11. Leonard


Zusätzliche Pairings: Coldlfash, Spuren von Coldwest und Coldwestallen, Westallen, Eobard/Ray, Hawkmates, Erw. von Leonard/Nate

Zusätzliche Warnings: Character Death und eine sehr unangenehme Form des Lebens nach dem Tod


Hey, Barry, ich bin's Leonard. Snart. Ich hab mir gedacht, weil wir zu Weihnachten doch recht viel Spaß gemeinsam hatten, könnten wir uns mal wieder treffen. Privat, meine ich. Und darüber sprechen. Oder gleich dazu übergehen es weiterzuverfolgen. Ohne Mistelzweig diesmal. Was sagst du?"


Lass niemals zu, dass dir jemand weh tu, Leo. Weder hier draußen, noch hier drinnen."


Ich weiß, du bist wütend, aber ich habe mich nicht gegen dich oder für sie entschieden, sondern für mich. Verstehst du das denn nicht?"


Keine Fäden halten mich."


Zuerst kehrten die Erinnerungen zurück. Fragmente, die keinen Sinn ergeben zu schienen, aber doch etwas besagten, und die dann schließlich eine Geschichte ergaben. Die Geschichte von Leonard Snart. Ein Junge, ein Mann, ein Verbrecher, ein Held. Ein Beta, der in seinem Leben vieles gewesen war, und der sich geopfert hatte um zu beweisen, dass es so etwas wie Schicksal nicht gab, sondern nur Entscheidungen, die man selber traf. Und er hatte sich dafür entschieden, dass er seinen Freund nicht sterben lassen wollte.

Er glaubte immer noch Sara Lances Lippen auf seinen zu spüren. Das war das letze physische Gefühl, an das er sich erinnern konnte. Den Schmerz, den er eigentlich hatte empfinden müssen, als er gemeinsam mit dem Oculus zerfetzt worden war, konnte er nicht mehr spüren. Hatte er ihn verdrängt, oder hatte er ihn nie empfunden?

Eigentlich spielte es keine Rolle. Ein Kuss war ihm als letzte Erinnerung an sein physisches Dasein ohnehin lieber.

Denn eines war klar: Wo auch immer er jetzt war, physische Eindrücke konnte er dort nicht empfangen.

Zuerst war er nur in seinen Erinnerungen geschwommen, doch nun wurde er sich seiner selbst bewusst. Ihm war klar, dass er immer noch existierte, dass er irgendwo war. Und auch irgendwann. Und wohl auch irgendwie.

Es sollte nicht sein, aber es war so. Leonard Snart war nicht Vergangenheit, er war auch Gegenwart und Zukunft. Doch er war gefangen. Er war oft genug im Gefängnis gewesen um zu erkennen, dass er sich nun wieder in einem befand. Es war dunkel um ihn herum, und er konnte nirgendwohin. Es war als wäre er gelähmt, taub, und blind.

Doch dann lernte er zu sehen und zu hören. Und er konnte alles sehen und hören. Dinosaurier in Los Angeles, antike Römer in Aruba, Säbelzahntiger in Zirkus-Käfigen … Was ist hier los?

Er konnte das alles sehen, alles auf einmal, wie es schien, doch er befand sich an keinem dieser Orte, die er sehen konnte. Soviel war sicher. Doch wieso konnte er dann an sie sehen, und wieso war er nicht auch dort? Wo befand er sich?

Er versuchte seine Glieder zu benutzen, eine Hand oder einen Fuß auszustrecken, doch nichts geschah. Nach einer Weile des Probierens wurde ihm klar, dass der Grund, warum nichts geschah, darin lag, dass nichts geschehen konnte. Er besaß keine Hände mehr, und auch keine Füße, keine Arme, keine Beine, keinen Kopf, und auch keinen Torso.

Leonard Snart war noch da, auf gewisse Weise, doch zugleich war er auch nicht mehr da.

Als der Oculus explodiert war, war auch Leonard Snart gestorben, doch ein Teil von ihm, sein Bewusstsein, seine Persönlichkeit, sein inneres Ich, seine Seele, wie auch immer man es nennen wollte, hatte überlebt. Nur besaß dieser Teil keinen Körper mehr und war eingesperrt.

Es hätte ihm gleich klar sein sollen, denn immerhin konnte er nichts mehr riechen. Er hatte das dem Schock zugeschrieben und der nicht-vorhandenen körperlichen Behinderung, von der er ausgegangen war, doch nun wurde ihm klar, dass es der Mangel an einer Nase, einem Nervensystem, und sogar einem Gehirn war, das die Tatsache begründete, dass er nicht mehr in der Lage war auch nur irgendetwas zu riechen.

Der Beta Leonard Snart war tot, der Mensch Leonard Snart war tot - was übrig war, war nur eine Art Echo. Doch auch Echos konnten sich lebendig fühlen. Und das Echo von Leonard Snart stellte schnell fest, dass es sich durchaus lebendig fühlte.

Es besaß Erinnerungen an Ereignisse, Personen, und Gefühle. Und es empfand immer noch Gefühle. Und wer Dinge fühlte und sich seiner Selbst als Individuum bewusst war, der war am Leben, oder nicht? War das nicht die allgemeine Definition von Leben?

Leonard Snart war also nicht nur tot, er war zugleich auch am Leben. Und wie jedes Wesen, das lebte, bedeutete das zugleich auch, dass er Bedürfnisse hatte. Unter anderem das Bedürfnis nach Gesellschaft. Er hatte genug davon allein zu sein, also hielt er nach jemand Ausschau, mit dem er seine Existenz teilen konnte.

Da er in allen Zeiten zugleich sein konnte, hatte er theoretisch eine große Auswahl. Doch er stellte schnell fest, dass sie im Grunde genommen nicht so groß war, denn niemand sah, roch, oder hörte ihn. Und nur wenige fühlten ihn.

Da war ein britischer Zauberer, der ihn wahrnahm, seine Gegenwart aber nicht zu schätzen wusste, wie es schien, da er ihn mit den Worten: „Such dir jemand anderen, den du nerven kannst, Geist!" wieder verjagte.

Und dann war da das Mädchen. Ihr Name war Nora, auch wenn sie nicht so genannt wurde, und sie schien ihn wahrzunehmen, aber offenbar nicht nur ihn. „Bist du wie der andere? Bist du hier um mich zu benutzen?", wollte das Kind von ihm wissen, und Leonard Snart war von dieser Annahme so schockiert, dass er sich zurückzog und beschloss das Mädchen in Ruhe zu lassen.

Stattdessen plante er sich nach Leuten, die er kannte, umzusehen. Doch er zögerte. Nachdem der Brite und das Mädchen so schlecht auf ihn reagiert hatten, wagte er es nicht Kontakt mit Lisa aufzunehmen. Ab und zu beobachtete er, was sie tat, und ob es ihr gut ging, aber das war auch schon alles. Er wollte sie nicht verwirren und verunsichern. Sie sollte nicht den Eindruck bekommen heimgesucht zu werden. Sie sollte ein glückliches Leben haben, denn das hatte sich Leonard doch immer schon für sie gewünscht.

Dann war da noch Barry. Als Speedster konnte er durch die Zeit reisen. Also konnte Leonard vielleicht durch die Speed Force mit ihm in Kontakt treten. Er erinnerte sich an die Erklärungen von Eobard Thawne über die Speed Force, das Zeitreisen, und die Wege der Speed Force die Zeitlinie auf Kurs zu halten. Leonard suchte nun also Kontakt zu der Speed Force, versuchte in sie einzudringen. Doch er war kein Speedster, die Speed Force ließ ihn nicht herein.

Leonard suchte also auf anderen Wegen nach Barry, aber er konnte ihn nicht finden. Er suchte nach Iris West und erfuhr, dass es Barry zwar gelungen war ihr Leben zu retten, er danach aber in die Speed Force gegangen war um Central City zu beschützen.

Leonard fühlte den Schmerz eines Verlustes und zog weiter. Es gab noch jemanden, den er suchen konnte. Zeitreisende, sie müssten eigentlich leicht zu finden sein.

Schließlich fand er sie, die Legends: seinen Partner Mick, die Frau, die ihn als letzte noch geküsst hatte, Sara, den Pfadfinder-Omega Raymond Palmer, den weder Mick noch er hatte sterben lassen wollen, den ewig missbilligend Professor Stein und dessen bessere Hälfte, den jungen Jax, und den lügenden Captain der Waverider, Rip Hunter.

Er fand sie in verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten verschiedene Dinge tun. Bei ihnen war der Omega-Historiker, dem Leonard niemals viel Beachtung geschenkt hatte, auch wenn er nichts gegen einen Quickie mit ihm einzuwenden gehabt hätte, als es noch möglich gewesen war, und die Alpha-Frau, die Leonard in einem anderen Leben getötet hatte als Mick sich für sie und ihre Freunde und gegen ihn entschieden hatte.

Kendra war nur noch im 21. Jahrhundert zu finden, sie schien nicht mehr durch die Zeit zu reisen, doch Carter (oder eine andere Version von ihm) war bei ihr, und sie schien glücklich zu sein. An ihrer Stelle gab es einen neuen Beta, der mit den Legends reiste, eine Frau, die Leonard nicht kannte, und von der er nicht wusste, was er von ihr halten sollte. Im anderen Leben war sie noch kein Mitglied der Legends gewesen.

Das andere Leben.

Leonard konnte sich daran nun deutlicher erinnern als jemals zuvor. An alles, was geschehen war, an alles, was er getan hatte, und es kam nicht oft vor, aber für das hier schämte er sich. Er konnte es rechtfertigen, ja, aber er wusste, dass es kein Leben gewesen war, auf das er stolz sein konnte.

Es hatte in einer schlechten Phase seines Lebens begonnen. Er war gerade erst Captain Cold geworden und war besessen davon den Flash zu schlagen. Eobard Thawne war zu ihm gekommen und hatte ihm erzählt, dass er sterben würde, weil er sich einer Gruppe zeitreisender Helden anschloss. Natürlich hatte Leonard daraufhin beschlossen alles zu tun, was nötig war, um zu überleben. Um sein Schicksal zu ändern.

Soweit so klar: Er schloss sich Thawnes kleiner Gruppe an, überzeugte Mick davon ebenfalls überzulaufen, und benutzte den Speer des Schicksals um sich alles, was er immer gewollt hatte, zu sichern. Doch dann…

Es war nicht wirklich gewesen, was er immer gewollt hatte, aber genug. Und er hatte geplant den Speer zu stehlen und für seine eigenen Zwecke zu verwenden. Aber Mick hatte alles ruinieren müssen. Mick hatte sich verliebt. In Thawnes Omega. Ausgerechnet.

Leonard hatte das lange Zeit nicht verstanden. Mick mochte Omegas, und Omegas mochten Mick, das wusste er, und als Alpha besaß Mick einen ausgeprägten Beschützer-Instinkt, der sich manchmal auch über Omegas und Kinder hinaus ausweitete. Leonard selbst hatte Mick vermutlich gerade wegen diesem Instinkt als Partner gewonnen. Aber trotzdem hatte Leonard diese Besessenheit nicht verstanden. Warum dieser Omega? Warum konnte es nicht ein anderer sein? Mick mochte Sex, aber den konnte er überall bekommen. Dass es Liebe war, hatte Leonard vielleicht auch deswegen nicht eingesehen, weil er nicht begriffen hatte, wie jemand einen Omega, den er liebte, so beinhart verraten konnte.

Nun erinnerte sich Leonard an Raymond Palmer, und an alles, was diesen mit Mick verband, nun verstand Leonard es, damals hatte er Raymond noch nicht gekannt und sich nicht sonderlich für ihn interessiert, da er Thawne gehörte.

Aber dann war es der andere Omega gewesen, der Mick dazu brachte, sie alle zu verraten. Der Historiker.

Zuerst hatte Leonard darauf gehofft seinen Partner zu rehabilitieren. Sogar daran gedacht selber ebenfalls die Seiten zu wechseln, sich mit den Legends zu verbünden (um sie später zu bescheißen und den Speer von ihnen zu stehlen), doch dann hatte Mick sich gegen ihn und für diese Leute entschieden. Hatte seinen Tod in Kauf genommen, nur weil es das „Richtige" war.

Leonard Snart war für seine kühle überlegene Art bekannt, die er sich zugelegt hatte um sich selbst zu schützen, weil ihm kein besserer Schutzpanzer eingefallen war als vorzugeben, dass ihn nichts kümmerte, aber die Wahrheit war: Leonard war der Sohn seines Vaters, auch in ihm ein steckte ein kleiner Choleriker. Er verbarg diesen nur hinter Kälte.

Es war die blanke Wut, die ihn Micks Alpha-Freundin töten ließ. Wut und der Wunsch Mick für seinen Verrat zu bestrafen. Micks Gesichtsausdruck, als er sie tötete, tat so gut – für wenige Sekunden. Danach – danach stand dieser Ausdruck in Micks Augen, dieser Ausdruck, den Leonard dort noch nie gesehen hatte. Mick blickte ihn an, als würde er ihn nicht kennen. Und als würde er ihn auch nicht kennen wollen.

Ein anderer Beta hätte sich entschuldigt. Nicht Leonard Snart, er entschuldigte sich nie. Er war der Mann, der bereit war den Tod von Leuten in Kauf zu nehmen nur um zu sehen, ob der Flash schnell genug war um diese Leute vor seiner Kältekanone zu retten oder nicht. Er entschuldigte sich nicht, nur Weicheier entschuldigten sich. Reue schluckte er hinunter, sie beherrschte ihn nicht.

Er ließ Mick mit den anderen ziehen, und dieses Leben, dieses andere fremde Leben, endete kurze Zeit später. Da war nichts mehr. Stattdessen gab es noch ein drittes Leben.

Wieder hatte er sich Thawne angeschlossen, wieder kämpften sie mit den Legends um den Speer des Schicksals, doch diesmal mit den Legends in doppelter Ausführung. Und da es zwei Micks gab, und der eine ihn ansah, als wäre er nicht mehr als ein niederes Insekt … tötete Leonard diesen Mick, denn Mick Rory, sein Mick Rory, würde ihn niemals so ansehen. Es musste also ein Betrüger sein, ein Doppelgänger, ein Trick von diesen Legends aus der Zukunft oder wo immer sie herkamen.

Diesen Kampf verloren sie, und Mick setzte ihn dort ab, wo Eobard ihn aufgelesen hatte, und löschte sein Gedächtnis. Und Leonard Snart lebte sein Leben weiter, als hätte er nie etwas von Zeitreisen und seinem Tod erfahren.

Als Rip Hunter ihn rekrutierte, begann er gewisse Dinge zu verstehen. Dieses seltsame Treffen mit Mick vor ein paar Jahren, Es war ein zukünftiger Mick gewesen, und was immer ihn dazu bewogen hatte Leonard diese Dinge zu sagen, darüber, dass er der beste Mann war, den er jemals gekannt hatte … es war nicht gut. Aber Leonard war vorgewarnt, war dafür gewappnet. Dachte er zumindest.

Dann fanden er und Mick sich genau in der Situation wieder wie in dem anderen Leben, nur in umgekehrten Rollen – diesmal war es Leonard, der sich für die Legends und gegen Mick entschied. Und Mick war derjenige, der sich verraten fühlte und so wütend war, wie er nur sein konnte. Das war als die ersten Erinnerungen zurückkehrten. Als Leonard Mick aussetzte, erinnerte er sich plötzlich an den Kampf in StarLabs um den Speer. Und an seinen Mord an Micks Freundin.

Er wusste nicht, was es war, er wusste nur, dass er es nie erlebt hatte. Aber er wäre so oder so nicht in der Lage gewesen Mick zu töten. Den einzigen Mick, den er kannte, seinen Mick, seinen Partner.

Seit er seinen Vater getötet hatte, war sein Finger nicht mehr so schnell am Abzug, seither fiel es Leonard Snart schwerer zu töten, denn seither kannte er eine neue Art der Reue, eine, die einem Schmerz bereitete. Er bereute es nicht den Bastard ermordet zu haben, aber er vermisste ihn. Wie paradox war das denn? Er hatte den Alpha gehasst, bis auf Blut, aber er hatte ihn auch geliebt, und nun war er tot, und Leonard war derjenige der …. Er sagte sich immer wieder, dass er es getan hatte um Lisa zu beschützen, aber … Barrys traurige Augen, als er ihn fragte, warum er es getan hatte… Sie verfolgten ihn, weil sie ihm sagten, dass der Omega in Wahrheit genau wusste, warum Leonard es getan hatte.

Und dann sagte er ihm, er könnte gut sein, er könnte mehr sein. Wer dachte das schon von jemanden, der gerade seinen eigenen Vater umgebracht hatte? Barry Allen offenbar. Und Leonard hatte Barry versprochen nicht mehr zu morden, nicht wahr? Und es war Mick.

Aber Mick kehrte zurück als personifizierter Zorn namens Chronos. Nach ihrer Prügelei in den Zellen kehrten weitere Erinnerungen zurück an dieses andere Leben, das Leonard niemals geführt hatte, daran wie er Mick ermordet hatte, daran wie er sich mit Mick gestritten hatte, weil dieser sich nicht mehr an den Plan hielt.

Leonard verstand diese Erinnerungen immer noch nicht. Also fragte er Gideon danach. Zeitreisen erklärte sie ihm. Offenbar war Leonard bereits zuvor einmal durch die Zeit gereist, und nicht nur er. Aber wie konnte das alles sein?

Nach der Zuflucht, nachdem er den Mann, der sich Rip Hunter nannte, als das gesehen hatte, was er war, beschloss Leonard das Thema anzusprechen.

„Michael", erklärte er, nachdem er Rip in dessen Büro in die Enge getrieben hatte „Du bist wirklich ein vollendeter Lügner."

Rip seufzte. „Wir haben dafür jetzt wirklich keine Zeit, Mister Snart", meinte er, „Es ist uns zwar gelungen die Gefahr für unsere vergangenen Ichs abzuwenden, aber das bedeutet nicht, dass wir sicher sind, wir…"

Es fiel Leonard in diesem Moment ein, also sprach er es aus. „Du hast deinen Namen geändert, dir eine andere Zeit ausgesucht, in der du lebst, dein wahres Geschlecht verborgen…." Rip Hunter war ein Omega. Leonard wusste das so klar, als würde er es riechen, auch wenn er es nicht riechen konnte.

„Was?!" Rip starrte ihn entsetzt an. „Wie kommen Sie darauf?", wollte er dann wissen.

„Und das hier ist nicht das erste Mal, dass du dieses Team rekrutiert hast um deinen Mist aufzuräumen. Was ist der Speer des Schicksals?", fuhr Leonard ungerührt fort.

Rip Hunter starrte ihn nun an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen. „Sie dürften überhaupt nichts vom Speer des Schicksals wissen", meinte er dann langsam.

„Ja, weil ihr mir mein Gedächtnis gelöscht habt, nachdem ihr den Speer zurück gewonnen habt. Du und dein Team. Ich frage mich nur, warum du mich diesmal unbedingt auf deiner Seite wolltest. Angst, dass Savage auf dieselbe Idee kommen würde wie Thawne?", fuhr Leonard fort.

Er konnte keine Täuschung oder Nervosität oder gar Angst bei Hunter riechen, nur die reine Verwirrung, die sich aus im Gesicht des Captains widerspiegelte.

„Wovon bitte sprechen Sie da?", wollte der heimliche Omega wissen.

In diesem Moment schaltete sich Gideon an. „Es scheint, dass Mister Snart Erinnerungsflashes von einer zuvor erfolgten Zeitreise erlebt", erklärte die K.I. .

„Ich verstehe", behauptete Hunter.

„Ich nicht", meinte Leonard dazu, „Wieso erinnere ich mich an Dinge, die nicht passiert sind, wenn das nichts mit dieser Mission hier zu tun hat?"

„Zeitreisen sind kompliziert", erklärte Rip Hunter dann langsam, „Offensichtlich sind Sie zu einem früheren Zeitpunkt ihres Lebens bereits einmal durch die Zeit gereist. Diese Erfahrung wurde allerdings wieder aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Es ist sogar möglich, dass die ganze Zeitlinie, in der Sie diese Erfahrung gemacht haben, aus der Existenz gelöscht wurde. Normalerweise würden Sie sich an dieses andere Leben, das Sie geführt haben, nicht erinnern, aber auf Grund der Tatsache, dass ich Sie nichts ahnend mit auf Zeitreise genommen habe, kehren die Erinnerungen an diese alternative Zeitlinie und/oder die Zeitreise, die sie zuvor unternommen haben, zurück."

Leonard schwieg und verarbeitete das alles. „Ich kann nicht behaupten, dass ich verstehe, was das alles bedeuten soll", meinte er dann.

„Sobald wir mit Savage und dem Rat fertig geworden sind, werden Gideon und ich einen temporalen Hirnscan an Ihnen durchführen", versprach Hunter, „Dann werden wir diesen neuen Erinnerungen, die sie erleben, auf den Grund gehen."

Leonard wog dieses Angebot ab. Er war sich fast sicher, dass Hunter es ihm nur machte um ihn ruhig zu stellen, aber es war das Beste, was er hatte. „Von mir aus", meinte er, „Wenn wir beide dann noch leben." Das war nur zur Hälfte ein Witz, aber er dachte zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich, dass er derjenigen von ihnen beiden sein würde, der starb.

In der nächsten Zeit kehrten immer mehr Erinnerungsfetzen zurück. Leonard ignorierte sie so gut er konnte, bis zu dem Moment als sie vor dem Oculus standen und Mick sich opfern wollte. In diesem Moment kam eine ganz spezielle Erinnerung zurück.

Sehen Sie, Mister Snart, es gibt keine schonende Art um Ihnen das zu sagen, aber Sie sind gestorben. Sie wurden Mitglied eines Teams von zeitreisender Helden, und haben sich für dieses geopfert. Ein Gerät namens Oculus hat sie pulverisiert, als es mit Ihnen explodiert ist."

Mit einem Mal ergab alles Sinn. Leonard Snarts geheime Zeitreise von vorher war für den Rest seines Rudels eine Zeitreise, die ihnen erst noch bevorstand. Oder auch nicht. Genau hier in diesem Moment stand es in Leonards Macht sein Schicksal zu ändern. Rip hatte es ihm selbst gesagt, oder? Er hatte von einer Zeitlinie gesprochen, die aus der Existenz gelöscht worden war. Hier und jetzt konnte Leonard derjenige sein, der sie aus der Existenz löschte.

Doch dann würde Mick sterben.

Es war keine Entscheidung, es war das Einzige, was er tun konnte. Es war die Antwort auf die Frage, warum ein zukünftiger Barry ihn um Hilfe gebeten hatte, warum Mick sich in der Vergangenheit von ihm verabschiedet hatte, und warum Eobard Thawne ihn zu Beginn seiner Karriere als Captain Cold rekrutiert hatte. Es war bereits geschehen. Und es würde wieder geschehen. Ja, er würde sterben, grausam, und es würde wehtun, aber die Time Master würden nicht damit rechnen. Leonard Snart war hier und jetzt der Einzige, der wusste, dass der Oculus und die Time Master nicht alles kontrollierten, sie dachten das nur. Leonard hatte die freie Wahl Mick sterben zu lassen oder sich selbst zu opfern. Es waren keine berauschenden Wahlmöglichkeiten, aber die einzigen, auf die es ankam.

Und dieses eine Mal in seinem Leben, traf Leonard Snart die richtige Entscheidung.

Und danach konnte er endlich Frieden schließen mit seinem anderen Leben. Ein Leben, das er nun scheinbar überholt hatte. Daher die neue Beta-Frau.

Und sie war nicht die einzige Überraschung, die Leonard erwartete, während er die Legends beobachtete, denn auf der West-Allen-Hochzeit (er hatte nie vorgehabt ihr fern zu bleiben, und ja, auf einmal hatte er so Barry wiedergefunden, durch die Legends) sah er dann plötzlich … sich selbst.

Obwohl es niemanden gab, der ihn hören würde, und er eigentlich keine Mund besaß, mit dem er die Worte formulieren konnte, sagte er trotzdem: „Wer zum Teufel ist das?!"


A/N: Nächstes Mal: Leonard und Leo.

Ich hoffe ihr hattet Spaß mit dem John Constantine-Cameo in diesem Kapitel.

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