„Was tun wir hier?", flüsterte ich Konan zu. Wir standen jetzt schon geschlagene 20 Minuten im Schatten der großen Gebäude in einer kleinen Seitengasse herum und warteten scheinbar auf irgendwas. Mittlerweile hatte sich jeder einzelne von ihnen eine Zigarette angesteckt und qualmte so vor sich hin… Ich war mir nicht sicher, ob rauchen eines der Aufnahmekriterien der Gang war.
„Warten", war Konans knappe Antwort, ehe sie einen neuen Zug nahm und eine kleine Wolke in die Luft blies. Ich hatte in der Schule kaum Gelegenheit sie zu sehen, immerhin hatte sie bereits letztes Jahr ihren Abschluss gemacht. Sie schaute nur ab und an vorbei, ich schätze mal, um ihre Gangmitglieder zu besuchen oder was auch immer. Man munkelte in der Schule, dass sie und Pain ein Paar waren. Natürlich war mir das nicht erzählt worden, nein, von wem denn? Nein, ich hatte es zufällig mal aufgeschnappt, als ich in der Schule auf Toilette war. Die Mädchen dachten wirklich, dass niemand sie hören konnte, wenn sie an den Spiegeln standen und schnatterten, während man selbst in einer Kabine war…
„Aber auf was?", hakte ich nach. Das konnte doch nicht sein, dass sie mich zu so einem Scheiß Gang-Ausflug mitnahmen und mir dann nicht einmal sagen wollten, was zur Hölle überhaupt los war!
Konan schmunzelte nur, warf mir einen kurzen Blick zu und stieß dann wieder Qualm aus.
„Ehrlich, ihr wollt wohl alle graue Haut und hässliche Zähne und Nägel bekommen, oder?", murrte ich und hustete von dem ganzen Rauch. Ich konnte einfach nicht verstehen, was alle so cool daran fanden, sich ihr komplettes Leben für Geld freiwillig zu zerstören…
„Werd nicht frech, Kleine…", der Typ, der schon die ganze Zeit komplett bis auf seine Augen vermummt war, sah mich drohend an. Ich rollte mit den Augen, als ich erst die Zigarette in seiner Hand und dann den Reißverschluss in seinem Mundschutz sah, der scheinbar wirklich zum Qualmen dort angebracht war.
„Gleich ist es soweit", Yahiko blickte die Gasse entlang und warf seine Zigarette auf den Boden, um sie mit seinem dicken Stiefel auszutreten. Es war sofort klar, dass es hier um was Ernstes gehen musste, denn alle warfen jetzt ihre Zigaretten zu Boden und traten sie aus, auch wenn sie sie erst vor ein paar wenigen Minuten entzündet hatten. Ich wurde immer neugieriger, aber irgendwie bekam ich auch ein wenig Angst, was wohl jetzt abgehen würde…
„Ihr seid ja reichlich früh dran", hörte ich auf einmal eine Stimme und aus dem Schatten eines Gebäudes traten vier Personen hervor. Ich kniff die Augen zusammen und runzelte die Stirn, als ich glaubte, mindestens eine dieser Personen zu erkennen.
„Und ihr reichlich spät", kommentierte Yahiko trocken, „Wir warten schon eine ganze Weile auf euch. Wir waren selbst nicht pünktlich, aber ihr trefft den Nagel ja auf den Kopf…"
„Und ich verabscheue warten, das wisst ihr genau", Sasori klang nicht gerade glücklich darüber, dass er seine letzte halbe Stunde hier rauchend mit seiner Gang verbracht hatte.
„Wer ist denn das Mädchen da bei euch? Neu in der Gang?", fragte einer der Schatten lachend. Es war aber kein freundliches oder frohes Lachen, sondern eher ein leicht krankes. „Oh, ich sehe, sie trägt Fesseln? Seid ihr seit Neuem eine SM-Gang oder wie darf ich das verstehen?"
„Sie gehört nicht zur Gang. Sie hat uns belauscht und es wäre nicht klug gewesen sie laufen zu lassen, wenn jemand sie abfangen und die Informationen aus ihr rausquetschen könnte", Yahiko schien immer noch dezent angepisst zu sein, dass man ihn so lange hatte warten lassen. Aber Moment… was zur Hölle war denn in diesen verdammten Kisten, dass man mich deswegen hätte fangen und ausquetschen wollen? Ich wurde den Gedanken nicht los, dass alle hier Drogen- oder Waffendealer waren.
„Ihr könnt uns das Zeug jetzt geben, unser Wagen steht bereit", die Person in der Mitte trat nun unter eine der wenigen Straßenlampen in dieser Gasse und ich traute meinen Augen nicht. Das war doch nicht tatsächlich der kleine Uchiha?
„Alles klar. Hier hast du", meinte Deidara und drückte ihm zwei Päckchen in die Hand, während sich nun alle daran machten, die Päckchen aus ihren Motorradtaschen zu holen. Die Teile waren zwar klein, aber richtig dick. Ich war mir schon fast sicher, dass es sich hierbei um Drogen handelte…
Nachdem alle ihre Päckchen an die vier übergeben hatten, fiel mir erst auf, dass mich das Mädchen, das bei Sasuke stand, schon die ganze Zeit musterte und das mit einem ziemlich abfälligen Gesichtsausdruck. Freundlich.
„Und was ist mit dir? Ich glaub nicht, dass ich Sekundenkleber an mir habe oder du derart von meinem so vorzüglichen Aussehen angezogen wirst, dass du deinen Blick nicht mehr von mir lösen kannst…", ich zog eine Augenbraue hoch, während ich sie musterte und auf ihre Reaktion wartete. Sie schaute mich wütend an und schien gleich in die Luft zu gehen, ihr Kopf lief richtig rot an. Ich liebte es einfach zu sehr andere zu provozieren… Vielleicht strahlte meine Aura genau das aus und deswegen wurde ich sooft angegriffen in der Schule? Wer wusste das schon.
„Die Kleine ist nicht schlecht", hörte ich Kisame sagen und verdrehte schon wieder die Augen. Konnten die sich nicht meinen Namen merken oder wollten die einfach nicht? So richtige Intelligenzallergiker, wie mir schien…
„Zum tausendsten Mal, ich heiße nicht ‚Kleine'!", ich warf diesem großen Klotz einen Blick zu und schnaubte nur. „Kannst du mir nicht wenigstens einen originelleren Namen geben? Kleine ist echt abgenutzt und kommt in jedem dämlichen Film vor, wahrscheinlich sagst du das deswegen, oder? Du kennst einfach nicht so viele Wörter."
„Ich glaube, ich bin mir jetzt zu beinahe hundert Prozent sicher, warum du ständig in Schwierigkeiten gerätst", ich konnte Itachis Grinsen richtig hören, auch wenn sein halbes Gesicht schon wieder unter der Maske steckte.
„Genug mit dem Geplapper jetzt", knurrte Yahiko ehe er sich Sasuke und seinen Leuten zuwandte, „Ihr macht euch jetzt auch mal aus dem Staub. Seid beim nächsten Mal pünktlich oder die Lieferung verschwindet wieder." Mit diesem Satz drehte er sich um, gab ein Handzeichen und alle gingen wieder zu ihren Motorrädern. Ich wurde wieder zu Konan gesetzt und um sie gebunden. „Abfahrt", hörte ich noch Yahiko sagen, ehe die Motoren aufheulten und wir weg fuhren.
Die Fahrtluft zog ganz schön in meinen Haaren und ich fühlte mich schon ziemlich unsicher dabei, dass hier alle, inklusive mir, ohne Helm fuhren. War ja nicht so, dass die hier mit einer Geschwindigkeit durch die Gegend heizten, dass der Zusammenstoß mit einem Käfer sie töten könnte… Mir war mein Leben lieb, ehrlich gesagt.
Nach einer ganzen Weile bogen wir in irgendeine Straße ein und dann blieben alle stehen. Ich sah mich um und stockte. Wo zur Hölle waren wir denn hier? Um uns herum waren Bäume und wir standen vor einem halb verfallenen Haus, das über und über mit Graffiti besprüht war.
Alle stiegen von ihren Motorrädern und ich wurde von Konan losgebunden. Ich blinzelte Yahiko verwirrt an, der meine Hände wieder zusammenband und dann das Seil nahm, an dem ich hing. „Wo sind wir?", fragte ich ihn und sah mich erneut um. Ich hatte diesen Ort noch nie gesehen, wusste nicht einmal, dass er existierte.
„Wir sind in unserem Hauptquartier", antwortete er nüchtern und zog mich hinter sich und den anderen her, auf das Haus zu. Sie hatten tatsächlich ein Hauptquartier? Das war ja krasser als jede dämliche Serie, die von solchen Sachen handelte.
„Und wieso habt ihr mich mit hierher genommen?", ich versuchte mich etwas gegen Yahiko zu sträuben, um vielleicht doch abhauen zu können, aber er schien meine Gegenwehr nicht einmal zu bemerken. Ich war wirklich schwächer, als ich je angenommen hatte…
„Das wirst du schon noch sehen. Rede nicht so viel, versuch dich mal im Schweigen. Würde deiner Gesundheit sicher nicht schaden", er war immer noch so verdammt trocken wie ein altes Brot.
„Haha, ich lach mich tot", murrte ich. Es wurde mir immer unangenehmer hier zu sein und vor allem nicht zu wissen, wieso und was sie denn nun mit mir vorhatten… Ich bekam wieder dieses wahnsinnige Bedürfnis, mich für meine außerordentliche Dummheit zu schlagen, aber Moment, das ging ja nicht, ich war ja gefesselt wegen meiner Blödheit!
„Pain hat schon Recht. Du wirst so oft verprügelt, du tust einem schon fast leid", Itachi ließ sich auf einem schwarzen Ledersessel nieder. Es standen einige von der Sorte hier herum. Wo hatten sie denn das ganze Geld her gehabt, um sich diese Innenausstattung zu kaufen? Couchen, Sessel, Tische, … Es sah fast wie eine eigene kleine Wohnung aus! Scheinbar gab es in diesem heruntergekommenen Häuschen noch ein paar mehr Zimmer, aber die Türen waren zu, also konnte ich nicht sehen, was sich dahinter verbarg. Ob sie auch eine Küche hatten?
„Oder du baust mal ein paar Muskeln auf und schlägst zurück", grinste Kisame, der auf der Couch neben Itachis Sessel saß und die Füße hochlegte. Er hatte leicht reden, er war ein riesiger Muskelmann, der scheinbar so viel Energie in seinen Körper steckte, dass nichts mehr für sein Hirn übrig blieb.
„Sie braucht keine Muskeln, um sich anständig zu wehren. Eine Frau kämpft nicht mit Kraft, sondern mit Verstand", Konan verschwand in einen der Nebenräume und kam kurze Zeit darauf mit ein paar Bierflaschen und einen Tablett mit Teeservice wieder. Sie stellte alles auf einen der Tische und deutete dann auf einen Stuhl. „Asuna, möchtest du auch eine Tasse Tee?", fragte sie mit einem leichten Lächeln, ehe sie zwei Tassen füllte.
„Äh, ja, danke", ich war durchaus etwas sehr stark verwundert, dass sie mir Tee anbot. Ich meine, ich war hier der ungeladene Gast auf einer Party voller Schläger und womöglich Kleinkrimineller. Pain brachte mich zum Tisch und drückte mich auf einen Stuhl, ehe er eine meiner Hände aus den Fesseln löste, meine andere jedoch an den Tisch band. „Ich komme mir vor wie ein Hund", bemerkte ich mit Seitenblick auf Yahiko, ehe ich an dem Tee nippte, den mir Konan kurz davor herüber geschoben hatte.
„Du hast es erfasst", lachte Hidan und ich verschluckte mich und hustete, ehe ich mich umdrehte und ihn ungläubig anstarrte. „Was glaubst du denn, warum Pain dich hierher mitgenommen hat? Du wirst ab heute unser Hündchen sein!" Das widerwerte Grinsen in seinem Gesicht verschlug mir die Sprache, ich wollte mir gar nicht vorstellen, was gerade in seinem Kopf für ein Film ablief. Und ich wollte mir nicht vorstellen, was für ein Film gerade in meinem Kopf ablief!
Ich zuckte zusammen, als nun Yahiko an mich heran kam und mich von oben herab betrachtete. Sein Gesichtsausdruck flößte mir Angst ein, jedoch nicht ganz so viel Angst wie das Messer, das er in seiner Hand hielt! Wo war ich hier nur hineingeraten?!
