"Das... darf einfach nicht sein. Das darf einfach nicht sein.", dachte Touka.
Es war fast vollkommen dunkel um sie herum. Touka hatte keine andere Wahl gehabt als der Erpressung der unbekannten Ghoule nachzugeben. Ansonsten wäre Yoriko getötet worden. Aber was nun? Nun waren sie beide hier, hier in diesem Käfig.
Die Stäbe des Käfigs waren kaum zu erkennen im schwachen Licht dass durch den Türspalt ein paar Meter von ihnen entfernt glomm. Aber sie waren massiv und aus keinem gewöhnlichem Metall. Die ganze Zeit über hatte Touka auf ihre Gelegenheit gelauert anzugreifen, als sie hierhergebracht worden waren. Sie hatte sogar gehofft Ermittler würden auftauchen damit sich endlich eine Chance für ihre Flucht auftuen würde.
Doch in dem Moment als sie in den Frachtraum dieses Lastwagen stieg, war sie von Ghoulen mit merkwürdigen Masken umzingelt und es wäre unmöglich gewesen zusammen mit Yoriko zu entkommen. Sie hatte keine andere Wahl gehabt als weiter zu warten was geschehen würde.
Sie fuhren lange, bis sie etwas erreichten was anscheinend ein leerstehendes Fabrikgebäude war. Als sie die Tore geöffnet hatten, hatte kalte Angst Touka
ergriffen. Im Gebäude waren noch mehr Ghoule mit diesen merkwürdigen Masken. Sie waren bunt und bizarr geformt. Waren das die Clownsmasken? Von dieser Ghoulgruppe hatte Touka gehört, doch sie wusste fast nichts über sie.
Yoriko hatte die ganze Zeit über geschluchzt, aber jeden Befehl der Ghoula mit der peitchenförmigen Kralle befolgt. Doch als sie sie in diesen Käfig sperren wollten, an dem noch die Überreste von anderen Menschen klebten, hatte sie geschriehen. Touka hatte es nicht mehr ausgehalten und war vorgesprungen, doch gegen so viele Ghoule gleichzeitig hatte sie keine Chance gehabt. Sie waren zu stark.
Als sie wieder aufwachte, war sie selbst in diesem Käfig gewesen. Yoriko weinte immer noch in einer Ecke. Touka konnte dieses Geräusch nicht
ertragen. Aber sie wusste auch nicht was sie ihr sagen sollte. Stattdessen hatte sie all ihre verbliebene Kraft zusammengenommen und mit ihrer Kralle
versucht den Käfig zu zerschmettern. Doch es war umsonst. Sie war mehrfach verwundet worden im Kampf gegen die Ghoule, und eine Wunde an ihrem linken Bein war so schwer dass sie selbst nun, Stunden später noch nicht vollständig verheilt war.
Als sie aufgewachte, hatte sie gesehen dass eine blutgetränkte, orangene Weste um die Wunde herumgebunden war.
Yoriko hatte das getan...
Und Touka hatte sie in diese Situation gebracht. Wenn Yoriko sie nie getroffen hätte, würde sie nun nicht in diesem Käfig sitzen und darauf
warten was ein paar wahnsinnige Ghoule zu ihrem Vergnügen mit ihr anstellen würden.
Warum nur hatte sie geglaubt ein normales Leben führen zu können? Warum hatte sie die Möglichkeit ignoriert dass es eines Tages zu so etwas kommen könnte? Wie nur, hatte sie Yoriko die ganze Zeit über dieser Gefahr aussetzen können? Es war alles ihre Schuld. Alles ihre Schuld.
Sie stand einfach da. Der Schmerz in ihrem linken Bein pulsierte unaufhörlich. Es blutete immer noch leicht. Der Käfig hatte kaum einen Kratzer von ihrem Angriff davongetragen. Und dort in der großen Halle warteten zwei dutzend Ghoule. Touka fühlte wie die Verzweiflung wieder in
ihr hochstieg. Doch sie durfte jetzt nicht verzweifeln.
Nicht aufgeben. Bis zum Ende.
