Es war schon fast Mittag, als ich es endlich schaffte mich aus dem Bett zu raffen. Während ich mich fertig machte, um Elenas Auto zurückzufahren, dachte ich über den vergangen Abend nach. Stefan, Damon und Katherine waren Vampire. Wirkliche lebende Vampire. Hätte ich am morgen nicht das leere Weinglas und mein eigenes auf dem Tisch gefunden, wäre ich mir nicht sicher gewesen ob ich das ganze nicht nur geträumt hätte. Der Gedanke an Katherines Besuch gestern, verschaffte mir immer noch eine Gänsehaut und noch mehr sorgen bereitete es mir, dass was auch immer sie mit mir angestellt hatte, wirkte. Nur der Gedanke daran, jemanden von ihr zu erzählen brachte mich schon fast zum würgen, ich konnte nicht einmal eine Nachricht schreiben in der ich sie erwähnte. Ich war neugierig, ob andere Vampire wohl auch diese Form von Gedankenmanipulation besaßen. Die vielen Fragen, die mir immer noch im Kopf herumschwirrten bereiteten mir Kopfschmerzen und ich wusste, dass ich so schnell wie möglich zu Elena musste um meine Gedanken mit ihr teilen zu können. Außerdem musste ich mit Stefan sprechen. Ich musste mehr über Vampire erfahren. Mir fielen plötzlich Stefans Worte ein, welche er gestern zu Damon gesagt hatte, als dieser Ohnmächtig geworden war. „Deswegen habe ich es in ihren Drink gemischt."
Es musste also einen Weg geben, wie man Vampire abwehren konnte und ich musste unbedingt herausfinden wie. Allein um Katherine in Zukunft von mir fernzuhalten.
Als ich bei vor Elenas Haus ankam, sah ich wie Stefans Wagen bereits an der Straße stand, was mich nicht sonderlich überraschte. Von hinten konnte ich erkennen, dass zwei Personen auf den Vordersitzen saßen und ich konnte mir bereits denken, dass es Elena und Stefan sein mussten. Während ich ausstieg und auf Stefans Auto zuging, spürte ich Nervosität in mir hochsteigen. Auch wenn ich überzeugt davon sein wollte, dass er ein guter Mensch oder Vampir oder was auch immer war, die vergangenen Geschehnisse sagten mir, dass ich dennoch vorsichtig sein sollte. Neben der Beifahrertür kam ich zum stehen und erkannte, dass ich recht behalten hatte. Elena saß neben Stefan auf dem Beifahrersitz. Als ich sie sah schossen Erinnerungen von Katherine in mir hoch und Panik machte sich in mir breit. Was ist wenn es Katherine war, die neben Stefan saß? Wenn sie mit uns allen spielte? Mein Herz begann schneller zu schlagen und für einen Moment, hatte ich Angst, dass ich eine Panikattacke bekommen würde. Doch als sich Elena zu mir drehte und ich ihre Augen sehen konnte, verschwand meine aufsteigende Angst und ich seufzte erleichtert. Es war Elena, ihre Augen verrieten es mir. Stefan warf mir einen nervösen Blick zu und ich hoffte, dass er meinen Angstmoment nicht bemerkt hatte. Er schenkte mir ein vorsichtiges lächeln und ich versuchte es so gut wie ich konnte zu erwidern. Es fühlte sich sehr gezwungen an. Elena nickte ihm zu und stieg zu mir aus. „Geht es dir gut?", fragte ich sofort und legte eine Hand an Elenas Arm. „Besser." Ihre Stimme klang aufrichtig. Stefan setzte seinen Wagen in Bewegung und ich folgte Elena die Treppen der Veranda hinauf in ihr Haus. Kaum waren wir in ihrem Zimmer angekommen sprudelten Fragen aus mir heraus. „Habt ihr geredet? Wie geht es Caroline? Was ist mit Damon? Wie fühlst du dich jetzt?" Elena lies sich auf ihr Bett fallen und klopfte auf den freien Platz neben sich. Ich lies mich neben ihr aufs Bett nieder und überkreuzte meine Beine, bereit zum zuhören.
Sie erzählte mir alles. Die beiden Brüder wurden von ihrer gemeinsamen Ex-Freundin 1864 in Vampire verwandelt und das zuvor sehr feste brüderliche Band zwischen den beiden, wurde zerstört, da sie beide nur für ihre eigenen Zwecke benutzte. Seit dem war es zwischen beiden nicht mehr wie es früher war und sie hatten sich über 60 Jahre lang nicht mehr gesehen. Bis vor ein paar Monaten. Stefan wollte niemanden wehtun und trank anscheinend ausschließlich tierisches Blut. Er war nach Mystic Falls zurückgekehrt, um Elena kennen zu lernen und hatte sich anscheinend sofort in sie verliebt. Dann tauchte Damon auf und alles endete in dem Chaos von gestern. „Stefan sagte, er habe sich um Damon gekümmert. Ihm seinen Ring weggenommen, der dafür sorgt, dass die beiden am Tag rausgehen können.", schloss Elena. Ich versuchte mich daran zu erinnern, ob Katherine gestern auch einen Ring getragen hatte, doch ich konnte mich nicht daran erinnern. Plötzlich kam mir ein unangenehmer Gedanke. „Wie hieß diese Ex-Freundin der beiden?" „Katherine." Meine Augen weiteten sich und ich stockte für einen Moment. Jetzt wusste ich wieso Katherine meinte, dass sie nicht begeistert von der Idee war, dass Elena und Stefan wieder zusammenkamen. Sie war diejenige gewesen, die beide Brüder in Vampire verwandelt, die beide manipuliert und ausgenutzt hatte. Und genau sie schien einen Plan zu haben, welcher sowohl die Salvatore Brüder, als auch Elena als auch mich beinhaltete. Ich hätte Elena so gerne alles von dem gestrigen Abend erzählt, doch ich bekam kein Wort heraus. „Alles in Ordnung?" Elenas Blick wirkte besorgt und ich merkte wie sich mein schlechtes Gewissen breitmachte. Natürlich konnte ich nichts dafür, dass ich Elena nichts erzählen konnte, aber mein Gewissen wollte das nicht wahrhaben. „Natürlich. Es ist alles nur etwas..." „Überfordernd? Wahnsinnig? Verrückt?" Lachend nickte ich und bestätigte ihre Aussagen. Für einen Moment herrschte Stille. Ich überlegte, welche Fragen ich noch stellen konnte. Seltsam wie einmal manchmal hunderte Fragen im Kopf herumspuckten und sobald man die Möglichkeit hat, diese zu Stellen entfallen einem die meisten. Elena nahm mir die Aufgabe ab und fuhr mit ihren Erzählungen fort. "Stefan gibt Damon seinen Ring zurück." Ungläubig starrte ich sie an. „Was?!" Sie nickte. „Stefan meint, er kann ihn nicht für immer aufhalten und Nachts kann er ohne seinen Ring raus. Er hat Angst, dass er mir etwas antun könnte oder jemand anderem." Ich zögerte kurz. „Du weißt, dass er sich wirklich um dich kümmert oder? Stefan?" Der Blick meiner Freundin verdüsterte sich und ich bereute die Frage augenblicklich. Soviel zu meiner Feinfühligkeit. „Ich kann daran momentan nicht denken." Sie schloss ihre Augen für einen Moment. „Tut mir leid." Ich bekam keine Antwort. Schnell überlegte ich, wie ich wieder von dem unangenehmen Thema ablenken könnte.
Mir fiel plötzlich ein, worüber ich mir den ganzen morgen den Kopf zerbrochen hatte, die wohlmöglich wichtigste Frage von allen. „Was hat Stefan mit Damon gemacht? Also was kann einen Vampir aufhalten?" „Eisenkraut.", erklärte Elena und schien über den Themenwechsel erleichtert. „Entweder man trinkt oder isst es oder man kann es zum Schutz als Schmuck tragen." Sie deutete auf die Halskette um ihren Hals, die Stefan ihr geschenkt hatte. „Denkst du ich könnte sowas auch kriegen?" Elena nickte. „Ich habe Stefan bereits darum gebeten meinen Freunden etwas zu geben, vor allem nach dem was mit Caroline und Damon war." Und mit mir und Katherine, fügte ich in Gedanken dazu. „Also behalten wir das ganze für uns?", fragte ich vorsichtig. Schwer seufzend vergrub Elena für einen Moment den Kopf unter ihren Armen. „Wohl oder übel." Ein leises lachen entfloh mir als mir ein Gedanke durch den Kopf ging. Skeptisch linste sie durch ihre Arme hindurch und betrachtete mich. „Wenn wir das jemanden erzählen, werden wir sowieso für verrückt erklärt und eingewiesen." Sie lächelte kurz und die Situation entspannte sich etwas. „Ich musste Stefan versprechen, dass wir niemanden von seinem Geheimnis erzählen werden. Ich weiß du hast mir nur versprochen bis heute zu warten, aber ich hoffe das du es auch weiterhin für dich behalten kannst." Nickend schenkte ich meiner Freundin ein lächeln. „Stefan war kurz davor dich zu "manipulieren" damit du das Geschehene vergisst. Anscheinend haben Vampire die Fähigkeit so eine Art "Manipulation" bei Menschen durchzuführen. Sie können damit erreichen, dass du tust was sie wollen oder etwas vergisst. Ich weiß nicht genau wie es funktioniert, aber das muss Damon wohl auch mit Caroline gemacht haben. Ich konnte es Stefan ausreden. Ich glaube wenn ich die einzige wäre die über die beiden Bescheid weiß würde ich irgendwann platzen." Ich runzelte die Stirn und überlegte kurz. Also das war es was Katherine mit mir gemacht hatte. Wohl doch Gedankenmanipulation. „Du weißt, dass er das nicht tun wollte, weil er dir nicht vertraut. Er ist nur überfordert." Sie hielt für einen Moment inne. „Mit Eisenkraut kann man sich übrigens auch davor schützen. Stefan meinte er würde die Ketten so schnell wie möglich anfertigen machen. Ich habe ihm vorgeschlagen dir eine persönlich vorbei zu bringen. Du möchtest bestimmt auch mit ihm reden." Zustimmend nickte ich nur. Wir redeten noch über eine Stunde über das Geschehene, sowie was wir gegen Damon tun konnten. Eine Lösung dafür fanden wir allerdings nicht.
Elena fuhr mich nach Hause, dort angekommen legte ich mich auf das Sofa und versuchte etwas zu schlafen. Ich musste meinen Kopf etwas auszuschalten und der einzige Weg hierfür wäre etwas Schlaf. Kurz bevor ich einnickte, klingelte es an der Türe. Genervt stöhnend zwang ich mich auf die Beine und trottete zur Türe. Als ich sie öffnete stand, wie erwartet, Stefan vor mir mit einem kleinen Kästchen in der Hand. Er wirkte leicht nervös, schenkte mir jedoch ein zaghaftes lächeln. „Hey." „Hi. Komm rein." Zum zweiten mal innerhalb von 24 Stunden betrat ein Vampir mein Haus, nur mit dem Unterschied, dass ich dieses mal keine Angst davor hatte getötet zu werden. Fast keine. Ich unterdrückte meine Zweifel sofort, schließlich war Stefan immer noch ein Freund und ich wollte ihm vertrauen. Im Wohnzimmer angelangt, deutete ich mit einer Hand auf die Couch. „Setzten wir uns." Stefan lies sich neben mir auf die Couch nieder. Eine kurze Stille legte sich über uns, bis Stefan mir das kleine Kästchen entgegenstreckte. „Das ist für dich." In dem Kästchen befand sich wie erwartet meine neue Kette. Mein neuer Schutzbringer. Vorsichtig hob ich die Kette aus dem Kästchen und betrachtete sie. Anders als Elenas, hatte meine Kette einen kleineren Anhänger mit einem kleinen, grünen Edelstein. „Danke. Ich schulde dir was.", sagte ich, während ich mir die Kette um den Hals legte. Stefan schüttelte jedoch den Kopf. „Christina, du schuldest mir gar nichts. Das ist das mindeste das ich tun kann." Seufzend raufte er sich durch die Haare und lies sich gegen die Lehne fallen. „Allein dafür, dass du es für dich behälts, schulde ich dir das." Ich umfasste für einen kurzen Moment die Kette um meinen Hals und seufzte schwer. „Wie wäre es damit,", fuhr ich fort und Stefan blickte erneut zu mir. „Du nimmst dir jetzt die nächsten 20 Jahre Zeit um meine Millionen Fragen zu beantworten und damit sind wir quitt?" Ein erleichtertes lächeln bildete sich auf seinem Gesicht. „Deal." Grinsend lehnte ich mich ebenfalls zurück. „Also gut. Erste Frage:..".
Stefan war wirklich sehr geduldig, als er mir jede meiner Fragen in aller Ruhe beantwortete. Die Zeit hatte ich dabei total vergessen und erst als Stefans Handy klingelte wurden wir aus unserem Gespräch gerissen. Das Gespräch war äußerst aufschlussreich gewesen und auch wenn mir einige Dinge immer noch etwas Angst bereiteten, merkte ich, dass Stefan und ich trotz allem normal miteinander auskamen. Auf dem Display erkannte ich, dass Elena anrief. „Hey. Alles in Ord... ?" Stefan brach abrupt ab und sein Gesicht wirkte alarmiert. „Ich komme sofort!" Er sprang auf die Beine und automatisch tat ich es ihm gleich. „Was ist passiert?" „Es geht um Vicky. Irgendwas muss passiert sein." Er packte seine Jacke und warf sie sich über. „Ich muss los." Ich zögerte keinen Moment und folgte Stefan aus dem Wohnzimmer. „Warte. Ich komm mit."
Keine 10 Minuten später sprangen wir förmlich aus Stefans Wagen und rannten die Stufen zu Elenas Haus hinauf. Elena schien uns bereits erwartet zu haben, denn sie öffnete uns die Türe, bevor Stefan überhaupt in der Nähe der Klingel war. „Was ist passiert?", rief ich Elena zu und sprang an Stefans Seite. Im Hintergrund erkannte ich Matt der im Flur stand und wahnsinnig besorgt wirkte. „Sie ist total aufgewühlt, ich weiß nicht ob sie sich wieder was eingeworfen hat." Stefan glitt an den beiden vorbei ins Wohnzimmer. Elena und ich folgten ihm eilig, Matt dicht hinter uns. Jeremy kniete neben ihr und schien genauso besorgt zu sein wie Vickys Bruder. Stefan betrachtete Vicky für einen Moment. „Bringt sie nach oben, sie soll sich hinlegen. Dann wird es ihr besser gehen.", befahl er Matt und Jeremy, die sofort zu Vicky eilten und sie nach oben trugen. „Du weißt was mit ihr los ist oder?", fragte Elena. Stefan nickte. „Sie verwandelt sich. Damon muss irgendwie an sie herangekommen sein. Aber die Verwandlung ist noch nicht abgeschlossen." Elena keuchte und fuhr mit einer Hand durch ihre Haare. „Was muss sie tun, um die Verwandlung abzuschließen?" Ich erinnerte mich an das Gespräch zwischen Stefan und mir. Bevor wir unterbrochen wurden, war genau dies meine letzte Frage gewesen. „Sie muss menschliches Blut trinken.", erinnerte ich mich. „Und wenn sie das nicht tut?" Stefan zögerte einen Moment, bevor er antwortete. "Dann stirbt sie."
