Über ein Monat war vergangen seit dem ich in Mystic Falls angekommen war und zu meiner Erleichterung hatte sich mein Leben überraschend gut eingependelt. Caroline hatte mit ihren Worten recht behalten, denn auch wenn ihre überdrehte Art mich Anfangs abgeschreckt hatte, musste ich zugeben, dass sie herzlicher und witziger war, als ich zu Beginn gedacht hatte. Die Mischung aus ihrer selbstbewussten Haltung, ihrer Schönheit welche sie mit ihrem Kleidungsstil und ihrem Make-Up unterstrich und ihrem Mund der fast nie geschlossen zu sein schien, wirkte sie auf mich zunächst eher wie eine Tussi. Doch meine Vorurteile widerlegten sich nach und nach immer schneller, vor allem durch die regelmäßigen treffen beim Grill und in der Schule und inzwischen zählte ich sie zu meinem neuen Freundeskreis definitiv dazu, auch wenn sie teilweise wirklich anstrengend sein konnte.

Bonnie hingegen war ganz anders als ihre blonde Freundin. Sie war mir gleich sympathisch gewesen und doch, ihre ruhige Art und ihre mysteriöse Ausstrahlung wirkten zunächst unerreichbar für mich und es dauerte länger als bei den anderen sie richtig einzuschätzen. Bonnie schien es mit mir ebenso zu gehen und obwohl wir uns beide mochten dauerte es etwas, bis zwischen uns tiefgründigere Gespräche entstanden. An unserem letzten Abend im Grill hatte Bonnie sich geopfert und mich für eine Zigarette nach draußen begleitet. Während wir draußen gestanden hatten, erzählte sie mir über ihre Vorfahren welche die Hexen von Salem sein sollten und sie erzählte mir von dem Mythos das die Magie immer noch in ihrer Familie lag. Auch wenn ich an solche Dinge natürlich nicht glaube, stellte ich fest, dass die Geschichte für Bonnie sehr wichtig zu sein schien, auch wenn es meiner Ansicht nach ihre undurchschaubare Art nur noch mehr Verstärkte.

Stefan hingegen schien Bonnie dahingehend noch zu übertrumpfen. Ich verstand mich sehr gut mit ihm und ich war von seiner ruhigen und besonnenen Art wirklich begeistert. Nicht nur, dass er offensichtlich gut aussah und ein toller Mensch zu sein schien, er war noch dazu wahnsinnig sportlich, da er sich vor kurzem dem Footballteam angeschlossen hatte und mit seinem Talent sehr herausstach. Auch seine Feinfühligkeit gefiel mir gut und immer wenn ich mit ihm sprach, hatte ich das Gefühl von ihm voll und ganz angenommen zu werden. Außerdem war es offensichtlich und klar wie sehr er Elena mochte. Zwar auf eine ruhigere und eher etwas zurückhaltende Art und trotzdem war es klar zu erkennen. Und dennoch, mein Bauchgefühl sagte mir das er irgendwas verheimlichte, etwas wichtiges und ich hoffte sehr das egal was es war, es nicht zwischen ihn und Elena kommen würde.

Dieses Bauchgefühl verstärkte sich umso mehr als ich nach einiger Zeit Damon kennenlernte. An einem Nachmittag als Elena, Caroline und Bonnie Cheerleader Training hatten, war ich länger geblieben um ihnen zuzusehen, da ich selbst mit der Überlegung spielte mich dem Team anzuschließen. Da ich in meiner Heimat länger Akrobatik gemacht hatte, wäre es für mich vielleicht möglich bei ihnen einzusteigen. Kurz bevor das Training jedoch vorbei war, kam ein Auto neben uns zum stehen, in welchem ein sehr attraktiver und geheimnisvoller Mann saß. Als er mich sah war er ausgestiegen und hatte sich bei mir als Damon, Stefans Bruder vorgestellt. Er musste von Caroline gehört haben, dass ich neu in der Stadt war. Mir war sofort klar, dass er ein ebenso ein Geheimnis besaß, welches konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschlüsseln, jedoch bestärkte es mich in meinem Glauben daran, dass Stefan wie sein Bruder etwas vor uns geheim hielt. Damons verführerische Art schien es Caroline angetan zu haben und als sie schließlich gemeinsam mit ihm in seinem Auto davon fuhr, spürte ich wie sich Misstrauen in mir breit machte. Mir gefiel das ganze nicht und auch Elena schien die Situation zwischen den beiden nicht zu gefallen, denn auch sie blickte mit einem nachdenklichen Blick hinter beiden her.

Elena war in der kurzen Zeit meine engste Freundin geworden und ich war wirklich froh darum. Sie war die erste Person gewesen die mich willkommen geheißen hatte und war seit meinem ersten Tag für mich da gewesen. In der kurzen Zeit waren wir uns durch die Schule und die gemeinsamen Treffen mit den anderen beiden Mädchen näher gekommen. Nach meiner ersten Woche an der Mystic High hatte sich Elena zur Verfügung gestellt und war zu mir gekommen um mich mit dem Schulstoff auf den aktuellen Stand zu bringen. Nachdem wir gelernt hatten waren wir in ein Gespräch über unsere Familien vertieft gewesen. Während wir gemeinsam gekocht hatten, begann Elena mir über ihren vergangenen Sommer und ihre Eltern zu erzählen, welche bei einem Sturz mit dem Auto von einer Brücke ums Leben gekommen waren. Nachdem sie sich gegenüber mir so geöffnet hatte, konnte ich nicht anders als ihr zu erzählen, dass meine Mutter ebenfalls gestorben sei, beziehungsweise sie Suizid begangen hatte. Nach diesem Gespräch war für mich klar, dass Elena hier meine engste Freundin war. Wir sprachen, über alles und obwohl sie bereits andere Freunde hatte, gab sie mir immer das Gefühl, dass ich für sie auch eine enge Freundin geworden war. Wie schnell man in einer so kurzen Zeit doch zusammen wachsen kann.

Als ich an einem Montag miesgelaunt und unmotiviert aus meinem Auto ausstieg, sprang mich ein blondes Energiebündel an und warf mich beinahe um. "Caroline, es ist zu früh für sowas.", grummelte ich und kramte in meiner Tasche nach einem Feuerzeug um meinen morgentlichen Frust mit einer Zigarette wenigstens halbwegs zu beseitigen. Caroline lachte nur und trat einen Schritt nach hinten. "Elena, Stefan, Bonnie, ich und du", sie deutete mit dem Finger auf mich. "Gehen auf die Gründerparty am Wochenende." Ich seufzte und blies gleichzeitig etwas Rauch in die Luft. Normalerweise war ich kein Partymuffel, aber der Gedanke bei einer Gründerparty dabei zu sein, bei welcher sich fast alle Menschen seit Generationen kannten, bereitete mir Unbehagen. "Caroline ich weiß nicht ob ich mitgehen sollte. Ich wohne noch nicht lange hier und die Feier ist doch mehr für die Leute von hier." Caroline grinste nur noch breiter. "Keine Sorge, du gehst schon mit. Außerdem hat Bonnie niemanden mit dem sie gehen kann und sie braucht noch eine Begleitung." Stöhnend drückte ich meine Zigarette aus und sah meinen einzigen Hoffnungsschimmer auf mich zukommen. Elena stellte sich neben unsere blonde Freundin. "Elena. Perfekter Zeitpunkt! Du musst Christina unbedingt überreden am Samstag mit zu kommen." Elena warf mir ein lächeln zu und nickte bestätigend. "Es wäre schön wenn du mitgehen würdest. Außerdem lernst du dadurch mehr über unsere Stadt kennen." "Aber...", versuchte ich mich zu rauszureden doch Caroline legte eine Hand auf meine Schulter und unterbrach mich. "Keine Wiederrede. Es ist entschieden." Ich warf ihr einen genervten Blick zu, doch als mein Blick zu Elena und ihrem auffordernden lächeln wanderte wusste ich, dass ich keine Wahl mehr hatte. "Schön, dass ihr mir so viel Entscheidungsgewalt darüber lasst." Mit einer Hand fuhr ich durch meine rotbraunen Haare. "Na gut von mir aus." Caroline klatschte aufgeregt in die Hände und gemeinsam liefen wir schnellen Schrittes in das Schulgebäude. Auf halbem Weg trafen wir Bonnie, die sich unserer Gruppe gleich anschloss. "Bonnie, du hast jetzt offiziell eine Begleitung für Samstag!" Bonnies Augen leuchteten amüsiert auf, als sie mein gezwungenes grinsen sah. "Wie sehr hat sie dich bearbeiten müssen?" Ich hob eine Augenbraue und beantworte somit Bonnies Frage. "Wer ist deine Begleitung für Samstag?", fragte Elena plötzlich und ihre Stimme wirkte ernst. Caroline schien den plötzlichen Umschwung in der Stimme ihrer Freundin nicht gemerkt zu haben, denn sie flötete nur fröhlich: "Damon natürlich.", bevor sie den Gang entlang zu ihrem Schließfach schritt. Bonnie, Elena und ich warfen uns den gleichen misstrauischen Blick zu und keiner musste seine Gedanken aussprechen. "Super.", murmelte ich und folgte meinen Freunden durch den Gang.