Die neusten Entdeckungen bisher unbekannter fantastischer Tierwesen

Als die Osterferien vorbei waren, herrschte in Hogwarts große Aufregung. Seit langem war nun kein Anschlag mehr passiert. Stattdessen jedoch kam es immer häufiger vor, dass Schüler aus unterschiedlichen Häusern sich gegenseitig angriffen, so wie Oliver und Steven es mit dem Slytherin-Erstklässler gemacht hatten. Gracie Conner war, so erzählte Molly, obwohl sie Vertrauensschülerin war, am Ende der Ferien von einer Gruppe Slytherins angegriffen worden. Es sei nur gerade so noch einmal gut gegangen.

Lily, Colin und Eric waren bisher weitestgehend verschont geblieben, wenn auch Ruben Nott es einmal geschafft hatte, Lily einen Beinklammerfluch aufzuhetzen, für den sie sich jedoch revanchiert hatte.

„Es ist der Spiegel", sagte Emma mit Gewissheit in der Stimme, als sie nachmittags im Gemeinschaftsraum saßen.

Auch sie war ein ums andere Mal attackiert worden. Heute hatte jemand Tinte über ihre Schulbücher verkippt.

„Ach Quatsch", sagte Colin, „Das Gezanke zwischen den Häusern gab es schon immer."

„Ich war vorher zwar nicht auf Hogwarts, aber ich bezweifle, dass es je so schlimm war, wie jetzt", sagte sie missmutig.

„Recht hast du", erklang James' Stimme hinter ihnen.

Emma warf Colin einen triumphierenden Blick zu.

„Ich würde ja sagen, vergesst den Spiegel der Rache, aber ich bekomme so langsam den Eindruck, dass das alles mit ihm zu tun hat. Die Hufflepuffs haben Angst, wieder angegriffen zu werden und misstrauen jedem. Die Slytherins vermuten Marius, Fred und mich dahinter und die Ravenclaws haben nun beschlossen, es sei das Klügste ganz unter sich zu bleiben. Es wird hier einfach keine Ruhe geben, solange kein Täter gefasst wird und, weil jeder Angst hat, gehen sie den anderen an die Gurgel."

Lily hörte aufmerksam zu.

„Hinzu kommt Wennells törichter Umgang mit den Anschlägen. Keiner hat mehr Vertrauen in ihn."

„Das heißt, nur wenn wir einen Schuldigen finden, wird Hogwarts wieder normal?", fragte Colin.

„Wir?", fragte James misstrauisch und blickte in die Runde.

Dabei fiel sein Blick ganz besonders auf Lily, die ihm jedoch fest in die Augen sah. Bei jedem anderen wäre sie rot geworden. Bei James jedoch konnte man sich sicher sein, dass man immer der Unschuldigere war, egal, wie man es drehte. So oder so hatten sie bisher auch kaum etwas getan außer ein bisschen herumzuschnüffeln. Nichts davon war so gefährlich gewesen, wie im letzten Jahr Walker zu den Magiecontinatoren zu folgen.

„Nicht dass das Ministerium am Ende noch auf die Idee kommt, die Schule zu schließen", sagte Lily zu James.

James zog die Brauen hoch.

„Das steht schon im Raum", sagte er.

„Was?", fragte Eric entsetzt.

„Kein Wort zu niemandem und wenn, dann wisst ihr es nicht von mir", erklärte er.

Lily, Colin, Eric und Emma nickten, während James sich näher zu ihnen beugte und die Stimme senkte.

„Wennell soll suspendiert werden", flüsterte er.

„Woher weißt du das?", fragte Lily.

„Ich habe meine Quellen", sagte er jedoch nur und zog die Brauen hoch, „Kingsley war gestern in seinem Büro. Es stimmt nicht, dass das Ministerium nichts tut. Sie machen es nur diskret. Es war wohl schon das dritte Mal, dass er in diesem Schuljahr da war."

„Warum gestern?", fragte Eric, „Es ist jetzt so lange nichts mehr passiert."

„Doch, das Drunter und Drüber in der Schülerschaft, die Tatsache, dass niemand Schuldiges gefasst wurde und seine Maßnahmen natürlich. Die Suspendierung stand wohl schon länger im Raum, aber seit dem Krieg will sich das Ministerium so wenig wie Möglich in die Angelegenheiten von Hogwarts einmischen. Die nächste Folge nach Wennells Entlassung wäre allerdings eine Schließung der Schule."

„Und was wurde nun konkret beschlossen?", fragte Emma sachlich.

„Wennell wird demnächst vorzeitig in den Urlaub gehen und sollte es dann noch Anschläge geben, dann gehen wir alle vorzeitig in den Urlaub."

Lily schluckte. So gern sie die Ferien und ihre Familie auch mochte. Sie hatte sich ewig darauf gefreut, endlich Hogwarts zu besuchen. Das war einer der Gründe gewesen, warum sie Walker im letzten Jahr verfolgt hatte. Sie wollte weiterhin mit Colin und Eric hier zur Schule gehen, ihren Abschluss machen und Quidditch für ihre Hausmannschaft spielen.

„Oh, aber es gibt auch eine gute Nachricht", erklärte James stolz.

Lily horchte auf.

„Quidditchtraining darf ab jetzt wieder täglich draußen stattfinden."

Lily verdrehte die Augen, freute sich jedoch.

Das letzte Quidditchspiel der Gryffindors gegen Ravenclaw würde in diesem Jahr schon Ende April stattfinden. Dies hatte den Nachteil, dass sie nicht sicher sein konnten, wie hoch sie gegen Ravenclaw gewinnen mussten, um überhaupt noch etwas in der Meisterschaft zu reißen. Tatsächlich aber war es ohnehin unwahrscheinlich den Pokal noch zu holen, denn die Chance, dass Hufflepuff gegen Slytherin verlor, lag bei null.

James setzte wie gewohnt jeden Abend Training an und gestand nur Roxanne und Cody zu, ab und an zu fehlen, da diese sich in diesem Jahr auf die OWL vorbereiten mussten. Allein das war schon eine Überraschung, aber Lily fiel auf, dass er nicht mehr ganz so verbissen war wie zuvor.

„Seien wir ehrlich, die Chancen dieses Jahr noch die Meisterschaft zu gewinnen, stehen schlecht", erklärte er, „Dennoch geben wir bei diesem Spiel unser bestes. Die Ravenclaws sind wegen Corner derzeit das schlechteste Team, hier können wir schnell und hoch gewinnen, wenn wir uns anstrengen."

„Wozu sich noch anstrengen", murrte Fred, fing sich jedoch einen bösen Blick ein.

„Sieh es als Vorbereitung auf die Meisterschaft im nächsten Jahr", lächelte James ihn zuckersüß an.

Fred stöhnte.

Das Einzige worüber Lily derzeit stöhnen konnte waren die Unmengen an Hausaufgaben und der Arbeitsaufwand im Unterricht. Nervig war auch, dass sie nach all den Wochen noch immer einen Umweg zum Zauberkunstklassenzimmer machen mussten, weil der Korridor noch nicht wieder begehbar war.

„Da hast du wirklich ganze Arbeit geleistet", maulte Colin Max eines Montags an, als sie vom Mittagessen in den dritten Stock gingen.

Es war eigentlich ein guter Tag gewesen. Am Morgen hatten sie Kräuterkunde und Zaubertränke gehabt, bei denen Lily durch ihren perfekt gebrauten Stärkungstrank reichlich Punkte verdient hatte, doch nun stand ihnen eine verdrießliche Stunde mit Professor Baddock bevor und das zog besonders Colins Laune nach unten.

In der heutigen Stunde lernten sie den Schrumpfzauber. Vor den Ferien hatten sie bereits den Vergrößerungszauber geübt, jedoch war auch der Gegenzauber relevant.

„Ich denke, Sie alle sollten den Zauber mühelos hinbekommen, sogar Sie Mr Fry", sprach Professor Baddock, „Vielleicht dieses Mal auch ohne sich gleich wieder Nachsitzen einzufangen."

Er warf Max ein gehässiges Lächeln zu.

„Dasselbe gilt für Sie, Miss Potter!", schnauzte er Lily völlig aus dem Nichts und von hinten an, weshalb sie zusammenzuckte und der Schüssel, die sie verkleinern sollte, stattdessen ein Brandloch verpasste.

„Typisch", höhnte er.

Am Ende der Stunde war Lily so genervt und wütend, dass sie anstatt ihren Aufsatz für Geschichte der Zauberei zu schreiben, wie sie es eigentlich geplant hatte, Hagrid besuchen ging.

Dieser sah ihr gleich an, dass etwas nicht stimmte und fragte deshalb nach.

„Baddock", antwortete Lily genervt, „Er ist fies, er ist besonders fies zu den Gryffindors, aber noch fieser ist er zu mir und ich verstehe nicht warum. Habe ich ihm denn je etwas getan?"

Hagrid schmunzelte leicht.

„Du nicht", sagte er, „Aber James und auch Albus ham sich bei ihm schon einiges zu schulden kommen lassen, James mehr, Albus weniger, aber du siehst ja, wie er is'. Er hört den Namen Potter und fragt auch nich' weiter."

Lily seufzte.

„Ich bin nicht so schlecht in Zauberkunst, wie er behauptet", erklärte sie, „Allein bekomme ich die Sprüche alle hin."

Hagrid nickte verstehend, während er ihr Tee servierte.

„Ignorier ihn einfach, Lily, und nach den OWL kannst du das Fach ja abwählen."

Drei weitere Jahre mit Baddock waren für Lily nicht unbedingt rosige Aussichten. Sie ließ das Thema damit jedoch gut sein und konzentrierte sich lieber auf die schöneren Dinge des Lebens. Hagrid zeigte ihr einen Niffler und Lily erzählte ihm, dass sie, Colin und Eric für das kommende Schuljahr Pflege magischer Geschöpfe gewählt hatten.

Am letzten Samstag des Monates war es dann endlich so weit. Gryffindor trat zu seinem letzten Quidditchspiel der Saison an. War bei den ersten Spielen die Aufregung und der Druck jeweils riesig gewesen, hatte sich dies inzwischen deutlich gelegt. Natürlich war die Große Halle wie immer geschmückt, aber es wurde nicht annähernd derselbe Aufruhr betrieben, wie bei all den vorherigen Spielen, die Lily je auf Hogwarts gesehen hatte. Wahrscheinlich lag das daran, dass alle die Meisterschaft im Grunde für entschieden hielten.

Lily gönnte den Hufflepuffs den Sieg. Das Team, das Hitchens auf die Beine gestellt hatte, war wirklich gut und hatte sich gegen Gryffindor sehr tapfer geschlagen. Über die Fairness des Sieges konnte man sich streiten, aber sollten sie auch gegen Slytherin gewinnen, hatten sie sich den Pokal redlich verdient.

Nach dem Frühstück ging das Team der Gryffindors gemeinsam hinunter zum Quidditchstadion. Schweigend zogen sie sich um, bevor sie hinaus aufs Spielfeld traten.

„Unser vorletztes Spiel der Saison", brüllte Marius ins Megafon.

James und Maurice Corner schüttelten sich die Hände und Madame Rivers ließ die Bälle frei.

„Weasley ergattert sich den Quaffle als erste, vorbei an Corner, vorbei an nochmal Corner, vorbei an Parker und Tor. 10 zu 0 für Gryffindor."

Die Menge der Gryffindors auf den Zuschauerrängen jubelte. Lily jedoch hatte keine Zeit sich in dem Jubel auszuruhen, denn die Ravenclaws starteten ihren ersten Angriff auf die Torringe der Gryffindors. Geschickt jedoch fing sie den Quaffle zwischen Maurice und Marcus ab und sauste allein nach vorn auf die Torringe der Ravenclaws zu.

„Oh, und Potter nun mit dem Quaffle, ganz allein rast sie auf die Torringe der Ravenclaws zu."

Vor Lily schwebten keine Gegner mehr. Hier und da wich sie ein paar Klatschern von Utley und Quirke aus, doch letzten Endes schaffte sie es mühelos den Quaffle durch einen der Ringe zu versenken.

„20 zu 0 für Gryffindor!", rief Marius, als der Quaffle von den Ravenclaws zurückgespielt wurde.

Dieses Mal traf Freds Klatscher Marcus Corner, der den Quaffle daraufhin prompt fallen ließ, sodass James ihn abfangen konnte.

Auch er stürmte mühelos allein nach vorn auf die Ringe der Ravenclaws zu und kaum hatte Marius dies angekündigt, stand es auch schon 30 zu 0 für Gryffindor.

„30 zu... ääh... Potter hat den Schnatz. Potter hat den Schnatz. Wann hat Potter den Schnatz gesehen? Gryffindor gewinnt 180 zu 0 gegen Ravenclaw."

Das Stadion jubelte, während Lily sich verwirrt umsah.

„Das ging schnell", erklang Codys Stimme neben Lily, die nun gemeinsam hinauf zu Al sahen, der stolz den kleinen goldenen Schnatz in der Hand hielt.

Ob der Sieg über die Ravenclaws ausgereicht hatte, zeigte sich eine Woche später beim Spiel Hufflepuff gegen Slytherin, das am ersten Mai stattfand. Dieses dauerte wesentlich länger als Gryffindor gegen Ravenclaw, ging jedoch wie zu erwarten aus, denn Slytherin schaffte gerade einmal ein Tor zu erzielen, während die Hufflepuffs ganze fünf Tore warfen und dann schnappte Lucas Hitchens den Schnatz, bevor Scorpius Malfoy ihn auch nur erspähen konnte. Somit endete das Spiel 200 zu 10 für Hufflepuff und es war klar, wer in diesem Jahr den Quidditchpokal erlangt hatte.

„So nah dran waren wir", regte sich James am Abend im Gemeinschaftsraum auf.

Es war nicht nur so, dass sie ein Spiel verloren hatten. Sie hatten es auch nicht geschafft, das siebte Mal infolge den Quidditchpokal zu holen und das bedeutete für sie alle, dass sie es während ihrer Zeit in Hogwarts überhaupt nicht mehr schaffen würden.

„Vermutlich ist der Pokal verflucht", überlegte Hugo laut, „Vielleicht haben die Gründer oder so ihn verhext, dass man ihn nicht sieben Mal hintereinander bekommen kann."

Rose jedoch schüttelte den Kopf und belehrte ihn, dass es Quidditch so damals nicht gegeben hatte und die Gründer ihrer Lebzeiten kein Quidditch gespielt hatten, jedenfalls nicht so, wie sie es heute kannten.

„Laut Eine Geschichte von Hogwarts gibt es Quidditch an dieser Schule erst seit dem vierzehnten Jahrundert", erklärte sie.

„Du liest zu viel, Rose", sagte Hugo nur und steckte sich lässig eine Bertie Botts Bohne in den Mund, verzog kurz darauf jedoch das Gesicht.

„Blumenerde", sagte er angeekelt.

„Ich bin mir sicher, dass ihr es im nächsten Jahr wieder schafft, den Pokal zu holen", sagte Gracie Connor aufmunternd, „Das, was gegen Hufflepuff passiert ist, war einfach Pech."

James jedoch nickte nur, verabschiedete sich dann und ging hinauf in den Schlafsaal.

„Er geht aber früh schlafen", wunderte sich Ascella Longbottom, die in der Ecke mit Albus eine Partie Zauberschach spielte.

„Wahrscheinlich trifft er sich nachher heimlich mit seiner Freundin", grinste Fred breit, doch Lily runzelte die Stirn.

James hatte gesagt, er hatte keine Freundin, und sie hatte ihn auch nie mit einem Mädchen gesehen. Sie kannte ihren Bruder und sie wusste, dass er eine potenzielle Freundin schon lange seiner Familie vorgestellt hätte. Insofern fragte sich Lily, was James wirklich im Schilde führte.

„Wer ist denn nun eigentlich seine Freundin?", fragte Albus neugierig und sah zu Fred, der immer noch breit grinste.

„Na, Emilia Hopkins", antwortete der tadelnd, „aus Hufflepuff."

„Wenn sie wirklich seine Freundin ist, warum macht er dann so ein Geheimnis daraus?", fragte Lily ihn.

Fred sah sie an, zuckte jedoch die Schultern.

„Keine Ahnung, also in unserem Jahrgang weiß es eigentlich jeder", sagte er, „Ihr könnt ja auch nicht erwarten, dass er sie gleich zum Weihnachtsessen mitbringt."

Lily warf Albus einen Blick zu. Irgendetwas stimmte da nicht.

„Du hast Leslie doch auch mit zum Weihnachtsessen gebracht", sagte Roxanne zu Fred und zog eine Braue hoch.

„Ja, das... äh... ist auch etwas anderes."

„Inwiefern anders?", harkte Albus nach.

Fred jedoch zuckte nur die Schultern und verließ dann hastig die Runde.

„Das war ja überhaupt nicht merkwürdig", schloss Rose und beäugte die Situation misstrauisch.

Plötzlich trat Emma zu ihnen hinzu. Lily hatte nicht einmal bemerkt, dass sie verschwunden war, aber sie kam gerade aus Richtung der Schlafsäle.

„Hat jemand von euch meine Ausgabe von Die neusten Entdeckungen bisher unbekannter fantastischer Tierwesen gesehen?", fragte sie an Lily, Colin und Eric gewandt.

Die drei schüttelten die Köpfe.

„Du kannst dir meine Ausgabe ausleihen", erklärte Rose und begann in ihrer Tasche zu kramen.

„Ich bin mir sicher, dass ich sie im Schlafsaal liegen hatte", sagte Emma und klang leicht verzweifelt.

„Und ich war mir sicher, dass ich sie mit runter genommen hatte", erklärte Rose, die ohne die Ausgabe wieder auftauchte, „Warte kurz. Dann muss sie im Schlafsaal liegen."

Rose war eine Weile lang verschwunden, als sie zurückkam, hatte sie jedoch kein Buch dabei.

„Ist das also das erste Buch, auf das meine Schwester nicht aufgepasst hat", sagte Hugo, doch Rose schüttelte den Kopf.

„Schau mal nach, ob deine Ausgabe noch da ist."

Hugo seufzte, erhob sich jedoch von dem Sofa, das er fast allein in Beschlag genommen hatte, und lief hinauf in seinen Schlafsaal. Auch er kam mit leeren Händen zurück.

„Merkwürdig", sagte Colin und sah Eric und Lily an.

„Vielleicht hat sie jemand geklaut", vermutete Emma.

„Ja, aber wer klaut Bücher?", fragte Ascella und schüttelte den Kopf.

„Das ist doch auch alles höchstgradig mysteriös. Flourish und Blotts haben uns damals zugesichert, dass die Bücher in ein paar Wochen ankommen würden, aber sie kamen nie. Das Schuljahr ist nun fast zu Ende und der Großteil der Schüler hat immer noch keine Bücher", beschwerte sich Roxanne.

Hugo klatschte sich die Hand vor die Stirn.

„Ich weiß, wo meine Ausgabe ist!", rief er, „Ich habe sie am Dienstag nach Pflege magischer Geschöpfe bei Hagrid liegen lassen!"

„Dann geh morgen besser hin und schau nach, ob sie noch da ist", riet ihm Rose.

Als Lily wenig später hinauf in ihren Schlafsaal ging, war das erste, was sie tat, nachzusehen, ob auch ihre Ausgabe verschwunden war.

Sie wusste genau, dass sie sie, nachdem Eric sie ihr zurückgegeben hatte, achtlos und ungelesen in ihren Koffer geworfen hatte, zuerst wollte sie die Hoffnung schon aufgeben, so unordentlich wie ihr Koffer befüllt war, doch schließlich sah sie sie. Sie war noch da.

Neugierig zog Lily das Buch aus dem Koffer und begann zu lesen. Das hätte sie schon vor Monaten tun sollen, dachte sie, aber das ein oder andere Event hatte ihr Interesse für das Buch überschattet. Da die meisten Schüler keine Ausgabe hatten, war es im Unterricht nie wirklich zum Einsatz gekommen. Dabei waren die von Luna neu entdeckten Tierwesen so interessant. Bis spät in die Nacht hinein las sie die Kapitel über die drei neuen Drachenarten, den Goldenen Wüstendrache, den Kanadischen Weißling und den Atlantischen Meeresdrachen. Lily hatte immer gewusst, dass ihre Patentante zusammen mit ihrem Ehemann Rolf viel gereist war und die fernsten Länder gesehen hatte, aber sie hatte nie genau gewusst, wo genau Luna überall gewesen war. Auch das Kapitel über den Morungor, den sie im südamerikanischen Regenwald entdeckt hatten, war äußerst spannend. Offenbar war er ein sehr gefährliches Geschöpf, denn er war genau wie die Drachen mit fünf Kreuzen eingestuft.

MORUNGOR

ZM-Klassifizierung: XXXXX

Der Morungor ist ein großes Tier, das im südamerikanischen Regelwald heimisch ist. Wir entdeckten es bei unserer Reise, die uns am Amazonas entlangführte. Einheimische berichteten uns bereits von diesem Wesen und, dass sie in letzter Zeit große Probleme hatten, die immer größer werdende Population unter Kontrolle zu halten. Der Morungor hat nämlich kaum natürliche Feinde, weshalb er sich in den letzten Jahren stark vermehrt hat. Hinzu kommt das Problem des fehlenden Habitats. Zwar mag der südamerikanische Regenwald zunächst riesig erscheinen, ist er jedoch starken Veränderungen durch Handlungen der Muggel unterworfen, die hier massive Rodungen vornehmen, sodass der Lebensraum des Morungoren immer weiter schrumpft.

Die Gefährlichkeit des Morungoren zeichnet sich nicht zuletzt durch seine Größe aus. Ausgewachsene Weibchen können etwa neun Fuß hoch werden. Je nach Umständen sind diese wesentlich aggressiver als ihre männlichen Artgenossen, da sie sich ausgiebig und aufopfernd um ihren Nachwuchs kümmern. Alles, was sie dabei auch nur als Feind wahrnehmen, darf seinem Ende in Kürze entgegensehen. Genau dafür hat der Morungor diverse Möglichkeiten. Die Körperfarbe variiert zwischen rot, orange, gelb, grün, blau und violet. Auf dem Rücken trägt jedoch jeder Morungor einen braunen Panzer, dessen Haube ebenfalls den Kopf bedeckt. Neugeborene verfügen nicht über derartige Panzer sondern entwickeln ihn erst nach Ablauf des ersten Lebensjahres. Auf Grund der Panzer jedoch wird der Morungor von einigen Zauberern gejagt, da dieser aus Schuppen besteht, die in Südamerika für Tränke, Zauberstäbe und ähnliches verwendet werden. Dennoch bleibt die Erlegung eines Morungoren eine Seltenheit, da diese sich durchaus zu wehren wissen. Wittert ein Morungor Gefahr, stößt er einen schwarzen Nebel aus, durch den der Angreifer früher oder später das Bewusstsein verliert. Die wenigsten Zauberer wachen aus diesem narkotischen Schlaf wieder auf. Die meisten werden wohl durch den Morungoren gefressen. Das Einzige, das gegen den schwarzen Nebel hilft, ist Drachenfeuer. Morungoren, die sich die Nebeldrüse verbrennen, sind außerdem mehrere Stunden lang nicht fähig weiteren Nebel auszustoßen. Wir hatten auf unserer Reise zufällig ein junges Antipodisches Opalauge dabei, das uns kurzerhand das Leben rettete, als wir zum ersten Mal über den Morungor stolperten. Dieser war sogar ein besonders aggressives Weibchen, da es gleich zwei Jungen auf einmal geworfen hatte, die beide noch ohne Panzer waren. Überraschend sind gerade die jungen Morungoren alle golden schimmernd und man kann nicht sagen, wie sich die Haut nach Entwicklung des Panzers färben wird. Die goldene Babyhaut des Morungoren ist bei den Einheimischen ein Vermögen wert. Sie ist noch wertvoller als der Panzer.

Vermutlich frisst der Morungor die durch den Nebel bewusstlosen Opfer mit Haut und Haaren. Jedenfalls kommt es in der Gegend oft dazu, dass Menschen vermisst werden und auch nie wieder auftauchen.

Klauen und Zähne des Morungoren sind höchstgradig giftig und fügen dem Gegenüber schwerwiegende Verletzungen zu. Das Gift wird in Südamerika auch gern angewandt, um Muggel, die Wind von Magie bekommen haben, vergessen zu lassen. Die regelmäßige Einnahme ist jedoch schädlich und führt zu einem gewissen Beklopptheitszustand. Besonders bekannt ist dazu die Legende von Rigoberta la Rabiosa, die sich jeden Morgen etwas Morungorengift in ihren Mate (ein sehr beliebtes Getränk in Südamerika) mischte und dadurch irgendwann völlig plemm plemm wurde, wie ihre Nachbarn berichteten.

Morungoren haben im Übrigen grünes Blut, das sehr dickflüssig ist. Ihr Kot ist explosiv. Morungoren geben kleine braune Kugeln ab, die nach einiger Zeit in Kontakt mit Luft explodieren. Man sollte sich ihnen demnach nicht nähern. Trifft man auf einen Morungor, hilft nur eine rasche Flucht, denn die Wahrscheinlichkeit nur mit einem Zauberstab gegen ihn zu gewinnen ist gering. Bei den ausgewachsenen Tieren prallen jegliche Zauber am Panzer ab. Verwundbar sind Morungoren nur an der Kehle und am Bauch. An diese Stellen zu kommen ist jedoch schier unmöglich. Vielleicht erwirkt es ein zufällig entspannter Mittagsschlaf. Die hohe Population der Morungoren, unter der die Bevölkerung Südamerikas in den letzten Jahren leidet, ist auch dem Rückgang der Flora geschuldet. Morungoren fressen für ihr Leben gern und willst du einen Morungor hinhalten, dann biete ihm etwas zu essen an. Trotz seiner scheinbar blutrünstigen Vorliebe für Menschen, ist der Morungor nämlich auch ein großer Pflanzenliebhaber. Gerade von der Puffknolle kann er gar nicht genug bekommen.

Verärgert klappte Lily ihr Buch zu. Sie hätte es schon vor Monaten lesen sollen. Luna hatte ihr extra eine Ausgabe geschickt und sie war so privilegiert gewesen, dieses Buch die ganze Zeit in ihrem Koffer zu haben, während so viele Schüler noch immer auf ihre Ausgaben warteten. Die Frage war nur, wäre es ihr auch aufgefallen, wenn sie den Artikel früher gelesen hätte?

AN: Zu diesem Kapitel gibt es wieder ein Sidechapter, das euch mehr über James und Albus verrät: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/22/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Mut[/link]