In dem Moment in dem Yoriko erwachte, hatte sie keine Ahnung wo sie war und was geschehen sein mochte. Ihr Kopf fühlte sich an wie als wäre sie schwer gestürzt und auch ihre rechte Schulter schmerzte aus irgendeinem Grund. Warum trug sie ihre Schuluniform im Bett? Und... das war doch überhaupt nicht ihr Bett...

"Was...?", brachte sie mit heiserer Stimme hervor.

"Bist du okay, Yoriko?", fragte eine ihr wohlbekannte Stimme von der anderen Seite des abgedunkelten Raumes. Dann ging ein Licht an. Sie wandte sich ab und schloss die Augen, denn es blendete sie. Als sie die Augen wieder aufschlug und sich umsah, erblickte sie Touka, welche das Licht angemacht hatte, aber in die andere Richtung sah. Sie erinnerte sich und ihr Herzschlag beschleunigte sich. Sie warf einen Blick auf den Boden - aber dort war nichts mehr zu sehen. Doch der Geruch der ihr in die Nase stoch, zeigte ihr dass es kein Albtraum gewesen war. Ihr Atem beschleunigte sich. Sie versuchte etwas zu sagen, doch sie hatte keine Stimme und wusste zugleich nicht was sie sagen wollte.

Touka drehte sich zu ihr um. Ihre Augen waren wieder tiefblau und umgeben von dunklen Ringen.

"Yoriko, bitte... hab keine Angst. Du... musst keine Angst haben. Es passiert dir nichts. Es ist - alles okay..." Sie kam langsam näher, ganz vorsichtig, selbst von Angst ergriffen.

Yorikos Geist war eine einzige, schmerzhafter Verwirrung. Sie verstand nicht was hier geschah und starrte Touka einfach nur weiter an. Diese war schließlich zwei Schritte von ihr entfernt stehen geblieben. Nach langen Sekunden, schaffte es Yoriko schließlich eine Frage zu stellen: "Touka..., bist du ein..., ein Ghoul?"

"Yoriko..., hab keine Angst... vor mir. Bitte hab keine Angst. Ich werde dir nichts tun. Auch wenn... ich eine Ghoula bin." Tränen liefen, ohne dass sie sich dagegen wehren konnte, erneut ihre Wangen herab. Yoriko hatte sie noch nie weinen gesehen. "Wir töten... keine Menschen um essen zu können. Wir können nur... nichts anderes essen als ihr Fleisch." Sie konnte kaum noch ihre Stimme kontrollieren.

"Ich verstehe nicht..."

"Sie... war kein Mensch. Sie war auch... eine Ghoula. Sie muss mir gefolgt sein. Ich wollte nicht... sie nicht töten. Ich wollte nur, dass dir nichts
geschieht..."

"Touka..." Sie verstand immer noch nicht. Der Albtraum denn sie heute erlebt hatte, hatte sie noch immer fest im Griff. Doch wie sie ihre Freundin so dastehen sah, mit gesenktem Haupt, ihre Augen umschattet, Tränen ihr Kinn hinuntertropfend, wurde die Starre durchbrochen, die auf ihr gelegen hatte.

Sie warf die Decke über sich fort, stürzte nach vorne und umarmte sie fest. Toukas Augen standen vor Überraschung weit offen. Sie konnte kein Wort sagen und stand kraftlos da. Dann hörte sie eine unterdrückte Stimme an ihrem Ohr. "Ist okay." Yoriko strich ihr mit der Hand über den Kopf und hielt sie weiterhin umklammert. Da löste sich etwas in Touka und sie weinte laut, die Umarmung nun genauso fest erwidernd.