Der Fidelius, die Horkruxe und der Blutbandzauber

Dieses Mal war es Severus, der ein wenig zögerlich folgte, als Harry auf die Haustür zuging – oder besser gesagt auf das, was davon noch übrig war. Sie war nicht repariert worden, nachdem Voldemort sie bei seinem Eindringen zerstört hatte, warum auch? Das Haus war leergeräumt, alle Möbel und Besitztümer verkauft. Das Gold lag sicher verwahrt in Harrys Verlies bei Gringotts.

Sie betraten den Flur, in dem sich über die Jahre hinweg eine beeindruckende Staubschicht angesammelt hatte. Zu ihrer Rechten lag das Wohnzimmer, wo James mit Harry gespielt hatte, ehe Voldemort hereingestürmt war und ihn ermordet hatte, gleich hier in der Diele. Möglicherweise stand Harry genau an der Stelle, an der sein Körper gefallen war. Harry schluckte nervös und wandte sich zur Treppe.

"Warte!" Severus' zögernde Stimme ließ ihn innehalten. "Bist du sicher, dass du da hochgehen willst?"

Er sah noch blasser aus als gewöhnlich, und Harry wurde mit einem Mal klar, wie viel schwieriger es für seinen Paten sein musste als für ihn selbst, wieder am Ort des Geschehens zu sein. Harry hatte ja keine bewußte Erinnerung an den Angriff – nur an das, was er in Voldemorts Geist gesehen und was andere ihm erzählt hatten. Aber Severus ...

"Du warst hier in jener Nacht ... ich habe es in der Erinnerungen gesehen, die du mir in der Heulenden Hütte gegeben hast ..."

Der Mann, den er jahrelang für einen Feind gehalten hatte, hatte den Körper seiner Mutter in den Armen gewiegt und geweint – es war herzzerreißend gewesen. Harry hätte nie für möglich gehalten, dass sein kalter und abweisender Lehrer zu solchen Emotionen überhaupt fähig war.

Severus schwieg einen Moment lang. Über diesen Augenblick zu reden – überhaupt nur daran zu denken – war etwas, das er immer vermieden hatte. Harry hätte die Erinnerung daran niemals sehen sollen. Aber er hatte den Strom von Bildern nicht kontrollieren können, als seine Schilde versagten. Er hatte nur das Bedürfnis gehabt, dem Jungen die Wahrheit zu sagen – über das, was geschehen war und das, was noch zu tun blieb. Und dass er immer auf seiner Seite gewesen war. Aber als der Damm brach, war alles aus ihm herausgeströmt, was er so lange eisern unter Verschluss gehalten hatte, allem voran seine emotionalsten Momente. Wenn er geahnt hätte, dass er überleben würde, wäre er vor Scham gestorben in Anbetracht dessen, was Harry in dem Glasfläschchen aufgefangen hatte.

"Ja, ich war hier", antwortete er schließlich mit brüchiger Stimme. Obwohl seitdem über achtzehn Jahre vergangen waren, war es unerwartet schwer, wieder in dieses Haus zu treten.

"Warum?", fragte Harry, der auf der ersten Treppenstufe innegehalten hatte. Wieso sollte Voldemort ausgerechnet den Mann als Augenzeuge mitgebracht haben, der ihn gebeten hatte, das Leben der Frau, deren Kind zu töten er gekommen war, zu verschonen?

Severus lehnte sich haltsuchend gegen die Wand und schloss kurz die Augen. Harry war überrascht und seltsam berührt, den scheinbar gleichgültigen, unangreifbaren Mann eine Geste von Schwäche zeigen zu sehen. Entgegen allem, was die Leute über ihn zu wissen meinten, war er menschlichen Regungen gegenüber nicht immun.

"Es gab an jenem Abend eine Zusammenkunft in Malfoy Manor, um das Samhainfest zu feiern", begann Severus in stockendem Ton zu erzählen. "Die Malfoys waren ganz aus dem Häuschen, weil der Dunkle Lord versprochen hatte, sie mit seiner Anwesenheit zu beehren. Als er jedoch nicht erschien, überkam mich eine ungute Vorahnung."

Er hatte ein eisiges Gefühl in seiner Magengegend verspürt, schwer und drückend. Den ganzen Tag über war er schon ruhelos und unruhig gewesen – es war der Abend vor Allerheiligen, ein Tag, dem der Dunkle Lord besonderen Einfluss zuschrieb, und wie schon im Jahr zuvor war Severus von der unterschwelligen Sorge erfüllt gewesen, dass er diesmal angreifen könnte, selbst, wenn er keine solchen Absichten hatte erkennen oder verlauten lassen.

"Ich verließ die Feier mit der Begründung, nach Hogwarts zurückkehren zu müssen, und apparierte direkt hierher. Ich hatte nicht erwartet, etwas anderes als ein leeres Haus vorzufinden, da ich ja wußte, dass es durch den Fidelius geschützt war. Aber noch während ich am Tor stand und überlegte, was ich nun tun sollte und ob ich nicht ein wenig zu paranoid war, sah ich plötzlich einen grünen Lichtblitz und hörte das Geräusch einer Explosion. Und dann war mit einem Schlag alles deutlich sichtbar vor meinen Augen ..."

"Der Fidelius brach in dem Moment, als das Haus beschädigt wurde?" Harry setzte sich auf die Stufen. "Wieso?" Er hatte sich darüber immer den Kopf zerbrochen. Der Fidelius, der auf dem Haus am Grimmauld Platz lag, war durch Sirius´ Tod nicht beeinträchtigt worden, nicht einmal durch den Tod des Geheimniswahrers ein Jahr später. Hagrid, der als erster in Godric's Hollow angekommen war, hätte nicht in der Lage sein dürfen, das Haus seiner Eltern überhaupt zu betreten.

"Der Zauber ist in der physischen Struktur des zu versteckenden Objektes verankert", erklärte sein ehemaliger Lehrer, der offensichtlich immer noch mit Gefühlen rang, welche die Erinnerungen an jene Schicksalsnacht in ihm ausgelöst hatten. "Der Schlüssel dazu wird im Geheimniswahrer verborgen. Wenn die Struktur verletzt wird, verletzt das auch den Zauber."

Harry runzelte die Stirn. "Aber macht das den Fidelius nicht zu einem sehr schwachen Schutz? Man könnte doch einfach ein paar Sprengzauber auf das versteckte Gebäude abfeuern, wenn ein kleiner Schaden am Gemäuer alles ist, was es braucht, um es sichtbar werden zu lassen ..."

Severus schüttelte tadelnd den Kopf angesichts von Harrys Unverständnis über diese grundlegenden, magischen Dinge. "Du hast wieder mal nicht zugehört, Potter. Genau wie der Unauffindbarkeitszauber macht der Fidelius ein Haus nicht einfach nur unsichtbar oder belegt es mit einer Illusion. Er verschiebt es buchstäblich an einen Ort, der nicht Teil deines Universums ist, wenn du nicht eingeweiht wurdest, und ersetzt es mit einer Alternativwirklichkeit. Muggel und Todesser hätten hier nur ein verlassenes Haus vorgefunden, und daran hätte selbst die Gewissheit, dass der vermeintliche Auszug der Potters eine Lüge war, nichts geändert. Sie hätten es sogar abreißen können, ohne das Haus, in dem deine Eltern lebten, dadurch überhaupt zu berühren. Also nein – jeglicher Schaden am Gebäude konnte nur von innen heraus herbeigeführt worden sein."

Severus hatte sofort gewusst, dass er zu spät gekommen war. Sein 'Homenum Revelio'-Zauber hatte ergeben, dass sich nur noch eine einzige lebende Seele im Haus befand, und ohne sich der Idiotie seines Handelns bewusst zu sein, war er hineingestürmt. Hätte er auch nur eine Sekunde lang nachgedacht, hätte er nur zu einem Schluss kommen können: dass alle Potters tot waren und der Dunkle Lord drinnen gerade seinen Sieg feierte. Aber er war überhaupt nicht in der Lage gewesen, rational zu denken. Er hatte nur reagiert. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hatte er gehofft ...

Aber wie er es in den Tiefen seines Herzens bereits geahnt hatte, ehe er durch die zerstörte Haustür gestürmt war, hatte er sie tot aufgefunden: erst Potter, genau hier, am Eingang zum Wohnzimmer, dann Lily, oben im Kinderzimmer. Er hatte zuerst nicht mal die sterblichen Überreste des Dunklen Lords an der Wand hinter der Tür wahrgenommen, wohin sie durch den Rückstoß des Zaubers, der die Außenwand hatte einstürzen lassen, geschleudert worden war.

"Du hast meine Mutter gefunden ...", sagte Harry leise, der diesmal deutlich im Gesicht des sonst so verschlossenen Mannes ablesen konnte, was er dachte. Dann fiel die undurchdringliche Maske wieder über seine Züge. Er wich Harrys Blick aus. "Ich will nicht darüber reden."

Die Erinnerung an seinen kompletten mentalen Zusammenbruch war eine höchst private, die niemand je hätte sehen sollen. Severus hatte sich nie wieder so der Verzweiflung und Trauer hingegeben wie in dem Moment, als er Lilys toten Körper in seinen Armen hielt. Es war das letzte Mal gewesen, dass er geweint hatte. Es hatte sich angefühlt, als wäre die Welt stehen geblieben. Alles, was er im Jahr zuvor durchgemacht hatte ... die Lügen, das Spionieren, das ständige sich Verstellen ... seine allgegenwärtige Angst, enttarnt zu werden; der Druck, jedes einzelne seiner Worte abwägen zu müssen; stets seine Gefühle zu unterdrücken …

Er hatte gedacht, das alles wäre seine Buße gewesen, eine Wiedergutmachung für die Schuld, die ihn von innen auffraß. Er hatte gehofft, dass er, indem er sie beschützte, – ihre Familie beschützte – seinen Fehler wiedergutmachen konnte: sich den Todessern angeschlossen, sich ein abscheuliches Mal in die Haut brennen gelassen und Lily zum Ziel gemacht zu haben. Aber es war alles umsonst gewesen. Er hatte versagt. Severus war so am Boden zerstört gewesen, dass er zunächst nicht einmal begriffen hatte, dass nun alles vorbei war, dass der Dunkle Lord besiegt, seine Macht gebrochen war. Und selbst, als er es begriffen hatte, war er nicht imstande gewesen, sich zu freuen. Er hatte nur noch eine grenzenlose Leere verspürt.

"Was war mit Voldemort?"

"Sein ziemlich angegriffener Leichnam lag auch dort oben. Wir hatten Schwierigkeiten, uns überhaupt zusammenzureimen, was mit ihm passiert war."

"Wir?", wiederholte Harry stirnrunzelnd. Wer war noch hier gewesen?

"Dumbledore und ich", antwortete Severus wie selbstverständlich. "Ich hatte ihm einen Patronus geschickt ... sobald ich dazu in der Lage war." Er hatte ihn zuerst nicht zustande gebracht. Als sei er von einem Dementor geküsst worden, war einfach keine glückliche Erinnerung mehr übrig gewesen. Nur dank seiner Okklumentik war es ihm irgendwann überhaupt gelungen, das alles in eine mentale Kiste zu zwängen und diese irgendwo im Sumpf seines geistigen Ödlandes zu versenken. Und dennoch – selbst Jahre danach war sie nicht begraben geblieben, sondern in jedem Moment der Schwäche wieder aufgetrieben und in sein Bewusstsein gesickert.

"Dumbledore war hier?", fragte Harry verdattert. "Aber ich dachte, es wäre Hagrid gewesen, der mich aus den Trümmern geholt hat!"

Severus hob die Brauen. "Du dachtest, dass Dumbledore, als er hörte, dass deine Eltern und der Dunkle Lord tot in ihrem Fidelius-geschützten Haus lagen und du mysteriöserweise einen Angriff überlebt hast, der einen Teil selbigen Hauses zerstört hatte, nicht unverzüglich zum Ort des Geschehens geeilt wäre, um herauszufinden, was zur Hölle passiert war, sondern ausgerechnet Hagrid schicken würde?"

"Nun, wenn du es so formulierst … nein", meinte Harry, der sich ein wenig dumm vorkam. "Das ist wohl auch eines von den vielen Dingen, die ich immer hingenommen habe, ohne sie zu hinterfragen." Natürlich würde Dumbledore Voldemorts Leichnam mit eigenen Augen sehen und seinen und die Körper seiner Eltern nicht von Muggeln auffinden lassen wollen.

Was die Frage aufwarf, wie Dumbledore überhaupt mitbekommen hatte, was in Godric's Hollow passiert war. Gab es Zauber, die ihn alarmierten, als es zur Explosion kam? Aber wie sollte er gewusst haben, dass Voldemort und seine Eltern tot waren, während Harry überlebt hatte, ehe er Hagrid losschickte, um ihn zu den Dursleys zu bringen? Nein, er würde auf jeden Fall sofort persönlich herbeigeeilt sein, als er erfuhr, dass etwas Schreckliches im Haus der Potters geschehen war. "Die Nachbarn müßten es doch mitbekommen haben ...", überlegte Harry weiter. "Eine Explosion, die eine ganze Hauswand zum Einsturz gebracht hat, war sicher nicht zu überhören gewesen, zumal ja der Fidelius gebrochen war und jeder den Schaden sehen konnte ... Wie kann es sein, dass sie nicht längst hier herumschwärmten?"

"Der Fidelius versagte, aber der Muggel-Abwehrzauber, der nicht über dem Haus, sondern über dem ganzen Grundstück lag, war nach wie vor intakt: Muggel sahen noch immer die Illusion eines verlassenes Hauses. Als die Zauberer der Abteilung für Magische Unfälle und Katastrophen später zur Krisenbewältigung eintrafen, müssen sie allerdings das ganze Grundstück unauffindbar gemacht haben. Das Haus sieht jetzt für Muggel viel zerstörter aus als zuvor unter dem Fideliuszauber."

"Das Haus ist jetzt unauffindbar? Das heißt, wir sind jetzt praktisch für die Nachbarn in einer Art Paralleldimension und können nicht gesehen werden?"

Severus nickte. "Ich nehme an, das Ministerium entschied, es unauffindbar zu machen, weil man fürchtete, es könne zu einem Wallfahrtsort werden. Herden von seltsam gekleideten Leuten, die regelmäßig in einem leeren und baufälligen Haus herumkraxeln, hätten mit Sicherheit Aufmerksamkeit erregt, trotz des Ablenkungszaubers. Abgesehen davon gibt es immer den ein oder anderen Muggel, der dagegen immun ist. Unauffindbarkeit stellt sicher, dass niemand diesen Ort entweihen kann. Selbst wenn man die Ruine, die nun für Muggel existiert, abreißen würde, wäre dieses Haus davon nicht berührt."

"Ich möchte raufgehen und sehen, wo es passiert ist", entschied Harry und stand auf. Dann hielt er kurz inne. Ein Zögern lag in seiner Stimme, als er seinen Paten ansah. "Du mußt natürlich nicht mit, wenn du nicht willst ..."

Er ließ den Satz unbeendet, aber seine Augen sprachen eine eindeutig Sprache. Er wollte nicht alleine dort hochgehen. Gryffindors! Immer auf geradezu himmelschreiende Weise durchsichtig. Severus stieß sich von der Wand ab. "Zweifellos wirst du noch mehr Fragen für mich haben. Ich kann sie genauso gut oben beantworten." Es würde dort nicht viel zu sehen geben. Die Bilder waren alle in seinem Kopf. Es spielte keine Rolle, wo er sie wiederaufleben ließ.

Sie stiegen beide die Treppe hoch. Harrys Zimmer war das letzte auf der rechten Seite des Flurs. Die Tür war noch heil, aber verwittert und verbogen. Der Grund dafür wurde offensichtlich, als Harry es schließlich schaffte, sie aufzustoßen. Ein Teil der äußeren, gegenüberliegenden Wand war eingefallen und hatte ein Loch gerissen, das den Raum den Elementen aussetzte.

Harry konnte sich nun, da er alles real vor sich sah, auch sehr deutlich an die Bilder dieser Nacht erinnern, die ihm Severus in der Heulenden Hütte mit seinen Tränen vermacht hatte. Dort gegenüber hatte sein Kinderbett gestanden. Und direkt vor ihm, mit dem Gesicht zur Tür gewandt, hatte seine Mutter auf dem Fußboden gelegen. Doch obwohl er genau wusste, was passiert war und obwohl er den Ort des Geschehens nun mit eigenen Augen vor sich sah, blieb alles seltsam vage – als wäre es nicht ihm passiert. Vermutlich lag es daran, dass er kaum eigene Erinnerungen an das Geschehen hatte. Er hatte alles nur durch die Augen anderer gesehen. Vielleicht sollte er dankbar dafür sein.

"Woher wusste ihr überhaupt, was sich genau zugetragen hat?", fragte Harry. "Es gab ja keine Zeugen außer mir."

"Der Umkehrzauber, den Dumbledore am Zauberstab des Dunklen Lords vornahm, ergab, dass er drei Todesflüche gesprochen hatte. Dennoch waren da nur zwei tote Körper, seinen eigenen nicht mitgezählt. Es war offensichtlich, dass deine Eltern beide mit einem Avada Kedavra getötet worden waren. Da du lebtest und der Dunkle Lord tot war, war es offensichtlich, dass sein Fluch durch irgendetwas abgelenkt worden sein musste und stattdessen die Außenwand getroffen hatte. Das 'irgendetwas' hat uns allerdings Rätsel aufgegeben."

Harry nickte. Der Todesfluch zerstörte unbelebte Objekte, wenn sie versehentlich getroffen wurden, oft in einer heftigen Explosion. Voldemort hatte vermutlich unmittelbar vor seinem Bett gestanden, als er den Fluch sprach.

"Der Rückschlag hat den Dunklen Lord offensichtlich mit voller Wucht gegen die gegenüberliegende Wand geschleudert." Severus deutete auf eine Stelle hinter der Tür. "Dort habe ich ihn gefunden."

"Du meinst, er starb, weil er mit dem Kopf gegen die Wand donnerte?", fragte Harry mit ungläubigem Staunen. Der Vorstellung, dass Voldemort auf eine so banale Weise den Tod gefunden hatte, lag eine gewisse Ironie inne "Ich dachte immer, er sei gestorben, weil sein Fluch irgendwie auf ihn selbst zurückgeprallt war."

"Wenn dem so gewesen wäre, was hat dann die Wand einstürzen lassen? Der Fluch war auf dich gerichtet – er konnte entweder die Wand hinter dir treffen oder zurückgeworfen werden, in welchem Fall er den Dunklen Lord getötet hätte, ohne eine Spur von Gewalt zu hinterlassen. Er kann unmöglich in beide Richtungen gleichzeitig gegangen und zwei Ziele gleichzeitig getroffen haben. Aber nach jeder Lesart – außer streng wörtlich genommen – war sein Fluch tatsächlich auf ihn zurückgeprallt, da er starb, als er ein Avada Kedavra auf dich richtete."

"Aber wie konnte sich ein Fragment seiner Seele an mich heften, wenn es nicht ein Avada war, das ihn umgebracht hat?"

Severus seufzte. "Wir können nur Vermutungen anstellen. Alles, was in jener Nacht hier passierte, war beispiellos. Wir wissen, dass der Dunkle Lord bereits fünf Horkruxe hergestellt hatte – seine Seele war zerschlissen und zerbrechlich. Abgesehen davon hatte er gerade zwei Morde begangen und einen dritten versucht – dazu noch an einem unschuldigen Kind. Was von seiner Seele noch übrig war, ist erneut zersplittert. Als er starb und sein verstümmelter Seelenrest seinen Körper verließ, muß ein Fragment abgerissen sein, konnte aber wegen der Horkruxe, die es an die Welt banden, nicht ins Jenseits übergehen. Vielleicht hätte es dort ohnehin nicht hingehen können – Fragmente sind schließlich keine Seelen, nur zerbrochene Scherben, Überbleibsel Es ist alles sehr esoterisch, aber ich nehme an, dass so ein Seelenfetzen sich von allem, was lebt, angezogen fühlt. Es hat sich an den einzigen lebenden Körper gehängt, der in der Nähe war und als Seelengefäß in Frage kam."

Harry runzelte die Stirn. "Wäre es dann nicht gefährlich, in der Nähe zu sein, wenn ein Mörder stirbt?" War das der Grund, warum Zauberer Demen toren benutzten, um die Todesstrafe zu vollstrecken? Um wohlmöglich fehlgeleitete Seelen stücke daran zu hindern, sich an nichtsahnende Zeugen zu hängen?

"Ein Mord hat immer eine Auswirkung auf die Seele, aber er führt nicht zwangsweise zu einer Zersplitterung derselben. Die Seele eines Mörders, so vernarbt und hässlich sie auch sein mag, sollte immer noch zusammenhalten und dorthin gehen, wo auch immer Seelen hingehen. Der Dunkle Lord hat seine Seele zerstückelt, in dem er Teile davon abgerissen und in Horkruxe gesteckt hat. Wie immer mit Magie ist es eine Frage der Absicht." Severus hielt inne, als ihm ein Gedanke kam, und er fügte widerwillig hinzu: "Nach allem was wir wissen, ist es gut möglich, dass er sogar in jener Nacht in der Absicht hierhergekommen war, einen weiteren Horkrux zu erschaffen."

Harry starrte ihn mit morbider Faszination an. Natürlich. Severus hatte mehrfach erwähnt, welche Bedeutung Voldemort dem Samhaimfest beimaß. Und zweifelsohne war er, Harry, der Widersacher, dem die Prophezeiung galt, ein wichtiges, bedeutungsvolles Opfer gewesen. "Aber was hatte er als Gefäß benutzen wollen? Doch sicher nicht mich!"

"Nein. Eine lebende Person zu einem Horkrux zu machen, verfehlt gänzlich den Zweck. Vermutlich sollte der Mord an dir nur der Akt sein, mit dem er seiner Seele ein weiteres Stück abriss."

"Hat er irgendetwas hier zurückgelassen?"

"Nein, nicht, dass ich wüßte." Severus war nicht wirklich aufmerksam gewesen, aber etwas derart ins Auge Springendes wie ein goldener Becher oder ein Diadem wäre ihm in all seiner Pein dennoch aufgefallen.

"Vielleicht wollte er etwas benutzen, das bereits im Haus war", überlegte Harry und riss die Augen auf, als ihm plötzlich ein Gedanke in den Kopf schoß. "Ein Familienerbstück. Etwas, von dem er über Pettigrew wußte, dass mein Vater es besaß … wie den Tarnumhang!" Eines der Heiligtümer des Todes, von denen Voldemort später so besessen war. Von Pettigrew könnte er erfahren haben, dass der Umhang sehr alt und wertvoll war, sich lange Zeit im Besitz der Potters befunden hatte und von den Peverells stammte. War er den Heiligtümern damals schon auf der Spur gewesen? Der Umhang war in jener Nacht nicht im Haus gewesen, da Dumbledore ihn sich ein paar Wochen zuvor ausgeliehen hatte. Lily hatte es in dem Brief an Sirius erwähnt, aber Pettigrew hatte es möglicherweise nicht gewußt.

"Das wäre in der Tat eine Möglichkeit …", meinte Severus nachdenklich. "Obwohl es schon riskant war, unvorbereitet zu kommen. Vielleicht hat er etwas dabei gehabt. Etwas Kleines, vielleicht ein weiteres Schmuckstück oder Andenken. Wir haben seine Taschen nicht durchwühlt."

"Es gab also einen Leichnam … Ich habe nie vorher gehört, dass man einen Körper gefunden hat."

Severus schnaubte. "Auch der Dunkle Lord hat sich nicht magisch in Luft aufgelöst. Die Leute vom Ministerium haben seinen Leichnam ohne viel Federlesen vernichtet. Man wollte sicherstellen, dass seine Anhänger seine sterblichen Überreste nicht mit Dunkler Magie wieder zum Leben erweckten. Dumbledore hatte darauf gedrängt, aber eher, weil er fürchtete, sie könnten den Körper für seine Rückkehr konservieren."

"Dumbledore hat schon immer vor Voldemorts Rückkehr gewarnt … ", erinnerte sich Harry, in dessen Kopf eine Reihe von Rädchen anfingen, sich wild zu drehen. "Woher aber wollte er das wissen?"

"Nun, da war zum einen diese höchst verdächtige Narbe auf deiner Stirn. Vermutlich von einem umherfliegenden Trümmerteil, was allerdings nicht erklärte, warum die Wunde Spuren von Dunkler Magie zeigte."

Bei diesen Worten schnappte Harry schockiert nach Luft. "Ihr habt damals schon den Verdacht gehabt, dass meine Narbe ein Horkrux war?"

Die Anschuldigung in seiner Stimme war nicht zu überhören. "Ich habe nichts dergleichen geahnt", wies Severus eine Beteiligung an Albus' Gedankenspielen von sich. "Ich war zu dem Zeitpunkt nicht in der Verfassung, weitreichende Überlegungen anzustellen." Er war zu gar nichts in der Lage gewesen, was über grundlegende Körperfunktionen hinausging; hatte kaum wahrgenommen, was um ihn herum geschah. Erst Jahre später, als er begann, nach Antworten auf mehr und mehr Fragen zu suchen und sich die Erinnerungen an jene Nacht in einem Denkarium ansah, war ihm klar geworden, zu welchen Schlüssen Albus angesichts der Narbe im Gesicht des Jungen gekommen sein mußte. "Aber ich glaube, Dumbledore hatte einen Verdacht."

"Wenn das der Fall war, hätte Dumbledore doch auch die Möglichkeit in Betracht ziehen müssen, dass es noch andere Horkruxe gab, was ihn wiederum bewegt haben müsste, schon damals Nachforschungen in Voldemorts Vergangenheit anzustellen", stieß Harry wütend hervor. "Er hätte zwölf Jahre Zeit gehabt, das zu vollbringen, was Hermine, Ron und ich in einem Jahr schaffen mußten: die verbliebenen Horkruxe zu finden und zu zerstören. Voldemorts Rückkehr hätte verhindert werden können!"

Severus schüttelte den Kopf. "Was auch immer dir zugestoßen war: Es war ganz offensichtlich ein Unfall gewesen. Dumbledore war sicher, dass der Dunkle Lord nicht wußte, was er getan hatte. Es gab keinerlei Grund zur Annahme, dass es mehr als diesen einen unabsichtlichen Horkrux gab – falls Dumbledore überhaupt der Gedanke gekommen war, es könne sich bei deiner Narbe um einen solchen handeln. Niemals in der Geschichte wurde jemand erwähnt, der versucht hätte, seine Seele in mehrere Stück zu zerreißen – es war schlicht unvorstellbar."

Wobei Dumbledore vermutlich nach dem Desaster mit dem Tagebuch in Harrys zweitem Schuljahr nachdenklich geworden war … Natürlich hätte es sich bei dem Tagebuch auch einfach um eine verzauberte Erinnerung handeln können, ähnlich wie ein Zauberportrait, wenngleich eine bösartige, dunkle Version. Es hatte ihn selbst jedenfalls nie etwas noch Düsteres vermuten lassen. "So oder so war Dumbledore gut beraten, den Verdacht für sich zu behalten. Wer weiß, auf welche Ideen man wohlmöglich im Ministerium gekommen wäre ... Man hätte nicht gezögert, den Horkrux in dir zu zerstören, um eine Rückkehr des Dunkeln Lords mit Gewissheit zu verhindern – selbst auf die Gefahr hin, dich dabei zu töten." Es war vermutlich einer der Gründe, warum Albus so erpicht darauf gewesen war, Auroren und Ministeriumsangestellte in jener Nacht gar nicht erst an Harry heranzulassen.

Harry war nicht überzeugt. "Wenn Dumbledore niemandem von dem unbeabsichtigten Horkrux in mir erzählt hat, wieso sollte dann irgendjemand Sorge gehabt haben, dass Voldemort von den Toten wiederauferstehen würde? Warum hast du es geglaubt?"

"Nur sehr wenige Leute haben es ihm geglaubt, und das nur aus dem einfachen Grund, dass er Dumbledore war. Ich glaubte es ihm aufgrund der Prophezeiung. 'Und der Dunkle Lord wird Ihn als sich Ebenbürtigen kennzeichnen, aber Er wird eine Macht besitzen, die der Dunkle Lord nicht kennt." Es ist genau as, was in jener Nacht passiert ist. Der Dunkle Lord hat dich gezeichnet, und dank des Opfers deiner Mutter hattest du nun eine Macht, von der er nichts wußte und die er nicht verstehen konnte: Ein Schutz in deinem Blut, geboren aus der Liebe einer Mutter. Da die Prophezeiung in diesem Teil eingetroffen war, war anzunehmen, dass auch alles andere sich wie vorhergesagt zutragen würde: 'der Eine muss von der Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, während der Andere überlebt'.

"Ich dachte, du kanntest den zweiten Teil der Prophezeiung nicht …"

"Dumbledore gab sie mir ein paar Stunden später in seinem Büro, als er versuchte, mich davon zu überzeugen, dass du immer noch meinen Schutz brauchtest." Severus würde nie Dumbledores Enthüllung vergessen. 'Der Dunkle Lord wird zurückkehren, Severus, und wenn er das tut, wird der Junge in großer Gefahr sein.' "Auch ich stellte ihm die Frage, woher er das wußte, und er gab mir den zweiten Teil der Prophezeiung: "Und der Eine muss von der Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, während der andere überlebt."

Harry sah verwirrt drein. "Aber auch der Part war bereits erfüllt. Voldemort war von meiner Hand gestorben, und ich hatte überlebt."

Severus schüttelte den Kopf. "Ganz im Gegenteil. Der Dunkle Lord war nicht durch deine Hand gestorben, du hast nicht mal einen Finger gerührt. Da du aber offensichtlich derjenige warst, der überlebt hat, mußte der Dunkle Lord jener sein, der 'nicht leben' konnte, solange dein Überlebenszustand andauerte. 'Nicht leben können' ist etwas völlig anderes als 'tot sein'. Tatsächlich klingt die letzte Zeile geradezu unheilschwanger: Sie scheint klar die Warnung zu geben, dass der Dunkle Lord an jenem Abend nicht den Tod gefunden hatte. 'Der Eine muss von der Hand des Anderen sterben' deutete auf eindeutig auf eine zukünftige Konfrontation hin. Albus hatte ein ganzes Jahr Zeit gehabt, die Prophezeiung zu studieren und herauszufinden, was sie für dich bedeuten mochte, und er kam zu dem Schluß, dass die Gefahr nicht überstanden war."

Harry fand, dass das alles sehr weit hergeholt klang – wie völliger Hokuspokus. Aber er hatte niemals an Prophezeiungen und Wahrsagerei geglaubt. Es war vermutlich dem Umstand geschuldet, dass er in der Muggelwelt aufgewachsen war, oder aber Hermines Einfluß. Letzten Endes hatte Dumbledore recht behalten, und auch die Prophezeiung. Die meisten Begegnungen mit Voldemort, die Harry überlebt hatte, hatten den Dunklen Lord wieder in ein Limbo zwischen Sein und Nichtsein gezwungen, der definitiv kein 'Leben' war. Auch Harry hatte sein Leben nicht wirklich leben können, solange der Schatten Voldemorts über ihm hing. Und letztendlich waren sie beide durch die Hand des jeweils anderen gestorben. Im Nachhinein konnte Harry nur froh sein, dass niemand außer Dumbledore je den Verdacht gehegt hatte, seine Narbe könne etwas anderes sein als die sichtbare Spur einer Verletzung.

Nachdenklich verließ Harry das Zimmer, das einst sein Kinderzimmer gewesen war und ging den Flur hinunter, um in die anderen Räume zu sehen. Das neben dem seinen musste das Schlafzimmer seiner Eltern gewesen sein. Nun war es nichts als ein leerer Raum mit einer etwas altmodisch anmutenden Tapete und einem leeren Einbauwandschrank.

"Woher wusste Dumbledore überhaupt, dass meine Mutter sich für mich geopfert hatte?", fragte er Severus, der in der Diele geblieben war, während Harry sich umsah. "Es klingt, als wäre das meiste reine Spekulation gewesen."

"Du hattest Spuren einer sehr alten Schutzmagie auf deinem ganzen Körper, die durch Selbstopferung ausgelöst wird. Albus hatte eine gute Vorstellung davon, was passiert war, noch ehe er in deine Gedanken eindrang, um es mit deinen Augen zu sehen. Da kleine Kinder keine mentalen Barrieren haben, ist ein Eindringen in ihren Geist einfach und schmerzlos, aber die Erinnerungen sind ein wenig unscharf, wenn man sie nicht in einem Denkarium betrachtet. Aber was er in deinem Geist sah, bestätigte seinen Verdacht: Dass Lily, indem sie sich für dich opferte, dich vor dem Todesfluch bewahrt hatte."

Also hatte Dumbledore Legilimentik benutzt, um in Harrys Geist zu blicken … Hatte er Harrys Erinnerungen anschließend gelöscht, oder waren sie einfach mit der Zeit verblasst? Harry hatte keine Bilder in seinem Kopf, die ihm seine Mutter zeigten, wie sie schützend vor ihm stand und sich weigerte, beiseite zu treten. Alles, woran er sich erinnerte, war ihr Schrei und ein grüner Lichtblitz. "Ich habe nie verstanden, wie dieser Schutzzauber funktioniert hat", murmelte er. "Dass Voldemort mich nicht anfassen oder töten konnte, weil sie für mich gestorben ist – die Erklärung ist sehr esoterisch ..."

"Es ist auch keine gewöhnliche Zauberei, sondern uralte Magie. Der Schutz wurde durch einen Willensakt ausgelöst. Lily hat willentlich ihr Leben gegeben, um deines zu beschützen."

"Das hat mein Vater auch getan."

"Er hatte aber, anders als Lily, nie die Möglichkeit, sich anders zu entscheiden."

Harry sah seinen Pate nachdenklich an. "Es war deinetwegen, nicht wahr? Voldemort hätte sie verschont, weil du ihn darum gebeten hattest."

Wieder einmal wurde Severus schmerzlich bewusst, wie sehr Harrys Augen denen seiner Mutter glichen. Für einen Moment lang, während sie so intensiv und voller Emotionen auf ihm lagen, hatte er das Gefühl, Lily gegenüberzustehen. Es löste Wehmut aus, aber nicht länger die dunkle Verzweiflung und die Schuldgefühle, die er sonst immer empfunden hatte. Verwundert fragte er sich, wann – und vor allem warum – sich das geändert hatte.

"Es war dein Flehen, ihr Leben zu verschonen, das ihr Opfer überhaupt möglich gemacht hat", bekräftigte Harry. "Voldemort hätte sonst keine Sekunde gezögert, sie genauso zu töten, wie meinen Vater." Unwissentlich hatte Severus die Waffe geschmiedet, die letztendlich Voldemorts Untergang herbeigeführt hatte.

Ja, dachte Severus bitter. Was für eine Ironie. Der Dunkle Lord hatte Wort gehalten, während Dumbledore seinen Teil des Deals nicht erfüllt hatte.

"Du hast das Versprechen erfüllt, dass du meiner Mutter vor meiner Geburt gegeben hast. Du hast mich immer beschützt. Sogar in der Nacht, in der ich sterben sollte."

Wie erwartet ging sein Pate nicht darauf ein. Hermine hatte Harry gewarnt. Der Mann konnte mit Dankbarkeit nicht umgehen.

"Der Schutz, den Lilys Opfer heraufbeschwor, wäre ein einmaliges Vorkommnis geblieben, wenn Dumbledore die alte Magie, die am Werk war, nicht erkannt hätte", sagte er, als hätten sie nie über etwas andere als über die Mechanik des Lebensopferschutzes gesprochen. "Er hat die gebotene Chance wahrgenommen, sie durch einen Blutbandzauber, den er auf dich legte, zu zementieren."

"Er hat Blutmagie an mir angewendet?", fragte Harry entgeistert.

"Nein, keine Blutmagie, Potter, da diese das Vergießen von Blut erfordert und deshalb zu den Dunklen Künsten zählt. Der Blutbandzauber ist im Grunde genommen eine magische Adoption. Sie machte es Dumbledore möglich, den Lebensopferschutz deiner Mutter in deiner Tante zu verankern."

Diese Erklärung war noch schockierender. "Ich bin von meiner Tante magisch adoptiert worden?" Harrys Augen weiteten sich entsetzt.

"So wenig dir das auch gefallen mag ... aber ja. Sie war die einzige Person, die dafür in Frage kam, da sie und deine Mutter vom selben Blut waren. Indem sie dir gegenüber die Verantwortung einer Mutter übernahm – dir ein Zuhause und Schutz gab und dich aufzog – trat Petunia an Lilys Stelle. Solange du ein Minderjähriger in ihrer Obhut warst, bestand der Schutz, den dir deine Mutter gegeben hatte, fort."

Harry schnaubte. "Petunia war mir nie eine Mutter. Sie hat mich nicht mal als Teil ihrer Familie betrachtet."

"Das muss sie getan haben", widersprach Severus. "Andernfalls hätte die Magie sich nicht binden lassen. Ich kenne Petunia. Sie war immer eifersüchtig auf Lily, aber sie hat sie geliebt. Über die Jahre hat sie nur gelernt, alles zu hassen, was sie und ihre Schwester voneinander trennte. Dumbledore hat ihr alles in einem Brief erklärt und ihr klar gemacht, dass sie, indem sie dich aufnahm und an deiner Mutter Stelle trat, dir einen dauerhaften Schutz gegenüber demjenigen gab, der ihre Schwester getötet hatte. Sie hätte ablehnen können und der Blutbandzauber wäre nie aktiviert worden. Aber das hat sie nicht getan."

Konnte das wahr sein? Hatte Petunia ihn aus Liebe und Loyalität zu ihrer Schwester aufgenommen? War sie sich völlig darüber im Klaren gewesen, dass sie durch seine Aufnahme in die Familie sein Leben rettete? Aber warum es retten, um es dann zur Hölle zu machen?

Severus klang bitter, als er unbewusst Harrys stille Frage beantwortete: "Was Dumbledore bei all seinen Reden über Liebe nie verstanden hat, ist, dass jemanden zu lieben nicht zwangsläufig bedeutet, ihn auch anständig zu behandeln." Und es war sehr wohl möglich, jemanden gleichermaßen zu hassen wie zu lieben. Er hatte es bei seinen eigenen Eltern gesehen, und er hatte es in gewisser Weise auch in seiner Beziehung zu Dumbledore erfahren. "Petunia hat Lily geliebt, aber sie war trotzdem bösartig und gehässig ihr gegenüber. Warum also hätte sie dich anders behandeln sollen? Um ihre primäre Verpflichtung als Elternteil zu erfüllen, reichte es aus, dir Nahrung und Obdach zu geben. Liebe war keine Bedingung."

Zum wiederholten Mal konnte Harry nur über die Ironie des Ganzen den Kopf schütteln. Mit Petunia und Severus hatte er zwei Menschen in seinem Leben gehabt, die zwar eine Menge auf sich genommen hatten, um sein Leben zu beschützen, aber ihn dennoch verabscheut und wie Dreck behandelt hatten. Zumindest bei seinen Patenonkel hatte er aber zunehmend Grund, auf eine Verbesserung der Beziehung zu hoffen.

"Also musste ich einmal im Jahr zu den Dursleys zurückkehren, damit Petunia ansatzweise wie eine Mutter handeln konnte, indem sie mir Unterschlupf und Essen gab …", resümierte Harry, der sich wünschte, jemand hätte sich die Mühe gemacht, ihm das damals zu erklären. Dumbledore hatte zu viel vorausgesetzt – hatte irgendwie vergessen, dass Harry nicht in der Zaubererwelt aufgewachsen war und kein angeborenes Verständnis für diese Dinge hatte. Aber andererseits bezweifelte er stark, dass Ron es besser verstanden hätte. Dumbledore hatte seine Weisheiten zu oft in Rätsel gekleidet.

"Ja", bestätigte Severus, der sehr viel mehr Geduld an den Tage legte, als Harry ihm je zugesprochen hätte. "Solange sie dich im weitesten Sinne ihr schutzbefohlenes Kind nennen konnte, warst du für den Dunklen Lord im buchstäblichen Sinne unberührbar. Seine Magie konnte gegen dich nicht wie beabsichtigt wirken."

Harry fragte sich, was wohl passiert wäre, wenn Voldemort versucht hätte, ihn mit nicht-magischen Mitteln umzubringen, ohne ihn zu berühren – wie zum Beispiel mit einem Gewehr. Würde der magische Schutz es als Verlängerung seiner Hand erkannt haben? Es war vermutlich gut, dass ihm die Idee, es auf diese Art zu versuchen, nie in den Sinn gekommen war.

"Und da dachte ich immer, ich hätte einfach nur unglaubliches Glück gehabt, dass ich ihm unzählige Male nur knapp entkommen bin", meinte Harry und öffnete die nächste Tür. Ein Badezimmer. Er war froh, dass jemand das Haus leergeräumt hatte. Er hatte keine Ahnung, wie er sich wohl gefühlt hätte, wenn er hier Zahnbürsten, eine Haarbürste oder halbleere Shampoo-Flaschen vorgefunden hätte.

Severus schnaubte. "Glaub mir, reines, dummes Glück war auch dabei. Aber die Tatsache, dass das Haus der Durleys für den Dunklen Lord praktisch unauffindbar war, hat sicherlich sehr geholfen."

Harry zog die Stirn kraus. "Unauffindbar? Man konnte die Adresse doch in jedem Telefonbuch nachschlagen."

Severus rollte die Augen. "Unauffindbar im magischen Sinne, natürlich. Er kannte die Adresse, aber es war ihm dennoch unmöglich, das Haus zu finden. Der Schutz deiner Mutter wirkte wie ein Unauffindbarkeitszauber, allerdings nur für Dunklen Lord und alle dir nicht wohlgesonnene Zauberer, die sein Zeichen trugen."

"Tatsächlich?", fragte Harry, angenehm überrascht. "Und es hat sogar gegen Todesser gewirkt?"

Severus grinste. "Ich weiß mit Sicherheit, dass der Dunkle Lord sie nach dir ausgeschickt hat, im Sommer nach seiner Rückkehr. Aber sie waren nicht in der Lage, überhaupt die Straße zu finden. Sie irrten in der Nachbarschaft umher, ohne je in die Nähe des Ligusterwegs zu kommen. Der Dunkle Lord war sehr aufgebracht und meinte, sie seien alle Idioten."

"Hat er jemals dich geschickt?"

"Das hat er. Aber ich ließ ihn nicht wissen, dass ich das Haus ohne Probleme finden konnte. Ich bestätigte ihm, dass es die Straße nicht zu geben schien. Er akzeptierte schließlich, dass keiner seiner Anhänger in der Lage war, dir dort ein Haar zu krümmen. Unglücklicherweise brachte ihn das auf den Gedanken, die Dementoren auf dich anzusetzen."

"So wie es aussah, konnten sie den Ligusterweg auch nicht finden", meinte Harry. "Sie haben mich ein paar Straßen weiter in Magnolia Crescent erwischt."

"Was der Grund war, warum Dumbledore dich in das Haus am Grimmaulplatz geholt hat. Er war sich nicht sicher, wie sich die Wiedererschaffung seines Körpers mit deinem Blut auf den Schutz deiner Mutter ausgewirkt hatte."

"Als er mein Blut benutzte, um seinen neuen Körper zu erschaffen …", bestätigte Harry nachdenklich, "hat sich etwas verändert. Ganz offensichtlich konnte er mich nun anfassen. Aber Dumbledore war dennoch merkwürdig erfreut, als ich ihm sagte, was Voldemort getan hatte."

"Ja, denn dadurch hat dir der Dunkle Lord unwissender- und unbeabsichtigterweise den ultimativen Schutz verliehen. Ohne sein Zutun wäre der Schutz deiner Mutter mit deinem Eintritt ins Erwachsenenalter wirkungslos geworden. Aber indem er dein Blut in sich aufnahm, während die schützende Macht noch darin gebunden war, machte er sich selbst zum Gefäß dafür. Er wurde gewissermaßen dein Horkrux."

"Was?", krächzte Harry, dem vor Schreck die Kinnlade herunterfiel.

"Nun, vielleicht sollte ich es besser einen Anti-Horkrux nennen, denn in vielerlei Hinsicht war es das absolute Gegenteil", schwächte Severus seine bestürzende Aussage ab, als er Harrys Reaktion sah. "Obwohl das Resultat das gleiche war: Der Schutz deiner Mutter in seinem Blut band dich genauso ans Diesseits, wie es ein Horkrux getan hätte – zumindest so lange es der Dunkle Lord war, der versuchte, dich umzubringen. Der Erschaffungsprozess war jedoch exakt gegenteilig. Wenn man einen Horkrux herstellen will, muss man das Leben eines anderen nehmen, um den eigenen Tod zu verhindern. Um einen Lebensopferschutz zu wirken, muss man sein eigenes Leben geben, um den Tod eines anderen zu verhindern. Als Voldemort seine Horkruxe erschuf, riss er seine Seele in Stücke und verlor dabei einen Teil von sich selbst. Als deine Mutter sich für dich opferte, bekamst du ein Stück von ihr geschenkt – ihren magischen Schutz. Beides, sowohl die Seelenstücke als auch der Lebensopferschutz, brauchten ein Gefäß außerhalb des eigenen Körpers, um fortbestehen zu können. Petunia, eine Blutsverwandte, wurde zum Anker für die Magie deiner Mutter, die aber an ihre Rolle gebunden war und daher nur zeitlich begrenzt wirken konnte. Als der Dunkle Lord dein Blut – Lilys Blut – in sich aufnahm, stellte er sicher, dass die Schutzmagie, die ihn daran hinderte, dich zu töten, in seinem eigenen Körper fortbestand. Die ziemlich absurde Konsequenz des Ganzen: So lange er lebte, konnte er dich nicht töten. Und wegen seines Horkruxes in dir konntest du ihn nicht töten, solange du lebtest."

"Keiner konnte von der Hand des anderen sterben, solange der andere weiterlebte", resümierte Harry und fragte sich, ob es das gleiche oder das genaue Gegenteil dessen war, was die Prophezeiung besagte. Er hatte diese Zeile ohnehin nie wirklich verstanden. "Aber ich war nicht unsterblich. Letztendlich hat mich Voldemort doch getötet."

"Nicht wirklich", widersprach Severus. "Du hast dich selbst geopfert. Und dank Lilys Schutz, der in Voldemort verankert war, konnte deine Seele in deinen Körper zurückkehren, was mehr ist, als der Dunkle Lord mit all seinen Horkruxen erreicht hat. Als er in der Halloweennacht starb, war der kümmerliche Rest seiner zerrissenen Seele zwar an die Erde gebunden, aber sein Körper hatte nicht zu heilenden Schaden genommen. Es gab nichts, in das sie hätte zurückkehren können. Eine ziemliche gravierende Schwachstelle in seinem Plan, unsterblich zu werden."

Ja, das war es wohl in der Tat. Harry fragte sich kurz, was wohl passiert wäre, wenn Voldemort Harrys Körper zerstört hätte, nachdem er sein 'Avada Kedavra' gesprochen hatte, und seiner Seele auch kein Gefäß gelassen hätte, in das sie hatte zurückkehren können. Wäre er auch verdammt gewesen, wie Voldemort weiterzuexistieren – weniger als ein Geist, kaum mehr als ein Hauch von Nichts? Das wollte er sich lieber gar nicht vorstellen. Er hätte den Tod einer solchen Existenz vorgezogen.

Harry öffnete die Tür zum letzten Zimmer auf dieser Etage. Ein drittes Schlafzimmer. Hatten seine Eltern weitere Kinder geplant? Hätte er Brüder oder Schwestern gehabt, wenn sie überlebt hätten? Er wußte so wenig über ihr Leben und ihre Träume. Da er hier auch nichts fand, was ihm darüber mehr hätte sagen können, wandte sich Harry wieder zur Treppe.

Ein paar Anmerkungen zu meinen Überlegungen:

Das Untertauchen der Potters

Uns wird gesagt, dass die Potters sich, lange bevor der Fidelius gesprochen wurde, versteckten, allerdings wurde nie wirklich erklärt, wo und wie. Wir wissen, dass Petunia Lily im Winter 1980 zu Weihnachten eine hässliche Vase schickte. Da Petunia wohl kaum eine Eule benutzt hat, muss sie die Vase per Post geschickt haben, was bedeutet, dass Petunia die Adresse der Potters kannte, und dass das Haus für den Muggel-Postboten sichtbar gewesen sein muß.

Da 'verstecken' in der Regel impliziert, 'sich dort aufhalten, wo einen niemand sehen kann und niemand weiß, wo man ist', muß also zwischen Weihnachten 1980 und Herbst 1981, als es unter dem Fidelius gelegt wurde und wirklich versteckt war, mit den Potters und ihrem Haus etwas passiert sein. Es so aussehen zu lassen, als seien sie fortgezogen, während sie weiter in einem Haus lebten, dass leer und verlassen aussah, ist die einzige Erklärung, die mir dazu gekommen ist.

Das Haus der Potters

Der Zustand, in dem sich das Haus befindet, ist schwer zu fassen. In den 'Heiligtümern des Todes' (Buch) wird es, als Harry und Hermine davor stehen, als 'stand noch, aber die rechte Seite des oberen Stockwerks war zerstört, dort, wo der Fluch zurückgeprallt war', beschrieben.

"Seine Berührung des Tors schien es ausgelöst zu haben. Ein Schild hatte sich vor ihnen aus dem Boden erhoben (...) Dieses Haus, unsichtbar für Muggel, wurde in seinem zerstörten Zustand belassen als ein Mahnmal..." (Beides meine Übersetzung des Originaltexts).

Im Film jedoch, als Harry und Hermine vor dem Gebäude stehen, ist die gesamte obere Etage komplett zerstört, das Dach nicht mehr vorhanden; das Haus eine ziemliche Ruine. Auch haben die beiden nie das Tor berührt.

Im Film gibt es auch eine Szene aus Severus´ Erinnerungen, in der man sieht, wie er in der Halloweennacht (ehe Voldemort den Fluch spricht) auf das Haus der Potters zugeht, welches alt und baufällig aussieht und ein Loch im Dach hat.

Um hier eine logische Konsistenz zu schaffen, gehe ich also von Folgendem aus:

Der erste Muggelabwehrzauber, der weitläufig über das Grundstück gelegt wurde, zeigt das Haus für Muggel und Zauberer (solange sie den Grenzen nicht zu nahe kommen) gleichermaßen verlassen und mit einem Dachschaden. Es sollte das bewusst verbreitete Gerücht unterstützen, die Potters seien fortgezogen (vielleicht aufgrund der Beschädigung?) während sie in Wahrheit noch immer versteckt in dem in Wahrheit intakten Haus lebten.

Als der Fidelius gesprochen wurde, verschob er das echte Haus für Zauberer und Muggel gleichermaßen in eine Paralleldimension und ersetzte es mit einem identischen Haus aus einer anderen Realität, eines, das genauso aussah, wie zuvor in der Illusion, nur, dass es jetzt physisch vorhanden war: Ein leeres, altes und leicht baufälliges Gebäude mit Loch im Dach, genau so, wie Snape es sah, als er auf das Haus zuging - kurz bevor Voldemort seinen Todesfluch sprach und der Fidelius zusammenbrach. Von diesem Moment an dürfte Snape es gesehen haben, wie es wirklich aussah, da er ja inzwischen direkt am Tor stand und somit der immer noch intakte Muggel-Abwehr Zauber auf ihn als Zauberer nicht mehr wirkte: Grundsätzlich intakt, mit Licht hinter den Fenstern, einer beschädigten Eingangstür und einer gerade eingestürzten Wand im Obergeschoss.

Nach der Attacke an Halloween machte das Task-Force-Team der Abteilung für Magische Unfälle und Katastrophen das ganze Grundstück unauffindbar für Muggel und erschuf an der Stelle ein Gebäude, das wie eine komplette, dachlose Ruine aussah. (So, wie Harry und Hermine es an Weinachten vorfinden, ehe sie das Tor berührten – was wir ihm Film nicht zu sehen bekamen). Vielleicht sollte so jede Idee eines Muggel, es zu kaufen und zu sanieren, im Keim ersticken

Dass der Unauffindbarkeitszauber Orte praktisch in eine Paralleldimension verschiebt, würde erklären, was Remus Harry gesagt hat: Dass Voldemort in Godric's Hollow zum Wohnzimmerfenster hätte hineinschauen können, ohne Harrys Eltern dort zu sehen. Weil eben das echte Haus für ihn gar nicht an dem Ort war, sondern ein gleiches, aber leeres und kaputtes Haus aus einer Paralleldimension. Ich gehe also einfach mal von der String-Theorie und Multiversen aus :) Wie das funktioniert? Keine Ahnung! Magie!

Voldemorts Leichnam

An dieser Frage hängt mehr, als man vermuten möchte: Gab es einen Leichnam? Man muss einen gefunden haben! Zum einen, weil ein Avada Kedavra keine Spuren hinterlässt. Es ist schon seltsam genug, dass die Wand eingestürzt ist, obwohl der Fluch, angeblich zurückgeprallt und nicht um Harry herumgeleitet, in die ganz andere Richtung gegangen wäre. Wenn dieser Rückprall aber so gewaltig war, dass er den Körper Voldemorts pulverisiert hat, hätten weder Harry noch Voldemorts Zauberstab das heil überstehen können.

Der zweite Grund ist dieser: Wie konnten die Leute vom Ministerium ohne Leichnam als Beweis so überzeugt von Voldemorts Tod sein, dass innerhalb weniger Stunden der Tagesprophet darüber berichtete und Menschen auf den Straßen feierten?

Es gab praktisch keinen Beleg für sein Ableben: Priori Incantatem würde nur offenbart haben, dass drei Avadas mit einem dort gefundenen Zauberstab ausgeführt worden waren (den Ollivander erst hätte identifizieren müssen). Abgesehen davon gab es zwei Tote, eine kaputte Wand und ein verschwundenes Kind, dessen Abwesenheit die Auroren doch sehr irritiert habe müsste. (Dumbledore hatte vermutlich eine Menge zu erklären, als Harry mehr als einen Tag später bei den Dursleys auftauchte). Niemand vom Ministerium hat Harry je zu Gesicht bekommen, oder zumindest nicht in der Nacht! Wie sie ohne einen toten Voldemort überhaupt zu der Annahme hätten kommen können, dass Harry einen von ihm gesprochenen Todesfluch überlebt hat, erschließt sich mir nicht.

Wenn wir also davon ausgehen, dass die Ministeriumsleute auf jeden Fall einen toten Voldemort gesehen haben müssen, um die Story mit dem abgeprallten Avada zu glauben, hat Harry völlig recht mit seinen Überlegungen: Warum war Dumbledore so sicher, dass Voldemort zurückkommen würde? Wegen der Prophezeiung? Oder hatte er bereits den Verdacht, dass die Narbe ein Horkrux war?

Der Blutbandzauber (im Original: Bond of Blood)

Die Tatsache, dass Dumbledore diesen Zauber auf Harry gelegt hat, um Lilys Schutz auszuweiten bzw. zu binden, ist der beste Beleg für meine Behauptung, dass Dumbledore in Godric's Hollow gewesen sein muss, ehe er Harry im Ligusterweg in der folgenden Nacht angeblich zum ersten Mal traf, denn zu dem Zeitpunkt hat er definitiv keinen Zauber gesprochen.

Ich habe mich an folgende Erklärung auf der englischen Harry Potter Wiki gehalten: "Die Selbstopferung bewirkt einen anhaltenden Schutz im Blut der Person, die gerettet wurde. Dieser wird jedoch nicht aktiviert, ehe der Blutbandzauber auch tatsächlich gesprochen wird, und ist nicht gebunden und 'funktionierend', bis ein Familienmitglied die gerettete Person als zu ihm gehörig akzeptiert." (Meine Übersetzung des Textes dort).

Angesichts der vielen Fanfictions, die Harry zu einem Opfer sexuellen Mißbrauchs und physischer Gewalt machen, möchte ich festhalten, dass dies in den Büchern so nicht vorkam. Es gab auf jeden Fall emotionale Gewalt, was auch Kindesmißbrauch darstellt, aber ich gehe davon aus, dass es darüber nicht hinausging. Petunia war eine Xanthippe und zweifellos eine schlechte Stiefmutter, aber ich denke, wenn der Blutbandzauber gewirkt haben soll wie die Bücher behaupten, muß Harrys Wohlergehen ihr zumindest tief in ihrem Herzen ein Anliegen gewesen sein.