Es war ein friedlicher Tag. Die Luft war klar, die Sonne schien
strahlend hinunter, es war nicht zu heiß und die Schlangen vor den
verschiedenen Geschäften und Attraktionen waren kurz.

Als Erstes zog Hide sie alle zusammen durch das Spiegelkabinett. Es war
überraschend dabei zuzusehen wie sehr sich Hinami dafür begeistern konnte,
denn offenbar hatte sie noch nie von so etwas gehört. Ihre Augen leuchteten
hell auf.

"Seht nur! Ich bin viel größer als Ken!"
"Wer hätte gedacht dass du mal über zwei Meter groß wird? Aber du siehst
aus wie ein Strich in der Landschaft Hinami, du musst viel mehr essen!",
scherzte Ken, bevor ihn Hide vor einen Spiegel mit merkwürdig verkrümmter
Oberfläche schubste.

"Ich wusste es!", rief er. "Absolut furchterregend! Seht euch an wie groß
sein Kopf ist und wie merkwürdig die Gliedmaßen verdreht sind! Die
Augenklappe macht das Ganze perfekt! So könntest du in einem Horrorfilm auf-
treten, Kaneki!"

"Ach ja?" Ken schubste ihn spielerisch vor einen anderen Spiegel.

"Und du siehst jetzt so aus wie als hättest du einen ein Jahres-Iss-so viel
wie du willst-Gutschein bei Big Girl gewonnen!"
"Ich muss zugeben: Genau so würde ich in so einem Fall wohl aussehen.",
erwiderte Hide mit ernsthaftem Gesicht.

"Pfff..., verstehe nicht ganz was ihr daran so toll findet.", sagte Touka
vor einem Spiegel der sie wie eine Sanduhr aussehen ließ.

"Wart's nur ab, da vorne kommt das Labyrinth!", rief Hide, schnappte sich
ihre Hand und lief mit ihr voraus. Schon nach wenigen Schritten waren sie
ganz von Licht umgeben.

Touka musste zugeben dass es ein merkwürdiges Raumgefühl war sich selbst
hunderte Male von allen möglichen Seiten zu sehen auf einer
Ebene die sich in jede Richtung bis in die Unendlichkeit zu erstrecken
schien, während man zugleich in Wirklichkeit in engen Korridoren eingesperrt
war.

Plötzlich ergriff Hide ihre andere Hand und verbeugte sich dann vor ihr.
"Was zur Hölle kommt jetzt?!", dachte sie irritiert.

"Miss Kirishima! Seit wir hier sind, wollte ich dir etwas unbedingt sagen!",
sagte er den Kopf hebend und ihr tief in die Augen sehend.

"Aha...", sagte sie lächelnd und dachte: "Dieser Creep! Verdammt, ich will
raus hier!"

"Seit wir uns heute morgen getroffen haben behandelst du mich immer noch wie
einen Kunden im Kaffe Antik! Dabei treffen wir uns heute doch privat! Und
ich weiß dass du mich super nervig findest!", rief er.

"Hä, was?!", dachte sie überrascht.

"Obwohl dein professionelles Lächeln sehr überzeugend ist.", versicherte er
ihr Augenzwinkernd. "Ich möchte dass du mich ganz normal behandelst und
nicht wie einen Kunden, zu dem du immer höflich sein musst! Ich möchte
nicht, dass du dich an deinem freiem Tag wegen mir verstellen musst, nur
weil ihr so freundlich wart mich einzuladen." Er machte eine kurze Pause.
"Behandele mich einfach so, wie du Kaneki immer behandelst!"

"NEEEIIIIIIN!", rief Ken und kam schwer atmend vor Ihnen zum Halt.

"Oh, da seid ihr ja! Ken hat mir einen tollen Trick gezeigt wie man durch
jedes Labyrinth kommt! Man muss sich einfach nur immer Rechts halten!
Jedenfalls so lange bis man merkt, dass man immer im Kreis läuft, so wie wir
gerade! Dann muss man links abbiegen!"

Ken wurde leicht rot.
Ein kurzes Schweigen entstand während alle sich ansahen.

"Okay, ich werde dich... wie einen Bekannten behandeln.", sagte Touka nach
einigem zögern.

Als sie hinausgingen warf sie Ken einem stechenden Blick zu und flüsterte.
"Was hatte denn dieses "Nein!", zu bedeuten?"

"Ach, weißt du, gar nichts!", flüsterte Ken schwitzend zurück.
("Hoffentlich heißt "Bekannter" nicht, dass sie jetzt anfängt ihn auch zu
treten.", dachte er sich an viele blaue Flecken zurückerinnernd.)

Als sie wieder draußen waren blieb Ken auf einmal aprupt stehen und sah
irritiert in Richtung eines großen, roten Schildes in der Nähe:
"Ghoul-Schießstand! Haben sie das Zeug zum CCG-Top-Fahnder? Finden sie es
jetzt heraus!"

Vor ihnen breitete sich ein Feld von etwa 30 mal 30 Metern aus, das offenbar
eine verlassene, heruntergekommene Stadt darstellen sollte.

Durch eine Barrikade geschützt warteten zwei Jugendliche, die mit Paintball-
gewehren bewaffnet waren auf einen Angriff.

Auf einmal stürzte etwas aus dem Hintergrund nach vorne auf sie zu - eine
finstere Gestalt mit leuchtenden, roten Augen, spitz zulaufenden Ohren und
grüner Haut. ("Das soll ein Ghoul sein?", dachte Ken stirnrunzelnd.)

Mehrere dumpfe Geräusche ertönten und rot leuchtende Einschläge warfen den
"Ghoul" scheinbar zu Boden.

"HA,HA,HA! Siehst du, ich habe den Ersten erwischt Take! Ich werde der
Nächste Kisho Arima!"
"Als letztens jemand in unserer Straße gefressen wurde warst du nicht so
mutig Kama!", antwortete der zweite Jugendliche, was nervöses Gelächter bei
ein paar der hinter einem Zaun das Geschehen Beobachtenden hervorrief.

Andere schienen eher angewidert von diesem Spektakel zu sein schienen - was
sie allerdings nicht davon abhielt weiterzugehen anstatt weiter zuzusehen.

Mehr als Ghoule verkleidete Animateure rannten aus versteckten Lucken hinter
umgestürzten Autos und Gebäudetrümmern hervor auf die beiden Jungen zu und
gingen im Kugelhagel unter. Einige ihrer Freunde feuerten sie an und lachten
hämisch als einer der Animateure ausrutschte und unsanft auf der Nase
landete.

"Ich wünschte es wäre wirklich so leicht diese Bestien abzuschlachten.",
sagte eine alte Frau verbittert und wandte sich ab, das Gesicht verzerrt
in Erinnerung an altes Leid.

Touka und Hinami sahen ihr wortlos nach.
"Lasst und weitergehen.", sagte Hide. "Ich möchte noch in diese Achterbahn!"
Sie folgten seinem Vorschlag nur zu gerne.

Kurze Zeit später befand sich Ken in tiefen innerem Monolog mit sich selbst:
"Es gibt keinen Grund beunruhigt zu sein..., Achterbahnen sind als Verkehrs-
mittel statistisch gesehen sicherer als Autos oder mit dem Fahrrad zu
fahren.", dachte Ken starr nach vorne sehend. "Die Beschleunigung und die
auftretenden Belastungen die ich gleich erleben werde sind Nichts im
Vergleich zu-WAAAAAAAAAH!"
Sie wurden mit Wucht in ihre Sitze gepresst und eine jähe Sturmböhe wehte in
ihre Gesichter. Auf einmal ging es aufwärts und zugleich begann die Welt
sich in einer Spirale zu drehen in der alles verschwamm. Hide jubelte
während Ken die Augen verschloss damit ihm nicht übel würde.
Nach einer Minute (die Ken wie eine Stunde erschien) kam die Achterbahn
wieder zum Stillstand. Erleichtert öffnete er die Augen wieder.
"Wieso halten wir hier?", fragte Ken verwirrt. Sie waren an einer Steigung
am höchsten Punkt der Achterbahn zum Stillstand gekommen. Vor ihnen endete
die Strecke.
Hide lachte: "Hast du die Beschreibung nicht gelesen? Von jetzt an geht es
Rückwärts!"
Ken beschloss nach diesem Erlebnis nie wieder Achterbahn zu fahren.

"Ich hab eine Idee, wohin wir gehen könnten! Wie wäre es mit-"
"Nein, nichts für ungut Hide, aber wir tauschen Teams! Da drüben sind Hinami
und Touka."

"Was ist mit dir passiert? Du siehst ganz schön blass aus, Milchgesicht...",
sagte Touka. Ken lächelte gezwungen.

"Muss an der schlechten Luft im Bus gelegen haben. Wie wär es wenn
wir jetzt in dieses Cafe gehen, Hinami?" Hinami lächelte erfreut und nickte.

"Bleibt aber nicht zu lange weg und lasst eure Handys an, ja?!", rief ihnen
Touka hinterher.

Sie seufzte. Nun würde sie also noch mehr Zeit mit ihrem neuen "Bekannten"
verbringen.

"Meinst du es ist eine gute Idee Touka mit Hide allein zu lassen?", fragte
Hinami mit besorgtem Gesicht an ihrem Cafe nippend.

"Ich denke er wird sich schon benehmen." ("Jedenfalls hoffe ich das.",
dachte Ken.) "Vielleicht kommt sie auf etwas andere Gedanken wenn sie mit
jemandem zusammen ist, der nicht weiß was alles vorgefallen ist. Touka-san
ist sehr stolz. Sie mag es nicht verletzt gesehen zu werden und an unserem
Verhalten zu merken dass wir ahnen wie es ihr geht." Er nahm auch einen
Schluck aus seiner Tasse. "Nicht schlecht... aber der im Cafe Antik ist
besser."

Hinami wandte den Blick ab. "Ist es dir auch so ergangen, wegen Liz?"

"Hmm?! Wie meinst du das, Hinami-chan?"

"Du hast doch... einmal sehr viel für sie empfunden. Hat es dich nicht...
sehr verletzt wie sie dich... wie sie gestorben ist?"

Ken lächelte kurz. Sie machte sich eine Menge Gedanken um ihn... dabei war
ihr selbst doch so viel geschehen erst vor kurzer Zeit... Eigentlich sollte
es so sein dass er darüber hinweg half und nicht umgekehrt... aber
vielleicht würde sie sich so auch ihm gegenüber wieder etwas öffnen.
Vielleicht hatte sie das Gefühl niemanden mit sich belasten zu dürfen,
nachdem jeder denn sie kannte einen dunklen Fleck in sich besaß, mit dem
er oder sie, immer wieder zu ringen hatte.

"Ha,ha,he...", Ken erinnerte sich wirklich nur ungern an diesen Moment als
sich eine Umarmung die sich wunderschön anfühlte in seinen schlimmesten
Alptraum verwandelte.

"Nun... ich habe schon etwas für sie empfunden. Aber ich denke es war nur
eine Schwärmerei... im Nachhinein betrachtet. Ich habe sie ja nicht wirklich
gekannt..." ("Und nun ist das Thema Frauen ohnehin für mich erledigt.",
dachte er. "Habe andere Sorgen...")

"Ich finde es ist... außergewöhnlich dass du nach dieser Erfahrung noch
vertrauen in andere Ghoule fassen konntest."

"Nun..., leicht war es nicht. Aber ohne Herrn Yoshimura und euch Leute wäre
ich am Ende gewesen. Ich hatte gar keine andere Wahl. Wenn ich an die
falschen Ghoule geraten wäre, wenn ich Tsukiyama zum Beispiel früher
in die Hände gefallen wäre... Nein, ich kann mich wirklich glücklich
schätzen. Ich bin inzwischen recht zufrieden mit diesem Leben.", sprach Ken
lächelnd.

Hinami ahnte dass das nicht die ganze Wahrheit war, sagte aber nichts.

"Mach doch kein so bedrücktes Gesicht! Mir geht es wirklich gut! Warte mal
kurz." Ken holte etwas aus der Tasche die er mitgebracht hatte hervor.

"Ah! Das, das...!", begann Hinami aufgeregt.

"Ja genau! Es sollte eigentlich erst nächste Woche herauskommen, aber ich
konnte es bereits früher im Laden ergattern. Wollen wir es zusammen lesen
Hinami-chan?"

"Oh, JA!", rief sie, tauchte unter den Tisch herunter und tauchte einen
Moment später an Kens Schulter geschmiegt wieder auf, ein breites Grinsen
im Gesicht.

"Ja, mir geht es gut.", dachte Ken Kaneki.

"Wie haben euch die Essensstände gefallen? Ken und ich wollen später auch
noch hingehen, wären wir vorher gegangen wär das mit der Achterbahn nicht
gut ausgegangen.", sagte Hide verschmitzt.

"Es gab viele leckere Sachen.", murmelte Touka tonlos.

"Ich habe gehört du gehst bald auf eine Universität? Weißt du denn schon auf
welche?"

Touka antwortete nicht. Es war wahrscheinlich nicht klug Hide zu viele
Informationen über sich zu geben. Und es war sicher nicht klug ihn zu nahe
kennenzulernen... Schließlich hatte sie Ken versprochen dass sie ihn töten
würde, würde er die Wahrheit über sie erfahren. Wie sie das über sich
bringen sollte nach Kimi... nach Yoriko...

"Kami vielleicht?", antwortete Hide für sie. "Ha! Es ist die Kami! Ich sehe
es an deinem überraschten Gesichtsausdruck! Das trauen sich nicht viele zu
und bei den Aufnahmeprüfungen fallen immer eine Menge durch! Aber ich wette
mit dir: Du schaffst das! Dein beherrschtes Verhalten im Cafe, deine
Art zu gehen und dein ganzer Ausdruck weißen auf große Disziplin hin..."

"Ach, nein!", sagte sie schief lächelnd.
("Ich muss wirklich bei ihm aufpassen.")

"...und dass ist das Wichtigste wenn man ein Ziel erreichen will. Disziplin
und Selbstvertrauen..., das finde ich zumindest. Was meinst du?"

"Nervig... aber er ist nicht so übel...", dachte Touka über Hide, als auf
einmal ihr Smartphone läutete. Es war eine neue Nachricht.

"Sie ist wach."