Jetzt gab es kein zurück mehr. Der Geschmack in ihrem Mund war ekelhaft, doch Touka spürte frische Kraft
in ihren Gliedern. Schnell machte sie dich daran den Käfig mit dem Schlüssel den sie der erschlafft niedergesunkenen Ghoula aus der Tasche gezogen hatte
aufzusperren.

Dann drehte sie sich um. Yoriko stand noch genau dort wo sie die ganze Zeit schon gestanden hatte. Die Geräusche die sie gerade gehört hatte...

"Yoriko! Wir müssen los!", flüsterte Touka eindringlich. Sie schüttelte den Schrecken ab und beide traten hinaus.

Das war ihre einzige Chance. Sie hatte keine andere Wahl... dennoch fiel es ihr nicht leicht das vor Yoriko zu tun. Sie kniete sich nieder und Biss
einen weiteren Brocken Fleisch aus der Ghoula. Ein leises, gequältes Stöhnen aus einer malträtierten Kehle, ertönte.

"Du bist also noch nicht tot...", sagte Touka ihr den Mund zuhaltend. Sie setzte erneut ihre Kralle frei und schlitzte ihr den Bauch auf.
Die Ghoula zuckte in ihren Armen, hatte aber keine Chance zu entfliehen. Touka biss noch einmal zu. Ihre Augen leuchteten hell. Dann stand sie auf
und versuchte so gut es ging das Blut mit dem Mantel der Ghoula von ihrem Gesicht zu bekommen. Diese versuchte so gut es ging damit ihre riesige
Bauchwunde zu bedecken.

"Ich hasse dich..., sei froh dass ich dich nicht töte", dachte Touka. Wäre Yoriko nicht hier gewesen, hätte sie sie mit Sicherheit getötet...

Sie drehte sich um. Yoriko stand immer noch da in der Dunkelheit. "Gehen wir...?", flüsterte sie leise. Unglaublich wie ruhig sie das sagen konnte..., in so einer Situation... sie war viel mutiger als sie gedacht hatte. Die Wunde an ihrem Bein war verheilt. Touka fühlte sich wieder stark.

"Ja... gehen wir."

Vorsichtig schlichen sie in der Schwärze des Raumes. Der kurze Kampf war anscheinend auf der anderen Seite dieser Tür unbemerkt geblieben. Sie nähertem sich diesem kleinen Spalt Licht der für so viele Stunden ihre einzige Lichtquelle gewesen war. Wenn sie nur Glück hatten..., es irgendwie hier raus schafften...

Auf einmal flog die Tür auf. Jemand blieb überrascht stehen. Das Licht stoch so schmerzhaft in ihren Augen dass sie nur eine rote Wand
wahrnehmen konnten.

Touka schmetterte dem Eindringling mit der Schulter aus dem Weg und stürmte hinaus. Überall waren andere Ghoule. Der Raum verwandelte sich in kürzester Zeit in eine Mischung aus Trümmern, zerstörten Möbeln, Körpern und Blut.

Touka raste. Sie kämpfte mit aller Kraft, nicht den Bruchteil einer Sekunde überlegend, deckte ihre Gegner mit Geschossen ein, zerschlug ihre
Abwehr mit ihrer Kralle, trat sie gegen die Wände. Die Ghoule waren völlig überrumpelt und auch lange nicht so zahlreich wie am Tag zuvor. Diesmal zeigte sie keine Gnade. Die letzten beiden flohen. Nur noch sie allein stand da, schwer atmend.

"Weiter... weiter...", dachte sie. Nicht stehen bleiben. Sie hatten es fast geschafft...

Da ertönte eine Stimme.
"Was? Was?! WAS HAST DU GETAN!"

Es war der Ghoul mit der Sichelmaske.

"MEINE LEUTE! WAS HAST DU IHNEN ANGETAN!"

Er riss sich die Maske vom Gesicht. Unter normalen Umständen hätte es vielleicht recht attraktiv ausgesehen, doch nun waren die Züge die zum
Vorschein kamen so von Hass und Schmerz verzerrt dass sie nicht mehr an die eines Menschen erinnerten. Seine Augen erglühten rot und eine
mächtige grüne Kralle drang aus seinem Körper und legte sich an seinen Arm. Eine lange, tödliche Lanze mit zwei mächtigen Widerhaken.

Kein bisschen von seiner arroganten Attitüde war übrig. Das was sich nun auf Touka stürzte war ein reißendes Monster.

Seine Hiebe waren zu heftig als das Touka sie hätte blocken können. Sie musste jedem Einzelnem ausweichen und versuchen selbst eine Chance zu einem
Gegenangriff zu bekommen während sie von einer Seite auf die andere springend zurückwich. Es gab kein vorbeikommen. Auf einmal überraschte er
sie mit einem Tritt und sie wurde durch die Tür geschleudert.

Sie landete in einer Pfütze aus Blut. Es war das Blut der Ghoula, die schwer verwundet immer noch um ihr Überleben kämpfte. Toukas Knochen schmerzten während sie sich aufrappelte.

"Du... du verdammtes Dreckstück... ich sperre dich zurück in den Käfig zu deiner Menschenfreundin... ICH BINDE DICH DORT FEST UND LASS DICH HUNGERN BIS DU DEN VERSTAND VERLIERST! DU WIRST SIE FRESSEN UND WENN ICH DIR SELBST DAS FLEISCH IN DIE KEHLE STOPFEN MUSS! DU SOLLST AN DEINER EKELHAFTEN MENSCHENFREUNDLICHKEIT ERSTICKEN!"

Seine Stimme war ein irrsinniges Kreischen geworden. Touka schlotterte vor Angst und Wut. Hinter ihr hörte sie ein Geräusch.
Yoriko war offenbar zurück in den Käfig geflohen.

"Selbst schuld... warum hast du uns nicht einfach in Ruhe gelassen."

"WARUM HABT IHR UNS NICHT EINFACH IN RUHE GELASSEN! Wir waren KÖNIGE, vor sechs Jahren..., niemand konnte uns gefährlich werden... Wir haben
gelacht über die Tauben die versucht haben uns zu finden. Und unser Bezirk war respektiert..."

Seine Stimme war auf einmal weich geworden.

"Bis uns der Phönixbaum daraus vertrieben hat. Wir sind in den 20. Bezirk geflohen um neu anzufangen... UND DANN HABT IHR UNS VERNICHTET! IHR
VERRÄTER VOM CAFE ANTIK! WIR WOLLTEN UNS NEHMEN WAS UNS ZUSTEHT UND IHR HABT-!"

"HALT DIE KLAPPE IDIOT! Deine tragische Geschichte... interessiert mich nicht.", sagte sie eiskalt.

"Du bist erbärmlich. Ich hasse dich. Wenn ein Ghoul wie du lebt..., sich nur um sein Fressen kümmert..., um sein Revier, sein Vergnügen...
Dann soll er wenigstens nicht so tun wie als wäre er etwas anderes als ein VERRÜCKT GEWORDENES TIER! DU HAST KEIN RECHT IRGENDJEMAND ANZUKLAGEN!"

Sie stürmten aufeinander los.

Touka wich erst im letzten Moment aus und deckte seinen Rücken mit einem Geschosshagel ein. Sein Umhang wurde zerfetzt und war schnell in Blut
getränkt. Doch genau so schnell regenerierte sich seine Haut wieder wie als wäre sie nie verletzt worden.

Er wirbelte herum und spaltete mit dem Hieb seiner Kralle den Boden auf, Touka konnte erneut ausweichen. Mit ungeheurer Kraft trieb er die Kralle
weiter durch den Beton und erzeugte eine Staubwolke in ihre Richtung die Touka für einen Moment die Sicht nahm. Dem darauf folgendem Stoß seiner
Kralle konnte sie nicht mehr ganz entgehen und trug eine leichte Verletzung an der Schulter davon.

Eine Hand schoss in Richtung ihres Gesichts, doch sie beugte sich weg nach hinten und brachte dann mit einem Sprung wieder Distanz zwischen sich und
dem Angreifer.

"Ich krieg dich schon noch du Biest!", brüllte er nun mit einem sadistischem Lächeln auf dem Gesicht.

Er ging tief in die Knie für eine neue Attacke - und schoss dann in Richtung des Käfigs.

Sie stürzte sofort hinterher - doch sein Vorsprung war zu groß um ihn aufzuholen.