Zusammenfassung des vorherigen Kapitels:
Auf Severus Vorschlag hin wird Luna Hermines neue Zimmergefährtin, was Hermine bei ihren Schlafproblemen helfen soll. Als Hermine zum Nachsitzen erscheint, lässt er sie Kessel reinigen, anstatt ihre Okklumentikstunden fortzusetzen. Sie kommen auf Luna und ihre verblüffenden Theorien zu sprechen, und auf Draco, mit dem Hermine sich angefreundet hat. Severus fragt sich, ob nicht mehr dahinter steckt als nur Freundschaft, und zeigt einen Anflug von Eifersucht bei dem Gedanken. Seine Reaktion verärgert Hermine, und sie haben eine kurze Auseinandersetzung über ihre Situation. Severus entschuldigt sich und schlägt Hermine dann vor, seine Braugehilfin zu werden, was ihnen beiden auch einen nachvollziehbaren Grund für weitere Treffen liefert.
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Zauberstäbe, Ziepnister und Zunkschnicken
Als der Zaubertränkemeister nach seinem Gespräch mit der Schulleiterin in sein Büro zurückkehrte, feixte er innerlich. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage war es ihm gelungen, Minerva sprachlos zu machen, was ihm zugegebenerweise ein diebisches Vergnügen bereitete. 'Du willst einen Lehrling aufnehmen?' hatte sie verblüfft gefragt.
'Eine Assistentin für Zaubertrankprojekte', hatte er korrigiert. 'Und ich will Miss Granger.'
Minerva hatte wissen wollen, warum er plötzlich so ein reges Interesse an einer ihrer Schützlinge zeigte, und diese heikle Frage war schwer zu beantworten gewesen. Letztendlich hatte er sich entschieden, einfach bei der Wahrheit zu bleiben. Das war ihr gegenüber eine vorzügliche Taktik, da er niemals offen und geradeheraus war, was sie von der richtigen Spur abbrachte und sofort andere Motive vermuten ließ.
"Du willst mir ernsthaft weismachen, du seist an ihrem Wohlergehen interessiert?" Minerva hatte ein ungläubiges Schnauben von sich gegeben. 'Du erwartest doch sicher nicht, dass ich dir das abkaufe? Hah – ich durchschaue dich, Severus! Du hast endlich zugeben müssen, dass sie clever und kompetent ist und willst, dass sie dir beim Brauen deiner privaten Zaubertränke zur Hand geht!'
Er hatte nichts weiter dazu gesagt, sondern lediglich seine Augenbraue gehoben, woraufhin sie ihre Theorie bestätigt sah. Dennoch war sie sehr angetan gewesen, genau, wie er vermutet hatte, und hatte umgehend ihr Einverständnis gegeben.
Er hatte Hermine gleich nach dem Unterricht am nächsten Tag Bescheid gegeben. Sie hatten vereinbart, sich an diesem Abend in seinem Büro zusammenzusetzen um die Details dessen, was er von ihr erwartete, zu besprechen, und um Termine für regelmäßige Treffen festzulegen. Mit dem, was für Poppy zu brauen war, den Korrekturen der Hausaufgaben der unteren Jahrgänge und dem Okklumentikunterricht würde er keine Probleme haben, sie zu beschäftigen. Er konnte allerdings auch nicht verleugnen, dass er sich darauf freute, sie regelmäßig zu sehen, selbst, wenn es dadurch noch schwieriger werden würde, die Fassade aufrechtzuerhalten.
Seine Vorsätze wurden gleich an diesem Abend auf die Probe gestellt, als Hermine mit heiterer Miene in sein Büro kam. Er hatte während der ganzen zurückliegenden Wochen nicht so viel Leben darin gesehen. Es war umso ungewöhnlicher, da Schüler normalerweise nur in stummen Entsetzen oder zumindest mit einer gesunden Dosis Unbehagen durch seine Tür traten. Er spürte ein unvertrautes Ziehen irgendwo in der Bauchgegend, als sie ihn mit vergnügt blitzenden Augen ansah.
Ohne auf eine Einladung zu warten ließ sie sich ihm gegenüber in ihren Sessel sinken. Erst jetzt wurde ihm bewußt, dass er den harten Stuhl bereits ohne darüber nachzudenken für sie verwandelt hatte. Er sandt eine stillen Stoßseufzer aus. Ihr Umgang miteinander war inzwischen beunruhigend ungezwungen geworden.
"Haben Sie das hier gesehen?" fragte sie, und hielt eine Zeitung hoch.
Severus schüttelte den Kopf, sowohl in Verneinung ihrer Frage als auch in Bekundung seines Mißfallens über seine gerade gemachte Beobachtung. Um den Eindruck übertriebener Liebenswürdigkeit wettzumachen, den er möglicherweise hinterlassen hatte, legte er seine Stirn in wohldosierte Falten.
"Wenn das der Tagesprophet ist, lautet die Antwort 'nein'. Ich weigere mich, dieses fürchterliche Geschreibsel zu lesen, das manche eine Zeitung nennen."
"Es ist nicht der Tagesprophet", grinste sie. "Viel schlimmer ... Es ist der Quibbler." Sie hielt im das Blatt unter die Nase und wedelte ungeduldig mit der Hand. "Machen Sie schon – lesen Sie! Ich versichere Ihnen, es lohnt sich."
Er zog die Augenbrauen hoch, nahm ihr die Zeitung aus der Hand und begann zu lesen.
Wie man Trübklebler loswird
Luna Lovegood für den 'Quibbler'
Noch weitgehend unbemerkt von der Zaubereröffentlichkeit ist in den Nachwehen des Krieges, der vermutlich als Voldewar II in die Geschichte eingehen wird, eine Trübklebler-Epidemie in der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei ausgebrochen. Obwohl Trübklebler bekannt dafür sind, Plätze zu infizieren, die über längere Zeit hinweg Trauer und Trübsal gesehen haben, sind Schüler und Lehrer erschreckend uninformiert über diese Krankheit. Bis jetzt wurde keine konzertierte Aktion unternommen, um der Masseninfektion Herr zu werden, was eine weitere Ausbreitung wahrscheinlich macht. Der 'Quibbler' sagt Ihnen alles, was Sie über Trübklebler wissen müssen, und darüber, wie man sie loswird.
Bei Trübkleblern, die gemeinhin auch als Blauzehrler bekannt sind, handelt es sich um kleine, unsichtbare Pilze, die ebenso an Gebäuden wie an Menschen haften können und sich von magischer Energie ernähren. Dies führt dazu, dass sich betroffene Zauberer ausgelaugt und antriebslos fühlen, sich für nichts mehr begeistern können und in eine dauerhaft trübe Stimmung verfallen. Als positive Nebenwirkung jedoch setzen die Pilze Sporen frei, welche die Astralstrahlung der befallenen Person und somit auch die Farbe seiner Aura sichtbar macht. Man nimmt an, dass sich im ersten, dokumentierten Fall einer Infektion die Aura des Patienten blau färbte, was zu dem irreführenden Namen führte. Das Phänomen der Blaufärbung (in Wahrheit auch Pink-, Gelb- oder Grünfärbung usw.) ist interessanterweise auch in der Muggelwelt bekannt. Selbst nicht magische Menschen hat man Dinge sagen hören wie 'she's got the blues' um den Gesundheitszustand einer Betroffenen zu beschreiben. Es ist allerdings fraglich, ob Muggel tatsächlich in der Lage sind, die entsprechend gefärbte Aura zu sehen.
Obwohl Trübklebler von Person zu Person übertragen werden, ist es unwahrscheinlich, dass eine einzige infizierte Person in Ihrer Nähe Sie anstecken wird. Tatsächlich ist es so, dass Trübklebler sich schnell den Energien des jeweiligen Wirtes anpassen und nur auf Menschen überspringen, bei den sie ein ähnliches Klima vorfinden. Wenn es allerdings, wie jetzt in Hogwarts, zu einem Massenausbruch kommt, steigt die Wahrscheinlichkeit exponentiell, sich ebenfalls Blauzehrler einzufangen. Es ist auch möglich, sich zu anzustecken, wenn man lange Zeit an einem befallenen Ort lebt.
Eine Trübkleblerinfektion ist eine ernsthafte Erkrankung und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden! Abgesehen davon, dass sie latente Melancholie in tiefe Traurigkeit und Unglücklichsein verwandelt, die dem Infizierten mehr und mehr zusetzt, riskieren Erkrankte auch, ihre Magie zu verlieren. Je schneller die Krankheit behandelt wird, um so besser. Wenn die Aura erst einen satten, tiefen Farbton angenommen hat, ist die Heilung ein sehr langwieriger Prozess. Glücklicherweise gibt es einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, wenn Sie befallen sind:
1. Verbringen Sie viel Zeit mit Menschen, deren Aura ausgleichend auf die Ihre wirkt
Trübklebler reagieren höchst empfindlich auf Astralstrahlung, die ihrer Umgebungsstrahlung zuwiderläuft. Finden Sie eine Person, deren Aura eine Farbe im gegenüberliegenden Farbspektrum aufweist, und verbringen Sie so viel Zeit wie möglich mit ihr. Wenn der oder diejenige auch infiziert ist, ist es sehr leicht, einander zu finden – vorausgesetzt, Sie sind in der Lage, die Aura des anderen zu sehen. (Wenn Sie das nicht können, leiden Sie vermutlich an den Spätfolgen einer früheren, gemeinen Ziepnister Infektion, die leider irreversibel sind. Vielleicht kann jemand anders Ihnen eine passende Person zeigen.) Dies ist die sicherste Heilmethode, selbst wenn die andere Person nicht infiziert ist. Falls doch, so ist die Heilung gegenseitig. Menschen mit einer Aura im gegenüberliegenden Spektrum haben das Potential, einander glücklich zu machen, was schon Leute bewegt haben soll, sich absichtlich mit Trübkleblern zu infizieren, um denjenigen zu finden, den sie für ihren Seelengefährten halten. (Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass Trübklebler keineswegs Seelengefährten aufzeigen – das können nur Flimmflummler, weshalb wir massiv davon abraten, sich absichtlich mit Trübzehrlern zu infizieren.)
2. Versuchen Sie, sich pro Tag wenigstens zwei positive Gedanken zu machen
Es ist ratsam, diese sogar schriftlich festzuhalten und auch die des Vortags noch einmal durchzulesen. Damit können Sie ein wenig von der Energie zurückgewinnen, die Sie an die Trübzehrler verloren haben. Wenn Sie anfangen, sich besser zu fühlen, können Sie sich an einen höhere Zahl positiver Gedanken heranwagen. Das ist auch eine gute Präventionsmaßnahme.
3. Putzen Sie Ihr Haus
Wenn Sie nicht ausziehen können, bekämpfen Sie den Befall des Gebäudes. Es hat sich als hilfreich erwiesen, die Wände in einer hellen, freundlichen Farbe zu streichen (idealerweise rosa). Halten Sie die Räume stets sauber. Da es schwierig ist, die Quelle des Befalls zu finden, reinigen Sie am besten alles. Das wird Sie auch beschäftig halten, was in Ihrem Zustand hilfreich ist. Geben Sie jedoch Acht, dass Sie nicht obsessiv werden! Es ist ratsam, vielleicht einmal im Monat eine richtige Unordnung zu veranstalten, was sehr viel Spaß machen kann!
4. Lesen Sie Witzbücher, kaufen Sie gute Scherzartikel und feiern Sie eine Party!
Lachen ist sehr hilfreich! Die Vibrationen machen Trübklebler schwindelig. Lachen ist auch ein hervorragendes Desinfektionsmittel für verseuchte Gebäude. Es ist wissenschaftlich zwar noch nicht belegt, aber Trübklebler scheinen jegliche Art glücklicher Geräusche zu verabscheuen. Singen Sie, hören Sie zu, wenn jemand schlecht singt, machen Sie Musik oder feiern Sie eine Party. Aber übertreiben Sie es nicht! Zu exzessive Fröhlichkeit, besonders von Seiten nicht infizierter Menschen, kann eine gegenteilige Wirkung auf Sie haben, wenn Sie die 'Blues' haben.
5. Tragen Sie helle Farben
Vorzugsweise rosa oder etwas mit Glitzer. Aus unerfindlichen Gründen scheinen Trübklebler beides nicht zu mögen. Vermeiden Sie Schwarz, Braun und Anthrazittöne.
6. Essen Sie Pudding
"Nun, das erklärt es", bemerkte Severus trocken, während er abermals kopfschüttelnd die Zeitung wieder zusammenlegte.
"Erklärt was?" fragte Hermine.
"Die seltsame Unterhaltung, die ich mit Miss Lovegood hatte, als ich sie fragte, ob sie es in Betracht ziehen würde, Ihr Zimmer zu teilen. Sie sah mich mit diesen hervorstehenden Augen and und sagte mit völligem Ernst, es wäre viel besser, wenn Sie in meine Räume zögen, da ich violett strahle, was gut für Sie wäre."
Hermine starrte ihn ungläubig an. "Ernsthaft? Wie haben Sie reagiert?" Da Luna zuletzt ganz normal ausgesehen hatte und noch in einem Stück war, mußte er sich wohl sehr beherrscht haben.
Severus dachte an den Moment der Panik zurück, die ihn erfüllt hatte. Einen Moment lang hatte er nichts anderes tun können, als das Mädchen verblüfft und wortlos anzustarren, während er darum kämpfte, die Kontrolle über seine Gesichtsmuskeln nicht zu verlieren. Hatte sie es herausgefunden? Bei jeder anderen Person hätte er hinter der Bemerkung sofort einen Erpressungsversuch vermutet, aber nicht bei ihr. Sie verstand vermutlich nicht mal das Konzept. "Ich habe ihr entschieden gesagt, dass ich rein gar nichts abstrahle, und schon gar nicht lila."
"Das war eine recht milde Reaktion... Ich hätte erwartet, dass Sie für so einen unglaublich ungehörigen Vorschlag mindestens einen Abend Nachsitzen verhängen."
"Es hätte ihr nichts ausgemacht." Er hatte es früher auch schon mit Sarkasmus oder Beleidigungen versucht, aber Miss Lovegood war völlig immun gegenüber jeglicher Art von Bösartigkeit. Was auch immer er sagte, sie nahm es mit einem träumerischen Ausdruck im Gesicht zur Kenntnis und sah ihn lediglich an, als wüsste sie in ihrer Weisheit Dinge, die ihm verborgen waren. "Nichts kann Miss Lovegood erschüttern. Glauben Sie mir, ich habe es versucht. Abgesehen davon – was sie danach vorschlug, war noch viel schockierender."
"Was hat sie denn gesagt?"
"Dass ich aufhören solle, ständig schwarz zu tragen und es stattdessen lieber mal mit Pink versuchen solle."
Hermine musste lachen, als sie sich diese Unterhaltung vorstellte. "Oh, dass sie damit tatsächlich ohne Nachsitzen davongekommen ist! Und Sie beschuldigen mich ständig, frech zu sein!"
"Nun, ich gebe zu, ich wurde bestochen. Miss Lovegood hat mir in ihrem zweiten Jahr einen Schal zu Weihnachten geschenkt."
"Sie hat Ihnen ein Weihnachtsgeschenk gemacht?"
"Ja. Er war flauschig und babyrosa, und über und über mit glitzernden Schlangen verziert, die darauf umherschlängelten. Nun endlich begreife ich, was sie damit bezweckte."
Zum damaligen Zeitpunkt war er schockiert gewesen – zuerst über die Tatsache, dass sich überhaupt ein Schüler die Mühe machte, ihm ein Weihnachtsgeschenk zu machen, und ein zweites Mal, als er das Geschenkpapier entfernt hatte. Sein spontaner Verdacht war, dass sie ihm einen Streich spielen wollte, weshalb er den Schal misstrauisch beäugt hatte in der Erwartung, die Schlangen würden ihn angreifen. Aber eine intensive Prüfung ergab, dass das Kleidungsstück hässlich, aber harmlos war. Er hatte nie verstanden, warum sie ihm dieses Geschenk gemacht hatte, aber er war zu der Überzeugung gelangt, dass es eine merkwürdige, aber wohlmeinende Geste gewesen war. In Miss Lovegood steckte nicht eine Spur von Bösartigkeit.
Es war die Erinnerung an diese Tatsache die ihn angesichts ihres Ratschlags veranlasst hatte, sich zu räuspern und ihr mit aller Höflichkeit, zu der er imstande war, zu antworten: 'Vielen Dank, Miss Lovegood. Aber ich fürchte, Pink ist auch nicht wirklich meine Farbe.' Ja, er konnte nett sein, wenn er sich Mühe gab.
"Was ist aus dem Schal geworden?"
Er zuckte mit den Achseln. "Ich habe ihn noch. So, wie ich es verstanden habe, muss man Geschenke in Ehren halten, selbst, wenn sie abgrundtief hässlich sind." Die Wahrheit war: Er hatte es in Ehren gehalten. Er hatte in seinem Leben nicht viele Geschenke bekommen, und die Geste allein hatte ihn seltsam berührt. Was ihn nicht davon hatte abhalten können, den Schal in die hinterste Ecke der untersten Schublade seiner Kommode zu verbannen, so dass er ihn nicht dauernd sehen musste.
Hermine blickte auf die Zeitung in ihren Händen und schüttelte mit gespieltem Bedauern den Kopf. "Zu dumm... Abgesehen davon, dass ich gerade erst die Nimmerfeen losgeworden bin und mich nun mit Trübkleblern rumschlagen muss, habe ich offenbar auch schon eine 'Gemeine Ziepnister'-Infektion hinter mir, da ich niemandes Aura sehen kann. Luna hat den Verdacht, dass sie auch unter einem leichten Anflug von Trübkleblern leidet und würde so gerne wissen, welche Farbe die ihre hat. Sie vermutet ein fluffiges Zuckerwatten-Rosa, weiß es aber nicht mit Sicherheit, da man seine Aura ja nicht im Spiegel sehen kann."
"Miss Lovegood fühlt sich auch depressiv? Ich dachte, sie sei sehr ausgeglichen ..."
"Das ist sie auch. Ihrer Theorie zufolge hat es sie nicht so schlimm erwischt, weil Trüblklebler die Farbe ihrer Aura nicht mögen – weshalb sie eben glaubt, dass sie rosa sein müsse, womit sie sehr schön zu Nevilles limonengrüner passen würde. Aber andererseits ist es gut möglich, dass Luna nur deshalb keine Albträume hat, weil sie jede Nacht ein Schälchen mit Milch unter ihr Bett stellt – für die Zunkschnicken. Sie sagt, man könne keine schlechten Träume haben, wenn man Zunkschnicken an sein Bett lockt."
"In der Tat", stimmte er mit ernster Miene zu. "Das ist unter Zauberern und Hexen allgemein bekannt, Miss Granger. Jede gute Mutter stellt nachts eine Schale mit Milch unter das Bett ihres Kindes. Ich dachte, Sie wüssten das, sonst hätte ich Ihnen vorgeschlagen, dass Sie das zuerst versuchen, ehe ich mir die Mühe mache, Ihnen Okklumentik beizubringen."
Hermine war sich nicht sicher, ob er gerade ganz besonders sarkastisch war oder es tatsächlich ernst meinte. "Nun, es hätte so oder so nicht geholfen," erwiderte sie achselzuckend. "Ich weiß mit Sicherheit, dass es Krummbein ist, der sich um die Milch kümmert, sobald das Licht ausgeht. Demnach muss es Lunas pinkfarbene Aura sein, die ihr hilft, und nicht die Zunkschnicken."
"Ich habe nie recht entscheiden können, ob Miss Lovegood faszinierend ist oder einfach nur verrückt."
"Ich auch nicht. Aber Sie können nicht von der Hand weisen, dass sie oftmals Dinge wahrnimmt, die andere Leute nicht sehen", sagte Hermine, wieder ernster. "Sie ist ganz offensichtlich überzeugt, dass wir gut füreinander sind, und darin stimme ich völlig mit ihr überein. Und sie meint, dass aus dem gleichen Grund Harry und Draco mehr Zeit miteinander verbringen sollten. Sie sagte, Dracos Rot und Harrys Jägergrün würden sehr gut zueinander passen."
Severus sah sie irritiert an. "Harrys Grün und Dracos Rot?" fragte er zweifelnd.
"Ja. Luna fand es auch lustig."
Er schnaubte. "Ich entscheide mich doch für 'verrückt'."
"Ganz ehrlich: Ich denke sie ist außergewöhnlich scharfsichtig," meint Hermine, und machte ein versonnenes Gesicht. "Wenn man darüber nachdenkt... Die fast spontane Feindschaft zwischen den beiden... ihr dauerhaftes Rumgezanke und die gegenseitigen Provokationen... Man sagt, dass Liebe und Hass oft nah beieinander liegen. Die Beziehung zwischen Ihnen und Harry unterstützt diese Theorie."
"Ich empfinde nun wahrlich keine Liebe für Harry Potter, Miss Granger!"
"Ich meinte das nicht unbedingt wörtlich. Aber er löst sehr heftige Gefühle in Ihnen aus, und umgekehrt. Sie sagen, es war Abscheu, aber wir beide wissen, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht. Manchmal können sehr starke, negative Gefühle auch etwas anders verbergen, das haben Sie selbst gesagt."
"Und was glauben Sie, das hinter Dracos und Harrys gegenseitiger Ablehnung steckt? Wollen Sie mir sagen, dass Potter romantische Gefühl für Draco hegt? Oder dass Draco sie wohl möglich erwidern könnte?"
"Halten Sie das für unmöglich? Soweit ich weiß, hatte Draco nie eine Freundin..."
"Gott bewahre!"
"Macht es Ihnen etwas aus? Dass zumindest einer Ihrer Patensöhne sich für sein eigenes Geschlecht mehr interessiert als für das andere?"
"Mir wäre es egal, wenn sich beide für Hippogreife mehr interessierten als für alles andere. Aber ich hoffe wirklich nicht, dass die beiden je etwas miteinander anfangen!"
"Aber warum denn nicht? Es hätte so eine hübsche Symmetrie: Beide Ihre Patensöhne, einer dunkel, einer hell, einer immer sorgfältig frisiert, der andere mit Haaren, die in alle Richtungen stehen, der eine ein Mugglegeborener, der andere ein Reinblüter... Rein optisch würden beide ein umwerfendes Paar abgeben."
"Lucius bekäme einen Nervenzusammenbruch", meinte Severus. "Zu schade, dass wir keine Gelegenheit haben werden, Zeuge seiner Reaktion zu werden, sollte sich Miss Lovegoods Theorie je als wahr herausstellen."
Dracos Eltern waren beide nach Voldemort Sturz ins Exil gegangen. Sie hatten es nicht gewagt, ihr Schicksal in die Hände des Zaubergamots zu legen. Ihre Anstrengungen für die 'Seite des Lichts' waren bestenfalls halbherzig gewesen, und sie konnten nicht darauf hoffen, dass die Richter ihnen besonders gewogen waren. Sie waren zu oft schon davongekommen, und das Ministerium war fest entschlossen, diesmal Härte zu zeigen. Angeblich waren die Malfoys nach Frankreich geflohen und hatten ihren Landsitz und einen Großteil ihres Vermögens Draco hinterlassen.
"Dann halten Sie es also für möglich?"
Severus hob die Schultern. "Wie soll ich das wissen? Draco bespricht keine Herzensangelegenheiten mit mir. Aber unter Berücksichtigung all dessen, was ich von ihm weiß ... nein, es ist nicht gänzlich auszuschließen."
"In dem Fall bin ich ziemlich sicher, dass Harry Interesse hätte..."
Severus strich sich nachdenklich mit dem Finger über die Lippen. Dann war tatsächlich Draco das Objekt Harrys heimlicher Begierde... interessant. "Erwähnen Sie Potter gegenüber bloß nichts von meinen Mutmaßungen bezüglich Draco!"
"Das werde ich nicht", versprach sie, mit ihren Augen an seinem Finger und somit an seinen Lippen hängend. Sie waren gar nicht so schmal, wie allgemein behauptet wurde. Wenn er sie nicht gerade in eine harte Linie presste, waren sie sogar sehr wohlgeformt. Fest und geschmeidig, nicht fleischig. Und wer wollte schon einen Mann mit fleischigen Lippen? Seine hatten sich auf den ihrem sehr gut angefühlt...
Severus ließ abrupt die Hand sinken als er merkte, dass sie wie gebannt auf seinen Mund starrte. "Nun, wenn wir dann also damit fertig sind, das Liebesleben Ihrer Freunde zu erörtern, können wir vielleicht zu etwas Sinnvollen kommen und die Termine für das Brauen und die Okklumentikstunden miteinander abstimmen?" fragte er brüsk. Er war es nicht gewohnt, so überaus interessiert betrachtet zu werden, schon gar nicht mit Augen, die wohlgefällig und beinahe sehnsuchtsvoll blickten.
"Natürlich, Sir", sagte sie beflissen, und setzte sich gerader hin. "Was schlagen Sie vor?"
Er nannte ihr die Möglichkeiten, die sein Stundenplan zuließ und sie verständigten sich auf Zeiten und Tage und legten fest, welche Tränke sie brauen und welche Essays sie korrigieren würde.
"Ich brauche Ihren Zauberstab, damit ich ihn für die Bannzauber, die meine Räume schützen, erkennbar machen kann. Auf diese Weise werden Sie in der Lage sein, das Zaubertränkelabor auch dann zu betreten, wenn ich abwesend bin."
"Wird das länger dauern?" Sie schien nicht begeistert von der Idee, sich von ihrem Zauberstab zu trennen.
"Nur eine Minute."
Sie nickte erleichtert und reichte ihm ihren Zauberstab, den er mit Interesse betrachtete.
"Ist der neu? Wenn ich mich recht erinnere, sah Ihrer anders aus..."
"Ja", sagte sie ein wenig schwermütig. "Ich habe meinen Alten nie wiederbekommen. Bellatrix muss ihn zerstört haben."
"Warum habe ich den Eindruck, als seien Sie unglücklich mit diesem hier?"
"Weil ich es bin. Ich mochte meinen alten Zauberstab. Um die Wahrheit zu sagen: Der hier bereitet mir noch immer Probleme."
Er runzelte die Stirn. Das sollte eigentlich nicht passieren. "Probleme welcher Art?"
"Schwer zu beschreiben. Ich habe den Eindruck, dass meine Magie damit schwächer ist. Aber das Hauptproblem ist die Zuverlässigkeit."
"Hm... Aus was für einem Holz ist er?"
"Buche. Leicht biegsam. Zwölfeinhalb Zoll. Ollivander zufolge verbindet man damit Lernen und Wissen. Er soll gut für Recherchen und für die logischen, magischen Künste sein, insbesondere Alte Runen und – ironischerweise – für Wahrsagen."
"Sehr passend", sagte er, ohne eine Spur von Sarkasmus.
Sie sah ihn missbilligend an. "Sie scherzen!"
"Keineswegs. Vergessen Sie Wahrsagen. Wir können getrost davon ausgehen, dass in Ihrem Fall die logischen Künste gemeint sind. Buche unterstützt all diejenigen, die einen starken Willen und einen starken Charakter haben." Abermals fragte er sich, warum ihr der Zauberstab Probleme machte. Buchenstäbe waren berüchtigt dafür, schlecht zu funktionieren, wenn ihr Besitzer engstirnig war, was bei ihr sicher nicht der Fall war. Was ihn wieder zu der Überlegung brachte, ob ihre Probleme überhaupt mit dem Zauberstab zu tun hatten, oder vielleicht doch eher ein Indiz für eine leichte Instabilität in ihrer Magie waren. "Woraus ist der Kern?"
"Das ist das Seltsamste. Er ist aus Drachenherzfaser, wie mein alter Zauberstab, aber enthält auch Thestralenhaar."
"Ein Doppelkern?" fragt er überrascht. Doppelkernzauberstäbe waren extrem selten.
"Ja. Ollivander war auch überrascht. Er stellt nicht viele davon her."
"In der Tat. Es ist sehr außergewöhnlich. Aber Buche ist auch nicht besonders gängig. Lassen Sie uns mal sehen..." Er stand auf und ließ seine Augen über sein Bücherregal gleiten. Schließlich nahm er das Buch heraus, nach dem er offenbar gesucht hatte. 'Der Zauberstab der Hexe: Kunst, Überlieferung und Magie von Zauberstäben' von Alferian Gwydion.'
"Sie haben Bücher über Zauberstabkunde?"
"Ich bin an vielen Themengebieten interessiert. Davon abgesehen haben Dumbledore und ich habe sehr viel zu dem Thema gelesen, um mehr über den Elderstab herauszufinden. Wussten Sie, dass der Kern des Elderstabs aus Thestralenhaar ist?"
"Nein ... Aber ich denke, das ist sehr passend für einen Zauberstab, den man den 'Todesstab' nennt."
"Wie es heißt können Thestralenhaar-Zauberstäbe nur von jenen Zauberern oder Hexen benutzt werden, die keine Angst vor dem Tod haben. Was einer der Gründe ist, warum Voldemort mit dem Elderstab Probleme hatte. Thestralenhaar befähigt zu sehr kraftvoller Magie – sofern der Besitzer ein tiefes Verständnis von sich selbst hat. Falls nicht, leiden seine Zauber."
Er überflog die Seiten, und fand schließlich die, auf der es um Buchenzauberstäbe ging. "Sehr interessant, Miss Granger", sagte er amüsiert und zitierte: 'Ein Buchenzauberstab passt zu jenen die, sofern noch jung, ihrem Alter weit voraus sind, und falls erwachsen, reich an Verständnis und Erfahrung.' Ein sehr guter Zauberstab also für ein Fräulein Neunmalklug. Es scheint, als hätte ich Sie völlig zurecht so genannt."
"Vielleicht sind Sie auch besser in Wahrsagen, als Sie denken."
"Wohl kaum. Ich habe aber langjährige Erfahrung was die Beobachtung und Analyse der mysteriösen Vorgänge angeht, die in den Hirnen von Kindern und Teenagern ablaufen. Nun, wie Sie sich sicher erinnern, steht Drachenherzfaser für Kraft, Weisheit und Hingabe. Hören Sie: 'Ein solcher Kern deutet darauf hin, dass Sie manchmal bestimmend sein können, aber auch ein hitziges Temperament haben und feste Überzeugungen, was Sie dabei unterstützen wird, eine Führungskraft zu werden.'"
Das passte perfekt auf die alte Miss Granger. Er fragte sich, was das Thestralenhaar verändert hatte. Er fand die entsprechende Seite und überflog sie rasch, und fasste das Entscheidende für sie zusammen.
"Interessant, in der Tat: Thestralenhaar, genau wie Drachenherzfaser, ist am besten geeignet für Hexen und Zauberer, die Willensstärke, Mitgefühl und Weisheit besitzen. Aber während Drachenherzfaser häufig auch mit Wildheit, Wagemut und Ehrgeiz verbunden ist, bevorzugt Thestralenhaar in seinem Besitzer Eigenschaften die – wollen wir sagen – weiblicher sind, wie Einfühlsamkeit, Loyalität, Fürsorge und Sanftmut."
"Tatsächlich?" fragte sie, und sah sehr überrascht aus. "Das habe ich nicht gewusst."
"Wollen Sie mir sagen, dass Sie es nicht umgehend nachgeschlagen haben?" Er hätte vermutet, dass es das erste war, was sie nach Erwerb des neuen Zauberstabes getan hatte – ganz besonders nachdem er ihr Probleme bereitete. Dass sie es nicht getan hatte, war ausgesprochen seltsam.
"Ich hatte Angst, es würde etwas Düsteres sein", gestand sie. "Etwas, das mit Tod und Verlust und Traurigkeit zu tun hat."
"Weil man Thestrale nur sehen kann, wenn man den Tod gesehen hat?"
Sie nickte. Sie hatte befürchtet, der zusätzliche Thestralenhaarkern wäre Beleg dafür, wie zerbrochen sie innerlich war... der Beweis, dass etwas in ihr gestorben oder zumindest verwelkt war. Die Information, die sie gerade bekommen hatte, ergabt Sinn: Was gestorben war, war ihre Entschlossenheit, ihr Antrieb und ihr Ehrgeiz.
"Ungeachtet ihrer eher finsteren Erscheinung sind Thestrale eher sanfte Kreaturen. Herdentiere, intelligent und loyal, obwohl sie auch sehr wild sein können. Ich denke, der Doppelkern gibt Ihnen Optionen, Miss Granger."
"Optionen?" Sie sah ihn fragend an. Er schien ganz andere Schlüsse gezogen zu haben als sie.
"In der Tat. Sie haben immer noch das Potential, Großes zu vollbringen, was die Drachenherzfaser schon immer unterstützt hat. Aber das Thestralenhaar unterstützt auch jene, die einen weniger ambitionierten, weniger ungestümen Pfad einschlagen. Hier, hören Sie: 'Sie können sehr ehrgeizig und ambitioniert sein, wenn Sie sich dazu entschließen, aber Sie ebensogut könnten Sie mit einem einfachen Leben und einfachen Freuden zufrieden sein. Oft sind Sie sehr reif für Ihr Alter, selbst, wenn sie noch jung an Jahren sind.'"
Er senkte das Buch und sah sie mit großem Ernst an. "Ich glaube, Sie haben einen sehr gut zu Ihnen passenden Zauberstab gefunden, Miss Granger. Ihre Probleme gründen vermutlich in Ihrer Skepsis gegenüber dem Thestralenhaar. Fürchten Sie es nicht – ergreifen Sie die Möglichkeiten, die es Ihnen bietet."
Was er ihr nicht gesagt hatte war, dass Thestralenhaar Zauberstäbe auch bekannt dafür waren, für jene schlecht zu funktionieren, die sich verloren hatten. Aber er glaubte nicht, dass sie verloren war. Sie war nur ein wenig vom Weg abgekommen, im Moment.
Hermine dachte eine Weile schweigend über das nach, was sie erfahren hatte, während er ein paar Zauber auf ihren Zauberstab sprach. Wenn sie den Mut gehabt hätte, die Information über das Thestralenhaar selbst zu recherchieren, hätte sie früher ihren Frieden mit ihrem neuen Zauberstab schließen können. Vor dem Krieg hätte sie nicht gezögert. Warum war sie jetzt so unsicher? Sie hatte nicht bemerkt, dass sie die Frage laut ausgesprochen hatte, bis er antwortete: "Es gab eine Menge Dinge, mit denen Sie fertigwerden mussten. Was Sie erlebt haben, hat Narben hinterlassen, nicht nur körperliche."
"Viele Leute haben wirklich schlimme Dinge erlebt. Im Vergleich mit den meisten bin ich ziemlich gut weggekommen."
"Und das, was Ihnen in Malfoy Manor angetan wurde?"
Sie veränderte unbehaglich ihre Sitzposition und wandte den Blick ab. "Nun, man kann wohl nicht in einen Krieg ziehen und erwarten, ohne die ein oder anderen Narbe wieder heimzukehren. Ich habe überlebt, viele andere nicht. Ich sollte glücklich sein und dankbar, und das Leben genießen, nun, da es nicht länger von Voldemort überschattet ist. Aber ich weiß nicht, wie. Da ist so eine Leere, die vorher nicht da war. Ich kann es nicht beschreiben..."
"Natürlich verspüren Sie eine Leere. Der Dunkle Lord war ein dominierender Faktor in unser aller Leben, und seine Existenz hat lange Jahre unser Handeln bestimmt. Nun, da er fort ist, ist auch dieser Antrieb verschwunden."
"Das erklärt immer noch nicht, wieso ich mich so fühle, wie ich es die meiste Zeit tue... ängstlich, schreckhaft, deprimiert, ziellos. Bei jemandem wie Lavender ist das nachvollziehbar, nach dem, was Greywolf ihr angetan hat... Sie wird nie mehr die selbe sein. Ihre Narben kann sie nicht einmal unter langen Ärmeln verstecken. Greywolf war da, in Malfoy Manor. Es hätte auch mich treffen können ..."
Er warf ihr einen ungläubigen Blick zu. "Und weil Sie nicht tatsächlich von Greywolf vergewaltigt, zerbissen oder mit sichtbaren Narben versehen worden sind sondern diesem Schicksal nur knapp entgingen, meinen Sie, Sie hätten nicht das Recht, von den Erlebnissen traumatisiert zu sein?"
"Ich meine nur, dass es keinen nachvollziehbaren Grund gibt, jetzt zusammenzubrechen. Wir haben alle gelitten. Sie vermutlich am meisten. Und dennoch sind Sie hier – tun Ihre Arbeit und machen mit Ihrem Leben weiter, und zwar ohne Panikattacken oder Albträume. Sie haben das alles verarbeitet."
"Sie führen mich als Beispiel für jemanden an, der lebt, klarkommt und weitermacht?" Er schnaubte. "Zum Leben gehört mehr, als zu funktionieren, Miss Granger. Jedenfalls hat man mir das gesagt."
"Ja, es sollte mehr dazugehören. Und dennoch – im Moment scheint es alles zu sein, wozu ich in der Lage bin: Atmen, jeden Morgen aufstehen, essen, tun, was an dem Tag zu tun ist... Aber ich habe keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anstellen will. Ich kann mir meine Zukunft nicht vorstellen. Ich kam nur hierher zurück, weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte machen sollen, weil es keinen anderen Ort gab, an den ich hätte gehen können und weil ich mich nach all dem Wahnsinn nach etwas Vertrauten gesehnt habe."
Ja, das spiegelte exakt seine eigenen Beweggründe wieder. Er war zurückgekommen, weil er sonst das Gefühl gehabt hätte, Hogwarts als geschlagener Mann verlassen zu haben. Dieses Kapitel seines Lebens hatte ein besseres Ende verdient. Aber bislang hatte auch er noch keine weiteren Pläne gemacht. Abgesehen von dem Antrieb, seine Mission zu erfüllen, hatte er noch nie wirklich Pläne für sein Leben gehabt. Aber er konnte nachvollziehen, warum sie das beunruhigend fand. Sie, die immer Pläne und genaue Zeitvorgaben für alles hatte, fand sich nun orientierungslos dahintreibend, ohne den Mut oder die Kraft, Entscheidungen zu treffen.
"Sie sind nicht die einzige, die sich so fühlt", sagte er ihr, wieder einmal mehr preisgebend, als er es sich je hatte vorstellen können. "Betrachten Sie dieses Jahr als Time-Out. Das ist das, was ich tue. Zeit, um das, was passiert ist, zu verarbeiten, einen neuen Sinn zu finden. Es wird alles wieder zu Ihnen zurückkommen, wenn Sie sich die Zeit geben. Sie müssen jetzt rein gar nichts entscheiden."
Sie lächelte. "Für jemanden, der sich für einen schlechten Ratgeber hält, sind Sie unglaublich hilfreich. Danke!"
"Nun, ich beabsichtige dafür zu sorgen, dass auch Sie unglaublich hilfreich sein werden, also gibt es keinen Grund, mir zu danken", sagte er etwas unwirsch. Er fühlte sich unbehaglich angesichts ihres Lobs. Er konnte sich nicht erinnern, dass Leute ihm je für irgend etwas gedankt hatten, und sie machte eine beunruhigende Gewohnheit daraus.
"Hier – das werden Sie ebenfalls brauchen." Er reichte ihr eine rote Feder. "Sie braucht keine Tinte und ist so verzaubert, dass sie meine Handschrift imitiert – und meinen Stil. Ich kann nicht zulassen, dass Sie meinen Schülern gegenüber zu nachsichtig sind."
Hermine nahm sich ein Stück Pergament und schrieb darauf: 'Ich bin dankbar für Ihre Hilfe.' Die Buchstaben verwandelten sich augenblicklich in seine unverwechselbare, spitze, jedoch dennoch merkwürdig elegante Handschrift, und der Satz las sich nun: 'Ihre Bemühungen bezüglich meiner Person sind nicht gänzlich unbemerkt geblieben.' Hermine zog die Augenbrauen hoch. "Oh, ist das nicht interessant...?" murmelte sie, und probierte es erneut. 'Ich mag unsere Unterhaltungen' wurde zu 'Ihrem ständigen Geplapper zuzuhören ist nicht so unerquicklich, wie man erwarten würde' und 'Ich mag Sie' verwandelte sich augenblicklich in 'Sie sind weitaus weniger unerträglich als der Rest der Leute, mit denen ich mich täglich abgeben muss.'
"Oh, ich glaube, ich werde wirklich viel Spaß hiermit haben!" sagte sie entzückt. "Funktioniert es auch umgekehrt? Sie wissen schon – kann die Feder Snape-verschlüsselte Sätze wieder in ihre tatsächliche Bedeutung zurückübersetzen?"
"Werden Sie nicht wieder unverschämt, Miss Granger!" mahnte er streng. "Ich kann Sie immer noch Kessel oder den Laborfußboden schrubben lassen, anstatt Sie Tränke brauen zu lassen!"
"Ach, das wäre aber so eine Verschwendung meines Talents..." Sie packte ihre Sachen zusammen und reichte ihm das Pergament mit den verwandelten Sätzen. "Nur, damit Sie es wissen..." Mit einem Grinsen, das definitiv frech war, stand sie auf. "Ich sehe Sie morgen, Professor Snape. Und ich freue mich schon darauf."
A/N: Die Zitate wurden "Tutorial 1: Wands and Cores" von Anna Brelin entnommen; zu finden auf .
Informationen darin können auch auf anderen Webseiten gefunden werden (wie http / mischiefmanagedhpwiz), wo man sich auf Garrick Olivander bezieht. Ich habe also Grund anzunehmen, dass das meiste davon im Einklang mit dem Original steht.
Was die potentielle Beziehung zwischen Harry und Draco angeht: Ich habe Harry's Coming-out im ersten Teil eher spontan als Idee für seine Schuld gegenüber den Nimmerfeen benutzt. Es spielte zu dem Zeitpunkt keine große Rolle. Da ich in dieser Geschichte nun meiner eigenen Vorgabe folgen muss, dachte ich, es wäre einigermaßen logisch und interessant, ihn mit Draco zusammenzubringen. Es wird aber auch kein allzu wichtiger Bestandteil dieser Geschichte sein, sodass ich hoffe, es wird niemandem etwas ausmachen. Arme Ginny! Ich mochte Harry in Beziehung mit ihr. Ich sollte sie vielleicht einen netten, jungen Mann finden lassen, in den sie sich verliebt – am besten einen Muggel, der rein zufällig Peter Potter heißt. Arthur wäre begeistert, und sie könnte immer noch die Mutter von Albus Severus Potter werden, um nicht Ms. Rowlings Folgegeschichte komplett zu ruinieren. ;)
Oh, und habe ich erwähnt, dass ich Luna total klasse finde?
