Zusammenfassung des vorherigen Kapitels
Hermine hat einen weiteren Albtraum über ihre schlimmen Erlebnisse in Malfoy Manor, über Naginis Angriff in Godric's Hollow und über Severus Beinahe-Tod in der Heulenden Hütte. Zu aufgewühlt, um wieder in den Schlaf zu finden, macht sie sich auf den Weg hinunter in die Küche, aber läuft dabei Severus über den Weg. Er begleitet sie, und Hermine erzählt ihm von ihrem Traum, in der Hoffnung, dass er sie von der Schuld freispricht, die sie noch immer mit sich herumträgt. Darüber hinaus wird Severus klar, dass es Hermine war, die einen wortlosen Heilzauber auf ihn gelegt hatte um nach Naginis Angriff seine Blutungen zu stoppen, was ihn zumindest so lange am Leben hielt, bis Draco ihn finden konnte.
Als er sie in ihr Zimmer zurückbegleitet, gibt er ihr - sehend, dass sie in ihrem eigenen friert – seinen Umhang. Hermine ist verzückt, nicht nur wegen der Wärme und der Weiche, sondern weil er nach ihm riecht. Sie ist entschlossen, ihn nicht so schnell wieder herzugeben.
Die zweite Okklumentikstunde
Hermine und ihr Zaubertränkelehrer trafen sich am nächsten Abend zu einer weiteren Unterrichtsstunde in Okklumentik wieder. Keiner von beiden erwähnte ihr nächtliches Treffen. Hermine brachte es nicht zur Sprache, weil sie fürchtete, er könne nach seiner Robe fragen, was er aber nicht tat. Anscheinend hatte er sie völlig vergessen.
Die einzige Bemerkung, die er bezüglich der Tatsache machte, dass sie beide in der vorhergehenden Nacht nur wenig geschlafen hatten, war die Frage, ob sie sich erholt genug fühlte um sich seinem Eindringen in ihren Geist erneut auszusetzen. Er hatte offenbar wirklich Sorge, ihre Reserven zu stark zu beanspruchen, was Hermine für übertrieben hielt. Es war nicht so erschöpfend gewesen, wie er es darstellte, und das sagte sie ihm auch.
"Sie hatten nicht mal Kopfschmerzen?" hakte er nach, unverkennbar skeptisch.
"Nein, es geht mir gut," versicherte sie ihm. "Ich habe überhaupt keine Probleme gehabt – weder während Sie in meinem Geist waren, noch danach. Abgesehen von dem merkwürdigen Gefühl, eine fremde Präsenz darin zu spüren, hat es sich eigentlich ganz gut angefühlt."
Zu behaupten, Severus wäre über diese Aussage überrascht gewesen, war milde ausgedrückt. Noch nie hatte er jemanden ein Eindringen in den Geist als 'sich gut anfühlend' beschreiben hören. Die einzigen Personen, die je in seinem Kopf herumgewühlt hatten, waren Dumbledore und der Dunkle Lord gewesen, und obwohl Dumbledore eindeutig der Behutsamere von beiden gewesen war, war doch keine der Erfahrungen schmerzlos gewesen.
"Ich habe nicht versucht, Ihre Barrieren mit brutaler Gewalt zu überwinden", versuchte er sich in einer Erklärung. "Glauben Sie mir, das hätten Sie als deutlich schmerzhaft gespürt. Ihre Eiswand mag auf den ersten Blick sehr wehrhaft ausgesehen haben, aber letztendlich war sie leicht zu überwinden – wenngleich es eine ungewöhnliche Herangehensweise erforderte. Abgesehen davon bin ich auch nicht sehr tief in Ihren Geist eingedrungen um nach einer speziellen Erinnerung zu suchen. Ich bin einfach nur hinter Ihre Schilde geglitten und habe Ihre Gedanken gestreift, sie einfach auf mich zukommen lassen. Wissen Sie, warum Sie mir ausgerechnet die Erinnerungen präsentiert haben, die ich dann zu sehen bekam?"
Sie nickte. "Um meine Wand zu überwinden, haben Sie Wärme projiziert, wodurch die Mauer geschmolzen ist. Und die Gefühle, die Sie projiziert haben, haben ähnliche Gefühle an die Oberfläche meines Geistes gerufen."
"Sehr gut, Miss Granger. Ein 'O' für Ihr Verständnis der Theorie. Ja, das ist die einfachste Methode für einen Legilimentiker – Ihnen einen Gedanken oder eine Emotion zuzuspielen und einfach mal abzuwarten, was kommt. Die Idee ist natürlich, dass Sie so einer 'Anfrage' nicht nachkommen."
"Soll ich also die Wand nicht weiter benutzen?"
"Sie ist ziemlich nutzlos, nun, da ich weiß, wie ich sie zum schmelzen bringe, oder? Vergessen Sie nicht, Miss Granger – es geht hier nicht primär darum, mich aus Ihrem Geist fernzuhalten – das können Sie nicht – es geht darum zu lernen, Ihre Gedanken zu kontrollieren. Was in diesem Fall heißt, mich nicht sehen lassen, was ich nicht sehen soll."
Hermine dachte einen Moment darüber nach. Was sonst könnte sie als Schild benutzen? Sie wusste, dass Ziegelwände nicht gut funktionierten, und alles, was ihr sonst noch einfiel, wäre ähnlich leicht zu durchbrechen. Ihr Lehrer hatte Harry damals immer wieder gesagt, er solle seinen Geist leeren... egal, nach welcher Information er auch fragte, Harry sollte ihm nur Leere präsentieren. Aber wie konnte Leere als Schild funktionieren? Ihn nicht fernhalten, sondern ihn daran hindern, etwas zu sehen?
Das Bild einer leeren Leinwand kam ihr in den Sinn, und sie hielt daran fest. Es war vermutlich auch nicht die Antwort, aber vielleicht war es den Versuch wert. Spontan fiel ihr jedenfalls auch nichts Besseres ein. "Okay, ich versuche etwas anderes."
"Bereit?"
"So bereit ich sein kann."
"Gut, dann..." Er senkte die Spitze seines Zauberstabes und zielte auf ihre Stirn. "Legilimens!"
Dieses Mal fand er sich vor einer weiten, leeren Oberfläche wieder. Es war keine Wand und auch kein Eis – am ehesten sah es nach einer Wäscheleine aus, die mit makellos weißem Tüchern bespannt war. Kurios. Er ließ einen geistigen Wind entstehen, nur eine Brise, um zu sehen, was passieren würde. Der Stoff wogte und beulte sich, blieb aber ansonsten an Ort und Stelle haften, an allen Seiten fest verankert. Es war also weniger eine Wäscheleine als eine Art riesiger Leinwand. Der Stoff war fest, aber sicher nicht reißfest. Allerdings war er nicht angetan von der Idee, sich seinen Weg hinein freizuschneiden oder an dem Material zu reißen. Er untersuchte es näher, sah sich jeden einzelnen Faden an, um eine Schwachstelle zu finden oder ein Loch, an dem er zupfen konnte.
Letztendlich war es erstaunlich simpel: Ein klein wenig frickeln und friemeln, und es löste sich ein Faden. Er musste nur noch leicht ziehen, damit der Stoff aufribbelte. Das Material fiel auseinander und erlaubte es ihm, hinter das Laken zu schlüpfen.
Abermals fand er sich auf der Schwelle ihres Geistes wieder, der sich nun vor ihm erstreckte als eine endlose Reihe weiterer weißer Leinwände. Er war ziemlich beeindruckt von ihrer Visualisierung. Potter hatte es nicht mal annähernd geschafft, dem Leeren seines Geistes so nahe zu kommen. Aber obwohl sie ihre Gedanken erfolgreich von Bildern frei gemacht hatte, so hatte sie es nicht geschafft, sich auch von Emotion zu befreien. Sie waren genauso greifbar wie beim letzten Mal, als er in ihren Geist eingedrungen war, und genauso erdrückend.
Die vorherrschenden Gefühle waren Anspannung und Nervosität, was er zuerst der augenblicklichen Situation – seinem Eindringen – zuschrieb. Aber dann stellte er fest, dass das Gegenteil zutraf. Die innere Unruhe und die Ängstlichkeit waren schon vorher da gewesen – seine Gegenwart empfand sie ganz im Gegenteil dazu als Quelle der Ruhe und sogar des Trostes. Die Erkenntnis verwirrte ihn einen Moment lang und brachte ihn beinahe von seiner Spur ab. Ihre Angst war jedoch zu dicht und zu greifbar, um sie so leicht aus den Augen zu verlieren.
Die stärkste Quelle ihrer Unsicherheit und Sorge schien ihren erst kurz zurückliegenden Erlebnissen geschuldet zu sein, und einer unterschwelligen, noch immer andauernden Alarmbereitschaft. Er hielt sich an diese unbestimmte Angst vor Gefahr, da es die deutlichste und somit am leichtesten zu verfolgende Emotion war, und stieß bald auf Erinnerungen, die mit dem Krieg in Zusammenhang standen. Sie fürchtete, wieder in die Hände von Todessern zu geraten, gefangen genommen und gefoltert zu werden, hilflos zu sein. Er sah kurz Bilder von Bellatrix und Greywolf aufblitzen, die ihn sich jedoch rasch abwenden und einer anderen Bewußtseinsströmung folgen ließen. Dies waren Erinnerungen, die keiner von ihn zu betrachten wünschte. Er war sicher, dass sie häufig in ihren Albträumen eine Rolle spielten, ebenso wie die Ereignisse in der Heulenden Hütte, und er hatte ebensowenig Verlangen, letztere zu sehen.
Diesmal konzentrierte er sich auf das weniger scharfe, ängstliche Unbehagen, das er rasch als Angst, Entscheidungen zu treffen, identifizieren konnte. Es überraschte ihn – er hatte nicht erwartet, es in einem stets verstandsgesteuerten, resoluten Mädchen wie ihr zu finden. Er sah Bilder und Erinnerungen des letzten Jahres vorbeiziehen, in dem sie und die Jungen auf der Jagd nach den Horkruxen gewesen waren und versuchte hatten, die beinahe unmögliche Mission zu erfüllen, die ihnen der Schulleiter aufgebürdet hatte. Und er fand bestätigt, was er immer vermutet hatte: Die meiste Zeit über war sie diejenige gewesen, die alles zusammengehalten hatte. Wie Dumbledore gesagt hatte, war sie die Stimme der Vernunft, das Gehirn des Trios gewesen, diejenige, von der sich ihre minderbemittelten Freunde stets alle Antworten erhofft hatten. Sie waren mit halbgaren Ideen gekommen, aber es war ihr Job gewesen, diese in tragbare Pläne zu entwickeln, zu entscheiden, wie man am besten vorgeht und was man bedenken musste, dass ihre aberwitzigen Vorhaben nicht im Desaster endeten. Sie hatte einen Grossteil der Verantwortung getragen, da ihre Freunde sich auf ihren gesunden Menschenverstand und ihr Wissen verlassen hatten. Und die ganze Zeit hatte sie unter dieser Last gewankt, hatte sich ständig selbst hinterfragt und ihre eigenen Ratschläge angezweifelt, Sorge gehabt, dass sie falsch lag und alle ins Unglück führen würde.
Und dort, in den Erinnerungen an jene Wochen, die sie in einem Zelt lebten, stets hungrig, frierend und niedergeschlagen, fand er einen anderen Aspekt ihrer Furcht, etwas, das sogar noch tiefer ging als die mit dem Krieg verbundenen Ängste. Als er versuchte, diese näher zu betrachten, konnte er fühlen, wie sie versuchte, sich dem entgegenzustemmen. Hastig errichtete Wände standen plötzlich in seinem Weg, aber wenngleich sie kurzzeitig die Bilder verwischten, die mit bestimmten Erinnerungen zusammenhingen, so konnte er noch immer den damit verbundenen Gefühlen folgen und so die Hindernisse umgehen.
Ihre tiefstliegende Furcht, der er nun folgte, war die Angst, Menschen zu verlieren, die ihr etwas bedeuteten. In Anbetracht der Tatsache, dass sie gerade einen Krieg durchlebt hatten, war dies kaum überraschend, aber zu seiner großen Verwunderung fürchtete sie nicht nur um das Leben ihrer Liebsten. Sie fürchtete, Menschen, die sie liebte, zu verlieren, weil sich unfähig war, sie zu halten.
In rascher Folge blitzten weitere Erinnerungen auf. Er sah sie als kleines Mädchen in einer Muggelschule, immer alleine oder in Gesellschaft Erwachsener, da sie nie zu den anderen Kindern gepasst hatte. Als sie nach Hogwarts gekommen war, eifrig bestrebt, zu beweisen, dass dies die Welt war, in die sie gehörte, fanden die anderen Schüler sie seltsam und reagierten ablehnend auf ihre altkluge Art. Bis zu dem Vorfall mit den Troll, der irgendwie ein Band zwischen ihr, Potter und Weasley hatte entstehen lassen, war es ihr nicht gelungen, Freunde zu finden. Tatsächlich war ihre Beziehung zu den beiden Jungen die erste Freundschaft überhaupt, und sie bedeutete ihr alles. Aber als ihre Gefühle für den Rotschopf über Freundschaft hinauswuchsen, bemerkte er sie nicht mal, und sie fühlte sich abermals zurückgewiesen.
Severus war wie vor den Kopf geschlagen von den Ähnlichkeiten in ihrer und seiner eigenen Vergangenheit. Er war auch immer der Außenseiter gewesen, und seine Freundschaft zu Lily war die einzige gewesen, die er hatte aufrecht erhalten können, zumindest für eine Weile. Bis unerwiderte, wachsende Gefühle die Dinge verkompliziert hatten. Er war abgewiesen worden und alleine zurückgeblieben. Er sah nun, dass Hermine lange Zeit mit der Angst gelebt hatte, es könne ihr genau so ergehen.
Die mit Weasley verknüpfte Erinnerung führte ihn zurück in den Wald, wo er Zeuge wurde, wie der Rotschopf ihr den Rücken zukehrte und sie vor dem Zelt stehen ließ, blass und niedergeschlagen. Verbunden mit dieser Erinnerung waren Gefühle von Verlust und Wut, aber auch von jener Unzulänglichkeit, die ihm schon vorher aufgefallen war, und die ihn immer noch überraschte. Was hatte ausgerechnet sie für einen Grund, sich unzulänglich zu fühlen? Aber es gab keinen Zweifel – tief in ihrem Inneren war Hermine Granger zutiefst unsicher. Sie lebte in der ständigen Angst, dass Menschen sie verlassen könnten, weil das, was sie zu bieten hatte, nicht genug war, um sie zum Bleiben zu bewegen. Er kam nicht umhin zu bemerken, dass diese Ängste stark mit ihrer Sexualität verknüpft waren. Wie sie ihm bereits anvertraut hatte: Keiner der Personen, für die sie sich – wie flüchtig auch immer – interessiert hatte, war in der Lage gewesen, auch nur eines ihrer Bedürfnisse zu stillen; keiner hatte ihr das Gefühl von Nähe gegeben, das Gefühl, dazuzugehören, oder wenigstens die Akzeptanz, nach der sie sich sehnte.
Er schluckte schwer, als er erkannte, dass auch er selbst zu diesen Personen gehörte. Er kam nicht umhin, Erinnerungsfragmente von sich selbst zu sehen: Wie er sie im Zaubertrankunterricht niedermachte, weil sie wieder eine Textbuch-Antwort gegeben hatte, weil sie einen viel zu langen Aufsatz geschrieben hatte oder einen uninspirierten Zaubertrank gebraut hatte. Er sah sich selbst, wie er sie in Verteidigung lächerlich machte und sie in jener schicksalhaften Nacht in seinem Büro abwies. Ihr Gefühl von Versagen, ihre Enttäuschung und ihre Traurigkeit brachten ihn ins Stolpern.
Nachdem er es geschafft hatte, sich aus den Fäden zu befreien, in denen er sich kurz verfangen hatte, fragte er sich, ob dies ein bewußter Versuch ihrerseits gewesen war, ihn aus der Balance zu bringen. Er wollte auf keinen Fall in andere Erinnerungen hineinstolpern, die ihn selbst in ihrem Geist zeigten, und griff schnell nach dem Gefühlsfaden, dem er zuvor schon gefolgt war – ihrer Verlustangst.
Die Erinnerungen, die nun auftauchten, waren verwirrend. Er sah eine Frau, die sich wie Hermine anfühlte, aber eindeutig nicht Hermine war. Oder etwa doch? Sie sah viel älter aus. Es war niemand anders zugegen, und sie konnte unmöglich Erinnerungen einer anderen Person haben. Die Szene, die er sah, wirkte nicht besonders aufregend – nur eine Frau, die Formulare ausfüllte, wie es aussah, in einer Bank. Warum also dieses überwältigende Verlustgefühl in diesem Zusammenhang?
Ehe er sich das näher ansehen konnte, stürzten andere Bilder auf ihn ein, und diesmal sah er Hermine zu der Frau sprechen, die er gerade gesehen hatte. Jetzt allerdings saß sie neben einem Mann auf einem weißen Ledersofa. Als er die drei zusammen sah, war ihm sofort klar, dass es sich um die Grangers handeln musste. Aber etwas an dieser Erinnerung schien ebenfalls falsch. Hermine verhielt sich seltsam distanziert, kühl und geschäftsmäßig, und die Granger erschienen – verwirrt. Sie sprachen über ihren bevorstehenden Umzug, und obwohl die Unterhaltung unemotional und sehr sachlich war, waren es die Gefühle, die mit der Erinnerung verwoben waren, absolut nicht. Sie waren geprägt von Verlust, der Furcht, geliebte Menschen zu verlieren und einem überwältigenden Gefühl von Einsamkeit. Aber er konnte auch ein unterschwelliges, starkes Schuldgefühl entdecken.
Es war geradezu erdrückend. Er konnte fühlen wie es anschwoll, während er es betrachtete, ihn von allen Seiten umschloss und es schwierig machte, überhaupt noch etwas anderes wahrzunehmen. Es wäre wieder eine beeindruckende Methode gewesen, seine Sicht zu behindern, sofern dies ihre Absicht gewesen wäre. Er war sich allerdings sicher, dass dem nicht so war. Er hatte nur zufällig an etwas gerührt, dass sie innerlich verzehrte.
In Sorge, er könne das Gewebe ihres Geistes beschädigen, wenn er versuchte, die Schlingen und Knoten dieser besonderen Gedanken, Erinnerungen und Gefühle zu entwirren, löste er sich behutsam aus ihnen heraus und zog sich aus ihrem Geist zurück.
Als seine Wahrnehmung wieder in seinem physischen Körper verankert war, sah er, dass sie weinte. Kein Wunder – er hatte sie gerade alle ihre Ängste und Verluste erneut durchleben lassen. Wieder überwältigte ihn ein Gefühl der Hilflosigkeit. Wortlos reichte er ihr ein Taschentuch und spielte mit dem Gedanken, sich zurückzuziehen und ihr Raum zu geben, sich wieder zu fangen. Aber irgendwas sagte ihm, dass Distanz jetzt nicht das war, was sie brauchte. So blieb er an ihrer Seite sitzen, beobachtete sie und wartete schweigend darauf, dass ihr Weinen nachließ. Wiederholt wünschte er sich, er wäre besser in diesen Dingen – oder zumindest in einer Position, die es ihm erlaubten, diesem merkwürdigen Drang nachzugeben, sie in die Arme zu schließen und ihr bei ihrem Zusammenbruch Halt zu geben.
Stattdessen begnügte er sich mit dem Allheilmittel des Engländers für alle ausweglosen Situationen und machte Tee. Er wartete geduldig, bis sie sich wieder unter Kontrolle hatte, ihre Nase geputzt, die Augen getrocknet und die Tasse mit Tee entgegen genommen hatte, die er ihr reichte. Erst dann fragte er mit ruhiger Stimme: " Was ist mit Ihren Eltern geschehen, Miss Granger?"
Sie versteifte sich, dann ließ sie die Schultern hängen und ihren Kopf nach vorne sacken, sodass ihr Gesicht von ihren Haaren verborgen war. Ihre Stimme, als sie schließlich antwortete, war so leise, dass er sie kaum hören konnte. "Ich habe sie fortgeschickt."
"Das habe ich fast vermutet. Wohin haben Sie sie geschickt?"
"Australien. Ich wollte, dass sie sicher sind, und dachte, das wäre weit genug weg für Voldemort, sich nicht weiter um sie zu scheren."
Das war sicherlich ein nachvollziehbarer Gedanke, und er sagt es ihr. "Ich wusste, dass Ihre Eltern hoch auf der Liste der Zielpersonen standen, und habe auch Dumbledore mehrfach diesbezüglich gewarnt. Was ist geschehen? Wurden sie gefunden?" Er konnte sich kaum vorstellen, dass der Dunkle Lord die Grangers bis ans andere Ende der Welt verfolgt hatte. So wichtig waren sie nun auch wieder nicht gewesen. Aber was sonst konnte das überwältigende Schuldgefühl erklären, den starken Kummer und das tiefe Gefühl von Verlust, den sie empfand, wenn sie nicht tot waren?
Zu seiner Verwunderung schüttelte sie den Kopf. "Nein. Sie sind noch am leben. Aber – sie wissen nicht mehr, dass sie eine Tochter haben. Ich habe ihre Erinnerungen gelöscht."
Er brauchte einem Moment um zu verstehen, was sie sagte. Es war unmöglich. Sie konnte das niemals allein geschafft haben. Gezielte Erinnerungszauber waren unglaublich komplex. Natürlich konnte man immer versuchen, einfach den ganzen Geist zu löschen, aber das war nicht ratsam. Man konnte nie vorhersagen, was geschehen würde. Die seltsamsten Dinge waren Zauberern geschehen, die einer umfassenden Gedächtnislöschung unterzogen worden waren. Sie hätte das nie ihren Muggeleltern angetan. Aber gezielte Erinnerungszauber waren nicht Teil des Hogwarts-Curriculums. Diese Sprüche wurden Auroren beigebracht, Ministeriumsmitarbeitern in der Abteilung für Magische Sicherheit, oder im Büro für Verdeckte Ermittlungen und Erinnerungsmodifizierungen. Was natürlich nicht bedeutete, dass nur solche Zauberer wussten, wie man diese Zauber anwandte. Er war selbst ganz gut darin – es half sicherlich, dass er ein hinreichend guter Legilimentiker war. Die einzige andere Person, die er kannte, die in Erinnerungszaubern hervorstach, war Dumbledore gewesen.
"Sie meinen, Sie haben Dumbledore gebeten, ihre Erinnerungen zu manipulieren?" vergewisserte er sich, überzeugt, dass es so gewesen sein musste. "Und Ihre Eltern haben dem zugestimmt?"
Sie schüttelte den Kopf, allerdings ohne ihm in die Augen zu sehen. "Ich habe Dumbledore gefragt, aber er wollte mir nicht ohne ihre Einwilligung helfen. Aber wie sollte ich je ihre Einwilligung dafür bekommen, mich aus ihren Erinnerungen zu löschen?"
"Sie – Sie wollten ihre Erinnerungen gegen ihren Willen löschen?" Er hielt seine Stimme bewusst neutral, aber innerlich war er geschockt. Hermine Granger, die Verfechterin von Regeln und Moral, hatte so ein ethisch fragwürdiges Vorgehen in Erwägung gezogen?
"Ich hatte keine Wahl..." sagte sie mit einer Stimme, die ihre Verzweiflung von damals widerspiegelte. "Ich habe meinen Eltern gesagt, was vor sich ging in der Zaubererwelt. Aber ich glaube, in ihren Ohren klang das alles wie ein bizarres Märchen. Ein böser Zauberer, der sich mit maskentragenden Gefolgsleuten umgab, die sich selbst Todesser nannten und die Weltherrschaft anstrebten... Sie haben es nicht ernst genommen und wollten nicht glauben, dass das in ihrer Realität eine Bedrohung darstellen konnte."
"In ihrer Realität?" wiederholte er. Als gäbe es eine weitere. "Sie hatten eine Hexe als Tochter. Sicher war ihnen doch bewusst, dass alles in der Zaubererwelt höchst real war..."
Hermine schüttelte den Kopf. "Nein, nicht wirklich. Für sie blieb das alles immer abstrakt. Sie waren nie in Hogwarts. Sie konnten ja nicht einmal die Plattform 9 3/4 betreten und den Hogwartsexpress sehen. Zuhause durfte ich meinen Zauberstab nicht benutzen, wegen der Bestimmungen zur vernunftgemäßen Beschränkung der Zauberei Minderjähriger, sodass sie kaum etwas Magisches zu Gesicht bekamen. Die Weasleys waren die einzige Zaubererfamilie, der sie je begegnet waren, und das auch nur einmal, in der Winkelgasse. Ansonsten hatten sie keinerlei Bezug zur Zauberwelt. Es war für sie überhaupt keine Welt. Nur diese eine Straße und eine Schule, in die sie nie einen Fuß gesetzt hatten. Wie konnte ich erwarten, dass sie es ernst nehmen würden?"
Sie machte eine Pause und nippte an ihrem Tee, während Severus sich abermals wie überfahren fühlte. Sie hatte recht. Warum hatte er das alles nie gesehen? Warum hatte niemand auch nur einen flüchtigen Gedanken daran verschwendet, wie Muggeleltern ihre Welt sahen? Das Geheimhaltungsgebot verlangte, dass Eltern von Muggelgeborenen praktisch vom Leben ihrer Kinder ausgeschlossen wurden. Abgesehen von diesem einen, obligatorischen Besuch des Schulleiters oder Schulleitervertreters zu dem Zeitpunkt, da ein Muggelstämmiger seinen Hogwartsbrief bekam, hatten die Eltern keinerlei Kontakt zur Zaubererwelt. Es gab keinen Tag der offenen Tür, keine Elternsprechtage oder Schulfeste, zu denen sie eingeladen wurden. Es war erstaunlich, dass sie überhaupt bewegt werden konnten, ihre Kinder in die Obhut von Leuten zu geben, die ihnen sehr merkwürdig vorkommen mussten, und sie an einen Ort zu schicken, den sie nicht einmal sehen konnten. Und was für einen Druck übte das auf Muggelgeborene und ihre Familien aus? Sie konnten am Leben ihrer Kinder plötzlich nicht mehr teilhaben, nie ein fester Bestandteil darin sein. Wie vielen anderen Schüler war es all diese Jahre ähnlich ergangen?
"Aber Sie haben ihnen doch sicherlich alles über Hogwarts erzählt und die Dinge, die Sie hier erlebt haben?" fragt er, obgleich er schon selbst Zweifel daran hegte.
Sie schnaubte. "Wie ich von einem Basilisken versteinert wurde, zum Beispiel? Mich selbst versehentlich in eine Katze verwandelt habe? Beinahe von einem Werwolf angegriffen wurde? Auf Thestralen nach London geflogen bin um einen geflüchteten Mörder vor einem schlangengesichtigen Psychopathen zu retten? Sie müssen verstehen, dass meine Eltern logisch denkende, wissenschaftliche Leute sind. Sie betrachteten die Zaubererwelt als eine Art kultähnlicher Bewegung exzentrischer Leute, die seltsame und rare Talente besitzen. Haben Sie je von LARP gehört?"
Er schüttelte den Kopf.
"Es ist eine Abkürzung für Live-Action-Role-Playing. Es gibt Enthusiasten überall auf der Welt, die regelmäßig sowas treiben. LARPs werden in einer öffentlichen oder privaten Umgebung ausgetragen und können Stunden oder Tage dauern. Es gib normalerweise kein Publikum. Die Leute schlüpfen in Charaktere einer oft mittelalterlichen Welt – wie Ritter, Hexen, Magier oder Zwerge. Sie ziehen sich an wie diese Helden und tragen entsprechende Ausrüstung, und auch die Szenerie ist entsprechend dekoriert. Dieser eine Tag in der Winkelgasse – für meine Eltern ist es gewesen, als hätten sie die Produktionsstätte für einen sehr aufwendigen Filmdreh betreten – eine hübsche Fantasiewelt, die sich ein paar Leute erschaffen haben. Zu glauben, dass es mehr wäre als das, hätte ihren grundsätzlichen Glauben darüber in Frage gestellt, wie diese Welt beschaffen ist."
"Und dennoch haben sie akzeptiert, dass ihre hochintelligente Tochter darin involviert wurde – anstatt zu Sinnen zu kommen und etwas – Normales zu tun?"
"Nun, das ist der Punkt: Sie wussten immer, dass ich nicht normal bin. Ich war immer die Außenseiterin in der Schule. Ich war auch zuhause die Außenseiterin. Nicht, dass Sie sich jetzt einen falschen Eindruck machen – meine Eltern liebten mich, aber sie habe mich nie wirklich verstanden. Für sie war das alles so, als hätten sie eine etwas aus der Norm fallende Tochter, die für den größten Teil des Jahres auf eine obskure Schule in Schottland verschwand. Sie haben mich unterstützt, weil es letztendlich nur auf eines ankam: Sie wollten, dass ich glücklich bin. Und wenn es mich glücklich machte, in einer schrägen Fantasiewelt zu leben, dann akzeptierten sie auch das. Ich sage nicht, dass sie nie versucht haben, mich wieder auf den Boden dessen zurückzuholen, was sie für die Realität hielten, denn das haben sie getan – oft genug, um mir damit auf die Nerven zu gehen. Sie haben bis zuletzt gehofft, dass ich auf die Universität gehen würde, wenn ich Hogwarts verlassen hätte."
"Um was genau zu studieren?"
Sie errötete. "Vermutlich Chemie. Es war meine Schuld, denke ich. Um ihnen zu erklären, was ich in Hogwarts so lernte, gebrauchte ich eine Menge Muggelreferenzen. Wenn ich ihnen vom Zaubertrankunterricht erzählte, dann ließ ich es wohl sehr wie Chemieunterricht klingen – das Arbeiten im Labor mit flüchtigen Substanzen und Zutaten, die aufeinander reagierten, das Zubereiten und Erforschen von Heilmitteln... Die Idee wurde noch dadurch unterstützt, dass sie mich häufig über arithmantischen Formeln für Professor Vector sitzen sahen, und im Zusammenhang sah es für sie wohl aus wie ein obskurer, aber durchaus fortschrittlicher Zweig der Wissenschaften.
"Sie haben nie von Ihren anderen Fächern berichtet?"
"Nun, ich habe überwiegend von meinen Lieblingsfächern gesprochen. Aus Geschichte der Magie wurde einfach Geschichte, aus Verteidigung gegen die Dunklen Künste wurde Selbstverteidigung und 'Alte Runen' klang bereits nach einem Archäologie-verwandten Fach. Ich habe nie Verwandlung erwähnt. Es war nicht so, dass ich sie bewusst irreführen wollte – ich habe nie gelogen. Ich habe lediglich in einem Kontext über das alles gesprochen, den sie verstehen konnten. Ihnen alles zu erzählen, hätte ihnen nur Sorgen bereitet, zumal sie ja nichts tun konnten, um zu helfen. Und nach einer Weile hatte ich die Befürchtung, dass die Wahrheit die Vorstellung zerstört hätte, die sich meine Eltern von der magischen Welt gemacht hatten – schrullig, aber harmlos."
"Ich vermute, Ihr Mangel an Klarheit und die Tatsache, dass Sie Ihre Eltern so lange im Dunkeln gelassen haben, hat Sie wieder eingeholt?"
"Mit voller Macht. Als ich ihnen schließlich während der Weihnachtsferien in meinem sechsten Jahr alles erzählte – über Harry, die Prophezeiung, die Angriffe auf Muggel, den Orden des Phönix... da glaubten sie mir nicht wirklich. Sie hatten vermutlich sogar Sorge, dass ich jetzt komplett den Verstand verloren hatte. Sie haben es einfach ... weggewischt. Meinten, dass – wenn die Umstände wirklich so schlimm wären wie ich sie beschrieben hatte – sie sowieso nicht ohne mich weggehen würden. Tagelang habe ich versucht, sie zu überzeugen, habe sie beschworen und angefleht... aber sie wollten mir nicht zuhören. Sie bestanden darauf: Entweder ich käme mit ihnen, oder sie würden überhaupt nirgendwo hingehen.
Ich wusste nicht, was ich sonst noch hätte tun können... Ich konnte sie nicht bleiben lassen, und ich konnte auch Harry nicht im Stich lassen. So kam mir dieser Plan. Ich brauchte einen Großteil des verbleibenden Schuljahres, um die Zaubersprüche zu finden und zu lernen, und sie an Ratten auszuprobieren. Und ich verbrachte den ganzen Sommer damit, die Details auszuarbeiten – ihnen neue Identitäten zu geben, ihre Finanzen zu regeln und ihren Umzug in die Wege zu leiten."
Einen Moment lang sah er sie sprachlos an. Einzig der unfehlbaren Kontrolle, die er über seine Züge hatte, war es zu verdanken, dass ihm der Mund nicht weit offen stand. "Unmöglich. Das ist ein absolut unmögliches Unterfangen. Nicht nur die Organisation des Ganzen. Aber man hat Sie nie die entsprechenden Erinnerungszauber gelehrt. Die können Sie unmöglich allein aus Büchern gelernt haben!"
"Nein. Ich hatte – andere Quellen."
"Also hat Ihnen doch jemand geholfen... Wer, wenn nicht Dumbledore?" Niemand aus dem Orden hätte sie dabei unterstützt, gegen den Willen ihre Eltern deren Erinnerung zu manipulieren. Es war ein Verstoß gegen sämtliche Gesetze und gegen die Ethik. Er selbst hätte es vielleicht getan, hätte sie ihn gefragt. Aber warum hätte sie sich hilfesuchend an ihn wenden sollen? Er hatte ihr nie einen Grund gegeben, ihm zu vertrauen. Und nur wenig später hatte sein Handeln allen klar und deutlich vor Augen geführt, dass ihm nicht zu trauen gewesen war.
"Nun, Dumbledores Beharren, dass es unethisch wäre, jemanden ohne dessen Einwilligung mit einen Vergessenszauber zu belegen, hat mich auf die Idee gebracht... Es ließ mich an jemanden denken, der völlig unethisch war und zugleich ein Experte auf dem Gebiet von Erinnerungszaubern..."
"Heiliger Merlin, Mädchen! Sagen Sie mir nicht, Sie reden von..."
Aber sie nickte und beendete mit tiefen Ernst seinen Satz: "Gilderoy Lockhart, jawohl. Ich habe ihn ein paar Mal in St. Mungo's besucht. Wissen Sie, was wirklich komisch ist mit seinem Erinnerungsvermögen? Er erinnert sich durchaus noch an bestimmte Dinge aus seinem Leben – sogar sehr detailreich. Sie müssen lediglich vorher seiner Erinnerung einen kleinen Stubs geben, indem Sie ihm die Fakten nennen. Wenn Sie ihm allerdings falsche Fakten geben – ihm zum Beispiel sagen 'Sie sind ein berühmter Quidditsch-Spieler!' – dann geht er sofort darauf ein und erzählt Ihnen alles, was Sie wissen wollen über sein Leben als Sport-Star. Bloß, dass es fast nur Blödsinn ist, zusammengedichtet aus Dingen, die er mal gehört oder gelesen hat oder sich einfach nur vorgestellt hat. Aber wenn Sie ihm die richtigen Hinweise geben, wie 'Sie waren ein Experte auf dem Gebiet von Erinnerungszaubern!' und ihn dann fragen, wie er es gemacht hat... nun, lassen Sie mich einfach nur sagen, dass ich erstklassige Instruktionen bekam. Und das Beste daran: Seine Fähigkeit, Dinge in sein Langzeitgedächtnis zu transferieren, ist irreversibel gestört. Am nächsten Tag hatte er vergessen, dass ich je dagewesen war. Ich musste mir also keine Sorgen machen, dass er je wieder in den Gedächtnissen von Leuten herumpfuschen würde."
"Ich kann kaum glauben, dass Lockharts Anweisungen in irgendeiner Form hilfreich gewesen sein sollen!"
"Oh, er mag in allen anderen Bereichen ein Betrüger und völlig inkompetent gewesen sein, aber er war wirklich ein Genie mit Vergessenszaubern. Vermutlich besser als die meisten Leute im Ministerium. Ich habe auch versucht, Informationen aus Arthur herauszubekommen, ohne ihn mißtrauisch zu machen – nur, um bestätigt zu bekommen, dass das, was Lockhart mir erzählte, nicht völliger Unfug war. Aber das war es ganz und gar nicht. Lockhart hat einen zwei-Wege-Zauber entwickelt, um Erinnerungen ganz gezielt anzugreifen: Einen, um alle Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis zusammenzubinden, und ein zweiten, um diese zu löschen. Ich habe meine Eltern einfach alles vergessen lassen, was mit dem Wort 'Hermine' in Zusammenhang stand."
"Sie haben also einen Großteil ihrer Erinnerung von gut 18 Jahren gelöscht? Sie dürften klaffende Löcher in ihrem Geist haben – ein so umfassender Zauber kann unmöglich funktionieren, ohne dass sie bemerken, dass etwas nicht stimmt."
"Das war mir bewusst. Und Lockhart hatte auch dafür eine Lösung: Eine Kombination aus einem Hypnose- und Verwirrungszauber, der eine Art Anregung implantiert. Sie funktioniert wie ein selbstheilendes Pflaster, das alle losen Enden zusammenfügt. Eine Cover-Story, wenn Sie so wollen, die ihr Geist als Gerüst verwenden konnte, um die Lücken zwischen Erinnerungsstücken zu füllen, die nicht recht zusammenpassten."
"Ich wage kaum zu fragen, was für eine Art Cover-Story Sie Ihren Eltern gaben..."
"Nun, aus Perspektive eines Muggels war sie vielleicht ein klein wenig überzogen, aber verglichen mit der Wahrheit wirkte sie geradezu banal. Ich habe ihnen die falsche Erinnerung eingepflanzt, dass sie beide ins Visier einer kriminellen Organisation geraten waren, da ihre zahnärztlichen Patientenakten drohten, die Identität eines einflußreichen Clanmitglieds auffliegen zu lassen. Es gab einen Versuch, diese Akten zu vernichten, aber meine Eltern überraschten die Täter zufällig bei ihrem Einbruch in die Praxis und wurden angegriffen. Sie beide erlitten Kopfverletzungen und partiellen Gedächtnisverlust. Dass sie Zeugen waren, machte sie noch mehr zur Zielscheibe, so dass die Regierung ihnen eine neue Identität gab und anriet, das Land eine Weile zu verlassen."
"Ich vermute, Sie haben ihnen falsche Ausweise besorgt?"
"Ja. Der Teil war erschreckend einfach. Es war viel komplizierter, ein Bankkonto in ihrem neuen Namen zu eröffnen und ihre Ersparnisse zu transferieren. Ich habe Vielsafttrank benutzt, um mich als meine Mutter auszugeben." Das war eine sehr seltsame Erfahrung gewesen, seltsamer als alles, was Hermine bis zu dem Zeitpunkt mit Vielsafttrank getan hatte. Bis sie gezwungen gewesen war, sich physisch in Bellatrix Lestrange zu verwandeln und sie ihre Folterknechtin aus dem Spiegel heraus angestarrt hatte. Es war immer noch Stoff der meisten ihrer Albträume und sandte ein Schaudern über ihren Rücken, selbst jetzt. Hermine sammelte hastig ihre streunenden Gedanken und konzentrierte sich wieder auf die Unterhaltung.
Severus nickte. Das musste die Erinnerung gewesen sein, die er gesehen hatte – Hermine, wie sie als ihre Mutter auftrat. "Was ist dann passiert? Ich sah Sie und Ihre Eltern im Wohnzimmer... Ich vermute, das war nach ihrer Gedächtnislöschung?" Das würde die seltsame Distanz erklären, die er gespürt hatte – und auch Hermines Grauen.
"Ja. Ich habe mir ein Kostüm angezogen und mich als Regierungsangestellte Harmony Miller vorgestellt, die für ihren Fall verantwortlich sei. Ich sagte Ihnen, dass ich dafür zuständig wäre, ihnen bei ihrem Wohnortswechsel zu helfen. Ich wollte ihre Reaktion auf mich testen und sicherstellen, dass die falsche Erinnerung wirklich verankert war. Es war wie bei Lockhart: Ich musste ihnen nur etwas ins Gedächtnis rufen – wie zum Beispiel den Einbruch in ihre Praxis – und sie schienen sich wirklich daran zu erinnern. Ich vermute, dieses suggestive Element war Teil des Erinnerungszaubers, den Lockhart in der Kammer des Schreckens bei Harry und Ron anzuwenden versuchte, und der auf ihn zurückgeprallt ist. Er funktioniert jedenfalls bei ihm selbst auch heute noch hervorragend."
Es war in der Tat ein sehr beeindruckendes magisches Kunststück. Severus wusste, dass es möglich war, jemandem eine ganz spezielle Suggestion einzupflanzen. Aber einer Person lediglich einen Rahmen für solch eine Suggestion zu geben und seinen Geist stattdessen anzuregen, diesen selbst mit passenden Bildern und Erinnerungen zu füllen, war tatsächlich genial. Es machte die falsche Erinnerung sehr viel glaubhafter, da sie ja auf eigenen, realen Erfahrungen oder Gedanken basierte. Merlin sei Dank, dass dieses Wissen nie in die Hände des Dunklen Lords gefallen war...
"Ich habe sichergestellt, dass sich meine Eltern des erlittenen Erinnerungsverlustes bewusst waren, und dass die Ärzte ihnen gesagt hätten, sie sollen sich deswegen keine Sorgen machen – die Erinnerungen würden wahrscheinlich eines Tages von alleine zurückkehren. Ich gab ihnen neue Pässe, Zugang zu ihren Konten und ihre Flugtickets, sowie eine Hotelreservierung für ihre erste Woche in Australien."
"Wie reagierten sie denn darauf, Sie zu sehen aber nicht zu kennen?" Er hatte sich immer gefragt, ob ein Löschen bestimmter Erinnerungen auch die verknüpften Gefühle löschte. Da er ein grundsätzliches Verständnis darüber hatte, wie der Geist eines Menschen aufgebaut war, hatte er daran immer Zweifel gehegt.
"Es war seltsam. Sie erkannten mich natürlich nicht, aber ich hatte den Eindruck, als fühlten sie eine Art Vertrautheit, die sie sich vermutlich damit erklärten, mich schon einmal gesehen zu haben und mich nett und sympathisch zu finden." Oder sie hatten die eigene Reaktion als Mitgefühl interpretiert, hervorgerufen durch Hermines offensichtlichen Kummer und die Tatsache, dass sie – unerklärlicherweise – während der ganzen Unterhaltung mit den Tränen zu kämpfen gehabt hatte.
"Das war wirklich eine sehr komplizierte und fortschrittliche Zauberleistung, Miss Granger," sagte Severus schließlich, nicht sicher, ob er beeindruckt oder geschockt sein sollte. Es musste ihr unglaublich schwer gefallen sein, das durchzuziehen. Aber dennoch – es war brilliant. Sie war auf jeden Fall eine Hexe, die man ernstnehmen musste, wenn sie sich etwas in den Kopf setzte. Alle Bedenken, alle moralischen Skrupel, ihren Schmerz und ihre Verzweiflung beiseitezuwischen und einfach zu tun, was ihrer Meinung nach getan werden musste – es stellte fast seine eigene Entschlossenheit in den Schatten, mit der er während des Krieges getan hatte, was nötig gewesen war. Wieder einmal war er überrascht darüber, wie sehr er ihre Beweggründe nachvollziehen konnte und wie ähnlich sie sich in vielen Aspekten waren. Und er wusste auch, dass diese Rücksichtslosigkeit, egal wie gerechtfertigt, einen Preis hatte, zumindest für jemanden, der immer noch ein Gewissen besaß. Es wurde offensichtlich in dem gewaltigen Schuldgefühl, das auf ihr lastete. Er konnte wegen ihres Handelns nicht den Stab über sie brechen. Er hätte an ihrer Stelle ohne zu zögern das gleich getan, auch, wenn andere zweifellos schockiert wären, wenn sie davon erführen.
"Nur für den Fall, dass Sie Zweifel hegten: Ich glaube immer noch, dass Sie das Richtige getan haben."
"Wirklich?" Zum ersten Mal seit Beginn dieser Unterhaltung über ihre Eltern hielt sie seinem Blick stand. Die Erleichterung in ihren Zügen war herzerweichend.
"Ja, Miss Granger, das tue ich. Menschen zu hintergehen um sie zu beschützen ist besser, als ihren Tod zu riskieren." Es war das, was er all die Jahre über getan hatte, und ihrer eigenen Aussage zufolge betrachtete sie ihn dafür als Helden. "Wenn Sie mein Handeln so leicht nachvollziehen, rechtfertigen und vergeben können, warum können Sie sich dann nicht selbst verzeihen, was Sie taten, um Ihre Eltern zu schützen?"
"Weil der Schaden irreparabel ist", sagte sie mit leiser Stimme. "Ich dachte, nach dem Krieg, wenn alles vorbei wäre, würde ich ihnen ihre wahren Erinnerungen zurückgeben und um Verzeihung bitten. Aber – ich kann es nicht. Ich weiß nicht, wie."
"Haben Sie Lockhart gefragt?"
"Ja, natürlich. Aber er war nie daran interessiert, jemandem seine Erinnerung zurückzugeben und hatte keine Ahnung. Er fragte nur unentwegt, warum jemand sowas überhaupt tun wollen würde. Es sieht aus, als wäre die Gedächtnislöschung unumkehrbar."
Nun das war gut möglich. Wäre sie eine Legilimentikerin gewesen, hätte sie die Erinnerungen ihrer Eltern vorher sichern können. Wenn es einen Weg gäbe, gelöschte Erinnerungen wiederherzustellen, hätten die Heiler, die mit Lockharts Fall befasst waren, diese sicher inzwischen gefunden.
"Ich nehme an, Sie haben Ihre Eltern nach Ende des Krieges wiedergesehen?"
"Ja, ich bin im Sommer nach Australien geflogen, wieder als angebliche Fallbeauftragte", sagte sie, und erzählte von der offensichtlich nicht glücklich verlaufenen Reise. "Ich habe ihnen gesagt, dass der Prozess auch ohne ihre Zeugenaussage eine voller Erfolg war, und dass sie nicht länger in Gefahr seien. Ich sagte ihnen, es wäre sicher, wieder nach Hause zu kommen."
"Wie haben sie reagiert?"
"Sie waren sehr zurückhaltend. Sie meinten, allein der Gedanke an ihr Haus und ihr Leben in England riefe bei ihnen ein Gefühl von Verlust und Trauer hervor, die sie dem Trauma zuschrieben, das sie bei dem Überfall erlitten hatten. Sie sähen sich noch nicht in der Lage, sich dem wieder auszusetzen und hätten sogar darüber nachgedacht, ihr Haus zu verkaufen und ihren Umzug endgültig zu machen. Ich habe in dem Moment völlig die Fassung verloren. Ich erklärte meine Betroffenheit mit persönlichen Problemen, erzählte ihnen, dass ich erst vor kurzem meine Eltern bei einem Autounfall verloren hätte, und dass sie mich an sie erinnerten. Meine Mama war so nett... sie umarmte mich und versuchte, mich zu trösten, was mich natürlich nur noch heftiger weinen ließ. Es war ein sehr belastender Besuch." Wieder stiegen Tränen in ihren Augen auf. "Ich habe sie verloren. Es ist für mich nicht anders, als wenn sie tot wären."
"Nein, Miss Granger", widersprach Severus entschieden. "Sie leben und es geht ihnen gut. Und auch, wenn Sie ihnen und sich selbst etwas Wertvolles und Unersetzliches genommen haben, so können Ihre Eltern immer noch neue Erinnerungen bilden. Sie müssen nur einen anderen Weg finden, wieder Teil ihres Lebens zu werden."
"Wie?"
"Sie sagten, Ihre Eltern schienen eine Verbindung zu spüren. Ganz offensichtlich empfand das Ihre Mutter so. Darauf können Sie aufbauen. Ihre emotionalen Erinnerungen scheinen immer noch intakt zu sein und können durch Sie geweckt werden. Wer kann schon sagen, was langfristig passieren wird? Der menschliche Geist hat eine verblüffende Fähigkeit zur Selbstheilung. Finden Sie heraus, wieviel sie auf unbewußter Ebene behalten haben. Sie können sich immer noch entschließen, ihnen die Wahrheit zu sagen – selbst ohne Erinnerungen. Oder Sie sehen einfach, wieviel davon sie wieder wachrufen können, wie es ja anscheinend auch bei Lockhart möglich ist."
"Ja," stieß sie hervor, und zum ersten Mal fühlte sie einen Hoffnungschimmer, wenn sie an ihre Eltern dachte, und nicht nur diese niederschmetternde, erdrückende Trauer, den Verlust und die Schuld. "Danke! Das hat wirklich geholfen! Ich habe nie mit jemanden darüber gesprochen. Ich habe mich – geschämt."
Geschämt angesichts ihres vermeintlichen Versagens, und aufgrund dessen der Liebe ihrer Eltern nicht mehr wert. Wie in dem Traum, die sie ihm gestern beschrieben hatte. Mit dem Wissen, das er inzwischen über ihre Ängste hatte, verstand er die Symbolik dahinter. Sie hatte die Gefahr nicht erkannt, die in Form von Bathilda Bagshot auf sie zugekommen war und hatte es versäumt, Potter zu warnen. Sie hatte auch gedacht, sie hätte darin versagt, ihm selbst zu helfen und beizustehen, als er im Sterben lag. Als ob es einen Unterschied gemacht hätte, wieviel mehr Bücher sie über Heilkunst oder Verteidigung gelesen hätte; als ob es sie befähigt hätte, die Leben derjenigen zu retten, die sie verloren hatten. Wer hätte geahnt, dass das Mädchen, das er immer für ein unerträgliches Fräulein Neunmalklug gehalten hatte, tief in ihrem Innern so viele Unsicherheiten verbarg? Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnete er das Bedürfnis verspüren würde, sie aufzubauen?
"Sagen Sie mir, Miss Granger – wie kommt es, dass Sie meinen, Ihr Wert hänge so stark von Ihren Fertigkeiten und Erfolgen ab; daran, stets alles richtig zu machen?" fragte er.
"Was?" Sie sah ihn mit verwirrten Augen an. "Wie kommen Sie darauf?"
"Es ist offensichtlich, oder nicht? Sie fühlen sich nicht schuldig, weil sie ohne Einwilligung ihrer Eltern ihr Gedächtnis gelöscht haben. Sie wussten, es war ethisch betrachtet eine fragwürdige Entscheidung, aber dennoch haben Sie nicht gezögert. Sie taten, was Sie für das Beste für ihre Eltern hielten. Sie schämen sich und fühlen sich schuldig einzig für ihr Unvermögen, ihnen ihre Erinnerungen wiederzugeben."
Ihr Blick spiegelte Überraschung, dann Begreifen. "Sie haben Recht," sagte sie schließlich. "Das ist mir nie so bewusst gewesen..."
"Selbst in Hogwarts, vom ersten Tag an, hatten Sie Angst, zu versagen. Es war immer die treibende Kraft hinter ihrem Lerneifer, ihrem Willen, es zu schaffen. Und es erklärt, warum Sie mir ständig nur Textbuchantworten gaben und sich nie trauten, im Zaubertrankunterricht zu experimentieren, ungeachtet Ihrer Fähigkeiten in dem Fach. Warum, frage ich mich? Fehler zu machen ist ein Teil des Lernens."
"Es ist ein wenig heuchlerisch von Ihnen, das zu sagen, finden Sie nicht? Schließlich sind Sie derjenige gewesen, der uns stets für unsere Fehler beschimpft hat."
"Ja, das habe ich", gab er offen zu. "Aber inwiefern widerlegt das meinen Punkt? Fehler zu machen heißt Konsequenzen hinnehmen zu müssen, sei es nun mein Spott oder ein explodierender Kessel. Sie haben meinen Spott immer mehr gefürchtet, nicht wahr? Er hat sie sich unwürdig fühlen lassen. Kommt das daher, dass Sie sich schon in jungen Jahren gegen Leute wie Draco Malfoy behaupten mussten, die suggerierten, dass Sie unter ihrer Würde waren? Glauben Sie, ihr immenses Wissen, das sie so bereitwillig mit Ihren Freunden teilten – selbst dann, wenn es unangebracht war, wie bei Longbottom in meinem Zaubertrankunterricht – ist der einzige Grund, warum ihre Freunde sich mit Ihnen abgeben?"
Hermine konnte den Zaubertränkemeister nur mit staunender Faszination ansehen. Es stimmte. Alles, was er sagte, traf ins Schwarze. Ihr Selbstwertgefühl basierte auf ihrem Wissen und ihrer Kompetenz. Niemand hatte ihr je gesagt, dass sie besonders hübsch oder nett sei. Sie war ein Einzelkind gewesen, großgezogen von wohlmeinenden und unterstützenden, aber ehrgeizigen Eltern, die das Beste für sie wollten. Sie hatten ihr geholfen, ihre Talente zu finden, das Gebiet, in dem sie brillieren konnte. Es war nicht das Ballet gewesen, oder das Klavier. Der Kunstunterricht, den sie mit sieben genommen hatte, war auch ziemlich umsonst gewesen, denn sie konnte noch immer kein Pferd malen. Aber sie hatte immer mit ihrer Lesefertigkeit und ihrer Auffassungsgabe beeindruckt. Ihr fast eidetisches Gedächtnis hatte sie von ihren Klassenkameraden unterschieden und hatte ihre Eltern stolz gemacht, was sie ermutigt hatte, auf diesem Weg weiterzumachen. Sie war zu jenem altklugen Kind geworden, das Erwachsene reizend fanden und andere Kinder hassten. Hermine hatte nie verstanden warum, und hatte sich immer in der Gesellschaft Erwachsener wohler gefühlt. Es war gut möglich, dass ihre Veranlagung, sich zu einem Mann hingezogen zu fühlen, der doppelt so alt war wie sie, in ihrer frühen Kindheit gelegt worden war.
Hermine hatte Lob und Anerkennung bekommen für das, was sie konnte. Und genau wie ihr Professor gesagt hatte, hatte sie daraus unbewusst gefolgert, dass man sie für Versagen ablehnen würde. Es war eine ernüchternde Erkenntnis.
Er war mit chirurgischer Präzision zum Kern ihrer Unsicherheiten vorgedrungen, hatte ihr Innerstes offengelegt und mit beinahe wissenschaftlichem Interesse untersucht, wie sie tickte. Aber Hermine wusste, das sich keine böse Absicht hinter seiner schonungslosen Direktheit verbarg. Seine Augen waren weich, voller Verständnis.
"Nichts, das sie hätten vollbringen können, hätte Dracos Meinung über Sie zu dem Zeitpunkt geändert – nicht mal, wenn man sie mit 15 zum Zaubereiminister ernannt hätte. Seine Verachtung hatte nichts mit Ihrer Person zu tun. Sie dürfen Fehler machen, Miss Granger. Sie müssen nicht perfekt sein, um gemocht oder geliebt zu werden." Er sagte das nicht nur in Bezug auf die Schuld, die sie wegen ihrer Eltern oder wegen seines Beinahe-Todes empfand, für den sie sich verantwortlich gemacht hatte. Er dachte auch an ihre Unsicherheiten in Bezug auf ihre zwischenmenschlichen Beziehungen – insbesondere zu Ronald Weasley, der für die meisten davon verantwortlich zu sein schien, wenngleich vermutlich nicht einemal mit Absicht. Und ganz offenbar trug er selbst auch einen Teil der Verantwortung.
"Was auch immer der Grund war, warum Ihr Freund Sie verlassen hat zu einem Zeitpunkt, an dem Sie ihn am meisten brauchten – es hatte nichts mit Ihren Unzulänglichkeiten zu tun. Es lag allein an seinen eigenen."
Hermine wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Sie fühlte sich, als hätte ihr jemand einen Schlag vor den Kopf versetzt. Es waren einfach zu viele Erkenntnisse auf einmal, die sie durchdenken musste, zu viele neue Ideen, die sie sich durch den Kopf gehen lassen musste und zu viele Emotionen, die sie verarbeiten musste. Er schien sich dessen auch gewahr zu sein.
"Sie sollten jetzt in Ihren Turm zurückgehen und schlafen", sagte er beinahe sanft. "Das hier muss anstrengend gewesen sein. Nehmen Sie sich Zeit, über das nachzudenken, was ich gesagt habe, und über das, was wir heute in Ihren Erinnerungen gesehen haben. Wir werden morgen Ihre zweite Erfahrung mit Legilimentik besprechen und Ihre Versuche, sich dagegen zu verteidigen, analysieren."
"Ja, ich werde darüber nachdenken. Noch einmal vielen Dank, Professor. Sie haben mir sehr geholfen, und ich weiß es wirklich zu schätzen, dass Sie sich die Mühe machen."
"Nicht der Rede wert, Miss Granger."
