Hey, ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr 2016 gerutscht!

Tut mir sehr leid, dass die Kapitel auf sich warten ließen – aber hier sind gleich 2. Ich hoffe, das sind Ausgleiche für die Wartezeit und irgendwie auch meine verspäteten Weihnachtsgeschenke an euch! Genießt es und bis demnächst!

Eure Grim

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Für einige Dinge finden wir keine vernünftigen Begründungen, doch für eben jene begründet unser Herz genug. Die Frage ist nur, ob wir es hören.

- YouDontKnowHer

Viele Menschen verlieren ihre Nerven nur, weil du deine behalten hast.

- Frank Moore Colby (1865-1925)

Als Ginny landete, hatte sie ein Gefühl, welches man immer hat, wenn man auf gerade eingenommenes Frühstück mit einem Portschlüssel durchgewirbelt wurde. Sie hatte nicht einmal die Augen geöffnet, die sie bei solchen Reisen immer schloss, da überkam sie schon ein heftiges Schwindelgefühl und sie stolperte unbeholfen nach vorne. Sie machte sich gerade auf den Fall und den todsicher darauf folgenden Aufprall bereit, als sie jemand auffing.

„Geht es?", fragte Malfoy neben ihr und sie nickte etwas orientierungslos.

„Ja, danke", murmelte Ginny, rechnete es ihm aber hoch an, dass er noch einen kurzen Moment so verharrte, bis er sie freigab.

So richtete sie sich rasch wieder auf und konnte nun ihren Landeplatz in Augenschein nehmen, nachdem ihr Gleichgewichtssinn sich langsam wieder eingependelt hatte. Sie standen auf einer relativ weitflächigen Wiese, die von einer zarten Schneeschicht überzogen war, nur unterbrochen von einigen tapferen Grashalmen, die sich dem Himmel emporstreckten. Es gab weder Bäume, noch Büsche, nur einige knochige Sträucher.

„Weasley?", kam es trocken von rechts und die Person, der die Stimme gehörte, stellte sich als eine Frau mit geradegezupften Augenbrauen und einem blonden Dutt heraus, die ein Klemmbrett in den fein säuberlich lackierten Fingern hielt.

„Guten Tag", grüßte Arthur freundlich. „Ja, das sind wir."

„In Ordnung, Sie sind in Abschnitt fünf bei Mr O'Madden. Räumen Sie bitte den Platz. Wenn Sie noch eine Karte des Geländes benötigen, können Sie die bei meinem Kollegen dort drüben abholen", ratterte die Frau herunter, ohne aufzusehen, und wedelte grob in die Richtung eines hageren, hochgewachsenen Mannes mit Schlapphut.

„Äh, ja, danke sehr. Kommt, Weasleys …", sagte Arthur irritiert und führte die Gruppe einen Feldweg entlang.

Es dauerte einige Zeit, doch schließlich erreichten sie den richtigen Abschnitt mit etwas Hilfe von Hermine und der Karte, die sie sich vorsichtshalber von dem Kollegen der Frau geholt hatte, und trieben dort auch Mr O'Madden auf, einen gemütlichen Mann mittleren Alters, der nicht viel sprach, sondern nur von Arthur das Geld entgegennahm und ihnen auf der Karte ihren Zeltplatz zeigte.

„Ah, ich sehe schon, da vorne ist es!", rief ihr Vater mit neuem Elan und beschleunigte seine Schritte.

Ginny, die mit Charlie ganz hinten lief, wandte sich an ihren Bruder, als ihr etwas einfiel.

„Sag mal, wieso sind eigentlich dieses Jahr Mr Diggory oder die Fawcetts nicht mitgekommen?"

„Oh, Diggory ist schon einige Tage hier und die Fawcetts seit einer Woche oder so. Wir sind die Letzten", erwiderte der Rotschopf und stopfte die Hände in die Jackentaschen, um sie zu wärmen.

„So, da wären wir", meinte jetzt Arthur und auch die beiden schlossen zu den anderen auf, die bereits auf einem freien Platz zwischen zwei anderen Zelten standen.

Fred ließ sich müde auf einem Baumstumpf nieder, der zusammen mit zwei niedrigen Bänken und einem Felsbrocken um eine Feuerstelle aufgestellt war. „Dad, sag bitte, dass wir jetzt einfach einen Zauber benutzen, die Zelte aufstellen und ein Nickerchen halten können …", brummte er sehnsüchtig.

„Aber, aber, wir müssen immerhin noch alles vorbereiten, damit wir später essen können. Und außerdem müssen die Zelte noch aufgebaut werden."

„Dad!", kam es in einstimmigem Gemaule von den Geschwistern, doch Arthur kannte ausnahmsweise kein Erbarmen.

„Bill, Charlie, Ginny, Draco, ihr geht Feuerholz holen. Hermine und Harry, ihr helft mir beim Aufbau der Zelte. Fleur, George und Fred, ihr holt das Wasser. Na los, macht schon, Kinder", schlug er auch die letzten Proteste in den Wind und scheuchte, besser hätte es Mrs Weasley auch nicht gekonnt, seine Kinder davon, natürlich nicht ohne selbst euphorisch nach den beiden Zelten zu greifen.

Ginny seufzte müde und gähnte, doch zumindest für die Zwillinge sah es rosig aus, denn als die Gruppen sich auf halbem Weg zum Wald trennten, entdeckten die beiden Bagman, der mit immer wehendem, wespengelbem Umhang gerade auf ein Zelt zusteuerte. „Ludo!", hörte sie ihre Brüder noch aus der Entfernung und sah, wie sie den Mann mit schadenfrohem Grinsen zwischen sich nahmen.

„Was hältst du dieses Mal von einer richtigen Wette …?"

Einige Stunden später waren alle Arbeiten erledigt und das Mittagessen, das aus einem wild zusammengemischten, pikanten Eintopf bestand, würde sicher auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Der restliche Tag verging genauso schnell und der Zeltplatz füllte sich Stunde für Stunde stetig.

„He, was haltet ihr davon, wenn wir langsam losgehen?", schlug Ron vor, der sich ausnahmsweise von Malfoys Anwesenheit nicht stören ließ und in Richtung des Trubels blickte, der sich umso näher am Stadion umso magischer und auffälliger abzeichnete. Aber da das Spiel schon in zwei Stunden beginnen würde, ließ sich jetzt keiner mehr von den Ministeriumsbeauftragten aufhalten, die vorher noch entnervt von einem Ort zum anderen geeilt waren, um die Leute wegen der Muggelabwehr zu ermahnen.

„Eine gute Idee", stimmte George mit neuem Elan zu und sprang begeistert auf, während Hermine sich von Ron von einem Felsbrocken hochziehen ließ.

Und so gingen alle ihre Geldbeutel und Jacken holen. Auch Ginny rannte noch einmal ins Mädchenzelt, in dem sie in dieser Nacht mit Hermine und Fleur gemeinsam schlafen würde, dann war sie bereit. Zusammen mit Charlie, bei dem sie sich gut gelaunt einhakte, spazierten sie durch die Zeltreihen, einige Meter vor ihnen Harry und Ginnys Vater und hinter ihnen Malfoy, Bill und Fleur.

Hin und wieder hielten sie an einigen Ständen an und kauften etwas oder feilschten mit den Händlern, wobei Charlie ein geschicktes Händchen bewies und beispielsweise seiner Schwester und sich selbst zwei hübsche, spanische Sombreros besorgte, die in den Farben rot und goldgelb gehalten waren und die Nationalhymne von sich gaben, wenn man an einer der gelben Quasten zog. Auch ergatterte Ginny eine spanische Flagge, die angeblich bei jedem Tor des Nationalteams in magischen Flammen aufging.

Sie waren schon fast am Stadion angekommen. Inzwischen war die Sonne hinter dem Horizont versunken und helle Lichter in den Bäumen, Büschen, an Ständen, von Waren oder von Zauberstäben durchbrachen die Dunkelheit des Winterabends.

Ginny, Charlie, Fleur und Malfoy standen gerade an einem Stand, bei dem man die rumänischen und spanischen Nationalspieler auf Miniatur-Besen und einem passenden Miniatur-Quidditchfeld spielen sehen konnte („Das ganze Set nur fünfunddreißig Galleonen! Ein Schnäppchen! Kommen Sie, Sir, wollen Sie es nicht kaufen? Fünfunddreißig Galleonen!"), da hörten sie eine Stimme.
„Ginny! Ginny!", flötete dieser jemand und als Ginny sich umdrehte, entdeckte sie Malcom Richard, der auf sie zuschritt und ihr lässig winkte.

„Richard …", sagte sie, wenig erfreut.

„Hi. Alles klar bei dir?""
„Ja." Bis eben.

„Natürlich!", erwiderte er beschwingt und schnappte sich ungefragt mal wieder ihre Hand, um ihr einen Kuss auf den Handrücken zu geben.

Praktisch augenblicklich entzog sie ihm ihren Arm und zischte: „Was willst du? Ich dachte, ich hätte mich klar genug ausgedrückt."

Er lächelte und strich ihr über das Kinn. „Das ist doch schon eine Weile her. Ich hatte einfach angenommen, du würdest mich gern sehen, wenn wir beide schon hier sind."
„Tja, das war wohl eine komplett falsche Einschätzung."

Richard ignorierte sie.
„Ich bin übrigens mit meinen Geschwistern und meinem Onkel gekommen. Vielleicht kennst du sie ja: Meine Schwester Jessabelle aus dem zweiten Jahrgang und Samuel. Er kam erst dieses Jahr nach Hogwarts."

Sie verschränkte schweigend die Arme und blickte zu den beiden Richards, die einige Meter entfernt mit einem Verkäufer um zwei Packungen Nachos feilschten. Seiner Mimik nach zu urteilen trieben sie ihn ganz schön in die Enge. Eindeutig Slytherins.

„Sag mal, Gin, willst du uns deinen Freund eigentlich vorstellen?"

Sie drehte sich überrascht zu Charlie um, den sie ganz vergessen hatte, genauso wie Fleur und Malfoy. Ihre Schwägerin schien eher entzückt von dem Anblick des gutaussehenden Slytherins, wobei Malfoy nur finster dreinschaute und Richard mit seinen Blicken erdolchte.

Wenigstens einer, der ihn von Anfang an richtig eingeschätzt hatte.

„Nein, eigentlich nicht. Er wollte gerade gehen."

„Unsinn! Malcom Richard, ein Mitschüler von Ginny. Wir sind zusammen in Muggelkunde. Freut mich, Sie kennenzulernen", strahlte er und schüttelte ihrem Bruder die Hand, nachdem er Fleur ebenso begrüßte, wie er es bei Ginny getan hatte. Dann wanderte sein Blick zu Malfoy. Mit einem falschen Lächeln fragte er: „Und Malfoy, was machst du eigentlich hier?"

„Ich erfreue mich an Quidditch und habe vor, genau wie Millionen andere Zauberer und Hexen auch, das Finale anzusehen", entgegnete er ebenso kühl und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Schön … wirklich schön. Ginny", er lächelte ihr kurz zu, „ich hoffe, wir sehen uns noch später. Ich werde dir auf jeden Fall die nächsten Tage mal einen Brief schreiben."

„Wag es ja nicht!", knurrte sie gedämpft und wurde wieder überhört.

„Du musst mich jetzt aber entschuldigen, ich wollte noch eben kurz mit meinem guten, alten Freund eine kurze Unterhaltung führen …"

Ginny sah besorgt zu Malfoy. Er erwiderte kurz ihren Blick und hob eine Augenbraue, dann schlenderte er Richard hinterher.

Beuh, wie darf man das eben denn verstehen?", murmelte Fleur und Charlie zog nur unbetroffen seinen Schal fester.

„Keine Ahnung. Ah, seht mal, da ist Krum."

ooooo

Draco währenddessen spürte die Augen Ginnys, die ihm folgten.

Was sollte Richard wohl von ihm wollen? Außer, dass er seine Ferien mit seinem Opfer verbrachte, hatte er ja nichts getan, was ihn etwas anginge.

„Also, was willst du?", fragte er distanziert, als der andere Slytherin stoppte und sich hinter ein älteres Pärchen in die Schlange eines Essensstandes mit rumänischen Spezialitäten stellte.

„Das Sarmale de varza acra klingt gut, oder?", meinte er und betrachtete eingehend ein Schild, auf dem man die Angebote aufgelistet hatte.

Draco schwieg nur und wartete, dass er etwas sagte, doch als die beiden drei Minuten später immer noch stumm dastanden und Richard fröhlich vor sich hin summte, wurde es ihm zu lästig.

„Ich gehe, wenn du mir nichts mitteilen willst."

„Ah, jetzt flieg nicht wieder gleich vom Besen, Malfoy. Ich wollte eigentlich nur etwas klarstellen …"

Der Dunkelhaarige sah ihm mit diesem Lächeln ins Gesicht, das Draco von sich selbst kannte. Es war das falsche Lächeln, das die meisten Slytherins schon in ihrem ersten Jahr gezwungenermaßen erlernten, um ihre eigentlichen Emotionen dahinter zu verbergen. Ohne konnte man dort nicht überleben, nicht in Slytherin.

„Und was wäre das?" Er vergrub die zu Fäusten geballten Hände in seinen Jackentaschen.

„Dass meine Wette weiterhin gilt. Nur, weil Nott es geschafft hat, sich von diesen Verrückten erwischen zu lassen, und es in Hogsmeade nicht so gut lief, heißt das nicht, dass ich Weasley nicht noch für mich gewinnen werde. Um sie dann fallen zu lassen, versteht sich."

Draco konnte nicht anders: Er stieß ein belustigtes Schnauben aus. Er konnte nicht glauben, dass Richard es noch einmal versuchen wollte. Inzwischen kannte er Weaslette gut genug, er hatte sie ausreichend beobachtet, um zu wissen, dass sie sich nicht ein weiteres Mal auf ihn einlassen würde. Egal, was für Lügen er ihr auftischen sollte.

Wenn Draco so darüber nachdachte, dann kam ihm in den Sinn, dass er es schon vor seiner Zeit im Fuchsbau hätte wissen müssen, immerhin war ihm bereits vor drei Jahren aufgefallen, dass sie eine verdammt kluge Füchsin war.

„Was lachst du so? Glaubst du, du könntest mich aufhalten und selbst Chancen bei ihr haben, he?"

Seine Gesichtszüge glätteten sich sofort wieder.

„Ich könnte dich in allem aufhalten und besiegen, Richard – wenn ich es nur versuchen würde. Aber ich will dir natürlich nicht den Spaß verderben. Allerdings ein kleiner Rat …", Draco beugte sich mit gefährlich blitzenden Augen vor, „halt dich von Weaslette fern."

Damit bleckte er noch einmal mit einem wölfischen Lächeln die Zähne und wandte sich ab.

„Du hörst dich doch nur selbst gern reden, Malfoy!", rief Richard ihm hinterher.

Draco schnaubte nur.

Weaslette würde er definitiv nicht in seine Falle gehen lassen.

Nicht mal annähernd.

ooooo

Ginny und die anderen warteten nicht lange, da kehrte Malfoy auch schon wieder zurück.

Er verlor kein Wort darüber, was er mit Richard besprochen hatte.

Da es aber nun wirklich Zeit wurde, zum Stadion aufzubrechen, gingen die vier etwas schneller als vorher durch die Menge, ohne bei den verschiedenen Verkäufern anzuhalten.

Auch die meisten anderen drängten in dieselbe Richtung, sodass es kein Problem war durchzukommen, und so kamen sie zügig voran.

Charlie führte sie sicher durch die Zeltreihen, bis sich der Trubel langsam legte und abgesehen von einem breiten Weg und den Leuten weit und breit nichts mehr zu erkennen war, abgesehen von der Dunkelheit und einzelnen Schatten von Bäumen und anderen Gewächsen. Die Lichter, die den Weg erhellten, schwebten frei in der Luft und auch wenn Ginny so etwas seit ihrer Kindheit kannte, ließ es ihr Herz trotzdem höher schlagen vor Aufregung.

Schließlich tauchte das riesige Profil des Stadions auf, das sie schon vorhin von den Zelten aus gesehen hatte, und der Weg mündete in einen großen Platz, von dem Pfade rund um das Stadion zu den Eingängen führten, durch die bereits tausende Zauberer strömten.

„Dad sagte, wir treffen uns an Eingang C!", schrie Charlie über die Gespräche, das Lachen und den Lärm um sie herum hinweg.

Sie folgten ihm zum Treffpunkt, wo sie recht schnell Arthur, Harry, Hermine und die anderen Weasleys fanden.

„Sind alle da?", erkundigte sich Ginnys Vater und die Gruppe bejahte mehr oder weniger einstimmig.

„Gut, dann kommt. Abend, Robert", grüßte er den Ministeriumszauberer am Eingang, der zurückgrüßte und ihnen ihre Plätze wies.

Ginny folgte ihrer Familie und zusammen stapften sie die Treppen hinauf. Sie sah sich einige Male um, ob Malfoy sie nicht verloren hatte, doch er war immer dicht hinter ihr. Und so ging es bis etwas zur halben Höhe, da hörte sie erneut jemanden ihren Namen rufen.

Malfoy und sie blieben stehen und machten den Leuten Platz, die weiter nach oben wollten.

„Miss Weasley, Miss Weasley!", sahen sie dann Rita Kimmkorn ausrufen, die die letzten Stufen zu ihnen hinauf eilte, was in ihren dunkelgrünen, mindestens zehn Zentimeter hohen Pumps eine reife Leistung war.

Ginny merkte, wie der Slytherin neben ihr sich leicht anspannte und die Kiefer aufeinander presste. Verdammt, wenn Rita Kimmkorn sie jetzt zusammen entdeckte … doch um etwas dagegen zu unternehmen, war es an diesem Zeitpunkt schon zu spät, denn die Reporterin war bei ihnen angekommen und musterte die beiden Teenager mit bereits gezückter Schreibfeder und einer Miene, welche ihre Witterung nach einer Sensation deutlich widerspiegelte.

„Ich wollte längst ein Gespräch mit Ihnen führen, Miss Weasley, und dann auch noch in Begleitung von Ihnen, Draco … Vielleicht ein kleiner Kommentar für die morgige Schlagzeile?"

„Nein", erwiderte Malfoy abwehrend. „Und für Sie immer noch Mr Malfoy."

„Schade." Rita rückte ihre juwelenbesetzte Brille zurecht und wandte sich an Ginny, während ihre Feder eifrig mitschrieb.

„Dann Sie, Miss Weasley. Nur eine kurze Aussage zu der Trennung von Harry Potter, der Held Großbritanniens und das Idol aller zukünftigen Gerechtigkeitskämpfer. Es gehen ja allerlei Gerüchte um … Darf ich davon ausgehen, dass die Geschichte der Wahrheit entspricht, nach der Mr Potter Sie verließ, weil Sie neidisch auf seinen Ruhm waren? Und stimmt die, bei der sie danach für einen gesamten Monat verschwanden, um – ich zitiere! - 'eine Auszeit zu nehmen und über den Schock und Schmerz, den die Trennung bei Ihnen verursachte, hinwegzukommen'? Oder, dass..."

„Hören Sie mal, Sie Giftspeierin auf zwei Beinen: Ich hatte Ferien und war nie einen Monat verschwunden! Nur, um das einmal klar zu stellen!", sagte Ginny aufgebracht, doch die Journalistin hörte ihr gar nicht richtig zu.

„... Sie nach Mr Potters Trennung von einer Schwangerschaft erfuhren und das Kind abtrieben, weil Sie mit der Situation nicht klar kamen? Oder, dass Sie in Depressionen verfielen und eine psychische Therapie benötigten? Oder..."

Ihre Stimme war so laut, dass inzwischen sogar einige der Zauberer und Hexen, die vorher noch eilig ihre Sitzplätze gesucht hatten, um sie herum stehen geblieben waren und die drei neugierig musterten.

Ginny, die immer blasser geworden war und bei diesen Aussagen langsam aber sicher verstummte, während sich ein gewaltiger Kloß in ihrer Kehle bildete, bekam gar nicht mit, wie sie in einer Mischung aus Sprachlosigkeit, Verlegenheit und unterdrücktem Zorn ihre Fingernägel in ihren Mantel grub.

Malfoy blickte zu ihr hinunter und das sonst so undurchschaubare Gesicht wurde von Rissen durchzogen, als seine Miene sich wütend verzerrte.

Sein Blick wanderte zu Rita und ohne groß darüber nachzudenken, schnappte er sich ihre Schreibfeder und zerbrach sie mit einem deutlich vernehmbaren Knacken in seiner Faust.

„Hören Sie", sagte er vollkommen ruhig, „das Einzige, was Miss Weasley dazu zu sagen hat, ist, dass sie sich jetzt das Spiel ansehen möchte. Und noch etwas, Kimmkorn: Sie hat mit ihm Schluss gemacht."

Damit nahm er ihre Hand und zog sie an den gespannten Schaulustigen vorbei, weiter die Treppenstufen hinauf.

Ginny ließ es protestlos geschehen und war auch gar nicht wirklich dazu fähig, sich von ihm zu lösen.

Allerdings lag das nicht wirklich an der Begegnung mit der Journalistin, sondern an ihrem Atem, der plötzlich unregelmäßig ging, und an der Wärme seiner Hand an ihrer.

Sie wusste nicht, wie lange sie so durch die Menge liefen, als Malfoy auf einmal anhielt und sie, wie immer sehr geschickt, gegen seinen Rücken prallte.

Aufgeschreckt und aus ihrer Abwesenheit gerissen, sah sie an ihm vorbei und erkannte Blaise Zabini, gekleidet in ein komplett traditionell bunt schillerndes Toreador-Kostüm, inklusive Quasten, Hut, Stickereien und Umhang.

„Draco!", rief er aus, bereits der Dritte an diesem Tag, der ihnen so oder so ähnlich begegnete. Allerdings von allen vermutlich der am wenigsten unerwünschte. „Ich habe dich schon gesucht, Alter!"

„Zabini", brummte Malfoy, kein bisschen von dessen Aufzug beeindruckt.

„Ach, bist du etwa noch sauer wegen Weihnachten? Glaub mir, ich wollte dir damit nur einen Gefallen tun. Solche Dinge tun beste Freunde."

„Ex-beste-Freunde, meinst du wohl", schnaubte der Slytherin. Er schien Ginny ganz vergessen zu haben, die kaum verstehen konnte, wovon sie sprachen, doch Zabini entdeckte sie in genau diesem Augenblick und setzte ein strahlendes Grinsen auf.

„Weasley, stimmts?", feixte er und lugte an seinem Freund vorbei – pardon, Ex-Freund. „Hab schon einiges von dir gehört – gestreifte Schlafanzüge, hm?"

Ginny spürte, wie sich eine verdächtige Röte auf ihren Wangen und bis zu ihren Ohren ausbreitete und mal wieder einen Wettbewerb mit ihren Haaren austrug.

„Woher hast du das denn …?", nuschelte sie und schüttelte seine Hand, die er ihr hinstreckte.

„Draco erzählt so einiges, wenn der Tag lang ist und die Streifen bunt sind …", witzelte er fröhlich, wobei sein Blick kaum merklich zu ihren verschränkten Händen glitt.

Augenblicklich merkte sie, wie Malfoy sie losließ und ein Stück zur Seite trat, als hätte er sich verbrannt.

Urplötzlich wurde ihr kalt.

„Da fällt mir ein", meinte Zabini, als wäre nichts geschehen, „ich soll dich von Astoria grüßen. Und sie möchte wissen, ob du dieses Jahr wieder über Silvester kommst."
„Ich kann nicht. Ich stehe unter weasleyschem Schutz …"

„Du könntest Dad trotzdem fragen", mischte Ginny sich ein und zuckte die Achseln. „Vielleicht hast du Glück."
„Und vielleicht könntest du ihn ja auch begleiten, dann wäre immer noch jemand da, der auf ihn aufpassen kann", sagte Zabini.
„Ich?!"

„Sie?!"

Die Rothaarige starrte Zabini und den Blonden verblüfft an, denn Malfoy schien ebenso überrascht, wie sie, während der Latino nur grinste.

„Klar, wieso nicht? Hast du Zeit?"
„Ja, schon, ich meine, dass ich nichts vorhabe, aber ich-"
„Dann ist es beschlossene Sache! Ich komme morgen bei eurem Zelt vorbei, ja?"

Zabini zwinkerte ihr noch einmal zu, klopfte seinem Freund auf die Schulter und beugte sich kurz zu ihm, um ihm etwas zuzuflüstern, bevor er an den beiden vorbeiging und die Stufen weiter hinunterschlenderte, um dann nach links in eine Sitzreihe abzubiegen.

Malfoy seufzte hörbar auf und grummelte etwas Unverständliches vor sich hin, dann knurrte er deutlicher: „Komm schon, Weaslette."

Ginny nickte und folgte ihm.

Nach einigen Sekunden hielt sie es schon nicht mehr aus.

„Ich soll da echt mitkommen?"

„Wenn Blaise Zabini das sagt, dann solltest du das wohl. Wenn wir nicht Glück haben und dein Vater es uns verbietet."

„Ah …"

„Ja."

Schließlich waren sie an der richtigen Loge angekommen, traten ein und schoben sich möglichst unauffällig neben die anderen, wobei der Gryffindor allerdings Hermines fragende Miene nicht entging.

Sie winkte ab und bildete mit den Lippen ein „Ich erzähle es dir später".

Ihr Blick fiel dabei zufällig auf ihre Hand, wobei sie bei dem Gedanken an eben wieder leicht rot wurde.

Schnell wandte sie die Augen ab und schüttelte die Erinnerungen ab, während sie sich in den gemütlichen, dunkelroten Sitz zurücksinken ließ.

Plötzlich ertönte ein hohes Pfeifen und Ginny hörte Ludo Bagmans Stimme deutlich durch das Stadion schallen: „Guten Abend, Ladies und Gentlemen! Ich hoffe, Sie freuen sich schon auf das Spiel, denn es wird auf jeden Fall wieder spannend bis zu Merlins Bartende! Rechts haben wir die Weltklasse-Spieler aus Rumänien, links sehen Sie die heißblütigen Spanier! Viele haben ja auf Spanien gesetzt, doch da wäre ich mir nicht so sicher … Und ja, Kingsley, damit meine ich dich!"

Damit, und mit einer noch etwas länger dauernden Einleitungsrede Bagmans, schossen die Spieler der Teams auf ihren Besen über das Feld und wenige Minuten später wurde der Schnatz losgelassen.

Die Quidditchweltmeisterschaft begann.

Ginny derweil hatte allerdings natürlich keine Ahnung davon, dass Dracos Gedanken während der ersten Minuten ebenso kein bisschen beim Spiel waren, sondern er an das Gefühl ihrer Hand in seiner zurückdachte.