Viele wären Feiglinge, hätten sie genug Mut.

- aus England

Der Geruch von Zedernholz und ein schmerzhaftes Stechen in ihrem Bauch weckten Ginny. Eben jenes Stechen stellte sich als ihr eigener Arm heraus, der sich in ihre Seite bohrte. Stöhnend rappelte sie sich auf und sah sich um.

Sie saß auf dem Boden – einem mit teuren Teppichen ausgelegten Boden wohlgemerkt. Um sie herum standen dunkle Möbel und ein Sofa versperrte ihr die Sicht auf den restlichen Raum.

„Du bist wach", sagte plötzlich jemand und sie sah auf.

Vor ihr stand ein dünner, hochgewachsener Mann mit einer Narbe, die sich quer über sein Gesicht zog und in seinem Kragen verschwand. Er lehnte an einer Kommode und in seiner Hand hielt er einen Zauberstab auf sie gerichtet. Um genau zu sein, ihren Zauberstab.
„Wer sind Sie?", fragte sie mit rauer Stimme. „Wo sind wir? Und wo ist Malfoy?"

„Ist das so 'ne Art Rollenspiel unter Pärchen, dass ihr euch mit Nachnamen anredet?", fragte er.

Ihre Augenbrauen schossen in die Höhe und sie schwieg, während sie sich erhob. War der Kerl blöd?

„Na schön, na schön …" Er rollte mit den Augen. „Reginald Mortain mein Name. Unseren Standort musst du nicht wissen und dein John ist im Esszimmer. Wenn du willst, kann ich dich hinführen – Jane."

Ginny ignorierte seinen schlechten Witz und reckte das Kinn, obwohl sie innerlich in Wirklichkeit vor Angst starb. „Bringen Sie mich zu ihm", sagte sie.

Mortain zuckte mit den Achseln, wandte sich geschmeidig der Tür zu und ließ sie mit einem Schnippen ihres Zauberstabes aufschwingen. Sie folgte ihm durch den ebenfalls dunklen Flur bis zu einer Tür am Ende des Ganges. Er klopfte nicht einmal, sondern öffnete sie nur und trat ein.

„Die Nebenwirkung ist aufgewacht", verkündete er und ließ sie stehen, um zur Fensterbank hinüberzugehen und sich neben zwei praktisch identisch aussehende Frauen zu setzen. Der einzige Unterschied zwischen ihnen war, dass die eine hüftlange, und die andere schulterlange Haare hatte.

„Kommen Sie rein", sagte eine weibliche, hohe Stimme von der anderen Seite des Raumes.

Ginny hatte das Gefühl, dass sie sie kannte, doch sie erinnerte sich nicht – und sehen konnte sie die Person auch nicht. Für den ersten Moment war es ihr aber auch egal. Was zählte, war Malfoy.

Er saß, nicht unweit von ihr entfernt, in einem Sessel. Seine Handgelenke waren mit Seilen eng an die Armlehnen gefesselt. Aber wenigstens lebte er.

„Malfoy", flüsterte sie erleichtert und eilte zu ihm. Ihr Geständnis und die Auseinandersetzung waren für diesen Moment vergessen.

Er drehte den Kopf, um sie sehen zu können, und schnitt eine Grimasse. Was er sagte überraschte sie allerdings mehr.

„Das ist unfair, Weasley", frotzelte er. „Ich bekomme hier blaue Flecken von diesen Kordeln und du nicht. Und da beschweren sich die Frauen trotzdem ständig über die mangelnde Gleichberechtigung."

„Keine Sorge", erklang die entfernte Stimme wieder, „ihr werdet nicht mehr lange darunter leiden müssen."

Malfoys Gesicht verdüsterte sich und er wandte sich der Person in den Schatten zu. „Kommen Sie schon raus, wer immer Sie sind", forderte er gereizt.

„Ich hatte eigentlich gehofft, Sie wüssten noch, wer ich bin … Offenbar habe ich mich getäuscht."

„Ja, offenbar. Aber langsam wird es langweilig."

Ginny hörte Schritte, doch die Person, von der sie kamen, konnte sie immer noch nicht sehen. Das Zimmer war ziemlich dunkel, nur das Fenster neben Mortain und den beiden Frauen war nicht durch Vorhänge verdeckt und ließ einen leisen Lufthauch hinein.

Sie hörte, wie die Person sich in Bewegung setzte und Schritte immer näherkamen, bis aus der Person eine Gestalt wurde. Und dann zuerst rosafarbene Schuhe, ein ebenfalls rosafarbener Rocksaum und anschließend eine rosa Strickjacke. Und schließlich trat Dolores Umbridge ins Licht und lächelte ihr süßlichstes Lächeln.

„Professor … Umbridge?"

„Ja." Sie lächelte wohlwollend, auf diese selbstsichere, affektierte Art, und musterte erst Ginny, dann Malfoy. „Ich hoffe doch, die nächsten Minuten werden nicht ebenfalls langweilig, Mr Malfoy. Es werden nämlich vermutlich Ihre Letzten sein."

„Machen Sie sich mal keine Sorgen, Professor. Allerdings könnten Sie mir einiges leichter machen, wenn Sie mich losbinden würden. Ich sitze nicht sonderlich gern gefesselt."

Er schien nicht gerade überrascht.

„Sie sind ganz schön scharfzüngig geworden, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ein … schlechter Einfluss?" Umbridge gluckste.

„Kommt auf die Sichtweise an."

Sie seufzte und ließ ihren Zauberstab durch die Luft sausen. Malfoys Fesseln lösten sich sofort und Ginny konnte ihn beinahe lautlos ausatmen sehen, bevor er sich erhob und zu seiner vollen Größe aufrichtete. Wahrscheinlich merkte sie es nur, weil sie so dicht neben ihm stand, doch er bewegte sich angespannter, als sie es bisher bei ihm je hatte beobachten können.

„Schon viel besser. Und jetzt schlage ich vor, Sie weihen uns in was auch immer ein."

Umbridge, die bisher etwas auf und ab geschritten war, hielt nun inne und stellte sich mit erhobenem Haupt gerade vor sie hin.

„Nun, es gibt nicht viel zu sagen. Sie wissen den größten Teil schon – und können sich zumindest einen weiteren, kleineren Teil zusammenreimen. Aber nur zu, stellen Sie Ihre Fragen. Ich habe alle Zeit der Welt. Und Ihre wird es nur verlängern."

„Gut, für den Anfang: Sie werden uns vermutlich nicht sagen, wo wir sind?"

Ein tadelndes Zungenschnalzen.

„Habe ich mir gedacht. Dann weiter im Text: Was wollen Sie von uns? Oder zumindest von ihr." Malfoy deutete in Ginnys Richtung, die das nur verblüfft beobachten konnte. Wie konnte er so ruhig bleiben? War das irgend so eine geheime Slytherin-Superkraft? Wenn ja: Konnte man die ausleihen?

„Da Sie sich logischerweise denken können, wie ich im Zusammenhang mit dem Angriff auf Sie und den Morden an Nott und dem restlichen Gesindel stehe, ist das leicht zu beantworten", sagte Umbridge jetzt. „Ich will Sie – oder viel mehr Ihren Tod. Was das Mädchen angeht … aus irgendwelchen Gründen sind Sie beide immer zusammen, wenn Sie mal das Schloss verlassen, und langsam verließ mich die Geduld. Also habe ich diesen perfekten Abend am Schopf gegriffen. Sie verstehen sicher: Alle sind abgelenkt, niemand achtet auf ein Paar, das für ein paar Stunden in den Büschen verschwindet … Und bis man Sie suchen würde, wird man Sie schon im Tode vereint am See wiedergefunden haben."

Umbridge runzelte die Stirn und machte eine Pause, gab ihnen jedoch auch nicht die Gelegenheit, etwas zu sagen, denn schon sprach sie weiter.

„Was mich allerdings etwas wundert, ist, dass Sie beide überhaupt eine derartige Beziehung führen. Ich hätte nie gedacht, dass eine Gryffindor, und vor allem eine Weasley, sich auf so etwas wie Sie einlassen würde."
„Wir sind nicht zusammen", informierte sie Malfoy kühl.

Ginny währenddessen hielt es nicht mehr aus. „Das ist doch jetzt vollkommen unwichtig!", sagte sie genervt und verfolgte Umbridge mit den Augen, die langsam am Esstisch entlangging und mit den Fingern gedankenverloren darüberstrich. „Was viel wichtiger ist: Was soll das Ganze? Wieso tun Sie das?"

Umbridge blickte auf und sah aus, als hätte Sie auf genau diese Frage gewartet. „Nun, meine liebe Miss Weasley … Um das zu beantworten, müssen Sie wissen, dass ich für den Dunklen Lord gearbeitet habe und nach seinem Tod geflohen bin. Mein einziges Glück ist nur, dass es gegen mich keinerlei Beweise gibt. Und um mich zukünftig wieder im Ministerium bewegen zu können, habe ich momentan leider keine andere Wahl, als all die Todesser aufzuspüren, die von meiner Gesinnung während des Krieges wissen. Oder wussten, wenn Sie verstehen, was ich meine."

„Moment", schnitt ihr Malfoy das Wort ab, als Ginny schon den Mund für einen Einwurf geöffnet hatte. „Wieso sind Sie dann auch hinter mir her? Ich wusste rein gar nichts über Ihre Machenschaften."

„Tja … natürlich konnte ich nicht sicher gehen, ob ein paar von Ihnen nicht plaudern würden, also musste ich das aus Ihren Gedächtnissen streichen. Bedauerlicherweise habe ich diesen Zauber bereits eingerichtet gehabt, bevor der Dunkle Lord gefallen ist, und er muss jedes Jahr erneuert werden. Was bedeutet, dass Ihre Erinnerungen in etwa einem Monat zurückgekehrt wären. Zu meinem Glück sind Sie der Letzte auf meiner Liste und nach Ihrem Tod werde ich meine Stellung zurückerlangen. Sie sehen: Nur Vorteile."

„Das ist doch Unsinn!", warf Ginny ein und hob eine Hand. „Sie können doch nicht glauben, dass Sie damit durchkommen? Harry weiß genau, dass Sie für Voldemort gearbeitet haben. Das wissen alle."

Umbridge stieß ein schrilles und gellendes Gelächter aus. „Ja, der junge Mr Potter ist dessen ungeachtet auch nur eben das: Jung. Wem, denken Sie, wird man eher glauben? Mir, einer armen, verwundeten Frau, die von Mortain, dem gesuchten Attentäter, zugerichtet wurde, oder einem traumatisierten Helden aus der Vergangenheit, der noch ein halbes Kind ist? Und, der keine Beweise hat, sollte ich hinzufügen."

„Sie ist wahnsinnig", presste Malfoy neben ihr zwischen seinen Zähnen hindurch und klang dabei fast schon etwas verbittert.

Ginny sah zu ihm, dann zurück zu Umbridge.

Wenn sie es eben richtig verstanden hatte, wollte Umbridge sich selbst von Mortain verletzen lassen, um als unschuldig dazustehen, nachdem sie Malfoy und sie umgebracht hätte. Nicht nur der Plan war irrsinnig und nicht durchführbar – sie würden dabei ihr Leben verlieren. Und sie konnten nichts dagegen tun. Sie hatten nicht einmal die Möglichkeit, sich zu wehren.

„Das … meinen Sie doch nicht ernst …", sagte sie.
„Ich fürchte doch. Allerdings haben Sie recht, wir sollten nun wirklich den Spaß zur Seite lassen und uns den wichtigen Dingen widmen. Cairenn", sie wedelte mit ihrer Hand, „gib ihnen ihre Zauberstäbe."

Die beiden beobachteten verwirrt, wie eine der beiden Frauen sich von der Fensterbank abstieß und mit langem, hinter ihr herwehendem Haar ihnen ihre Zauberstäbe in die Hände drückte. Malfoy tätschelte sie mit einem anzüglichen Grinsen noch die Schulter, bevor sie zurück zu den anderen spazierte.

„Was soll das?", knurrte er misstrauisch.

Zurecht, wie sich herausstellte.
„Nun, egal, ob nun zusammen, oder nicht, ich dachte, ich spendiere Ihnen den angenehmsten Tod der Geschichte: den Tod durch die Hand einer Person, die man liebt – oder in Ihrem Fall: Nicht liebt." Umbridge kicherte amüsiert. „Brillant, oder?"

„Ja, könnte man so sehen. Schade nur, dass Sie da lange warten können. Ich werde mir jedenfalls die Hände nicht mit einer Weasley schmutzig machen – sorry." Malfoy hob eine Augenbraue und sah zu ihr hinunter. „Was ist mit dir, Weasley? Lust, mich umzubringen?"

Ginny konnte nicht mal antworten, so sprachlos hatte er sie gemacht. Er sah sie so seltsam an. Es wirkte fast, als würde er ihr nicht richtig in die Augen sehen, obwohl er es tat. Was hatte er vor? Was versuchte er? Sie konnte nur hoffen, dass sich hinter dieser perfekten Maske so etwas wie ein genialer Einfall versteckte.

Also schüttelte sie langsam den Kopf.

„Sehen Sie, Umbridge? Das hier wird nichts."

„Ach, meinen Sie, ja?"

Sie seufzte nur abschätzig und nickte zu ihren drei Handlangern am Fenster hinüber. Cairenn verzog triumphierend das Gesicht, während ihre Schwester ihren Zauberstab hervorholte und ihn zusammen mit ihr auf Ginny richtete. Mortain hingegen zielte fast schon gelangweilt auf Malfoy, seine zuckenden Mundwinkel verrieten ihn jedoch.

„Also entweder, ihr beendet es schnell", flüsterte Umbridge, „oder die drei werden mit einem von euch anfangen und so lange foltern, bis ihr euch freiwillig gegenseitig umbringt. Ich denke, Carenin und Cairenn sind da etwas weniger beherrscht, also wird Mortain ihnen wohl den Vortritt lassen."

Ginnys Blick schnellte zu Malfoy. Seine Miene war immer noch entspannt, doch die Schatten um seine Augen waren tiefer geworden.

„Na schön", seufzte er schließlich, machte aber keine Anstalten, sich von Umbridge abzuwenden. „Ich wollte es eigentlich offen lassen, aber ich habe wohl keine andere Wahl. Ich schlage Ihnen einen Handel vor."
Umbridge rümpfte die Nase. „Was versuchen Sie da, Mr Mal-"

„Keine Sorge, kein Versuch. Was soll ich sagen? Ich hänge an meinem Leben. Wieso, glauben Sie, habe ich sonst gegen meine eigenen Leute ausgesagt? Ich bin ein Malfoy, vergessen Sie das nicht."

„Schön", grollte sie. „Wovon reden Sie? Spucken Sie es aus."

Ginny lief es heiß den Rücken hinunter, als sie sein gewinnendes Grinsen und dieses selbstsichere, provozierende Zähneblecken sah, das nur er wirklich beherrschte. In diesem Moment strahlte er reinste Autorität aus. Er sah so … Malfoy aus, dass ihre gesamte Haut allein bei dem Anblick schauderte.

„Sagt Ihnen", schnurrte er, „der Name Regulus Black etwas?"

„Regulus Black", wiederholte Umbridge den Namen und richtete sich etwas auf. „Sie meinen diesen kleinen Verräter, nicht wahr? Ja. Aber er ist tot – er spielt keine Rolle mehr."

„Aber er wusste von Ihnen, stimmts?" Malfoy legte eine Kunstpause ein und beobachtete seine Gegenüber ganz genau. Dann sagte er genießerisch: „Und mal angenommen, er hätte, bevor er den Todessern ganz beitrat, schon etwas von den Mitgliedern des damals noch kleinen Kreises gewusst. Und mal angenommen, er hätte es jemandem erzählt. Oder vielmehr … geschrieben?"

Umbridge schnaubte und trat einen Schritt auf ihn zu. „Ich mag es nicht, wenn man mit mir spielt, also sagen Sie, was Sie zu sagen haben, Mr Malfoy."

„Tja, wäre es von Interesse für Sie, wenn ich Ihnen sagen würde, dass Weasley und ich vor einiger Zeit einige Briefe gefunden haben? In denen, nur mal so, interessante Sachen standen. Und in denen Sie eine nicht allzu kleine Rolle spielen."

Langsam begriff Ginny, worauf er hinauswollte. Allerdings wusste sie nicht, wie er jetzt auf Regulus Black gekommen war. Hatte er ins Blaue geraten oder wusste er mehr, als sie gedacht hatte? Die Briefe waren immer nur mit einem R unterschrieben gewesen – von beiden Seiten. Und es stand in ihnen auch nichts über Dolores Umbridge. Und selbst wenn sie auf ihn hereinfallen würde, was hatte er dann vor?

„Es existieren Briefe? Und das soll ich Ihnen glauben? Halten Sie mich nicht zum Narren."

„Das tue ich nicht. Oder denken Sie echt, ich würde Ihr Angebot ausschlagen und riskieren, dass Sie mich für meine falschen Informationen bestrafen? Sie können mich natürlich auch töten. Aber früher oder später wird man Ihre Geheimnisse aufdecken."

„Wenn Sie wirklich die Wahrheit sagen, wieso sind Sie mit den Briefen dann nicht bereits zum Ministerium gegangen?"
„Was hätte das mir gebracht?", stellte er die Gegenfrage.

Kurzes Schweigen.

„Und Weasley? Sie sagten, Sie hätten die Briefe gemeinsam gefunden."
„Sie weiß nichts von den Briefen, in denen Sie vorkamen. Ich habe sie entfernt, bevor sie sie sehen konnte."

Umbridge schien ihm nun tatsächlich ein Ohr zu schenken, denn sie blieb stumm und starrte ihn nachdenklich an, als versuche sie herauszufinden, ob er die Wahrheit sagte.

„Meinetwegen", sagte sie schließlich. „Was für einen Handel schlagen Sie vor, Malfoy?"

„Mein Leben gegen die Briefe und meine Diskretion. Wenn es sein muss, leiste ich einen Unbrechbaren Schwur, um Sie zu überzeugen, dass ich Sie nicht verraten werde. Was halten Sie davon?"

Umbridges Nasenflügel bebten, während Ginny Malfoy vollkommen geschockt anstarrte.

„Was ist mit dem Mädchen? Ist Ihnen ihr Leben egal?", schnauzte die ehemalige Professorin und sprach damit die Frage aus, die sie selbst sich stellte.

„Was denken Sie denn? Sie ist eine Weasley."

Das saß. Ihr Herz fühlte sich an, als hätte er es genommen und gegen eine Wand geschleudert – wieder und wieder und wieder. Er sah sie nicht einmal an, als er das sagte. Sie konnte sich nur daran klammern, dass das alles nur eine Show war und er in Wirklichkeit log.

Umbridge kicherte und richtete ihre kleinen Augen auf Ginny. „Sie sind wirklich ein Malfoy", murmelte sie und fixierte sie, wie ein hungriges Raubtier. „Sehen Sie nur … sie hofft immer noch, dass Sie es nicht so meinen."

Malfoy drehte – wenn Ginny sich nicht täuschte – fast schon widerwillig den Kopf in ihre Richtung. Ihre Blicke trafen sich nur kurz, doch seiner war vollkommen ausdruckslos.

„Können wir jetzt zum Geschäft kommen?"

„Sicher. Aber seien Sie sich gewiss … ich werde Sie so lange foltern, bis Sie an den Qualen sterben, sollten sie mich hintergehen. Also wagen Sie es nicht." Umbridge lächelte ihm zu und drehte sich zu Mortain. „Hol Parkinson."

„Was ist mit Weasley?"

„Kommt mit. Sie soll doch ihr geliebtes Hogwarts noch ein letztes Mal sehen …", kicherte sie und streckte Malfoy ihre Hand hin.

Schweigend und ohne noch einmal aufzusehen, ergriff er sie.

ooooo

Ginnys Puls raste, als Parkinson sie Umbridge und Malfoy hinterher die Treppe in der Heulenden Hütte hochschubste. Die Slytherin bohrte ihren Zauberstab nicht gerade sanft in ihren Rücken und schwieg verbissen, als hätte sie ihr etwas getan.

„Kein Grund, so grob zu sein!", zischte Ginny ihr zu, als sie ihr ein weiteres Mal in die Hacken trat. Sie fragte sich langsam, ob es nur die Feindschaft zwischen den Häusern oder doch mehr war.

„Klappe, Weasley."

„Ich-"

„Seien Sie ruhig, alle beide!", sagte Umbridge unwirsch und wandte sich an Malfoy. „Wie lange wollen Sie uns noch herumführen?"

„Gar nicht mehr – wir sind da", antwortete er gelassen und öffnete die Tür zur Bibliothek. Die vier traten ein und Umbridge blickte skeptisch um sich.

„Ich weiß nicht, wo Sie hier irgendetwas Nützliches gefunden haben sollten."

„Ich habe sie auch nicht hier gefunden – nur versteckt." Was nicht stimmte: Ginny hatte sie in ihren Koffer im Gryffindorturm getan, sicher unter ihrem Bett verborgen. Was also wollte er nur hier? Vor Nervosität krallte sie ihre Finger in den Stoff ihres Kleides und biss sich auf die Lippe.

„Worauf warten Sie dann noch? Holen Sie sie, los!"

„Nur keine Eile." Malfoy rümpfte die Nase und ging zum Sofa, neben dem sie die Kartons mit den aussortierten Büchern gestellt hatten. Er ging in die Hocke und begann, den obersten Karton zu durchsuchen, als wäre dort wirklich etwas, das er finden wollte.

Als er nach einiger Zeit immer noch nichts herausgeholt hatte und den ersten Karton bereits zur Seite stellte, um in den nächsten zu sehen, wurde Umbridge ungeduldig. „Was ist nun? Wenn Sie hier nur eine Show abziehen, dann …"

„Die Briefe sind da drin", erwiderte er schneidend. „Es dauert nur etwas."

Umbridge brummte etwas Unverständliches. „An Ihrer Stelle würde ich mich beeilen. Ihr Leben hängt von diesen Briefen ab."

„Ich habe darauf geschworen, dass ich Ihnen die Briefe aushändigen und kein Wort über Ihre geheimen Machenschaften von früher verlieren werde – oder etwa nicht?"

Umbridge schnaubte und trat ungeduldig näher. Und dann passierte es: Die lose Holzleiste von damals gab unter ihrem Gewicht nach und fuhr hoch. Ginny hatte zu dieser Zeit zur Seite springen können, Umbridge jedoch war nicht schnell genug. Das Holz traf sie unvorbereitet direkt gegen die Stirn und sie fiel zu Boden.

Dann ging alles wahnsinnig schnell.

Das Endergebnis sah ungefähr so aus: Malfoy hatte Umbridge hochgerissen und hielt nun ihren Zauberstab gegen ihre Kehle gepresst, während er Parkinson mit einem boshaften Lächeln bedachte und sich geschmeidig erhob. Nicht zum ersten Mal erinnerte er Ginny an eine Katze.

„Was tust du, Draco?", rief Parkinson schrill, doch Umbridges Wutschreie unterbrachen sie.

Sie!", zischte sie in Malfoys Griff und sah aus, als würde sie dabei innerlich toben. „Das werde ich Ihnen nicht vergessen!"

„Kein Problem, geht vielen Leuten so", grinste er nur süffisant. „Ihr Plan war aber auch wirklich voller Fehler. Sie hätten damit rechnen müssen. Auch egal, kommen wir zu Wichtigerem … Pansy, lass Weasley zu mir rüber und ich lasse Umbridge gehen, sobald wir geflohen sind."

„Warum, Draco? Warum tust du das? Wieso stellst du dich gegen uns? Wieso stellst du dich gegen mich?" Ihre Stimme klang weinerlich.

Langsam kam Ginny der Verdacht, dass sie gar nicht wusste, was Umbridge eigentlich mit ihm bezweckt hatte. Aber vielleicht spielte sie auch nur. Oder sie war verrückt. Genauso wie Umbridge.

„Lass sie einfach los."

Parkinson sog scharf Luft ein, bevor sie sie halb hysterisch lachend, halb schnaufend wieder ausstieß.

„Und wenn nicht, Draco? Was willst du dann tun? Ich habe immerhin Weasley – die dir ja anscheinend ach so viel bedeutet!"

„Oh bitte, Pansy. Ich kenne dich, du kannst niemanden umbringen. Allerdings solltest du nicht vergessen, wer ich bin, denn bei mir wäre ich mir nicht so sicher …" Wie, um seine Worte zu unterstreichen, drückte er die Spitze des Zauberstabes etwas fester gegen Umbridges Hals, die röchelnd versuchte von ihm abzurücken.

„Wenn deine Mutter das wüsste, Draco! Denk doch mal nach!"

„Das tue ich. Und deshalb wirst du sie loslassen. Jetzt."

Wie, als hätte sie sich verbrannt, ließ Parkinson von ihr ab und stolperte ein paar Schritte zurück. Ginny hatte nicht einmal bemerkt, dass sie die Luft angehalten hatte, doch als sie frei war, stieß sie all die angestaute Anspannung mit einem einzigen Atemzug aus.

„Und noch etwas, Pansy: Gib ihr unsere Zauberstäbe."

Parkinson verzog das Gesicht, tat jedoch, was er sagte, und reichte Ginny verbissen ihren und Malfoys Zauberstäbe.

„War's das?", jammerte sie.

„Nur noch ein gut gemeinter Rat: Verschwinde, irgendwohin, wo du niemanden kennst." Damit bedeutete er Ginny nach draußen zu gehen.

Am Fuß der Treppe angekommen, blieb er stehen und ließ Umbridge los. „Gehen Sie voran", befahl er und, genau wie Parkinson vorhin bei Ginny, zielte auf ihren Rücken. „Machen Sie schon."

Umbridge schnaubte nur und die beiden eilten ihr hinterher. Malfoy sah indes immer wieder über die Schulter, doch Parkinson tauchte nicht mehr auf. Als sie im Wohnzimmer waren, stiegen sie in den unterirdischen Gang hinab und durchquerten ihn so schnell es ging.

„Du zuerst", meinte Malfoy, als sie letztendlich am Ende des Ganges ankamen. Ginny nickte und begann, nach oben zu klettern. Wie schon die bisherigen Male, stützte sie sich an Wurzeln und Vertiefungen im Schacht ab, und obwohl sie eigentlich inzwischen den Weg fast automatisch fand, stolperte sie mehrmals.

„Merlin", murmelte sie erleichtert, als sie endlich ihr Ziel erreichte und sich nach draußen hievte. Danach folgten ihr erst Umbridge, dann Malfoy.

„Geht es dir gut?", fragte sie ihn leise.

Er öffnete schon den Mund, doch er konnte nicht mehr antworten. Eine gewaltige Wucht traf ihn und schleuderte ihn gegen einen Baum. Ginny wirbelte angriffsbereit auf dem Absatz herum und entdeckte Umbridge, auf deren Gesicht sich ein irres Grinsen widerspiegelte. In ihrer Hand hielt sie Malfoys Zauberstab.

„Scheiße", fluchte sie unterdrückt. Sie musste ihn eben fallengelassen haben.

Protego horribilis!", rief sie. Ein gewaltiger Schutzwall brach hervor und baute sich vor ihr auf. Schnell rannte sie zu Malfoy hinüber und bückte sich. Er stöhnte nur etwas vor sich hin, bewegte sich aber nicht weiter.

„Das wird Ihnen nicht viel nützen, Miss Weasley!", lachte Umbridge und schleuderte den ersten Zauber auf den Schutzschild. Ginny spürte praktisch, wie er die ersten Risse erlitt.

„Scheiße! Verdammte Scheiße!", wiederholte sie unterdrückt. Ihr blieb keine andere Wahl, als den Schutzschild aufzulösen und sich mit Umbridge zu duellieren. Sie hob ihren Zauberstab und-
„Das würde ich an deiner Stelle nicht tun!" Ginny erstarrte und hörte, wie Parkinson näherkam.

Umbridge lachte erneut auf und mit einem weiteren Fluch zerfiel der Schild-Zauber. „Ach, Parkinson, Sie tauchen auch noch hier auf? Welch Überraschung", spottete sie.

Die Slytherin antwortete nicht, sondern sagte düster: „Wirf ihn weg, Weasley."

Ginny schluckte, tat aber, wie ihr geheißen. Ihr Zauberstab fiel einige Meter weiter ins Gras und rollte einen kleinen Erdhügel hinunter, sodass sie ihn nicht mal mehr sehen konnte.

'Verdammte, verdammte, verdammte Scheiße', hallte es immer wieder in ihrem Kopf. Am liebsten hätte sie sich jetzt nur noch neben Malfoy an den Baumstamm gelehnt und geschlafen – am besten hundert Jahre oder länger. So, wie die Situation allerdings aussah, würde sie das bald wohl auch können. Das Schicksal war anscheinend gegen sie.

„So, Miss Weasley …", säuselte Umbridge und trat langsam auf sie zu, „jetzt sehen Sie, was passiert, wenn man versucht, mich hereinzulegen. Irgendwelche letzten Worte?"

'So viele.'

Ginny schnaubte jedoch nur abfällig und hob das Kinn. Tränen schimmerten in ihren Augen.

„Lecken Sie mich am Arsch!", fauchte sie.

Sie war eine Gryffindor, sie würde nicht heulen. Auch, wenn sie in Draco Malfoy verliebt war. Und die ganze verdammte Scheiße zum Heulen war.

Umbridge lächelte nur schmal.

„Gute Wahl."

Damit hob sie Malfoys Zauberstab. Ein schneidendes Peitschen durch die Luft. Ein grüner Lichtstrahl. Ginny schloss die Augen.

'Malfoy', war das Letzte, das sie dachte.

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Good morning!
Habt ihr gut geschlafen? Ich bin gerade erst aus dem Bett gekrochen, wollte aber unbedingt noch das Kapitel hochladen.
Wie hat es euch denn gefallen? Spannend genug? ;) Tja, Finale, Finale, kann man da nur sagen. Lasst mir doch eure Meinungen da und genießt euren Valentinstag (bzw. hasst ihn zur Genüge, je nach dem, was ihr bevorzugt)!
Und noch ein Danke …
Cleiti
Lucy BlueHorizon
die Leute, die die Story bisher empfohlen haben! 3
blondies – wieder für deine Reviews :)
Gila – mal wieder ^^
die anonymen Leser
Wir sehen uns nächste Woche!
Eure Grim ^-^