Hey ihr Lieben. :D

Fast wieder eine ganze Woche Stress vorbei - plus die Zeugnisse. Ich hoffe, alle, die noch zur Schule gehen und sie Freitag bekommen haben, sind zufrieden. Wenn nicht: Kopf hoch und gebt euer Bestes!

Und jetzt der Grund, wieso ich HEUTE schon hochlade - an einem Samstag. Welch Schock. ;) Um zum Punkt zu kommen: Ich habe morgen was vor und wollte mich nicht stressen bzw. euch erst abends das Kapitel präsentieren.

Also viel Freude und lasst euch nicht aufhalten!

Eure Grim ^-^

ooooooooooooooooooooooooooooooooo

Zwei Parallelen treffen sich nie. Dasselbe ist es in der Liebe. Gleich und gleich gesellt sich gern? Oh bitte … Oft sind es doch die Differenzen, die uns näherbringen.

- YouDontKnowHer

„Kommt schon, euer Zug fährt in zehn Minuten! Beeilung!", befahl Mrs Weasley und scheuchte ihre Familie einen nach dem anderen durch die magische Mauer zwischen Gleis 9 und 10. Draco folgte ihnen als Letzter und trat durch die Wand. Über dem Bahnsteig hing der Dampf des Zuges und laute Stimmen prasselten auf ihn ein, noch lauter als vorher, als sie noch in King's Cross gewesen waren.

Die Weasleys versammelten sich etwas abseits und er stellte sich dazu, obwohl er jegliche Blicke zu Weaslette vermied.

„Draco!", hörte er jemanden rufen und schaute fast erleichtert auf. Blaise und Astoria schoben sich durch die Schülermassen und kamen auf ihn zu. Die Slytherin hatte wieder das Glas mit Grobian fest an ihre Brust gedrückt und der Latino klopfte ihm auf die Schulter, als sie bei ihm ankamen.

„Alles klar, Draci?", fragte er grinsend, während Astoria Weaslette zuwinkte, die mit einem schiefen Lächeln zurückwinkte.

Sie runzelte die Stirn. „Ist mit Ginny alles in Ordnung? Sie sieht etwas blass aus."

„Sicher", antwortete Draco und schulterte sein Gepäck. Das war der einzige Weg, wie er jetzt damit umgehen wollte. Und konnte. „Wir sollten uns ein Abteil suchen gehen."

Blaise runzelte die Stirn, tauschte einen Blick mit Astoria und sah zu der rothaarigen Gryffindor hinüber. „Willst du dich nicht verabschieden?"

„Schon gut, wir sollten einfach gehen."

Das Letzte, was er wollte, war, sich von ihr zu verabschieden. Um genau zu sein, wollte er ihr momentan nicht einmal in die Augen sehen müssen, denn dann würde er daran zurückdenken müssen, was in ihrem Zimmer passiert war. Ihre weichen Lippen und ihr Geruch kamen ihm sofort wieder in den Sinn und er schüttelte die Gedanken ab. Er wollte jetzt wirklich nicht daran denken!

Draco wandte sich ab und wollte schon auf den Zug zugehen, da hielt ihn jemand auf. Es waren die Zwillinge, die sich ihm in dem Weg stellten und auf die Schultern des jeweils anderen gestützt gleichzeitig tadelnd ihre Zeigefinger hoben. „Na, Malfoy, du willst dich doch hoffentlich nicht einfach davonstehlen, oder?", nörgelten sie affektiert.

„Genau, Kleiner, das sind keine Manieren", sagte Charlie und klopfte ihm auf den Rücken. „Mach's gut, ja?"

„Du auch", antwortete er mit hochgezogenen Augenbrauen und nahm die Hand, die der Ältere ihm hinhielt.

„Und noch etwas, Malfoy … Wehe, du machst Gin Ärger", warnte er in gedämpftem Ton. „Am Anfang der Ferien war sie etwas seltsam und ich weiß nicht, wie du es hinbekommen hast, aber sie ist wieder sie selbst, seit du da bist."

Charlie grinste ihn nochmal an, dann schlenderte er zu seiner Schwester, gefolgt von den rückwärts laufenden und winkenden Zwillingen. Draco starrte ihnen nach und wusste nicht recht, was er mit der Information anfangen sollte. Also hatte er damit richtig gelegen, dass Weaslette anders gewesen war. Und es hatte an dem gelegen, was vor den Ferien zwischen ihnen passiert war, das war jetzt sicher.

„Draco, warten Sie kurz", sagte plötzlich Mrs Weasley, die neben ihn getreten war. „Ich will Ihnen nur noch sagen, dass es mir eine Freude war, Sie bei uns zu haben. Ich wünsche Ihnen viel Glück und passen Sie auf sich auf", meinte sie herzlich.

„Danke, Mrs Weasley", sagte er. Sie ging davon und er drehte sich wieder zu seinen Freunden um.

„Wollen wir gehen?"

Blaise sah ihn mit skeptischer Miene an. „Ist etwas zwischen euch vorgefallen?", fragte er weiter, ohne groß drumherumzureden.

„Nein", sagte Draco schneidend und ging zum Zug, bevor er die Reaktion der beiden sehen konnte. Den Blick starr geradeaus gerichtet, hörte er nicht einmal den kurzen Wortwechsel seiner Freunde hinter sich.

„Irgendwie glaube ich ihm nicht", sagte Astoria und fuhr sich mit verbissener Miene durch die Haare. „Was wohl passiert ist …"

La comadreja, Astoria", war Blaise' einzige Antwort, bevor er dem Blonden nachging.

Sie seufzte. „Du und dein bescheuertes Spanisch …", nuschelte sie, dann folgte sie den Slytherins. „Was meinst du denn damit? Hey, warte gefälligst auf mich, Grobian!" (1)

ooooo

„Ginny? Ginny, hörst du mich?", fragte Hermine. Ihre Freundin blickte von dem Tagespropheten in ihren bebenden Händen auf und blinzelte.
„Was ist los? Hast du was gesagt?", räusperte sie sich und lächelte bemüht unbeschwert. Das Zähnefletschen eines Raubtiers hätte wohl ähnlich ausgesehen. Der Grund war einfach: In ihrem Kopf hallte jedes einzelne Wort Rita Kimmkorns nach und pumpte ein Stückchen mehr Wut durch ihre Venen.

Auf der dritten Seite der Zeitung prangte nämlich nichts anderes, als das Foto von ihr und Malfoy, wie er sie die Treppen des Quidditchstadions zwischen den gaffenden Leuten hochzog – an der Hand! Und nicht weniger beschämend darüber der dickgedruckte Schriftzug: 'Vom Auserwählten zum Bad Boy – Ginevra Weasleys rasanter Abstieg und was sich dahinter wirklich verbirgt'.

Sie hatte nur Glück, dass ihre Eltern am Morgen zu sehr in Eile gewesen waren, um sich ums Zeitunglesen Gedanken zu machen. Trotzdem erklärte dieser Artikel natürlich jetzt die neugierigen, aufdringlichen Blicke der anderen Schüler auf dem Bahnsteig, bei denen sie schon so ein seltsames Gefühl gehabt hatte.

Als ob sie nicht schon genug Probleme mit dem Slytherin hätte. Der sie eiskalt ignorierte. Dabei hatte er sie geküsst, wohlgemerkt!

„Ich wollte nur wissen, ob du etwas von meinem Vollkornbrötchen abhaben willst. Aber du siehst nicht danach aus – was ist los?" Hermine schob sich neben sie auf die Bank und verhinderte erfolgreich, dass Ginny den Propheten zuschlagen konnte, bevor sie etwas sah.

„Oh ..." war dann ihre einzige Reaktion, während ihre Augen über die Sätze huschten.

„Ja, oh", zischte Ginny aufgebracht und zückte ihren Zauberstab. Im nächsten Moment fingen die Seiten Feuer, die sie (natürlich nicht direkt und wortgemäß) als „Schlampe" bezeichneten, und zerfielen zu Asche.

„Das ist so … argh! Diese – diese – diese Furie! Wenn ich die noch einmal in die Finger bekomme, werde ich sie in Einzelteile zerlegen und sie so fertig machen, dass sie gar nicht mehr weiß, mit welcher Hand sie ihre grässlichen Lügen schreibt!"

Hermine sagte nichts, sondern schaute der Rothaarigen nur wortlos zu, wie sie im Abteil wild auf und ab tigerte. Sie war so wütend und durcheinander, dass sie gar nichts mehr außer Flüchen herausbrachte. All ihre Gefühle brachen jetzt aus ihr heraus, nachdem sie die letzten Stunden wie in einem Wattebausch gehüllt verbracht hatte.

„Ginny." Hermine seufzte. „Gin-ny …" Keine Reaktion. „GINNY!"
„Was denn?", fragte sie etwas zu barsch und blieb keuchend stehen.

„Du solltest dich beruhigen. Wenn du dich aufregst, bringt das auch nichts", sagte Hermine. Pragmatisch wie immer.

Ginny seufzte. Es war, als würde all ihre Wut aus ihr weichen, wie Luft aus einem Ballon. Sie erinnerte sich wieder an Malfoys ruhige Stimme, als er die Zeilen aus 'Alice im Wunderland' rezitiert hatte. Und an seine dunklen Augen, als er sie angestarrt hatte.

Oh Mann. Sie musste dringend hier raus.

„Ich gehe mal auf Toilette", murmelte sie und spürte ganz genau Hermines kritischen Blick, der sich wie ein Pfeil zwischen ihre Schulterblätter bohrte, als sie die Abteiltür hinter sich zuzog. Und da sie nicht wusste, wo sie sonst hingehen sollte, und sie keinesfalls vorhatte ziellos durch den Zug zu wandeln, ging sie wirklich zu den Toiletten.

Sie zwängte sich in die enge Kabine und ließ sich auf dem zugeklappten Toilettensitz nieder.

Das war wirklich eine schräge Situation, fast schon zum Lachen. Was sollte sie nur tun? Ron flippte ja schon aus, wenn er hörte, dass sie sich mit Malfoy unterhalten konnte, ohne dass sie sich stritten und oder gegenseitig die Köpfe abrissen. Wenn er wüsste, dass sie Gefühle für ihn hatte, würde er sie eigenhändig umbringen – oder sie beide. Und das war ihr kleinstes Problem.

Noch konfuser war, dass sie nicht einmal wusste, was sie überhaupt wollte. Sie hatte mit Malfoy Zeit verbracht, sie waren Freunde. Schön und gut. Aber mehr als das, so etwas wie 'eine Beziehung'? Das widersprach jeglichen Prinzipien und Naturgesetzen. Sie konnte es sich nicht einmal vorstellen.

Aber da war natürlich, dass sie ganz scheinbar in ihn verliebt war. All das Bisherige, was sie erlebt hatten, und ihre Reaktionen, wenn sie auf ihn traf … Das passte so überhaupt nicht mit allem anderen zusammen und war trotzdem völlig resistent und unantastbar.

Ginny starrte auf die Türklinke. Sie wusste, dass sie so nicht weiterkam. Sie würde mit ihm reden müssen. Obwohl sie keinerlei Ahnung hatte, wie und worüber. Aber sobald sie erstmal in Hogwarts waren, wären sie wieder Slytherin und Gryffindor, nicht mehr nur Malfoy und Weaslette.

„Brauchst du da drin noch lange?", kam eine ungeduldige Stimme von draußen.

Die Rothaarige atmete noch einmal tief durch, dann stand sie auf und öffnete die Tür. Sie wollte sich gerade entschuldigen, als ihr die Wörter in der Kehle steckenblieben. Pansy Parkinson musterte sie abfällig und rümpfte die Nase.

„Du."
„Ja, ich", spöttelte Ginny und rollte mit den Augen, als sie sich an dem Mädchen vorbeischob. Sie waren sich zum Glück nicht mehr begegnet, seit sie und Malfoy in der Bibliothek miteinander gesprochen hatten und er Parkinson weggeschickt hatte.

„Hey, Weasley, Ärger im Paradies?", rief sie plötzlich hinter ihr. Als Ginny sich umdrehte, hielt Parkinson einen Tagespropheten veranschaulichend in die Höhe, den sie einer Erstklässlerin aus der Hand gezogen hatte, während sie nun provozierend mit den Augenbrauen wackelte.

Sie schnaubte. „Klappe, Parkinson", knurrte sie zur Antwort und tat so, als würde sie das Getuschel um sie herum nicht hören, als sie hocherhobenen Hauptes davonmarschierte. Vielleicht hätte sie doch bei Hermine im Abteil bleiben und darauf warten sollen, dass Harry und Ron zurückkamen und ihre Beute vom Imbisswagen mitbrachten. Doch jetzt war sie hier und würde sich auf die Suche nach Malfoy machen.

Wie sich herausstellte, sollte sie nicht lange dazu brauchen, denn schon einige Abteile später entdeckte sie ihn. Er kam den Flur entlang und hielt in der Hand einen Brief, den er gerade zusammenfaltete. Als er sie sah, hielt er inne.

„Weasley", sagte er und hob die Augenbrauen. „Gibt es einen speziellen Grund, wieso du da mitten im Gang stehst, oder ist das neuerdings dein Zeitvertreib?"

Ginny schluckte und versuchte krampfhaft, das seltsame Gefühl in der Magengegend zu ignorieren, das in ihr aufstieg. Seine Stimme war so reserviert. Als würden sie sich gar nicht kennen, als wären sie Fremde.

Sie räusperte sich. „Ich wollte nur mit dir reden."

„Ich wüsste nicht, was es zu reden gibt", erwiderte er und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ginnys Augen weiteten sich.

„Wegen vorhin", sagte sie unsicher, was sie nur noch mehr verwirrte, denn sonst war sie nie unsicher. Selbst Malcoms Beinahe-praktisch-Vergewaltigung war an ihr vorbeigegangen. „Ich will mit dir über vorhin reden."

„Wie gesagt, für mich ist alles geklärt. Und jetzt lass mich durch."

„Malfoy!", zischte sie von einer plötzlichen Wut gepackt und hielt ihn an der Schulter fest, als er sich an ihr vorbeidrängen wollte. Wie damals er im Zaubertrankunterricht, zog sie ihn an seinem Kragen zu sich herunter. „Das kann jetzt nicht dein Ernst sein! Hast du diesen Artikel von Kimmkorn gesehen? Ich möchte das klären."

Der Slytherin sah ihr kurz fest in die Augen und sie glaubte einen Moment fast, etwas hinter seiner Distanziertheit zu entdecken, doch dann richtete er sich unbeeindruckt auf und schob ihre Hand zur Seite.

„Da gibt es nichts zu klären. Du bist eine Gryffindor, oder nicht? Ich bin ein Slytherin. Tu das, was du sonst auch tust, und ich tue das, was ich sonst tue."

„Das-"

„Was hast du denn gedacht?", schnitt er ihr das Wort ab. „Dass wir wirklich befreundet sein könnten? Wir werden nie Freunde sein, Weasley. Lass mich also in Ruhe, ich würde jetzt gerne meines eigenen Weges gehen."

„Ich kann nicht glauben, was du da für einen Mist redest!", fauchte sie und wurde allmählich wirklich sauer.

Sie konnte es nicht glauben. Wieso verhielt er sich, als wäre nichts passiert? Sie waren Freunde, das hatte er selbst gesagt. Er hatte sie geküsst, verdammt nochmal. War das irgend so ein lustiges Spiel für ihn?

Doch er sagte nichts mehr, sondern starrte sie einfach nur noch ausdruckslos an. Und sie starrte in einer Mischung aus Ärger und Fassungslosigkeit zurück.

„Ginny!", unterbrach ihr gemeinsames Starren jemand hinter ihr.

Sie drehte sich um und sah Richard auf sich zukommen. Er lächelte sein strahlendes Wer-hat-die-weißesten-Zähne-Lächeln und legte einen Arm um sie.

„Ich habe dich schon gesucht. Ein Glück, dass ich dich gefunden habe. Ich wollte dir eigentlich schreiben, aber-"

Sie hörte das, was er sagte, kaum noch, als Malfoy sich schweigend an ihr vorbeischob und seinen Kopf abwandte. Doch dieses Mal konnte sie nur zusehen, wie er zwischen den anderen lärmenden Schülern verschwand, die sich auf dem Gang aufhielten.

„Halt die Klappe", sagte sie dumpf und stieß Richard unvorbereitet von sich.

Der blickte sie verärgert an. „Was soll das denn jetzt? Was habe ich dir getan, bitte schön?" Das fragte er auch noch. Merlin, war er dreist. Aber selbst wenn er ein Heiliger gewesen wäre, wäre er ihr egal gewesen.

„Lass mich einfach in Ruhe!", giftete sie und marschierte ohne einen Blick zurück ebenfalls davon.

„Hey!", rief er noch, wurde jedoch nicht mehr beachtet.

Sie drängte sich an einer Gruppe Hufflepuffs vorbei, die so groß war, dass einige von ihnen sogar vor dem Abteil standen, das ebenfalls von ihnen beschlagnahmt wurde. Von dem lauten Durcheinanderreden und dem vielen Gelächter um sie herum bekam sie Kopfschmerzen. Ohne groß nachzudenken, schlug sie wie in Trance wieder den Weg zu den Toiletten ein. Sie trat in die Kabine und schloss die Tür hinter sich.

Und dann schaute sie einfach nur geradeaus, ohne wirklich etwas zu sehen. Vielleicht lag es auch daran, dass heiße Tränen ihre Sicht verschleierten, doch es war ihr egal.

Denn er hatte sie Weasley genannt. Nicht Weaslette. Kein einziges Mal.

ooooo

Der Horizont wurde in die verschiedensten Rot-, Rosa- und Orangetöne getaucht, als die Sonne die Baumkronen des Verbotenen Waldes erreichte. Der wenige Schnee, der noch lag, reflektierte die Strahlen, sodass das ganze Gelände farbig leuchtete und Draco fast schon blendete. Doch seine Augen gewöhnten sich daran und er starrte weiter nach draußen.

Er wusste nicht mal mehr, wie lange er das schon tat, aber eines war sicher: Als er sich auf die Fensterbank in dem leeren Korridor im fünften Stock gesetzt hatte, hatte die Sonne noch hoch am Himmel gestanden und sich zwischen ein paar inzwischen weitergezogenen Regenwolken versteckt.

Jetzt wünschte er sich jedoch, er wäre vor Sonnenuntergang gegangen. Es war jetzt zwei Wochen her, dass sie den Fuchsbau verlassen hatten und in Hogwarts angekommen waren, doch trotzdem reichte die rote Farbe der Abendröte aus, um in ihm Weaslettes Gesicht heraufzubeschwören. Ihr Gesicht mit den weit aufgerissenen, braunen Augen, als sie ihn im Zug entgeistert angesehen hatte. Umrahmt von ihrem flammenden Haar.

Draco fluchte leise, als er merkte, dass er schon wieder an sie dachte. Das war in letzter Zeit zu seiner Dauerbeschäftigung geworden – egal, ob er gerade im Gemeinschaftsraum mit Blaise und Astoria oder im Unterricht saß. Und das nicht nur bei Binns, sondern auch bei Snape, was durchaus etwas heißen sollte.

Verärgert stand er auf, ließ sich aber sofort wieder auf den kalten Stein zurücksinken. Er wollte nicht darüber nachdenken, wieso tat er es trotzdem? Es gab keinen Grund dazu!

Sein Blick wanderte zu dem Brief in seiner Hand.

Es war der, den seine Mutter ihm geschrieben und der ihn im Zug erreicht hatte. Draco hatte ihr nicht zurückgeschrieben, denn er sah keinen Grund dazu. Sie hatte ihm von ihrem Besuch bei seinem Vater geschrieben und ihre Worte machten deutlich, dass sie sein Verhalten sich selbst schön redete und ihn vermutlich auch noch überzeugen wollte. Doch darauf hatte er momentan wirklich keine Lust – er wusste ja nicht einmal, ob er vor sich selbst das Verdrängen Narzissas rechtfertigen konnte, da würde er sicher nicht mit ihr mitziehen.

„Verdammter Drachenmist", schimpfte er erneut unterdrückt und schob den Brief in seine Hosentasche, während er aufstand und den Gang entlangschritt. Draco bemühte sich, nicht zu schnell und unstetig zu laufen, um nicht auffällig zu wirken, doch gelang es ihm nur mit großer Selbstbeherrschung. Sein Leben verlief momentan wirklich nicht so, wie es ihm passte. Wieso konnte er auch nicht einfach das rothaarige Biest vergessen?

„Draco!", rief ihn jemand. Er drehte sich nicht gerade erfreut um und wartete, bis Astoria zu ihm aufschloss. „Wo warst du so lange? Du wolltest mir doch noch Verwandlungen erklären."

„Das hast du gesagt", erwiderte er gelangweilt und ging neben ihr die Stufen zur vierten Etage hinunter. „Wieso bist du nicht zu Blaise gegangen?"

„Er ist sauer auf mich, weil ich vorhin in Zauberkunst mit Vaisey geredet habe und er mir angeblich in den Ausschnitt gestarrt hat. Keine große Sache, er reagiert nur über, wie immer – Vaisey hat nämlich auf meinen Hintern gestarrt, nicht in mein Dekolleté."

Astoria blinzelte unschuldig zu ihm hoch und Draco konnte sich tatsächlich ein kleines Grinsen nicht verkneifen. „Jedenfalls bringt uns das doch gleich auf eine Frage, die ich dir gerne stellen würde: Wo warst du vorhin?"

„Hatte keine Lust auf Zauberkunst", sagte er gereizt, doch sie ignorierte seinen Tonfall und antwortete tadelnd: „Weißt du eigentlich, wie wichtig diese Prüfungen sind, die wir in ein paar Monaten schreiben? Das sind die UTZ's, Draco!"

„Das weiß ich. Ich bin nicht blöd. Aber Flitwick hat die Stunde doch eh nur das halbe Thema Aufrufezauber aus dem vierten Schuljahr wiederholt – und wie ich die Hufflepuffs kenne, haben sie die Hälfte der Zeit vertrödelt. Da war es viel sinnvoller, mir den Stoff allein noch einmal anzusehen und in Ruhe dabei das ganze Thema durchzuarbeiten."
Astoria seufzte und duckte sich, als sie unter einem besonders niedrigen Torbogen hindurchgingen, bei dem Draco praktisch schon gebückt laufen musste.

„Irgendwann wirst du wegen deiner Indifferenz noch einmal richtig Probleme bekommen, das sag ich dir. Oder wegen deiner Fehlzeiten. Schwänzen ist keine Lösung, Mister."

„Ist angekommen." Obwohl er nicht vorhatte, auf sie zu hören. „Und jetzt sag mir, worüber du wirklich reden willst. Du willst dich doch sicher nicht über meine Einstellung gegenüber Schulbildung unterhalten, oder?"

Sie schwieg, was hieß, dass er mit seiner Vermutung recht hatte.

Draco wartete ungeduldig und war kurz davor, wieder etwas zu sagen, was wahrscheinlich nicht ganz so 'nett' ausgefallen wäre, da rettete sich Astoria selbst. Mit ruhiger Stimme und mit Bedacht gewählten Worten fragte sie: „Wie ist es gestern in der Heulenden Hütte mit Ginny gelaufen?"

'Wenigstens redet sie jetzt nicht mehr drumherum', dachte Draco spöttisch, verzog jedoch das Gesicht widerwillig. Wieso wollte Astoria auch ständig über Weaslette sprechen? Sie nervte ihn schon seit ihrer Ankunft immer wieder aufs Neue mit dem Thema.

„Wir sind jetzt in der Bibliothek fertig geworden und haben uns auf zwei der Schlafzimmer aufgeteilt. Reicht das für dich als Information?"

Sie überging seine Frage und fixierte ihn mit einem ungläubigen und gleichzeitig bohrenden Blick. „Also heißt das, ihr habt in getrennten Zimmern gearbeitet?"
„Ja."

„Und ihr habt euch nicht unterhalten?"
„Wüsste nicht, worüber."

„Draco!", knurrte sie und stemmte ihre Fersen in den Boden, um ihn am Stoff seines Hemdes zurückzuhalten. Er hob lediglich seine rechte Augenbraue. „Wie grausam bist du eigentlich? Und jetzt komm nicht wieder mit dem 'Ich wüsste nicht, worüber wir reden sollten' – das weißt du genau!"

Anklagend rammte sie ihren Zeigefinger in seine Brust, sodass er leicht zusammenzuckte.

„Ich weiß nicht, was du von mir willst! Und jetzt lass mich los, Astoria."

„Und weißt du, was ich nicht weiß? Was zwischen euch passiert ist und was für einen Unsinn du verbockt hast", ignorierte sie ihn erneut, „aber egal, was es was: Du machst einen gewaltigen Fehler. Ihr habt euch gut verstanden, wieso gehst du ihr jetzt aus dem Weg? Das hat sie nicht verdient!"

„Glaubst du, das wüsste ich nicht?", fragte Draco und machte sich gereizt von ihr los.

„Wieso tust du es dann?"

Er rang kurz mit sich, doch dann kniff er die Lippen aufeinander und drehte sich weg. Astoria stellte sich ihm in den Weg – natürlich. Konnte sie ihn nicht in Ruhe lassen?

„Draco …!", sagte sie warnend.

Er wüsste nicht, was er getan hätte, wenn in diesem Moment nicht jemand hinter ihm aufgetaucht und eine Hand auf seine Schulter gelegt hätte. Draco kannte nur eine, die sich das bei ihm trauen würde, und er war noch nie so froh über ihr Auftauchen gewesen.

„Draco", hauchte sie kokett in sein Ohr. Entweder bemerkte sie die Atmosphäre zwischen den beiden nicht oder sie wollte sie nicht bemerken. „Ich habe dich gesucht!"

„Schön für dich", meinte er und hörte Astoria angriffslustig mit dem Fuß auf den Boden tappen und aufschnauben, als er sich Pansy zu- und von ihr abwandte.

„Du …", murmelte diese und strich mit den Fingern beinahe schüchtern über seinen Oberarm, „morgen ist doch diese Party von Slughorn. Ich weiß, du hast gesagt, du wolltest eigentlich nicht hingehen." Das hatte sie schön formuliert. „Aber … vielleicht hast du ja doch Lust. Ich würde jedenfalls immer noch mit dir gehen. Diese anderen Schwachmaten aus unserem Haus haben doch null Stil, da würde ich mich ja blamieren!"

Sie kicherte.

„Und du kannst nicht allein gehen, lass mich raten", spottete Astoria im Hintergrund.

Draco warf ihr einen drohenden Blick zu und schob dann Pansys Hand beiseite. „Meinetwegen", sagte er und missachtete dabei ihr fröhliches, erneutes Kichern und Astorias vor Überraschung offenstehenden Mund.

„Okay, dann trag irgendetwas Blaues, damit wir zusammenpassen", sagte Pansy und stolzierte an den beiden vorbei, nicht, ohne der anderen Slytherin ein triumphierendes Lächeln zu schenken.

Als Draco wieder Astoria ansah, starrte sie ihn mit zusammengekniffenen Lippen an, sagte jedoch nichts. Stoisch erwiderte er ihren Blick und wartete. Doch auch nach einer Minute Stille sagte sie nichts, sondern hob ihr Kinn an und wirbelte auf dem Absatz herum.

Jetzt war sie eingeschnappt, aber das war wohl ein Opfer, das er hinnehmen musste. Und es würde sich außerdem eh wieder von selbst hinbiegen. Astoria konnte im Gegensatz zu allen anderen Slytherins kein bisschen nachtragend sein – außer, es ging um Blaise. Hier war sie erbarmungslos.

Draco seufzte leise, dann straffte er die Schultern und folgte Astoria zum Gemeinschaftsraum. Er musste das hier nur noch ein paar Monate aushalten, dann würde er endlich verschwinden und sein eigenes Leben leben können. Und alles andere vergessen. Er musste nur Geduld haben. Oder zumindest redete er sich das ein.

(1) Wer es bei Google Übersetzter/Leo/Pons/hier bitte bevorzugten Übersetzer einfügen noch nicht nachgeschlagen hat: la comadreja ist Spanisch und heißt so viel wie „das Wiesel".