Mayas Augen öffneten sich langsam. Sie war immer noch sehr müde, die ganzen Eindrücke von gestern musste sie erst einmal verarbeiten. Als sie erwachte wusste sie im ersten Moment nicht wo sie sich befand, doch dann wurde ihr klar, dass sie in Hogwarts war. Ihr Blick schweifte rüber auf den kleinen, schwarzen Digitalwecker den sie sich mitbrachte:

07:39.

Sofort schnellte Maya hoch und stieß sich dabei heftig den Kopf. Mist, Mist, Mist!... Am ersten Tag gleich zu spät kommen ist gar nicht gut! Das Frühstück hat schon angefangen und in 25 Minuten beginnt der Unterricht!

In ihrer Aufregung schnappte sie sich ihre Uniform und bemerkte beim Verlassen des Schlafsaals gar nicht, dass alle Mädchen noch in ihren Betten lagen.

Als sie es schließlich geschafft hatte, sich innerhalb von 10 Minuten fertig zu machen und in denn Gemeinschaftsraum hetzte, diesen durchquerte und gerade auf den Flur treten wollte, stockte ihr der Atem als sie eine weiche Frauenstimme hörte: „Wo willst du denn so früh schon hin?"

Maya wirbelte herum und sah in das lächelnde Gesicht von Hermine Granger. Wieso hat sie einen Bademantel an?! Maya bemerkte nicht, dass während sie das dachte, an Hermine herunter sah und mit offenem Mund da stand.

„Heute ist Samstag, hast du das vergessen? Ich wollte dir den Campus zeigen nach dem Frühstück.", Hermine ging auf Maya zu und ihr Lächeln wurde etwas zaghafter, Wieso schaut sie mich so an? Ich habe doch nur einen Bademantel an...Genau das wird es wahrscheinlich sein, so etwas kennt man in Frankreich nicht…

„ Ich… Ähm... Oh...", zu mehr war Maya in diesem Moment nicht in der Lage.

„Entschuldige meinen Aufzug, so früh ist sonst niemand wach. Ich konnte nicht mehr schlafen und da habe ich mir ein Buch geschnappt und mich hier an das Fenster gesetzt.", versuchte Hermine zu erklären.

Langsam dämmerte es Maya und sie begriff, wieso Miss Granger im Bademantel vor ihr stand, es war ja wirklich Samstag!

„Ja…Heute ist Samstag…", Maya wurde rot und schaute verlegen vor sich auf en Boden, „Deswegen auch der Bademantel…", nun sah Maya verlegen zu Hermine auf.

„Dachtest du, heute wäre Montag?", Hermine sah mit einem Lächeln in Mayas dunkelbraune Augen.

Verlegen spielte Maya an ihrer Kette rum und druckste ein leises „Ja".

Nun musste Hermine grinsen: "Hey, es muss dir nicht peinlich sein, ich habe die ersten drei Jahre jedes Mal gedacht es wäre Montag und erst realisiert, dass es Samstag ist, als ich vor einem leeren Klassenraum stand."

Maya war etwas überrascht und erleichtert über diese Aussage und konnte sich ein kleines Lachen nicht verkneifen und Hermine lachte mit. Die Stimmung zwischen den beiden Hexen hatte sich etwas gelockert und Hermine schlug vor, Maya ihren Turm zu zeigen, da es noch zu kalt war, um auf dem Campus spazieren zu gehen und zu früh, für Frühstück. Maya nickte zustimmen und Hermine sagte, sie können sich beide etwas Anderes anziehen und sich in 10 Minuten wieder hier treffen, dann würde Hermine Maya ihren Turm zeigen.

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Als Hermine nach einer viertel Stunde wieder unten im Gemeinschaftsraum eintraf, es war gar nicht ihre Art zu spät zu kommen, doch sie beschloss noch schnell etwas aufzuräumen und konnte sich nicht entscheiden was sie anzog, saß Maya auf dem Sofa vor dem Kamin und schaute mit gesenktem Kopf auf ihren Schoß. Hermine wunderte sich was binnen zehn Minuten so trauriges geschehen sein konnte, doch als sie etwas weiter hinein ging sah sie, wie Maya vertieft auf ihrem iPhone gerade eine Nachricht schrieb.

Erstaunt sah Hermine zu Maya herunter, wie konnte sie mit Muggel-Dingen umgehen? Sanft, um Maya nicht zu erschrecken, setzte sie sich neben die jüngere Hexe. Erst als Hermine sich neben sie setzte, bemerkte Maya Hermine. Sie sah von ihrem iPhone hoch und lächelte Hermine an.

„Eigentlich hat man in ganz Hogwarts ziemlich gutes Netz, bis auf den Schlafsaal in dem du gelandet bist.", mit diesen Worten zwinkerte Hermine Maya zu. Maya sah sie etwas verdutzt an, bis ihr einfiel, dass Hermines Eltern, genau wie ihr Vater, Muggel waren.

„Ich habe nur gerade meinem Vater eine Nachricht geschickt, er sorgt sich ziemlich und hat gefragt, ob ich die erste Nacht gut überstanden habe.", Maya steckte ihr iPhone in die Tasche ihrer Lieblingsjeans.

„Möchtest du den Schulsprecher-Turm der Gryffindors sehen?", fragte Hermine mit einem Lächeln.

„Sehr gerne.", erwiderte Maya ebenfalls mit einem Lächeln.

Die beiden Hexen standen auf und gingen zu der Wendeltreppe an dem Fenster, an dem Hermine vor nicht weniger als 25 Minuten noch im Bademantel saß. Mit einer Handbewegung ließ Hermine Maya den Vortritt und Maya ging langsam die Wendeltreppe hoch.

Links an der Wand hing eine Art Wandteppich mit dem Gryffindor-Wappen. Das war aber auch das einzige was in dem engen Aufgang hing. Als Maya um die letzte enge Biegung ging, kam ein kleiner Flur zum Vorschein, an dessen Ende ein Fenster war. Maya ging geradewegs auf das Fenster zu, durch das die ersten Sonnenstrahlen an diesem Morgen fielen.
Als Maya das Fenster erreichte, sah sie einen großen, klaren See und weit dahinter einen großen Wald und ein Gebirge. Sie konnte ihren Blick nicht von diesem Bild abwenden, welches man sonst nur aus Märchenbüchern und dergleichen kannte.

„Das ist der Große See", sagte Hermine die hinter Maya stand.

„Wow, es sieht aus wie aus dem Märchenbuch, aus dem mein Vater mir immer vorgelesen hat.", erwiderte Maya, den Blick vom See nicht abwendend.

Aus der Ferne kam langsam aber sicher eine weiße Eule näher und setzte sich erwartungsvoll auf die Fensterbank vor dem geschlossenen Fenster.

„Das ist Hedwig, die Eule von Harry Potter. Sie besucht mich des Öfteren und findet mich meist sofort, auch jetzt, wo ich hier in diesem Turm schlafe.", sagte Hermine als sie das Fenster öffnete und Hedwig zu kraulen begann. Die Eule schloss die Augen und genoss Hermines Aufmerksamkeit.

Maya entging nicht die lange Narbe auf Hermines rechtem Unterarm. Dann ist an den Gerüchten also wirklich etwas dran… Maya konnte nicht verhindern, dass ein wenig Wut in ihr hoch kochte. Schlammblut. Sie konnte ihren Blick nicht davon abwenden.

Hermine bemerkte Mayas Blick und hörte auf Hedwig zu kraulen. „Es ist schon gar nicht mehr so schlimm, durch die Hilfe deiner Großtante ist es sehr gut abgeheilt. Aber ganz verschwinden wird es wohl nie.", sie konnte die Traurigkeit in ihrer Stimme nicht unterdrücken.

Maya merkte wie sie Hermines rechtes Handgelenk nahm und zu sich heranzog. Mit ihrer anderen Hand stütze sie Hermines Unterarm. Langsam führte sie Hermines Arm zu ihrem Mund und küsste die Narbe dreimal. „Mein Vater hat das immer gemacht als ich noch klein war. Er sagt, dass hilft gegen den Schmerz. Ich weiß es ist albern, aber früher hat es mir geholfen…", wieder bei Bewusstsein nahm Maya schnell ihre Hände weg und lief rot an. Was zur Hölle war DAS denn Maya?! fragte sie sich ziemlich wütend über sich selbst.

Hermine war so gerührt von dieser Geste, dass sie nichts zustande brach außer einem Lächeln. Sie griff nach Mayas Handgelenk und zog sie mit sich. „Komm, ich zeig dir mein Zimmer."

Maya wusste nicht wie ihr geschieht als die Brünette sie hinter sich herzog und ehe sie es verstehen konnte, stand sie auch schon in dem Zimmer der älteren Hexe. Gegenüber der Tür stand ein braunes King-size-Bett mit weinroter Bettwäsche. Daneben stand ein Nachttisch auf dem sich ein Foto und Hermines iPhone befanden und zudem eine kleine Nachttischlampe. Das Zimmer war ziemlich groß und so sah Maya erst nach dem Eintreten die kleine Leseecke rechts, welche wie ein kleiner Anbau aussah, da sie nur die Hälfte der Breite des Zimmers entsprach. Ein Schreibtisch mit zwei Stühlen stand vor dem großen Fenster. Links und rechts an de Wanden befanden sich Bücherregale, gefüllt mit etlichen Büchern verschiedener Genres. Ein kleines Sofa bildete den Abschluss, welches mit dem Rücken im Übergang zum restlichen Zimmer stand und davor ein kleiner Holztisch aus, wie Maya vermutete, Mahagoni. Vor dem Anbau auf der linken Seite an der Wand stand ein großer Kleiderschrank und daneben hing eine Fotowand. Links der Eingangstür war etwas weniger Raum und Maya bemerkte zu erst eine weitere Tür. Der gesamte Raum war mit dunkelbraunem Parkett ausgelegt, lediglich unter dem Sofa lag ein großer, weinroter Teppich.
„Die Leseecke ist ein Anbau. Als klar war, dass ich Schulsprecherin werde, hat McGonagall diese kleine Ecke in Auftrag gegeben.", Hermine lief etwas rot an, weil es ihr immer noch peinlich war.

„So ist sie…", sagte Maya mit einem Lächeln, „Was ist hinter der Tür?"

„Das Badezimmer. Du kannst es dir gerne ansehen.", erwiderte Hermine ebenfalls mit einem Lächeln.

Maya nickte und ging in das Badezimmer. Der Boden und die Wände waren gefliest mit cremefarbenen Fliesen. Rechts an der Wand stand ein Waschbecken auf dem sich Hermines Kulturtasche befand und daneben befand sich ein Handtuchständer. Darüber hing ein recht großer Spiegel. Direkt links neben dem Waschbecken war ein kleiner Schrank zu finden, alles passend zu den cremefarbenen Fliesen. Links hinten befand sich eine begehbare Dusche, wessen Fliesen in einem dunklen Braun gehalten waren und sonst nur aus Glaswänden bestand. Die Toilette war schräg gegenüber der Dusche an derselben Wand wo sich die Tür befand.

„Ich bin noch nicht zum Auspacken gekommen... Ich bin gestern Abend einfach nur müde ins Bett gefallen.", sagte Hermine hinter Maya.

„Verständlich.", gab Maya mit einem Lächeln zurück, „Das Bad ist wirklich schön."

Hermine lächelte als Maya sich zu ihr umdrehte und die Tür hinter sich schloss. Sie warf einen kurzen Blick auf die Uhr die neben der Eingangstür hing und sagte: „Wir sollten uns langsam auf den Weg in die große Halle machen, es gibt bald Frühstück."

Maya nickte und folgte Hermine aus ihrem Zimmer in die Große Halle.

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„Los Harry, beeil dich! Dann schaffen wir es noch zum Frühstück, ich hab einen riesen Hunger!", sagte Ron ungeduldig als er seinen Koffer aus dem Auto hievte.

„Ja doch!", erwiderte Harry etwas genervt von seinem eigenen Koffer.

Die beiden Zauberer schleppten ihre Koffer Richtung Eingang und stellten diese vor den Flügeltüren der großen Halle ab. Mit einem Schwung schob Ron die Türen auf und stürmte auf den Gryffindor-Tisch zu, um endlich etwas zu essen und Hermine zu sehen. Sie waren zwar seit dreieinhalb Jahren getrennt, doch waren seine Gefühle nicht ganz verschwunden und er hatte immer noch Hoffnung, dass sie wieder zusammen kommen.

„Hey Leute!", sagte Ron als er hinter Hermine und Ginny stand.

Hermine, Ginny und eine junge, schwarzhaarige Hexe drehten sich zu ihm um.

„Ron, da bist du ja endlich! Aber wo ist Harry?", fragte Ginny als sie ihren Bruder in die Arme schloss.

„Ich bin hier Süße!", Harry kam gerade auf sie zu und nahm sie in den Arm. Sie gaben sich einen innigen Kuss und als sie sich voneinander lösten, verschränkten sie ihre Hände in einander und blieben neben einander stehen.

„Hey Mine!", sagte Ron mit einem Lächeln.

„Hey.", entgegnete sie als Ron sie, für einen Augenblick zu lange, in die Arme schloss, was ihr vor Maya etwas peinlich war.

„Hallo Harry!", Hermine umschloss ihn fest und Harry knuffte sie ehe er sie los lies.

Ron musterte aus dem Augenwinkel die Hexe, welche sich bei seiner Begrüßung mit umgedreht hatte. Irgendetwas passte ihm gar nicht an ihr, doch er wusste nicht was.

„Harry, Ronald, darf ich euch Maya vorstellen?", mit einer Handbewegung holte Hermine Maya an ihre Seite.

„Bonjour, ich bin Maya-Amélie Dupont.", sagte Maya unsicher in die Runde.

„Schön dich kennen zu lernen, ich bin Harry Potter.", ehe Maya etwas sagen konnte landete sie auch schon in einer Umarmung mit Harry. Ihm gefiel die junge Hexe, sie zauberte Hermine so ein fremdes aber schönes Leuchten in die Augen, welches er vorher noch nicht gesehen hatte.

„Hi.", sagte Ron trocken und musterte Maya von oben bis unten, was ihn einen Hieb in die Rippen von Hermine kostete.

„Maya studiert ab diesem Jahr hier, da ihr Vater in London ein besseres Jobangebot fand. Ursprünglich kommt sie aus Frankreich und daher hat ihre Großtante mich gebeten ihr ein wenig unter die Arme zu greifen.", sprudelte es aus Hermine heraus.

„Ihre Großtante?", fragten Harry und Ron gleichermaßen verwirrt.

„Ja. McGonagall ist Mayas Großtante, wenn ihr euch die beiden anschaut merkt ihr es. Vor allem den Mut hat Maya von ihr!", sagte Hermine und lächelte Maya an.

Wieder schauten beide Zauberer verdutzt Hermine an.

„Maya hat ihre Schule, Beauxbaton, vor vier Jahren verteidigt und stand Auge in Auge mit Lord Voldemord, doch dann lies er von ihr ab.", wieder lächelte Hermine und wirkte diesmal etwas stolz was Ron aus irgendeinem Grund gar nicht gut gefiel.

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Hermine musterte Ron als er Maya ansah. Sie wusste an seiner Körperhaltung, dass er sie überhaupt nicht mochte, aber auch seine Aura verriet dies, denn Hermine sah wie Maya zunehmend nervöser und unsicherer wurde.
Sie mochte den Rothaarigen, schließlich waren sie Freunde seit elf Jahren und davon ein halbes Jahr ein Paar. Doch Hermine merkte schnell, dass sie mit ihm nicht glücklich werden würde. Er wünschte sich eine Frau, die den Haushalt schmiss und auf die Kinder aufpasste. Aber das war Hermine einfach nicht!
Sie wollte Familie, ja, aber noch nicht jetzt. Sie wollte zuerst ihren Abschluss schaffen und einen vernünftigen Job finden, mit dem auch sie einen beständigen Teil zum Einkommen beitragen könne. Aber dies hatte Ron nie verstanden. Sie funktionierten eben einfach nicht als Paar, als Freunde waren sie klasse, aber als Paar stritten sie sich ständig und Hermine wusste, dass sie ihren Teil dazu beigetragen hatte, denn mit den Ereignissen aus dem Krieg musste sie erst einmal umgehen lernen. Dadurch zog sie sich zurück und wollte häufig alleine sein, was Ron ebenfalls nicht verstand. Und als er schließlich ein Butterbier zu viel getrunken hatte, wollte er sie dazu bringen mit ihm zu schlafen und das nicht gerade sanft. Das war der Tag an dem Hermine der Liebe abschwor. Vorerst.

Wieso mustert er sie so?! Hermine spürte wie Wut in ihrem Bauch aufkochte, was eigentlich gar nicht ihre Art war.

„Lauft ihr in Beauxbaton alle so aufgetakelt rum?", fragte Ron Maya.

Maya wurde rot und wusste nicht was sie dazu sagen sollte, sie trug doch nur ein T-Shirt mit V-Ausschnitt und eine Jeans.

Das reichte Hermine, sie schnappte sich Mayas Hand und zog sie in Richtung Flügeltüren. An Rons Ohr hielt sie inne und sprach, so dass es Ginny und Harry es hörten, da sie neben Ron standen, aber Maya nicht: „Nur weil du immer noch Gefühle für mich hegst, gibt es dir nicht das Recht sie so anzumachen, egal wie ich sie ansehe!"
Hermine warf Ron noch einen tötenden Blick zu und zog Maya aus der Großen Halle.