Der entscheidende Hinweis

Als Lily am nächsten Morgen den Gemeinschaftsraum betrat, war dieser bunt geschmückt.

„Wennell kann uns nicht verbieten, den zweiten Mai zu feiern", erklärten Marius und James ausgelassen, bevor Marius Lily eine Luftschlange ins Gesicht blies.

Sie kniff die Augen zusammen und wartete, bis es vorüber war, suchte dann Colin und Eric in einer Ecke des Gemeinschaftsraumes.

„Ich muss mit euch reden", erklärte sie und zog die beiden hinter sich her durch das Porträtloch.

„Was ist?", fragte Colin.

„Ich habe die Lösung", sagte sie.

„Die Lösung?", fragte er, „Wofür?"

„Für die ganzen Anschläge natürlich!", sagte Lily aufgeregt.

„Was?", fragte Eric, „Aber wie...?"

„Und du hättest schon vor Monaten darauf kommen können!", tadelte sie ihn, indem sie ihn kopfschüttelnd ansah.

„Was? Ich?", fragte Eric und warf Lily einen zweifelnden Blick zu.

„Na, hattest du nicht ewig Die neusten Entdeckungen bisher unbekannter fantastischer Tierwesen von mir ausgeliehen?", fragte sie.

„Ja, aber..."

„Hast du da nicht das Kapitel über den Morungor gelesen?", fragte sie weiter.

„Doch, aber was hat das damit zu tun?"

„Erster Anschlag: Überall schwarzer Rauch, der macht, dass wir fast das Bewusstsein verlieren", begann Lily aufzuzählen, „Zweiter Anschlag: Wieder Rauch und grünes dickflüssiges Blut an der Wand. Dazu Schüler, die weggetreten sind und dann vergessen haben, was passiert ist. Zum dritten Anschlag habe ich zwar noch keine Theorie, aber beim vierten sind kleine Bomben überall im Schloss explodiert. Das war sicherlich Morungorkacke!"

Lily sah Colin und Eric begeistert an, doch diese runzelten nur die Stirn. Es entstand eine kleine Pause, in der sie sich alle nur anschwiegen

„Ergibt Sinn", sagte Eric dann langsam, „Wie kommst du da jetzt plötzlich drauf?"

„Ich habe gestern selbst das Buch gelesen", erklärte sie, „Das hätte ich schon vor Monaten tun sollen!"

„Äh Leute...", begann Colin verwirrt, „Vergesst ihr da nicht etwas? Ihr habt doch gehört, was Hagrid gesagt hat. Wie soll jemand einen Morungor nach Großbritannien bekommen haben und noch viel eher nach Hogwarts? Dazu braucht man nicht einfach nur das nötige Wissen, sondern auch Verbindungen. Ich meine, ist ja nicht so, dass das Ministerium den Import und Export von gefährlichen magischen Tieren nicht beaufsichtigen würde, oder?"

„Keine Ahnung", überlegte Lily, „aber sonst passt es alles zusammen, oder? Ich meine, was sollte es sonst sein?"

„Und fünfter Anschlag: Der Versuch sämtliche Ausgaben von Die neusten Entdeckungen bisher unbekannter fantastischer Tierwesen zu unterschlagen und sie nun selbst im Schloss verschwinden zu lassen", fügte Eric Lilys Aufzählung hinzu.

„Deine Cousine Rose hat vorhin gefragt, ob noch irgendjemand sonst eine Ausgabe hat. Sie wollte etwas nachlesen und dann ist denjenigen, die vorher eine Ausgabe hatten, aufgefallen, dass ihre Bücher auch weg sind", brachte Colin sie auf den neusten Stand.

Lily runzelte die Stirn.

„Meine Ausgabe ist noch da", flüsterte sie und sah sich dann um, ob irgendjemand mitgehört hatte, der vorhatte, auch ihre Ausgabe zu stehlen.

„Merkwürdig, oder?", entgegnete Colin und zog die Augenbrauen hoch.

Die drei gingen gemeinsam hinunter zu Frühstück, während sie weiterdiskutierten, warum jemand alle Bücher der Gryffindors gestohlen hatte, aber Lilys Ausgabe dabei offenbar vergessen hatte.

Beim Frühstück angekommen kamen jedoch Lorcan und Lysander zu ihnen hinüber.

„Habt ihr es schon gehört?", fragte Lysander aufgeregt.

„Alle Bücher von Mum und Dad haben sich urplötzlich in Luft aufgelöst", sagte Lorcan verträumt, „Sogar unsere."

Lily runzelte die Stirn.

„Die ganzen Bücher der Gryffindors sind auch weg!", sagte Colin aufgeregt.

„Wisst ihr von allen Hufflepuffs und Ravenclaws, dass sie keine Bücher mehr haben?", fragte Lily die Zwillinge.

Die beiden nickten.

„Den ganzen Morgen schon kommen Schüler zu uns, die sich bei uns beschweren", sagte Lysander, „Dabei haben wir sicher nichts damit zu tun und können auch nichts dagegen machen."

„Marcus Corner dachte, es sei ein Marketingtrick, damit Mum und Dad noch mehr verkaufen", fügte Lorcan hinzu, „Aber das ist es nicht."

„Schon klar", sagte Lily und sah interessiert zum Slytherintisch herüber.

„Wie sieht es bei den Slytherins aus?", fragte sie, „Meint ihr, die haben ihre Bücher noch?"

Lysander zuckte die Schultern.

„Wenigstens hat uns von denen bisher niemand angesprochen", erklärte er.

Lily nickte verstehend und sah dann, wie Eileen Zeller die Große Halle betrat.

„Entschuldigt mich einen Augenblick", sagte sie und rannte hinüber zu Eileen.

Sie erreichte sie, als sie gerade dabei war, sich am Slytherintisch niederzulassen.

„Hey Eileen", begann Lily.

„Oh, hey Lily", sagte Eileen und schenkte ihr ein kurzes Lächeln, bevor sie ängstlich einen Blick zu Ruben Nott warf, der ein paar Plätze weiter neben Gregory Goyle und Valerie Harper frühstückte.

„Weißt du zufällig, ob es bei den Slytherins auch Diebstähle gab?", fragte Lily, „Die meisten anderen Schüler hier auf Hogwarts scheinen ihre Ausgaben von Die neusten Entdeckungen bisher unbekannter fantastischer Tierwesen verloren zu haben."

Eileen runzelte die Stirn.

„Ähm, ja", sagte sie, „Ich selbst hatte zwar nie eine Ausgabe, aber Doreas Buch ist auch seit gestern Abend verschwunden."

Sie nickte mit dem Kopf hinüber zu Dorea.

„Danke", sagte Lily und wollte sich gerade herumdrehen, als sie Ruben Notts Stimme vernahm.

„Potter, was willst du denn hier am Slytherintisch?", höhnte er, „Wenn du dir überlegt hast, dass wir einfach das bessere Haus sind, dann sag ich nur „Zu spät" und außerdem würden wir so etwas wie dich eh nie bei uns reinlassen."

„Deine Beleidigungen waren auch schon besser", gab Lily zurück.

„Und du, Zeller? Warum redest du überhaupt mit Potter?", fuhr Nott Eileen an, die prompt rot anlief.

„Was geht es dich an, mit wem sie redet?", fuhr Lily ihn an.

„Oh, Potter, die große Beschützerin setzt sich für Zeller ein", höhnte Nott und erntete damit einiges Gelächter der Slytherin-Zweitklässler.

Valerie Harper lachte so schrill, dass Lilys Ohren klingelten.

„Geh lieber", murmelte Eileen Lily zu und sah sie flehend an.

Lily warf ihr einen entschuldigenden Blick und Nott einen wütenden zu, machte dann kehrt und lief zurück zum Gryffindortisch.

„Die Slytherins haben auch keine Bücher mehr", erklärte Lily Eric, Colin, Lorcan, Lysander und Emma, die sich inzwischen auch neben ihnen niedergelassen hatte.

„Warum redest du mit denen?", fragte Emma Lily, doch Lily zuckte nur die Schultern, während sie sich ein Toast nahm.

„Sie sind nicht alle schlecht", erklärte Lorcan fröhlich und Lysander nickte bestärkend.

Emma legte den Kopf schief, um zu demonstrieren, dass sie dies bezweifelte.

„Pavo Evoy hätte letzte Woche fast absichtlich meinen Umhang in Brand gesteckt, wenn seine Zwillingsschwester Lacerta ihn nicht aus Versehen mit dem Beinklammerfluch verhext hätte, der eigentlich Jack Pentley treffen sollte", erklärte sie, „Außerdem nennen sie ihn dauernd ein Du-weißt-schon-was-Blut. Die beiden sind echt schlimm."

„Ist Pavo Evoy nicht der, den Oliver und Steven in den Osterferien am See angegriffen haben?", fragte Colin.

„Das habe ich auch mitbekommen", sagte Lorcan, „James hat sie davon abgehalten."

„Apropos James", fiel Lily ein, „Bei uns im Gemeinschaftsraum steigt heute eine Party wegen des zweiten Mais. Ihr könnte gern einfach mal vorbeikommen."

„Cool", sagte Lysander und sah begeistert aus.

„Eine Party?", fragte Lorcan, als hätte er noch nie davon gehört.

„Wir kommen auf jeden Fall", freute sich Lysander, verabschiedete sich dann und zog Lorcan mit sich.

„Das mit den Büchern ist so komisch. Glaubt ihr, dass das ein neuer Anschlag ist?", fragte Emma.

Lily, Colin und Eric sahen sich an, dann nickten sie.

„Du hast doch auch das Kapitel über den Morungor gelesen, oder Emma?", fragte Lily an sie gewandt und Emma nickte gleich eifrig, wurde dann jedoch immer langsamer und hielt schließlich inne.

Plötzlich klappte ihr die Kinnlade hinunter.

„Natürlich!", sagte sie, „Dass ich da nicht früher drauf gekommen bin!"

Lily nickte nur.

„Meint ihr, dass die Bücher vielleicht von Anfang an zurückgehalten wurden, damit niemand bemerkt, worum es sich handelt?", fragte sie aufgeregt.

„Gut möglich", stimmte Eric ihr zu.

„Aber wenn das stimmt", begann Emma, „Wo im Schloss soll dann ein Morungor versteckt sein, ganz zu schweigen davon, wie man ihn hierher gebracht hat."

„Wir drehen uns im Kreis", sagte Lily, „und außerdem ist es völlig egal, wie er hierher gekommen ist. Wichtig ist nur, dass er hier ist und wir ihn wieder loswerden müssen, bevor er uns alle umbringt."

Lilys Laune war nach dem Gespräch am Slytherintisch auf den Tiefpunkt gesunken.

„Und was sollen wir bitte tun?", fragte Colin, „Falls ich dich erinnern darf wurde bereits das gesamte Schloss nach dem Spiegel der Rache abgesucht und es wurde in all der Zeit weder ein Spiegel noch ein Morungor gefunden. Dass wir nun wissen, welches Monster uns alle bedroht, hilft uns auch kaum weiter."

Lily nickte wieder nur und kaute niedergeschlagen an ihrem Toast herum.

Nach dem Essen beschlossen die Gryffindors, sich zunächst durch die Party im Gemeinschaftsraum abzulenken, die den ganzen Tag stattfinden sollte. Lily jedoch war mit ihren Gedanken ganz woanders. In Wirklichkeit grübelte sie pausenlos darüber nach, wo um alles in der Welt ein Morungor im Schloss versteckt war. Als Hugo ihr dann irgendwann erzählte, dass seine Ausgabe, die er bei Hagrid vergessen hatte, auch weg war, verließ Lily schließlich die Party, um ins Bett zu gehen. Wer auch immer hinter den Anschlägen steckte, musste sehr viel Macht und Kontrolle in Hogwarts haben. Wie sonst sollte es möglich sein, gezielt Bücher einzelner Schüler verschwinden zu lassen? Ein Blick in Lilys Koffer verriet ihr jedoch, dass ihre Ausgabe noch immer da war. Warum war ihre Ausgabe als einzige noch da? Gab es vielleicht jemanden, der wollte, dass Lily hinter das Geheimnis des Spiegels der Rache kam? Lily dachte so lange über all die Fragen nach, bis ihr Kopf wehtat und sie irgendwann in einen unruhigen Schlaf fiel.

Am nächsten Morgen hatte sich das Thema um die fehlenden Bücher noch immer nicht erledigt. Ganz im Gegenteil. Inzwischen war viel mehr Schülern aufgefallen, dass konkret dieses eine Buch gestohlen worden war und damit war es zum Thema Nummer eins in Hogwarts geworden.

In der zweiten Stunde des Tages in Kräuterkunde sprach Professor Longbottom zu den Zweitklässlern.

„Sollte irgendjemand von Ihnen irgendetwas wissen, dann bitte ich Sie so schnell wie möglich zu mir zu kommen", sagte er.

Lily hatte, seit sie herausgefunden hatte, dass hinter den meisten Anschlägen irgendwie ein Morungor steckte, überlegt, sich ihm anzuvertrauen, sich dann jedoch dagegen entschieden. Natürlich lag es auf der Hand und die Indizien sprachen für sich, aber würde man ihr Glauben schenken? Colin, Eric und Emma hatten Recht. Es war unmöglich einen Morungor heimlich nach Großbritannien zu bringen. Immerhin war hier bis vor einem Jahr nicht einmal klar gewesen, dass er existierte. Luna und Rolf hatten ihn neu entdeckt. Sicher würden die Lehrer sie nur für verrückt halten.

Wie immer verbrachten sie die Einzelstunde am Montag mit Theorie und Lily traute ihren Ohren kaum, als sie hörte, was das neue Thema sein würde.

„Heute behandeln wir Puffknollen", erklärte Professor Longbottom gut gelaunt, als der die Stunde begann, „Wer von euch kann mir denn sagen, mit welcher gewöhnlichen nicht magischen Pflanze die Puffknolle verwandt ist?"

Nur Dorea Gamp und Eric meldeten sich.

„Miss Gamp?", rief Professor Longbottom sie auf.

„Löwenzahn", antwortete sie.

„Korrekt. Fünf Punkte für Slytherin", sagte Professor Longbottom und holte einen großen Topf mit einer etwa acht Zoll hohen Pflanze hervor.

Sie war grün mit großen nach oben stehenden Blättern und hatte eine gelborange Knolle.

„Da Löwenzahn jeder von Ihnen kennen sollte, können Sie sich wahrscheinlich vorstellen, wie die Puffknolle sich selbst aussäht. Anders als beim Löwenzahn wird jedoch die Knolle einfach reif und zerplatzt anschließend. Die Samen fliegen dann, wie sie es von der Pusteblume kennen, durch die Luft und sähen sich selbst in der Erde ein."

Garnet Trumbles Hand schoss in die Höhe.

„Ja? Miss Trumble."

„Was genau ist denn dann das Magische an der Puffknolle?", fragte Garnet.

Professor Longbottom schenkte ihr ein Lächeln und nickte kurz.

„Das ist eine sehr berechtigte Frage, Miss Trumble, und es gab Überlegungen, die Puffknolle nicht als magische Pflanze zu zählen. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass Muggel sie gar nicht sehen können, so wie die meisten magischen Pflanzen für die Muggel unbekannt sind. Außerdem - und jetzt kommen wir zum magischen Teil der Pflanze - kann es vorkommen, dass wenn mehrere Samen in der Erde aufeinandertreffen, die Pflanze binnen Sekunden wächst, groß wird und daraus eine neue Frucht entsteht."

Bei dem Wort „Frucht" deutete er auf die gelb-orange Knolle, die an der Pflanze hing.

„Alternativ hilft auch Drachenmist als Dünger, um wirklich in kürzester Zeit die riesigsten Pflanzen zu züchten."

Lily erinnerte sich genau daran, dass die Puffknolle im Zusammenhang mit dem Morungor erwähnt worden war. Es war das Mittel, um ihn zu stoppen und abzulenken, sollte man jemals einem begegnen.

Den Rest der Stunde erklärte Professor Longbottom der Klasse, wie man mit der Frucht der Puffknolle am besten umging, wie diese aufgebaut war und wofür man sie verwenden konnte. Offenbar verursachte sie bei Verzehr eine ruhige Stimmung und linderte Aggressionen.

„Goyle sollte so eine Knolle mal essen", sagte Colin, als sich die Gryffindors nach der Stunde auf zu Zaubertränke machten, „Habt ihr gesehen, dass er Nicolas Martin während der Stunde immer geboxt hat? Der Arme hat jetzt bestimmt überall blaue Flecken am Arm. Ich finde, er sollte sich mal wehren und Goyle irgendeinen Fluch aufhalsen."

„Es ist nicht so einfach", beschwerte sich Nicolas, der das Gespräch offenbar mitangehört hatte, „Goyle ist riesig wie ein Troll, immer wenn er vor mir steht, dann vergesse ich, dass ich überhaupt zaubern kann."

Nicolas' Kommentar bestärkte Lily in dem Glauben, dass es besser war, Colin und Eric erst später zu berichten, wie nützlich das neu erworbene Wissen über Puffknollen wirklich war, und so wartete sie bis nach der Stunde Zaubertränke, in der sich die Gryffindors insgesamt achtzig Punkte verdient hatten.

„Laut Die neusten Entdeckungen bisher unbekannter fantastischer Tierwesen hilft die Knolle, um den Morungor ruhig zu stellen", erklärte Lily den beiden und auch Emma, die sich beim Mittagessen wieder einmal zu ihnen gesellt hatte.

„Super", sagte Colin, klang dabei jedoch ganz und gar nicht fröhlich, „Dann wissen wir jetzt wenigstens, wie wir den Morungor loswerden, sollten wir ihm begegnen."

Emma warf ihm nur einen skeptischen Blick zu, sagte jedoch nichts, während Lily und Eric ihn einfach ignorierten.

Nach dem Mittagessen liefen die Gryffindor-Zweitklässler zu Zauberkunst. Der gewohnte Weg zum Zauberkunstkorridor war nach Max' und Peeves' Stinkbombenaktion in der vergangenen Woche bereits wieder freigegeben worden, sodass sie sich wenigstens den Umweg sparen konnten. Diese Nachricht heiterte Professor Baddock jedoch nicht auf. Er war miesepetrig wie eh und je und kritisierte fast jeden im Raum, wie ungeschickt und ungeeignet sie in Bezug auf das Fach Zauberkunst seien. Als Max, dem es schließlich zu bunt wurde, ziemlich laut „Vielleicht sind sie einfach ein beschissener Lehrer." sagte, hatte er sich ein weiteres Mal Nachsitzen eingehandelt. Dennoch schien er dafür auch noch Bewunderung zu bekommen.

„Ich finde es gut, dass du Baddock einfach die Meinung gegeigt hast", sagte Colin anerkennend und klopfte ihm auf die Schulter.

„Das war echt mutig!", pflichteten ihm die Bones-Zwillinge Moira und Macie bei.

Nur Fannie White, eine muggelstämmige Schülerin aus Hufflepuff, redete ihm ins Gewissen.

„Ich finde, du solltest vorsichtiger sein, Max", erklärte sie, „Du schaffst es immerhin fast jede Stunde, dir Nachsitzen einzuhandeln. Wenn das Überhand nimmt, können sie dich auch von der Schule werfen, und dann? Willst du den Rest deines Lebens als Muggel leben?"

Max nahm sie jedoch nicht ernst und winkte ihre kundgetanen Sorgen nur ab.

Die restlichen Gryffindors jedoch hatten keine Zeit sich weitere Gedanken, um Max' magischen Werdegang zu machen, denn sie hatten einiges an Hausaufgaben zu erledigen, womit sie den Nachmittag über beschäftigt waren.

„Wo ist Emma eigentlich?", fragte Colin am Abend im Gemeinschaftsraum.

Lily und Eric sahen sich um.

Sie hatten sich inzwischen so sehr an sie gewöhnt und daran, dass sie einfach immer in ihrer Nähe saß, dass ihnen mittlerweile sogar auffiel, dass sie nicht da war.

„Ich habe sie den ganzen Nachmittag nicht gesehen", sagte Eric.

„Beim Abendessen war sie auch nicht", stimmte Lily ihm zu.

„Redet ihr von Emma Bennett?", fragte ein Erstklässler, der ihr Gespräch wohl mitangehört hatte.

Die drei nickten.

„Die wurde heute nach Kräuterkunde so verhext, dass sie jetzt zusammen mit Luke Baker im Krankenflügel liegt", erzählte der Junge, „Man konnte ihr Gesicht kaum noch erkennen. Das war echt nicht schön. Ich glaube eigentlich sollte der Fluch mich treffen, weil ich muggelstämmig bin."

Lily, Colin und Eric sahen sich erschrocken an.

„Jack Pentley, oder?", fragte Eric.

„Ja", sagte er Junge.

„Weißt du, wer sie angegriffen hat?"

„Ja, Pavo Evoy und Ruben Nott."

Lily, Colin und Eric tauschten Blicke.

„Wir sollten sie im Krankenflügel besuchen", sagte Colin.

Lily sah ihn an und nickte dann langsam.

„Das mit den Anschlägen und Angriffen ist inzwischen viel zu weit gegangen", sagte sie nachdenklich.

„Na, deshalb muss man sich ja immer zur Wehr setzen", tauchte jemand hinter ihr auf, „Hey Colin, hi Lily!"

Es war Oliver McKinnon.

„Wir haben Pavo Evoy versucht Manieren beizubringen", erklärte er, „Aber wir wurden dann belehrt Anstand zu zeigen und uns nicht an Erstklässlern zu vergehen. Das hat man nun davon. Nun liegen unsere Erstklässler im Krankenflügel."

„Ich finde ja, wir sollten es denen doch noch einmal zeigen", sagte Steven Thomson, „Wenn wir es nicht machen, dann macht es keiner."

„Kann ich mitkommen?", fragte Colin seinen Bruder hoffnungsvoll und Lily warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.

Sie hatte nie gut geheißen, was Oliver und Steven taten, und jetzt, wo Colin bei ihnen mitmachen wollte, konnte sie auch das nicht unterstützen. Andererseits hätte sie sagen können, dass es nichts brachte, einen weiteren Angriff auf einen Slytherin-Erstklässler zu starten, wo das Problem doch weitaus größer war. Letztendlich war sie jedoch auch der Meinung, dass, wenn Evoy und Nott dafür gesorgt hatten, dass Emma nun im Krankenflügel lag, dass sie eine kleine Abreibung verdient hätten, wie auch immer diese am Schluss aussah.

„Ach, das lass mal lieber", winkte Steven sofort ab.

Olivers Blick blieb eine Weile lang auf Colin ruhen, dann schüttelte er den Kopf.

„Lass das mal unsere Sorge sein", sagte Oliver, verabschiedete sich und verschwand anschließend mit Steven hinauf in die Schlafsäle.

In den nächsten Tagen besuchten sie Emma wenigstens einmal am Tag, um ihr im Krankenflügel Gesellschaft zu leisten. Spätestens Ende der Woche hatten es auch Pavo Evoy und Ruben Nott dorthin geschafft, doch Lily, Colin und Eric verkniffen sich jegliches Kommentar dazu. Sie taten einfach so, als hätten sie überhaupt keine Ahnung, wie es dazu gekommen war und wer wohl dahinter stecken könnte.

Es dauerte jedoch nur wenige Tage mehr, als die nächste schlechte Nachricht eintrudelte. Als Lily, Colin und Eric am Donnerstagmorgen die Große Halle betraten, herrschte ein riesiger Tumult um den Eingang.

Nachdem sich die drei durch die Massen an Schülern hindurchgedrängt hatten, sahen sie in giftgrünen Lettern aus Morungorblut erneute Sätze an die Wand geschrieben:

Ich hatte euch ja vorgewarnt, nun sind zwei von euch enttarnt.

Durch den Spiegel hab' ich sie genommen, ihr werdet sie nie wieder bekommen.

Die meisten Schüler waren kreidebleich und starrten nur erschrocken auf die Buchstaben.

„Was meint er mit zwei von uns sind enttarnt?", fragte Colin.

„Sie haben zwei Schüler entführt", erklärte Dominique, die hinter ihnen stand.

„Weiß man schon wer und aus welchem Haus?", fragte Lily neugierig.

Sie nickte und warf Colin einen mitleidigen Blick zu.

„Oliver McKinnon und Steven Thomson aus Gryffindor."