Auch wieder da? ;)
Wie war eure Woche? Bei mir war es wieder unmöglich stressig. Dafür habe ich wieder ein verlängertes Wochenende. Und noch eine gute Nachricht: Der Epilog von Cheshire Cat wurde nun auch gebetat – das heißt, die Story ist endgültig und mit allen Verfahren beendet.
Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch!
Und wie immer: Ein kleiner Song zum Entspannen und Sonntagsfeiern. Ich rate euch: Hört ihn euch am Ende dieses Kapitels an. Und mit Kopfhörern. Es ist definitiv etwas zum Lächeln und … ach, hört es euch einfach an und feiert das Wochenende. :)
Eure Grim ^-^
PS: Und noch etwas: Das ist das vorletzte Kapitel vor dem Epilog! O.O
Song: Want To Want Me - Jason Darulo
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Sterne leuchten nur, wenn die Nacht ihr Hintergrund ist.
- „Ryota Watari" in „Shigatsu wa Kimi no Uso" (Episode 10)
Ginny hatte keine besonderen Vorstellungen davon gehabt, wie sich der Tod anfühlte. Allerdings hätte sie auch nie gedacht, dass er sich so anfühlte. 'So' im Sinne von zwei Armen, die sie umschlossen, einem Schrei aus der Ferne und einer Wucht, die sie umriss.
Sie brauchte ein paar Sekunden, bis sie verstand, dass sie nicht tot war. Ganz im Gegenteil, denn ihr Herz schlug kräftig gegen ihre Brust und ihr ganzer Körper tat weh – das beste Zeichen für einen lebendigen Zustand. Hoffte sie zumindest.
Zögernd öffnete sie ihre Augen und erblickte den Nachthimmel unverändert über sich. Kurz wallte tatsächlich Freude in ihr auf. Bis sie es roch.
Ihr entglitten die Gesichtszüge und wie in Trance wandte sie den Kopf.
Seine Augen waren geschlossen, das Gesicht entspannt, als würde er schlafen, sein Körper warm.
„Mal…foy …", wisperte sie. Und wieder. Und immer wieder, nur, dass mit jedem Mal ihre Stimme lauter und schriller wurde. Ohne es wirklich zu merken, schossen ihr die Tränen in die Augen und sie richtete sich auf. Er lag auf der Seite, völlig still, den einen Arm immer noch an ihrer Taille, der andere heruntergerutscht im Gras.
„Nein", schluchzte sie. „Nein …"
„Welch Bild", drang plötzlich eine andere Stimme, außer ihrer eigenen, panischen, zu ihr durch. „Ich hätte nie gedacht, dass er das tut."
Ginny sah durch den Tränenschleier in ihren Augen zu Umbridge auf. Heiße Tränen rollten ihr über die Wangen und tropften auf die Erde.
„Wie konnten Sie?", sagte sie, zuerst leise. Dann schrie sie. Sie wusste selbst nicht, was sie Umbridge ins Gesicht schleuderte, aber sie hoffte, dass es das Schlimmste und Beleidigenste war, das man verbal fabrizieren konnte. Während sie schrie, wurde Umbridges Miene immer wütender, bis sie schließlich ihren Zauberstab erneut auf sie richtete.
„Schweigen Sie!", brüllte sie außer sich, aber Ginny dachte nicht daran. Und schließlich hatte Umbridge genug: Sie schrie ebenfalls auf, was sich mit Ginnys Schreien vermischte, und rief etwas, während sie ihren Zauberstab schwang. Der gleiche, grüne Lichtblitz, wie vorhin, zerriss die Nacht. Und dann war es still.
Schockiert starrte Ginny auf die Stelle, wo Umbridge vorhin gestanden hatte. Nur, dass sie dort jetzt nicht mehr stand. Stattdessen lag sie am Boden und rührte sich nicht mehr. Langsam ließ sie ihren Blick zu Parkinson weiterwandern, deren Zauberstab immer noch vereinzelt Funken sprühte. Was Ginny vorhin nicht bemerkt hatte, waren die Tränen, die der Slytherin in den Augen standen. Erst jetzt verstand sie, dass sie es gewesen war, die geschrien hatte.
„Bei … Oh Merlin!"
Ginny schluckte. „Ist sie … tot?"
„Ich glaube, ich … das war … Oh Merlin", stammelte Pansy und, ohne dem noch etwas hinzuzufügen, verschwand sie in die Büsche.
Ginny hatte nicht mehr die Kraft, sich zu fragen, wieso sie das getan und damit sie gerettet hatte. Sie streckte nur zitternd die Hand nach Malfoy aus und begann, während wieder neue Tränen über ihre Wangen kullerten, über sein Gesicht zu streichen. Es war so ruhig, kein Vergleich zu sonst. Jetzt, gerade in diesem Moment, wünschte sie sich, er würde sie anschreien – besser, als so dazuliegen und mit jeder Sekunde mehr ihre Seele zu zerreißen.
„Malfoy …", flüsterte sie, bevor ein erneutes Schluchzen aus ihr herausbrach. Sie griff nach seiner Hand und schob ihre Finger durch seine. Warm, rau, etwas schmutzig, aber tot fühlten sie sich nicht an. Nichtsdestotrotz war er das. Umbridge hatte ihn getroffen. Er war … tot.
Und ihr Herz brüllte immer noch, dass das nicht sein konnte. Es konnte doch auch nicht sein! Er war zäh. Er war ein verdammter Malfoy, ein Slytherin! Wenn die so leicht sterben konnten, wieso gab es dann noch so viele von ihnen?
„Oh Merlin …" Ginny vergrub ihr Gesicht in seiner Schulter und versuchte, sich zu beherrschen.
'Du denkst wirr! Reiß dich zusammen! Komm schon, Weasley! Komm schon!'
„Komm schon, Weasley, reiß dich mal zusammen …" 'Ja, genau.' „Weasley. Weasley! Hey!" 'Ja, viel be-' „WEASLETTE!"
Ginny riss die Augen auf. Sie schaute in stahlgraue. Er erwiderte ihren Blick und hob eine Augenbraue.
„Du …", war das Einzige, was sie herausbrachte, bevor sie völlig aufgelöst über ihm zusammenbrach und wie wild begann, auf seine Brust einzutrommeln. „Spinnst du? Ich dachte, du wärst tot, du Arsch! Wie konntest du? Was sollte das?! Bist du irre?!"
Erst, als er vor Schmerz stöhnte, ließ sie von ihm ab und erkannte, dass sie die Irre war – denn sie grinste. Völlig irre.
„Du bist ein Arsch, Malfoy."
„Danke, dass du mir das so herzzerreißend mitteilst, nachdem ich dich gerade erst davor bewahrt habe zu sterben!", knurrte er stöhnend und schloss erneut die Augen. Dieses Mal kniff er sie jedoch vor Schmerz zusammen und nicht, weil er bewusstlos war.
„Aber … wie?"
„Keine – ah, verdammt! – Keine Ahnung … Ich weiß nur, dass es höllisch weh tut! Ich fühl mich, als hätte Umbridge mir meine eine Körperhälfte aufgeschlitzt. Ich könnte sie umbringen!"
„Zu spät. Ich glaube, Parkinson hat das gerade getan …", schniefte sie und wischte sich mit ihrem Arm über das Gesicht.
„Hä?"
„Ich erzähle es dir später. Ich dachte nur-" Sie unterbrach sich. „Ist egal. Lass mich mal sehen."
Damit kniete sie sich auf seine andere Seite und schob den Stoff seines Pullovers nach oben, als er plötzlich ihre Handgelenke festhielt.
„Ein bisschen plötzlich, um mir die Klamotten vom Leib zu reißen, meinst du nicht?", spottete er.
Sie rollte mit den Augen und machte unbeirrt weiter. „Ich will mir doch nur deine Wunde ansehen. Das-"
Hier stockte sie, denn das, was sie soeben freigelegt hatte, ließ ihre Stimme versagen. Umbridges Zauber hatte ihn in die Seite getroffen. Dort, wo er eingeschlagen war, waren mehrere tiefe, lange Schnitte, die sich von seinem Rücken bis zum Bauch und zum Teil zur Brust erstreckten. Sie bluteten heftig und wäre sie nicht so abgebrüht was solche Dinge betraf, wäre ihr vermutlich jetzt übel geworden.
„Verdammt, das ist eine Menge."
Malfoy blickte selbst auf seinen Oberkörper hinunter und presste wie aus Reflex seine Hand darauf, als ob er sie verdecken wollte. „Na ja, der Sectumsempra von deinem Potty war schlimmer", murmelte er, doch sein Tonfall war hölzern. „Wo ist dein Zauberstab?"
„Der müsste irgendwo hier noch liegen, aber ich glaube kaum, dass ich ihn in der Dunkelheit finde – morgen suche ich danach."
Ginny lächelte wackelig. Der Gedanke an morgen und daran, dass er morgen noch da sein würde, ließ sie fast wieder Tränen vergießen. Wann hatte Malfoy sie zu so einer Heulsuse gemacht?
„Du bist echt eine Weasley. Hättest du ihn nicht wenigstens wo hinwerfen können, wo du ihn dir doch noch hättest zurückholen können? Du hast ja nicht mal nach meinem Puls gesehen – dann hättest du dir das ganze Rumheulen sparen können!"
Ginny schnaubte. Im einen Moment war sie noch froh gewesen, dass er lebte, und um ihn besorgt, weil er verletzt war, und jetzt hätte sie ihn selbst schon wieder gerne erwürgt. Trotzdem würde sie jetzt nicht mit ihm streiten.
„Klappe, Arschgesicht. Und jetzt komm schon, lass dir endlich helfen. Auch, wenn es unter deiner Würde ist."
„Wie? Du erwartest, dass ich den ganzen Weg zum Schloss hoch schaffe?"
„Du bist so eine Memme, ich glaub's nicht! Hör auf zu jammern – oder willst du hier verbluten? Ich kann dich auch einfach liegen lassen, weißt du?"
„He, vergiss nicht, dass ich dich jetzt schon zum dritten Mal gerettet habe! Ein bisschen Respekt ist ja wohl nicht zu viel verlangt", knurrte er gereizt, streckte ihr seine Hand entgegen und sah stur in eine andere Richtung. Ungewollt musste Ginny wieder grinsen.
„Na komm schon, du großes Slytherin-Riesenbaby", seufzte sie, bevor sie sich bückte und ihm half aufzustehen. Dann machten sie sich schwerfällig zum Schloss auf.
Den Weg über schwiegen sie, bis auf einige Schmerzenslaute Malfoys, die ihm doch mal entwichen, und einige Flüche, wenn sie in der Dunkelheit über eine Wurzel stolperten. Als sie irgendwann in der Eingangshalle des Schlosses standen, waren sie beide außer Atem und sein Gesicht viel zu blass, als dass es gesund sein konnte.
„Ich glaube, ich höre etwas aus der Großen Halle", sagte sie im Flüsterton. Und tatsächlich hörte man gedämpftes Stühlerücken und Klappern von Geschirr, sonst jedoch nur Stille. Die Sonne stand nicht einmal ganz am Himmel, entweder feierten sie also noch oder es gab schon Frühstück. Allerdings war es etwas leise für eine Feier.
„Ich gehe doch nicht da rein!", empörte sich Malfoy, ebenfalls gedämpft sprechend. „Da drin sind Potter und Wiesel! Ich bin verletzt, Weasley, glaubst du echt, ich mache mich vor denen zum Narren?"
Argh, er war ja so eine bockige Nervensäge …!
„Wie, weil du von einem Mädchen und dazu einer Gryffindor und Weasley gestützt wirst und dich aufführst, als wärst du ein kleines Kind? Dann keine Sorge, Malfoy, das hast du schon längst!"
Damit zerrte sie ihn Richtung Portal und da er ohne sie nicht stehen konnte, hatte er keine Wahl, als mitzuhinken.
„Weasley …!", setzte er schon wieder an, doch Ginny schob bereits die eine Seite der Tür auf. Sie gab ein protestierendes Knarren von sich, bevor sie ganz aufschwang – und alle Augenpaare in der Große Halle sich auf sie richteten.
Die Feier war ganz offenkundig vorbei, denn die Anwesenden saßen an die Tische verteilt und hielten dampfende Tassen in den Händen, während Madam Pomfrey und ein paar Hauselfen Zaubertränke verteilten. Anscheinend hatte jemand – Ginny tippte auf McGonagall – die Party beendet und die Schüler gezwungen auszunüchtern. Es war immerhin kein Geheimnis, dass Slughorn selbst neben ungefähr der halben Schülerschaft etwas Alkohol unter das Angebot gemischt hatte.
„Ginny!"
Das kam von Ron, der aufgesprungen war und dabei gleich seinen Stuhl mit umgeworfen hatte. Auch Hermine, Harry und Colin hatten sich erhoben.
„Äh …", machte Ginny. Die Situation hatte ihr jetzt ehrlich gesagt etwas die Sprache verschlagen.
Malfoy zum Glück nicht.
„Kannst du mal aufhören rumzustammeln, Weasley?", zischte er ihr zu. „Ich leide, falls du das vergessen hast!"
„Halt doch endlich mal den Mund, Malfoy!", fauchte sie zurück und wandte sich McGonagall zu. „Hören Sie, Malfoy ist verletzt – schlimm verletzt. Er braucht dringend Hilfe."
„Was ist passiert?", fragte Madam Pomfrey sofort und eilte auf sie zu – im Schlepptau Professor McGonagall, ihren Bruder und ihre Freunde. Noch im Gehen schwang die Medi-Hexe ihren Zauberstab und beschwor eine magische Trage herauf.
„Komm, ich helfe dir", kam es von rechts. Neben ihr stand Blaise, der Malfoys anderen Arm um seine Schultern legte und ihr half, ihn auf die Trage zu hieven.
Der stöhnte qualvoll und funkelte seinen besten Freund verärgert an. „Geht's ein bisschen sanfter?"
„Nein", sagte Blaise nur und zwinkerte ihr zu. Ginny lächelte und wollte schon etwas sagen, da kamen ihre Freunde und Professor McGonagall bei ihnen an.
„Ginny, geht es dir gut?"
„Ja, hat er dir wehgetan? Was hat Malfoy angestellt? Bist du verletzt?" Ron warf dem Slytherin einen Todesblick zu.
„Nein, ich-"
„Ich werde Mr Malfoy jetzt in den Krankenflügel bringen", mischte sich Madam Pomfrey ein.
„Ich begleite Sie!", kam es gleichzeitig von Ginny, Blaise und Astoria, die nun auch neben ihnen stand.
„Vergessen Sie nicht, dass eigentlich Nachtruhe ist. Sie drei können auch noch morgen nach ihm sehen. Ich schlage vor, Miss Weasley, Sie begleiten mich jetzt erstmal in mein Büro – und der Rest geht bitte endlich zu Bett. Es ist spät genug", sagte McGonagall. Ihr Tonfall ließ keine Wiederworte zu.
Hin- und hergerissen blickte Ginny zu Malfoy.
Der schnaubte. „Guck nicht so, Weasley. Ich verrecke nicht so schnell."
„In … Ordnung."
Zögernd und mit einem letzten Blick auf ihn folgte sie McGonagall, während Ron und ihre Freunde ihr mit offenen Mündern völlig entgeistert hinterherstarrten. Ausnahmsweise war es ihr aber völlig egal – die Konfrontation würde wohl noch früh genug kommen.
Im Hintergrund hörte sie Madam Pomfrey genervt aufseufzen. „Immer diese Slytherins …"
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Etwa zwei Stunden später hatte Ginny immer noch kein Auge zugemacht. Völlig erschöpft schleppte sie sich die Treppen bis zum siebten Stock hinauf und sagte wie in Trance der Fetten Dame das Passwort. Mit tadelnd zusammengekniffenen Augen schwang diese zur Seite und ließ sie in den Gemeinschaftsraum.
„Ginny!"
Es waren Ron, Hermine und Harry. Sie saßen auf den Sofas vor dem Kamin und schienen auf sie gewartet zu haben, denn sie trugen noch immer ihre Festkleidung.
„Wo warst du? Geht es dir gut?"
„Ja, Ron, alles okay." Entschieden schob sie ihn etwas von sich weg, doch seine Hände hielten ihre Schultern weiter gepackt.
„Bist du sicher? Musst du nicht zu Madam Pomfrey? Sie sollte gucken, ob dir etwas fehlt!"
„Ron, es geht mir gut, du kannst mich loslassen."
„Aber-"
„Ronald", seufzte Hermine und zog ihren Freund zurück zu den Sesseln.
Sehnsüchtig blickte Ginny auf den Rundbogen zum Mädchenschlafsaal. Wie schön wäre es jetzt, einfach hochzugehen und alles zu vergessen. Aber sie wusste, dass sie um dieses Gespräch nicht herumkommen würde.
Müde und mit dem Wunsch, es Krummbein gleich zu tun, der sich auf der Sofalehne zusammengerollt hatte und schlief, ließ sie sich in einen Sessel fallen. Wenigstens war Colin nicht ebenfalls hier.
„Geht es dir gut?", wiederholte Harry Rons Frage sanft. Sie nickte knapp.
„Schon gut. Hört mal, ich bin echt todmüde … können wir das auf morgen verschieben?"
„Es ist Malfoy, oder?", platzte es aus Ron heraus und es schien, als hätte er ihr nicht mal zugehört. Wahrscheinlich war es auch so. „Hat er dich verletzt? Was hast du überhaupt mit ihm draußen gemacht? Und was war das vorhin mit Zabini? Wo wart ihr die ganze Zeit?"
„Ron, überfall sie nicht so. Ich habe dir gesagt, wir können auf sie warten, aber nicht, wenn du dich aufregst."
Ginny lächelte Hermine dankbar zu, bevor sie sich wieder an Ron wandte. „Es ist wirklich keine große Sache, okay? Mir geht es gut, ich bin nur müde. Und den Rest können wir doch auch mor-"
„Ginny, ich mache mir Sorgen! Ich bin dein Bruder, ist es zu viel verlangt, wenn ich wissen will, wo du warst und was Malfoy mit dir gemacht hat? Er hat dich nicht angegriffen und bedroht, oder? Denn wenn ja, ich bringe ihn um, ich schwörs!"
„Erzähl uns doch erstmal, was überhaupt passiert ist", warf Harry schnell ein, bevor Ginny wütend etwas erwidern konnte.
Die Rothaarige rieb sich überfordert die Schläfen. Sie würde dem hier wohl wirklich nicht entfliehen können. Damit starb auch ihre letzte Hoffnung. Aber wie sollte sie das alles nur erklären? Die Wahrheit konnte sie kaum in all ihren Facetten verwenden. Merlin …
„Das … könnte länger dauern", murmelte sie schließlich. Vielleicht sollte sie es doch versuchen. Was blieb ihr auch sonst für eine Wahl? „Aber bitte, Ron, hör mir bis zum Ende zu."
Er schnaubte, wagte aber nicht unter Hermines strengem Blick noch etwas zu entgegnen. Und so begann Ginny mit gewählten Worten zu erzählen, was bei Umbridge passiert war.
Um gewisse Dinge machte sie einen Bogen oder ließ sie gleich komplett unerwähnt – wie, dass sie und Malfoy sich eigentlich nach Umbridges Plan gegenseitig hätten umbringen sollen. Sie erzählte auch nicht, wie es gewesen war, zu glauben, dass Malfoy tot war, obwohl ihre Augen allein bei dem Gedanken schon brannten.
Als sie von dem Zauber erzählte, mit dem Umbridge ihre Identität aus den Erinnerungen ihrer Opfer gelöscht hatte, meinte sie, in Hermines Gesicht einen Funken Erkenntnis zu sehen. Sie wusste wohl, um was für einen Zauber es ging.
„Und dann bin ich, wie ihr wisst, mit McGonagall in ihr Büro gegangen und habe ihr das Gleiche erzählt, wie euch." 'Lügnerin, elende', zischte ihr eine kleine Stimme in ihrem Kopf zu, aber sie ignorierte sie. McGonagall gegenüber war sie offener gewesen, zumindest, was die genauen Geschehnisse betraf. Aber das mussten die drei ja nicht wissen.
„Sie hat Mum, Dad und Malfoys Mutter verständigt", fuhr sie fort, „und dann das Ministerium. Gerade im Moment durchkämmen wohl Auroren die Gegend nach Parkinson, aber ich vermute, sie ist geflohen."
„Ich kann immer noch nicht glauben, dass es Umbridge war … Ich meine, wir wussten ja, dass … aber, dass sie so wahnsinnig sein könnte …" Hermine schüttelte ungläubig das Kopf.
„Was viel wichtiger ist, ist doch, dass Malfoy scheinbar irgendetwas plant! Ich meine, wieso hätte er sich sonst vor dich werfen sollen!" Ron, der bisher beeindruckenderweise relativ ruhig gewesen war, sprang hektisch auf.
Ginny wusste, was jetzt kommen würde. Hatte sie geglaubt, dass die Sache zu schildern schwierig wäre, so hatte sie sich getäuscht. Der schwierige Teil würde wohl erst jetzt kommen.
„Ron, setz dich wieder."
„Aber, Hermine! Du hörst doch, was sie sagt! Oh Scheiße, was sollen wir nur tun?!" Beinahe manisch fuhr er sich durch die Haare. „Der plant was, ich bin mir-"
„Wieso warst du überhaupt mit Malfoy draußen, Ginny?", wandte sich Hermine völlig ruhig an sie und sah sie bedeutend an.
Ginny holte zitternd Luft. Sie war ihrer Freundin gleichzeitig dankbar dafür, dass sie ihr diese Vorlage gab, und gleichzeitig wünschte sie, sie könnte es hinausschieben. Sie hätte allerdings wissen müssen, dass Hermine mehr ahnte, als sie ihre erzählte.
„Ich bin zu ihm gegangen, um mit ihm zu reden", sagte sie und hob den Kopf, um ihren Bruder ansehen zu können. Der hielt verwirrt inne.
„Hä? Wieso solltest du mit ihm reden? Du hast doch nicht mehr seit den Ferien mit ihm geredet. Ich dachte, die Sache hätte sich erledigt."
„Ich … Wir hatten einen Streit. Den wollte ich mit ihm klären."
Immer noch verständnislos starrte er sie an. Sie hörte, wie das Blut in ihren Ohren rauschte und ihr Herz vor Aufregung pochte. Merlin. Das war echt schwierig. Wieso konnte er nicht einfach so feinfühlig wie Hermine sein? Hilfesuchend sah sie zu der Älteren, die mit nervös zuckendem Lid die Lippen aufeinanderpresste.
„Herrgott nochmal!", rief diese plötzlich aus und selbst Harry zuckte zusammen. Sie klang nicht freundlich. „Er hat ihr das Leben gerettet, Ron! Glaubst du echt, das hätte er getan, wenn die beiden 'nichts' wären? Denk einmal scharf nach!"
„Ich …", setzte er an, unterbrach sich aber selbst und wurde blass. „Sag mir nicht, du … Ginny! Es ist Malfoy! Du kannst doch unmöglich-"
Ginny wandte den Blick zwar nicht ab, aber irgendetwas anderes verriet sie wohl.
„Ich- Ich glaubs nicht. Scheiße! Verdammte Scheiße! Dieser Bastard!", fluchte Ron. „Wie konnte er nur?! Wie kannst du nur, Ginny? Weißt du überhaupt noch, wer er ist? Wer du bist?!"
„Ron …"
„Nein, nicht 'Ron'! Malfoy! Verdammt, Malfoy, Ginny! Er ist ein Todesser!"
„Ronald!" Hermine erhob sich ebenfalls und legte ihm fest eine Hand auf die Schulter. „Beruhig dich endlich! Der Krieg ist vorbei."
„Ach ja, heißt das, nur, weil seine Seite geschlagen wurde, dass er automatisch ein besserer Mensch ist?! Denk doch an die ganzen Leute, die seinetwegen sterben mussten!"
Hermine wollte ihn unterbrechen, doch dieses Mal kam ihr Ginny zuvor. „Er hat für das Ministerium ausgesagt, Ron", sagte sie leise, aber mit überraschend fester Stimme. „Und er hat mich gerettet. Ich weiß nicht, ob du es kannst, aber ich kann das nicht einfach vergessen. Ich kann ihn nicht weiter hassen. Ich kann nicht mal glauben, dass er schlecht ist. Ich … Ich mag ihn."
Auf diese Worte folgte Stille. Selbst das Feuer im Kamin schien den Atem anzuhalten.
„Er ist … Malfoy, Ginny." Ron wirkte nur noch verzweifelt. Es war das erste Mal, dass sie ihn so hilflos sah.
„Ja", flüsterte sie.
„Wieso dann …?"
„Ich weiß es nicht. Frag mich etwas Einfacheres."
„Hat er gegen seinen Vater ausgesagt?" Das kam von Harry. Sie wandte ihm ihren Blick zu und schüttelte langsam, immer noch völlig paralysiert den Kopf.
Ron ließ sich zurück auf das Sofa fallen und vergrub das Gesicht in den Händen. Hermine beobachtete ihn besorgt und Harry … saß einfach da und musterte Ginny. Sie hatte erwartet, er würde genauso wütend werden wie Ron. Aber er war ruhig, sah fast erschöpft aus.
„Habe ich mir gedacht." Er rang sich ein Lächeln ab. „Als ihr vorhin in die Halle reingekommen seid … das hat alles gesagt. Du warst das erste Mal seit Wochen wieder ganz."
Ginny blinzelte verwirrt. Was meinte er damit? Sie wusste, sie hatte sich seltsam benommen, war abwesend gewesen, aber dieses Wort sagte noch mehr aus.
„Lass mich dir nur eine Frage stellen. Kannst du komplett ohne Zweifel sagen, dass er kein schlechter Mensch ist?"
„Ja." Sie schluckte. „Er ist nicht … schlecht. Er ist … wer er ist." Ratlos hob sie die Achseln.
„Gut. Ich denke, damit wäre alles geklärt." Einen Moment lang sah Harry sie noch durchdringend an, dann schaute er zu Ron. „Komm, lass uns schlafen gehen. Das hier ist Ginnys Sache."
„Aber sie … du … er … ich versteh nicht …", stotterte er, doch der Schwarzhaarige nahm ihn nur am Arm und zog ihn Richtung Treppen.
„Sie ist erwachsen, Ron." Harry warf noch einen letzten Blick über die Schulter und nickte ihr leicht zu. Dann verschwand er mit ihrem Bruder nach oben und ließ Hermine und Ginny zurück.
„Das war …"
„... wow." Der Rotschopf kam gar nicht mehr aus dem Kopfschütteln heraus. „Was ist nur mit der Welt schief gelaufen?"
„Ich weiß nicht …" Plötzlich grinste Hermine teuflisch und warf die Arme um sie. „Du weißt, dass du gerade den ersten Schritt getan hast, um mit Malfoy zusammen sein zu können?!", rief sie freudestrahlend aus.
Ginny schob sie weg und ignorierte ihr rotes Gesicht. „Ich will doch gar nicht mit Malfoy zusammen sein, Hermine! Meine Güte, seit wann bist du eigentlich so für Slytherins?"
„Hör mal, du bist so in diesen Arsch verknallt, da kann ich doch gar nichts dagegen sagen. Und du willst es doch, oder etwa nicht? Ich kenne dich, Ginny."
„Ich … weiß nicht … vielleicht?"
Hermine war normalerweise nicht der mädchentypische, emotionale Typ. Wieso war sie es ausgerechnet jetzt? Und wieso hatte sie das Gefühl, sie hätten die Rollen getauscht?
„Na siehst du. Also, regel das endlich. Ich hasse euer ständiges Umeinanderherumschleichen."
Ginny versuchte sich an einem halbherzigen Lächeln. Es gelang ihr nicht sonderlich.
„Ich hoffe, das wird so einfach, wie es sich anhört."
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Eine andere Möglichkeit für den Titel wäre übrigens „He's he" gewesen, allerdings wollte ich kein Englisch. Dieses „He's he" bezieht sich nämlich zum einen auf das, was Ginny sagt, und zum anderen wiedermal auf „Alice im Wunderland". Ziemlich am Anfang hält sie nämlich einen Monolog und fragt sich, weil alles so surreal geworden ist, ob sie nicht ausgewechselt wurde. Ich mochte diesen Monolog so gern und war ziemlich überrascht, dass er meinem eigenen Text ähnlich ist, dass ich wirklich in Versuchung kam. Allerdings, wie gesagt: Ich wollte keine englischen Titel.
Das genaue Zitat der Originalversion ist:
„'I'm sure I'm not Ada,' she said, 'for her hair goes in such long ringels, and mine doesn't go in ringels at all; and I'm sure I ca'n't be Mabel, for I know all sort of things, and she, oh, she knows such a very little! Besides, she's she, and I'm I, and-oh dear, how puzzling it all is! [...]'"
Quelle: „Alice im Wunderland" von Lewis Carroll, Aus dem Englischen von Angelika Beck. Anaconda Verlag, 2015. S. 32
