Ein Monat war vergangen.

Touka Kirishima war nach dem Angriff der mysteriösen Ghoulgruppe nie wieder
aufgetaucht und wurde von allen die sie als Mensch kennengelernt hatten, für
Tod gehalten.

Die Ghoula "Hase" lebte immer noch versteckt im Cafe Antik. Doch es war schwer.

"Ich möchte dass du ein paar schöne Tage mit deinen Freunden erlebst, den
Menschen, die dir wichtig sind.

Danke, dass ich einer dieser Menschen sein darf."

Das waren Yorikos letzte Worte an sie gewesen.
Sie hätte gewollt dass sie weiterlebte und glücklich war... Touka wusste
das ganz genau. Nach allem was geschehen war, wusste sie nun ganz genau
dass Yoriko sie niemals im Stich gelassen hätte und sich selbst um den
Preis des eigenen Lebens ihr Weiterleben gewünscht hätte. Doch trotz all
dem, lag Touka der Gedanke dass sie es gewesen war, wegen der Yorikos
Leben vielleicht nie wieder das selbe werden würde, schwer auf der Seele.
Und dass sie nichts tun konnte um sie zu retten.

Touka trank und as wenig. Ken und Hinami taten ihr Bestes um zu verhindern
dass sie sich voll und ganz aufgab. Und ohne sie hätte sie sich vielleicht
an einem Tag tatsächlich aufgegeben.

Sie hatte sich verkleidet und es geschafft einige ihrer Klassenkameraden auf
ihren Weg nach Hause zu belauschen. Sie war auf merkwürdige Art
enthusiastisch gewesen, aufgeregt, aus tiefster Seele hoffend dass sie von
einer Besserung von Yorikos Zustand erfahren würde und zugleich das Gegen-
teil befürchtend.

Doch was sie über den Zustand ihrer besten Freundin Yoriko erfahren hatte,
war ein härterer Schlag gewesen, als sie sich hatte vorstellen.

Was Touka erfahren musste war, dass Yorikos Verletzungen so schwer gewesen
waren, dass sie, selbst wenn sie jemals aus ihrem Koma erwachen sollte, wohl
nie wieder selbstständig würde Leben können. Die Befürchtungen waren, dass sie
nie mehr in der Lage sein würde zu sprechen, vielleicht sogar bei Bewusst-
sein in ihrem Körper eingesperrt bleiben würde, ohne auf irgendeine Art
Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen zu können. Ihre Schulkameraden sprachen
sehr bedrückt darüber. Doch das war nichts im Vergleich zum furchtbaren
Schock der Touka völlig aus der Bahn zu werfen drohte. Sie wusste später
nicht mehr wie sie es überhaupt zurück zum Cafe Antik geschafft hatte
nachdem sie stundenlang ziellos durch Tokyo geirrt war.

In dieser schlaflosen Nacht dachte Touka: "Ich stecke fest...Ich kann es
nicht mehr ertragen am Leben zu sein. Aber wenn ich sterbe, bringe ich nur
noch mehr Leid über Hinami... und Ken."

Ein paar Tage lang machten sich alle große Sorgen.

Herr Yoshimura sprach oft mir ihr gesprochen und erklärte ihr dass niemand
wissen könne wie es weitergehen würde, dass sie die Worte die sie gehört
hatte nicht als Sicherheiten betrachten sollte. Doch erst als Yomo dann in
Erfahrung hatte bringen können, dass Yorikos Zustand sich nun doch langsam
zu verbessern schien, gab ihr dass neuen Lebensmut.

Zeit heilte nicht alle Wunden. Doch auch wenn sie sich nicht sehr stark
fühlte... würde sie zumindest versuchen weiterzugehen.

Touka lernte hart, jeden Tag. Sie arbeitete mit Herrn Yoshimura daran eine
neue Identität anzunehmen und unterstützte Yomo mit seinen Aufträgen. Sie
gab sich alle Mühe Hinami nicht mehr traurig zu machen und half ihr oft
mit ihren Schulaufgaben. Und sie war sogar erstaunlich häufig freundlich zu
Ken. (Der das komischerweise noch beunruhigender fand, als wenn sie wie
sonst immer mit ihm geschimpft und ihn bedroht hätte. Doch er war sehr
freundlich und aufmerksam ihr gegenüber und sie dankte ihm oft im Stillen
für seine Gesellschaft.) Den Rest ihrer
Zeit über trainierte sie bis zur absoluten Erschöpfung um für Momente,
egal wie kurz sie auch nur sein mochten, Alles zu vergessen. Und dafür beim
nächsten Mal stark genug zu sein, ihre Freunde zu beschützen...

Nach einem weiteren Monat, stand auf einmal Hinami vor Touka und machte ihr
einen überraschenden Vorschlag.

"Wir... sollen zusammen in diesen Vergnügungspark gehen?!"

Das traf sie völlig unvorbereitet. Es war zwar Yorikos Geburtstagsgeschenk
an sie gewesen und sie hatte oft an diesen letzten Brief gedacht, doch nie
in Erwägung gezogen tatsächlich jetzt noch dort hin zu gehen.

Touka wusste dass Hinami sie wieder glücklich sehen wollte, aber dennoch...

"Ich... glaube ihr solltet besser ohne mich gehen. Es gibt zur Zeit so viel
zu tun für mich... Aber ihr solltet wirklich gemeinsam losfahren! Ken nimmt
dich sicher dort hin mit. Ich wünsche euch viel Freude bei eurem Ausflug."

Sie bemühte sich zu Lächeln und sich nicht anmerken zu lassen dass die
Erinnerung an dieses Geschenk wie ein kleiner Stich ins Herz gewesen war.

Doch Hinami gab nicht auf, gerade weil sie deutlich gespürt hatte, wie
schlecht es Touka oft noch immer ging.

"Denkst du nicht, dass es dir vielleicht helfen könnte, große Schwester?"

"Was meinst du damit, Hinami-chan?", fragte Touka überrascht.

"Ich verstehe dass du nicht dort hin willst, wenn du eigentlich diesen Ort
mit deiner Freundin hättest besuchen wollen.", sagte Hinami traurig und
fast entschuldigend.

"Nein Hinami, dass ist es nicht, wirklich! Ich weiß schon, dass das nie
mehr möglich sein wird." Sie schluckte. Es war schwer zu akzeptieren. Aber
Yoriko war nicht mehr aufgewacht. Wahrscheinlich würde sie nie mehr auf-
wachen. Und selbst wenn, wäre sie ohne sie viel besser dran...

"Autsch..., so wollte ich eigentlich nicht schon wieder denken.", dachte
Touka leicht den Kopf schüttelnd.

Hinamis unschuldige Gesichtszüge drückten tiefen Kummer aus. Sie versuchte
es zu verbergen, aber es war klar zu sehen dass sie sehr traurig war dass
Touka die Hoffnung aufgegeben hatte je wieder mit Yoriko zusammen zu sein.
Sie machte ihr keine Vorwürfe deswegen, sie war einfach nur traurig.

Obwohl sie selbst schon so viel Schlimmes in ihrem Leben erlebt hatte,
schien ihn ihr immer noch ein Glaube daran vorhanden zu sein, dass am Ende
vielleicht doch sich die Dinge wieder zum Guten wenden werden, der Touka völlig
verloren gegangen war.

"Stell dir vor du würdest niemals dort hin gehen, so wie es sich deine
Freundin gewünscht hatte. Du hast doch darüber nachgedacht wie es
wäre dort hin zu gehen, große Schwester? Vielleicht fühlst du dich danach
besser? Vielleicht... kannst du danach weiter gehen. Entschuldige..., ich
weiß ja gar nichts."

Hatte sie darüber nachgedacht...? Nein, das war doch klar dass sie...
"Doch, ich habe darüber nachgedacht.", gestand sie sich ein. Oft sogar.
Aber sie hatte diese Gedanken immer gleich beiseite geschoben...

Vielleicht... war sie bisher einfach noch nicht bereit gewesen,
Abschied zu nehmen. Hatte sich nicht vorstellen können das zu tun, an so
einem Ort... Wollte nicht an einem Ort sein an dem die Leute glücklich sind,
mit den Personen die sie inzwischen mit Glück verband, das sie gar nicht
verdiente. Nicht nachdem Yoriko... Würde es leichter werden, wenn sie noch
länger wartete? Nein...

Touka war berührt davon wie Hinami sich um sie sorgte. Sie waren wirklich
wie Geschwister füreinander geworden... Zumindest für sie wäre es schön...

"Gut.". Sie atmete tief durch. "Lass uns gemeinsam dort hin fahren."