Ich spürte wie warm meine Finger wurden und drückte schnell meine Zigarette in dem Aschenbecher auf dem Tisch aus. Während ich dies tat lies ich die fremde Frau vor mir für keine Sekunde aus den Augen. Mein Herz pochte so laut, dass ich selbst es bereits hören konnte und ich spürte wie meine Finger zu zittern begannen. Als könnte die Fremde meine Gedanken lesen grinste sie noch breiter und legte eine Hand an ihre Hüfte. „Du hast Angst. Gut." Ich konnte nichts erwidern, viel zu geschockt über den Fakt, dass ein Double meiner besten Freundin vor mir stand, welche so aussah als würde sie mich am liebsten auffressen. Nachdem was ich an diesem Abend bereits gesehen hatte würde mich das auch nicht mehr überraschen. In meinem Kopf versuchte ich einen Plan zu entwickeln, um mich aus dieser misslichen Lage wieder herauszuholen, doch meine Gedanken schienen sich nicht zusammensetzen zu wollen. Ich atmete hörbar aus und schloss für einen Moment meine Augen. Als ich sie wieder öffnete stand Elenas Ebenbild so nah über mir, dass ich zurückzuckte. Ihre wunderschönen und doch so kalten Augen starrten tief in meine und ich spürte plötzlich wie für eine Sekunde jegliche Gefühle aus mir heraustraten. Ich nahm nichts um mich herum war und sah nur wie sich ihre Pupillen für einen Moment weiteten. Die Worte aus ihrem Mund konnte ich zwar hören, doch klangen sie wie weit entfernt. „Es ist unhöflich seine Gäste nicht hinein zu bitten. Lass mich mit reinkommen." Erst als sie ihr Gesicht wieder von meinem entfernte, spürte ich wie meine Gefühle und meine Angst in meinen Körper zurückkehrten. Wie automatisiert trat ich zu meiner Türe, öffnete sie und betrat das Haus. Mein Kopf schrie mir zu, ich solle die Türe zuknallen und sofort um Hilfe rufen, doch mein Körper befolgte nicht meinen Befehl. „Komm rein.", hörte ich meine zittrige Stimme sagen. Das siegessichere grinsen breitete sich erneut auf den Lippen des Mädchens aus und sie trat mit einem unnötig bedeutsamen Schritt durch die Türe. Erst als ich die Türe hinter ihr schloss, spürte ich wie mein Körper wieder zu mir zurückkehrte. Einen Moment lang starrte ich auf ihren Rücken und beobachtete wie sie sich gelangweilt umsah. Meine Hand schnellte zu der Türklinke, doch ich hatte diese noch nicht einmal berührt, bevor ich von einer anderen Hand gegen die Tür gerammt wurde. Mein Kopf schlug unsanft auf dem Holz auf und Panik machte sich in mir breit. „Nach heute Abend solltest du wissen, dass du jemanden wie mir nicht einfach so entkommen kannst." Mit all meiner Kraft versuchte ich mich von ihr wegzudrücken, mich aus ihrem stählernen Griff zu befreien, doch es nützte nichts. Blitzschnell drehte sie mich um, so dass ich ihr erneut in die Augen schaute. Das gleiche Gefühl wie vorhin machte sich in mir breit, als sie mir ein weiteres mal tief in die Augen sah. „Beruhig dich. Ich bin nur hier um zu reden." Das lächeln war von ihren Lippen verschwunden. „Du wirst nicht versuchen wegzulaufen."

Die anfängliche Panik verschwand und ich spürte das sich mein Körper augenblicklich etwas beruhigte, auch wenn immer noch ein Funke Angst in mir die Oberhand behielt. Zufrieden mit ihrer Arbeit betrat sie das große Wohnzimmer. Ich atmete sanft aus und spürte erst jetzt, dass ich meinen Atem angehalten hatte. Ich blieb für einen Moment an der Tür angelehnt stehen und versuchte zu begreifen was gerade passiert war. Eine Art Hypnose vielleicht? Magie? Ich schüttelte innerlich den Kopf. Es musste etwas mit Vampiren zu tun haben, irgendwas schien Menschen dazu zu bringen genau das zu tun, was sie von ihnen verlangten. Ich hörte ein leises klappern aus der Küche und beschloss, dass egal was ich tun würde mich die Fremde nicht in Ruhe lassen würde. Langsam und mit immer noch zittrigen Beinen schaffte ich es irgendwie meine Schuhe auszuziehen ohne umzufallen und tapste ihr vorsichtig hinterher. In der Küche angekommen sah ich zwei Weingläser auf dem Tisch stehen und das Mädchen mit einer Weinflasche in der Hand. Sie hob fragend eine Augenbraue und zeigte auf die Flasche. „Möchtest du auch?" Ich schüttelte den Kopf, nahm eines der Gläser und stellte es zurück in den Schrank, wobei ich mir im nächsten Moment ein kleineres Glas nahm und es neben das Weinglas auf den Tisch stellte. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich wie sich die Person etwas Wein in ihr Glas eingoss und sich mit dem Glas auf die Kücheninsel setzte. Sie schien die Ruhe selbst zu sein und wirkte trotz allem bedrohlich. Ich schnappte mir eine Flasche Tequila und goss mir etwas davon in mein kleineres Glas. Nüchtern hätte ich diesen Abend sowieso nicht abschließen können und ich bevorzugte es mit der Frau zu trinken, als von ihr gegen Wände geschleudert zu werden. Als ich meine Augen von dem Glas wand, sah ich wie ihre Augen bereits in meine blickten und erkannte Ungeduld in ihrem Blick. Meine Hände hoben das Glas und ich war erstaunt, dass ich nicht die Hälfte des Tequilas über meine Hand geschüttet hatte. Sie hob ihr Glas in meine Richtung, mein Zeichen zu trinken. Die Flüssigkeit brannte angenehm meine Kehle hinunter und kaum hatte ich das Glas abgestellt, füllte ich mir bereits ein neues Glas nach.

Ihre Augen waren keine Sekunde von meinem Gesicht gewichen und die Stille um uns herum wurde nach kurzer Zeit unerträglich. Es dauerte ein paar Minuten, bevor ich endlich das Gefühl hatte wieder sprechen zu können. „Wer bist du?" Ihr typisches grinsen, welches mich in gewisser Art an Damons erinnerte, erschien auf ihrem Gesicht. „Du bist gut. Andere brauchen länger um den unterschied festzustellen.", sie nippte an ihrem Weinglas, die Augen immer noch auf meine gerichtet. „Mein Name ist Katherine." Ich nickte nur, bevor ich erneut das Glas an meine Lippen setzte und den Tequila hinunterkippte. Meine Gedanken rasten, mein Gehirn schien wieder arbeiten zu können. Fragen über Fragen breiteten sich in mir aus und am liebsten hätte ich alle auf einmal gestellt, doch etwas in mir sagte mir, dass ich Katherine wohl lieber nicht provozieren sollte. Sie schien nicht eine der Personen zu sein, welche sich geduldig auf Fragen einlassen würde. Trotzdem benötigte ich antworten. „Du siehst genau aus wie Elena." Es war keine Frage, mehr eine Feststellung, doch trotzdem antwortete Katherine mit einem höhnischen lachen. „Bitte, Elena könnte sich glücklich schätzen so zu sein wie ich." Erneut nahm sie einen Schluck aus dem Glas. Ich seufzte. Das würde kein einfaches Gespräch werden. „Wieso sieht Elena aus wie du?", fragte ich schließlich und schenkte mir erneut ein, mit der Hoffnung das der Alkohol mir das alles etwas erleichtern würde. „Du frägst die falschen Fragen." Gelangweilt wand sie endlich ihren Blick von mir ab, begann sich in der Küche umzusehen und lies ihre Beine vor und zurückschwingen. „Woher kennst du meinen Namen?", versuchte ich es erneut. Ich sah ein erneutes grinsen an ihren Mundwinkeln zucken. „Das ist eine interessantere Frage." Tolle Antwort, aber mehr würde ich wohl nicht kriegen. Seufzend wand ich meinen Blick von ihr und trank erneut einen Schluck vom Tequila, wobei ich dieses mal nicht das ganze Glas auf einmal trank. „Was willst du von mir?", fragte ich schließlich und hob erneut meinen Kopf um Katherine besser sehen zu können. Ihre Augen wanden sich zu mir und es schien als hätte sie nur darauf gewartet, dass diese Frage endlich aus mir herauskam. „Nun.", sie stellte das nun leere Weinglas neben sich und glitt von der Kücheninsel hinunter. „Ich kam nicht herum eure kleine... Situation vorhin mitzubekommen." Sie griff nach der Weinflasche und füllte ihr Glas wieder auf. „Und nach dem du und die süße, kleine Elena die Flucht ergriffen haben, vor dem großen, bösen Vampir Stefan, musste ich jemanden finden der mir helfen könnte die beiden wieder näher zu bringen." Ich schluckte. Auch wenn ich mir einige der Fähigkeiten von Vampiren selbst erschließen konnte, fand ich es sehr beunruhigend, dass Katherine wohl aus dem Verborgenen alles mitbekommen hatte und nicht einmal Stefan schien dies aufgefallen zu sein. Erneut tauchten tausende neue Fragen vor mir auf, doch ich wusste das ich auf die meisten keine Antwort bekommen würde. „Wir sind gerannt weil Stefan und Damon Monster sind. So wie du.", erklärte ich und bereute direkt was ich gesagt hatte. Katherine schien keine Person zu sein die sich gerne provozieren lies und ihre Wortwahl vorhin hatte mir gezeigt wie erbärmlich sie Elena und mein Verhalten fand.

Ich rechnete fest damit das ich nun verspielt hatte, doch zu meiner Überraschung lachte sie laut auf. „Die beiden können nur davon Träumen so zu sein wie ich." An Selbstbewusstsein schien es ihr offensichtlich nicht zu mangeln und hätte ich nicht immer noch Angst vor ihr gehabt, hätten ich bestimmt meine Augen verdreht. „Außerdem sind wir nicht alle so schlecht. Oder hattest du bis jetzt jemals Angst, dass Stefan dich auffrisst?" Für einen Moment dachte ich über ihre Aussage nach. Sie hatte recht, Stefan kam mir nicht wie ein Monster vor. Damon vielleicht, aber Stefan? Ich erinnerte mich daran wie er Elena angeschaut hatte, als er sie heute Abend gesehen hatte, wie besorgt er gewesen war, als wir beide zu ihm gekommen waren und wie ängstlich er gewesen war, als er uns erzählt hatte das er und Damon Vampire waren. Katherine hingegen erschien mir eher wie ein Monster, als er. „Es ist mir egal ob du oder unsere kleine Elena denken, dass sie Monster sind. Sie braucht den Schutz von den beiden, ich kann nicht immer hier sind und sie aus lebensbedrohlichen Situationen retten." Ich blinzelte ein paar mal und versuchte alle Informationen die Katherine mir durch ihre Aussage gab zusammenzufügen. Doch es machte alles absolut keinen Sinn. „Sie retten? Beschützt du sie?" Katherine lies sich Zeit mit ihrer Antwort, trank einen Schluck Wein und stolzierte langsam in der Küche umher. „Stellst du immer so viele fragen?" Bevor ich antworten konnte sprach sie weiter. „Ich brauche sie lebend. Und um mich zu vergewissern das alles nach Plan läuft brauche ich diese beiden verliebten Idioten um sie zu beschützen.", schloss sie und trank gemütlich weiter aus ihrem Weinglas. Mein Kopf raste weiter und schnell kippte ich mir den restlichen Tequila hinunter, welcher zwar meinen Kopfschmerzen nicht half, jedoch meine Angst minderte. Es machte keinen Sinn, absolut alles machte keinen Sinn. Katherine schien irgendetwas zu planen, nichts gutes wie ich mir denken konnte. „Wofür brauchst du Elena?" Sie wandte sich zu mir um und lehnte sich gegen den Kühlschrank. Ein schmunzeln erneut auf den Lippen, trank sie einen Schluck aus ihrem Glas und ich wusste, dass ich einmal mehr keine Antwort auf die Frage bekommen würde. Aber der Tequila zeigte langsam seine Wirkung und meine Hemmungen schienen langsam zu fallen. „Wofür brauchst du mich?" „Nachdem du anscheinend eine von Elenas Freudinnen bist, schaffst du es bestimmt sie davon zu überzeugen wieder mit Stefan zusammen zu kommen. Nicht das ich es an sich gut heiße, dass Stefan mit ihr zusammen ist,", erneut nahm sie einen Schluck. „Aber dadurch ist sie geschützt." Ich hob eine Augenbraue. „Und warum genau sollte ich dir helfen?" Der Tequila sprach aus, was ich mich ohne ihn nicht getraut hätte und ich konnte mich glücklich darüber schätzen, dass Katherine offensichtlich gute Laune hatte, denn sie stieß erneut ein lachen aus. „Als ob du eine Wahl hast. Falls du dich nicht erinnerst, ich kann sehr überzeugend sein." Bedrohlich stellte sie ihr Glas ab und kam langsam näher auf mich zu. Unwillkürlich trat ich soweit zurück, bis ich die kühle Wand an meinem Rücken spürte. Katherine blieb knapp vor mir stehen und blickte zu mir runter.

Meine zuvor nachgelassene Angst kroch erneut in mir hoch und meine Stimme wirkte nun wieder zittriger. „Du wirst mir nichts tun, du brauchst mich.", stotterte ich heraus. Katherine beugte sich näher zu mir und ich spürte einen ihrer Finger auf meinem Hals, der sanft von oben nach unten wanderte. Mit einem lächeln betrachtete sie die Bewegungen ihres Fingers und für einen Moment erschienen, wie bei Damon zuvor dunkle Adern unter ihren Augen. In diesem Moment dachte ich sie würde mich beißen und mich Blutleer trinken, doch nichts von dem passierte. Die Adern verschwanden erneut und ihr Finger löste sich langsam von meiner Haut, viel zu langsam für meinen Geschmack. „Führ mich nicht in Versuchung, Baker. Meine Pläne können sich jeder Zeit ändern." Erst als Katherine von mir zurückwich und sich schwungvoll ihr Weinglas schnappte, konnte ich den Atem den ich angehalten hatte rauslassen. „Wenn du nicht möchtest das deine Freundin verletzt wird oder stirbt solltest du dir gut überlegen, ob du mir nicht doch hilfst. Außerdem ist Stefan, im Gegensatz zu mir, kein Monster wie du denkst." Ich ließ ihre Worte kurz sacken und versuchte meine eigenen Gedanken zu organisieren. Natürlich wollte ich nicht, dass Elena etwas zustieß und auch wenn ich Katherine absolut nicht vertraute, musste ich ihr erneut mit Stefan recht geben. Er war mir bis jetzt ein guter Freund gewesen und schien wirklich und ehrlich in Elena verliebt zu sein. Sollte Elena überlegen mit ihm zu reden würde ich sie dabei unterstützen, auch wenn dies Katherines Pläne anscheinend unterstützte, allerdings wusste ich auch keinen anderen Weg. Als könnte sie meine Gedanken lesen trank sie ihr Glas aus, stellte es auf den Tisch und wand sich zu mir. „Gut, dass wir uns einig sind!", flötete sie zufrieden mit einem siegessicheren Blick in ihren Augen. „Und damit unser kleines Treffen ein Geheimnis bleibt...", sie beugte sich wieder nahe zu mir und Blickte wie bereits zuvor tief in meine Augen. „Du wirst keinem von unserem Treffen erzählen, sowie nichts von dem sagen was wir gesprochen haben. Das gilt für das Gespräch jetzt und alle zukünftigen. Ich möchte nicht das jemand weiß das ich am leben bin und meine Pläne ruiniert." Mein Kopf nickte automatisch und zufrieden lehnte sich Katherine zurück. Elegant füllte sie mein Glas erneut auf und stellte die Flasche vor mir ab. „Das wirst du wohl brauchen.", sagte sie und plötzlich war sie verschwunden.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern wie lange ich vor dem befüllten Tequila Glas stand, bis ich spürte wie Tränen über meine Wangen liefen. Es war einfach alles zu viel, viel zu viel auf einmal. Ich vergrub das Gesicht in meinen Händen und lies für ein paar Minuten alles raus, alles was sich über die letzten Stunden angesammelt hatte. Erst als meine Augen zu brennen begannen, weil meine Wimperntusche in meine Augen gelaufen war, schaffte ich es aufzuhören, schnappte mir das Glas und kippte es in einem Schwung runter. Ich war mir sicher, dass ich heute Nacht kein Auge zu machen würde, doch kaum hatte ich mich Bettfertig in meine Kissen fallen lassen, übermannte mich der Schlaf fast augenblicklich.