Ein Grund zum Feiern
Überrascht sah Lily Max an und musterte ihn. In all der Zeit, in der sie ihn kannte, hatte sie sich immer gefragt, warum er ihr so bekannt vorkam.
„Wozu?", fragte Lily, doch sie glaubte die Antwort schon zu kennen.
„Ich glaube, dass ich mit ihnen verwandt bin. Ich weiß nur nicht, wie und mit wem genau."
„Hast du deshalb das Buch über die alten reinblütigen Familien gelesen?", fragte Lily nun interessiert.
„Ja", seufzte Max, „Das war aber Zeitverschwendung. Mein Großvater ist nicht so alt."
„Dein Großvater?", fragte Lily.
„Ja, meine Großmutter hat ihn auch nicht richtig gekannt, aber er muss es sein", sagte Max sicher.
„Aber wie kommst du dann darauf, dass du die Informationen hier findest?"
„In der Bibliothek war nichts zu finden. Er war anscheinend auch nicht vornehm genug, um nicht aus dem Familienstammbaum herausgebrannt zu werden und ich bin sicher, dass er in Hogwarts war. Dieses Büro ist meine einzige Chance", erklärte Max, während er wild die Karteien durchblätterte.
„Vergiss die Kartei", sagte Lily plötzlich, „Wenn du mehr über die Familie Black wissen willst, dann habe ich..."
Doch Lily kam nicht mehr dazu, zu sagen, was sie hatte, denn in genau diesem Moment öffnete sich die Bürotür wieder und Filch humpelte hinein.
Max warf Lily einen interessierten Blick zu, setzte sich dann jedoch wieder auf seinen Stuhl.
„Weitermachen!", fauchte Filch die beiden an, als er sich auf seinen Stuhl fallen ließ und ein Pergament entrollte.
Sofort machten sich Max und Lily wieder an die Arbeit. Lily versuchte noch im Augenwinkel zu erkennen, was auf dem Pergament stand, erkannte jedoch in der Dunkelheit des Zimmers nichts.
Das Sortieren der Kartei war langwierig und mühselig und Lily war kaum überrascht, wie oft sie allein die Namen Potter und Weasley lesen musste. Für ihre Verwandten hätte Filch gut daran getan, eine eigene Kartei zu öffnen.
Als er sie dann endlich entließ, war es bereits spät.
„Ich habe ihn endlich gefunden!", rief Max begeistert, als er und Lily weit genug von Filchs Büro entfernt waren.
„Sirius Black", sagte Lily und Max im Chor und Max sah Lily daraufhin verwundert an.
„Woher weißt du das?", fragte er erstaunt.
Lily errötete leicht und kratzte sich am Hinterkopf.
„Du kamst mir immer bekannt vor", fing sie an, „Es war immer, als hätte ich dich schon einmal gesehen."
Max runzelte die Stirn.
„Ja, ich weiß, aber ich konnte mich nicht erinnern, wo das gewesen sein sollte, aber jetzt, als du die Familie Black erwähnt hast, ist es mir klar geworden. Du siehst genauso aus wie er", sagte Lily begeistert.
„Wie Sirius Black?", fragte Max.
„Ja", antwortete Lily, „Er war der Pate meines Vaters. Wir haben ein Fotoalbum mit ein paar Bildern."
„Meinst du, ich kann mir das mal anschauen?", fragte Max nun hellauf begeistert.
„Klar, komm einfach mal in den Ferien bei uns vorbei. Ich rede mit meinem Vater. Er wird sich freuen."
„Wow", entfuhr es Max, „Weißt du, ich suche jetzt schon so lange danach und dabei war die Antwort eigentlich direkt vor meiner Nase."
Lily schnaubte belustigt.
„Du hättest dir einiges an Bücherlesen ersparen können", sagte sie.
Max nickte.
„Und Nachsitzen... viel Nachsitzen", sagte er, „Aber offenbar liegt das wie die Magie im Blut."
Lily prustete, als sie plötzlich Stimmen hörten.
Es waren der Fast Kopflose Nick und der Fette Mönch, die gemeinsam über den Flur schwebten.
„Der Krankenflügel ist überfüllt", entrüstete sich der Fette Mönch, „Es ist schlimmer als 1712 bei der Drachenpockenepidemie."
„Es lässt sich nur hoffen, dass die Anschläge bald aufhören und der Schuldige gefasst wird", sagte Nick, „Spiegel der Rache. Ich zweifel langsam, dass es sich wirklich nur um einen Schülerstreich handelt."
„Hallo", begrüßte Lily die beiden Geister, die so angeregt in ihr Gespräch vertieft waren, dass sie sie gar nicht bemerkt hätten.
„Miss Potter, guten Abend, Mr Fry", nickte der Fast Kopflose Nick in ihre Richtung, wobei sein Kopf leicht verrutschte.
„Reden Sie über den Spiegel der Rache?", fragte Lily interessiert.
„In der Tat, in der Tat", sagte der Fette Mönch freundlich, jedoch mit trauriger Stimme.
„Darf ich Sie dazu etwas fragen?", fuhr Lily fort, Haben Sie je zuvor von dem Spiegel der Rache gehört?"
Der Fette Mönch schüttelte vehement den Kopf.
„Nicht im geringsten", antwortete er.
„Seit Halloween reden wir Geister schon darüber", erklärte Nick, „Aber niemand von uns hat je davon gehört. Bei der Kammer des Schreckens gab es wenigstens die Legende, aber der Spiegel ist keinem je zu Ohren gekommen."
Lily nickte verstehend.
„Wo kommen Sie beide denn zu so später Stunde noch her?", fragte der Fette Mönch neugierig.
„Nachsitzen bei Filch", seufzte Max und verschränkte die Arme.
„Nun Mr Fry, nachdem, was Peeves auf ihre Veranlassung hin im dritten Stock veranstaltet hat, kann ich nur sagen, dass es Ihnen ganz recht geschieht. Der Korridor ist nicht mehr betretbar", schimpfte Nick.
„Ich bin gestern dort hindurchgeschwebt und selbst ich habe den Gestank kaum ausgehalten", beschwerte sich der Fette Mönch.
„Sie können riechen?", fragte Max interessiert.
„Ja, das kann ich", sagte der Fette Mönch stolz, „Aber du bist zu weit gegangen. Es wird Wochen dauern, bis der Korridor wieder betretbar ist. Ein Glück, dass so jemand nicht in meinem Haus ist."
Nick sah betreten zu Boden und Lily war sich sicher, dass er, wenn es möglich gewesen wäre, in dieser Sekunde rot angelaufen wäre.
„Wie schön es wäre, wenn sich mein Haus mal wieder den Quidditchpokal sichern könnte", fügte der Fette Mönch nun verträumt hinzu.
Lily verzog das Gesicht. Die Erinnerung an das vergangene Quidditchspiel wurmte sie noch immer.
„Wir gehen dann", entschuldigte sich Max und zog Lily am Arm, „Haben Sie noch einen schönen Abend."
Die Geister verabschiedeten sich und Lily hörte, wie Nick hinter ihnen schnell das Thema wechselte.
„Haben Sie mitbekommen, dass Mr Filch nach diesem Schuljahr die Schule verlässt?"
„Oh ja, aber nicht nur Mr Filch, sondern auch..."
Lily und Max waren nun zu weit weg, um ihrem Gespräch zuzuhören.
„Reicht es dir eigentlich nicht, die Schule einmal gerettet zu haben?", fragte Max sie kopfschüttelnd, als sie weiter zum Gryffindorturm liefen.
Lily warf ihm nur einen belustigten Blick zu und verdrehte dann die Augen. Wenn die Schule gerettet werden musste, so dachte sie sich, dann würde sie selbstverständlich dabei helfen wollen.
Am nächsten Morgen beim Frühstück erzählte Lily Colin, Eric und Emma von dem Gespräch mit dem Fast Kopflosen Nick und dem Fetten Mönch am Vorabend. Die Halle war an diesem Tag in den Hausfarben von Slytherin und Ravenclaw geschmückt, weil diese im Anschluss ihr Spiel hatten.
„Und was hilft uns das weiter?", fragte Colin nur.
„Nun", erklärte Emma, bevor Lily oder Eric den Mund öffnen konnten, „es bedeutet, dass der Spiegel erst kürzlich im Schloss aufgehängt wurde, also von jemandem, der dieses oder letztes Schuljahr hier im Schloss unterwegs war."
Lily und Eric sahen einander an.
„Vielleicht war es ja Walker", sagte Colin scherzhaft, doch Lily zog nur eine Braue hoch.
„Ja", sagte sie, „Was wenn es wirklich Walker war?"
Colin warf ihr einen zweifelnden Blick zu, als plötzlich ein lautes Klirren erklang.
Augenblicklich wurde es stumm in der großen Halle und die Blicke wandten sich nach vorn zum Lehrerpult.
Professor Wennell war aufgestanden.
„Liebe Schüler, leider muss ich euch heute eine unerfreuliche Ansage machen", begann er, „Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, gab es in diesem Schuljahr einige Vorkommnisse, die der Grund dafür sind, weshalb nun der Krankenflügel überfüllt ist. Viele eurer Mitschüler wurden verletzt und der Krankenflügel ist inzwischen fast überfüllt. Aus diesem Grund habe ich entschieden, dass wir in diesem Jahr den Ball zum 2. Mai ausfallen lassen."
Sofort erhob sich in der Halle großes Gemurmel, doch mit einem weiteren Schlag seiner Gabel gegen seinen Kelch ließ Professor Wennell das Gemurmel verstummen.
„Es tut mir ausgesprochen leid", fuhr er fort, „aber ich denke, ihr stimmt mir alle zu, wenn ich sage, dass wir unter den gegebenen Umständen keinen richtigen Anlass zum Feiern haben."
Mit diesen Worten ließ er sich wieder nieder, doch die Halle blieb nach wie vor stumm.
„Seine Maßnahmen sind lächerlich", hörte Lily Ascella Longbottom Rose zuflüstern.
Weder Lily, noch Colin, Eric oder Emma scherten sich groß um den abgesagten Ball, schließlich wären sie alle ohnehin zu jung gewesen, ihn zu besuchen. So machten sie sich nach dem Frühstück sorglos auf zum Quidditchspielfeld, was jedoch kaum lohnenswert war, denn das Spiel dauerte gerade mal eine halbe Stunde, als Scorpius Malfoy den Schnatz fing und Slytherin Ravenclaw mit 180 zu 20 besiegte.
Während sich in den folgenden Tagen bei den älteren Schülern rege Diskussionen um Wennells Entscheidung ergaben, hatten die Zweitklässler ganz andere Sorgen, denn am darauffolgenden Montag teilte Professor Longbottom ihnen Wahlzettel aus, auf denen sie die gewünschten Wahlfächer für das kommende Schuljahr wählen sollten:
Liebe Schüler,
für das kommende Schuljahr müssen Sie sich unter einer Reihe an Wahlfächern entscheiden. Bitte wählen Sie von der folgenden Liste mindestens zwei Fächer aus und bedenken Sie ihre Wahl gut, denn sie werden diese Fächer bis Ende des fünften Jahres belegen und auch ihre OWL in ihnen schreiben.
Für ihren Jahrgang werden angeboten:
[ ] Alte Runen
[ ] Arithmantik
[ ] Pflege magischer Geschöpfe
[ ] Wahrsagen (Dieses Fach findet auf Grund von Professor Trelawneys besonderer Situation nur noch nach der normalen Unterrichtszeit zwischen 5 und 8 Uhr nachmittags statt.)
[ ] Mermisch (Dieses Fach findet in den frühen Morgenstunden, vor der normalen Unterrichtszeit im Großen See statt.)
[ ] Muggelkunde
Für Informationen zu den einzelnen Fächern, konsultieren Sie bitte den Wahlfächerratgeber von Alexandra Max, den sie alle in diesem Jahr zusammen mit ihren anderen Schulbüchern erworben haben.
So wurde dies das Thema Nummer eins im gesamten Jahrgang und auch die älteren Schüler beteiligten sich insofern an der Wahl, dass sie versuchten, den Zweitklässlern hilfreiche Tipps zu geben. Lilys Cousine Dominique zum Beispiel konnte jedem Fach etwas Gutes abgewinnen, schwärmte ihnen jedoch größtenteils von Pflege magischer Geschöpfe vor und erzählte, wie gern sie darin Drachen behandelt hätte. Roxanne dagegen klopfte Lily bloß desinteressiert auf die Schulter und sagte, sie werde schon die richtigen Fächer für sich finden. Albus und Ascella, die Wahrsagen und Pflege magischer Geschöpfe gewählt hatten, erklärten ihnen, dass im Grunde alle Wahlfächer Mist wären und es besser wäre, etwas zu wählen, wo man gut davonkam. Rose schürzte über diese Bemerkungen nur die Lippen und empfahl ihnen Arithmantik und Alte Runen. Fred wiederum riet ihnen von Mermisch ab. Er hätte das Fach nur gewählt, um den See zu erkunden, aber es sei stinklangweilig und arschkalt, besonders im Winter. Hugo war Lilys Wahlfächerwahl ebenso egal wie Roxanne und James, der immer noch zur Beobachtung im Krankenflügel lag, empfahl Lily Muggelkunde. Früher hatte Lily sich immer über seine Vorliebe für das Fach gewundert, vor allem, weil sie wusste, wie er zu ihren Verwandten den Dursleys stand. Inzwischen war ihr jedoch glasklar, wodurch seine Vorliebe ausgelöst worden war.
„Also Pflege magischer Geschöpfe wähle ich ganz sicher nicht", erklärte Colin sicher.
Lily, Eric und Colin saßen in der Bibliothek und überlegten gemeinsam, was sie im kommenden Schuljahr als Wahlfächer belegen sollten.
Colin warf einen Blick um die Ecke, um nachzusehen, ob Madame Pince irgendwo in der Nähe war, offenbar war die Luft rein, denn nun griff er in seine Schultasche und zog daraus Dormy, seinen kleinen Haustierdrachen hervor.
Dormy schnaubte durch seine Nüstern und stieß eine Qualmwolke hervor.
„Feuerspeiunfähig hat dein Cousin gesagt, oder?", fragte Eric noch einmal zur Sicherheit an Lily gewandt, die nickte.
„Ich bin mir da ja immer noch nicht sicher", überlegte er.
Colin kitzelte Dormy und gab ihm ein paar Leckerlis, Futter, das er auch regelmäßig von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze nachbestellen musste, da es speziell für diese Züchtung angefertigt wurde.
„Wer ist ein guter Dormy? Ja, du bist ein guter Dormy!", verhätschelte Colin seinen kleinen Freund.
Lily und Eric tauschten nur belustigte Blicke, wandten sich dann jedoch wieder ihren Wahlfächerratgebern zu.
„Also, Alte Runen klingt schon spannend. Findet ihr nicht auch?", fragte Lily ihre beiden Freunde.
„Letztes Jahr gegen Walker hätte uns das sicher genützt", antwortete Colin, der Dormy nun den Bauch kraulte.
„Ich bezweifle nur, dass es uns dieses Jahr etwas nützen wird", sagte Eric, „Wenn das so weiter geht, wird die Schule geschlossen und wir machen uns hier die ganze Arbeit umsonst."
Lily schüttelte den Kopf.
„Nun beschwör mal keinen Grim herauf", sagte sie.
„Apropos Grim", fing Colin an, „Was haltet ihr von Wahrsagen? Es gibt keine gefährlichen Tiere, es findet nachmittags statt und offenbar kann man sehr leicht gute Noten bekommen, je schrecklichere Tode man sich nur ausmalen kann."
Eric verzog das Gesicht.
„Dir ist schon bewusst, dass die Lehrerin ein Problem hat. Warum sollten wir uns von so jemandem unterrichten lassen?", fragte er.
„Habe ich doch gerade erklärt", antwortete Colin genervt.
„Mein Bruder hat mir übrigens Muggelkunde empfohlen", fügte er hinzu.
„Meiner auch", sagte Lily und verdrehte die Augen, „aber wenn ihr mich fragt, dann gibt es einen anderen Grund, warum ihm das Fach so viel Spaß macht."
Den Rest des Satzes murmelte sie nur so dahin.
„Wie wäre es, statt Wahrsagen doch lieber Arithmantik zu versuchen", wandte Eric ein, „Es scheint mir eine logische Art zu sein, die Zukunft vorauszusagen. Was wenn niemand von uns das Innere Auge hat?"
Lily zuckte die Schultern.
Bei Wahrsagen und Arithmantik war sie sich tatsächlich auch überhaupt nicht sicher. Ihr Vater hatte ihr immer gesagt, dass er es gehasst hatte, denn Professor Trelawney hatte ihm ständig seinen Tod vorausgesagt. Das sprach nicht unbedingt für sie, denn schließlich lebte ihr Vater immer noch. Vielleicht war aber auch beides Wischiwaschi und man konnte gar keine gescheiten Aussagen über die Zukunft treffen.
„Ich glaube über Mermisch sind wir uns einig, oder?", fragte Eric weiter.
Lily und Colin nickten.
Lily wusste, dass ihn keine zwölf Hippogreife morgens in aller Früh hinunter zum See ziehen könnten, um dann (auch im Winter) ins eisig kalte Wasser zu springen.
„Schnell Dormy, zurück in die Tasche", flüsterte Colin plötzlich seinem Drachen zu.
Dieser gehorchte sofort und war eine Sekunde später nicht mehr zu sehen.
Madame Pince lief an ihrem Tisch vorbei und warf ihnen einen neugierigen und strengen Blick zu.
„Weißt du, in welchem Fach du sicherlich auch eine gute Note bekommst?", fragte Lily ihn und grinste breit.
Colin verdrehte die Augen.
„Wer hat dir überhaupt eingeredet, dass Pflege magischer Geschöpfe so furchtbar ist?", fragte Lily ihn.
Colin seufzte und fing dann an herumzudrucksen.
„Oliver", gab er nun kleinlaut zu.
„Hat der das nicht selbst gewählt?", fragte Eric ihn erstaunt.
Colin nickte.
„Und seit wann hörst du bitte auf Oliver?", fragte Lily empört.
Colin zuckte die Schultern.
„Meinetwegen", lenkte er schließlich vom Thema ab, „Pflege magischer Geschöpfe."
„Ja!", riefen Lily und Eric gleichzeitig und klatschten sich über dem Tisch ab.
Madame Pince warf ihnen einen bösen Blick zu, doch die drei zogen unbeeindruckt ihre Federn aus den Taschen und machten ihre Kreuzchen:
[x] Alte Runen
[ ] Arithmantik
[x] Pflege magischer Geschöpfe
[x] Wahrsagen (Dieses Fach findet auf Grund von Professor Trelawneys besonderer Situation nur noch nach der normalen Unterrichtszeit zwischen 5 und 8 Uhr nachmittags statt.)
[ ] Mermisch (Dieses Fach findet in den frühen Morgenstunden, vor der normalen Unterrichtszeit im Großen See statt.)
[ ] Muggelkunde
Am darauffolgenden Freitag wurde James passend zu seinem Geburtstag aus dem Krankenflügel entlassen und natürlich sorgte er gleich dafür, dass dieser Tag ein für alle Gryffindors unvergessliches Fest wurde.
„Man wird nur einmal siebzehn", erklärte er und zeigte allen stolz seine neue Armbanduhr, die er nach einer Familientradition von ihrer Mutter bekommen hatte.
Trotz verlorenem Quidditch und Sorgen der letzten Wochen und Monate schaffte er es somit, die Gryffindors in Feierlaune zu versetzen und Lily, Colin, Eric und Emma amüsierten sich gut an diesem Abend im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Irgendwann kamen sogar Louis und Lucy noch dazu, um James zu gratulieren. Dieser war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon gar nicht mehr aufzufinden.
„Wahrscheinlich bei seiner Freundin", sagte Fred belustigt und zuckte die Schultern, bevor er ihnen noch einmal zuzwinkerte und dann im Schlafsaal verschwand.
Kurz vor Mitternacht taten Lily, Colin, Eric und Emma es ihm gleich.
„Das war ja so eine tolle Idee von ihm", schwärmte Susanna Garnet, Olivia und Penelope vor, als Lily den Schlafsaal betrat.
Lily verkniff sich einen Kommentar. Schon im letzten Schuljahr hatte sie gelernt, dass ihre Brüder bei ihren Mitschülerinnen hoch im Kurs standen, und es einfach akzeptiert.
Die kommenden Tage und Wochen bis zu den Osterferien verliefen zum Glück reibungslos. Langsam aber sicher leerte sich der Krankenflügel, denn die Opfer genesen wieder vollständig und weitere Anschläge hatte Hogwarts auch nicht zu verzeichnen. Insofern begannen die Hogwartsschüler, sich auf die Jahresabschlussprüfungen vorzubereiten, die trotz der zahlreichen Anschläge und zeitweise ausgeknockten Schüler nicht abgesagt worden waren.
Ende März standen schließlich die Osterferien bevor, die Lily so wie die meisten anderen im Schloss verbrachte. Die Bibliothek und die Gemeinschaftsräume waren trotz des guten Wetters ständig überfüllt. Einen der ersten sonnigen Tage jedoch verbrachten Lily, Colin und Eric draußen am See. Emma war in der Bibliothek geblieben, da sie dringend ihre Notizen für Geschichte der Zauberei wiederholen musste, doch die drei ließen es ich nicht nehmen von dem guten Wetter zu profitieren und lagen nun auf der Wiese am Großen See, an dem auch vereinzelt andere Schüler anzutreffen waren.
„Hallo, Colin", erklang plötzlich eine Stimme und kurz darauf war eine Gestalt einen Schatten über sie alle.
„Oliver", murrte Colin unzufrieden.
Oliver lachte nur.
„Hi, Lily", sagte er dann, „Schöner Tag heute, oder?"
„Ja", sagte Lily kühl.
„Hey, Oliver", erklang eine weitere Stimme.
Oliver drehte sich herum. Es war Steven Thomson.
„Ich habe gerade mitbekommen, wie der kleine Knirps da drüben das böse Wort mit „Sch-" verwendet hat", erzählte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Auch auf Olivers Gesicht erschien daraufhin ein Grinsen.
„Das klingt mir ja, als könnte er eine Lektion in Sachen Anstand gebrauchen", sagte er belustigt.
„Und ob", sagte Steven und die beiden gingen hinüber zu einer Gruppe Slytherin-Erstklässler.
Lily seufzte, beschloss die beiden jedoch einfach zu ignorieren.
„Hey, wir haben gehört, ihr braucht mal einen Kurs in Sachen Ausdrucksweise", hörte sie jedoch Olivers Stimme kurz darauf zu ihnen hinüberschallen.
Nur wenige Sekunden später schwebte ein Slytherin-Junge in der Luft und begann sich immer schneller um sich selbst zu drehen.
„Gehen sie nicht etwas zu weit?", fragte Eric und beobachtete wie auch einige andere Schüler das Spektakel.
Colin zuckte nur die Schultern.
„Vielleicht hat er es verdient", sagte er nur gelassen, ohne auch nur einen Blick auf die Taten seines Bruders zu verschwenden.
Inzwischen ließen Oliver und Steven den Jungen auf und ab schweben.
„Stopp!", rief plötzlich eine Stimme und Lily traute ihren Ohren nicht.
Ihr Bruder James war plötzlich aufgetaucht und hatte seinen Zauberstab gezückt.
„Lasst ihn runter!", befahl er Oliver und Steven.
Überrascht blickten die beiden James an, trauten sich jedoch nicht, sich ihm entgegenzusetzen und taten wie geheißen.
„Alles in Ordnung?", fragte James den Jungen, der soeben unsanft im Gras gelandet war.
Dieser nickte nur und versuchte taumelnd aufzustehen.
James wandte sich an Oliver und Steven.
„Wir greifen keine Erstklässer an", erklärte er ihnen in ruhiger aber strenger Stimme, „Das ist feige. Meinetwegen sucht euch Slytherins in eurem Jahrgang. Die könnt ihr nach Lust und Laune verfluchen, aber..."
„Er hat Jack Pentley ein Schlammblut genannt", beschwerte sich Steven Thomson.
James seufzte.
„Dann melde es einem Lehrer oder Vertrauensschüler", belehrte er ihn, „Aber mit so einer Aktion seid ihr keinen Deut besser!"
„Wird nicht wieder vorkommen", sagte Oliver hastig und Steven nickte zustimmend.
Damit drehte James sich wieder herum und ließ sich wieder bei seinen Freunden nieder.
„Ich habe ja gesagt, sie gehen zu weit", murmelte Eric und Colin warf ihm einen Blick zu.
„Wenn du mich fragst, kann man diesem kleinen Bengel nicht früh genug zeigen, wie man sich anständig benimmt", entgegnete Colin.
„Meinst du, dass sie so etwas davon abhält, Wörter wie Schlammblut oder Blutsverräter zu verwenden?", fragte Eric ihn zweifelnd.
Colin zuckte die Schultern.
„Weißt du", wandte Lily sich an Colin, „Ich glaube nicht einmal, dass es Oliver und Steven darum geht, irgendjemandem eine Lektion zu erteilen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es ihnen Spaß macht, andere zu quälen und dabei im Mittelpunkt zu stehen, vor allem, wenn sie dafür auch noch bejubelt werden."
Colin musterte sie einen Augenblick lang, sagte jedoch nichts mehr.
AN: Zu diesem Kapitel gibt es wieder ein Sidechapter, das euch mehr über James und Albus verrät: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/21/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Bilderbuchfamilie[/link]
