Die Tür öffnete sich und kaltes, weißes Licht blendete Touka.
Es war der Ghoul mit der sichelförmigen Maske.
Wut durchströmte Toukas ganzen Körper wie eine heiße Glut.
Sie fixierte ihn mit ihren Augen "Ich zerreiße dich, du Mistkerl."
Der Ghoul schien ihren Blick amüsant zu finden, denn er lächelte süffisant.
Er trug einen albernen, grün-rot gestreiften Anzug und balancierte anscheinend einen reichhaltig gefüllten Teller mit seiner rechten Hand.
"Sind wir hungrig?", fragte er in freundlich erscheinenden Ton.
"Menschen müssen ziemlich häufig essen. Wir wollen doch nicht dass du stirbst... Mensch."
Yoriko sah auf, in ihrem Gesicht zeigte sich ein winziger Hoffnungsschimmer.
Der Ghoul kam auf sie zu und ließ dabei Touka nicht aus den Augen.
Er hatte offenbar aus der letzten Auseinandersetzung mit ihr gelernt und war überaus vorsichtig.
"Leider passt der Teller nicht durch die Gitterstäbe. Aber es wird schon so
gehen. Ich habe dir Besteck mitgebracht..."
Offenbar wollte er nur Yoriko etwas zu Essen geben. Touka konnte sich absolut keinen Reim daraus machen warum überhaupt jemand von ihnen Essen
bekam und was sie damit bezweckten. Der Ghoul legte den Teller vor dem Käfig ab.
Yoriko wagte es instinktiv nicht mit den Händen durch den Käfig zu greifen und auch Touka spürte es nun. Die Gefahr. Der Ghoul stand immer noch da und
sah die beiden mit einem breitem Grinsen an.
"Keine Sorge. Ich tue euch nichts. Ich kann sogar noch etwas weg gehen.
Seht ihr?" Er entfernte sich ein paar Schritte. Sie sahen beide weiter
misstrauisch den Teller an.
"Meint ihr wohl wir wollten unser süßes, kleines Mädchen vergiften? Nein, nein, es ist einfach nur Fleisch. Es wird ihr nicht schaden."
Sie griff nach dem Messer und der Gabel. Der Ghoul beobachtete sie weiter während sie ein Stück aus dem Steak hinausschnitt.
Was ging hier vor? Auf einmal drang ein Geruch in Toukas Nase. Yoriko
führte die Gabel zum Mund.
"NEIN!"
Touka stieß ihren Arm Weg. Das Fleischstück mit der Gabel flog ihr aus der
Hand. Yoriko sah sie verständnislos an.
"Das..., das ist Menschenfleisch.", sagte Touka zögernd. Yoriko erbleichte.
Der, der die Sichelmondmaske trug, lachte schallend.
"Ein Ghoul der einen Menschen davon abhält, Menschenfleich zu essen! Hat man
so etwas schon mal gehört!"
"FAHR ZUR HÖLLE!", brüllte Touka ihn an.
"Ha, ha, ha! Ich? Wohl eher... sie." Er zeigte auf Yoriko.
"Es kann für einen Menschen doch wohl nichts schlimmeres geben..., als mit
einem hungernden Ghoul in einen Käfig eingesperrt zu sein."
Toukas Magen drehte sich auf einmal um.
E kickte den Teller weg, der an der Wand zerbarst.
"Ich bin gespannt wie lange es dauern wird..."
Das war also was sie sich ausgedacht hatten.
Touka erinnerte sich:
"Die Hunger und die Schmerzen haben dir also den
Verstand geraubt. Du würdest sogar deinen Freund töten um endlich davon
erlöst zu werden. Und nachdem du das getan hast, sitzt du in einem See aus
Blut und Eingeweiden... und bereust es."
Das waren ihre eigenen Worte gewesen, an Ken. Damals als dieser vor Hunger nicht mehr er selbst gewesen war.
Und nun spürte sie ihn auch in sich... Hunger.
Es war noch nicht schlimm... aber er würde rasch stärker werden. Es war nur eine Frage der Zeit...
Verzweiflung drohte erneut in ihr aufzuwallen.
"Was soll ich tun?! Was soll ich tun?!"
Es gab keinen Ausweg.
Da spürte sie eine Hand die ihre fest ergriff.
Yoriko stand auf einmal vor ihr. Sie sah Touka fest in die Augen.
Diesen Blick hatte sie noch nie gesehen.
"Ich habe keine Angst."
Ihre Stimme war hoch und zart, aber dennoch sprach sie ohne den Hauch eines
Zweifels. Dann umarmte sie Touka.
Wie konnte sie so etwas sagen? Begriff sie denn nicht in welche Gefahr sie
schwebte? Sie stand stocksteif da.
"Es tut mir leid, dass ich dich nicht angesprochen habe. Ich wusste nicht was ich tun sollte, als wir hier her gebracht wurden. Ich hatte Angst.
Aber... ich bin nicht wütend auf dich. Es ist nicht deine Schuld."
"Es ist meine Schuld.", dachte Touka. "Es ist allein meine Schuld."
"Und selbst wenn ich nicht überleben sollte... wünsche ich mir dass du es irgendwie schaffst. Weil du meine Freundin bist."
Touka erschrack bis in ihr Innerstes. Sie hatte es begriffen. Sie hatte
begriffen was dieser Ghoul mit ihnen vorhatten. Und dennoch...
"Nein... was redest du denn da für einen Unsinn... glaubst du ich könnte dich hier zurück lassen und dann weiter in die Schule gehen, zur Arbeit,
wie als wäre... Nein... wir schaffen es hier raus. Ich verspreche es."
Die Worte verließen ohne dass sie darüber nachdachte ihren Mund.
Doch sie würde sie wahr machen. Um jeden Preis.
