Und weiter geht's … *Hände reib* :)
Bis nächste Woche dann! Grim
PS: Und noch ein schnelles "Danke an"!
Chimaera
Nikoesh
Gila, obwohl ich dich schon erwähnt habe, aber du bist die treueste Leserin, die man sich wünschen kann! Bleib bitte so wunderbar! :)
Piglet, meine Beta! ^^
alle alten und neuen Leser, ob anonym oder nicht! :)
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„Eisenmangel", schrieb der Gefängnisarzt lakonisch ins Protokoll. „Unverschämtheit", schnaubte der mit seinen Handschellen rasselnde Gefangene.
- Martin Herhard Reisenberg (*1949)
Wer keine Flügel hat, findet einen Käfig.
- Pavel Kosorin (*1964)
Das Frühstück war einfach köstlich, wie bisher alles, was Blaise zubereitet hatte. Ginny war nur froh, dass es schweigend verlief, was hauptsächlich daran lag, dass der Latino zu sehr mit essen beschäftigt war, Astoria noch halb schlief und Malfoy eben malfoyhaft schwieg. So bemerkte jedenfalls niemand, dass sie in ihre eigenen Gedanken versunken war, und das war auch gut so.
Danach räumte Malfoy ohne jegliche Proteste ab und verschwand in der Küche, während Astoria mit nach oben ging und seine Sachen packte, genauso wie Ginny ihre eigenen. Um zehn Uhr waren sie abreisebereit und standen im Flur, um sich anzuziehen.
„Also, Draco, stell keinen Unsinn an und sei lieb zu der kleinen Weasley", sagte Blaise, als er und sein Freund sich gegenüberstanden. Malfoy schüttelte nur desinteressiert den Kopf und der Dunkelhaarige ging zu Ginny.
„War nett, dich dazuhaben. Wenn du bei der nächsten Quidditchweltmeisterschaft auch für Spanien bist, kannst du irgendwann mal wiederkommen", erklärte er ihr und machte Astoria Platz, die sie umarmen wollte.
Die Slytherin drückte sie fest an sich und lächelte herzlich. „Ich würde mich freuen, wenn wir uns bald mal wiedersehen, Und nimm es ihm nicht übel, er ist nun mal ein Grobian."
„Würde ein Grobian ihr gentlemenlike den Mantel reichen?", fragte Blaise spöttisch und half Ginny tatsächlich in ihren Mantel. Leise sagte er zu ihr, sodass nur sie es hören konnte: „Denk daran, was ich gesagt hab."
„Können wir jetzt gehen?", nörgelte Malfoy im Hintergrund und schulterte seine Tasche.
„Ich hoffe, wir sehen uns im Zug", verabschiedete Ginny sich noch schnell und eilte ihm hinterher, da er schon aus der Haustür verschwunden war. Sie winkte Astoria und Blaise, bevor sie um das Haus herumlief, um zur Landstraße zu kommen.
„Jetzt hetz nicht so", sagte sie verstimmt, als sie Malfoy einholte. Deutlich genervt verlangsamte er tatsächlich sein Tempo. Positiv von ihm überrascht lächelte sie ihn an und er runzelte irritiert die Stirn.
„Sag mal, worüber habt ihr eigentlich vorhin gesprochen?", fragte er schließlich. „Du und Zabini?"
„Über nichts Wichtiges", log Ginny und hatte sofort ein schlechtes Gewissen. Aber sie wollte Blaise nicht verraten und schon gar nicht wollte sie, dass Malfoy erfuhr, worum es gegangen war.
„Ah", machte er nicht sonderlich überzeugt und im nächsten Augenblick erreichten sie die Grenze des Apparierschutzes, der um Astorias Grundstück lag. Ginny konnte ihn praktisch auf ihrer Haut spüren, als sie durch den unsichtbaren Schleier trat, und umschloss den Zauberstab in ihrer Tasche.
„Fertig?", fragte sie ihn. Er nickte nur und zusammen mit ihr drehte er sich auf der Stelle. Sie wurden von ihren Füßen gerissen und für einen Moment hatten beide das typisch tunnelartige Gefühl, das immer beim Apparieren einsetzte.
Das Geräusch von einem aufprallenden Gegenstand erklang, als Ginny die Augen wieder öffnete, die sie reflexartig zugekniffen hatte, und sie konnte den kleinen Muggel-Weihnachtsengel sehen, den ihr Vater jedes Jahr aus seinem Schuppen holte und auf das Schränkchen neben der Haustür stellte. Sie hob ihn auf, stellte ihn zurück und ging in die Küche, wobei Malfoy ihr nachkam.
„Wir sind wieder da!", verkündete sie ihrer versammelten Familie, die wohl noch beim Silvesterbrunch saß, den es im Fuchsbau gab, seit sie sich erinnern konnte.
Keine Sekunde später stand Ron genau vor ihr, hinter ihm der gesamte neugierige Rest.
Er betrachtete sie gründlich, als hätte er befürchtet, dass nicht mehr alles an ihr dran sein könnte, wenn sie zurückkehrte. Sie verdrehte darüber die Augen.
„Dir auch ein frohes neues Jahr", sagte sie sarkastisch zu ihm, der sie jedoch ignorierte und Malfoy im Auge behielt. Als hätten sie es vergessen, kam auch von den anderen Versammelten ein mehr oder weniger synchrones „Frohes Neues".
„Möchtet ihr eure Sachen nicht erstmal hochbringen?", fragte ihre Mutter, nachdem sie sie umarmt und Ron mit einem vernichtenden Blick zu seinem Platz geschickt hatte.
„Sicher, Mrs Weasley", meinte Malfoy höflich und verschwand bereits die Treppe hoch.
„Ich helfe dir", sagte Ron hingegen zu Ginny, noch während er wieder aufsprang.
Sie seufzte und folgte ihm, da er bereits ihr Gepäck an sich genommen hatte. Den Weg nach oben schwieg sie ihn beharrlich an und er blieb ebenso stumm, doch als er nicht ging, als sie in ihrem Zimmer standen und sie sich daran machte, ihr Zeug zurückzuräumen, wurde es ihr zu blöd.
„Gibt es noch etwas, was du brauchst?", fauchte sie gereizt und knallte ihre Schranktür wieder zu, um ihn ansehen zu können. Ihr Bruder stand mit den Händen in den Hosentaschen mitten im Raum und schaute sie herausfordernd an – herausfordernd in diesem Falle im Sinne von auf seine Weise herausfordernd.
„Ich wollte dich warnen", sagte er grimmig und etwas zu schnell. „Du kennst Malfoy nicht wie wir. Es war dumm, mit ihm mitzugehen. Du kannst froh sein, dass er dir nichts getan hat!"
Ginny verschränkte abweisend die Arme vor der Brust. Sie hatte ja geahnt, dass Ron ihr Vorwürfe machen würde, doch sie hatte es langsam satt. Er nervte sie jetzt schon seit Jahren mit seinem dämlichen Beschützer-Bruder-was-wusste-sie-schon-Komplex.
„Dumm?", fragte sie spitz.
„Ja. Du weißt genau, dass Malfoy nicht so harmlos ist, wie er momentan tut. Was glaubst du denn, was er im letzten Jahr getan hat? Stricken?" Nicht schlecht, so viel Sarkasmus hatte sie ihm gar nicht zugetraut.
„Nein, Ron, weiß ich nicht, aber ich glaube kaum, dass du es weißt. Und selbst wenn, es geht dich rein gar nichts an", erklärte sie ihm schnippisch.
„Ich bin dein Bruder, natürlich geht es mich etwas an!"
„Nein, geht es nicht!"
„Ginny, das hier ist kein Spiel und du solltest diese Laune beenden. Was hat er gemacht? War er nett zu dir? Ich kann ja verstehen, dass dich das verwirrt, aber Malfoy ist ein Arsch und das wird er auch bleiben. Egal, was er sagt."
Ginny schnaubte. „Ist dir mal der Gedanke gekommen, dass ich mich nicht aus einer Laune oder Verwirrung heraus mit jemandem anfreunde, sondern weil ich es will?"
„Anfreunden? Ihr seid doch keine Freunde, es ist Malfoy!"
„Oh, Ron, das ist kein Argument! Ich verstehe mich mit ihm, was ist daran so schrecklich?"
„Alles, Ginny!" Er trat einen Schritt auf sie zu und griff nach ihren Schultern. „Er wird dich verarschen! Ich weiß nicht, was in seinem kranken Hirn vorgeht, aber ich kann dir sagen, dass Malfoy nicht gut ist!"
„Okay, das reicht!", sagte Ginny genervt und machte sich von ihm los. „Sag doch, was du willst!"
Damit schritt sie zur Tür und knallte sie hinter sich zu. Wutschnaubend stapfte sie die Treppe wieder hinunter und verschwand im Bad. Sie würde jetzt erst einmal eine kalte Dusche nehmen. Dann würde sie ja sehen, ob sich der Gedanke, Ron umzubringen, verflüchtigen würde.
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Die Tage nach Silvester vergingen schneller, als die davor, zumindest fühlte es sich für Ginny so an. Vielleicht lag es daran, dass sie nicht mehr mit Ron sprach – nicht, dass er es nicht versuchen würde. Vielleicht aber auch daran, dass sie immer nervöser wurde, je näher der Termin kam, an dem sie Malfoy nach Askaban begleiten würde. Sie hätte es ja für einen Scherz gehalten und vergessen, hätte es da dieses Gespräch zwischen ihren Eltern, Charlie, ihm und ihr selbst nicht gegeben, als sie einmal im Wohnzimmer zusammensaßen.
„Der Prozess meines Vaters war vor einiger Zeit und ich würde ihn die Tage gerne besuchen", sagte Malfoy nämlich plötzlich in die Stille hinein. Er saß in einem der Sessel und hatte sein Verwandlungenbuch auf dem Schoß gehabt, das er nun zur Seite legte, als er zu ihren Eltern sah. Ihre Mutter hatte bis gerade an einem Schal gestrickt und ihr Vater im Tagespropheten gelesen, den er jetzt jedoch senkte.
„Ach ja?", hakte er nach und Molly fragte besorgt: „Sind Sie sicher, dass Sie das machen wollen, Draco?"
„Definitiv. Es ist auch nur eine kurze Reise nach Askaban und zurück – Sie waren schon dort, Mr Weasley, Sie müssten wissen, dass es ziemlich unbedenklich ist. Außerdem wird Ihre Tochter mich wieder begleiten."
Ginny spürte die entgeisterten Blicke der anderen auf sich ruhen und sie starrte nicht weniger schockiert zurück. Eben hatte sie wirklich noch geglaubt, dass es damals ein Scherz von ihm gewesen war – wenn man an seine vorigen Worte und dieses grässliche Dauergrinsen dachte, war es nicht einmal so unwahrscheinlich. Sie fühlte ihren Herzschlag etwas höher schlagen und ließ ihre Augen zu ihm wandern. Zu ihrer Überraschung lagen seine ebenfalls auf ihr.
„Auf gar keinen Fall." Ihre Mutter sprang auf und stemmte streng die Hände in die Hüften. „Ginny, das ist doch hoffentlich nicht dein Ernst!"
„Äh, doch, ehrlich gesagt sah so der Plan aus … glaube ich", meinte sie und schaffte es erst nach einer Weile, sich von Malfoys grauer Iris loszumachen. Merlin, wieso machte er sie denn jetzt so durcheinander?
„Ginny Weasley, du wirst dort ganz bestimmt nicht hingehen. Du bist zu jung dafür!"
Sie seufzte. Ihre Mutter hörte sich wie Ron an, nur, dass sie es ihr leichter verzeihen konnte, denn wenigstens war es nicht aus Misstrauen gegen ihre Fähigkeit, mit Malfoy 'umzugehen', heraus. Trotzdem nervte es sie, wieder wie ein Kind behandelt zu werden – dabei müsste sie langsam gesehen haben, dass Ginny das nicht mehr war. Spätestens nach dem Krieg sollten sie und Ron es wissen.
„Ich bin volljährig, Mum."
„Arthur, was sagst du denn dazu, dass unsere Jüngste plötzlich beschließt, nach Askaban zu gehen? Nach Askaban, Arthur!"
Ihr Vater schien sich nicht ganz wohl in seiner Haut zu fühlen, denn er wand sich unter Mollys stechenden Blicken und schob nervös seine Brille ein Stück höher.
„Nun … im Prinzip … hat sie nicht ganz so Unrecht, Molly …"
„Lass sie doch gehen, Mum, es ist doch ihre Entscheidung, ob sie mitgehen möchte oder nicht. Außerdem ist es besser, wenn jemand Malfoy begleitet, dann ist der Kleine nicht ganz so allein."
Ginny schenkte Charlie ein dankbares Lächeln, während 'der Kleine' aufschnaubte.
„Was für ein treffendes Argument, Weasley …"
„Was soll ich tun, ich habe halt ein Herz für alle Arten von Drachen", zwinkerte er ihm grinsend zu.
„Aber Ginny, das ist doch …!" Molly ließ sich wieder auf ihren Platz sinken.
„Ihr wird nichts passieren, Mrs Weasley", sagte der Slytherin beruhigend und hatte Ginnys Herz sich in diesem Moment wieder beruhigt, so lief es jetzt einen zweiten Marathon.
Nach einer noch etwas längeren Diskussion stimmte Molly doch widerwillig zu und der 6. Januar kam. Früh morgens standen Malfoy und sie in der Küche, komplett angezogen und fertig, um nur noch frühstücken zu müssen. Hermine lächelte ihr während des schweigsamen Essens zu, was daran lag, dass Harry und Ron mit tödlichen Blicken in Malfoys Richtung nur so um sich warfen. Bei der Anwesenheit seiner Mutter und der deutlichen Abneigung Ginnys wagte ihr Bruder es jedoch nicht, noch etwas zu sagen.
„Sie sind sicher, dass ich nicht doch mitkommen soll?", fragte Arthur noch einmal nach, als die beiden bereits ihre Mäntel überstreiften.
Malfoy schüttelte den Kopf und schloss seine Jacke. „Ja, Sir. Bis später", sagte er höflich und ging bereits Richtung Haustür, während Ginny noch ihren Schal richtete.
„Wir sind bald zurück", rief sie den anderen noch einmal zu, bevor sie dem Slytherin nach draußen folgte.
Sie disapparierten aus dem Garten nach Dover, von wo er sie zu einem großen Bürogebäude führte, in dem sich das Büro für Magische Auslandsreisen befand. Mit Malfoys einschüchternder Miene wurde ihnen recht schnell weitergeholfen und ein relativ dünner, kleiner Mann wies sie hektisch einem Portschlüssel nach Askaban zu, den sie mit einem Pärchen aus Portugal, einer Schottin und einer Frau aus London nehmen würden.
Ginny hielt sich immer dicht bei Malfoy und ließ sich während der Wartezeit neben ihm auf einem Plastikstuhl nieder.
„Wie lange ist es doch gleich, bis der Portschlüssel geht?"
„Fünfzehn Minuten", antwortete er gleichgültig und sie nickte.
Er war schon den ganzen Morgen noch wortkarger als sonst, was sie auch nicht verwunderte. Sie fragte sich nur, was er fühlte, beim Gedanken daran, seinen eigenen Vater im Gefängnis zu besuchen. Nervosität, Angst oder Beklommenheit, sie konnte es nicht sagen, so unmöglich war sein ausdrucksloses Gesicht zu deuten. Sie war sich einzig damit sicher, dass er definitiv etwas fühlte.
Die Minuten verstrichen langsam und quälend, doch endlich versammelte sich die Gruppe um den Portschlüssel. Ginny klammerte sich an dem alten Schuh fest und kurz darauf wurde sie gegen Malfoy geschleudert, als sie davongerissen wurden.
Die Landung war wie ein Sprung ins kalte Wasser, als sich die Temperaturen auf einen Schlag abkühlten und Schnee bis zu ihren Knöcheln ihre Stiefel bedeckte. Es war ein extremer Gegensatz zu dem beheizten Büro und trotz der Tatsache, dass sie ihre Winterkleidung trug, wünschte sie sich, jemand hätte erwähnt, dass Askaban sich an einem gefühlten Nordpol befand.
„Komm schon, Weaslette", rüttelte sie ihr Begleiter am Ärmel und Ginny blinzelte durch den Schneesturm, der um sie tobte, zu ihm hoch.
„Ist das Askaban?", rief sie skeptisch, doch er antwortete nicht und zog sie an der Hand mit sich, um sie durch das Gestöber zu führen.
Auch, als sie den Arm irgendwann schützend vor die Augen hob, konnte sie rein gar nichts ausmachen, weshalb es sie umso mehr überraschte, als sich plötzlich ihre gesamte Umgebung lichtete und ein riesiger, dunkler Steinturm vor ihr auftauchte, dessen Ende sie nicht einmal einschätzen konnte. Er ragte einfach vor ihr in den Himmel und schien nicht mehr aufhören zu wollen.
„Was, bei Merlins Unterhosen, war das?"
„Es liegt ein Bann über dem eigentlichen Gebäude, der das Wetter draußen hält. Dafür ist es kurz davor umso heftiger", erklärte ihr Malfoy neutral, während er den steinigen Weg entlanglief, der hinauf nach Askaban führte.
Ginny setzte sich ebenfalls in Bewegung und merkte, wie bei jedem Schritt ein beklemmendes Gefühl in ihr aufkam. Sie kannte diese Erscheinungen, die immer auftraten, wenn Dementoren in der Nähe waren, doch diese Empfindung war ganz anders. Wie eine tiefsitzende Angst, die rein gar nichts mit Panik, sondern mehr mit dem sicheren Wissen zu tun hatte, dass etwas Schreckliches hinter den Mauern lauerte. Was sie nur wunderte, war, dass sie keine Dementoren sah. Doch sie biss ihre Zähne zusammen und konzentrierte sich lieber auf das Geräusch der Wellen, die gegen die Felsen unter ihnen schlugen und die Insel eingrenzten.
Als sie am Gipfel ankamen, entdeckte Ginny eine alte Frau, die hinter einer dicken Glasscheibe kurz vor dem Eingang saß und sie gelangweilt beäugte. Obwohl daran wirklich nichts sehr einladend wirkte, war sie froh, überhaupt jemand Lebendigen zu sehen.
„Name, Zauberstab und Name des zu besuchen gewünschten Häftlings, bitte", sagte Mrs C.C. Palmer, wie Ginny auf dem Schild neben ihr ablesen konnte. Die beiden reichten ihr ihre Zauberstäbe.
„Draco Malfoy und Ginevra Weasley. Ich möchte Lucius Malfoy besuchen."
„Nur Sie oder die Miss auch?", erwiderte Mrs Palmer teilnahmslos und kritzelte mit einer Feder irgendetwas auf ein Pergament, ohne hochzuschauen.
„Nur ich. Sie wird warten", antwortete Malfoy.
„Dann bitte dieses Formular bei Mr Graham abgeben. Wenn Sie wieder gehen wollen, die Zauberstäbe am Empfang abholen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag", ratterte sie herunter und ohne ihr Zutun erschien das Formular in seiner Hand.
Gemeinsam gingen sie weiter und ließen die Kälte hinter sich, als sie in einen großen Raum traten, in dem nichts weiter stand, als ein schlichter Empfang mit drei Schaltern und mehrere Stühle, auf denen schon einige andere Zauberer und Hexen saßen.
„Ich bin gleich zurück, warte einfach hier", sagte Malfoy und blieb stehen.
Sie nickte und bemerkte erst da, dass sie noch immer seine Hand umklammerte. Er schien es ebenfalls vergessen zu haben, denn er musterte sie überrascht. Er betrachtete kurz ihr Gesicht, dann grinste er sie auf diese slytherinhafte Art und Weise an, wie nur er es konnte.
„Bis gleich, Weaslette", meinte er und drückte ihre Hand ganz leicht, bevor er sich von ihr losmachte, um zu einem der Schalter zu gehen.
Ginny sah ihm verwirrt nach und stopfte ihre Fäuste errötend in die Jackentaschen, als er von dem Zauberer dahinter durch eine Tür geführt wurde und verschwand. Doch schließlich kämpfte sie das seltsame Gefühl in ihr nieder, drehte sich um und setzte sich auf einen der Stühle an der kalten Wand, um zu warten.
Und es war nicht die Kälte, die ihre Wangen noch Minuten später glühen ließ.
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Draco ließ sich von Mr Graham, den er an seinem Namensschild ausgemacht hatte, durch einige Gänge führen. Hätte er Askaban nicht schon einmal gesehen, als er seinen Vater vor einigen Jahren hier besucht hatte, hätte er sich das Gebäude von innen genauso vorgestellt, wie es war. Düster und kahl.
Sie kamen an schweren Eisentüren vorbei, hinter denen, wie er nur zu gut wusste, die Zellen lagen, nur mit dem Unterschied zu damals, dass keine Dementoren mehr seinen Weg kreuzten. Nachdem Shacklebolt Zaubereiminister geworden war, hatte er als eine seiner ersten Amtshandlungen durch Zauber von ihnen abgegrenzte Gebiete geschaffen und nur noch die besonders schwierigen und lebenslänglich Gefangenen unter ihrem dauerhaften Einfluss gelassen. Eigentlich hatte er sie ganz abschaffen wollen, doch das Zaubergamot hatte das erfolgreich verhindert.
Trotzdem machte es diesen Besuch hier, was das anging, deutlich leichter, obwohl Draco nicht sagen konnte, ob auch die anderen Begebenheiten leichter waren. Er glaubte es jedoch nicht, so gemischte Gefühle, wie er hatte. Er gab es zu: Der Gedanke, seinem Vater zu begegnen, war beunruhigend. Er wusste nicht, wie Lucius reagieren würde – nicht einmal, wie er selbst reagieren würde.
Als Mr Graham plötzlich stoppte, riss das Draco aus seinen Gedanken und er hörte fast schon sein Blut in seinem Kopf rauschen, so angespannt war er.
„Lassen Sie sich Zeit", sagte der ältere Zauberer und öffnete die Tür.
Draco schluckte noch einmal, dann nahm er die Schultern zurück und trat in das Zimmer. Es sah genauso aus, wie alle anderen in Askaban auch – ein Tisch, ein Schrank, ein Bett, ein Waschbecken und ein Fenster mit Gittern davor, durch das man auf das tobende Meer hinaussehen konnte. Trotz dessen war es nicht kalt, zumindest nicht von den Temperaturen her.
Eine große Kälte strahlte nämlich der Mann in der Mitte des Raumes aus und hätte sich in diesem Moment nicht die Tür mit einem dumpfen Geräusch hinter ihm geschlossen, wäre selbst er versucht gewesen, einfach umzudrehen. Stattdessen jedoch beobachtete er seinen Vater. Er sah aus, wie immer, nur, dass er nicht ganz so nobel gekleidet war. Doch es waren die gleiche Autorität und die gleiche Distanziertheit, die ihn umgaben.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen von euch wiedersehen würde, Draco", erfüllte die dunkle Stimme Lucius Malfoys den Raum und sein Sohn erschauderte. Es war ungewohnt, sie nach so langer Zeit wieder zu hören.
„Ist deine Mutter nicht da?"
„Nein … sie ist in Kanada. Sie sagte, sie wolle bei ihrer Rückkehr herkommen."
Lucius schnaubte. „Sie würde mich nicht besuchen, egal ob sie im Ausland wäre oder direkt vor dieser Tür stünde."
Der Slytherin war verwirrt über die Worte seines Vaters und konnte sie nicht richtig nachvollziehen, denn wenn Narzissa etwas tun würde, dann ihn besuchen – so oft, wie sie könnte. Und er sollte das auch wissen, immerhin betete sie ihn an.
„Wie geht es dir?", brach Draco nach längerem Warten das Schweigen, bewegte sich aber nicht von seinem Platz weg.
„Was glaubst du, wie es mir geht? Das ist wirklich eine lästige Frage, könntest du nicht etwas Sinnvolleres mit deinem Kopf praktizieren?"
Ihn überraschte der eisige, herablassende Tonfall seines Vaters nicht, allerdings ließ es ihn nicht so kalt, wie er es in Erinnerung hatte. Vielleicht war der Grund, dass er es nach der langen Zeit in Gegenwart von seinen Freunden, den Weasleys und vor allem Weaslette nicht mehr gewöhnt war. Als er an sie dachte, kamen ihm ihr blasses Gesicht und ihre Worte in den Sinn.
„Ist doch egal, ob er nun wirklich wahrsagen konnte oder nicht, wichtig ist, dass es ein guter Ratschlag war. Man sollte nie etwas bereuen – ich weiß, wovon ich rede."
Draco beschloss, auf sie zu hören und brachte ein gezwungenes „Wie war der Prozess?" heraus, bevor er hinzufügte: „Wie lange wirst du hierbleiben?"
„Sieben Jahre. Wenn ich Glück habe, reduzieren sie auf fünf. Die alte Alesty wollte zehn Jahre durchsetzen, doch ich fürchte, ihre Argumente waren schon immer schwach."
Wieder schwiegen sie, doch dieses Mal blieb er eisern dabei, bis sein Vater das Wort an ihn richtete.
„Ich habe gehört, du wurdest angegriffen. Diese Bande um Reginald herum, nicht wahr?"
„Ja …", sagte Draco schnell und trat einen Schritt vor. War es möglich, dass sein Vater mehr wusste, als das gesamte Aurorenbüro? „Woher weißt du davon? Und wer ist Reginald?"
„Reginald Mortain. Einige Bekannte, die hierherkamen, haben mir erzählt, dass er offenbar für irgendjemand wieder aus seinem Loch gekrochen ist, um Todessern hinterherzujagen." Lucius lachte amüsiert. „Du müsstest eigentlich von ihm gehört haben, er ist ein Söldner, der für ein paar Galleonen praktisch alles tut."
„Weißt du auch, wer ihn beauftragt hat?"
„Nein. Und selbst wenn ich es wüsste, würde ich es dir nicht sagen. Das Ministerium hat überall seine Ohren – scheinbar auch bei meinem eigenen Sohn. Du hast doch brav deine Aussagen gemacht, oder?" In diesem Moment drehte sich Lucius zu ihm um und er konnte sein bleiches Gesicht und die deutlich ausgemergelteren Wangenknochen sehen. Draco wurde selbst noch blasser bei diesem Anblick.
Er presste die Lippen aufeinander. „Ja."
„Und bist davongekommen?"
„Ja."
„Ich habe von Potters Aussage für dich gelesen. Musst dich ja inzwischen gut mit dem Goldjungen verstehen."
Wenn sein Vater wüsste, dass besagter Goldjunge ihm in Wirklichkeit drohte, weil er eifersüchtig wegen seiner Ex-Freundin – einer Weasley – war, würde er vermutlich anders reden.
„Nein. Ich kann nicht sagen, dass wir uns verstehen."
„Dann hasst du ihn also immer noch?", fragte sein Vater und plötzlich wich jede Erschöpfung aus ihm und er erkannte einen gehässigen, verbitterten Funken in den Augen, die seinen eigenen so ähnlich sahen.
„Nein, ich hasse ihn nicht", antwortete Draco langsam und erwiderte den Blick. „Danke für deine Auskunft."
Damit riss er die Tür auf und schloss sie, ohne noch einmal zurückzusehen.
Er hatte es keinen Moment länger ausgehalten und er verstand nicht, was sein Vater fühlte, doch es war genau die Reaktion, die er befürchtet hatte.
Daran konnte auch keine Ginny Weasley etwas ändern.
