Tom Riddle, der Dunkle Lord, und Severus Snape beobachteten Draco und Hermine, die kichernd und flirtend durch die Gärten liefen. Draco warf ihr eine Handvoll Laub in die Haare und sie kreischte und schlug nach ihm, während er lachte.

„Man würde nicht denken, dass sie einen Menschen getötet hat", sagte Snape mit sorgfältig neutralem Tonfall, „Ihr habt sie in eine beeindruckende Waffe verwandelt."

„Sie ist ein beachtliches Mädchen", sagte Riddle. „Und nicht nur einen Menschen sondern drei, zumindest wenn man Fenrir als Mensch betrachtet."

„So würde ich Werwölfe persönlich nicht nennen", sagte Snape mit leichter Abscheu in der Stimme.

Riddle zuckte die Schultern.

Snape betrachtete eine kleine Narbe an seinem Daumen. „Ich hab mich geschnitten", sagte er beiläufig. „Das ist das Problem mit Messern. Man muss sie schleifen, sie scharf genug machen, damit sie die für sie vorgesehenen Aufgaben erledigen können, aber wenn man nicht vorsichtig ist, wenn man auch nur einen einzigen Augenblick lang die Kontrolle verliert, wenden sie sich gegen einen."

„In der Tat", sagte Riddle, der noch immer die lachenden Teenager beobachtete.

„Hermine ist leicht zu kontrollieren", sagte Snape. „Ihr ist Gerechtigkeit wichtig. Sie will sich beweisen; die Schlammblut-Sache wird sie ihr ganzes Leben lang verfolgen, natürlich. Und sie ist leidenschaftlich, wenn es um die Menschen geht, die sie liebt. Es war wirklich schlau von Euch, Draco das Mal so früh zu geben. Ihr werdet nie wieder etwas tun müssen, um sie an Euch zu binden; sie würde alles für den Jungen tun, jeden erledigen, der ihm weh tut. Seine Eltern auch, in geringerem Maße, aber sie vergöttert den Jungen und tut es, seit sie elf war."

In diesem Augenblick kamen Hermine und Draco auf die Terrasse gerannt. Als sie die Erwachsenen sahen, hielten sie an und murmelten beide rasch zu Riddle: „Mein Herr." Er winkte mit der Hand, um ihnen zu erlauben sich zu entfernen, und sie wichen ihm auf dem Weg zum Haus vorsichtig aus. Hermine hielt inne, um Snape kurz zu umarmen, und er versteifte sich bei der Berührung. „Ich habe dich gebeten, das nicht mehr zu tun", murmelte er, und sie stellte sich auf ihre Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Und ich höre auf fast alles, was Sie sagen", sagte sie voll Zuneigung, bevor Draco, die Augen verdrehend, ihre Hand ergriff und sie ins Haus zog.

Riddle beäugte Snape einen Moment lang, dann sagte er: „Ich wollte ein paar langfristige Veränderungen im Lehrplan von Hogwarts mit dir besprechen, die du umsetzen sollst, jetzt da wir dich zum Direktor ernannt haben."

„Natürlich, mein Herr", sagte Snape.


„Zählt er als gewonnen, wenn sie ihn dir einfach gegeben hat und du ihn ihr nicht mit Gewalt abnehmen musstest?", fragte Narzissa Tom Riddle, der den Elderstab befingerte.

„Es zählt trotzdem", versicherte er ihr. „Auch wenn der Großteil seiner Geschichte blutbefleckt ist, kann eine Person den Stab einfach weiterreichen."

„Bist du ganz sicher?", hakte Narzissa nach.

Riddle lächelte. „Ich habe ihn an einem Haushalt voll Muggel getestet. Ich versichere dir, dieser Zauberstab ist… außergewöhnlich, und er gehört ganz mir."


Hermine setzte sich an den Essenstisch und lächelte Yaxley höflich, Rowle warm und Flint mit vollkommener Freude an. Draco schlüpfte auf den Stuhl ihr gegenüber, während Narzissa eine Pro-Forma-Entschuldigung wegen der unausgeglichenen Zahlen machte. „Tom hat heute so viele Menschen empfangen, dass es einfacher schien, euch allen Essen anzubieten, anstatt euch hungrig nach Hause zu schicken."

„Ich versichere dir, dass niemand von uns dem Propheten schreiben und sich über deinen Tisch beschweren wird", sagte Lucius, der kurz inne hielt, um ihr auf seinem Weg in den Raum einen Kuss auf die Stirn zu geben.

Hermine sah ihn mit offenem Mund an, dann sprang sie von ihrem Platz auf und warf ihre Arme um ihn. Sie wusste, inoffiziell und nebenbei, dass er Askaban entkommen war, dass sie alle Askaban entkommen waren, aber seine Rückkehr nach Hause war geheim gehalten worden und sie hatte ihn noch nicht gesehen.

„Es ist auch schön, dich zu sehen, meine Liebe", sagte Lucius, während er ihre Arme von sich löste. „Setz dich, Kind, bevor Draco mich wegen dir zu einem Duell herausfordert."

„Als ob er das wagen würden", sagte Hermine mit einem Lächeln, aber sie setzte sich gehorsam zurück auf ihren Stuhl.

„Unterschätze nie die Macht junger Liebe", empfahl Lucius, der neben Narzissa Platz nahm. Tom Riddle, der ihm in den Raum gefolgt war, ließ sich auf den Stuhl am Ende des Tisches nieder.

Draco nickte seinem Vater zu, seine Kehle wie zugeschnürt, als er schwer schluckte, aber trotz dieses Anzeichens bewahrte er viel mehr seiner Würde als Hermine es getan hatte. Lucius war blass, selbst für einen Malfoy, und dünn, und dunkle Ringe lagen unter seinen Augen, aber er schien vollkommen bei Verstand, trotz seiner Zeit im Gefängnis.

„Wie geht es…" Hermine brach ab, unsicher, ob sie nach den anderen Gefangen fragen durfte.

„Alle bei sich zu Hause", sagte Tom Riddle, als er eine Serviette auf seinem Schoß ausbreitete und sich etwas Wein einschenkte. Die Flasche wurde um den Tisch gereicht und ein paar Momente lang herrschte Schweigen, während alle dem offensichtlichen, wenn auch unausgesprochenem Befehl, ihre Gläser zu füllen, Folge leisteten. „Auf ein großartiges Jahr mit Potters Tod, der Unterwerfung des Ministeriums, und auch einer Hochzeit, auf die wir uns alle freuen können. Und natürlich auf die sichere Rückkehr unserer Gefährten und Waffenbrüder."

Die Todesser am Tisch und die zwei Frauen erhoben ihre Gläser auf Riddle.

„Eine Hochzeit?", fragte Rowle, nachdem jeder getrunken hatte. „Sollte ich Euch zu -"

„Nicht meine Hochzeit", sagte Riddle, der belustigt darüber schien, wie Rowle sich sofort zu winden begann.

„Ich glaube, dass sie genau genommen noch nicht verlobt sind", sagte Narzissa amüsiert.

Riddle schenkte Draco einen genervten Blick. „Nun, dann beeil dich. Ich will, dass die Hochzeit direkt nach eurem Abschluss stattfindet, und deine Wahl zum jüngsten Minister aller Zeiten, der bereit ist, die Wunden der Nation mit seiner liebevollen muggelstämmigen Ehefrau an seiner Seite zu heilen, direkt nach euren Flitterwochen." Er sah Hermine an. „Ein hübscher Dreikäsehoch wäre gut für die PR. Die Menschen scheinen Babys aus irgendeinem unerfindlichen Grund zu mögen."

„Ich nehme an, es wäre Euch lieber, dass ich nach der Hochzeit lange genug warte, damit wir peinliche Vorfälle vermeiden, bei denen Leute an ihren Fingern zurück zählen?", scherzte Hermine und Riddle lächelte zurück, während Dracos Gesicht tiefrot anlief.

„Ich vertraue deinem Urteilsvermögen in dieser Sache vollkommen", sagte der Dunkle Lord.

„Im Allgemeinen haben wir einen geringeren Anteil solcher, nennen wir es ‚Unfälle', in Slytheirn als in den anderen Hogwartshäusern", sagte Narzissa, als sich die Teller mit Essen füllten. „Scheinbar schaffen es unsere listigen und pragmatischen Kinder, die Verhütungszauber nicht zu vermasseln."

Draco war inzwischen so rot wie die Haare der Weasleys.

„Jetzt da du aus der Schule bist, Marcus, haben du und deine Eltern sich Gedanken über deine Zukunft gemacht?", leitete Narzissa das Gespräch um.

„Mein Vater hat Pansy Parkinson vorgeschlagen", murmelte der junge Todesser und Narzissa klatschte ihre Hände vor augenscheinlicher Freude zusammen.

„Eine ausgezeichnete Wahl", sagte sie. „Habt ihr zwei euch gern?"

Marcus rutschte auf seinem Stuhl herum, warf einen Blick auf Draco, der noch immer errötet war, nachdem seine Mutter erwähnt hatte, dass die Schüler in Hogwarts Sex hatten, und sagte schließlich: „Sie scheint mich nicht abscheulich zu finden."

Yaxley murmelte: „Strebst hohe Ziele an, sehe ich."

„Oh, Lysander", sagte Narzissa, „das ist praktisch eine arrangierte Ehe. Die Kinder müssen einander nicht lieben. So wie ich sie kenne, ist Miss Parkinson überaus praktisch veranlagt und wird Marcus' Arbeit unterstützen."

„Wenn wir unsere Aufmerksamkeit einen Moment lang von Mr. Flints Liebesleben abwenden könnten, so faszinierend es auch sein mag", sagte Riddle, „würde ich gerne unserem lieben Yaxley zu seiner Beförderung gratulieren. Nach der Beseitigung von Rufus Scrimgeour ist er der Leiter der Abteilung für magische Strafverfolgung."

Yaxley lächelte ausdruckslos.

„Ich wusste nicht, dass Ihr Euch Scrimgeour erfolgreich vom Hals geschafft habt", sagte Hermine, die mit ihrer Gabel auf die große Jakobsmuschel auf ihrem Teller einstach.

Riddle sah ihr mit einem Seufzen zu. „Versuche, sie zu zerschneiden", riet er ihr. „Und es ist nur noch eine Sache von Tagen, bis das Minsterium uns gehört. Ich habe meine Mannschaft gerne vorher bereit, die Kontrolle zu übernehmen. Eine lange Übergangsphase würde die Dinge nur destabilisieren."

„Ausgezeichnete Neuigkeiten", sagte Hermine.

„Severus wird natürlich Hogwarts übernehmen. Er kennt den Ort am besten."

„Ihr vertraut ihm, mein Herr?", fragte Hermine mit großer Vorsicht.

Riddle lächelte sie an. „Ich habe ein ganz hervorragendes Druckmittel, um ihn zu kontrollieren", sagte er. „Ein Druckmittel, das ihn, denke ich, überzeugt hat, dass die andere Seite nicht der warme und liebevolle Ort ist, den er sich vielleicht erhofft hatte."

Hermine schnitt eine Grimasse in Richtung ihrer Jakobsmuschel, die in dem Butterspiegel wieder und wieder von ihrem Messer wegrutschte. „Ich weiß eigentlich, wie man isst", murmelte sie und Yaxley lachte.

„Miss Granger", sagte Yaxley, als er seine eigene Jakobsmuschel mit einem schnellen Zauber in vollkommen identische Stücke zerlegte, „Ich wollte Sie schon die ganze Zeit nach Ihrer Meinung über Muggelkunde fragen. Da Sie, nun, keine Muggel sind, aber dem zumindest näher kommen als alle Leute, mit denen ich sonst je gesprochen habe, dachte ich, dass Ihre Sicht auf das Thema interessant sein könnten."

Hermine warf einen Blick auf Riddle, der eine Augenbraue hob. Dadurch ermutigt sagte sie: „Es ist eine Zeitverschwendung."

Narzissa lachte trillernd und Draco seufzte. Er hatte Hermines Rede über Muggelkunde mehr als einmal gehört.

„Fahr ruhig fort", sagte RIddle und zog eine Ausgabe des Tagespropheten hervor, der auf einen bestimmten Artikel aufgeschlagen war, „und lass mich wissen, was du hiervon hältst."

Hermine durchflog den Bericht. Es war eine enthusiastische Verteidigung von Muggelstämmigen, geschrieben von der Lehrerin für Muggelkunde. Sie seufzte, als sie fertig war, und legte ihn auf den Tisch. „Darf ich ehrlich sein, Sir?", fragte sie Riddle.

„Immer, meine Liebe", sagte er.

„Ich kenne Professor Burbage nicht gut", zögerte sie, „und natürlich stimme ich mit, äh, ihren hervorstechendsten Punkten überein, also dass die Diskriminierung gegen Muggelstämmige immer noch ein Problem in unserer Gesellschaft ist, und wir uns ihm annehmen müssen, aber, ähm, nun, sie schreibt schlecht und ihr Fach wird nicht dabei helfen, etwas zu verbessern."

„Erkläre", sagte Riddle, der mit seinem Messer spielte.

„Über ihr Fach?", fragte Hermine und er nickte. „Nun, es… es präsentiert Muggel als diese Art faszinierender Fremdlinge, als seien sie, ich weiß nicht, schlaue Affen oder so etwas. Es ist voll von belanglosem Zeug und… ich meine, im Ernst, müssen die meisten Zauberer überhaupt wissen, wie sie sich in der Muggelwelt zu verhalten haben? Ich schätze, ich weiß einfach nicht genau, was der Zweck des Fachs ist. Soll man dadurch bei Tesco Kekse kaufen können? Weil das dämlich ist. Ist es eine Art anthropologische Sache? Weil dann ist es… imperialistisch und befleckt von einem Kolonialdenken." Sie murmelte das Letzte, als sei sie verlegen, und Riddle lachte.

„Es ist außerdem ein leichter Z.A.G.", fügte Draco hinzu. „Weswegen es die meisten Leute wählen."

„Loser", flüsterte Hermine.

„Zwei faszinierende Themen", sagte Riddle. „Ob Muggekunde ein wertvolles Fach ist -"

„Ist es nicht", unterbrach Hermine ihn.

„- und was wir im Allgemeinen wegen der Muggelstämmigen tun sollten."

Hermine warf ihm einen Blick zu und er hob sein Weinglas in ihre Richtung. „Nicht du, meine Liebe. Deine… Kameraden."

„Sie sind nicht meine Kameraden", sagte Hermine. „Ich weiß nicht, warum alle annehmen, dass ich ihnen natürlicherweise sympathisch gesinnt wäre. Das letzte Mal, dass ich eine bedeutsame Begegnung mit einem anderen Muggelstämmigen hatte, war…" Sie musste innehalten, um nachzudenken.

„Colin Creevey", sagte Draco einen Moment später. Sie sah ihn verwirrt an. „Das Kind mit der Kamera."

„Ja", stimmte sie zu. „Ein Junge, der für irgendein Projekt Porträts von allen Muggelstämmigen in Hogwarts machen wollte, und als ich kein Interesse hatte, war er beleidigt und wurde fies. Anscheinend war es meine Pflicht, für ihn Modell zu sitzen, weil wir so viel gemeinsam hatten, oder so was." Sie schüttelte den Kopf. „Trotzdem", sie sah zu Riddle, „das heißt nicht, dass ich denke, dass Ihr alle Muggelstämmigen töten solltet, wie Ihr es letztes Mal getan habt."

„Letztes Mal war es nützlich", sagte er mit einem Lächeln. „Ich brauchte ein emotional geladenes Thema, durch das ich die Leute um mich sammeln konnte, um alles Notwendige zu tun, damit ich Unsterblichkeit erlangen konnte."

„Dieses Mal?", drängte sie ihn und er sah sie so ruhig an, dass sie sich anstrengen musste, um Augenkontakt zu wahren. Der beinahe instinktive Drang, sich zurückzuziehen, sich zu beschützen, schrie sie aus allen Ecken ihres Verstandes an.

„Dieses Mal bin ich an Macht interessiert", sagte Riddle schließlich, „und es ist schwierig, an der Macht zu bleiben, wenn man zu offensichtlich repressiv ist. Ich denke gern, dass ich aus meinen Fehlern lerne. Sagt man nicht, dass die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten?" Er blickte Yaxley an. „Das bedeutet keine großen Säuberungsaktionen, klar?"

Yaxley lächelte ruhig und nippte an seinem Wein. „Ich lebe um zu dienen, meine Herr."

Hermine versuchte, ihren erleichterten Atemzug zu kontrollieren.


„Mrs. Malfoy", sagte Hermine über die Worte stolpernd, „ich wollte Ihnen sagen, wie leid es mir tut, dass Ihre Schwester -"

Narzissa unterbrach sie. „Sie leidet jetzt nicht mehr."


„Sie werden Potter diesen Samstag bei Sonnenuntergang transportieren", sagte Snape. Riddle saß auf dem unauffälligen Stuhl in der Bibliothek, der jedes Mal wie ein Thron wirkte, wenn der Mann mit seiner verräterisch beiläufigen Eleganz darauf saß. Er verachtete offenkundige Machtdemonstrationen, die nur geringere Männer nötig hätten, aber er strahlte so viel Gefahr und Autorität aus, dass selbst ein altes Möbelstück symbolischen Wert erhielt.

Seit Riddle begonnen hatte, den Stuhl zu benutzen, hatte niemand sonst darauf Platz genommen.

„Wo wollen sie ihn verstecken?", fragte Riddle.

„Im Haus eines Ordensmitglieds", sagte Snape, „das sie wohl mit jedem ihnen zur Verfügung stehenden Schutzzauber versehen haben. Meiner Meinung nach, mein Herr, werden wir ihn nicht berühren können, sobald er in diesem Gebäude angekommen ist. Idealerweise sollten wir ihn auf dem Weg dorthin erledigen."

„Sie benutzen die Aurorenzentrale nicht?", fragte Riddle.

„Sie denken, dass wir das Ministerium infiltriert haben", sagte Snape, sein Tonfall trocken.

„Solch eine eindrucksvolle Auffassungsgabe", schnaubte Riddle. „Als hätten sie endlich das Offensichtliche erkannt."

„In der Tat. Sie werden das Flohnetzwerk und Apparieren vermeiden, da sie fürchten, dass diese alle überwacht werden."

„Ich bin überrascht, dass Leute, die ich im Allgemeinen für Idioten halte, das erkannt haben."

Snape zuckte die Schultern. „Wie man so schön sagt, auch eine kaputte Uhr zeigt zwei Mal am Tag die richte Zeit an", sagte er und Riddle erlaubte sich ein kleines Lächeln.

„Nun, es ist erfreulich zu hören, dass sie ihn durch die Luft befördern wollen. Dort wird er verletzlich sein." Riddle biss sich auf die Lippe und richtete seinen Blick auf irgendwo über Snapes Kopf. „Dennoch, ich habe vor, mich persönlich um ihn zu kümmern. Von dem, was wir über die Prophezeiung wissen, scheint es offensichtlich, dass ich manche Dinge einfach nicht delegieren kann."

„Wie Ihr wünscht, mein Herr", sagte Snape höflich.


Tom Riddle hatte Hermine höflich gefragt, ob sie sich an dem Angriff auf Harry Potter beteiligen wollte. Er hatte darüber gelacht, wie ihre Augen zu funkeln begannen und ihr Mund sich zu einem langsamen, kalten Lächeln verzog.

„Ich habe gehört, du hättest ein bisschen Mitleid mit dem Jungen", sagte Riddle. „Weil er von seiner Muggelfamilie misshandelt wurde und so."

„Er hat Draco mit Sectrumsempra angegriffen", sagte Hermine nur und Riddle nickte. Das würde, wusste er, für sie reichen. Trotzdem würde er für ein paar zusätzliche Kontrollmaßnahmen sorgen, bevor er sie bei einem Ereignis, bei dem der Junge sterben sollte, in Potters Nähe ließ.

„Ich weiß es zu schätzen, dass du ihn nicht auf der Stelle abgeschlachtet hast", sagte er, ohne seine nebensächlichen Bedenken zu äußern, dass sie etwas gegen eine solche Tat haben könnte, und sie warf ihm einen Blick voll reinem, schuldbewusstem Trotz zu.

„Snape hat mir meinen Zauberstab abgenommen, sodass ich ihm nur eine Ohrfeige verpassen konnte."

Riddle lachte und tätschelte ihr Kinn. „Du bist entzückend", sagte er. „Lass dir einen Umhang anpassen und besorg dir eine Maske. Normalerweise würde ich das den eigentlichen Todessern vorbehalten, aber ich will nicht, dass du erkannt wirst, und außerdem hast du nach deiner makellosen Beseitigung meines Dumbledore-Problems eine Belohnung verdient."

„Mein Herr ist sehr gütig", sagte Hermine, „aber Eure gute Meinung ist der ganze Lohn, den ich mir wünsche." Sie hielt inne und fügte dann hinzu: „Obwohl…"

„Ja, Kind?"

„Ich weiß, dass Potter natürlich Euch allein vorbehalten ist, aber sollte ich zufällig eines der anderen Ordensmitglieder, die dort sein werden, verfluchen…"

„Würdest du eine Extraportion Kuchen bekommen."

„Nun", sagte Hermine, „die Elfen der Malfoys machen wirklich guten Kuchen. Das würde ich mir ungern entgehen lassen."


Snape hielt Hermine auf, bevor er das Herrenhaus der Malfoys verließ. „Habe ich dir erzählt, dass ich den Grund für Potters plötzliche Kompetenz in Zaubertränke herausgefunden habe?"

Ihr stockte der Atem.

„Er hat geschummelt", fuhr Snape ohne jegliche Regung in der Stimme fort. „Er hatte ein Buch gefunden, in dem Anmerkungen zur Verbesserung der üblichen Rezepte standen, und ist ihnen gefolgt."

Hermine streckte ihre Unterlippe in, wie sie wusste, kindischem Trotz hervor. „Also hat er die ganze Zeit -"

„Ganz genau", sagte Snape.

„Das ist nicht fair", murmelte Hermine.

„Bemüh dich bitte, nicht ein ganz so großer Dummkopf zu sein wie der verachtenswerte Junge", sagte Snape mit zusammengekniffenen Augen. „Wenn ich dich fragen würde, warum du an einem Vollmond im Uhrzeigersinn rühren solltest, wenn es normalerweise dagegen sein müsste, würdest du den Grund kennen?"

„Natürlich", sagte Hermine ungeduldig.

„Nun, Potter nicht. Er ist nur den Anweisungen gefolgt."

Nur Snape, dachte Hermine, war dazu in der Lage, den Satz ‚ist den Anweisungen gefolgt' wie eine grausame Ächtung klingen zu lassen.

„Du, du albernes Kind, hast tatsächlich etwas gelernt."

„Professor Slughorn -", begann sie, aber Snape unterbrach sie.

„Horace ist mit dem Alter ein noch größerer Trottel geworden, als er es in seiner Jugend war, was ehrlich gesagt eine ziemliche Leistung ist." Er hielt inne. „Ich bin stolz auf dich."

Ihr Unterkiefer fiel herunter.


Sie warteten im Himmel über dem Haus der Dursleys darauf, dass der Orden des Phönix mit Harry Potter aufbrechen würde. Hermine musste ihr Schnauben unterdrücken, als die Vormünder des Jungen davongehetzt wurden, wobei Ordensmitglieder auf die offensichtlich entsetzten Muggel einredeten.

„Erklär mir noch mal, warum Muggel so gut wie Zauberer sind", sagte Adrian Pucey, der auf seinem Besen neben ihr schwebte.

„Halt die Klappe", murmelte sie.

„Ich dachte, du hasst es zu fliegen", sagte er. „Warum bist du überhaupt hier?"

„Es ist eine Art Belohnung", sagte Hermine, „zusehen zu können, wie Potter erledigt wird."

„Wo ist Draco? Nichts gegen dich, aber er kann viel besser fliegen und er ist tatsächlich ein Todesser."

Hermine seufzte. „Draco ist im Herrenhaus und stellt sicher, dass ich nur zum Zuschauen hier bin, und euch alle nicht davon abhalte, ihn zu erledigen."

Adrian sah sie verwirrt an. „Er ist eine Geisel für mein gutes Betragen, Adrian", verdeutlichte sie. „Seine Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass mein wohlbekanntes Mitleid mit Potter nicht seine hässliche Fratze zeigt."

„Oh." Er warf ihr einen berechnenden Blick zu.

„Wird es nicht", murmelte sie.

Das Ganze wurde aber wesentlich komplizierter, als sieben Harry Potters aus dem ordentlichen Haus kamen. Hermine musste zugeben, dass wenn man wusste, dass der Dunkle Lord darauf bestand, Potter selbst umzubringen, es ein genialer Plan war. Wenn es keine Rolle spielen würde, wer den Jungen erledigte, würden sie sie einfach alle umbringen können, aber so mussten sie den richtigen Jungen identifizieren.

„Scheiße", sagte Adrian Pucey und Hermine musste ihm zustimmen. „Verdammte, verfluchte Scheiße", fügte er zur Verdeutlichung hinzu.

„Warum muss es so verdammt schwer sein, einen sechzehnjährigen Jungen zu töten?", wollte Hermine wissen, die alle Potters reihum ansah.

Einer von ihnen kletterte in den Beiwagen eines Motorrads neben Hagrid, dem Professor für Pflege magischer Kreaturen gewordenen Wildhüter, einen Eulenkäfig in seinen Händen. „Der da", flüsterte sie und griff nach Adrians Arm. „Der da", sagte sie lauter, und sobald sie seine Aufmerksamkeit erlangt hatte, zeigte sie auf den Potter in dem Beiwagen.

„Auf keinen Fall", sagte Adrian Pucey. „Potter hat viele Fehler, aber der Junge kann fliegen. Auf keinen Fall würden sie ihn nicht auf einen Besen packen."

Hermine flog vorwärts und suchte nach einer Möglichkeit zu beweisen, dass der da wirklich der echte Potter war. Als die sieben Potter auf mehreren Besen, einem Thestral und einem verzauberten Motorrad in die Luft stiegen, umkreisten die Todesser sie und schossen Flüche auf die Ordensmitglieder, die offensichtlich nicht Potter waren.

Das Motorrad drehte sich in der Luft, als die Todesser angriffen, und Hermine auf den Jungen zu, von dem sie wusste, dass er der echte Potter sein musste. Sie zielte auf seine Eule und der Vogel kreischte und fiel tot in seinem Käfig zusammen, und der Junge schrie seine Trauer hinaus. „Hedwig", rief er. „Hedwig!"

„Hab ich dich", sagte Hermine, ihr Verdacht vollkommen bestätigt.

Die sieben Potter und ihre Beschützer hatten sich aufgeteilt und Hermine wusste, dass sie nicht gut genug fliegen konnte, um mit dem Motorrad mitzuhalten, aber sie griff nach Rowle, der es war, und zischte: „Es ist der da, der mit dem Eulenkäfig auf dem Motorrad", und der Mann sah sie scharf an und nickte dann.

Sie fiel zurück und spürte, dass der Dunkle Lord hinter ihr aufstieg. Anders als der Rest von ihnen benötigte er keinen Besen – oder ein Motorrad – sondern schwebte ohne Hilfsmittel in der Luft.

Die restlichen Todesser trugen Masken, aber er hatte sein Gesicht verwandelt, sodass es aussah wie ein blasses, schlangenhaftes Monster. Es war ein schrecklicher Anblick.

„Das Motorrad", japste sie. „Das ist der richtige, mein Herr."

Er hielt inne, um ihr Gesicht zu streicheln. „Mein liebes Kind", sagte er, seine Stimme fast ein Zischen, „wieder einmal übertriffst du alle Erwartungen. Jetzt geh und spiele mit den falschen Pottern."

Sie folgte dem Potter, der sich am langsamsten bewegte und von Remus Lupin begleitet wurde. Sie fragte sich, wer der Potter war, während sie Fluch um Fluch auf ihn warf. Er konnte deutlich besser fliegen als sie und duckte sich und flog Zickzack und wich all ihren Zaubern aus. Dennoch, endlich traf zumindest einer der Flüche sein Ziel und der Strahl magischer Energie schnitt dem Jungen das Ohr ab.

Sie nahm an, dass dies das Beste war, das sie erreichen würde, und so landete sie und apparierte zurück zum Herrenhaus der Malfoys, wo Narzissa sie mit einer kurzen Umarmung auf der Vordertreppe begrüßte und nach Draco rief.

Hermine nahm ihren Umhang und die Maske ab und gab sie einem Elf, der mit ihnen verschwand. Draco kam herbeigerannt, warf sich auf sie und fuhr ihr mit den Händen über Arme und Schultern. „Geht es dir gut?", fragte er.

„Ja, alles okay", sagte sie.

„Du fliegst so schlecht", murmelte er. „Ich habe mir die ganze Zeit Sorgen gemacht."

„Ich bin nicht du", sagte Hermine genervt, „und ich werde nie zum Spaß fliegen, aber ich kann es trotzdem. Warum glauben alle, dass ich unfähig bin, nur weil ich kein Quidditch spiele?"

Narzissa fragte: „Wie lief es?"

„Ich bin nicht sicher", gab Hermine zu. „Ich konnte mit den schnellsten Fliegern nicht mithalten, also bin ich weiter hinten geblieben und habe irgendein Ordensmitglied verflucht."

„Hast du ihn getroffen?", fragte Draco.

„Naja, nichts tödliches, aber ich glaube, dass ich eine Extraportion Kuchen bekommen werde." Hermine lächelte ihn an und er lachte.


Sie kamen nicht an Potter heran. Der Dunkle Lord erledigte Mad-Eye Moody, aber, abgesehen von dem Fluch, mit dem Hermine einen der falschen Potters getroffen hatte, wurden niemand sonst auch nur verletzt.

„Du hast den Falschen getroffen", sagte Theo, als er von einem Treffen mit Riddle zurückkehrte.

„Was?", fragte Hermine verwirrt.

„Du hast George Weasley getroffen. Es war der andere – Fred – der Draco letztes Jahr verprügelt hat."

Hermine lachte. „Naja, ich kann sie ja eh nicht auseinander halten, selbst wenn sie nicht Potter sind."

„Jetzt schon", sagte Theo grinsend und sie lachte noch lauter.


Obwohl Potter unglücklicherweise noch am Leben war, liefen die Pläne, das Ministerium zu übernehmen, in ansonsten reibungslosen Bahnen. Yaxley stellte einen Mann namens Pius Thicknesse unter den Imperius und mit dessen Hilfe brachten sie eine Gruppe in das Ministerium.

Rufus Scrimgeour weigerte sich selbst unter Folter, den Aufenthaltsort von Harry Potter zu verraten. Hermine war nicht an diesen Sitzungen beteiligt; sie servierte der Handvoll Todesser, die anschließend zum Herrenhaus der Malfoys zurückkehrten, Tee und stellte keine Fragen. Thicknesse wurde Minster und das Minsterium gehörte ihnen.

„Obwohl", sagte Riddle, als Hermine ihm eine Tasse Tee und einen Teller mit frisch gebackenen Keksen reichte, „es mir lieber sein wird, wenn Draco und du es seid. Mit jemandem unter dem Imperius zu arbeiten, ist immer kniffelig; sie stimmen zwar allem zu, aber man muss ihnen alles haargenau erklären. Es braucht viel Zeit und ist langweilig."

„Ich werde mich bemühen, Euch nach besten Kräften zu unterstützen, mein Herr", sagte sie.

Die Todesser verteilten sich und besuchten die Häuser der bekannten Mitglieder des Ordens des Phönix, wo sie die Bewohner – häufig sehr grob – nach dem Aufenthaltsort des Jungen befragten. Sie brannten das Haus eines Mannes namens Dädalus Diggel zu Grunde, der gerade nicht zu Hause war. Sie unterbrachen eine Hochzeit bei den Weasleys, aber auch dort hatten sie kein Glück.

Es war, als hätte sich der Junge in Luft aufgelöst.

Ron Weasley war ebenfalls verschwunden.

„Wir sind schlicht besorgt", sagte Thicknesse auf einer Pressekonferenz. „Wir haben guten Grund anzunehmen, dass Harry Potter anwesend war, als der geschätzte Albus Dumbledore getötet wurde, und nun, seine Weigerung, zu uns zu kommen und eine Aussage zu machen, lässt ihn nicht gut dastehen, finden Sie nicht? Im Moment ist er unser Hauptverdächtiger in dem Mordfall; alle Bürger sollten ihn für bewaffnet und gefährlich halten. Nähern Sie sich ihm nicht alleine. Sollten Sie ihn sehen, alarmieren Sie umgehend das Ministerium."

Cassius Warringtom wurde dem Tagespropheten zugeteilt und die Zeitung fing, ohne den Hauch eines Widerspruchs, an zu drucken, was ihr befohlen wurde.

Der Putsch verlief glatt und still und beinahe fehlerlos. Die Leute flüsterten sich vielleicht zu, dass die Richtlinien des Ministeriums sich geändert hatten, aber niemand stellte sich ihnen öffentlich entgegen.

„Natürlich", sagten einige Leute, „sind die Todesser eigentlich nur die Walpurgis-Ritter unter neuem Namen."

Andere Leute nickten wissend.

Einige Leute murmelten vielleicht: „Ich mochte ihre Einstellung zur Überlegenheit des Blutes nie, es ist nichts Falsches daran, ein Halbblut zu sein", aber als es keine klaren Anzeichen der Unterdrückung gab, entspannten die Leute sich und das Leben ging weiter und der Mann, der Macht wollte, der sie sehr viel mehr wollte, als er sich um die Rechte und Privilegien der Reinblüter kümmerte, sammelte sie still und leise an.

Dass der Großteil der traditionell mächtigen, reinblütigen Familien hinter ihm stand und von den neuen Regelungen profitieren würde, nun, das lag nicht am Blut, sondern nur daran, auf welcher Seite man war. Schließlich waren die Weasleys reinblütig, waren die Macmillans reinblütig, und sie erhielten keine Vorteile durch die neuen Ministeriumsregeln, die die Todesser bevorzugten, im Gegenteil. Zeigte das nicht, dass es hierbei nicht um Blut ging, erklärten die Leute einander. Schließlich konnte jeder sich darum bewerben, ein Todesser zu sein.

Schaut euch die kleine Muggelstämmige an, die mit dem Erben der Malfoys zusammen ist, sagten die Leute zueinander. Wenn es um Blut ginge, dann würde sie doch sicherlich links liegen gelassen.


Hogwarts wurde verpflichtend. Den Hexen und Zauberern Großbritanniens war es nicht mehr erlaubt, ihre Kinder nach Durmstrang oder Beauxbatons zu schicken oder sie zu Hause zu unterrichten; Riddle wollte die totale Kontrolle über ihre Ausbildung. „Lasst mich ihre Vergangenheit und ihre Ausbildung kontrollieren", sagte der Mann beim Abendessen, „und ich werde ihre Zukunft kontrollieren."

Zu Hermines großem Verdruss entschied Riddle, dass Muggelkunde ein Pflichtfach für Erst- und Zweitklässler sein würde, und dass der Großteil des Lehrplans betonen würde, wie bedauernswert Muggel waren, wie weit unter den Zauberern sie standen. Muggelstämmige Schüler würden außerdem jedes Jahr bis zu ihren Z.A.G.s Unterricht über magische Bräuche nehmen müssen und wurden dazu ‚ermutigt', eine magische Familie zu finden, bei der sie die Ferien verbringen könnten. Riddle wollte, dass alle Verbindungen zur Muggelwelt so gründlich wie möglich abgebrochen würden.

„Aber ich liebe meine Muggeleltern", protestierte Hermine, als Riddle diesen Erlass offenbarte. Sie saß neben ihm und ihre Aufgabe war es, Tee und Schreibfedern und Pergament zu holen, wenn es benötigt wurde. Ein böses Imperium zu leiten benötigte ziemlich viel Papierkram.

„Ja", sagte der Mann, ohne auch nur von dem Pergament, auf das er schrieb, aufzusehen, „aber du liebst sie vom Herrenhaus der Malfoys aus. Ihre Welt ist nicht deine Welt und wird es niemals sein. Du kannst sie nicht mal zu deiner Abschlussfeier einladen, Hermine. Sie werden nicht einmal bei deiner Hochzeit sein." Er warf ihr einen Blick zu. „Oder?"

„Ich bin sicher, dass Narzissa sich um die Gästeliste kümmern wird", sagte Hermine, die ob des plötzlichen Befehls blinzelte. „Mir ist klar, dass es Tradition ist, dass die Familie der Braut -"

„Ganz genau", unterbrach er sie. „Geh und spiel mit Draco, bevor ihr zur Schule zurück müsst. Schick Montague zu mir. Er kann die nächsten paar Stunden lang mein Laufbursche sein."

„Wie mein Herr wünscht", sagte sie und hielt dann inne. „Mein Herr?"

„Ja?", fragte er leicht ungeduldig.

„Könnte ich Euch bitten, mir ein paar Fragen über Erbschaften von Reinblütern zu beantworten?"

Riddle wollte ihr schon sagen, dass sie Narzissa mit ihren Fragen belästigen sollte, als er das Funkeln in ihren Augen wahrnahm. „Ich freue mich immer, wenn ich dir helfen kann, dich in unserer Welt zurecht zu finden, Hermine", sagte er.

„Sirius Black ist ohne Erben gestorben", sagte sie. „Und ich habe gehört, wie Harry Potter sich darüber beschwert hat, dass ein Mann namens Fletcher Sirius' Sachen ‚gestohlen' habe, Sachen, die Potter offensichtlich als sein Erbe ansah."

„Unwahrscheinlich." Riddle beobachtete sie. „Die meisten Anwesen von Reinblütern werden durch einen Fideikomiss weitergegeben. Man kann sie nicht einfach demjenigen geben, den man gerne hätte."

„Aber wenn er es konnte, heißt das, dass Potter dann der Eigentümer von Sirius' altem Haus ist?"

Riddle lächelte. „Ja, Miss Granger. Das würde es. Gespräche mit dir sind immer so erbaulich. Geh jetzt", befahl er und sie gehorchte.


„Montague", sagte Riddle, als der junge Todesser hereinkam. „Besorg mir die Adresse von Walburga Blacks Haus und lass es bewachen." Er hielt inne. „Man kann es vielleicht nicht sehen. Ich würde erwarten, dass es mit einem Fidelius-Zauber belegt ist, aber ich will rund um die Uhr eine Wache dort, wo es sein sollte. Ich glaube, wir könnten eine Spur haben, wo Potter sich verschanzt hat."

Riddle blickte auf die Ausgabe des Tagespropheten auf dem Schreibtisch vor ihm und etwas, das er dort sah, entlockte ihm ein leises, zorniges Zischen, das Graham Montague zurückweichen ließ, auf einmal sehr verängstigt.

„Montague", sagte Riddle und rammte seinen Finger auf ein Foto in der Zeitung, „bevor du gehst, wärst du so freundlich, die Frau in dem schlechten Anzug für mich zu identifizieren?"

Montague näherte sich dem Tisch vorsichtig und blickte auf das Foto einer krötengleichen Frau, die von dem Finger davon zu weichen versuchte. „Ähm, das ist Dolores Umbridge, Sir", sagte er. „Es steht auch in der Bildunterschrift."

„Danke, Montague", sagte Riddle. „Du warst überaus hilfreich."

Graham Montague floh.


Hermine hatte nicht geplant, am Schlüsselloch zu lauschen, wirklich, aber sie konnte nicht umhin, Narzissa Malfoy zu überhören, die, schockierender Weise, ihre Stimme erhoben hatte.

Narzissa war wahrscheinliche die einzige Person, die im Gespräch mit Tom Riddle ihre Stimme erheben würde.

„Du willst, dass ich diese Frau in mein Haus einlade?", sagte sie ungehalten. „Sie wollte Hermine zwingen, eine Blutfeder zu verwenden, und die Vorstellung, ihr Gastfreundschaft anzubieten, ist abscheulich."

„Gastfreundschaft fängt technisch gesehen erst an, wenn wir am Tisch sitzen", sagte Riddle amüsiert. „Sicherlich kannst du deine Abscheu lange genug herunterschlucken, um Cocktails zu servieren."

„Sie ist eine Schande", murmelte Narzissa. „Engstirnige, voreingenommene, kleinkarierte -"

„Also fast wie deine Schwester?", unterbrach Riddle sie.

„Meine selige Schwester", berichtige Narzissa ihn. „Die Zeiten haben sich geändert. Walburga und ihre Sorte sind von uns gegangen -"

„Und das nicht einen Augenblick zu früh. Die Stimme der Frau war schrill."

Narzissa lachte. „Sie hat dich uneingeschränkt unterstützt."

Hermine konnte hören, wie Riddle schnaubte. „Sie hielt mich für einen aufgeblasenen Neuling und der einzige Grund, dass sie auch nur annähernd höflich zu mir war, war, dass sie Angst vor mir hatte."

Ihre eigene Angst, dass sie dabei erwischt würde, dass sie vor der Tür herum lungerte, trieb Hermine den Flur entlang und in das kleine Wohnzimmer, das die Jugendlichen benutzten. „Probleme?", fragte Draco, als er ihren Gesichtsausdruck sah.

Sie bemühte sich um eine sehr viel gelassenere Haltung und sagte: „Nein. Ich bin nur müde und ich glaube, dass deine Mutter vorhat, schon wieder Gäste einzuladen."

Draco stöhnte.

Hermine hatte, natürlich, Recht. „Zieht euch formell an", sagte Narzissa, als das fragliche Ereignis näher rückte. Sie blickte Daphne an, während sie das sagte, und das Mädchen nickte; dafür zu sorgen, dass Hermine sich an all die kleinen Details der Reinblüter-Etikette hielt, war ihre unausgesprochene Aufgabe geworden, genau wie Theo dazu bestimmt war, Draco Vertrauter und politischer Berater zu sein. Die Malfoys waren die Aristokraten und würden das öffentliche Gesicht der Herrschaft des Dunklen Lords sein. Die Notts würden die Leute sein – waren es bereits – denen sie in einer Welt voll potentieller Feinde vertrauten.

Als Hermine, ihre Finger auf Dracos Arm, den Ballsaal betrat, war der Raum voller Männer, die sie erkannte. Sie war der einzige Farbtupfer in dem Zimmer, und selbst ihr Kleid hatte eine so tiefgrüne Farbe, dass es wirkte wie Moos in einem Wald bei Dämmerung. Sie zählte die Anwesenden und lächelte langsam, ein kaltes Lächeln, das Draco, der sie beobachtete, die Stirn in Falten legen ließ.

„Möchte ich wissen, was dich so erfreut?", fragte er.

„Das ist keine Party", sagte sie leise. „Nicht mal im Ansatz. Guck dir die Zahlen an."

Draco zählte rasch: drei Frauen und mehr als ein Dutzend Männer, allesamt Todesser. „Warum ist das etwas Gutes?", fragte er.

„Du wirst es sehen", sagte sie, als Marcus Flint zu ihnen kam, und sie streckte ihre Hand aus.

Er streifte seine Lippen über ihren Handrücken und warf Draco einen Blick zu. „Noch auf meinem Totenbett werde ich betrauern, dass du den unfairen Vorteil hattest, in ihrem Jahrgang zu sein", sagte er galant und Draco grinste, während er Hermine zu einem Stuhl nahe einer der Säulen geleitete. Ein paar Augenblicke später stand er mit einer Hand wie nebenbei auf ihrer Schulter hinter ihr, und sie lachte und flirtete mit ihren zu Todessern gewordenen Mitschülern.

Die Hand versteifte sich, als Tom Riddle näher kam und sich mit einem Lächeln auf den Lippen über sie beugte. „Ich sehe, Miss Granger, dass meine Todesser bereits jetzt um dich herumscharwenzeln."

Sie lächelte zu ihm hoch und sagte: „Ihr habt solch hervorragende junge Männer ausgesucht, sich Euch anzuschließen, wie könnte ich ihrer schmeichelnden Aufmerksamkeit jemals widerstehen?"

„Kleine Hexe", sagte Riddle mit Zuneigung in der Stimme. „Wirst du mir vergeben, einen deiner Burschen davonzustehlen? Ich muss mit Mr. Flint unter vier Augen sprechen."

„Ich würde Euch alles vergeben, mein Herr", sagte sie, „solange Ihr, wenn Ihr ihn zurückschickt, ihn mit einem Glas Punsch schickt. Es ist ein bisschen warm hier drinnen."

Tom Riddle nahm ihre Hand, küsste ihre Fingerspitzen und sagte: „Ich kann dir nichts abschlagen, meine Liebe. Punsch soll es sein."

Er drehte sich zu Flint und bedeutete dem Mann mit einem abrupten Wink seines Kopfes ihm zu folgen. Als die beiden davongingen, atmete Draco scharf aus und Graham Montague sagte mit zitternder Stimmte: „Redest du immer so mit ihm?"

Draco flüsterte etwas Unverständliches und Hermine sagte: „Er hat gute Laune und das bedeutet, dass er so behandelt werden will, wie jeder andere Adlige auch."

„Und wenn er schlechte Laune hat?", fragte Graham.

„Dann versuche ich, nicht zusammenzuzucken, weil ihn das irritiert."

Graham erschauderte und er und Draco tauschten einen Blick aus. „Ich merke, dass ich dir deinen liebreizenden Preis auf einmal sehr viel weniger beneide", sagte Graham. „Ich werde sehr viel glücklicher damit sein, nicht zu viel Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen."

Draco beobachtete Hermine, die die Tür im Auge behielt. „Du weißt etwas", sagte er. „Es macht mich nervös, wenn du Dinge weißt." In diesem Moment betrat Lucius Malfoy den Raum mit Dolores Umbridge an seinem Arm.

„Immer noch in Rosa?", sagte Adrian Pucey, der die Frau mit Abscheu und Belustigung zugleich ansah.

„An sich ist ein rosa Kleid immer noch formell", sagte Hermine. „Ich trage schließlich auch kein Schwarz."

Er schnaubte und ihre Gruppe beobachtete, wie die Frau durch den Raum stolzierte, offensichtlich hocherfreut, dass sie zu dieser Versammlung eingeladen worden war, und wie sie erst Lucius Malfoy, dann Tom Riddle umschwärmte und gekünstelt anlächelte. Lucius sah zu ihnen und begegnete Dracos Blick, und der Junge nickte leicht, bevor er um Hermines Stuhl herumging und ihr seinen Arm anbot.

„Wir werden gerufen", sagte er.

Sie nahm seinen Arm und stand auf, und sie gingen hinüber zu Riddle, während Narzissa an Nott Seniors Arm ebenfalls aus der Ecke, in der sie mit den älteren Todessern Hof gehalten hatte, zu ihrem Mann, Umbridge und Riddle kam.

„Ich glaube nicht, dass Sie meine Frau getroffen haben", sagte Lucius, ohne Dolores Umbridge Narzissa tatsächlich vorzustellen.

Dolores Umbridge katzbuckelte vor ihrer eleganten Gastgeberin. „Ich bewundere Sie seit Jahren, Mrs. Malfoy", sagte sie.

Narzissa beäugte die Frau und sagte mit kühler Stimme: „Was für eine hübsche Halskette, Miss Umbridge. Sollte ich Ihnen zu Ihrem zukünftigen Glück gratulieren?"

Tom Riddle verschluckte sich beinahe an seinem Wein.

Umbridge berührte das Medaillon an ihrem Hals und sagte: „Oh, nein. Das ist ein Familienerbstück." Sie sah zu Hermine, unterließ es aber, mehr zu tun als ihre Lippen in Richtung des Mädchens zu kräuseln. Draco versteifte sich, sagte aber nichts.

„Es ist, in der Tat, ein Familienerbstück", sagte Tom Riddle. „Ich glaube allerdings, dass Sie nicht ganz im Klaren darüber sind, welcher Familie es gehört." Er wandte sich an Hermine. „Was hältst du davon, meine Liebe?"

„Es ist sehr hübsch, mein Herr", sagte sie.

„Hättest du es gerne?", fragte er.

Hermine betrachtete das Medaillon um Dolores Umbridges Hals und bezwang das Zittern, das ihre Seele durchzog. „Eure Großzügigkeit ist zu freundlich, mein Herr, aber ich bevorzuge die Kette, die Ihr mir bereits gegeben habt."

„Ich dachte, du hast gesagt, sie wäre ‚lahm'?", zog er sie mit einem verruchten Lächeln auf.

Dolores Umbridge öffnete ihren Mund. „Ihr lasst das kleine Schlammblut doch etwa nicht so zu Euch sprechen? Ein Geschenk zu kritisieren, dass Ihr ihr gönnerhaft gegeben habt?"

Tom Riddle strich eine Hand besitzergreifend über Hermines Haare. „Hermine hat mich bisher noch nicht enttäuscht", sagte er. „Schlau. Loyal. Diskret. Der Sprechende Hut wusste, was er tat, als er sie in unser Haus gesteckt hat." Er ließ seinen Blick über Umbridge wandern. „Ich überlege aber, ob Ihre Einteilung möglicherweise eher eine Art seltsamer Scherz sein sollte."

Umbridge erstarrte und sah sich um. Ein Raum voll schwarz gekleideter Männer hatte ihre Gruppe wie beiläufig umrundet. Lucius Malfoy hatte ihren Arm fallen gelassen und Narzissas genommen.

„Sie wissen, dass Slytherins sich in ihrer Geschichte niemals gegen eine der Ihren gewandt haben", sagte Narzissa, ihre Stimme trällernd. „Ich wollte Sie die ganze Zeit fragen, wie Sie zu dem Schluss kommen konnten, dass es eine gute Idee wäre, meine zukünftige Schwiegertochter, eine Slytherin, dazu zu zwingen, eine Blutfeder zu benutzen."

„Sie ist muggelstämmig", sagte Umbridge, die durch den Raum voller Männer mit harten Augen blickte. Thorfinn Rowle lachte darüber, leise und dunkel. Graham Montague sah aus, als würde er der Frau mit Freuden jetzt und hier ihre Kehle herausreißen. Selbst Yaxley wirkte, als würde ihn das Argument Umbridges ermüden.

„Sie ist eine Slytherin", berichtigte Riddle sie, „und Sie tragen das Medaillon meiner Mutter."

Umbridge legte eine Hand über das Medaillon und ihre Finger umklammerten es krampfhaft.

„Wo haben Sie es her?", fragte er, „Denn ich bin ganz sicher, dass es kein Familienerbstück ist. Nicht in Ihrer Familie."

„Ich… ich habe es einem Mann abgenommen, der es verkaufen wollte", flüsterte Umbridge. „Ich glaube, sein Name war Mundungus Irgendwas."

„Fletcher", sagte Hermine. Riddle sah sie an und sie zuckte elegant die Schultern. „Ich habe Potter einmal überhört, dass ein Mann mit diesem Namen Sirius Blacks Sachen gestohlen und verkauft hätte. Ich glaube, ich habe es Euch gegenüber erwähnt, und wirklich, wie viele Leute namens Mundungus kann es schon geben?"

Riddle blickte Marcus Flint an und sagte: „Finde heraus, wie er es bekommen hat, dann töte ihn." Flint nickte, Graham Montague schloss sich ihm an und die beiden verließen den Ballsaal. Riddle streckte seine Hand aus und Umbridge starrte ihn an, mit großen Augen blinzelnd und schwer schluckend.

„Er will, dass Sie das Medaillon seiner Mutter zurückgeben", sagte Hermine in einem Tonfall, als würde sie mit einem kleinen Kind reden.

Umbridge warf der jungen, in Seide gekleideten Hexe an Draco Malfoys Arm einen feindseligen Blick zu

„Ich würde empfehlen zu tun, was er verlangt", fügte Hermine hinzu.

Dolores Umbridge fummelte mit dem Verschluss und ließ das Medaillon beinahe fallen, als sie es Tom Riddle überreichte. Er schloss seine Finger darum und lächelte, bevor er es in eine Innentasche seiner Jacke steckte. Dann zog er seinen Zauberstab und richtete ihn auf Umbridge.

„Aber ich habe getan, was Ihr verlangt habt", sagte sie und trat hastig einen Schritt zurück. „Ich bin auf Eurer Seite", sagte sie, ihre Stimme ein panisches Winseln. „Ich will Euch helfen, unsere Welt von Ungeziefer wie ihr zu bereinigen", sie zeigte auf Hermine. „Muggel und Muggelstämmige sind Abschaum, sie -"

Umbridge geiferte weiter, ihre Stimme wurde immer höher und verzweifelter, und Riddle sagte mit leichtem Verdruss in der Stimme zu Narzissa: „Es ist, als wäre Walburga wieder unter uns."

Narzissa seufzte. „Ich habe gesagt, dass ich sie nicht einladen wollte, aber du hast darauf bestanden. Du hättest einfach jemanden zu ihrer Wohnung schicken können, um sie zu töten und das Medaillon zu holen, aber nein, du musstest es dramatisch gestalten."

Umbridge schlug weiterhin verbal um sich, mehr und mehr Todesser wirkten belustigt und Riddle sagte: „Ich genieße deine Gastfreundschaft einfach so sehr, meine liebe Narzissa, dass ich keinem Vorwand widerstehen kann, eine deiner Partys zu besuchen."

Ein Elf erschien in dem Raum und machte eine nervöse kleine Bewegung.

„Das Essen ist angerichtet, Tom, also, wenn du sie einfach töten würdest, könnten wir uns alle setzen", sagte Narzissa.

„Natürlich", sagte der Mann und ließ die schrillen Proteste mit einem schnellen Avada verstummen.

„Ich weiß es zu schätzen, dass du den Boden nicht beschmutzt", sagte Narzissa, während sie auf den Speisesaal zeigte, und die Leute im Ballsaal sich zum Essen begaben. „Es ist sehr schwierig, Blut zu entfernen, ohne das Holz zu beschädigen."

„Für dich tue ich doch Alles, meine Liebe", sagte Riddle. „Mr. Pucey, besorg Miss Granger etwas Punsch, bevor du uns beim Essen Gesellschaft leistest; ich fürchte, dass ich versprochen hatte, dass Mr. Flint ihr ein Glas holen würde, und dann musste ich ihn für eine kleine Aufgabe wegschicken."

Adrian Pucey nickte, sah Hermine mit großen Augen an und machte sich dann auf, ihr wie befohlen etwas Punsch zu besorgen.