Seufzend lag ich auf meinem Bett und starrte an die Decke. Ein paar Tage waren vergangen, seitdem ich Nagato zum ersten Mal gesehen und mit Pain ein Team gebildet hatte. Bis jetzt hatten Yahiko und ich uns jedoch nur getroffen, wenn er mich zur Schule abholte und mich wieder nach Hause brachte. Im Unterricht hatte Deidara mir erzählt, dass es sonderbar war, dass wir kein Treffen mit der Gang gehabt hatten, seit dem letzten Mal, was nun eine Woche ungefähr zurück lag. An was das wohl lag?
Konan hatte mich gestern einmal angerufen und gefragt, wie es mir so ginge und ob Yahiko und ich miteinander Dinge unternehmen würden. Ich hatte ihr wahrheitsgemäß geantwortet, dass ich ihn außerhalb der Schule nicht sah und generell die letzten Tage nur zu Hause verbracht und ab und an gelernt hatte.
Itachi hatte mich in der Schule auch ein paar Mal im Gang abgefangen, um mich zu fragen, ob bei mir alles in Ordnung sei. Ich verstand langsam wirklich nicht mehr, warum sich alle solche Sorgen um mich machten. Was sollte mir denn schon passieren?
„Asuna-chan?", hörte ich meine Mutter von unten rufen, „Besuch für dich! Kommst du runter?"
Ich zog eine Augenbraue hoch, während ich mich aufsetzte. Wer kam denn, um mich zu besuchen? Wahrscheinlich war es sowieso wieder nur Pain, der mir irgendwas ganz unglaublich wichtiges sagen musste, was die Gang betraf oder so…
„Bin gleich da", murrte ich halblaut, als ich mein Zimmer verließ und die Tür hinter mir schloss. Ich ging die Treppe hinunter und schlurfte durch den Flur bis zur Eingangstür, wo ich abrupt stehen blieb.
„Hallo, Asuna-chan", sagte nicht wie erwartet Yahiko, der nicht in meiner Tür stand, der überhaupt nicht anwesend war, sondern Nagato, der mit Helm unter dem Arm im Türrahmen stand.
„Ich äh…", stammelte ich und sah mich rasch um. Ich hatte ein so ungutes Gefühl im Magen, wie noch nie. Ich wollte nicht, dass er hier war, ich wollte ihn nicht sehen! Warum, das konnte ich mir selbst nicht erklären, aber so war es nun einmal. Ich musste doch irgendeinen Ausweg aus dieser Situation finden können…
„Kommst du mit? Wir treffen uns gleich mit allen", seine Stimme war zuckersüß und doch hörte ich einen Unterton mitschwingen, der mir einen Schauer nach dem anderen durch all meine Glieder jagte.
„Äh… Aber Yahiko hat mir gar nicht Bescheid gegeben…", stammelte ich, „Dann irrst du dich vielleicht…" Ich wollte auf keinen Fall mit ihm mitfahren, mich auf sein Motorrad setzen oder mit ihm reden. Ich wollte nicht in seiner Nähe sein…
„Dann hat er es wohl vergessen! Nimm es ihm nicht übel, er hat zurzeit viel um die Ohren. Komm, ich nehme dich mit", er lächelte mich an, doch es war ein starres, kaltes Lächeln, bei dem mir das Blut in den Adern gefror. War er schon immer so gewesen? Auch als er Konan und Pain kennen gelernt hatte?
„Asuna-chan, du kannst deine Freunde doch nicht warten lassen. Na los, geh, sonst werden sie noch böse auf dich", meine Mutter zwinkerte mir zu und schob mich in Richtung Tür. „Zieh deine Schuhe an und dann mach dich auf. Du hast doch sowieso schon alle deine Arbeiten für morgen erledigt, also geh schon. Deine Freunde werden sich freuen dich zu sehen!"
Mir blieb keine Wahl. Meine Mutter schien die Situation überhaupt nicht zu verstehen. Sie konnte mir also nicht helfen, sondern machte es stattdessen nur schlimmer… Langsam stieg ich in meine Stiefel und schnallte sie zu, nahm fast in Zeitlupe meine Jacke und wandte mich dann Nagato zu.
„Lass uns fahren", sagte er und drückte mir einen Helm in die Hand. Wir gingen zu seinem Motorrad, unablässig huschten meine Augen umher und ich suchte nach einem Weg der Situation zu entkommen, doch es bot sich mir keiner.
„Was brauchst du denn so lange? Steig auf und dann lass uns fahren. Na los", er setzte sich auf sein Motorrad und hielt seinen Helm in den Händen.
Seufzend setzte ich mich hinter ihn und stülpte den Helm über meinen Kopf. Mit zitternden Händen griff ich nach seiner Jacke, um mich daran festzuhalten.
Ich hatte Angst. Warum ich solche Angst hatte, das wusste ich nicht, aber ich wusste, dass sie da war.
Er gab Gas und wir fuhren los. Mir fiel auf, dass wir tatsächlich unterwegs zum Hauptquartier waren, doch dann fuhr er daran vorbei. Meine Augen weiteten sich vor Schreck, als er das Gebäude hinter uns zurück ließ und einfach weiter fuhr. Er war zu schnell unterwegs, als dass ich hätte abspringen können.
„Wo fahren wir hin?", rief ich ihm zu. Ich merkte, wie meine Stimme bebte und wie sich Tränen in meinen Augenwinkeln sammelten. Wohin war er mit mir unterwegs? Was hatte er vor?
Er antwortete mir nicht, sondern beschleunigte und raste um die Kurven, durch den Wald, aus dem Wald heraus und an Feldern entlang, immer weiter, bis er vor einer Scheune hielt. Wir waren sehr lang und sehr weit gefahren und nun waren wir hier, vor einer Scheune, mitten im Nirgendwo.
„Steig ab", sagte er und ich gehorchte sofort. Auch er stieg von dem Motorrad und stellte es ab. Ich gab ihm den Helm und er verstaute seinen und meinen. „Gib mir mal dein Handy, ich muss Yahiko kurz kontaktieren. Ich habe meins vergessen", brummelte er und sah mich mit kalten Augen an.
Zitternd fasste ich in meine Tasche und griff nach meinem Mobiltelefon, zog es aus der Tasche, suchte Yahikos Kontakt in meinem Telefonbuch heraus und drückte den ‚Anrufen'-Knopf, als er mir das Handy aus der Hand zog, sich umwand und er weit weg schleuderte. Meine Augen weiteten sich und ich erstarrte.
Nagato stand nun vor mir und sah auf mich herab. „Komm mit. Versuch ja nicht abzuhauen, ist das klar?", seine Stimme klang bedrohlich und ich wäre beinahe in Schockstarre verfallen, wenn er mich nicht am Arm gepackt und mit sich in die Scheune gezerrt hätte.
Ich stolperte ihm hinterher, versuchte nicht über meine eigenen Füße zu fallen und mich nach einem Ausweg umzusehen, aber es ging alles zu schnell.
Plötzlich stieß Nagato mich von sich weg, ich fiel ein paar Meter von ihm entfernt zu Boden und all die Luft wurde mir aus meinen Lungen gepresst. Als ich mich wieder aufrappeln konnte, sah ich auf und zu Nagato, der erhaben in der Tür stand und auf mich herabblickte.
„Du bist ein sehr interessantes Mädchen… Machst aus Pain einfach ein Kätzchen, das keine Lust mehr hat, sich in ordentliche Gefahr zu begeben. Er war einmal einer der gefürchtetsten Kerle in der ganzen Stadt und dann tauchst du auf und er wird so… weichlich…", er spuckte das Wort förmlich aus und trat einige Schritte auf mich zu.
„Aber… ich kenne ihn doch erst ein paar Tage… Da… Wie soll ich ihn so verändert haben…?", stammelte ich und rutschte von ihm weg, umso näher er kam. Seine Schritte waren schwer auf dem Boden und Staub wirbelte jedes Mal auf, wenn er einen Fuß auf den Boden setzte.
Er stieß ein kleines, verächtliches Lachen aus und sah auf mich herab. „Du bist so naiv, kleine süße Asuna… Ich gebe dir einen guten Rat… Halte dich fern von Yahiko. Oder besser… Tauche nie wieder in seiner Nähe auf. Er ist besser dran, wenn du nicht existierst."
Meine Augen weiteten sich, während ich zu ihm herauf sah. Was hatte das alles zu bedeuten? Ich konnte doch nichts für all das, was passiert war. Ich hatte doch überhaupt nichts gemacht. Ich war da nur so hereingerutscht und dann das? Man sagte mir, dass ich daran schuld war, dass Yahiko kein brutaler Typ mehr war?
„Du scheinst mir immer noch nicht den Ernst der Lage zu verstehen, geschweige denn die Umstände und die Gründe meines Handelns… Ich denke, es wäre wohl besser, wenn ich dir eine Lektion beibringe…", er kam schnellen Schrittes auf mich zu. Ich rutschte von ihm weg, so schnell ich konnte. Zum Aufstehen hatte ich keine Zeit mehr! Ich stieß mit dem Rücken an die Wand und blickte zu ihm herauf.
„Es wird Zeit, dass du lernst, was passiert, wenn du dich mit einer Gang anlegst. Das was Yahiko da mit dir gemacht hat, dass er dich aufgenommen hat… Das ist so lächerlich. Du bist eindeutig nicht aus dem Holz einer Bikerin gemacht, geschweige denn bist du in der Lage zu verstehen, um was es wirklich bei uns geht… Nein, ich zeige dir jetzt, wie wir früher, als die Gang noch so war, wie sie sein sollte, mit Leuten wie dir umgegangen sind…", seine Stimme troff nur so vor Hass und Verabscheuung. Er stand groß und bedrohlich vor mir, starrte mit eiskaltem, irrem Blick zu mir herunter und zog ein Messer aus seiner Tasche.
Ich zuckte zusammen, sah mich um, suchte einen Ausweg. Hier musste es doch eine Möglichkeit geben zu fliehen?!
Ich spürte den Staub, den Sand und den Dreck unter meinen Fingern. Der Boden war voll davon. Ich sammelte etwas davon in meiner Faust und als sich Nagato zu mir herunter beugte, warf ich ihm eine Hand voll in die Augen. Er schrie auf und taumelte einige Schritte zurück, rieb sich die Augen und ich sprang auf. Schnell lief ich an ihm vorbei, in Richtung Tür.
„Du scheiß Schlampe!", brüllte er. Im nächsten Moment spürte ich, wie er mich an meinen Haaren packte und mich rücklinks zu Boden riss. Ich prallte auf meinem Rücken auf, erneut wurde mir sämtliche Luft aus den Lungen gepresst und alles begann sich zu drehen. Ich spürte warme Flüssigkeit an meinem Hinterkopf.
Im nächsten Moment schon kniete Nagato über mir. „Du dreckiges Stück Abfall! Ich mach dir das Leben zur Hölle!", er sah mich mit seinen roten Augen an und ich konnte den Wahnsinn darin sehen. „Ich werde dich nicht töten, nein. Ich werde dich entstellen!"
Panisch begann ich mich unter ihm zu winden, versuchte zu entkommen und als ich erneut nach Dreck zu greifen versuchte, schloss er seine Finger um meinen Hals. Ich griff mit beiden Händen nach seinem Arm, versuchte ihn wegzudrücken, doch er war viel stärker als ich.
„Ich überlege gerade ernsthaft, ob ich dich nicht einfach töten soll, du beschissene Hure… Aber das wäre nicht so viel Spaß… Nein, ich muss anders mit dir verfahren…", auf einmal ergriff er meine beiden Handgelenke mit seiner freien Hand, in der er gerade noch das Messer gehalten hatte. Er zog eine seiner Halsketten aus und schlang sie um meine Handgelenke, sooft, bis es mir beinahe das Blut absperrte. Er packte meine zusammengebundenen Hände und drückte sie über meinen Kopf. Langsam beugte er sich zu mir herunter und stoppte sein Gesicht knapp vor meinem. „Leide", hauchte er und im nächsten Moment schnitt er mir mit dem Messer die Kleider auf.
Ich schrie und versuchte zu entkommen, als er das Messer von meinem Körper ein Stückchen entfernt hatte. Die Luft in diesem Raum war kalt und durch einige Löcher in den Wänden pfiff der kühle Wind herein.
„Diese wunderschöne, schmale rote Linie macht sich wunderbar auf deiner blassen Haut… Ich glaube, dass ein paar mehr noch schöner wären…", sein starrer Blick auf den Kratzer, den er mit dem Messer auf meinem Brustkorb hinterlassen hatte, und sein widerliches Grinsen jagten mir Todesangst ein.
„Lass mich! Bitte… lass mich gehen!", begann ich zu schluchzen.
„Oh nein. Würde ich dich jetzt gehen lassen, du würdest doch sofort zu Yahiko laufen und…"
„Nein!", unterbrach ich ihn, „Ich gehe nicht zu ihm, das schwöre ich! Ich sag niemandem etwas… Ich… Ich verliere kein Wort über das, was passiert ist…!"
Er schnaubte belustigt und legte mir das Messer unters Kinn. „ Nana, nicht so hastig. Ich glaube nicht, dass du so handeln würdest. Und außerdem hast du ja noch überhaupt keine Strafe bekommen! Denkst du etwa, dass es mir genügt, dass du hier mit nacktem Oberkörper vor mir liegst und mir deine prallen Brüste präsentierst? Oh nein… Du bist… noch nicht schön genug, als dass ich durch das Betrachten schon befriedigt wäre und wüsste, dass du es verstanden hast…."
Erneut stiegen Tränen in mir auf und flossen über meine Wangen. Meine Atmung beschleunigte sich und ich begann mich zu winden. Ich wollte weg, nur weg von hier! Wie war ich hier nur hingeraten? Was hatte ich denn falsch gemacht?!
„Deine Tränen machen dich ein wenig hübscher… Aber lass mich dich… wunderschön machen", murmelte er, während er das Messer an meinem Bauch ansetzte…