Hallo ihr Lieben! Viel Spaß beim Lesen!

Erinnerungen

Ich saß allein im Hauptquartier, naja fast alleine… Milly saß, auf mein mehrfaches Drängen hin, auf einem Holzstuhl neben dem flackernden Kamin. Zumindest steht sie nicht mehr, wie eine Statue in der Ecke! Ich las in meinem Zaubertrankbuch und machte mir in meinem Schoß Notizen zu dem Kapitel für meine Hausaufgaben. Plötzlich ging die Tür auf und Neville und Tracey kamen hastig in den Raum gelaufen. Plop! Ich sah zur Ecke, aber da stand nur noch ein leerer Stuhl. Ich seufzte und stand auf. Tracey und Neville standen unschlüssig vor mir. Ich seufzte erneut, trat an die beiden heran und umarmte sie fest. Die beiden waren kurz überrascht, aber dann erwiderten sie die Umarmung.

„Anna, geht es dir gut?", fragte mich Neville und ich nickte in seiner Umarmung. „Ja, jetzt schon." Ich lies los und die beiden sahen mich fragend an. Ich seufzte. Irgendwie mach ich das in letzter Zeit oft. „Setzt euch, das ist eine längere Geschichte und ich brauche eure Hilfe. Milly!" Plop! Milly erschien neben mir und sah mich fragend an. „Wärst du so lieb und würdest uns Tee und ein paar Kekse bringen?" „Sofort, Miss!" Milly verneigte sich und verschwand mit einem Plop. Neville setzte sich neben mich, Tracey schob den Sessel näher heran und setze sich dann auch. Beide sahen mich erwartungsvoll an. „Also dann…"

„…und nun ist Lockharts Mund verschlossen und ich bin unter einer Dauerüberwachung." Neville und Tracey sahen mich sprachlos an. „Dieser Tom… hat dir diesen Zauber mal beschrieben?", fragte mich Tracey. Ich nickte und erklärte: „Ja, ihr habt euch doch gewundert, woher ich plötzlich so viele Sprüche kenne. Er hat sie mir beigebracht." „Aber das waren alles keine dunklen Sprüche!", warf Tracey ein. Ich nickte und meinte: „Ich habe ihm wohl zu sehr vertraut!" „Warte, warte…", unterbrach Neville. „Er hat dir die Sprüche beigebracht, aber er ist doch nicht hier in Hogwarts, oder?" „Keine Ahnung! Vielleicht… vielleicht kontrolliert er mich doch irgendwie!" Neville sah mich zweifelnd an, aber Tracey nickte zustimmend und sagte: „Wahrscheinlich lag auf den Briefen ein Zauber, der mit der Zeit mächtiger wurde." Wir sahen sie beide überrascht an. Sie fragte: „Was?" „Die Briefe werden doch überprüft!", meinte Neville. „Wenn es kein starker Zauber ist und nicht wirklich dunkel… dann könnte ich mir vorstellen, dass es übersehen wurde."

Neville sah abrupt zu mir. „Anna, du darfst nicht mehr mit ihm schreiben!" Ich nickte und sagte: „Mach ich nicht mehr! Versprochen!" Neville und Tracey wirkten erleichtert. „Nun, und jetzt wirst du dauerüberwacht, für den Fall, dass er irgendwie wieder Gewalt über dich erhält." „Ja, so ziemlich!" Neville seufzte nun und sagte: „Nun ja, all das erklärt, wieso du nicht mehr wirklich du warst und dich immer mehr zurückgezogen hast. Du und keine Lust auf Gesellschaft, Anna, das warst nicht du!" Ich nickte und antwortete: „Ja, da habt ihr Recht und ich habe erst jetzt wieder gemerkt, wie sehr ihr mir fehlt." Tracey lachte und meinte: „Na dann, sind wir wieder ein Trio! Du hast uns gefehlt Anna und wir werden dir helfen. Wenn wir merken, dass du wieder nicht du selbst bist, lähmen wir dich und bringen dich in den Krankenflügel!" Ich lachte nun und sagte: „Danke, Tracey!" Tracey nahm sich nun zufrieden einen Keks und wir besprachen zusammen die Hausaufgaben und Snapes Unterricht in Okklumentik.

Einige Tage waren seit Nevilles und Traceys Rückkehr vergangen und ich war wieder beim Okklumentikunterricht. Snape erklärte mir, dass die heutige Lektion anders verlaufen würde, da ich genug Kontrolle entwickelt hatte: Anstelle eines festen Images, wie der Wasserschale sollte ich mich nun an bestimmte Erinnerungen mit einem spezifischen Thema halten. Er würde versuchen, andere Erinnerungen zu sehen, aber ich sollte ihm nur meine Gewollten zeigen. „Denken Sie an irgendetwas anderes, versuchen Sie bei einem Thema zu bleiben!" Ich nickte erschöpft und ich wollte zuerst meinen Kopf von allen Emotionen befreien, so wie es im Meditationsbuch vorgeschlagen wurde, der Tag war schon extrem lang und nun auch noch das! aber Snape erhob schon den Zauberstab und sagte scharf: „Leglimens!"

Das Licht sprang von rot auf grün und die Pferde galoppierten los. Schneller als die anderen befanden sich Cuairt-Ghaoth und ich in der Luft. Hannes Bauer und Esteban de Andorra dicht auf meinen Fersen. Wir überflogen die Stange und kamen an die Brücke, die es zu unterfliegen galt. Ich legte mich sehr dicht an Cuairt-Ghaoth. Dieser sank nur tief genug, um gerade so unter der Brücke durchzukommen. Als wir an der Scheune ankamen, hatte ich Hannes Bauer auf Callisto eingeholt. Wir flogen beide knapp über die Brücke hinweg und waren am Slalom durch die Büsche und Bäume angekommen. Amélie de Bretagne auf Diva Ladina schob sich knapp links neben mich, während Esteban uns von rechts überholte.

Die Erinnerung sprang und eine neue erschien.

Ich stieg auf seinen Rücken und er erhob sich dann schnell und kräftig in die Luft. Ich musste mich festkrallen und hörte, wie der Wind in meinen Ohren sauste. Die Wiesen und Felder verschwammen unter mir. Ich konzentrierte mich auf das, was vor mir lag und gab Cuairt-Ghaoth eine Schenkelanweisung. Er lenkte ein und wir flogen eine Kurve. „Du bist wahrhaftig ein Tornado! Wir sind so schnell." Cuairt-Ghaoth wieherte abermals auf und wir flogen eine weitere Kurve, sanken und stiegen im Himmel auf und ab. Nach ca. 20 Minuten landeten wir wieder auf der Koppel. „Wenn wir öfter trainieren, werden wir bald ein eingespieltes Team", meinte ich glücklich und auch Cuairt-Ghaoth wirkte zufriedener, als je zuvor.

Und wieder eine neue…

Ich kam gerade von einem anderen heimlichen Ausritt und brachte Stormy, oder eher gesagt Cuairt-Ghaoth, zurück auf seine Koppel, als aus der Dämmerung ein Schatten auf mich zutrat. Ich erschrak fürchterlich und zog unwillkürlich meinen Zauberstab. Der Schatten trat näher an die Laterne, die am Rand des Zaunes stand und ich erkannte Lord Richard, der mit verschränkten Armen und strenger Miene auf mich zukam. Ich wurde leicht blass. „Guten Abend, Anna!", grüßte er mich streng. Ich schluckte schwer und flüsterte leise: „Guten Abend, Lord Richard." Er musterte mich und Stormy, der dicht neben mir stand und die Ohren angelegt hatte. Ich strich ihm beruhigend über den Hals und flüsterte: „Er ist nicht böse. Er wird mir nichts tun." „Das sehe ich", entgegnete Lord Richard und sah mich überrascht an. Ich wendete mich an ihn und meinte entschuldigend: „Ehrlich gesagt, Lord Richard, hatte ich nicht mit Ihnen, sondern über Sie gesprochen. Cuar…. ich meine Stormy ist sehr misstrauisch."

Wieder sprangen meine Gedanken zum Rennen. Ich versuchte dabei zu bleiben, aber es war schwierig.

Er schnitt kurz vor mir ein und versuchte mich aus dem Gleichgewicht zu bringen, als Cuairt-Ghaoth scharf nach links ausweichen musste. Ich strauchelte leicht „Cuairt nach links beugen!" rief ich schnell und Cuairt-Ghaoth reagierte sofort und lenkte gegen. Ich fing mich schnell ab und setzte mich wieder richtig hin, trotzdem hatten uns bei diesem Manöver Hannes und Amélie ebenfalls überholt und waren schon ein ganzes Stück vor uns. Cuairt-Ghaoth schnaubte. Wir umflogen die Bäume und Büsche in rasanter Geschwindigkeit. Als wir durch die Reifen flogen, überholte ich Hannes erneut und holte Esteban ein, der an Boden zu Amélie verlor.

Immer wieder lenkten sich meine Gedanken ab, zwar war das Thema immer Pferde, dennoch…

Ich musterte den rotbraunen Fuchshengst, ging auf diesen zu und hielt ihm meine Hand hin, sodass dieser mich beschnuppern konnte. Kobold wieherte freundlich. Oliver stand ebenfalls auf, klopfte ihn am Hals und sagte: „Er scheint dich zu mögen." Ich nickte zustimmend.

Wir ritten etwa eine halbe Stunde bis schließlich ein grüner Fleck mitten im Meer zu sehen war. Auf der Insel stand in der Mitte auf einer Erhöhung eine Burg aus Stein und Holz mit einem grünen Innenhof. Drumherum war ein Blumengarten mit Wasserspielen und grünen, eingezäunten Wiesen, vermutlich Koppeln. Wir flogen tief über die Insel, bis wir eine unsichtbare Barriere spürten. Ich konnte auf einer Wiese hinter der Burg ein kleines rotes pelziges Tierchen, das blitzschnell im hohen Gras verschwand, ausmachen.

Diese Insel ist wirklich wunderschön…

Ich sah zu Lord Richard hinüber, aber der sah mich nur mit strenger Miene herausfordernd an. Ich seufzte und erklärte: „Ich habe Cuar… Stormy eingeritten…" „Du hast was? Anna! Dieses Pferd ist gefährlich, tückisch! Es hat schon mehrere Jockeys gebissen! Du weißt doch, warum wir euch verboten haben, sich ihm zu nähern", unterbrach mich Lady Mary-Anne aufgebracht. Ich nickte, aber sprach dann selbstsicher: „Ja, Ma´am! Das weiß ich und ich habe ihn auch nicht sofort geritten, sondern ihm Möhren gegeben, wochenlang. Später hat er sich von mir streicheln und aus der Hand füttern lassen. Dann habe ich angefangen, ihn zu striegeln und dann erst später bin ich auf seinen Rücken gestiegen. Cuar… Stormy vertraut mir inzwischen. Sein Verhalten gegenüber allen anderen muss Gründe haben. Niemand ist von Geburt an böse."

Emily, Matthew und ich sprachen leise über unseren geplanten Ausritt. Lady Windsor hörte uns zu und meinte dann sorgenvoll: „Emily, ich weiß nicht recht, ob ein Ritt über das Meer nicht etwas zu früh ist. Es ist schließlich Annas erster Ausritt." „Schon Mutter, aber du musst zugeben, dass Anna ein Ausnahmetalent ist. Sie hat gerade mal eine Woche Reitunterricht und reitet bereits, als könnte sie es seit sie laufen kann. Sie ist wirklich eine Pferdeflüsterin!", erwiderte Emily ihrer Mutter. Ich wurde leicht rot bei dieser Lobpreisung…

Matthew und Emily lachten und amüsierten sich über meine Beliebtheit bei den Tieren. Emily erklärte ihrem Bruder, dass das völlig normal war. So sei es auch die ersten Wochen in Hogwarts gewesen.

Ich konzentrierte mich, das Nächste durfte er nicht erfahren. Ich spürte Widerstand und Neugier. Ich zwang eine andere Erinnerung hervor.

Wir flogen durch den Torbogen und dann steil hinauf zum Turm. Ich hielt den Schlägel bereits in der Hand, um den Gong zu schlagen und klammerte mich an Cuairt-Ghaoths Bauch fest, der vertikal am Turm hochflog. Wir überholten den überraschten Esteban und ich schlug als zweite den Gong. Dann flog ich schnell und geschwind hinter Amélie her, aber konnte sie leider nicht mehr einholen. Ich flog als Zweite über die Ziellinie.

Snape beendete den Zauber und sah mich kritisch an. Hat er etwas bemerkt? Bitte nicht! „Interessant", sagte er leise. Ich wurde noch blasser, als ich es bestimmt schon war. Schwer atmend saß ich auf meinem Stuhl und fühlte mich, als wäre ich einen Marathon gelaufen. „Sie sind ein diszipliniertes Mädchen… Wer hätte das gedacht?!" Ich sah ihn böse an, Was soll das denn heißen?, dann verwundert aber ist das nicht eine gute Sache?, aber bevor ich fragen konnte, wendete er sich ab. Er steckte seinen Zauberstab weg und nahm eine Phiole aus einer Tasche. Er streckte sie mir entgegen und ich trank sie leer. Augenblicklich hörte das Pochen in meinem Kopf auf und auch der Schmerz ebbte ab. Die Müdigkeit allerdings blieb. „Gehen Sie, Miss Hansen. Übermorgen pünktlich zur gleichen Zeit!" Ich nickte und ging hinaus. Ich schleppte mich müde in den Ravenclawturm und fiel Gesicht voran in mein Bett.

Tiger kam näher und fragte: „Wie war´s?" Ich drehte mein Gesicht müde zu ihm und meinte: „Keine Ahnung. Er hat mich glaub ich…. gelobt… oder… ach kein Plan. Zumindest sieht er mich nicht mehr mit diesem Todesblick an." Tiger schmunzelte und meinte: „Kleine Siege, Anna, sind auch Siege!"

Es war Freitagmorgen und am Sonntag würden alle Schüler wieder aus den Ferien zurückkommen. Ich spazierte draußen mit Neville und Tracey um den See. Es war eiskalt, aber sonnig. Neville und ich hatten zuvor an unserem Kräuterkundeprojektbeet gearbeitet, dass mittlerweile sehr gut aussah. Alles dank Neville! „Hey, schaut mal, wer will denn bei den Temperaturen im eisigen Wind fliegen?", fragte Tracey mit zitternder Stimme und deutete auf zwei Gestalten, die auf Besen über das Trainingsgelände flogen, als wir wieder am Schloss ankamen. Ich stampfte mit meinen Füßen, den trotz Wärmezauber waren diese inzwischen eiskalt.

„Harry und Ron!", sagte ich und zog meinen Winterumhang noch etwas enger um mich. Wir sahen ihnen eine Weile zu, wie Harry todesmutige Stunts flog und er versuchte den Quaffel durch die Ringe zu werfen, aber Ron blockte alle von Harrys Würfen. Neville pfiff anerkennend: „Nicht schlecht. Harry ist zwar kein Jäger, aber Ron hat eindeutig Talent als Hüter." Ich stimmte zu und sah erneut, wie Ron den Quaffel sogar fing und nicht nur abblockte. „Kommt, lasst uns reingehen! Ich erfriere!", meinte Tracey und ging schnellen Schrittes zum Eingangstor. Neville und ich folgten ihr etwas langsamer. In der Eingangshalle trennten wir uns. Tracey wollte zurück in ihr Zimmer und ein heißes Bad nehmen. Neville und ich gingen gemeinsam die Treppen hinauf in die oberen Etagen. „Es ist ungerecht!", meinte Neville plötzlich. Ich sah ihn erstaunt an und fragte: „Was denn?" „Dass sie unten in Slytherin Badewannen haben. Wir haben nur Duschen!" Ich zuckte mit den Schultern und meinte: „Naja, sie sind in den Kellerräumen. Dort ist viel mehr Platz, als bei uns in den Türmen." Neville grummelte etwas und ich fragte nach: „Wie war das?" Neville seufzte und meinte nur achselzuckend: „Ihr habt genug Platz, um dreier und zweier Zimmer zu haben."

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, auf jeder Etage ist auch ein größeres Zimmer in dem vier und wenn es sein muss auch fünf Kinder schlafen." Neville wollte etwas sagen, aber ich lenkte schon ein: „Aber du hast Recht, meistens schlafen wir zu dritt oder höchstens zu viert in einem Zimmer." Neville nickte. „Ich denke, jeder unserer Räume ist nach dem Geschmack des jeweiligen Gründers gestaltet. Gryffindor legte wohl mehr Wert auf Gemeinschaft und daher schlaft ihr alle zusammen, während Ravenclaw mehr auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre beim Lernen geachtet hat. Und für Slytherin war wohl Prestige und Zeigen wichtig, daher haben sie auch dort unten den Luxus von Badewannen. Wobei du etwas bedenken musst, Neville!" „Was?" „Als Hogwarts gebaut wurde, gab es noch keine Duschen, nicht mal Toiletten. Das wurde alles später eingebaut und wie gesagt, da unten haben sie einfach mehr Platz!"

Neville schwieg eine Weile, aber dann lachte er plötzlich. Ich blieb verwundert stehen und sah ihn fragend an. Neville meinte nur lachend: „Zeigen… ich würde ja Angeben sagen." Ich stutzte kurz und schmunzelte dann. „Tja, ich wollte es freundlich ausdrücken. Ist da etwas falsches dran?" Neville wurde plötzlich wieder ernst und sagte den Kopf schüttelnd: „Nein, im Gegenteil Anna, es zeigt, dass du, du bist!" Ich lächelte. Ja, ich fühle mich immer besser. Vielleicht ist Tom weg? Ich seufzte kurz. Neville sah mich fragend an, aber ich schüttelte nur den Kopf und meinte: „Ich fürchte, es dauert noch, bis ich wieder ganz ich selbst bin!" Denn dafür muss das Tagebuch vernichtet werden! Aber erstmal muss ich es aus meinem Zimmer schaffen."

Ich nahm eine heiße Dusche, zog mir frische Kleidung an, steckte das Tagebuch in meine Tasche und ging dann mit einem meiner Lieblingsbücher hinunter in den Krankenflügel. Hermine lag auf ihrem Bett mit einem aufgeschlagenen Buch auf ihren Knien und einem Stück Pergament auf dem Essenstablett, dass sie über das Bett geschwenkt hatte. Sie machte sich Notizen und sah sehr konzentriert aus. Daher nahm ich mir leise einen Stuhl, stellte ihn an ihr Bett und schlug mein Buch auf. Nach einer Weile hörte ich ein erschrecktes Aufatmen. „Anna, wie lange sitzt du da schon?", fragte Hermine. Ich lächelte verschmitzt und meinte nur: „Eine Weile. Du warst sehr vertieft und ich wollte dich nicht stören." Hermine wurde leicht rot. „Ja, ich habe meinen Zaubertrankaufsatz überarbeitet." Ich nickte und legte mein Buch in meinen Schoß.

„Hast du alle Aufsätze fertig?", fragte Hermine. Ich sah sie wortlos an und meinte dann nach einer Weile: „Hermine, in drei Tagen beginnt die Schule wieder, wenn ich jetzt noch einen Aufsatz schreiben müsste, hätte ich mich aber schlimm verkalkuliert." Hermine zuckte und sagte: „Ich bin so an Ron und Harry gewöhnt. Die machen alles auf die letzte Minute." „Wer macht alles auf die letzte Minute?", fragte jemand von hinten. Ich drehte mich halb in meinem Stuhl um. „Hallo ihr beiden! Wie war das Fliegen? Mir wäre das viel zu kalt gewesen." „Du hast uns gesehen?", fragte Harry und lies sich auf Hermines Bett plumpsen. Ron schnappte sich einen weiteren Stuhl.

„Ja, Tracey, Neville und ich haben einen Spaziergang gemacht und vorher unser Kräuterbeet gejätet und gedüngt." Ron schlug sich vors Gesicht und stöhnte: „Oh nein, das haben wir ja völlig verschwitzt." „Wie bitte Ron Weasley!", kreischte Hermine und fügte panisch hinzu: „Ihr wolltet euch doch darum kümmern! Daran hängt 50% unserer Gesamtbenotung." Harry winkte ab und meinte: „Keine Sorge, Hermine. Ich habe drüber gesehen. Es ist alles in Ordnung." „Wann warst du denn da, Harry?", fragte Ron überrascht. Harry zuckte mit den Schultern und meinte: „Morgens. Du schläfst immer so lange." „Mann, wir haben Ferien!", stöhnte Ron. Ich lachte und sagte: „Die sind fast vorbei, Ron!" „Leider", stimmte er mir zu und grinste.

„Wer macht alles auf die letzte Minute?", fragte Harry erneut. Hermine sah ihn kritisch an und fragte stattdessen: „Habt ihr alle Hausaufgaben fertig?" Ron meinte daraufhin: „Jup, naja fast. Ich muss noch Snapes Aufsatz schreiben. Harry?" „Ich auch. Aber was habt ihr vorhin nun gemeint?", fragte Harry. Hermine und ich sahen uns an und lachten. „Wir meinten euch!", erklärte ich. Harry sagte: „Ach komm schon, ich könnte den Aufsatz gleich am Anfang gemacht haben oder erst eine Stunde vor der Abgabe und er würde es gleichermaßen auseinandernehmen! Snape ist ein Idiot!" „Tja, zumindest was Gryffindors und dich im Besonderen angeht, kann ich leider nur zustimmen. Aber wenn ihr wollt, kann ich noch mal drüberlesen und euch ein paar Hinweise geben!", sagte ich. Harry nickte und antwortete mir: „Gerne, vielen Dank Anna." „Kein Problem!"

„Anna, was hast du da für ein Buch?", fragte Hermine. Ich nahm das Buch von meinem Schoß und meinte: „Du sagtest beim letzten Mal, dass du nur Schulbücher oder für die Schule relevante Bücher liest, aber die Zauberwelt hat so großartige Literatur zu bieten. Also dachte ich mir, ich bringe dir eines meiner Lieblingsbücher mit. Es spielt im 14. Jahrhundert, hat zeitrelevante Parallelen, aber die Hauptcharaktere sind frei erfunden." Ich gab ihr das Buch. „Es macht die Geschichte lebendig, im Gegensatz zu Binns Vorträgen!", fügte ich hinzu. Ron meinte scherzend: „Ja, Anna, nachdem du für uns Lockhart losgeworden bist, kannst du dir vielleicht etwas einfallen lassen, um Binns loszuwerden?" Ich lachte und meinte dann aber ernst: „Wenn ich mir etwas einfallen lasse, dann brauche ich aber auch Hilfe. Aber ja, Binns loswerden klingt nach einer tollen Idee." Harry, Hermine und Ron sahen mich kurz verblüfft an, dann meinte Ron: „Ich bin dabei, alles, um diesen todlangweiligen Vorträgen zu entkommen!" Harry nickte eifrig, aber Hermine runzelte die Stirn, was sehr lustig aussah, da ihr gesamtes Gesicht noch mit Haaren überzogen war.

Sie sah wieder auf mein Buch und las den Titel: „Die junge Heilerin und der Schwur! Das klingt interessant!" Ich nickte und sagte: „Ja, es ist eine tolle Geschichte. Lies sie und sag mir, was du denkst. Du steckst ja noch hier für eine Weile fest." Hermine seufzte theatralisch und sagte geknickt: „Ja, leider, all die Stunden, die ich verpassen werde. Ich werde das niemals alles aufholen können." Ron und Harry verdrehten die Augen und ich sagte ernst: „Ich komme so oft ich kann, versprochen!" „Danke, Anna!" Wir saßen noch eine Weile zusammen und Harry und Ron erzählten von ihrem Nachmittag. Dann gingen Ron, Harry und ich zusammen runter in die große Halle zum Abendessen, aber dort setzte ich mich zu Neville und Tracey, die am Ravenclawtisch auf mich warteten.

Am nächsten Nachmittag saß ich wieder in Snapes Büro auf einem Stuhl. „Dieses Mal ein neues Thema. Keine Pferde! Bleiben Sie bei dem Thema! Leglimens!" Ohne Vorwarnung oder Pause drang er in meine Gedanken ein. Welches Thema…keine Pferde

Bitte geben Sie mir die Erlaubnis mit Stormy an dem Turnier teilzunehmen!" Lord und Lady Windsor sahen mich verblüfft an. „Anna, also ich weiß nicht", begann Lady Mary-Anne. Ich unterbrach sie und bat: „Bitte! Ich weiß, dass ich ihn reiten kann und ehrlich gesagt hat es noch einen anderen Grund." „Welchen?", fragte Lord Richard. „Ich will Stormy freikaufen!" Auf dieses Statement folgte erstmal Stille.

Keine Pferde! Anderes Thema…

Lord Richard saß hinter seinem Schreibtisch und ich auf einem Stuhl davor. Wir warteten in Stille auf Lady Mary-Anne. Lady Mary-Anne trat ein und sah ihren Mann und mich mit fragender Miene an. „Was ist hier los?", fragte sie. Lord Richard deutete auf einen Stuhl neben ihr und bat sie: „Setz dich, meine Liebe! Anna hat uns beiden einiges zu erzählen!" Ich schluckte abermals, aber mein Hals fühlte sich ziemlich trocken an. Lady Mary-Anne setzte sich und sah mich fragend an. Lord Richard tat es ihr gleich.

Dieses Gefühl…. Unbehagen….Schmetterlinge…wie damals…

Snape sah mich sehr streng an. Anthony hatte kurz seine Arbeit unterbrochen, aber ein Blick von Snape genügte und er beugte sich wieder tief über seine Werkbank und schrubbte weiter. Snape wendete sich mir wieder zu und nun zog er seine Augenbrauen hoch. „Entschuldigung, Prof. Snape", sagte ich zerknirscht. Seine Augenbrauen hoben sich noch höher. Er schien auf etwas zu warten. Ich schwieg. Die Stille hing im Raum, bis auf das Schrubben der Bürste über der hölzernen Werkbank.

Flitwick sah mich lange durchdringend an und ich konnte in seinen Augen, die wenigen Augenblicke, die ich zu ihm aufblickte, Enttäuschung sehen. Ich schluckte schwer und sagte dann leise: „Es tut mir leid, Prof Flitwick. Ich hatte nicht die Absicht, mich in Gefahr zu begeben, das müssen Sie mir glauben." Prof. Flitwick seufzte seinerseits und meinte dann in ruhiger Stimme: „Wenn Sie das nicht vorhatten, wieso haben Sie sich dann überhaupt von der Gruppe entfernt? Sie sind ein kluges Mädchen, Miss Hansen. Ich muss Ihnen doch nicht erklären, wie gefährlich ein Troll ist, oder?" Ich nickte leicht und sah zu ihm auf. „Nein, das müssen Sie nicht. Ich weiß…", ich konnte nicht weitersprechen.

Nein, nicht dahin! Das darf er nicht wissen, es wird zu viel….zu viele Zufälle…. Was denken? Woran?

Wochenlang?", fragte Lord Richard streng. Ich nickte und sagte leise: „Ja, Sir. Es tut mir wirklich leid. Ich wollte es Ihnen bald erzählen, wenn ich mir sicher bin, dass Stormy sich auch Ihnen gegenüber benimmt. Ich wollte sie nicht hintergehen, aber ich hatte Angst, das gebe ich zu." „Angst vor uns?", fragte Lady Mary-Anne überrascht. „Haben wir dir dazu irgendwann einen Grund gegeben?" Ich schüttelte meinen Kopf und antwortete ehrlich: „Nein, aber Sie wollten Stormy verkaufen. Ich hatte Angst, wenn ich Ihnen nicht beweisen kann, dass ich ihn führen und reiten kann, würden Sie ihn sofort wegbringen und wer weiß, wo er dann hingekommen wäre. Sie haben es doch selbst gesagt, Lady Mary-Anne, ich habe ein Gespür für Pferde, naja für die Tiere allgemein. Ich wollte Stormy helfen, dass er hierbleiben kann und … das hat Wochen gebraucht."

Nicht schon wieder Pferde… aber Lord Richards Gesicht blieb….

Lord Richard musterte mich kritisch und Lady Mary-Anne sah zwischen mir und ihrem Gatten hin und her. „Richard?" Lord Richard seufzte leise und rieb seinen Nasenrücken. „Das kann ich verstehen, Anna, und auch das du diesem Pferd helfen wolltest, aber trotzdem, lügen, verheimlichen?" Ich wurde rot, senkte beschämt meinen Kopf und flüsterte leise: „Das tut mir wirklich leid, Sir!" Lord Richard nickte, seufzte tief und sagte dann: „Von nun an, Anna, keine Lügen und keine Geheimnisse mehr. Wenn du ein Problem hast, komm zu uns! Wir werden dir zuhören und helfen. Versprochen?" Ich sah auf und blickte ihm direkt in die Augen. „Versprochen, Sir!" Er nickte abermals und meinte: „Dann ist das Thema erledigt." Ich sah ihn überrascht an, er musste lächeln.

Ich bin ihnen wichtig, wie damals….

Am Abend half ich Dora beim Kochen in der gemütlichen Wohnküche. Nach dem Abendessen sahen Dora, George und ich gemeinsam einen Spielfilm im Fernsehen. Um 22 Uhr fielen Tiger und ich todmüde ins Bett und schliefen gleich ein. Am nächsten Morgen half ich George noch vor dem Frühstück um 5.30 Uhr im Stall. Ich fütterte die Tiere, sammelte die Eier ein und melkte die Kühe. Nach einem deftigen Frühstück wollte ich spazieren gehen, während George und Dora alles zusammenpackten für den Markttag.

Sie verbringen gern Zeit mit mir, aber das ich alles vor ihnen verschweigen muss…

Dora, George und ich machten uns gemeinsam auf zum See. Dora legte eine riesige Picknickdecke unter einem Baum aus. George legte sich auf das trockene Gras und machte ein Nickerchen. Dora las in einem Roman und ich ging im See baden. Am Abend grillten wir Würstchen und Stockbrot über einem Lagerfeuer am See. Irgendwann kam auch Tiger aus dem Wald und kuschelte sich in meinen Schoß. George erzählte eine Geschichte nach der anderen und erst spät in der Nacht kehrten wir wieder zum Hof zurück.

Auf dem großen Marktplatz vor der Kirche bauten wir einen großen Stand auf und stellten die Kräutertöpfchen, Gemüseplatten und Obstkästen auf. Um neun Uhr eröffnete der Wochenmarkt und die ersten Kunden kamen an. Hausfrauen, die frisches Obst und Gemüse kaufen wollten. Ein paar Familien mit kleinen Kindern liefen auch schon durch die Gänge zwischen den Ständen. Ich half Dora beim Abwiegen des Mehls und Einpacken der Einkäufe. Dora und George unterhielten sich auch mit ein paar ihrer Stammkunden. Ich füllte gerade die Kästen auf und stellte frische Kräutertöpfe auf die Verkaufsfläche, als ich jemanden in der Menge erkannte, den ich nicht erwartet hatte.

Wieder saß ich schwer atmend auf meinem Stuhl und Snape stand über mir. Ich blickte zu ihm hinauf. Er sah mich mit einem merkwürdigen Blick an. Was er wohl denkt? Er gab mir wieder eine Phiole und meinte: „Es sind viele Menschen in Ihrem Leben." Er gestikulierte mir, dass ich gehen könnte. Ich stand auf, trank die Phiole leer und ging zur Tür. „Sehen Sie zu, dass es so bleibt!" Ich drehte mich überrascht um, aber er ignorierte mich, also ging ich. War das eine Warnung?