Kapitel V
Als Pierre in den Raum ging, blendete ihn das Licht so sehr, dass seine Kopfschmerzen sofort wieder kamen. Er hatte heute Morgen seine Uniform geschnappt und seine Krawatte so gut es ging gebunden.
Nie wieder Sonntagabend ins Drei Besen…, dachte er sich während er sich die Schläfe rieb. Er schaute durch den Raum und sah eine freie Bank in der Mitte des Raumes und schlurfte darauf zu, in der Hoffnung, der Lautstärkepegel würde abnehmen.
„Na!", ließ eine Stimme Pierre aus seiner schläfrigen Sitzhaltung hochfahren, „Du siehst aus, als hättest du gestern ein Butterbier zu viel getrunken!"
Pierre sah auf und schaute in die strahlend blauen Augen von David.
Als er gestern mit Gina im Drei Besen war, hat er dort durch Zufall David Peterson und Jeff Parker, ebenfalls ein Ravenclaw und Davids bester Freund, getroffen und die vier haben bis morgens um drei gesessen und sich bei einer Menge Butterbier köstlich unterhalten. Dann hatten Pierre und David beschlossen, sich am nächsten Morgen in Verwandlung zu treffen.
Pierre gab nur ein dumpfes „Hm" von sich als David sich gut gelaunt neben ihn setzte und sich ein Grinsen verkniff.
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Als Hermine in den Gang einbog in welchem sich der Verwandlungsklassenraum befand, hoffte sie inständig, dass Professor McGonagall heute nicht überpünktlich war. Für ihre Verhältnisse war sie spät dran und nach dem sie am Freitag schon zu spät kam, würde sie sich hüten dies noch einmal zu tun. Sie beschleunigte ihren Schritt auf den letzten Metern und bog in den Verwandlungsklassenraum ein. Ihr Blick huschte zum Lehrertisch und sie konnte aufatmen, Professor McGongall war noch nicht da. Sie schaute durch den Raum und sah Pierre und David in der Mitte des Raumes sitzen. Unwillkürlich musste sie grinsen über das Bild was sich ihr bot: David saß gut gelaunt neben einem ziemlich verkatert aussehenden Pierre und Hermine wusste, dass es gestern ein langer Abend war, da das bei David so Tradition ist. Ein bisschen tat Pierre ihr ja leid, aber für weitere Gedanken war keine Zeit, denn in dem Moment huschte McGonagall an ihr vorbei und ging nach vorne zum Lehrertisch. Hermine schnappte sich den nächstbesten Platz und das war der letzte Tisch vor der Tür, eigentlich gar nicht ihre Art aber sie hatte keine Zeit sich weiter vorne noch einen Platz zu suchen.
Gerade als sie sich hingesetzt hatte, fiel ihr ein, dass sie Maya heute noch nicht einmal gesehen hatte. Leichte Panik machte sich in ihr breit und sie suchte den Raum nach dem Hinterkopf der jungen Hexe ab, doch fand sie diesen nicht. Wo ist sie nur? Hermine gefiel das gar nicht. Ein leises Knacken riss sie aus ihren Gedanken und sie drehte sich um. Durch einen Türspalt sah sie das errötete Gesicht von Maya.
„Komm rein und setzt dich!", ermahnte Hermine Maya während sie auf den Sitzplatz neben sich zeigte.
Maya huschte durch die Tür und sah, dass Professor McGonagall gerade ihren Namen an die Tafel zauberte, während sie sich erschöpft neben Hermine sinken ließ. Maya holte ihre Bücher raus und legte sie auf den Holztisch vor sich.
„Ich hab dich heute morgen beim Frühstück gar nicht gesehen.", flüsterte Hermine als McGonagall begann, die Namensliste durchzugehen.
„Ich dich auch nicht, ich war spät dran und habe mir nur schnell ein Rosinenbrötchen geschnappt und eine halbe Tasse Kaffee getrunken… Und war dann auf der Suche nach dem Raum und naja… also Beauxbaton ist im Gegensatz zu Hogwarts echt klein…", erschöpft sah Maya zu Hermine.
Hermine war leicht amüsiert und verkniff sich ein Lachen als die Stimme von Professor McGonagall durch den Raum hallte: „Miss Maya-Amélie Dupont!"
Maya war leicht erschrocken und wusste nicht so recht was zu tun war, doch Hermine zeigte ihr durch eine Geste, dass sie sich vorne ihren Wahlbogen abholen solle. Also stand Maya auf und ging durch den gesamten Klassenraum nach vorne zu Professor McGonagall und wieder blieben die Blicke der Jungen, als auch Mädchen an ihr haften. Maya war dies, wie jedes Mal, sehr unangenehm und sie hoffte, dass der Rückweg nicht schlimmer wurde.
Vorne angekommen, stand McGonagall mit einem Pergament vor dem Lehrertisch und lächelte Maya an: „Hier, einmal ausfüllen und mir bis Ende der Woche wieder abgeben."
Maya nickte und drehte sich wieder um, als der nächste Name aufgerufen wurde.
„Hey, du hast den hier verloren!", Maya drehte sich um und sah in das Gesicht von Gina, die ihr einen kleinen Zettel hinhielt.
„Oh, danke.", sagte Maya, nahm den Zettel und heftete ihn wieder an das Pergament.
„Heute Abend um halb acht ist Training. Ich hoffe, du kommst?", Gina setzte ein freches Grinsen auf.
„Natürlich!", Maya grinste zurück und begab sich wieder auf ihren Platz neben Hermine, welche einen eher sparsamen Gesichtsausdruck hatte.
Den Rest der Stunde verbrachten die Studenten aller vier Häuser damit, sich ihre Stundenpläne, Kurse und den Wahlbogen zu studieren. Man sah sofort, welche Studenten neu waren und welche nicht, denn die Wahlbögen und die Raumnamen überforderten die neuen Studenten sichtlich. So auch Maya und Pierre, doch gab Pierre es auf und beschloss, David heute Abend zu fragen, ob er ihm das noch einmal erklären könne. Ganz im Gegensatz zu Maya, welche krampfhaft versuchte, sich durch dieses System zu finden und volles Chaos über dem gesamten Tisch verteilte, so dass Hermine beschloss, ihren Wahlbogen in Ruhe auszufüllen und Maya half, die Informationspergamente und den Wahlbogen wieder zu ordnen und ihr versicherte, sie könne heute Abend zu Hermine kommen und sie würde ihr dabei helfen. Maya war sehr erleichtert das zu hören und packte ihre Bücher und Pergamente ein, während McGonagall ihnen einen schönen Start in das Studium wünschte und alle Wahlbögen am Ende der Woche wiedersehen wollte.
„Was hast du jetzt?", fragte Hermine als Maya aufstand.
„Ehm…Zaubertränke-E1...?", sagte Maya etwas unsicher.
„Also, das E steht für erhöhtes Niveau und das G steht für grundlegendes Niveau und die Stunden die schon auf deinem Stundenplan stehen, sind die, die belegt werden müssen und zu deinem Studiengang zählen. Die Bezeichnungen WK-G und die Nummern dahinter, sind deine Wahlkurse, die kompatibel mit deinem Studiengang sind und keine Pflichtfächer für deinen Studiengang sondern belegungsverpflichtend sind, da du auf eine gewisse Anzahl von Stunden in der Woche kommen musst, diese sind aber alle auf grundlegendem Niveau, weswegen das „G" dahinter steht. Die jeweiligen Nummern stehen für den Kurs in dem du bist, also kann es auch sein, dass du mit anderen Studenten, also nicht nur Erstsemestern in einem Kurs bist, da du die Wahlkurse jedes Jahr neu wählen kannst und wenn ein Drittsemester damit jetzt erst anfängt, kann es gut möglich sein, dass du mit diesem in einem Kurs bist.", sagte Hermine mit einem kleinen Lächeln.
„Gut ausgedrückt, Miss Granger. Ich hätte es nicht besser machen können!", Gina stellte sich neben Maya und grinste Hermine an.
„Danke.", sagte Hermine trocken, sie konnte Ginas arrogante und hochnäsige Art einfach nicht ab.
„Komm, ich hab jetzt auch Zaubertränke-E1, ich nehme dich mit.", Gina sah Maya auffordernd an.
„Ehm… Ja okay.", Maya war sich nicht sicher wie sie sich verhalten sollte, denn die gespannte Stimmung zwischen den beiden älteren Hexen war ihr nicht entgangen.
„Bleibt es bei nachher, Maya?", fragte Hermine kalt.
„Ja!", sagte Maya schnell, „Nach dem Mittagessen bei dir?"
„Ja.", Hermine drehte sich um und ging aus dem Raum.
„Lass sie, sie ist etwas eigen mit mir…", sagte Gina als sie merkte, dass Maya sich schuldig fühlte, „Wir sollten auch los, bei Professor Osbirn zu spät kommen ist keine gute Idee…"
Maya musste lächeln, irgendetwas hatte diese Hexe an sich, dass Maya anziehend fand, „Dann los."
Gina grinste Maya schräg von der Seite an und die beiden Hexen machten sich auf den Weg zum Kerker.
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Ginny sah eine ziemlich aufgebrachte, brünette Hexe in Richtung der Ländereien hetzen und verabschiedete sich von Harry mit einem kurzen Kuss. Sie machte sich auf, um Hermine noch zu erwischen, bevor sie wie vom Erdboden verschluckt war.
„Hey Hermine! Warte!", rief Ginny als Hermine in Richtung des Quidditch-Feldes hetzte. Hermine drehte sich um und erst als sie realisierte, dass es Ginny war, die vor ihr stand, entspannte sich ihre Mine.
„Was ist denn los?", fragte Ginny völlig außer Atmen als sie Hermine erreichte.
„Gina Benson...!", Hermine war sichtlich wütend, was keine Besonderheit war, aber irgendwas verriet Ginny, dass es nicht nur um Ginas Art ging.
„Was hat sie diesmal verzapft?", Ginny war etwas belustigt und hoffte, Hermine würde es nicht so schnell merken.
„Ach einfach ihre dämliche, arrogante und überhebliche Art! Ich hab Maya gerade erklärt, wie das System bei uns funktioniert und Gina hat nichts besseres zu tun, als einen dämlichen Kommentar dazu abzulassen, wie gut ich doch erklären kann!", beim letzten Teil des Satzes, fuchtelte Hermine übertrieben mit den Armen und Ginny musste sich zusammenreißen, dass sie nicht gleich laut loslachte. Da war ja mein Schlüsselwort! Dachte sich Ginny.
„Es geht also um Maya, ja?", nun musste Ginny wirklich grinsen, doch zu ihrem Glück fühlte sich Hermine sichtlich ertappt und schaute verlegen zur Seite, „Du kennst sie doch Mine, hör' auf dich über Gina aufzuregen, das hat keinen Zweck. Und wenn Maya sie nett findet, dann lass sie, du kannst es eh nicht ändern."
„Ja, du hast ja Recht. Aber ihre Art treibt mich zur Weißglut!", Hermine sah Ginny an und als ihre Wut verflogen war, schaute sie Ginny fragend an: „Was machst du eigentlich hier? Hast du keinen Unterricht?"
„Nein, ich hab hier regulär frei, eine Stunde meinen geliebten Tutor Professor Kalimba und dann frei.", Ginny lächelte.
„Hey, das passt sich ja gut, ich habe eine Stunde Professor McGonagall und dann auch frei!", Hermine bekam langsam wieder bessere Laune, „Hat der schon wieder neue Trainingsoutfits besorgt oder hängt dieses hässliche rot-gelbe Etwas immer noch in deinem Schrank?", Hermine deutete auf Ginny Quidditch-Trainings-Anzug.
„Ja, hat er…", Ginny war sichtlich genervt. Nun konnte Hermine sich ein Lachen nicht verkneifen, was Ginny ganz und gar nicht komisch fand, sie wusste sehr wohl, wie dämlich sie in diesem Anzug aussah.
„Komm, ich lad' dich auf 'nen Kaffee in Hogsmead ein.", sagte Hermine nachdem sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte.
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„Hey Maya, denkt dran heute ein wenig früher am See zu sein!", rief Gina durch die redende Menge. Maya nickte und machte sich auf den Weg in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum, in der Hoffnung sie würde sich nicht all zu sehr bei den Treppen irren.
Als sie sich nach 15 Minuten vor dem Gemälde der fetten Dame befand, sah diese Maya die Erleichterung an: „Na mein Kind, du bist sicherlich neu hier, so wie du aussiehst. Wie ist denn das Passwort?"
„Kürbissaft.", sagte Maya mit einem Lächeln.
„Sehr schön.", erwiderte die fette Dame als sie zur Seite schwang um Maya in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum zu lassen.
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Hermine sortierte gerade die letzten Bücher in das sowieso schon volle Bücherregal, als es an der Tür klopfte. Sie zuckte zusammen und drehte sich schnell zur Tür um. Ein Blick auf die Uhr riss sie aus den Gedanken.
Maya.
Sie hatte ihre Verabredung total vergessen. Sie legte die Bücher auf den kleinen Mahagonitisch und öffnete die Tür. Maya stand vor ihr in einem weißen T-Shirt und einer dunkelblauen Jeans und hatte den Wahlbogen und ein kleines Päckchen in der Hand, „Hey.", sagte sie sanft und lächelte die ältere Hexe an.
Hermine war noch leicht durch den Wind und hoffte, dass es Maya nicht merken würde.
„Hey.", erwiderte die ältere Hexe ebenfalls mit einem Lächeln, „Komm doch rein!"
Maya trat ein und Hermine fielen die Bücher auf dem Mahagonitisch wieder ein. Schnell ging sie zu ihnen, nahm sie und suchte verzweifelt einen Platz im Bücherregal, „Die Unordnung tut mir wirklich leid. Ich war gerade dabei, den Rest meiner Bücher und Klamotten auszupacken…"
„Wenn du das Unordnung nennst, dann solltest du dir niemals mein Zimmer zu Hause ansehen!", sagte Maya, während sie ihren Wahlbogen und das Päckchen auf den Tisch legte von dem Hermine gerade die Bücher nahm.
Als Hermine die Bücher erfolgreich in dem Bücherregal verstaut hatte, drehte sie sich zu Maya und lächelte ihr zu, „Was ist in dem Päckchen?"
„Oh! Das ist selbstgemachter Apfel-Tee von meiner Mama.", sagte sie.
„Dann hole ich mal die Teekanne und zwei Tassen für uns!", sagte Hermine mit einem Lächeln.
Als sie wieder kam, nahm sie das Päckchen und streute eine kleine, silberne Kugel mit Löchern mit Tee voll, danach hing sie diese in die Kanne mit heißem Wasser und ließ den Tee einige Minuten ziehen. Während der Tee zog unterhielten sie sich über die Muggelwelt, über die Unterschiede und Vor- und Nachteile. Schließlich goss Hermine ihnen beiden eine Tasse Tee ein und Maya legte fragend den Wahlbogen auf den Tisch.
„Na dann wollen wir mal!", sagte Hermine und rutschte etwas näher an Maya ran.
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Als sie schließlich fertig waren, sah Maya auf ihre Armbanduhr. Es war halb sieben und es würde in einer halben Stunde Abendessen geben.
„Wir haben ernsthaft dreieinhalb Stunden an diesem Wahlbogen gesessen?!", fragte Maya etwas überrascht.
„Ja, aber jetzt hast du das System wenigstens verstanden und außerdem haben wir nicht die ganze Zeit über den Wahlbogen gesprochen.", erwiderte Hermine mit einem Augenzwinkern.
Als Maya die Tür öffnete stand Ginny mit einer Faust in der Luft vor ihr, als wollte sie gerade an die Tür klopfen.
„Hey Maya, was machst du denn hier?", fragte Ginny überrascht.
„Maya und ich haben den Wahlbogen ausgefüllt.", sagte Hermine die hinter Maya auftauchte.
„Wenn das so ist, können wir ja alle zusammen essen gehen.", entgegnete Ginny mit einem kleinen Grinsen.
Die drei Hexen gingen den die kleine Wendeltreppe hinunter und durch den Gemeinschaftsraum raus auf den Korridor. Ginny war die letzte von ihnen und sah dem Treiben der anderen beiden Hexen amüsiert zu.
