In meinem Traum fand ich mich in der Schule wieder. Elena, Caroline, Bonnie und ich standen im Gang und redeten, während wir zu unserem Klassenzimmer schritten. Plötzlich wurde der Gang dunkel, die Menschen um uns herum verschwanden und als ich mich ängstlich umsah und wieder zu meinen Freunden blickte, waren Caroline und Bonnie ebenfalls verschwunden. Elena stand vor mir, mit einem gleich ängstlichen Blick in den Augen. „Was passiert hier?", rief ich ihr zu, doch es war als konnte sie mich nicht hören, denn sie rannte plötzlich los. Gerade als ich ihr folgen wollte, sah ich wie eine dunkle Schattengestalt aus dem nichts auftauchte und hinter ihr herjagte. Ich setzte meine Beine in Bewegung und sprintete den Gang hinter beiden her. Im Gang ganz vorne, erkannte ich, dass Elena vor einer Tür stehen geblieben war, verzweifelt daran ruckelte, doch sie öffnete sich nicht. Die Schattengestalt kreiste um sie herum und ein lautes kreischen entfloh ihr. Woher auch immer mein Mut kam, ich sprintete auf die Gestalt zu und sprang einen Meter vorher ab, um sie zu packen. Mit dem Gesicht voran fiel ich durch die Türe, Elena und die Schattengestalt waren verschwunden und es war furchtbar still um mich herum. Zu still für meinen Geschmack. Langsam hob ich meinen Kopf und blickte mich um. Ich kannte diesen Ort. Ich lag auf dem Boden im Hausgang meines alten Hauses. Ich raffte mich auf meine Füße. Ich wusste nicht wie ich hierher gekommen war, doch ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit. Aus einer Glastür, ein paar Schritte weiter hinten im Gang, drang ein flackerndes Licht heraus, welches den Gang in dumpfes Licht hüllte. Auf zittrigen Beinen und wie automatisiert ging ich zu der Türe und öffnete sie. Die Quelle des Lichtes war eindeutig ein Kachelofen auf der linken Seite. Vor dem Ofen stand ein schwarzer Sessel, mit einem kleinen Tischchen daneben, auf welchem ein Glas Whisky stand, welcher nur halb ausgetrunken war. Ich durchquerte das Wohnzimmer und betrachtete kurz das Whiskyglas. Ich wusste wem es gehören musste. „Mom?", rief ich aus und drehte mich um. Ich schrie laut, als ich plötzlich eine Gestalt vor mir auf dem Boden liegen sah, an dessen Unterarmen Blut herausquoll. „Mom!", schrie ich und beugte mich zu ihr auf den Boden. „Nein, nicht schon wieder, nicht schon wieder!" Tränen liefen über mein Gesicht und ich atmete stockend ein und aus. Eine Hand unter meinem Kinn, lies mich nach oben blicken. Katherine stand über mir, mit dem Whisky in der Hand und streckte mir das Glas hin. „Das wirst du wohl brauchen.", sagte sie und ich erhob mich. Verletzt und frustriert über die Situation warf ich das Glas hinter ihr gegen die Wand und ein Blick von blanker Wut breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Die Adern unter ihren Augen traten hervor, ihre Lippen kräuselten sich und ihre Fangzähne kamen hervor. „Dann muss ich mir wohl einen anderen Drink gönnen.", fauchte sie und ich spürte ihre Zähne plötzlich durch meine Haut brechen.
Mit einem Ruck fuhr ich aus dem Schlaf und knallte dabei mit meinem Arm gegen etwas hartes. Ich fluchte leise und blinzelte gegen die helle Sonne an, die an meine Augen drang. Während ich mit einer Hand versuchte meine Augen vor der Sonne zu schützen, spürte ich wie jeder Muskel in meinem Körper schmerzte. Mein Kopf begann zu rasen und ich versuchte mich verzweifelt an die Geschehnisse vom letzten Abend zu erinnern. Meine Augen gewöhnten sich langsam an das helle Licht und ich nahm meine Umgebung langsam war. Ich hatte Elena abgesetzt, dann war ich ihr gefolgt, bis ich jemanden gerammt habe. Als ich kopfüber im Auto hing, war die Person wieder aufgestanden und auf mich zugekommen, bis... Mein Kopf fuhr herum und ich bereute sofort, dass ich mich so schnell bewegt hatte. Mein Nacken schmerzte brutal und ich zischte leise, bevor ich die Person neben mir erkannte. Katherine beäugte mich mit neugierig, vom Fahrersitz aus. Auf mein zischen hin, hob sie eine Augenbraue und wand ihren Blick wieder auf die Straße zu. Die letzten Erinnerungen der gestrigen Nacht kehrten in mein Bewusstsein zurück und ich blickte immer noch zu Katherine. Sie hatte mich nicht nur aus dem Wagen gezogen, sondern mich in ihrem Arm getragen, nach dem ich fast ohnmächtig geworden war. Als ich mich bei ihr bedankt hatte, war ein lächeln auf ihren Lippen erschienen. Bei dem Gedanken spürte ich wie meine Wangen leicht erröteten. „Du starrst." Ich biss mir kurz auf die Lippe. „Du hast mich gerettet." Katherine antwortete knapp: „Hab ich." „Danke." Ich war ihr wirklich dankbar. Ich wollte gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn sie nicht aufgetaucht wäre um mich aus dem Auto zu ziehen.
Katherine warf mir einen kurzen Blick zu, richtete ihre Augen wieder auf die Straße und schwieg. Ihr schweigen verunsicherte mich, vor allem nach unseren letzten treffen, bei welchen sie Gesprächsmäßig eher die Oberhand gehabt hatte. Erst jetzt realisierte ich wirklich, dass wir in einem Auto saßen und irgendwo hinfuhren. „Äh, wo sind wir?", fragte ich und betrachtete aus dem Fenster heraus die weiten Felder, die sich zu allen Seiten auszustrecken schienen. „Georgia." „Was?", entfuhr es mir laut. „Nein, ich muss nach Hause, ich muss das wegen dem Auto klären! Ich muss meinen Dad anrufen!" Ich versuchte mich weiter aufzurichten, doch meine schmerzenden Muskeln ließen es nicht zu, so sank ich wieder in meinen Sitz zurück. „Warum sind wir hier?" Ich begann in meinen Taschen zu suchen. „Wo ist mein Handy?", fragte ich und merkte wie panisch ich wirken musste. Ich atmete ein paar mal tief durch und versuchte mich zu beruhigen. Katherine griff während dessen in ihre Jackentasche und hielt mir mein Handy vors Gesicht. Ich schnappte es ihr aus der Hand und erkundigte mich nach neuen Nachrichten. Von Elena hatte ich 3 verpasste Anrufe und eine verzweifelt klingende Nachricht, in welcher es um Stefan ging, außerdem hatte Stefan mich 4 mal angerufen und eine Nachricht hinterlassen. Ich seufzte schwer steckte das Handy in meine Jackentasche, ich hatte gerade keinen Nerv zu antworten, abgesehen davon, dass ich sowieso keinen Empfang hatte.
„Also, warum sind wir in Georgia?", hackte ich nach. „Es gibt ein paar Dinge um die ich mich kümmern muss." „Und du musstest mich unbedingt mitnehmen?", fragte ich mit einer erhobenen Augenbraue. „Stimmt, ich hätte dich auf der Straße lassen sollen.", antwortete Katherine bitter. Ich blickte aus meinem Fenster, damit Katherine nicht erkennen konnte, dass mich der Kommentar ein wenig traf. „Da hat jemand gute Laune.", flüsterte ich, mehr zu mir selbst. Das Auto fuhr urplötzlich an die Seite und blieb auf einem Grasstreifen stehen. Katherine hatte vor einem großen Feld geparkt, auf dessen Wiese eine Kühe standen und grasten. Sie wand sich zu mir und schaute mich mit einem kalten Blick an. „Wenn du aussteigen und nach Hause laufen willst, tu das! Ich brauche dich hier nicht!" Ich erwiderte ihren Blick standhaft. „Wenn du mich nicht hier willst, warum bin ich dann hier?", fuhr ich zurück und war insgeheim stolz auf meinen Mut. „Kannst du nicht einfach glücklich darüber sein das du am Leben bist? Was übrigens mein Verdienst ist!" Bevor ich antworten konnte, schlug sie wütend mit ihrer Hand gegen das Lenkrad und drückte aufs Gaspedal. Die Räder überdrehten für einen Moment, bevor sich der Wagen in Bewegung setzte. „Du warst eine lustigere Begleitung, als du geschlafen hast.", murmelte sie.
Fast eine Stunde Stunden saßen wir schweigend im Auto. Ich überlegte warum Katherine so angespannt zu sein schien und vor allem warum sie mich mitgenommen hatte. Es war wirklich gütig von ihr gewesen, mich aus dem Auto zu ziehen, doch sie hätte mich genauso bei mir Zuhause abliefern können. Ich weiß, dass ich nicht die beste Reaktion auf ihre Antworten hatte, doch den Teufel würde ich tun, mich bei ihr zu entschuldigen. Ich hoffte nur, dass was auch immer sie in Georgia zu tun hatte, nicht allzu lange dauern würde. Ich sollte nicht hier sein und vor allem nicht mit Katherine. Nach einiger Zeit und nach dem mich die Langeweile übermannte, sah ich mich in dem Auto um. Durch die Art, wie gepflegt das Auto und wie unpersönlich es eingerichtet war, kam mir der Gedanke, dass Katherine es gestohlen haben könnte. Schnell schob ich den Gedanken beiseite. Mit einem Blick zur Seite betrachtete ich Katherine. Sie schien mit den Gedanken woanders zu sein, als wäre sie gar nicht hier. Ihre braunen Wellen lagen sanft über ihren Schultern, ihr linker Arm war am Fenster aufgestützt, ihre Hand lehnte gegen ihre Wange während die andere auf dem Lenkrad ruhte. Mein Blick wanderte zu ihrer Lederjacke, welche eng an ihrem Oberkörper anlag und wanderte wieder zu ihren Augen, welche abwesend auf die Straße blickten. Dann schauten ihre Augen in plötzlich in meine zurück und ich spürte die röte erneut in mir aufsteigen. Peinlich berührt erneut beim starren erwischt worden zu sein Blickte ich aus dem Fenster.
Mein Telefon klingelte und eilig kramte ich es aus meiner Tasche. Auf dem Display erkannte ich die Nummer die anrief. Es war Stefan Salvatore. Ich stöhnte kurz auf, bevor ich auf annehmen drückte. Anscheinend hatte ich hier wieder etwas empfang. „Christina, ist alles in Ordnung bei dir? Ich habe dich ein paar mal versucht anzurufen.", ertönte seine Stimme besorgt. „Ja, ich hatte bis jetzt nur keine Zeit zu antworten." Durch Katherines Manipulation konnte ich ihm einmal mehr nicht die Wahrheit über meine Situation erzählen. „Es geht um Elena. Nachdem du sie gestern zu mir gefahren hast, wollten wir reden. Eigentlich verlief alles ganz gut, bis sie...", er hielt kurz inne und atmete hörbar ein. „Bis sie was, Stefan?", forderte ich ihn auf weiterzusprechen. Er seufzte erneut, bevor er fortfuhr. „Sie hat ein Bild gefunden. Von Katherine." „Oh, verstehe.", antwortete ich, hätte mich jedoch augenblicklich dafür Ohrfeigen können. Stefan wusste schließlich nicht, dass ich nun den Grund für Elenas Ausbruch von gestern kannte. Musste kein schönes Gefühl sein zu realisieren, dass die Ex-Freundin deines Freundes genauso aussah wie man selbst. „Du ähm, verstehst das?", fragte er verunsichert. Mit einem Blick auf Katherine wusste ich, dass ich mir schnell eine Ausrede einfallen lassen musste. Wenn Blicke töten könnten... „Nun es ist glaube ich für kein Mädchen schön, ein Bild von der Ex seines Freundes zu finden.", meine Stimme wirkte aufrichtig und Stefan schien mir meine Aussage abzunehmen. „Das Problem ist nur, dass Katherine und Elena sich, sagen wir sehr ähnlich sehen.", fuhr er fort und ich unterdrückte ein ironisches auflachen. Sag bloß.
„Stefan, ich glaube das wird ein längeres Gespräch und ich möchte dich auch gar nicht abwimmeln, aber im Moment ist es schlecht. Kann ich morgen mit dir sprechen? Persönlich ist das glaube ich besser." Ich hoffte, dass ich ihn somit dazu bringen konnte, das Gespräch zu beenden, denn es war mir ziemlich unangenehm vor Katherine mit ihm über dieses Thema zu sprechen. „Oh. Natürlich, du meldest dich sobald du kannst?" „Natürlich. Bis bald." Ich legte auf und öffnete die Nachricht von Elena. Diese bestätigte mir, was Stefan mir soeben erzählt hatte, nur das sie genau beschrieb, wie ähnlich sie und Katherine sich sahen. Schwer seufzend tippte ich eine kurze Antwort, in welcher ich erwähnte, dass ich mich morgen bei ihr melden würde. Ich packte mein Handy zurück in meine Jackentasche und warf einen Blick zu Katherine. Sie saß mit einem leichten schmunzeln am Steuer. „Da hast du dich ja gerade noch rausgeredet. Da manipuliere ich dich schon, damit du kein Wort über mich erwähnen kannst und du schaffst es trotzdem fast herausblicken zu lassen, dass du über mich bescheid weißt." Ich seufzte und überlegte, was ich darauf antworten sollte, doch Katherine kam mir zu vor. „Elena schien über das Bild nicht sonderlich begeistert zu sein, so schnell wie sie aus dem Haus gerannt und davon gefahren ist." Ich hob eine Augenbraue. „Du hast uns verfolgt?" Katherine verdrehte die Augen. „Bitte, ich wollte nur schauen wie es Stefan geht. Außerdem, kann ich nichts dafür das Stefan das Bild behalten hat. Ob Stefan und Damon wollen oder nicht, sie werden immer etwas für mich empfinden." Katherine warf mir einen selbstgefälligen Blick zu, bevor sich erneut Stille über uns legte. Ich überlegte, worüber ich noch mit ihr sprechen könnte, ich hatte keine Lust in Stille weiter zu fahren und ich wollte absolut nicht über Stefan und Elena sprechen. Dann viel mir etwas ein. „Wer denkst du war die Person von gestern?" Katherines grinsen erschien auf ihren Lippen. „Du bist dir sicher, dass du jemanden erwischt hast und es nicht deine erbärmlichen Fahrfähigkeiten waren?" Ich verdrehte die Augen. „Ha ha sehr witzig. Nein ich weiß sicher, dass dort jemand war. Er hatte einen schwarzen Hoodie an, ich konnte sein Gesicht nicht erkennen." „Oh was für eine exakte Beschreibung.", antwortete sie sarkastisch und ich verdrehte erneut die Augen. Die Frau machte mich mit ihren Bemerkungen langsam fertig. „Du bist nicht gerade hilfreich." Katherine schnalzte mit der Zunge. „Deine Beschreibung auch nicht." Wo sie recht hat. „Als ich ihn getroffen habe, da waren seine Gliedmaßen gebrochen, doch er hat sie wieder in ihre richtige Position gebracht. Dann ist er auf mich zugelaufen.", ich machte eine kurze Pause. „Kurz bevor du aufgetaucht bist." „Nun, sollte ich jemals über diese Person stolpern, reiße ich ihr gern das Herz heraus.", stellte sie klar und ein dunkles lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als würde sie der Gedanke zutiefst befriedigen. „Du kannst nicht einfach..." „Oh aber ich kann.", antwortete Katherine. „Wir sind da.", erklärte Katherine, bevor wir zum halten kamen und auf einem Parkplatz vor einer sehr alten Bar stehen blieben. Auf dem Parkplatz standen nicht viele weitere Autos und der Ort wirkte eher verlassen. Katherine öffnete die Türe und stieg aus. Mit einer Handbewegung bedeutete sie mir, dass ich ihr folgen sollte. Während ich mich bewegte, spürte ich wie schwach mein Körper immer noch war und ich kämpfte mich wortwörtlich aus dem Auto, bevor ich hinter ihr her in Richtung der Bar trottete.
