Hallo zusammen!
Ich hoffe, ihr hattet eine schöne Woche. Bei mir ging das Wochenende jetzt nicht gerade rosig aus und auch sonst bin ich im Stress – ich bereite mich beispielsweise nächste Woche praktisch nur auf die Hauptschulprojektpräsentation vor und kann euch sagen: Das wird kein Spaß. Mein Herz läuft schon jetzt einen Marathon …
Allerdings gibt es auch ein paar gute Dinge. Zum Beispiel habe ich vielleicht eine Betaleserin gefunden und freue mich schon jetzt auf die Zusammenarbeit. Vielleicht bekommt ihr dann ja mal Kapitel ohne Rechtschreibfehler. ;P
Aber nun sollt ihr auch mal zum Kapitel kommen – ich bin die Letzte, die euch da aufhalten möchte. ^^
Hugs and kisses,
Eure Grim. ^-^
Gila ( ): Danke für deine tollen Reviews! Cheshire Cat wird (mit Prolog und Epilog) in etwa 29 Kapitel bekommen, das kommt darauf an, ob ich doch noch ein Kapitel schreibe oder mich langsam mal an den Epilog mache … *sich hinter ein paar Buchstaben duck* Und was Konstellation: Gryffindor und Slytherin angeht: Nein, es wird wohl keine Fortsetzung geben. Ich liebe so kurze Geschichten und … hach, irgendwie mag ich das Ende. Es hinterlässt so nette … Schwingungen von Aufregung und Herzklopfen, weißt du? Jedenfalls vielen Dank, auch für deinen Kommentar zu Verrückte Rache. Alle drei Storys hängen mir sehr am Herzen. (Irgendwie habe ich es momentan mit Herzen … *pfeif*)
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Egal wie weit der Weg ist, man muss den ersten Schritt tun.
- Mao Tse-tung (1893-1976)
Der Tag ging schnell vorüber. Nachdem Ginny das Mittagessen hinter sich hatte, hatte sie auch kaum noch Zeit, irgendetwas zu tun, denn ihre Mutter verdonnerte Hermine, Fleur und sie mal wieder dazu, ihr in der Küche zu helfen, damit alles bis zum Abend rechtzeitig fertig wurde – obwohl Ginny nun wirklich keine Person war, die man um Hilfe beim Kochen bitten sollte. Die Jungen verzogen sich außerhalb der Küchenreichweite, um bloß nicht von Molly dazu befehligt zu werden, irgendetwas für sie zu erledigen, und Tante Muriel verstand es lautstark auf dem Sofa vor sich hin zu schnarchen, ohne von den um sie herum wuselnden Frauen aufgeweckt zu werden.
Nur von Malfoy wusste sie nicht wirklich, wo er hin war, da er kein Wort von sich gegeben hatte, als er verschwand. Aber es war ihr auch egal – sollte er tun, was er wollte. Und besonders Zeit darüber nachzudenken bekam sie eh nicht.
Als schließlich alles soweit vorbereitet und wieder aufgeräumt war, ließen sich Hermine und Ginny erleichtert auf die Sessel im Wohnbereich fallen. „Ich glaubs nicht, es ist schon bald sechs!", murmelte Hermine, als sie die Uhrzeit von ihrer Armbanduhr ablas.
„Hauptsache, Mum entspannt sich und Dad kommt bald nachhause. Von diesem ganzen Kochkram bekomme ich echt Hunger ...", grummelte sie und legte den Kopf so in den Nacken, dass er auf der Rückenlehne lag.
„Wie weiblich, Weasley … Sicher, dass du ein Mädchen bist?"
Erschrocken riss sie die Augen auf und erkannte Malfoy, der sich mit einem hinterhältigen Feixen über sie gebeugt hatte und von Hermine mit vor Erstaunen leicht geöffnetem Mund angestarrt wurde. Schnell fasste sie sich.
„Rassismus ist ja schon eklig, Malfoy, aber musst du auch noch Sexismus draufsetzen?"
Er schnaubte und stieß sich von ihrem Sessel ab. „Ich gebe mein Bestes …", erwiderte er kühl, wobei es Ginny schwerfiel, seinen Tonfall zu deuten. Mit lustloser Miene ließ er sich den beiden Mädchen gegenüber neben Muriel plumpsen, die sich nicht einmal davon stören ließ und nur kurz in der Luft herumfuchtelte, als wolle sie im Schlaf eine Fliege vertreiben, bevor sie sich von ihm wegdrehte. „Wann gibt es Abendessen?"
Hermine verzog ironisch das Gesicht. „Man könnte meinen, du wärst hier Zuhause."
„Dich habe ich nicht gefragt, Granger", sagte er spitz, während er Ginny mit seinem stahlgrauen Blick durchbohrte.
„Etwa um halb sieben", antwortete sie schließlich und musterte ihn distanziert. Was sollte nur dieses Starren? Sie ärgerte sich wirklich über ihn und seine Handlungen, die sie einfach nicht nachvollziehen konnte, doch ließ sie sich nichts anmerken.
Plötzlich riss der Kamin die Aufmerksamkeit aller auf sich, als die Flammen aufloderten, sich grün verfärbten und erneut an diesem Tag jemand hinausstieg. Es war ihr Vater, der sich nun seinen alten Umhang abklopfte.
„Arthur, da bist du ja endlich! Ich habe mir schon Sorgen gemacht", ertönte Molly aus der Küche und eilte zu ihrem Mann, von dem sie sich einen Kuss geben ließ.
„Es hat etwas länger gedauert, als ich dachte. Wurde zuerst von Ludo und dann noch von Rita Kimmkorn aufgehalten, dieser … hm, lassen wir das."
„Was wollte sie denn?", fragte Ginny mit einem mulmigen Gefühl.
„Sie wollte doch tatsächlich wissen, ob ich für sie einen Termin mit Harry ausmachen könnte. Die Frau will offensichtlich jetzt auch noch ein nachträgliches Interview mit bekannten Persönlichkeiten des Krieges machen, so hat sie es zumindest genannt."
„Oh wirklich?!", rief plötzlich Tante Muriel und ignorierte die verständlicherweise verdutzten Blicke der Anwesenden. „Das hast du doch hoffentlich gemacht, Arthur, ich bin sicher das auch dieses Projekt von ihr ein großer Erfolg werden würde. Sie war ja auch vor ein paar Jahren eine ganze Weile von der Bildfläche verschwunden … schrecklich, schrecklich …"
Hermine und Ginny tauschten ein belustigtes Grinsen. Sie wussten immerhin nur zu gut, wo Kimmkorn die Zeit ihrer Abwesenheit verbracht hatte …
Arthur jedoch wandte sich einfach wieder seiner Frau zu. „Allerdings musste ich dann noch länger auf Kingsley warten, der heute auf einem Treffen mit dem Muggel-Premierminister war. Danach konnten wir dann zum Glück über diese Sache reden …" Er sah mit ernstem Gesicht zu Malfoy, der sich unter seinem Blick erhob.
„Was konnten Sie erreichen, Mr Weasley?", fragte er ruhig, mit leicht verschobener Mimik.
Arthur seufzte und setzte sich zu den vier anderen; Malfoy blieb stehen. „Nachdem ich ihm die Lage dargelegt hatte, sagte er, er würde sich der Angelegenheit zuwenden und versuchen, mehr bei der Aurorenzentrale herauszubekommen, allerdings bezweifelt er, dass sie so schnell etwas tun können, da es sich, wie schon vermutet, wahrscheinlich um die Serienmörder in den letzten Wochen handelt, von denen es bisher kaum Hinweise gibt."
„Und kann ich trotzdem zurück nachhause?"
„Nun …", Arthur wrang nervös seine Hände, „Kingsley und ich haben einige Zeit überlegt, sind allerdings zu dem gleichen Schluss gekommen, wie vorhin auch. Wir wollen Sie zu nichts zwingen, Draco, aber solange Sie alleine wären und dann auch noch an einem Ort, wie Malfoy Manor, wo man Sie suchen würde, halten wir es für sicherer, Sie würden hier bleiben." Das hatte Ginny schon irgendwie erwartet, trotzdem verschlug es ihr erstmal die Sprache.
„Wo man mich suchen würde?", fragte Malfoy mit hochgezogenen Augenbrauen. „Es wäre egal, ob sie mich suchen kommen würden, das Manor ist einer der sichersten Orte in ganz Großbritannien!"
Ginny sah warnend auf. „Und Hogwarts der Sicherste." Malfoy runzelte die Stirn und beobachtete sie erneut mit diesem Ausdruck, unter dem sie dieses Mal jedoch zur Seite sah. Er schien die Anspielung auf Nott verstanden zu haben.
„Sie hat recht", mischte sich Hermine ein, etwas blass, aber entschlossen. „Rational betrachtet wärst du hier am sichersten, obwohl die Schutzzauber kaum so stark sind, wie auf Hogwarts oder …", sie machte eine Pause, sprach dann aber schnell weiter: „sonst wo." Ginny musterte ihre sonst so gefasste Freundin besorgt. Sie hatte es nicht gedacht, aber die Geschehnisse im Hause der Malfoys schienen ihr immer noch zu schaffen zu machen.
Malfoy indes blickte von einem zum anderen, bevor er sich mit starrem Gesicht wieder setzte. „Schön, dann bleibe ich halt."
„Gut", sagte Arthur und klang beruhigt. Offenbar, obwohl es sich um Malfoy handelte, wollte ihr Vater immer noch nur das Beste für alle. Nur wusste Ginny nicht, ob sie das gut finden oder unglücklich darüber sein sollte. „Und machen Sie sich keine Sorgen: Kingsley und ich werden alles Mögliche tun, das in unser Macht steht. Allerdings sollten Sie noch wissen, dass die Aurorenzentrale Sie wegen der Geschehnisse befragen möchte, weshalb Sie bald im Ministerium vorsprechen sollen – schon in vier Tagen."
Malfoy nickte bedächtig, war allerdings wohl immer noch leicht abwesend. „In Ordnung."
„Und was ist jetzt mit dem Interview?", fragte Muriel ungeduldig und rümpfte die Nase. Wieder beachtete sie keiner, was wohl an ihrem mangelnden Taktgefühl lag, sie allerdings auch nicht gerade in Hochstimmung versetzte, denn kurz darauf erhob sie sich beleidigt und fauchte: „Du da, brauner Haarbusch, hilf mir beim Auspacken!"
Damit war natürlich Hermine gemeint, die schnell aufstand. „Ähm, j- ja", stotterte sie und war schon im nächsten Moment mit Mitleid erregendem Blick hinter Tante Muriel verschwunden.
„Da bin ich aber erleichtert, dass du noch mit Kingsley sprechen konntest. Hat er sonst noch etwas gesagt?"
„Nein. Dafür war das Gespräch mit Ludo auch nicht ganz … unbeachtlich …"
Molly verzog das Gesicht. „Arthur …?", machte sie fragend. „Was willst du mir damit sagen?"
„Du kennst Ludo, Molly, ich kann ihm einfach nichts abschlagen. Er ist sehr … einwickelnd. Und immerhin besorgt er uns für Silvester die Karten zur Weltmeisterschaft …"
„Dad, was gibt's dieses Mal?", seufzte Ginny grinsend.
„Er hat mich – uns – zu einem Fest eingeladen."
„Das ist doch aber schön, Arthur!", meinte Molly, positiv überrascht. „Und wann ist das?"
„Na ja … heute … Abend."
„Heute … Abend? HEUTE Abend?! Arthur Weasley! Wie konntest du nur? Ich habe alles für heute vorbereitet!", rief Ginnys Mutter außer sich, während ihr Gesicht immer röter anlief und sie wild Richtung Küche gestikulierte. „Die Gans haben wir extra besorgt und du sagst ihm zu, dass wir auf ein Fest gehen?"
„Ja, Mollyröl- ähm, Molly, es tut mir auch wirklich leid und ich, ja, ähm …", stammelte er hilflos und sah zu Ginny. Diese zuckte nur die Achseln.
„Na schön", meinte seine Frau plötzlich gelassen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Unter einer Bedingung."
„Ja …?"
„Du räumst diesen verfluchten Schuppen auf – mich lässt du ja nicht! Bei Merlin, schlimm genug, dass du ständig dort drinnen verschwindest!"
Arthur senkte zähneknirschend den Kopf. „Alles, was du willst …", seufzte er geschlagen.
„Und wo ist dieses Fest?", fragte unerwarteterweise Malfoy.
„Tatsächlich ist es sogar nicht weit entfernt – vielleicht zwei Kilometer von hier, noch in Ottery St. Catchpole."
„Kommst du etwa mit?", wollte Ginny erstaunt wissen. Statt einer Antwort blinzelte der Slytherin ihr nur desinteressiert, fast träge zu. Sie seufzte und sah zu ihren Eltern. „Dann gehen wir also heute feiern?"
Mollys Augen funkelten triumphierend zu ihrem Mann hinüber. „Oh ja …"
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Offenbar waren die restlichen Anwesenden einstimmig begeistert darüber, dass sie Heiligabend nicht versammelt an einem Tisch verbringen mussten. Besonders Muriel, die Alkohol generell nie abgeneigt war, und sich vermutlich den Abend über in irgendeiner Sitzecke das Maul über alles mögliche zerreißen würde, wurde geradezu euphorisch.
Selbst Hermine, die sonst auch die Partys im Gryffindorturm mit Skepsis genoss, wenn sie mal ein gewonnenes Quidditchspiel feierten, war begeistert – vermutlich, weil es auch kein ausgelassener Abend mit nichts als einem Butterbier in der Hand werden würde, sondern ein richtiges Fest. Was bedeutete, dass Ron wohl oder übel mit ihr tanzen müssen würde, doch das schien seiner Laune keinen Kratzer zu tun. Er war außerdem zu sehr damit beschäftigt sich über Malfoys Anwesenheit aufzuregen.
Ginny hingegen, und obwohl sie es nur ungern zugab, war davon ebenfalls nicht besonders angetan. Nicht, dass sie sich davon abbringen würde, Spaß zu haben, allerdings verpasste es ihrer Vorfreude doch einen Dämpfer. Zugegeben, einen nicht kleinen Dämpfer in Form eines unbehaglichen Gefühls, über den sie aber hinwegzusehen versuchte, besonders, da ihre Logik ihn sich nicht richtig erklären konnte. Ihre Logik war in letzter Zeit aber eh verwirrt.
Und so versammelten sich die Weasleys, samt Harry, Hermine, Malfoy und Tante Muriel, am Abend vor dem Fuchsbau. Fred und George apparierten schon im Hausflur, was Molly eigentlich strengstens verboten hatte, dann nach und nach die anderen. Auch Ginny drehte sich auf dem Absatz um sich selbst und schon verschwamm ihre Umgebung um sie herum.
Sie war keine Meisterin des Apparierens und der von Schnee bedeckte Untergrund machte es noch schwerer, das Gleichgewicht zu halten. Ausnahmsweise behielt sie aber festen Stand und landete nicht wie sonst auf dem Hintern.
„Kommt, hier lang. Dort vorne ist auch schon das Festzelt", rief ihr Vater, aus einiger Entfernung. Etwas orientierungslos sah sie sich um und bemerkte, dass sie in einem kleinen Wäldchen stand. Hastig stapfte sie in die Richtung, aus der sie die anderen vermutete, als sie plötzlich jemand am Arm fasste.
„Falsche Richtung, Weaslette …", spottete Malfoy an ihrem Ohr und dirigierte sie, bevor sie reagieren konnte, statt weiter nach rechts, nach links. Ginny war so überrumpelt, dass sie ihm wortlos folgte.
Sie traten zwischen den Bäumen hindurch und gingen auf das Festzelt zu, wo schon Bill und Fleur als die Ersten hinein verschwanden. Aus der Ferne hörte sie Percy kritisch sagen: „Die haben für so eine Veranstaltung ein Festzelt aufgestellt? Bei Bagmans verschwenderischem Charakter und seinen Schulden wundert mich das überhaupt nicht …"
„Ja ja, die Jugend", pflichtete ihm Muriel gönnerhaft bei, wobei sie ihren Gesprächspartner trotz des Altersunterschieds offenbar nicht dazuzählte.
Als Ginny und Malfoy ebenfalls in die Räumlichkeiten des bereits begonnenen Festes kamen, konnten sie auf den ersten Blick erkennen, dass bereits vereinzelte Gäste angetrunken waren – die schwebenden Butterbierkrüge und Tabletts mit Sektgläsern taten offenbar gewissenhaft ihre Arbeit. Molly hingegen zerrte Arthur zwischen die Tanzenden, während Charlie bei einer Gruppe kichernder, äußerst hübscher Mädchen stand, die sich sofort um ihn scharrten. Wiedereinmal konnte sie feststellen wie beliebt ihr Bruder doch bei Frauen war, obwohl er bisher kaum echtes, andauerndes Interesse an ihnen zeigte …
„Sekt?", fragte Malfoy plötzlich und deutete auf ein Tablett in ihrer Nähe.
„Ich hasse Sekt", gab sie zu und er nickte.
„Ich auch."
Da sie nicht recht gewusst hatte, wie sie darauf hätte antworten sollen, war sie sehr erleichtert, als eine Stimme ihren Namen rief und sie damit rettete.
„Ginny!", rief sie erneut, bevor plötzlich Hermine neben ihr auftauchte. „Ron ist mir eben etwas zu trinken holen gegangen und da war dann plötzlich- ähm, ich meine, also …", stammelte sie, als sie Malfoy entdeckte, den sie zuerst vor Aufregung gar nicht wahrgenommen hatte.
Er nickte ihr nur knapp zu und entfernte sich dann etwas von den beiden Freundinnen, obwohl sein interessierter Gesichtsausdruck ausnahmsweise mal nicht falsch zu deuten war. Ginny schüttelte genervt über sein Verhalten den Kopf. Er war nicht nur grundlegend launisch, sondern verhielt er sich schon die ganze Zeit so untypisch für seine Verhältnisse, dass sie ihn einfach nicht verstehen konnte.
Auch Hermine war das aufgefallen, die, was auch immer sie gerade sagen wollte, kurz vergessen zu haben schien. „Was ist denn mit ihm passiert?"
„Frag mich nicht. Aber sag mal, was ist mit dir los? Was war da plötzlich?" Ginny legte neugierig den Kopf etwas schief.
„Nicht 'was', Ginny, 'wer'! Cormac McLaggen – du erinnerst dich?"
„Cormac McLaggen? Dieser Kerl mit dem du versucht hast, Ron eif-"
„Ja!", unterbrach Hermine sie hastig, als sie knallrot anlief. Leicht verzweifelt sah sie über die Schulter. „Ich habe ihm gesagt, dass ich mit Ron hier bin, aber er ist etwas zu anhänglich …"
„Ist er nicht mit Lavender zusammen?"
„Ja, eigentlich, aber offenbar irgendwie nicht."
Ginny schmunzelte belustigt und nahm ihre Freundin beim Handgelenk. „Na dann, lass uns Ron suchen gehen. Wenn du Glück hast, lässt der Kerl dich in Ruhe, wenn er dich unter seiner schützenden Faust sieht."
Hermine nickte, obwohl man ihr ansah, wie widerstrebend sie etwas von schützenden Fäusten hörte. Die beiden Mädchen gingen am Rand der Tanzenden entlang und schlängelten sich zwischen einigen Tischen hindurch, bis sie Ron erreichten, der mit einer verzweifelt drein blickenden Hauselfe diskutierte, neben sich einen nicht minder genervten Harry.
„Wie oft muss ich das noch sagen: Ich bin volljährig!", schnauzte ihr Bruder gerade und hielt die beiden Krüge mit Met fest umklammert.
„Es tut mir leid, Sir, aber die Herrin hat klar ausgedrückt, dass Minderjährige keinen Alkohol bekommen sollen! Wendy erfüllt nur ihre Pflicht!", gab die Hauselfe zurück.
„Lass es doch, Ron, dann holen wir uns eben später etwas …", meinte Harry diplomatisch und ignorierte dabei das empörte Nach-Luft-schnappen Wendys.
Der Rotschopf seufzte. „Na schön", murmelte er widerspenstig und übergab der Hauselfe den Met, den diese mit misstrauischem Blick auf die Jungen, jedoch mit sichtlicher Anstrengung das Gewicht der Krüge zu halten, davonschleppte. Sie würde vermutlich den ganzen Abend ein Auge auf die beiden haben.
„Oh, Hermine, da bist du ja …", sagte Harry erleichtert, als er sie entdeckte, verspannte sich dann aber, als auch Ginny in sein Blickfeld kam. Innerlich seufzte sie und wünschte sich ganz weit weg, denn auf eine Konfrontation mit ihm könnte sie momentan ganz gut verzichten.
Ron merkte nichts von der sich rasch wandelnden Atmosphäre und sah seine Freundin bedauernd an. „Tut mir leid, ich hol dir sofort et-"
„Ah, schon gut", beteuerte Hermine schnell und blinzelte zu Ginny hinüber. „Ich habe eh viel mehr Lust mit dir zu tanzen." Sie setzte ein Lächeln auf und schob Ron auf die Tanzfläche. „Ach so, na dann …", erwiderte der verwundert, ließ sich aber mitschleifen.
Ginny hätte am liebsten laut aufgestöhnt über den Versuch Hermines, ihnen eine Gelegenheit zum Reden zu geben, besonders, als sie aus den Augenwinkeln Harrys Anspannung bemerkte. „Ich-", wollte sie sich herausreden, um die Flucht ergreifen zu können (obwohl ihr zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht ganz klar war, wie sie das überhaupt anstellen wollte).
„Wie geht es dir so?", schnitt Harry ihr aber das Wort ab. Er wagte es immer noch nicht, sie anzusehen, und seinen Tonfall konnte sie genauso wenig deuten.
„Gut …", antwortete sie. Um die peinliche Stille zu vermeiden, plapperte sie im nächsten Moment einfach drauflos: „Ich dachte allerdings eigentlich, dass ich etwas mehr Freizeit haben würde, aber ich muss wohl doch ziemlich viel lernen und dazu kommen jetzt auch noch Tante Muriel und Malfoy und ich-"
„Du nennst ihn noch nicht Draco?", unterbrach er sie erneut, was sie zum Verstummen brachte.
„Wie bitte?", fragte sie verblüfft und hatte das Gefühl, sich verhört zu haben. Ebenso verwirrt nahm sie seine geballten Fäuste, die weiß hervorstechenden Fingerknöchel und seinen tief verletzten Gesichtsausdruck zur Kenntnis. Sie fragte sich nur, ob das tatsächlich etwas mit ihr zu tun haben konnte.
„Ob du ihn nicht schon Draco nennst. So, wie ihr in der Heulenden Hütte aufeinander hocken müsst."
Ginny schüttelte den Kopf. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich etwas mit Malfoy anfangen würde!"
Harry hob elegant die Augenbrauen ein Stück in die Höhe, auf eine Art, die ihn erschreckenderweise dem Slytherin nicht unähnlich sehen ließ. „Ach wirklich?", erkundigte er sich bitter. „Das scheint er anders zu sehen."
„Malfoy? Das ist Unsinn, Harry."
„Er hat es selbst gesagt", beschuldigte er den Slytherin weiter und sah zum ersten Mal an diesem Abend zu Ginny hinunter. Deren Augen weiteten sich ungläubig, ihr Herz raste und sie war nicht in der Lage, etwas zu erwidern.
„Ich habe nur ihren Namen verwendet, Potty, das heißt nicht gleich, dass ich ihr meine ewige Liebe gestehen würde …", schnarrte Malfoy und erschreckte Ginny fast zu Tode, als sie herumwirbelte und direkt in sein Gesicht sah. „Bist du so innerlich verwirrt von Selbstzweifeln, weil sie dich verlassen hat, oder leidest du schon seit deiner Geburt an dieser chronischen Krankheit namens Überinterpretation?", sprach er gelassen weiter.
Harry verzog zornig das Gesicht. „Was schleichst du hier so rum, Malfoy?"
„Oh, ich dachte nur, da ihr gerade so herzzerreißend über mich sprecht, dass ich mich mal einmischen sollte …" Hätte Ginny es nicht besser gewusst, hätte sie seinem ausgeglichenen, unschuldigen Blick tatsächlich Glauben schenken können, doch natürlich war ihr bewusst, dass es ihm eigentlich größtes Vergnügen bereitete. Wie einer lauernden Katze, die genau weiß, dass ihr Opfer längst mit dem Rücken zur Wand steht.
„Worüber genau redet ihr eigentlich?", fuhr sie schnell dazwischen, bevor Harry dem etwas entgegenschleudern konnte.
Während der Gryffindor verkrampft zur Seite sah und mit den Zähnen knirschte, blieb Malfoy genauso entspannt, wie vorher auch. „Nur über ein kleines Zusammentreffen vor den Ferien."
„Aha …", sagte sie langsam und beobachtete die beiden Kontrahenten genau. Ohne speziell daran gedacht zu haben, kam in ihr plötzlich das Bild von Malfoys Arm hoch und dem sich darauf befindenden Bluterguss. Sie schüttelte langsam den Kopf, wurde ihre Ahnung, die sie auch damals gehabt hatte, jedoch nicht ganz los.
„Komm, Ginny, gehen wir." Harry ergriff ihre Hand und warf Malfoy einen warnenden Blick zu. Es verwunderte sie, als wie seltsam unangenehm sie den Druck seiner Finger empfand, und aus einem Reflex heraus machte sie sich von ihm los.
„Es scheint, als wollte sie nicht wirklich mitkommen", übersetzte der Slytherin Ginnys Reaktion, bevor sie überhaupt Stellung beziehen konnte, und verschränkte selbstgefällig die Arme vor der Brust.
Sie löste sich von Harrys getroffener Miene und blitzte ihn wütend an. Es gefiel ihr nicht, wie er sie als Mittel benutzte, um Harry zu verletzen. „Halt dich daraus", sagte sie warnend, ein Stück weit genervt, und wandte sich an Harry. „Du kannst gehen, aber ich möchte mich kurz noch mit Malfoy unterhalten."
Harry schien mit sich zu kämpfen, drehte sich dann jedoch mit einem letzten Todesblick zu Malfoy und einem verbissenen Gesichtsausdruck um und ging zurück zu den anderen.
„Das war doch lustig", frotzelte Malfoy an ihrer Seite. Sie ignorierte ihn und, da sie keinerlei Worte fand, schob sie sich an ihm vorbei, um das Weite zu suchen. „He, ich dachte, du wolltest dich mit mir unterhalten?", rief er ihr spöttisch hinterher.
„Habe meine Meinung geändert", gab sie zurück und steuerte auf Charlie zu, der immer noch von einer ganzen Herde weiblicher Fans umringt war. Da zog sie plötzlich jemand an der Taille zurück und hielt sie auf.
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich dich entkommen lasse, oder?"
Obwohl sie genau wusste, dass er sie nur aufziehen wollte, spürte sie, wie sie erschauderte. Der Angstschweiß brach ihr aus. Sein Atem strich leicht über ihren Nacken.
„L-Lass das!"
Malfoy lachte amüsiert, ließ sie aber sofort los. „Also", meinte er unbekümmert, „wie wäre es mit einem Butterbier?"
