Am Anfang des neuen Halbjahrs – als sie sich wieder an das Problem des Verschwindekabinetts machten – gab es eine erfreuliche Überraschung: eine Mitteilung war ans Schwarze Brett des Gemeinschaftsraum gehängt worden, dass alle Schüler, die bis zum 31. August siebzehn wurden, sich für den Apparierkurs anmelden konnten. Hermine war sich nicht sicher, ob sie wegen des Kabinettproblems die Zeit wirklich entbehren konnte, aber in der Lage zu sein, von Hogwarts weg zu apparieren, sobald sie die Ländereien verlassen hatten, war zu nützlich, um es nicht zu lernen.
Sie trug sich in die Liste ein und ignorierte den bohrenden Gedanken, dass sie den Kurs zusammen mit Weasley und Potter würde nehmen müssen.
Natürlich waren die auch in ihren Zaubertränke-Stunden, die weiterhin unerträglich waren. Wie war es möglich, dass Potter bei jedem Trank, den sie brauten, überragend war, während sie so viele Stunden im Privatunterricht mit Snape verbrachte und kaum mithalten konnte?
An dem Tag, an dem sie Gegenmittel für Gifte herstellen sollten, ging sie hinterher zurück zum Gemeinschaftsraum und weinte, während Theo, Blaise und Draco hilflos zusahen. Slughorn hatte gefragt, was Golpalotts drittes Gesetz war, und sie hatte es natürlich gewusst. Das Gegenmittel für eine Giftmischung ist mehr als die Summe der Gegengifte für jeden einzelnen Bestandteil. Slughorn hatte sie gelobt, ihr zehn Punkte für Slytherin gegeben, und hatte dann eine langwierige aber interessante Erklärung über das Brauen von Gegengiften begonnen.
Es war offensichtlich gewesen, dass niemand in der Klasse außer ihr ihm folgen konnte, und sie hatte gedacht, dass sie Potter endlich – endlich – vorführen können würde, dass sie Slughoren zeigen könnte, dass sie mehr war als ein wandelndes Lexikon, sondern eine talentierte Trankbrauerin. Sie hatte gebraut und die Zauber gewirkt – natürlich stumm – und ihr Gegengift war genial. Es war tatsächlich verdammt genial und sie war so aufgeregt, so begierig darauf, Lob zu erhalten, und sie dachte, dass Slughorn im Lehrerzimmer vielleicht dieses Mal von ihr sprechen würde, erzählen würde, wie genial sie war und nicht der dämliche Potter.
Okay, sie war nicht fertig geworden, aber sie war hervorragend vorangekommen und sie wusste, dass es funktionieren würde. Wusste es. Und Slughorn würde das auch.
Merlin, sie konnte es kaum erwarten.
Vielleicht würde Snape sogar etwas sagen, etwas, das sie wissen lassen würde, wie stolz sie ihn gemacht hatte. Dass sie keine Zeitverschwendung für ihn war. Dass sie ihn vor einem Kollegen hatte gut aussehen lassen.
Als die Zeit um war, ging Slughorn durch den Raum. Er gab ihrem halbfertigen Gegengift ein Nicken und ein Lächeln. Er verzog das Gesicht über Weasleys stinkende Masse und würgte beinahe. Aber als er Potter erreichte, kam das Stirnrunzeln nicht, kam die Erkenntnis nicht, dass Potter es einfach nicht schaffen konnte.
Stattdessen hatte Potter seine Hand ausgestreckt und Slughorn hatte zu lachen begonnen. „Sie sind mir ja einer", rief er lachend. „Ein Bezoar würde sicherlich funktionieren, mein Junge." Er hielt den kleinen braunen Klumpen hoch, damit die Klasse ihn sehen konnte. „Das nun", sagte er, „ist der Geist eines wahren Meisters der Zaubertränke. Intuitiv. Instinktiv. Genau wie Ihre Mutter, mein Junge, genau wie Ihre Mutter." Er schlug Potter mit einem weiteren Lachen auf den Rücken. „Zehn Punkte für Gryffindor für den schieren Nerv!"
Ihr war nicht klar gewesen, dass es möglich war, jemanden so sehr zu hassen, wie sie Potter in dem Moment hasste.
„Was zur Hölle hast du getan?", zischte Hermine Draco zu. Er blickte störrisch zurück. „Oh, versuch nicht mal so zu tun, als hättest du nichts damit zu tun gehabt", sagte sie. „Ron Weasley vergiftet? Verdammter Merlin auf einem kaputten Besen, hast du den Verstand verloren? Der nutzlose Idiot ist im Krankenflügel und… was hast du dir dabei gedacht?"
Draco war in seinem Stuhl zusammen gekrümmt, die Haut grau und dunkle Schatten unter den Augen. Die Arbeit am Kabinett war nicht gut gelaufen und sie waren beide müde und gereizt. „Ich habe versucht, es zu beenden", murmelte er. „Ich hatte Slughorn die blöde Flasche vor Weihnachten untergejubelt. Er sollte sie Dumbledore geben, nicht sie mit einem Schüler teilen."
„Wieso stehst du so sehr auf Pläne, die sich darauf verlassen, dass andere Leute genau das tun, was du gerne hättest?", fragte Hermine. „Zuerst die Halskette und jetzt das. Hör auf – hör einfach auf – mit dem ganzen Scheiß. Wir reparieren das Kabinett. Wir stürmen den Turm. Wir töten den alten Mann mit einem halben Dutzend als Verstärkung hinter uns, und dann verschwinden wir so schnell wie möglich. Das ist ein guter Plan. Das ist ein einfacher, simpler Plan; Überraschung plus überwältigende Kraft gleich Erfolg. Diese 'ich bringe jemand anderen dazu, ihm eine Sache zu geben, und aus irgend einem obskuren Grund wird er mit der Sache genau das tun, was ich will'-Pläne sind idiotisch."
„Dann geh doch los und reparier das Kabinett, wenn du so schlau bist", blaffte er sie an.
„Von mir aus, das werde ich", blaffte sie zurück. „Vincent", rief sie aus und der Junge, der so getan hatte, als würde er ihren Streit nicht hören, stand mit schwerem Widerwillen von seinem Stuhl auf.
„Scheiße, muss ich wieder ein Mädchen sein?", fragte er. Hermine sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an und mit einem müden Seufzen streckte er die Hand nach dem Vielsafttrank aus.
Beim nächsten Quidditchspiel war Weasley noch immer im Krankenflügel. Draco stahl sich davon, Greg und Vincent im Schlepptau, um es wieder mit dem Kabinett zu versuchen. Hermines Drohung, dass sie es einfach direkt ohne Unterstützung versuchen würde, machte ihm Angst – die Wahrscheinlichkeit, dass sie dabei sterben würde, schien ziemlich hoch – was bedeutete, dass er noch ein Quidditchspiel ausließ.
„Behalt sie im Auge", hatte er Blaise auf dem Weg aus dem Gemeinschaftsraum zugemurmelt. „Ich will ein paar Dinge ausprobieren, während sie nicht da ist."
„In Ordnung", hatte der Junge genickt. Er hatte Hermine einen Pullover zugeworfen und gesagt: „Es ist wie in alten Zeiten, Süße. Du und ich und Quidditch."
„Wo ist Draco?", fragte sie, sofort misstrauisch.
„Kabinett", erwiderte er knapp. „Und ich soll dich von ihm fern halten."
Sie seufzte. „Wo ist Luna?"
„Würdest du glauben, dass sie gebeten wurde, für das Spiel den Stadionsprecher zu geben?", fragte Blaise und lachte über Hermines ungläubigen Blick. „Nein, wirklich."
„So lange sie nicht über Nollywasdenns redet", murmelte Hermine.
„Nolly was?", fragte Blaise, als sie sich auf den Weg zu den Tribünen machten.
„Also ob du das nicht wüsstest", sagte Hermine nur.
„Letzte Woche ist Ginny Weasley in Smith reingeflogen", sagte Luna, „und da ist er mit dem Quaffel. Ich frage mich, ob sie mit Absicht in ihn reingeflogen ist? So hat es jedenfalls ausgesehen, und er war ziemlich unhöflich, also würde ich es ihr nicht verübeln, wenn sie das getan hätte. Ich frage mich, ob er diese Unhöflichkeit bereut, jetzt, wo er gegen Gryffindor spielt? Oh, seht, er hat den Quaffel verloren. Nun, manchmal wirkt Karma halt… oh, der Hufflepuff-Spieler, der heute Morgen seinen Saft verschüttet hat, hat jetzt den Quaffel. Ich kann mir nie seinen Namen merken. Bibble oder Buggins oder…"
„Cadwaller", zischte Professor McGonagall.
„Professor McGonagall sagt, sein Name ist Cadwaller, und ich schätze, sie muss es wissen, obwohl ich den Namen Bibble auch ganz schön finde."
„Sie ist wundervoll", sagte Hermine zu Blaise, der nur grinste. „Nein, wirklich", sagte Hermine und haute ihm auf den Arm. „Das sind die besten Kommentare, die ich je gehört habe."
„Harry Potter scheint sich mit seinem Hüter zu streiten. Nicht seinem normalen Hüter natürlich, weil Ron Weasley noch im Krankenflügel ist, nachdem er vergifteten Wein getrunken hat, den er wirklich nicht in die Schule hätte bringen sollen, weil er minderjährig ist, und ich schätze, dass wenn man Wein in der Schule trinkt, man verdient, was man bekommt. Ich frage mich, warum Harry Potter mit seinem Hüter streitet. Denkt ihr, es könnte ein schlauer Trick sein, um den anderen Sucher abzulenken? Hat sonst noch jemand bemerkt, dass die Wolke direkt über den Torringen ein bisschen wie ein fliegender Dachs aussieht? Ich schätze, das könnte ein gutes Zeichen für Hufflepuff sein, oder nur ein zufälliges Wolkengebilde, das überhaupt keinen vorhersagenden Wert besitzt. Trotzdem, es ist ganz hübsch anzusehen, und es scheint sehr viel entspannter zu sein als Zacharias Smith, der es bisher nicht geschafft hat, den Quaffel für mehr als eine Minute am Stück zu behalten, und ich muss fragen, ob er dieses Spiel wirklich gut kann. Vielleicht leidet er am Verlierer-Zipperlein?"
„Siebzig zu vierzig für Hufflepuff", bellte McGonagall.
„Was, schon?", sagte Luna mit heiterer Stimme, „Das ist ein hübscher Stand, finden Sie nicht? Oh, seht mal, der Hüter von Gryffindor hat das Schlagholz von einem Treiber in der Hand. Das ist interessant."
Der Ersatzhüter hatte tatsächlich ein Schlagholz, das er benutzte, um den Klatscher direkt auf Harry Potter zu schlagen.
Hermine zuckte zusammen und verbarg ihr Gesicht in Blaises Schulter, als der Junge von seinem Besen fiel und vom Feld zum Krankenflügel getragen wurde.
„Du wirst ein bisschen weniger empfindlich werden müssen", sagte er leise.
„Ich hasse Quidditch einfach", sagte sie leicht verlegen.
Greg war über seinen Aufsatz gebeugt und fast am Weinen. „Ich hasse die Schule", murmelte er schließlich und schob ihn von sich weg. „Wir alle wissen, was ich mit meinem Leben machen werde, und das wird nicht sein, verdammte Ausätze zu schreiben."
„Lass mich das sehen", sagte Hermine und zog das Pergament zu sich hinüber. Sie las es und seufzte. „Deine Ideen sind gut", sagte sie anschließend. „Deine Rechtschreibung ist schrecklich. Gib mir ein sauberes Blatt."
Er reichte ihr eines und sah mit offenkundiger Dankbarkeit zu, wie sie den Aufsatz abschrieb.
„Danke, Hermine", sagte er. „Merlin, ich liebe dich."
„Pass auf, dass Millie dich das nicht sagen hört", sagte sie grinsend. „Oder Draco."
„Pass auf, dass Draco was nicht hört?", fragte der blonde Junge, der näher kam und sich herunter lehnte, um ihr auf die Schulter zu küssen.
Sie drückte eine herumwandernde Hand von ihrer Brust weg und sagte: „Vorsicht."
„Wann bist du fertig?", fragte er und zog einen Stuhl heran. „Ich brauche eine Pause."
Sie warf ihm einen Blick zu und sagte: „Sobald ich fertig bin, das hier für Greg sauber abzuschreiben, bin ich ganz für dich da."
Draco grinste sie an und zwinkerte Greg zu und sie wurde leuchtend rot.
Potter kam zu der nächsten Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu spät. Hermine hatte ihr Fußgelenk um Dracos gehakt und er malte mit seinem Daumen kleine Kreise auf ihr Bein, und Snape sammelte gerade ihre Aufsätze über Dementoren ein, als der Junge herein kam.
„Meine Hoffnung, dass diese hier besser sein werden als der Blödsinn, den Sie über den Widerstand gegen den Imperius-Fluch geschrieben haben, ist sicherlich vergeudet", sagte Snape, als Potter sich mit einem mürrischen Blick auf seinen Platz fallen ließ. „Wie nett von Ihnen, uns Gesellschaft zu leisten, Mr. Potter. Zehn Punkte Abzug von Gryffindor für Ihre Verspätung. Wenn Sie nicht pünktlich sein können, dann brauchen Sie nicht zu kommen. Bitte schlagen Sie Ihre Bücher auf Seite – was ist es, Mr. Finnigan?"
„Sir, könnten Sie den Unterschied zwischen einem Geist und einem Inferi erklären?", fragte Seamus Finnigan. „In der Zeitung war ein Artikel und -"
„Nein, das ist falsch", sagte Snape. „Seite -"
„Aber ich habe gehört, dass Leute -"
„Und wenn Sie den Artikel tatsächlich gelesen hätten, Mr. Finnigan, angenommen, dass Sie lesen können, dann hätten Sie bemerkt, dass er nicht von Inferi handelte, sondern von einem ungewaschenen Dieb namens Mundungus Fletcher."
Potter murmelte Weasley etwas zu, als Hermine Dracos Hand wegschob. Seine Kreise waren auf ihrem Bein höher und höher gewandert, und sie schenkte ihm einen warnenden Blick und zog sich ein Bisschen von ihm weg. „Mr. Malfoy, behalten Sie Ihre Hände bei sich", sagte Snape. „Mr. Potter, Sie haben etwas über Inferi zu sagen, ja? Bitte teilen Sie es dem Rest der Klasse mit. Vielleicht könnten Sie für Mr. Finnigan den Unterscheid zwischen einem Inferi und einem Geist erläutern. Mr. Malfoy, ich warne Sie."
Draco zog seine Hände von Hermine weg und legte sie vor aller Augen auf ihren Tisch, dann sank er etwas zusammen, biss die Innenseite seiner Wange vor mürrischer Langeweile und wartete, dass Potter sich durch die Definition eines Inferi stammelte.
„Nun", nuschelte Potter, „Geister sind durchsichtig."
Snape verdrehte die Augen und seufzte dramatisch. „Sechs Jahre magischer Ausbildung und Sie erzählen mir, dass Geister durchsichtig sind. Es ist so gut zu sehen, wie Wissen förmlich aus Ihrem Kopf hervorsprudelt, Potter. Manchmal mache ich mir Sorgen, dass ich meine Zeit hier verschwenden könnte, während ich versuche, die nächste Generation Zauberer auszubilden, aber Sie haben diese Sorgen gerade zu Grabe getragen."
Hermine unterdrückte ein Kichern.
„Keine Ursache, Sir", sagte Potter.
„Ihre Fähigkeit, Sarkasmus zu erkennen, ist offenbar genauso weit entwickelt wie Ihre Fähigkeit, der Klasse zu erklären, wie man einen Geist von einem Inferi unterscheidet."
Potter starrte den Professor finster an.
„Lassen Sie mich Sie nicht aufhalten, Potter. Bitte fahren Sie fort und erklären Sie uns, was ein Inferi ist."
„Ein Inferi ist ein Körper, also ist er fest", nuschelte Potter.
Snape verengte die Augen zu Schlitzen, als Parvati Patil mit schrillem Entsetzen in der Stimme fragte: „Benutzt… benutzt Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf Inferi?"
„Miss Patil, ja, in der Vergangenheit hat der Dunkle Lord die reanimierten Leichen seiner Gegner verwendet – was die richtige Definition eines Inferi ist, Potter -"
Weasley nuschelte: „Ist nicht so, als würden wir die ‚richtige Definition' brauchen, um sie zu bekämpfen."
„- also ist es gut möglich, dass er sie erneut verwenden wird. Und, Mr. Weasley, Ihr Wissensdurst ist eine Inspiration für uns alle. Jetzt schlagen Sie bitte Seite 212 auf und lesen Sie den Text über den Cruciatus-Fluch."
Hermine sah hinüber zu den Montgomery-Schwestern, die elend wirkten.
„Was ist denen geschehen?", fragte sie.
Theo seufzte und schwang seine Büchertasche über die Schulter. „Hast du es nicht gehört?" Als sie den Kopf schüttelte, sagte er: „Ihr kleiner Bruder – er war nur fünf Jahre alt – wurde getötet. Ihre Eltern haben nicht kooperiert, und die Leute, die sie überzeugen sollten, wurden… zu enthusiastisch."
Hermine blieb stehen und Theo drehte sich um, als er bemerkte, dass sie nicht mehr neben ihm war. „Wer?", fragte sie.
„Was meinst du, wer?", sagte er.
„Wer ist so ‚enthusiastisch' geworden, dass er ein Kind getötet hat?" Hermines Stimme war ruhig und eben, und jeder, der sie nicht kannte, würde denken, dass es sie kaum interessierte.
Theo kannte sie sehr gut, und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken. „Du kannst nicht -"
„Erzähl mir nicht, was ich nicht tun kann. Erzähl mir, wer das Kind ermordet hat."
Er schluckte nervös. „Fenrir Greyback. Ein Wer -"
„- wolf. Ja. Ich weiß." Hermine ging weiter. „Danke, Theo."
Er musste sich beeilen, um sie wieder einzuholen, und er dachte nur: „Scheiße."
Es begann, als Hermine Professor Snape dabei entdeckte, wie er Draco zum Krankenflügel half. Snape sah, wie ihr das Blut angesichts Dracos zerrissener Kleidung aus dem Gesicht wich, und sagte: „Es geht ihm gut. Miss Granger, hör mir zu, es wird ihm gut gehen."
Draco aber konnte kaum stehen; er konnte nicht alleine zum Krankenflügel gehen. Er blickte sie an und brachte ein schwaches Lächeln auf. „'S geht mir gut, 'Ine", sagte er, aber die paar Worte schienen ihn zu erschöpfen und er sank noch tiefer in Snapes Armen, und Hermine fuhr herum in die Richtung, aus der sie gekommen waren, den Zauberstab gezückt, und suchte nach dem Angreifer.
Denn es war offensichtlich ein Angriff gewesen.
Sie hatte Snape nichts sagen hören, aber ihr Zauberstab wechselte von ihrer Hand zu seiner und sie drehte sich rasant zurück. „Das kann ich nicht zulassen, Miss Granger", sagte er sehr leise. „Er würde dich umbringen."
„Potter", flüsterte sie und sagte dann: „Ich werde ihn umbringen -"
„Auf keinen Fall", sagte Snape, aber sie rannte bereits durch den Flur auf die Toilette zu. Wasser strömte unter der Tür hervor, rosa gefärbtes Wasser, und als sie die Tür öffnete, stand Harry Potter da, den Zauberstab noch in der Hand, und starrte mit Schock und Entsetzen auf dem Gesicht zu Boden.
„Was hast du getan?", fragte sie, und als er nicht antwortete, stürzte sie sich auf ihn, packte seine Arme und schüttelte ihn. „Was hast du getan?", wiederholte sie. Das Wasser durchnässte ihre Schuhe, das Wasser, das Dracos Blut mit roten Schlieren durchzogen hatte, und Harry Potter stand nur da, während sie ihn schüttelte, ohne zu reagieren.
Sie holte aus und gab ihm eine so heftige Ohrfeige wie sie konnte. „Du verdammter Mistkerl", sagte sie. „Was hast du getan?"
„Ich… ich weiß nicht, was ich getan habe", stammelte er hervor. „Ich… ich wollte nicht… da war so viel Blut, Granger. Ich dachte… aber es wird ihm gut gehen." Potter schien sich wieder etwas in den Griff zu kriegen. „Snape… ich dachte, er würde den Cruciatus verwenden. Ich… ich habe ihn verflucht. Ich wusste nicht, was er tun würde, aber du musst mir glauben, Granger, ich hätte nie… ich hätte das nie getan, wenn ich gewusst hätte…"
Sie griff nach ihrem Zauberstab, aber er war nicht da.
„Ich schon", sagte sie, die Stimme leise in dem feuchten Raum. „Ich würde dich töten, Potter. Ich würde es jetzt tun, scheiß auf meine… scheiß auf die Dinge, die ich tun soll, und scheiß auf… du hast keine Ahnung, wie viel Glück du hast, dass Snape mir den Zauberstab weggenommen hat."
Sie konzentrierte sich auf ihre Halskette, sodass diese ihre wahre Form zeigte, und rückte ihm mit dem Anhänger in der Hand auf den Leib. „Weißt du, was das hier ist?", fragte sie, seine Augen beobachtend, um den Moment zu sehen, als er das Mal erkannte.
„Granger?", sagte er mit entsetzter Stimme. „Du –"
„Oh ja", sagte sie.
„Aber sie hassen dich", sagte Potter, als glaubte er, dass er sie irgendwie retten könnte. Als dachte er, dass sie gerettet werden musste. „Sie sind böse, Granger."
Sie sah hinab auf den mit Blut und Wasser getränkten Boden, auf ihre Schuhe, die mit Dracos Blut befleckt waren. „Wirklich? Du greifst jemanden an und tötest ihn fast und du willst mir erzählen, dass er der Böse ist? Lass mich dir erzählen, Harry Potter, was ich sehe." Sie trat noch einen Schritt auf ihn zu, er wich zurück, sie trat weiter vor, er weiter zurück und dann war er gegen das Waschbecken gedrückt und sie begann mit leiser, erbitterter Stimme zu sprechen. „Du siehst Verbrecher. Ich sehe eine politische Gruppe, die ins Abseits gedrängt wurden, deren Mitglieder ohne Verfahren oder nach Schauprozessen in Askaban eingesperrt wurden, bis die Dementoren sie in den Wahnsinn trieben. Ich würde annehmen, dass du nach Sirius Black da mitfühlen könntest, aber vielleicht nicht. Ich sehe Leute, die überall diskriminiert werden, wegen eines Schulhauses. Ich sehe, wie jeder, der ihre Ziele auch nur im Geringsten unterstützt, auf die schwarze Liste gesetzt wird und keine Arbeit findet. Ich sehe, wie Auroren sogenannte Schwarzmagier ungestraft angreifen und schlecht behandeln. Und weißt du, was ich auf deiner Seite sehe? Bei den angeblichen Guten?"
Harry Potter schüttelte den Kopf und sagte: „Sie töten Menschen, Granger. Sie entführen und foltern und -"
„Und deine Seite tut das nicht?", fragte sie. „Mach dich nicht lächerlich. Sei nicht so verdammt naiv. Mir wurde erzählt, dass Bellatrix Lestrange früher eine brillante Frau war. Jetzt ist sie nur noch ein Schatten ihrer selbst und kann kaum zwei Gedanken aneinander reihen. Ihr Ehemann wurde soweit getrieben, dass er nach unsichtbaren Dingen geschlagen hat. Inwiefern ist das kein Mord?"
„Sie haben Leute in den Wahnsinn gefoltert", flüsterte Potter. „Granger…"
„Deine Seite", sagte sie unnachgiebig, „hat mir gesagt, dass ich mir meiner Position bewusst sein solle. Hat mich angewiesen, keine Erwartungen zu haben. Deine Seite schummelt und lügt und klaut und der einzige Grund, warum sie nicht auf offener Straße töten, ist, dass sie an der Spitze sind. Sie sind keine Helden, du dummer, dummer Idiot. Sie sind nicht edel. Sie sind nur an der Macht."
„Wir sind nicht perfekt", sagte Potter und berührte ihr Mal. „Aber, Granger, das hier ist nicht die Antwort." Seine Hand zitterte. „Du musst nicht -"
„Ich will aber", sagte sie, und er schluckte heftig, während sie ihn anstarrte, ihr Blick so hart wie nie zuvor. „Deine Seite", fuhr sie unerbittlich fort, „hat dich seit du ein Baby warst wie eine Spielfigur behandelt. Sie werden dich losschicken, um durch die Hände eines Zauberers zu sterben, der so viel mächtiger ist als du, dass es so wäre, als würdest du versuchen, die Sonne mit einem einzigen Eimer Wasser zu löschen. Eure einzige Hoffnung ist, dass du der einzige bist, der ihn töten kann; du bist die Achillesferse. Deshalb wurdest du herangezogen, ist dir das klar; deshalb hat Dumbledore dich zu seinem Liebling gemacht."
„Bietest du an, mich zu retten?", spuckte Potter endlich hervor, die Stichelei gegen Dumbledore ging ihm offensichtlich zu weit. „Wirst du sagen, ‚komm auf die Dunkle Seite und ich werde dich beschützen?"
Hermine trat zurück und lachte ihn aus. Sie zeigte mit ihrer Hand auf den Raum. „Ich denke nicht. Nein. Du hast Draco das angetan und darum würde ich dich festhalten, während der Dunkle Lord deine Kehle durchschneidet, wenn er es zulassen würde." Sie lächelte einen Moment lang. „Vielleicht wird er das. Er mag mich."
„Miss Granger." Snape stand im Türrahmen und sie trat weiter von Potter zurück. „Mr. Malfoy ist im Krankenflügel und möchte Sie sehen."
„Geben Sie mir meinen Zauberstab", sagte sie, aber er schüttelte den Kopf.
„Gehen Sie und sorgen Sie sich um Ihren Zukünftigen", sagte Snape. „Ich geben Ihnen Ihren Zauberstab zurück, wenn ich sicher bin, dass Sie sich beherrschen werden."
Potter riss bei dem Wort ‚Zukünftigen' die Augen auf und er sah von Snape zu Hermine und zurück, als würde er Teile eines Puzzles zusammensetzen.
„Was auch immer sie dir erzählen, Granger", sagte Potter, „kein Todesser wird dich seinen Sohn heiraten lassen. Du bist -"
„Nicht gut genug, ja, Professor McGonagall war auch so gut, mir diese Information mitzuteilen. Obwohl die einzigen Leute, die das zu glauben scheinen, entweder die ‚Guten' sind, oder vollkommen verrückte Menschen, die eh bald sterben werden. Oder beides." Sie sah aus, als wollte sie ihn anspucken, aber sie nickte lediglich Snape zu, mit einer abrupten, zornigen Bewegung, die Respekt imitierte. „Professor", sagte sie, und dann verließ sie die Toilette.
Sobald die Tür sich hinter ihr geschlossen hatte und sie nicht mehr hören konnte, wie Snape Potter ausfragte, fing sie an zum Krankenflügel zu rennen, wobei sie eine Spur nasser Schuhabdrücke im Flur zurückließ.
Im Krankenflügel saß Draco von Kissen gestützt auf einem Bett und sah noch blasser aus als gewöhnlich. Eine Vielzahl von Fläschchen stand auf dem Tisch neben ihm und er lächelte sie an, als sie sich auf das Bett warf und ihre Arme um ihn schlang.
„Sag mir, dass du den Idioten nicht getötet hat", sagte er als allererstes.
„Snape hat immer noch meinen Zauberstab", murmelte sie.
„Merlin sei Dank", sagte er, „ich will mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn du ihn getötet hättest."
„Ich hatte solche Angst", sagte sie, und als endlich all das Adrenalin von ihrer Konfrontation mit Potter auf einmal aus ihrem Körper entwich, fing sie zu zittern an. „Ich dachte, er hätte -"
„Ich habe dir gesagt, dass es mir gut geht", sagte er, und strich ihr über die Haare. „Ich bin noch etwas schwach und ich werde wahrscheinlich eine Narbe haben, aber Snape hat mich sofort geheilt und Madam Pomfrey hat etwas Diptam draufgetan und mir einen Haufen ekelhafter Blutbildender Tränke in den Rachen gekippt."
Sie richtete sich schniefend auf und bemerkte zum ersten Mal, wie unangenehm ihre feuchten Schuhe waren. Sie verschränkte ihre Finger mit seinen. „Das Kabinett funktioniert", sagte sie leise. „Ich habe Gegenstände und kleine Tiere durchgeschickt. Ich war auf dem Weg zu dir, um es dir zu erzählen. Es ist fertig."
Er holte scharf Luft.
„Und der Felix ist fertig."
„Wann?", fragte er.
„Bald", sagte sie. „Ich will erst mit Snape reden."
Draco nickte und sie berührte den Rand des Risses in seinem Hemd. „Hat dir niemand ein trockenes Hemd gegeben?", fragte sie und er schüttelte den Kopf.
„Ich wollte das hier nicht ausziehen, weil -"
„Ja", sagte sie. „Ich hole Theo und lasse ihn dir trockene Klamotten bringen." Sie stand auf, wobei ihre Schuhe ein schmatzendes Geräusch von sich gaben.
„Hermine", sagte Draco.
„Ja?", fragte sie.
„Ich liebe dich."
„Ich liebe dich auch", sagte sie. „Ich hole dir die Sachen."
„Danke."
Sie verharrte einen Augenblick, bis er erneut sagte: „Danke. Ich meine, wegen des…"
Sie lächelte ihn an, ein merkwürdiges kleines Lächeln. „Hab ich gern getan", sagte sie schließlich. „Mich um dich zu kümmern ist, was ich tue."
„Er hat Nachsitzen bekommen?" Hermines Stimme war regungslos. Sie blickte nicht einmal von dem Aufsatz auf, den sie schrieb. Vincent schluckte und sah hinüber zu Daphne, die ihr Sweatshirt zwischen ihren Händen verdrehte.
„Er kann kein Qudditch spielen", bot Daphne an.
Hermine hob ihren Kopf und sah Daphne an, dann Vincent und schließlich Theo. „Er bringt einen Mitschüler beinahe um und er bekommt Nachsitzen? Ich will nur sicher gehen, dass ich euch verstanden habe."
„Hast du", sagte Theo mit düsterer Stimme.
„Also… als er einen Patronus vor einem Muggel beschworen hat, was der Junge auch getan hat, führte das zu einer vollen Anhörung des Zaubergamots, aber ein beinahe-Mord führt zu der gleichen Strafe, die man bekommt, wenn man Stinkbomben zündet?"
„Ich schwöre bei Merlin, wenn du sagt ‚das ist nicht fair', dann werde ich dich schlagen", sagte Theo. „Und zwar fest. Er ist Dumbledores Liebling. Er ist -"
„Unantastbar." Hermine legte ihre Feder zur Seite und blies auf die Tinte ihres Aufsatzes. „Ich weiß." Sie packte ihre Sachen weg und stand auf. „Ich muss einen Trank holen, an dem ich das ganze Jahr gearbeitet habe, und mit Professor Snape reden. Ich sehe euch später."
Snape beobachtete, wie sie den Felix Felicis abfüllte, und wartete darauf, dass sie etwas über das Nachsitzen, über Potter, über Draco sagte. Als sie nichts davon tat, musste er sich eingestehen, dass er beeindruckt war; sechs Jahre in Slytherin und Sommerferien bei Narzissa Malfoy und das Mädchen, das seine Hand in die Luft gestreckt hatte, begierig darauf, all ihr Wissen zu beweisen, war besänftigt worden, zumindest ein wenig. Sie fragte nicht mehr, warum die Welt nicht fair war, und sie breitete nicht länger all ihre Karten auf dem Tisch aus.
Sie gab kein Anzeichen dafür, dass sie Lob dafür wollte, dass sie einen bekanntermaßen schwierigen Trank gebraut hatte, obwohl er wusste, dass sie vor Verlangen danach beinahe bebte. Er fragte sich, wie sie sich in den nächsten zehn Jahren entwickeln würde. Er nahm an, dass solange sie überlebte, sie angsteinflößend sein würde.
„Das Kabinett ist repariert", sagte sie schließlich. Wir werden es bald tun und fliehen. Werden Sie hier bleiben oder mitkommen?"
„Er hat mich gebeten, einzugreifen", sagte Snape. „Dracos Seele zu beschützen und die Drecksarbeit selbst zu erledigen."
„Ich hätte nicht erwartet, dass er so resigniert wäre", sagte Hermine mit betont neutralem Tonfall.
„Er stirbt", sagte Snape. „Ein kleiner Unfall mit einem verfluchten Schmuckstück."
„Trotzdem", sagte Hermine. „Er verlangt viel von Ihnen."
„Von dir wird verlangt, zu morden", sagte Snape sie beobachtend.
„Von mir wird verlangt, mich auf ziemlich drastische Art zu beweisen, indem ich einen Mann töte, der mir so gut wie nichts bedeutet. Von Ihnen wird verlangt, einen Mann zu ermorden, der, theoretisch zumindest, jahrelang ihr Freund und Beschützer war." Sie sah ihn nicht an und Snape fragte sich, ob sie es schaffen würde. Er hatte zu Beginn seiner Zeit als Todesser eine Menge Menschen getötet, und ihm gefiel die Idee nicht, dass ein sechzehnjähriges Mädchen, und vor allem nicht dieses, diese Last auf sich nahm.
„Ich hätte erwartet, dass du es gut heißen würdest, Draco zu beschützen", sagte Snape.
„Davor einen Mord zu begehen?" Hermine sah zu ihm auf und er war überrascht zu sehen, dass sie lächelte, die Augenwinkel in echter Belustigung gekräuselt. „Aber er hat bereits jemanden getötet. Er und Theo hatten in den Weihnachtsferien eine kurze und unangenehme Begegnung mit den Lestrange-Brüdern, bei der die beiden ihre sterbliche Hülle abgelegt haben."
„Das ist eher vergleichbar mit dem Einschläfern eines wilden Hundes als dem Mord an einem Menschen", sagte Snape abwerfend.
„Naja, es klingt, als wäre unsere kleine Aufgabe auch nur eine Beschleunigung eines natürlichen Vorgangs", sagte Hermine. „Obwohl ich gleichzeitig ein paar zusätzliche Projekte zu erledigen habe."
„Will ich das wissen?", fragte Snape.
Sie lächelte ihn an. „Wahrscheinlich nicht."
„Ist alles vorbereitet?", fragte Draco sie.
Sie nickte und blickte auf die kleine Flasche in ihrer Hand.
„Wir haben ihn dann doch nicht gebraucht", sagte Draco.
„Es wird nicht schaden, ein bisschen davon zu trinken, bevor… du weißt schon." Hermine hielt inne. „Bitte darum, dass Fenrir mit der Verstärkung mitgeschickt wird."
„Fenrir Greyback?" Draco starrte sie fassungslos an. „Der Werwolf?"
„Genau der."
Sie verteilten den Felix Felicis im Gemeinschaftsraum. Hermine hatte genug gebraut, damit jeder zwei Teelöffel bekam.
„Bewahrst du nichts für die Leute auf, die ihr herbrin?", fragte eine kleine Erstklässlerin.
Hermine lächelte sie an und kniete sich hin, um mit ihr zu reden. „Mir ist es viel wichtiger, sicher zu stellen, dass euch nichts geschieht, als ausgebildeten Erwachsenen. Sie sollten die nötigen Fähigkeiten besitzen; sie brauchen kein Glück."
Theo murmelte: „Und außerdem willst du nicht, dass sie zu viel Glück haben."
Hermine zuckte die Schultern. „In einem Kampf können Unglücke geschehen. Ich habe nicht vor, dass sie mir passieren."
„Bleibt hier", befahl Draco. „Ihr alle. Jeder hat Hausaufgaben."
„Eigentlich", sagte Blaise, „haben wir ein hausinternes Schachturnier." Er zeigte auf das Schwarze Brett, an dem eine Teilnehmerliste aufgetaucht war. Sie war etwas mitgenommen, als hätte sie dort schon länger gehangen. „Du solltest gegen Greg spielen, also darf er die erste Runde aussitzen."
„Glück gehabt." Draco grinste seinen Freund an, der abwinkte.
„Niemand wird woanders hingehen", sagte Blaise, der den Arm um Luna geschlungen hatte. „Aber vielleicht bekommt jemand Nachsitzen, weil sie abends nicht in ihrem Gemeinschaftsraum ist."
„Niemandem wird auffallen, dass ich nicht dort bin", sagte Luna.
„Ich habe Angst", sagte ein kleiner Zweitklässler, und erntete von ein paar seiner Mitschüler Spott.
„Es wird alles gut gehen", versprach Hermine ihm. „Vielleicht wird es etwas laut, aber so lange ihr hier bleibt, wird euch nichts geschehen. Draco und ich werden wahrscheinlich nicht direkt wiederkommen, aber das liegt nur daran, dass wir zu Hause essen anstatt in der Großen Halle."
„Sei vorsichtig", sagte Theo und zog sie in eine Umarmung.
„Versprochen", antwortete sie. „Wir sitzen schon so gut wie am Pool der Malfoys und trinken Limonade."
„Bist du soweit?", fragte Draco. Er trug eine Tasche mit verschiedenen Gegenständen, die vielleicht nützlich werden konnten, unter anderem peruanisches Instant-Finsterpulver und eine ziemlich fiese Hand des Ruhmes. Seine Vorliebe für über die Maßen komplizierte Pläne war nicht abgeklungen und Hermine hatte ihn nicht davon abgehalten.
„Lass uns gehen", sagte sie.
Sie ließen die Todesser herein. Hermine begrüßte Bellatrix mit grimmiger Höflichkeit und die Frau kicherte manisch erfreut. „Jetzt werden wir sehen, aus welchem Holz du geschnitzt bist, kleines Schlammblut", sagte sie. Draco versteifte sich, bis Hermines Hand auf seinem Arm ihn daran erinnerte, dass er sich auf das Wesentliche konzentrieren sollte.
Hermine war erfreut, dass Dracos Bitte erfüllt worden war und Fenrir Greyback aus dem Kabinett stieg. Er schnüffelte an ihr und bleckte seine widerwärtig gelben Zähne. Die anderen waren Leute, die sie nur flüchtig kennen gelernt hatte. Die Carrow-Zwillinge, Gibbon, Rowle und Yaxley. Nicht die Schlechtesten, die der Dunkle Lord ihr hätte bieten können, aber auch nicht gerade Lucius Malfoy.
Natürlich war der noch Askaban. Und würde dort bleiben, nahm sie an, bis sie und Draco den Dunklen Lord bei dem heutigen Vorfall zufrieden stellten.
„Gebt uns bitte einen Vorsprung", sagte sie.
„Ich lasse dir gerne Zeit zu versagen, Abschaum", höhnte Bellatrix.
Sie feuerten das Dunkle Mal in den Himmel über dem Astronomieturm und warteten darauf, dass Dumbledore erschien. Er tat es erschöpft und ausgelaugt wirkend und Hermine lächelte, weil das Glück in der Tat auf ihrer Seite zu sein schien. Der Mann zog einen Zauberstab, zögerte aber kurz, und in dem glücklichen Augenblick flüsterte sie: „Expelliarmus", und fing den Zauberstab aus der Luft, als er auf sie zuflog.
„Nun", sagte Dumbledore, „Miss Granger. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie leid es mir tut, dass ich Sie hier heute Nacht sehe. Wer ist noch bei Ihnen?"
„Ich bin hier", sagte Draco. „Haben Sie gedacht, ich würde sie es allein tut lassen?"
„Nein", gab Dumbledore zu. „Ihre Partnerschaft zu beobachten war mir ein Vergnügen. Ich hätte nie erwartet, dass die Malfoys Ihre Freundschaft – Ihre Übereinkunft – so leicht akzeptieren würden. Es gibt mir Hoffnung für die Zukunft."
„Es sind auch mehrere Todesser im Schloss", sagte Hermine. „Verstärkung, natürlich, und ein Fluchtplan."
„Beeindruckend", sagte Draco. „Dürfte ein alter Mann fragen, wie Sie sie hereingebracht haben?"
„Wir haben direkt unter ihrer Nase ein Verschwindekabinett repariert", sagte Draco, der etwas zu schnell atmete, während von unten laute Geräusche gefolgt von Schreien zu ihnen hinaufdrangen.
„Das war schlau", räumte Dumbledore ein. „Ich muss mich aber fragen, wo sie jetzt sind. Es scheint ein wenig unsportlich von Voldemort, zwei Kinder ohne Unterstützung gegen mich zu schicken."
„Wir haben um einen kleinen Vorsprung gebeten", sagte Hermine. „Aber angesichts des Lärms scheinen sie in ein paar Schwierigkeiten geraten zu sein. Haben sie wahrscheinlich explizit gesucht. Mir ist aufgefallen, dass viele der alten Garde Probleme mit ihrer Impulskontrolle haben."
Unglaublicherweise fing Dumbledore zu lachen an.
Sie starrten ihn an.
„Also dann, bringen Sie es hinter sich", forderte er sie auf. „Sie haben einen Job zu erledigen und bestimmt ein paar Drohungen, die über Ihren Köpfen hängen." Als sie zögerten, fügte er hinzu: „Ich fürchte es klingt, als wäre Ihre Verstärkung in Schwierigkeiten geraten. Haben Sie Angst, ohne sie weiterzumachen?"
Hermine drehte sich um und betrachtete die Tür mit gerunzelter Stirn. Weder sie noch Draco unternahmen Anstalten, ihn zu töten, und so fuhr Dumbledore fort: „Sie sind keine Mörder."
„Ernsthaft", sagte Hermine und ignorierte Dumbledore, der einladend darüber sprach, dass sie die Todesser verlassen und seinen Schutz suchen könnten, „ist es zu viel verlangt, dass diese Leute den Anweisungen Folge leisten? ‚Gebt uns einen Vorsprung', habe ich gesagt. Habe ich etwa gesagt, ‚verwickelt die Schule in ein Gefecht'? Nein, habe ich nicht."
Draco runzelte die Stirn. „Du hast extra nach zwei Leuten verlangt, die nicht ganz bei Sinnen sind. Was hast du erwartet?"
„Ich hatte einen Hintergedanken dabei", murmelte sie, „aber ich hatte mir trotzdem Kompetenz erhofft."
Draco lachte. „Dafür musst du warten, bis unsere Leute an der Macht sind, fürchte ich."
„Warum sind hier zwei Besen?", fragte Hermine, die im Raum herumlief, während Dumbledore immer weiter an der Brüstung hinunterrutschte, als wäre er zu schwach, noch länger zu stehen. Niemand antwortete ihr und sie ging zurück zur Tür. „Wo bleibt diese Frau?"
„Hier bin ich." Bellatrix kam auf ziemlich dramatische Weise durch die Tür und Fenrir Greyback und die anderen versammelten sich hinter ihr.
Dumbledore schien über den Werwolf schockiert zu sein. „Draco, ich muss mich über Sie wundern", sagte er. „Sie haben dieses spezielle Individuum in eine Schule mit Ihren Freunden und Mitschülern eingeladen."
„Es war Hermines Idee", murmelte Draco.
„Können wir jetzt weitermachen?", fragte Bellatrix gedehnt. „Oder hat das kleine Schlammblut Angst, es durchzuziehen?"
„Wortwahl, Bellatrix", mahnte Dumbledore.
Snape bahnte sich einen Weg in den Raum. „Was ist hier los?", fragte er, während Hermine schon durch den Raum ging und Dumbledore etwas ins Ohr flüsterte.
Er schloss seine Augen und seufzte. „Soll mich das beruhigen, Kind?"
„Ich fürchte, mehr kann ich nicht tun", sagte sie.
„Severus", sagte Dumbledore und öffnete die Augen.
Snape schüttelte den Kopf. „Es liegt nicht in meiner Hand", sagte er.
Hermine richtete ihren Zauberstab auf Dumbledore und ein grüner Lichtstrahl traf ihn. Der Schulleiter fiel rückwärts vom Astronomieturm.
Bellatrix fing vor ungläubiger Freude zu lachen an. „Du hast es getan", krähte sie. „Du hast es tatsächlich getan!" Sie eilte auf sie zu, griff nach Hermines Gesicht und küsste sie auf beide Wangen. „Willkommen in der Familie, Mädchen."
Hermine trat zurück und sagte mit leiser Stimme: „Ich glaube nicht, dass mir gefällt, wie du deine Familie behandelst, Bellatrix. Ich habe mich, als ich dreizehn war, ziemlich abgemüht, Sirius Black für Draco zu beschützen, und du hast ihn getötet."
„Blutsverräter", sagte die Frau unbekümmert. „Kein Teil der Familie." Es waren ihre letzten Worte, bevor Hermine, den Zauberstab entspannt in ihrer Hand haltend, einen zweiten Avada auf Bellatrix richtete.
„Ups", sagte sie und legte den Kopf schief. Sie schaffte eine bemerkenswert lebensgetreue Imitation der Hexe, während die anderen Todesser sie anstarrten. Fenrir trat einen Schritt auf sie zu und sie tötete ihn ebenfalls. „Kämpfe können so verwirrend sein, findet ihr nicht", sagte Hermine und betrachtete die verbleibenden Erwachsenen. „Sonst irgendwelche Todesfälle?"
„Rowle hat Gibbon getroffen", sagte Alecto Carrow.
Der Mann, der Rowle sein musste, wirkte nervös, da Hermine ihren Zauberstab auf ihn richtete. „Kämpfe sind so verwirrend", sagte sie nur, ihre eigenen Worte wiederholend. „Eigenbeschuss tötet so viele, nicht? Aber das Hauptziel wurde erledigt; Dumbledore ist tot. Sollen wir verschwinden, solange es noch möglich ist?"
Thorfinn Rowle lächelte sie an und sagte: „Ich werde vorgehen."
„Ich mache die Rückendeckung", sagte Snape. „Behaltet die Kinder am Leben, damit sie dem Dunklen Lord Bericht erstatten können."
Riddle saß auf einem Ledersessel in der Bibliothek der Malfoys; die Todesser bildeten einen Halbkreis hinter den näher kommenden Kindern. „Also", sagte er, „betrauert Hogwarts Dumbledores Tod?"
Hermine fiel vor ihm auf die Knie, eine Bittstellerin vor dem Thron, und Draco folgte ihrem Beispiel. „Ja, mein Herr", sagte sie.
„Wie hast du es getan?", fragte er, sein Ton verräterisch beiläufig.
„Avada Kedavra, mein Herr", sagte sie und er nickte.
„Ein Klassiker", sagte er anerkennend. „Aber hast du mir einen Beweis gebracht?"
Hermine schluckte schwer. „Ich konnte Euch keine Leiche bringen, mein Herr. Er… er fiel vom Astronomieturm, als ich ihn verflucht habe und… aber ich habe Euch seinen Zauberstab gebracht."
Riddle erstarrte. „Du hast mir den Zauberstab von Albus Dumbledore gebracht?", fragte er.
„Ja, mein Herr", sagte Hermine, verwirrt von seiner plötzlichen Heftigkeit.
„Wie hast du ihn bekommen?", fragte er.
„Expelliarmus", sagte sie errötend. „Ein einfacher Zauber, aber er hat funktioniert."
„In der Tat", sagte Riddle, und sie bot ihm den Zauberstab quer über beide Handflächen dar. „Und du gibst ihn mir aus freiem Willen?"
„Ja, Sir?", sagte sie, aber es war jetzt eine Frage und so wiederholte er seine.
„Du gibst mir den Zauberstab von Albus Dumbledore, einen Zauberstab, den du ihm mit Gewalt abgenommen hast, aus freien Stücken?"
„Ja, mein Herr", sagte Hermine.
Er rief den Zauberstab mit einem Accio von ihr fort und wog ihn mit einem undurchschaubaren Lächeln in der Hand. „Steh auf, Kind, und komm näher", sagte er. Sie gehorchte und er stand auf und küsste sie formell erst auf die eine, dann die andere Wange. „Lasst verlauten", sagte er, „dass du die Hochangesehenste meiner Anhänger bist." Er setzte sich wieder und betrachtete sie. „Schade, dass du mir als Dracos Frau mehr nützt als als Todesserin selbst, aber so stehen die Dinge nun mal. Du wirst ab heute wie eine Tochter für mich sein." Er warf einen Blick auf Draco und fügte hinzu, „Sei froh, dass ich so alt bin, wie ich bin."
„Ich… ja, mein Herr", sagte Draco, der über die Worte stolperte.
„Geht." Riddle wedelte sie mit der Hand davon, die Augen auf dem Zauberstab.
„Mein Herr", sagte Hermine. „Da ist noch mehr."
Er betrachtete noch immer den Zauberstab. „Mehr als das hier?"
„Ich… ich fürchte, dass ich im Durcheinander des Kampfes… ein paar deiner Todesser verflucht habe", sagte Hermine, noch immer stehend aber mit gesenktem Kopf.
„Wie viele?", fragte Riddle sie.
Sie schluckte schwer. „Bellatrix. Fenrir Greyback -"
„Kein Todesser", sagte Riddle beiläufig abwinkend. „Ist das alles?"
„Ja, Sir", sagte sie, hob aber den Blick nicht vom Boden.
„Ich werde es Narzissa überlassen, sich wegen Bellatrix um dich zu kümmern; die Frau war schließlich ihre Schwester." Er hielt inne und sie wartete auf die Erlaubnis, sich zu entfernen, die aber nicht kam. Stattdessen sagte er: „Hermine", und sie verstand den Befehl und sah auf.
„Gut gemacht", sagte Tom Riddle.
