Personen: James Potter, Gracie Connor, Madeleine Towler, Marius Proudfoot, Fred Weasley
Zuordnung: Teil 1, Kapitel 6
Schachmatt
James war der Letzte seiner Quidditchmannschaft, der an diesem Abend zurück in den Gemeinschaftsraum kam. Es war spät und ausnahmsweise war dieser einmal so gut wie leer.
„Komm schon Maddie, eine Runde noch", vernahm er Gracies Stimme, die offenbar ihre beste Freundin Madeleine anflehte, eine weitere Partie Zauberschach mit ihr zu spielen.
„Sorry Gracie, aber ich bin müde. Frag doch James!"
Beim Klang seines Namens zuckte James fast zusammen, denn er hätte nicht gedacht, dass ihn heute noch jemand ansprechen würde.
Gracie drehte sich zu ihm herum.
„Spielst du eine Runde Schach mit Gracie?", fragte Madeleine ihn, während sie rückwärts die Treppen zum Schlafsaal hinaufging.
Bevor James antworten konnte, war sie tatsächlich verschwunden.
„Ähm", verlegen verwuschelte James sich seine Haare am Hinterkopf, während er erwartungsvoll zu Gracie hinüberblickte.
„Also von mir aus gern", sagte er, „ich würde mich nur ganz kurz umziehen."
Er deutete dabei auf seinen völlig verdreckten Quidditchumhang, der von oben bis unten voller Schlamm war.
„Ja", sagte Gracie, „Ich warte hier."
Eilig lief James hinauf in den Schlafsaal, warf seine Robe achtlos auf den Boden und kramte nach halbwegs normalen und bequemen Sachen. In die Hand fielen ihm dabei eine Jogging-Hose und sein letzter Weasley-Pulli mit einem goldenen J drauf. Schnell zog er sich an, bevor er wieder nach unten hastete.
„Was ist denn mit dir los?", fragte Marius belustigt.
„Schleichen wir uns unter dem Tarnumhang raus und machen irgendetwas Interessantes?", fragte Fred, „nicht heute James, ich bin zu müde."
Doch James schüttelte den Kopf.
„Nein, Gracie hat mich gefragt, ob ich mit ihr Zauberschach spiele."
„Du kannst doch gar kein Schach", warf Fred belustigt ein und Marius kicherte dämlich.
„Viel Spaß", rief er James hinterher, als der schon aus der Tür hinaus war.
Was Fred gesagt hatte, stimmte nicht. Er konnte sehr wohl Zauberschach spielen, nur eben nicht besonders gut.
„Okay, ich bin da", sagte James und ließ sich auf den Stuhl gegenüber von Gracie fallen.
„Super", sagte Gracie und James hatte den Eindruck, dass sie plötzlich etwas unsicher wirkte.
Er überlegte, ob er vorher schon einmal wirklich länger mit ihr allein gewesen war, kam jedoch zu dem Schluss, dass ihm keine Erinnerung in den Sinn kam. Das war auch einer der Gründe, warum er seit Jahren ein Date mit ihr wollte.
Plötzlich kam ihm eine Idee.
„Wie wäre es, wenn wir die Sache etwas spannender machen?", fragte James.
„Spannender?", fragte Gracie und zog die Brauen hoch.
„Ja. Wie wäre es, wenn sich der Gewinner etwas wünschen darf?"
Gracie musterte ihn einen Augenblick lang, nickte dann jedoch.
„Das klingt gut", sagte sie.
James wusste, dass sie Herausforderungen mochte, genau wie er. Außerdem wettete James ganz gern.
„Wenn ich gewinne, gehst du einmal mit mir aus", sagte er siegessicher.
„Und wenn ich gewinne, fragst du mich nicht mehr, ob ich mit dir ausgehe", lächelte Gracie ihn plötzlich an.
James schluckte.
Da hatte er sich wohl mal wieder in eine ganz blöde Situation gebracht.
Die Partie war lang und James gab sein Bestes. Aber es war viel mehr als nur eine Partie Schach. Es war das, was er seit Jahren gewollt hatte, einfach nur einmal einen Abend allein mit ihr zu verbringen.
Und sie unterhielten sich, unterhielten sich gut, lachten, redeten über all die Dinge, die sie in den letzten Jahren gemeinsam erlebt hatten, und es fühlte sich einfach gut an, so als wäre es das Date, das James immer gewollt hatte.
Das Spiel war eine wahre Herausforderung und letztendlich hatte James gegen Gracie, die wirklich geübt im Schach war, einfach keine Chance.
Trotzdem fühlte es sich am Ende nicht so an, als hätte er wirklich verloren.
„Danke für das Spiel", sagte er, nachdem sein König sich geschlagen gegeben hatte.
„Gern wieder", sagte Gracie und musterte ihn, während sie zusammenräumte.
James hatte den Eindruck, sie wollte ihm noch irgendetwas anderes sagen, etwas, das sie nicht über die Lippen brachte.
„Ich glaube, ich gehe dann mal schlafen", sagte sie plötzlich, „Gute Nacht, James."
„Gute Nacht, Gracie."
