Es waren zwei Tage vergangen seit dem Vicky Donovan menschliches Blut getrunken und sich in einen Vampir verwandelt hatte. Sie blieb vorläufig im Haus der Salvatore Brüder, wo ihr Stefan und Damon beibrachten sich zu kontrollieren. Stefan hielt Elena und mich stehts auf dem laufenden und ich war erleichtert, dass trotz der ganzen Geschehnisse sich die Freundschaft zwischen Stefan und mir nicht verändert hatte. Ich war mir inzwischen zu 100% sicher, dass Stefan weder Elena noch mir oder jemand anderem wehtun würde, bei Damon oder Vicky war ich mir nicht ganz sicher.
Elena hatte den beiden Brüdern und Vicky einen Besuch abgestattet und war von Vicky fast erstickt worden, bevor diese geflohen war. So viel dazu, dass nicht alle Vampire schlecht sind, dachte ich und erinnerte mich an Katherines Worte. Bis jetzt hatte ich, abgesehen von Stefan, noch keinen Vampir kennengelernt der nicht versuchte jemanden zu manipulieren oder umzubringen. Was Katherine angeht, hatte ich sie seit dem Abend vor ein paar Tagen nicht mehr gesehen, worüber ich nur dankbar war. Dennoch spürte ich wie ich bei jeder noch so kleinen Bewegung im Augenwinkel zusammenzuckte. Die Eisenkrautkette schützte mich zwar vor erneuter Manipulation, doch sollten sich, wie Katherine so schön erwähnt hatte, ihre Pläne ändern, würde mich auch meine Kette nicht vor einem Genickbruch schützen.

Heute Abend sollte der Halloween Ball stattfinden und ich wurde ein weiteres mal überredet zu einer Party zu gehen, auf die ich absolut keine Lust hatte. Doch nach dem ich nun im Kreise der eingeweihten Personen war, fühlte ich mich verpflichtet bei allen Angelegenheiten die sich um das Thema Vampire drehte dabei zu sein. „Christina bitte. Ich habe Angst das Jeremy abhaut und nach Vicky suchen wird, wenn ich nicht auf ihn aufpasse! Und vier Augen sind besser als zwei." Zum ungefähr hundertsten mal fragte ich mich, worauf ich mich da überhaupt eingelassen hatte. Innerhalb der letzten zwei Tage hatte ich es fast bereut, dass Stefan mich nicht alles vergessen lassen hatte. Dann müsste ich mich jetzt nicht mit Vampiren und Partys herumschlagen, sondern könnte einfach in aller Seelenruhe auf der Couch liegen und Filme schauen. „Christina?" Elenas Stimme drang durch mein Handy erneut an meine Ohren. „Ich komme mit keine Sorge. Hast du wenigstens noch ein Outfit für mich? Ich habe rein gar nichts." Elena kicherte leise. „Das ist deine größte Sorge? Du weißt, dass Vicky durch Mystic Falls spuckt und du machst dir Sorgen um dein Aussehen?" Doch sie versprach mir, ein Kostüm für mich bereit zu legen.
Wenige Minuten später fand ich mich einmal wieder vor Elenas Haus wieder. So oft wie ich in letzter Zeit hier war, könnte ich auch bald hier einziehen. Jenna öffnete mir die Türe und begrüßte mich lächeln. „Schön das du hier bist. Du solltest aber lieber noch einen Moment warten, bevor die hochgehst." Ich runzelte die Stirn. „Warum?" Schief grinsend zeigte Jenna kurz auf ihr Ohr und anschließend die Treppe nach oben. Meine Frage wurde beantwortet, als ich zwei Stimmen streiten hörte. Nicht laut genug um zu verstehen was sie sagten, doch es war klar, dass es nur Elena und Jeremy sein konnten. Kurz darauf knallte eine Tür lauthals zu und Elena rauschte über den Gang oben zu ihrem Zimmer. Jenna zuckte nur mit den Schultern. „Geschwister.", schloss sie nur und ging zurück ins Wohnzimmer. „Elena.", rief ich, als ich die Stufen nach oben schritt und ihr Zimmer eilig betrat. „Jeremy scheint begeistert zu sein, zwei Babysitter dabei zu haben." Elena verengte kurz ihre Augen und schritt eilige durch den Raum um ihre Sachen zusammen zu suchen. „Es ist nur zu seinem besten." „Ich weiß, aber ich verstehe das er davon nicht gerade begeistert ist." Mit einem Schritt zum Bett betrachtete ich die beiden Verkleidungen welche bereits ausgebreitet vor mir lagen. „Welches ziehst du an?" Elena griff nach dem blutigen Krankenpfleger Hemd. „Das vom letzten Jahr. Ich hoffe das andere ist in Ordnung?" Das andere Outfit war ein enges schwarzes Kleid, mit schwarzen Flügeln und einem schwarzen Heiligenschein. „Ein schwarzer Engel? Keine Sorge, dass passt perfekt zu meiner Stimmung.", sagte ich grinsend und Elena lachte. „Danke das du mitkommst. Ich hab wirklich keinen Nerv alleine dahin zu gehen." „Ich hoffe wir können diesen Abend mal überstehen, ohne von Vampiren fast getötet oder gefressen zu werden." Oh, wie naiv ich doch war.

Es war fast schon unangenehm wie Elena und ich vor Jeremy liefen und ihn bewachten, als wären wir seine Eltern. Ich verstand natürlich warum Elena auf ihn aufpassen wollte, doch ich hoffte wirklich, dass sie sich etwas mehr zurückhalten würde. Jeremy hatte die Kapuze über seinen Kopf gezogen und trotte mit gesenktem Kopf hinter uns her. „Sei froh das ich dich lieb hab. Ich bin absolut nicht begeistert von dem ganzen.", raunte ich meiner Freundin zu und bekam einen entschuldigenden Blick zurück. „Ich weiß es ist unangenehm. Ich schulde dir was, in Ordnung?" Ich konnten nicht anders als laut aufzulachen. „So viel wie du und Stefan mir inzwischen schuldet, könnt ihr mir gleich ein Haus am Strand irgendwo auf einer Insel kaufen, wo kein Vampir mich finden kann. Vielleicht wären wir ja dann quitt." Innen angekommen kam Matt auf uns zu, der uns gesehen hatte. Er trug das passende Partnerkostüm zu Elenas Outfit. „Auch das gleiche wie letztes Jahr?", fragte er grinsend. „Ich wusste bis heute nicht, ob ich kommen würde.", erklärte Elena. „Ich auch nicht. Hey Christina. Du auch hier?" Ich zuckte mit den Schultern. „Wurde überredet mitzukommen." Er sah zu Jeremy, der immer noch mit überkreuzten Armen und dem Kapuzenpullover neben uns stand. „Und du gehst als du?" Jeremy atmete hörbar aus und stürmte an uns vorbei, durch die Menschen hindurch und verschwand in der Menge. Man sollte meinen, dass die Aufgabe Jeremy im Blick zu behalten leichter sein würde, aber einem Teenager mit Liebeskummer klar zu machen, dass er nicht alleine auf die Suche nach seiner Freundin gehen sollte, die zufälligerweise noch ein blutsaugender Vampir war, der ihn vielleicht umbringen könnte, war schier unmöglich. „Er ist sauer auf mich.", erklärte Elena Matt. „Wir hatten einen Streit bevor wir losgefahren sind." „Ja, ich habe mich mit Vicky auch gestritten, als sie nach Hause gekommen ist." Ich wand meinen Blick zu Matt. „Ich möchte sie nicht einsperren, also bin ich mitgegangen, damit sie nichts dummes anstellt." „Vicky ist hier?", fragte ich und versuchte meine Stimme nicht zu panisch klingen zu lassen. Ein Vampir auf einer Party, umgeben von vielen Menschen, durch deren Adern Blut fließt. „Klar, du kannst sie gar nicht übersehen, sie ist ein Vampir." Fast hätte ich laut losgelacht. Wenn er nur wüsste.
„Christina, wo ist Jeremy hin?" Panik lag in ihrer Stimme und wild blickte ich über die Menge und versuchte auszumachen wohin Jeremy gegangen war. Doch dank meiner Größe und den gedimmten Lichtern gab es keine Chance ihn zu finden. „Was ist los?", fragte Matt verunsichert. „Ich muss los.", sagte Elena und lief schnellen Schrittes durch die Menge. Fragend warf Matt mir einen Blick zu, doch ich war bereits drauf und dran meiner Freundin zu folgen. „Geschwister.", versuchte ich es Matt achselzuckend zu erklären und eilte hinter Elena her.

Im laufen versuchte ich eine Nachricht an Stefan abzusenden und hoffte, dass was auch immer ich eintippte einigermaßen verständlich geschrieben war. Elena indessen checkte jede Person mit einem Kapuzenpulli, in der Hoffnung ihren Bruder unter einer Kapuze zu finden. Ich durchsuchte derweil jede Ecke, jede Toilette, doch stand ich letztlich genauso mit leeren Händen da. „Wir müssen draußen suchen!", rief sie mir zu und preschte in Richtung des Ausgangs. Die kühle Luft schlug mir praktisch entgegen, doch ich achtete nicht weiter darauf und joggte hinter Elena her, die sich wild umblickte. Ein Nachrichtenton von Elenas Handy lies uns zusammenzucken. Sie kramte das Handy aus ihrer Tasche und warf einen Blick auf das Display. „Es ist Stefan. Er steht vor Haupteingang mit Damon. Lass uns die beiden holen, wir können zusammen mit ihnen suchen." Ohne Zeit antworten zu können, sprintete Elena erneut in das Gebäude. Bevor ich folgen konnte drang ein Schrei an meine Ohren, welcher von der Rückseite des Gebäudes zu kommen schien. Ohne nachzudenken rannte ich in die Richtung des Schreis und entdecke schließlich Vicky, die Jeremy vor einem Bus in die Ecke gedrängt hatte. Jeremy versuchte sich panisch aus ihrem Griff zu befreien, doch Vicky Hand war so fest um seinen Hals gelegt, dass er nur mit seinen Armen und Beinen strampeln konnte. Von einem Holzstapel neben mir griff ich mir ein einigermaßen spitzes Teil, als "Waffe". „Vicky, stopp!", schrie ich und sofort richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf mich. Schwungvoll schleuderte sie Jeremy zur Seite und stürzte sich auf mich, ihre Fangzähne waren zu sehen und unter ihren Augen konnte ich noch die Adern erkennen, die heraustraten. Automatisch stach ich mit dem Holz nach vorn, spürte wie ich irgendeinen Teil von ihr traf, drehte mich um und begann zu rennen. Adrenalin durchflutete mich, ich musste rennen, auch wenn ich genau wusste, dass es nichts helfen würde. Im einen Moment rannte ich noch mit voller Geschwindigkeit, im nächsten wurde ich durch die Luft geschleudert und landete in dem Holzstapel. Der Aufprall presste die Luft aus meinen Lungen und Holz kratzte meine Haut auf. Bevor ich mich davon erholen konnte, packte Vicky mich und zog mich auf die Füße. Mit aller Kraft kämpfte ich gegen ihre eisernen Griff an, doch es half nichts und als ich ihre Zähne an meinem Hals spürte, begann ich zu schreien.

Plötzlich fiel ich unsanft zu Boden und konnte gerade noch sehen, wie eine Person Vicky packte und ihr einen Holzpfahl durchs Herz rammte. Vickys Körper färbte sich grau und sie fiel bewegungslos zu Boden. Katherine stand über mir und betrachtete den leblosen Körper von Vicky angewidert. „Da verlasse ich Mystic Falls für ein paar Tage und komme zurück nur um zu sehen, wie du von einem neugeborenen Vampir gejagt wirst, mit den Salvatore Brüdern nirgends in Sicht. Ich hoffe doch, dass wenigstens Elena ist noch am leben ist." Ich rappelte mich mühsam auf die Beine, ein zischen entfloh mir als ich spürte wie sehr mein Körper nach der Nahtoderfahrung von gerade schmerzte. „Was machst du hier?", fragte ich stotternd und hielt eine Hand über meinen anderen Arm, an welchem aus einer Wunde Blut floss. „Deinen unnützen Hintern retten, offensichtlich." Ich drückte noch fester auf meine Wunde um zu verhindern, dass mehr Blut hinaus floss. „Bist du uns gefolgt?" Katherine stemmte eine Hand in die Hüfte und betrachtete mich flüchtig. „Natürlich nicht. Ich liebe nur Schulbälle über alles.", sagte sie und die Ironie tropfte förmlich aus ihrer Stimme. „Junger Gilbert, warum kommst du nicht zu uns rüber?" Erst jetzt fiel mir ein, dass Jeremy immer noch auf dem Boden neben dem Bus lag. Sein Blick wirkte verwirrt, traurig, verstört. Auf Katherines Worte hörend, stand er auf und stolperte langsam zu uns rüber. „Was willst du von ihm? Jeremy bleib weg von ihr!" Jeremy blieb wie angewurzelt stehen. „Du möchtest wirklich, dass er sich an all das erinnert? Ich glaube ich habe gerade vor seinen Augen, seine Freundin getötet? Aber bitte.", sagte Katherine beiläufig und hob abwehrend ihre Hände. Und einmal mehr hatte sie recht. Seufzend blickte ich zu ihm und als ich sah, wie die Tränen über sein Gesicht liefen hatte ich meine Entscheidung getroffen. „Okay." Katherines Vampirgeschwindigkeit lies es zu, dass sie auf einmal vor Jeremy stand und ihm etwas zuraunte, bevor sie erneut vor mir auftauchte. „Warum tust du das, manipulierst mich, löscht Erinnerungen?" „Ich glaube was du eigentlich sagen möchtest ist „Danke".", antwortete Katherine bitter. Ihr typisches grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Viel Spaß dabei dir eine Geschichte auszudenken.", lachte sie und war verschwunden. Keinen Moment zu spät, denn in nächsten kamen die Salvatore Brüder mit Elena im Schlepptau um die Ecke gerannt und erblickten das Szenario vor ihnen. „Jeremy!" Elena sprintete schnell zu ihrem Bruder und untersuchte ihn sofort nach Wunden. Stefan kam an meine Seite. „Du blutest.", er schien seinen Atem anzuhalten und reichte mir ein Tuch aus seiner Tasche, welches ich über meine Armwunde legte. „Was ist passiert?" Ich wollte ihnen so gerne von Katherine erzählen, doch allein beim Versuch ihren Namen auszusprechen blieb mir die Luft im Hals stecken. Mein Kopf raste mit dem Versuch eine Geschichte zu erfinden. „Vicky wollte ihn töten. Nach dem sie mich in den Holzstapel geworfen hat, hab ich nach etwas gegriffen und zugestoßen. Dabei muss ich wohl gut getroffen haben.", murmelte ich den letzten Satz aus und betrachtete Vickys toten Körper, über dem Damon stand und ihn betrachtete. „Das warst du?", rief er aus und drehte sich überrascht zu mir um. Elena umarmte immer noch ihren Bruder, wohl bedacht das er nicht in unsere Richtung blickte. „Ja... sie hat Jeremy irgendwie manipuliert, bevor sie mich attackiert hat.", schloss ich. Damon lief zu Jeremy und Elena, wobei er Jeremy betrachtete, bevor Elena ihren Bruder losließ und auf mich zueilte. Schwungvoll nahm sie mich in den Arm. Ich stöhnte vor schmerzen auf, meine Körper immer noch geschwächt. „Sorry.", sie zog sich zurück und lächelte mit Tränen in den Augen. „Du hast ihn gerettet. Wie kann ich dir das je danken." Ich lächelte matt. „Indem du mich nie wieder auf eine Party einlädst." Sie lachte. Stefan legte eine Hand auf meine Schulter und ich wand meinen Blick zu ihm. „Ich bring Elena, Jeremy und dich nach Hause. Damon kann sich um Vicky kümmern." Damon schnappte dich den toten Körper und warf ihn grinsend über seine Schulter. „Ist besser das sie tot ist. Sonst hätten wir mehr Leichen beseitigen müssen.", sein abwertender Ton unterstützte sein grinsen. „Damon.", sagte Stefan warnend und trat einen Schritt auf ihn zu. Er öffnete seinen Mund doch ich unterbrach. „Lass es stecken, Damon!"

Nachdem Elena und Jeremy abgesetzt waren und Stefan dafür gesorgt hatte, dass Jeremy keinerlei Erinnerungen an den Abend hatte, versorgte Elena noch schnell meine Wunden. Stefan fuhr mich nach Hause und ich war erleichtert als wir endlich vor meinem Haus zum stehen kamen. Er begleitete mich auf die Veranda, wo ich mich erschöpft auf einen Stuhl fallen lies und mir eine Zigarette anzündete. Während ich rauchte sprachen wir noch kurz über da Geschehene. „Ich bin überrascht, dass du es wirklich geschafft hast Vicky zu pfählen." Ich zuckte mit den Achseln und mied seinen Blick. Mein schlechtes Gewissen meldete sich erneut und ich vermied es, auch nur zu versuchen ihm die Wahrheit zu erzählen. Katherines Manipulation wirkte wirklich gut. „Ich hab einfach reagiert. Wahrscheinlich war es nur ein Glückstreffer." Ich blies den letzten Zug meines Rauches aus und drückte meine Zigarette aus. Ich erhob mich und blickte erneut zu Stefan. „Glück oder nicht, ich bin froh das es dir gut geht." Er nahm mich für einen Moment in den Arm. Als er losfuhr winkte ich ihm zum Abschied zu und öffnete die Tür. Ich schlenderte in die Küche, griff nach einem Glas und fühlte es mit Wasser. Gerade als ich das Glas anhob, nahm ich ich eine schnelle Bewegung aus dem Augenwinkel war. Reflexartig warf ich mein Glas in die Richtung der Bewegung und schrie auf. Die Person wich dem fliegenden Glas aus und es zerschellte an der Wand. Es dauerte einen Moment bis ich sah, wer mich überrascht hatte. „Katherine?", stotterte ich. Das grinsen auf ihren Lippen verhieß nichts gutes. „Hallo Christina."