Fortschritte machte, stellte sie vor ein Rätsel.


Vincent stand an eine Wand des Schlosses gelehnt und reichte Greg einen Joint, als er bemerkte, dass Daphnes merkwürdige kleine Schwester ihn schon wieder anstarrte. Sie hielt ein kleines schwarzes Notizbuch in der Hand und schrieb etwas hinein. Greg winkte sie herbei und Vincent zischte: „Was tust du?"

„Sicher stellen, dass sie nichts im Schilde führt", sagte Greg leise. „Sie stalkt dich förmlich." Dann, als sie zu ihnen kam, zitternd und sich das Haar aus dem Gesicht werfend, sagte er: „Hey… Tory, oder?"

„Ja", sagte sie.

„Was tust du?", fragte er und sie warf sich ihr Haar – hatte sie es schwarz gefärbt? Warum? – erneut aus dem Gesicht und griff nach dem Joint.

Greg sah Vincent genervt an, der ihm nur mit einem finsteren Blick bedeutete, dass es seine Schuld war. Greg zuckte die Schultern und reichte ihn weiter.

„Ich schreibe", sagte sie, atmete ein und hustete dann mehrmals. „Ich schreibe Gedichte."

„Oh", sagte Vincent und warf Greg einen Blick zu, der ein Lächeln verbarg, während er den Joint zurück nahm. „Worüber?"

„Dinge", sagte sie.

„Oh", sagte Vincent wieder.


Hermine und Blaise wurden zu Slughorns Slug-Klub-Partys eingeladen. Dass Draco es nicht wurde, wurmte den Jungen weiterhin, aber dass Hermine und Blaise über jede Einladung stöhnten, beschwichtigte ihn ein wenig.

„Das Essen ist gut", gab Hermine zu. „Es ist nur…"

„Wer möchte schon rumsitzen und einen Lehrer umschleimen?", fragte Blaise. „Ich meine, ich tue es. Ich mache ihm Komplimente, und ihr solltet sehen, wie Hermine dieses reinblütige Mädchen Flirt-Zeugs macht."

„Lieber nicht", murmelte Draco.

„Nein, es ist genial", beharrte Blaise. „Man könnte denken, sie wäre mit diesen schrecklichen Dingern groß geworden. Sie lächelt und umschmeichelt ihn und ist gerade frech genug, um charmant zu sein, ohne je eine Grenze zu überschreiten."

„Ich tue so, als wäre ich Daphne", gab Hermine zu. „Ich ahme nach, wie sie sich immer mit Theos Vater verhält. Verhielt, meine ich, bevor…" Sie verstummte betreten. Sie alle versuchten, die Gefangenen nicht zu erwähnen.

„Hört sich super an", sagte Draco in einem Tonfall, der bedeutete, dass er das ganz und gar nicht fand.

„Wenigstens ist Potter nie da", sagte Blaise. „Ich glaube, er legt das Qudditchtraining immer so, dass es sich mit den kleinen Partys überschneidet."

„Idiot", murmelte Hermine. „Nicht, dass sie Spaß machen, aber war ja klar, dass Potter so kurzsichtig ist, dass er die Gelegenheit verliert, Beziehungen zu knüpfen, die ihm helfen können, nur um das dumme Spiel zu spielen."

„Ich vermisse Quidditch", sagte Draco und sofort wirkte sie reumütig.

„Tut mir leid", sagte sie und er seufzte.

„Lässt sich nicht ändern", murmelte er.

„Mit Nachsitzen am Hogsmeade-Samstag bei McGonagall läuft alles glatt?", fragte Hermine und Draco nickte. Sie sah Blaise mit einem Grinsen an. „Schätze, dann bin ich dein Date, Schöner. Ist ein paar Jahre her, seit wir zusammen in Hogsmeade waren."

Er rollte die Augen. „Ich bin mit Luna zusammen, schon vergessen?"

„Ich bin sicher, dass sie teilen wird", sagte Hermine und wurde rot, als Blaise lachte und sie gegen die Wand lehnend beäugte.

„Ich bin sicher, das würde sie", sagte er.

„Zabini", knurrte Draco, aber Blaise lachte nur.

In Hogsmeade kaufte Blaise ihr eine Zuckerfeder und überreichte sie ihr mit einer überschwänglichen Verbeugung, wobei er die Federn über ihre Wange streichen ließ, und sie wurde schon wieder rot. „Depp", murmelte sie, als er ihr die Tür aufhielt. „Du versuchst, mich verlegen zu machen."

„Würde ich das je tun?", neckte er, als sie die Drei Besen betraten.

„Ja", sagte sie. „Kauf mir was zu trinken."

Sie ließen sich an einem kleinen Tisch in der Ecke des Raums mit zwei Butterbier nieder. Nach einer Weile, entschuldigte Hermine sich, um die Toilette zu benutzen. Als sie wiederkam, machte Potter gerade einen Aufstand darüber, dass jemand Sirius Blacks Dinge stahl.

Hermine fragte sich einen Moment lang, wer Sirius Blacks Hab und Gut erben würde. „Blaise", flüsterte sie, „wenn Sirius keine Erben hatte, wer bekommt dann den Besitz der Blacks?"

Er überlegte einen Augenblick lang. „Eine Cousine schätzungsweise? Ich glaube die älteste Schwester wurde vom Stammbaum gestrichen, also… Ich schätze, Bellatrix ist die nächste? Ich glaube Dracos Mum ist die Jüngste. Aber Sirius wurde auch verstoßen, von daher… keine Ahnung."

„Reinblutszeug ist so schwer", sagte Hermine und trank einen Schluck Butterbier. „Ich glaube nicht, dass ich es jemals ganz verstehen werde."

„Glaubst du, dass es funktionieren wird?", fragte Blaise, als Katie Bell, Quidditchspielerin von Gryffindor – und ihr Opfer – den Pub verließ.

Hermine schnaubte. „Nein. Aber wenn es scheitert, schuldet Draco mir eine Fußmassage."

„Und wenn nicht?"

„So viel Glück müssten wir erstmal haben", sagte Hermine, aber sie zog die Zuckerfeder hervor und lutschte an ihrer Spitze, während sie Blaise angrinste. „Aber wenn ich bezahlen muss, fällt mir bestimmt was ein."

Blaise lachte und sie blieben noch eine Weile sitzen, um sicher zu stellen, dass Katie es zurück zum Schloss geschafft hatte, bevor sie aufstanden, um selbst zurückzukehren.

Wie vorherzusehen war, schaffte es die verfluchte Halskette, die sie in Borgin und Burkes gekauft hatten, nicht bis hinauf zur Schule oder gar in Dumbledores Hände. „Merlin", sagte Hermine, als Draco seine Daumen in die Sohle ihres Fußes drückte, „Du bist ein Idiot, aber du bist gut darin."

„Woher sollte ich wissen, dass sie das Päckchen öffnen würde?", fragte er, während sie von der Berührung leicht stöhnte. „Vielleicht war dein Imperius nicht sauber."

Sie öffnete ihre Augen um ihn anzusehen. „Du weißt, wer ihn mir beigebracht hat, und du denkst, er könnte nicht sauber gewesen sein?" Sie schloss erneut ihre Augen, als er sich ihrem anderen Fuß zuwandte. „Der Plan hat zu sehr auf anderen Leuten aufgebaut. Zu viele Variablen. Was ich dir gesagt habe. Du hättest auf mich hören sollen."

„Schön", sagte er. „Dann sag mir, wie wir das verdammte Kabinett reparieren können." Vor lauter Frustration stieß er seinen Daumen zu fest hinein und sie schrie auf. „Sorry", murmelte er.

„Wir werden es herausfinden", sagte sie. „Snape lässt mich Felix brauen. Wenn es sein muss, benutzen wir den."


„Wie möchtest du das handhaben?", fragte Hermine Draco, als sie ihm die Einladung zu Slughorns Weihnachtsfeier reichte.

Er fluchte. „Wir haben kaum noch Zeit, Hermine."

„Aber ich weiß nicht, wie wir darum herumkommen sollen", sagte sie auf ihre Hand gestützt. Sie war so müde. So schrecklich müde. Zwischen Schularbeit und zusätzlichen Zaubertränken und zu versuchen herauszufinden, wie das Kabinett zu reparieren war, war sie so müde, dass sie kaum denken konnte. „Wenn ich nicht mit dir gehe, wird es komisch wirken. Wenn ich nicht gehe, wird es komisch wirken. Aber wir müssen verdammt noch mal am Kabinett weiterarbeiten."

„Ich werde krank sein", entschied er. „Und dann gehst du hin, trittst kurz in Erscheinung, aber gehst früher, und wir treffen uns im Raum der Wünsche, um am Kabinett zu arbeiten."

„Okay." Hermine schlug ihre Arme auf dem Tisch übereinander und benutze sie als Kissen für ihren Kopf.

„Hey." Draco berührte ihre Schulter. „Bist du okay?"

„Ich bin nur müde", sagte sie ohne den Kopf zu heben. „Wir werden es reparieren und alles wird gut werden, ich bin sicher. Ich wünschte, ich könnte ihn einfach verfluchen. Meinst du, das würde funktionieren? Ich allein? Ich bin so müde. Ich will nur, dass es vorbei ist."

„Wir brauchen einen Fluchtplan, wenn wir es direkt tun", sagte Draco und strich ihr über die Haare. „Aber wenn es dazu kommt, nun, lieber kämpfen wir uns raus, als mit leeren Händen zurückzukehren." Er zog sie vom Tisch weg und stieß sie sanft sie zu einem der Sofas. Er blickte die Zweitklässler, die dort gesessen hatten, finster an, bis sie verschwanden, setzte sich hin und zog sie in seine Arme. „Ruh dich aus, Hermine. Es wird einfacher erscheinen, wenn du nicht so müde bist."

Sie schloss ihre Augen und schmiegte sich an ihn. „Ich sollte arbeiten", murmelte sie, aber sie ließ sich von seinen Händen auf ihrem Haar und dem Geräusch seines Herzens an ihrem Ohr einlullen; nach einer Weile war sie eingeschlafen.

Greg zog einen Stuhl heran und seufzte. „Das Projekt schlaucht euch beide ganz schön", bemerkte er.

„Haben keine Wahl", sagte Draco knapp und schloss selbst die Augen. „Bist du bereit, heute Nachmittag Ausschau zu halten, wenn sie wieder wach ist?"

„Muss ich wieder ein Mädchen sein?", fragte Greg das Gesicht verziehend. „Ich hasse das."

„Aber du bist so niedlich als Mädchen", sagte Draco, die Augen weiterhin geschlossen, aber mit einer Spur seines alten schlangengleichen Lächelns auf dem Gesicht.

„Du mich auch, Arschloch", grummelte Greg, und stand auf. „Ich muss Hausaufgaben erledigen. Sag Bescheid, wenn sie wach ist."

„Werde ich", sagte Draco, und gestatte sich, einfach ihren Atemzügen zu lauschen. „Das werde ich, mein Freund."


Daphne und Hermine hatten entschieden, dass sie einfach mit Luna reden mussten. Ein Gespräch zu viel überhört und…

„Ihr benutzt doch Verhütungszauber, oder?", fragte Hermine erneut, während Luna auf ihrem Bett saß und mit ihrem Zauberstab Kreise durch die Luft zog, die kleine Funken hinterließen.

Daphne blätterte durch ein Muggelbuch. „Luna", fragte sie, „warum sind einige dieser Seiten abgehakt?"

„Solange sich Nollywasdenns um meinen Zervix versammeln, wird es keine Probleme geben", sagte Luna.

„Luna!" Hermine kreischt beinahe. „Du kannst Blaise nicht mit sechzehn zum Vater machen! Nicht Blaise!"

„Er würde das Baby auf den Kopf fallen lassen oder so was", stimmte Daphne zu. Sie hielt das Buch hoch. „Das hier sieht nicht mal angenehm aus."

„Darum ist ein X auf der Seite", stimmte Luna zu. „Das will ich nicht noch mal tun."

„Du hast das getan?" Hermine riss Daphne das Buch aus den Händen und starrte auf die Zeichnung. „Verdammt. Blaise ist gelenkiger als ich dachte." Sie sah Luna an. „Du auch."

„Kommt vom Yoga", sagte Luna. Daphne wirkte verständnislos, und Luna setzte hinzu: „Es ist ein Muggelsport. Sehr spirituell."

Daphne nahm Hermine das Buch wieder weg und sah auf den Einband. „Ja, ich bin sicher, dass es beim Kama Sutra nur um das Spirituelle geht."

„Aah!" Hermine schwankte dazwischen, Luna schütteln zu wollen oder sie beweisen zu lassen, dass sie das wirklich tun konnte. „Du kannst dich nicht auf Nollywasdenns verlassen! Die Vorstellung von Blaise als Vater ist schrecklich!"

„Er wäre siebzehn", sagte Luna selbstzufrieden, auch wenn in ihren Augen Unfug blitzte.

„Was?!" Jetzt war es Daphne, die kreischte.

„Ich meine, wenn man die Schwangerschaftszeit einrechnet, wäre er siebzehn, bis ein Baby da wäre."

„Du hältst sie fest", knurrte Hermine nur halb scherzend, „und ich erledige den Zauber."

„Aber ich habe ihn erledigt. Erledige ihn", sagte Luna.

„Aber… du hast gesagt… Nollywasdenns", stammelte Hermine.

„Verhütungszauber locken Nollywasdenns an", sagte Luna.

Hermine schlug sie mit einem Kissen. „Du hast mir Todesangst gemacht", sagte sie.

„Hast du das hier wirklich gemacht?" Daphne hielt eine Seite mit einem Haken aber ohne X mit einem berechnenden Gesichtsausdruck hoch. „Erzähl mir mehr über dieses Yoga."


„Wo ist Vincent?", knurrte Draco, als sie sich fertig machten, um zum Raum der Wünsche zu gehen und am Kabinett zu arbeiten.

„Nachsitzen", murmelte Greg.

„Oh, um Himmels Willen." Hermine funkelte Greg an. „Kannst du ihn nicht aus Schwierigkeiten heraus halten?"


Hermine war auf dem Weg zu Slughorns Büro für die Weihnachtsfeier. Sie war nicht sicher, ob er Magie verwendet hatte, aber sein Büro war ein ganzes Stück größer als Snapes, was sie um ihres Lieblingslehrers Willen entrüstete. Er hatte grelle Stoffbahnen über die Wände und die Decke drapiert, sodass der Raum ein bisschen wie ein Zelt wirkte. Nun, zumindest sah er aus wie ein grelles Zelt, das von jemandem dekoriert worden war, der mehr Geld als Geschmack besaß. Neben den Schülern des Slug-Klubs hatte er Prominenz eingeladen und die Hauselfen gezwungen, Erfrischungen vorzubereiten und zu servieren.

Die einzigen sozialen Versammlungen, die Hermine in der magischen Welt erlebt hatte, waren von Narzissa Malfoy organisiert worden, die, wenn sie einen Fehler machen musste, die Dinge lieber zu simpel und elegant beließ. Slughorn schien Narzissas Ansichten nicht zu teilen.

Sie blinzelte ein paar Mal über einen Vampir, der bei einem der Gäste herumlungerte, ihm aber nicht näher trat. Harry war da, natürlich, mit Parvati Patil im Schlepptau. „Potter", sagte sie resigniert, als sie näher kamen. „Parvati, du siehst hübsch aus." Das tat sie wirklich. „Ich wünschte, ich könnte einen Sari tragen", sagte Hermine, und das andere Mädchen brüstete sich und drehte sich einmal im Kreis.

„Granger", sagte Harry Potter, sein Ton abgeschnitten und beinahe, aber nicht ganz, höflich. „Wo ist dein böser Handlanger?"

„Krank, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe", sagte sie. „Ich wusste nicht, dass es dich kümmert."

„Tut es nicht", sagte er und sie funkelten sich an, während Parvati vom einen Fuß auf den anderen trat. Endlich bot Potter seinem Date den Arm an und sagte: „Lass uns etwas Punsch holen." Aber bevor sie entkommen konnten, rückte Slughorn ihnen zu Leibe, Snape im Schlepptau, schlang einen Arm um Potters Schultern und dröhnte: „Ich muss Ihnen Anerkennung zollen, Severus. Ich habe noch keinen Schüler mit einem solchen Talent für Zaubertränke wie diesen hier getroffen."

Snape sah Slughorn voller Verachtung und mit etwas Verwunderung an. „Sie reden von Potter?", fragte er nach einem Augenblick, und blickte vom Lehrer zum Schüler, Ungläubigkeit deutlich in seiner Stimme mitschwingend.

„Ja, natürlich, von wem sonst?" Slughorn hickste leicht und strahlte dann Harry an, der wirkte, als würde er nichts lieber tun als zu entkommen.

Snape blickte zu Hermine, die bei der Erinnerung an ihren unterwarteten Rivalen in Zaubertränke die Schultern angespannt hatte, dann zu Potter. „Harry Potter?", fragte er erneut. „Faszinierend, Horace. Ich hatte nie den leisesten Schimmer, dass er überhaupt Talent für Zaubertränke besitzt."

„Angeborenes Talent, Severus. Vielleicht ist es einfach nicht hervor getreten, bis er durch das U.T.Z.-Niveau herausgefordert wurde", sagte Slughorn. „Er erinnert mich an seine Mutter. Ah, Lily Potter, das war eine Hexe, die Zaubertränke beherrschte. Aber niemand, nicht einmal Sie, Severus -"

„Wirklich?", fragte Snape, der Harry Potter mit wachsender Faszination betrachtete.

Hermine blickte von ihrem Mentor zu ihrem Rivalen und begann zu grinsen. Sie war nicht sicher, was genau vor sich ging, aber Snape sah aus, wie wenn er ein kompliziertes Zutatenproblem löste. Einen Moment später allerdings wandte er sich ab, als sei er auf einmal gelangweilt von der ganzen Frage und ohne ein Wort zu Slughorn schlich er zu einem anderen Teil des Zimmers. Sie war selbst in Erscheinung getreten, und so brachte sie ihre eigene Entschuldigung hervor. Ihrem Freund ging es nicht gut, sie fürchtete, dass sie sich auch selbst etwas eingefangen hatte, aber sie hatte vorbeikommen wollen, um ihm für die Einladung zu danken.

Slughorn trat zurück, als er hörte, dass sie krank sein könnte, und akzeptierte ihre Entschuldigung hastig. Potter runzelte die Stirn, aber sagte nichts, als sie aus der Tür hinaus schlüpfte.

Sie war nicht mal zur nächsten Ecke gekommen, als Snape von hinten kam, sie beim Ohr packte, in ein leeres Klassenzimmer zog und die Tür schloss. Draco lehnte an einem der Tische, schmollend und offensichtlich ebenfalls erwischt.

„Was, bitte, habt ihr zwei vor?", sagte Snape, die Stimme leise und spöttisch. „Ihr seid offensichtlich und schludrig und etwa so subtil wie ein Stein. Die Halskette war vollkommen idiotisch. Ungeschickt. Dämlich. Ihr könnt es euch nicht leisten, Fehler zu machen. Wenn ihr von der Schule geworfen werdet -"

„Die Halskette war nicht meine Idee", unterbrach Hermine ihn. „Und wir werden nicht rausgeworfen werden."

„Draco wurde bereits beschuldigt -"

„Von wem?", fragte Hermine. „Potter? Er ist voreingenommen, und alle wissen es. Niemand wird seine Anschuldigungen ernst nehmen und außerdem hatte Draco Nachsitzen bei McGonagall an dem Tag, als Katie Bell die Kette angefasst hat."

Snape schnaubte, aber machte sich keine Mühe, das Alibi auseinanderzunehmen. Hermine funkelte ihn an und trat dann geschockt zurück, als er sie mit Legilimentik angriff. „Das wird nicht klappen", sagte sie.

„Nein", sagte er langsam. „Das sehe ich. Und du wirst natürlich den besten Lehrer gehabt haben." Er rieb sich die Stirn. „Brauchst du Hilfe, du törichtes Kind?"

„Ich … ich glaube nicht", sagte Hermine. „Professor", sie blickte hinab auf ihre Füße, „Sie wissen, warum ich Ihnen damit nicht vertrauen kann."

Er legte eine Hand unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht an. Bevor er etwas sagen konnte, ertönte ein Geräusch vor der Tür, und Draco zeigte dorthin, einen Finger über den Lippen. Snape runzelte die Stirn und wirkte einen schnellen Zauber, den keiner von beiden erkannte. Muffliato, merkte Hermine sich rasch.

Endlich seufzte Snape, lehnte sich vor und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. Draco erstarrte vor Schock über die liebevolle Geste und sogar Hermine verstummte. „Du kannst mir vertrauen, Kind", sagte er.

„Aber… Lily", sagte sie, sehr leise.

„Ist tot", sagte Snape. „Und du bist es nicht. Und mir wäre es lieber, wenn das so bleibt."

Trotzdem schüttelte sie den Kopf. „Wir müssen diejenigen sein, die es tun. Er muss mir vertrauen."

Snape stand da wie erstarrt und sah sie an.

„Was mussten Sie tun, damit er Ihnen auch nur ein wenig vertraut hat?", wollte Hermine wissen.

„Schreckliche Dinge", sagte Snape leise. „Dinge, von denen mir lieber wäre, dass du sie nie erleben musst."

„Ich werde dieses hier erleben", sagte sie.

„Dann musst du vorsichtiger sein", betonte Snape und trat etwas zurück. „Du wurdest bereits verfolgt, als du heute die Feier verlassen hast, erst von mir, dann von -" Er deutete auf die Tür. „Geht zurück zu euren Zimmern und seid die kranken Kinder, die ihr vorgebt zu sein." Er hob den Zauber und sprach weiter: „Ich bin zutiefst entrüstet über Sie beide, dass Sie nachts für irgendwelche jugendlichen Belustigungen herumschleichen. Bändigen Sie Ihre niederen, hormonellen Triebe und gehen Sie sofort zurück zu Ihren Räumen – Ihren getrennten Räumen. Nein, Miss Granger, ich denke, Sie hatten genug Zeit heute Nacht bei der Feier, und Draco Malfoy, was würde Ihr Vater sagen, wenn er wüsste, dass Sie sich so schlecht benehmen?"

Snape griff diesmal Draco am Ohr, riss die Tür auf und stieß den Jungen in den Flur. Hermine folgte und schenkte dem Professor einen nur zum Teil gespielt schmollenden Blick.


Weihnachten kam, und wieder ging Hermine zu den Malfoys. Bella begrüßte sie an der Tür und betrachtete Hermine mit einem höhnischen Blick, bevor sie Draco erst auf die eine, dann die andere Wange küsste. „Neffe", sagte sie, „ich sehe, dass du das da immer noch nicht losgeworden bist."

„Es ist auch schön, dich zu sehen, Tante", schnappte Draco und zog seinen Koffer in den Flur. „Hast du überhaupt eine Haarbürste?"

Narzissa trat an Bella vorbei, um ihren Sohn zu begrüßen und dann auch Hermine zu küssen. „Theo wird bald hier sein", sagte sie, „auch wenn Daphne die Ferien mit ihrer Familie verbringen wird."

„Vielleicht wäre es ihrer Familie lieber, wenn sie sich nicht mit Abschaum abgeben würde", sagte Bella, die sie auf der Stelle drehte. Sie hörte auf, sah Hermine direkt an und gackerte.

„Verdammte Irre", murmelte Draco leise, bevor er mit geheuchelter Höflichkeit fragte: „Wird dein Ehemann uns über die Feiertage Gesellschaft leisten, Tante Bella?"

„Rodolphus ist bereits hier", sagte Narzissa ohne die Spur einer Rüge in der Stimme, auch wenn ihre Augen Hermine eine Warnung sandten. „Er und Rabastan befinden sich gerade in einem Treffen mit dem Dunklen Lord, aber ihr werdet sie beim Abendessen sehen."

„Ich kann es kaum erwarten", sagte Draco.

„Wir sind seine treusten Anhänger", sagte Bellatrix mit leuchtenden Augen.

„Ich bin sicher, dass er eure zahlreichen Opfer zu schätzen weiß", sagte Hermine. „Draco, würdest du mich zu unserm Salon begleiten? Ich würde vor dem Abendessen gerne ein bisschen lesen; deine Mutter hat mir geschrieben, dass sie Material herausgelegt hat, das uns bei unserem Projekt helfen könnte."

„Natürlich." Er bot ihr seinen Arm an und führte sie die Treppe hoch, während Bellatrix hinter ihnen kicherte.

Hermine warf sich auf das Sofa, sobald die Tür hinter ihnen geschlossen war, und stöhnte. „Diese Frau wird mich noch so verrückt machen, wie sie selber ist."

„Das Abendessen sollte erfreulich werden." Draco ließ sich auf einen Stuhl fallen und schob seinen Ärmel hoch, um sein Mal anzustarren. „Ich glaube, ich würde Potters anklagende Blicke und Weasleys ständig verwirrtes Grinsen Bella und ihrem liebreizenden Ehemann vorziehen."

Sie reichten Bücher hin und her und diskutierten Dinge, die bei der Reparatur des Kabinetts funktionieren könnten, bis Theo ankam. Er öffnete die Tür, warf sie hinter sich zu und lehnte sich mit weit aufgerissenen Augen mit dem Rücken gegen das Holz.

„Ich glaube, ich habe gerade Rabastan getroffen", sagte er. „Er hat versucht, eine Fliege oder so was im Flur zu fangen. Mit seinem Mund."

„Hat er sie gekriegt?", fragte Draco ohne von seinem Buch aufzusehen.

„Da war nichts da", sagte Theo. „Er lässt deine Tante ziemlich rational wirken, Draco."

„Verdammt noch mal", sagte Hermine und schlug ihr Buch zu. „Und das sind die Typen, die in der Bewegung als ‚am treuesten' gelten? Kein Wunder, dass ihr Leute es beim ersten Mal verpatzt habt."

„Hey." Theo hob die Hände und wirkte beleidigt. „Ich war ein Baby, als der letzte Versuch gescheitert ist. Du kannst mir nicht die Schuld geben."

„Ich werde so tun, als hätte Askaban eine Nummer mit ihnen abgezogen", murmelte Hermine, „weil das netter ist als zuzugeben, dass ihnen wahrscheinlich schon ein paar Schrauben gefehlt haben, bevor sie Zeit mit den Dementoren verbracht haben."

Sie stand auf und streckte sich, und Theo kam herüber und umarmte sie. „Wie geht es dir mit diesen… Leuten?", fragte er.

„Bis jetzt haben wir uns einfach hier versteckt", gab sie zu. „Bella hat einen Kommentar über Abschaum losgelassen, zusammen mit ihren üblichen Blicken und ihrem Kichern. Den Lestrange-Männern bin ich noch nicht begegnet."

„Fliegen", sagte Theo schaudernd. „Unsichtbare Fliegen."

Das Abendessen war vorhersehbar angespannt. Tom Riddle hielt an einem Ende des Tisches Hof, wo er mit Narzissa und Hermine scherzte, während Bella mit wachsendem Zorn zusah. Theo und Draco saßen in der Mitte mit festgewachsenen Lächeln auf den Gesichtern, um nicht verängstigt zu wirken darüber, wie Hermine mit einer Kombination aus Frechheit und Respekt zu Riddle sprach, der davon eingenommen schien. Rodolphus und Rabastan redeten Kauderwelsch an ihrem Tischende, schlugen auf Dinge in der Luft, die nur sie sehen konnten, und kicherten in regelmäßigen Abstanden gequält auf.

Askaban hatte sich nicht positiv auf ihre Tischmanieren ausgewirkt. Wenigstens benutzte Bellatrix noch ein Messer, um ihr Fleisch zu schneiden.

Riddle sah nur einmal zu ihnen hinüber und rieb sich dann, wie es schien in resignierter Verärgerung, die Stirn, bevor er sie für den Rest der Mahlzeit ignorierte.

Als Hermine Riddle eine Frage über einen Zauber stellte, den sie gesehen hatte – einen, der das Herz und die Lungen des Opfers pulverisierte – unterbrach Bella sie auf einmal mit: „Niemand schert sich um deine dämlichen Fragen, Schlammblut."

Riddle blickte zu ihr, und sie brüstete sich unter seiner Aufmerksamkeit, bis sie seinen Gesichtsausdruck bemerkte. „Bella", sagte er nur, aber sein Tonfall war kalt und düster; war ein blutbeflecktes Messer, das an einem Wetzstein geschärft wurde.

Hermine, die sich einen Moment zuvor mit funkelnden Augen zu Riddle gelehnt hatte, schreckte in ihren Stuhl zurück. Theo und Draco, schon vorher steif und nervös, erstarrten komplett auf ihren Plätzen. Narzissa nippte an ihrem Weinglas und betrachtete die Konfrontation mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen.

Die Lestrange-Brüder schienen nicht zu bemerken, dass irgendetwas geschah.

„Ich bin Eure Treuste", bettelte Bella beinahe. „Das bin ich, mein Herr."

„Komm her, Bella", sagte Riddle und sie erhob sich von ihrem Stuhl und trat auf ihn zu. Sobald sie in Reichweite war, ergriff er ihre Kehle und drückte sie hinunter auf ihre Knie, während sie nach Luft schnappte. Ohne seinen Tonfall zu ändern, sagte Riddle: „Mir ist klar, dass du lange Zeit im Gefängnis warst, und es wahrscheinlich nicht leicht war, dich an die Nettigkeiten der Etikette zu erinnern, während du Brei in einer Zelle gegessen hast, aber wir sind beim Abendessen, und ich erwarte, dass du dich zivilisiert benimmst."

Bella japste, als sie Luft zu holen versuchte. Riddle betrachtete sie, keine Veränderung in seinen dunklen Augen, und als sie endlich in seinem Griff zusammen sank, warf er sie zu Boden. „Ich bin nicht interessiert an deiner Treue, Bella, nur daran, wie sie mir nutzt. Bring mir Rekruten. Infiltriere das Ministerium. Tu zur Abwechslung mal etwas Nützliches. Sitz nicht einfach rum und beleidige Miss Granger, während du mit deiner nutzlosen Treue prahlst."

„Was hat sie getan?", keuchte Bellatrix. „Sie hat nichts getan, mein Herr. Sie ist ein dummes Schulmädchen."

Riddle wandte sich zu Hermine und sagte, die Stimme noch immer kalt und düster: „Nun. Was hast du getan?"

Hermine schluckte und sagte, ihre Stimme klein und leise: „Wir haben weiter daran gearbeitet, das Kabinett zu reparieren, mein Herr, damit wir Eure Todesser nach Hogwarts bringen können und -"

„Nichts!", rief Bella triumphierend. „Sie hat nichts erreicht!"

„- und wenn wir das bis zum Ende des Schuljahrs nicht erreicht haben, dann werde ich es selbst ohne Verstärkung tun, obwohl ich die Flucht wahrscheinlich nicht überleben werde", fuhr Hermine fort, die Bellas Unterbrechung nur mit einem leichten Anstieg in der Lautstärke würdigte.

„Wie?", fragte Riddle, die Augen glänzend, als er sie beobachtete.

Hermine berührte ihre Halskette. „Es hat das gesehen, mein Herr, als er bei Umbridges Machtübernahme geflohen ist. Er hat gesehen, was es wirklich war."

„Interessant", sagte Riddle.

„Ich werde zu seinem Büro gehen und erklären, dass ich meine Fehler eingesehen habe, ihn anflehen, dass er mir hilft, mich versteckt. Und wenn ich dann schluchzend in seinem Büro sitze, werde ich ihn betäuben und dann töten."

„Er wird deine Gedanken lesen, du dummes Mädchen", sagte Bella, die noch immer auf dem Boden lag. „Er wird wissen, dass du lügst."

Hermine runzelte die Stirn und hob ihr Weinglas, wobei sie mit großer Willensanstrengung das Zittern ihrer Hand unterdrückte. „Nein, wird er nicht", sagte sie und nahm einen Schluck. „Ich hatte das Glück, dass der beste Legilimentiker, den die Welt je gesehen hat, mir Okklumentik beigebracht hat. Dumbledore wird vielleicht misstrauisch sein, weil er mich nicht einfach lesen kann, aber ich habe hart daran gearbeitet, dass die Mauern wie ein natürliches Hindernis wirken und nicht wie ein magisches."

„Lügnerin", sagte Rabastan, auch wenn nicht ganz klar war, ob es als Antwort auf das Gespräch gemeint war.

„Nein." Riddle lehnte sich zurück, wieder amüsiert wirkend. „Sie ist eine hoffnungslose Legilimentikerin. Ich bezweifle, dass sie die Gedanken eines sexbesessenen Fünfzehnjährigens lesen könnte, aber sie ist sehr gut darin, ihre Gedanken zu verbergen."

Draco zuckte bei der Erwähnung der sexbesessenen jugendlichen Jungen, aber er sagte nichts.

„Also", sagte Riddle, und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Hermine zu. „Du würdest sterben, um mein Dumbledore-Problem zu lösen?"

„Ich würde es lieber nicht tun", sagte Hermine und zwang das diplomatische Lächeln zurück auf ihr Gesicht. „Aber ich werde die Aufgabe, die Ihr mir und Draco aufgetragen habt, erfüllen, mein Herr, egal zu welchem Preis."

„Ich würde auch für Euch sterben", kreischte Bella jetzt vom Boden hoch.

„Und ich bin sicher, dass du, bevor das alles hier zu Ende ist, die Chance dazu bekommen wirst", sagte Riddle. „Oder, Hermine?"

„Wenn mein Herr das wünscht", zögerte Hermine.

„Natürlich nicht, bis du die Gelegenheit hattest, für mich zu töten." Er hielt sein Glas empor und Narzissa füllte es, ohne etwas zu sagen. „Alles in der richtigen Reihenfolge, findest du nicht, Narzissa?"

„Ich würde mir nie anmaßen, dir zu widersprechen", sagte Narzissa, als sie die Flasche abstellte. „Steh auf, Bella, bevor die Elfen denken, dass du Müll bist, und versuchen, dich davon zu räumen."


Riddle betrachtete die Berichte, die Bellatrix ihm gegeben hatte, ihren nutzlosen, plappernden Ehemann und seinen genauso nutzlosen Bruder, die hinter ihr standen. War es zu viel verlangt, dass Menschen wenigstens ein Mindestmaß an Kompetenz erbrachten? Er verlangte keine Genialität, nur grundlegende, alltägliche Funktionalität.

Er schaute die selbstgefällige Frau vor ihm kritisch an, die eindeutig erwartete, dass er sie für diesen neusten Anfall Dummheit lobte, und überlegte, dass so wie die Dinge jetzt standen, er sie nicht einmal anheuern würde, um Eiscreme zu verkaufen.

Apropos Eiscreme…

„Ihr habt mir einen Eisdielenbesitzer und einen Zauberstabmacher gebracht?", fragte er, die Stimme vollkommen ausdruckslos. „Und Neuigkeiten, dass das Ministerium eine Reihe falscher Verhaftungen durchgeführt hat?"

„Ja, mein Herr", sagte sie und tanzte fast auf der Stelle.

„Bella", seufzte er. „Du warst früher so… liebreizend. So… zurechnungsfähig." Er schloss die Augen. „Was genau, denkst du, dass ich zu tun versuche? Ich will, dass du sehr scharf nachdenkst und versuchst, dich zu konzentrieren."

„Ich… Muggle zu töten, mein Herr?"

Tom Riddle widerstand dem Drang, aufzustehen und die Frau auf der Stelle zu erwürgen. Es hatte schließlich schon beim letzten Mal nicht geholfen.

„Was denkst du, gewinne ich, wenn ich Muggel töte? Nur weil das ein völlig angemessenes Hobby sein mag, ist es nicht das letztendliche Ziel. Und, du nervtötend dämliche Frau, selbst wenn das mein Ziel wäre, wie sollte mir ein verdammter Eisdielenbesitzer in meinem Keller dabei helfen?"

„Ich… ich weiß nicht, mein Herr", stammelte sie.

„Lass es mich dir einfach darlegen, meine Liebe." Riddle sah Bella an und fragte sich, wie und wann Hermine sie töten würde. „Ich will Macht. Ich will, dass Dumbledore stirbt, weil er die einzige Person ist, die meiner Machtergreifung im Weg steht. Ich will leben, und darum will ich, dass Potter stirbt, weil er, falls diese halb-gehörte Prophezeiung stimmt, der einzige Mensch ist, der mich töten kann. Er ist der Mann, der nicht vom Weib geboren, verstehst du mich?"

„Ich dachte seine Mutter wäre das Schlammblut Lily Potter", sagte Rabastan, und Riddle holte tief Luft und schloss die Augen

Seine Personalprobleme hätten längst einen Herzinfarkt verursacht, wäre er nicht unsterblich. Die nächste Generation musste das Mal erhalten, und zwar bald. Er konnte einfach nicht länger mit diesen Leuten arbeiten. Böse war die eine Sache. Unmoralisch, abstoßend und böse, damit hatte er kein Problem. Dummheit dagegen war unerträglich.

War es wirklich so viel verlangt, dass diese Leute mit ihm mithielten? Narzissa hatte keine Probleme damit. Hermine schaffte es, und sie war nur eine verdammte Jugendliche. Sogar Notts Junge, auch wenn er in seiner Gegenwart in einem ständigen Zustand des starren Entsetzens zu verharren schien, konnte ihm folgen.

Was ihn daran erinnerte, dass er den Rest seiner Leute so schnell wie möglich aus Askaban holen musste, bevor sie so nutzlos wurden wie die Idioten vor ihm. Zumindest waren die Dementoren nicht mehr dort, sodass er hoffen konnte, dass Nott und Malfoy und die anderen halbwegs funktional blieben.

„Ja, Rabastan, seine Mutter war Lily Potter", sagte Riddle schließlich. „Und sobald ihr frustrierend effektiver Blutschutz ausläuft, werde ich ihn töten, und dann werden wir das Ministerium übernehmen."

Er hielt inne.

„Vielleicht übernehmen wir das Ministerium zuerst", sinnierte er. „Aber ich muss Dumbledore wirklich aus dem Weg räumen, bevor das passieren kann. Ich werde deinen Neffen, Bellatrix, als meinen Marionetten-Minister einsetzen, mit seiner muggelstämmigen Frau, die er so offensichtlich vergöttert, und -"

Er unterbrach sich, als Bellatrix eine Art röchelndes ‚Gack'-Geräusch von sich gab.

„Du hast eine Bemerkung?", fragte er mit höflicher Stimme.

Bella knurrte förmlich. „Sie sind nicht verheiratet."

Tom Riddle zuckte die Schultern. „Ein nebensächliches Detail, das einfach zu beheben ist, sobald sie die Schule verlassen." Er lächelte sie an, ein gemeines, belustigtes Lächeln. „Vielleicht kannst du die Trauzeugin sein."

„Ich würde eher sterben", murmelte sie.

„Das ist auch eine Möglichkeit", sagte Riddle mit ehrlicher Gleichgültigkeit.

„Ihr könnt ihn das Schlammblut nicht heiraten lassen", zischte Bella.

Riddle sah sie einen Moment lang an. „Ich bin neugierig, wie du vorhast, mich davon abzuhalten", sagte er schließlich. „Selbst die ältesten Stammbäume, Bellatrix, können schwach werden. Ein Transplantat kann… Dinge verstärken. Kann auf jeden Fall die öffentliche Ansicht verstärken, dass die Todesser-Bewegung offen ist für alle und… einladend." Er genoss das letzte Wort, als sei es ein Stück feiner, dunkler Schokolade.

„Aber… wir sind nicht offen für alle", protestierte Bella.

Tom machte sich die mentale Notiz, dass, sollte Bellatrix wider Erwarten die nächsten paar Monate überleben, sie nicht die Verantwortung für Propaganda oder Öffentlichkeitsarbeit erhalten würde.


Rabastan und Rodolphus Lestrange wechselten ständig zwischen Phasen der Kohärenz und des Wahnsinns hin und her. Im Wahnsinn wanderten sie umher, schlugen nach Dingen, die nicht da waren, und zitterten, was schon schlimm genug war. In der Kohärenz aber waren sie schlimmer. Es war klar, dass nur die deutliche Warnung ihrer Halskette, dass Tom Riddle jeden, der Hermine anfasste, töten würde, sie davon abhielt, sie zu Tode zu foltern, und diese Warnung hinderte sie nicht daran, sie verbal zu beschimpfen. Beim Frühstück, wenn sie ihr in den Fluren begegneten und in den Gärten hielten sie einen ständigen Strom lüsterner Beleidigungen aufrecht. Sie fingen mit Schlammblut an, und als niemand sie dafür zurecht wies, gingen sie zu Andeutungen darüber über, was sie ihr antun würden, sobald Riddle seinen Schutz von ihr nahm. Riddle beobachtete sie, beobachtete Hermine, und schien darauf zu warten zu sehen, wie das Ganze enden würde.

Die Lestranges waren kreativ, spezifisch und detailliert in ihren Drohungen. Sie waren außerdem klug genug, zumindest ein paar Tage lang, sicher zu gehen, dass weder Draco noch Theo sie hörten. Hermine biss die Zähne zusammen und vergrub sich in Recherchen; sie schien sich entschieden zu haben, die beiden einfach zu ignorieren, bis sie zur Schule zurückkehrte.

Dann hörten Draco und Theo die Brüder, als sie um eine Ecke kamen. Sie hatten Hermine im Flur aufgehalten und schilderten präzise all die Dinge, die sie ihrem cleveren Schlammblutmund antun würden, damit sie sich ihrer Stellung bewusst wurde. Draco erstarrte und sein Körper verkrampfte sich mehr und mehr, während Theo murmelte: „Wir können sie nicht einfach töten, nicht ohne Erlaubnis."

Hermine unterbrach die Ausführungen der Lestranges schließlich mit: „Ihr langweilt mich. Denkt euch was Neues aus und geht mir aus dem Weg." Draco hörte, wie sie eine Tür hinter sich zuschlug und er und Theo wechselten einen Blick.

Zehn Minuten später hatten sie eine Audienz ersucht und gestattet bekommen.

„Lasst mich sie töten", bettelte Draco. „Sie sind kaum bei Verstand -"

„Sie sind überhaupt nicht bei Verstand", murmelte Theo.

„- und sie sind eine Belastung."

Riddle legte seine Finger dachförmig zusammen, lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und betrachtete die beiden Jungen vor ihm. „Nun", sagte er. „Es wird langsam Zeit, dass ihr zwei etwas Initiative zeigt. Macht Narzissas Teppiche nicht blutig."


Das letzte Frühstück bevor die Jugendlichen zurück zur Schule mussten, war als großes Buffet aufgebaut, und Hermine sah sich verwirrt um, als sie in den Raum kam. Dass die Lestrange-Brüder seit ein paar Tagen mysteriöserweise verschwunden waren, war etwas, das sie nicht kommentiert hatte, obwohl Theo bemerkt hatte, dass Draco am Tag, nachdem sie das verrückte Duo getötet hatten, ziemlich ehrfürchtig ausgesehen hatte.

Anscheinend hatte Hermine entdeckt, was sie getan hatten, und einen Weg gefunden, Draco zu danken, den er sehr gemocht hatte.

Der Grund für das Buffet wurde ersichtlich, als Marcus Flint herein kam und ein wenig übel wirkte. Er nahm sich einen Teller aber nur ein einziges Stück Toast, setzte sich an den Tisch und schenkte sich, hart schluckend, eine Tasse Tee ein.

Hermine sah ihn an und sagte mit zögerlicher Stimme: „Marcus? Bist du…"

Er nickte.

„Kann ich es sehen?", fragte sie, und er krempelte seinen Ärmel vorsichtig hoch, in der Erwartung, dass der Schmerz zurückkommen würde. Sie sah das Mal an. „Herzlichen Glückwunsch", sagte sie und er schauderte.

„Ich erinnere mich, wie Draco es erhalten hat", sagte sie leise. „Kann ich dir etwas bringen?"

Er schüttelte den Kopf. „Es.. es tut nicht mehr wirklich weh", sagte er. „Ich bin nur… es war… es hat länger gedauert, als ich erwartet hatte."

Sie ging um den Tisch, küsste ihn auf die Wange und er betrachtete den Anhänger um ihren Hals. „Verdammt", sagte er nur.

Als Adrian Pucey eintrat, beorderte Hermine ihn auf einen Stuhl. „Lass mich dir einen Teller holen", sagte sie. Er wurde leicht blass und sie fügte hinzu: „Nur Toast, versprochen."

„Danke, Hermine", murmelte er.

„Wie viele von euch sind hier?", fragte sie, als sie ihm den Teller hinstellte und ihm einen Tee eingoss. „Zucker?", fragte sie.

„Bitte", antwortete er. „Nur vier, soweit ich weiß."

Sie wollte gerade nach den anderen beiden fragen, als Cassius Warrington und Graham Montague hereinkamen, die beide blass aussahen. Sie löffelte etwas Zucker in Adrians Tasse und rührte um, bevor Montague sie fest umarmte, ohne auf seinen frisch markierten Arm zu achten. „Ich hatte nie die Gelegenheit, mich bei dir zu bedanken", sagte er. „Ich habe mit Draco gesprochen, aber nicht mit dir. Pomfrey hat mir erzählt, dass du in den Krankengeflügel gestürmt bist, als ich noch ohnmächtig war. Sie hat gesagt, dass du wusstest, dass ich in das Kabinett gesteckt worden war, und das hat ihr die Informationen gegeben, die sie brauchte, um mich zu behandeln. Ich könnte in St. Mungos sitzen und vor mich hin sabbern, wärst du nicht gewesen."

Sie erwiderte die Umarmung. „Diese verdammten Weasleys", sagte sie. „Wer tut so etwas und erzählt es nicht mal jemandem? Und sie sagen, wir wären die Bösen?"

Er schnaubte. „Blutsverräter und Arschlöcher."

„Setz dich", sagte sie. „Ich hole dir einen Teller."

„Du musst uns nicht bedienen", sagte Cassius und ging auf den Buffettisch zu, aber sie funkelte ihn mit solcher Entschlossenheit an, dass er zurücktrat.

„Ich würde mich nicht dran gewöhnen", sagte sie, „aber der erste Tag, nachdem ihr das Mal bekommen habt? Ich glaube, ihr habt es verdient, verwöhnt zu werden."

Draco kam herein und schlang einen Arm um sie. „Ich würde tun, was sie sagt. Sie ist furchteinflößend, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat."

Als sie sich alle gesetzt hatten, wobei die neuesten Todesser bleich auf ihr Toast blickten, hob sie ihren Saft und sagte: „Auf die nächste Generation; mögt ihr – mögen wir – vollbringen, was unsere Älteren nicht geschafft haben."