Personen: James Potter, Gracie Connor, Fred Weasley, Marius Proudfoot, Lily Potter
Zuordnung: Teil 1, Kapitel 9
Pläne
Die Winterferien standen vor der Tür und für die meisten Hogwartsschüler war es nun Zeit, nach Hause zu fahren.
James saß neben Marius im Hogwartsexpress. Gegenüber von ihnen saßen Fred, der müde vor sich hinstarrte, und Gracie, die tief in ein Buch versunken war. Keine ihrer Freundinnen würde über die Ferien nach Hause fahren und so kam es, dass sie sich zu ihnen gesetzt hatte.
James starrte sie schon die ganze Zeit über an und überlegte.
Auch James' kleine Schwester Lily saß etwas abseits bei ihnen im Abteil. Sie hielt ihre Katze auf dem Schoß und kraulte sie, während diese zufrieden schnurrte.
Der jährliche Ball würde bald vor der Tür stehen und James hatte noch immer keine Begleitung. Erst gestern Morgen in Kräuterkunde hatte Professor Longbottom seine Schüler wieder daran erinnert und James wusste sofort, wen er fragen wollte. Es hatte bisher nur der richtige Zeitpunkt gefehlt.
„Wenn du deine OWL schaffen willst, solltest du vielleicht auch einmal lesen", schlug Gracie vor und sah von ihrem Buch auf.
James war klar, dass sie es gemerkt haben musste, dass er sie die ganze Zeit angestarrt hatte, und spürte ein wenig Hitze im Gesicht.
„Ich kann schon alles", behauptete er breit grinsend und schon griff er sich wie immer mit seiner rechten Hand an den Hinterkopf, was Gracie nur die Brauen hochziehen ließ.
Kurzum wandte sie sich wieder ihrem Buch zu.
„Na toll", dachte sich James.
Er hatte es mal wieder vermasselt. Sein Plan ihr zu zeigen, dass er gar nicht so arrogant war, wie sie immer dachte, lief einfach nie so, wie er ihn sich vorstellte.
Während Marius und Fred stumm über in lächelten, wandte er seinen Blick ab und sah aus dem Fenster.
Die Zeit verstrich nur langsam. Doch schon bald wurde es dunkel draußen und Schneeflocken fielen gegen die Fensterscheibe. Das Schweigen im Abteil war höchst unangenehm und erinnerte ihn ständig an sein Vorhaben. Er war schrecklich nervös. Wenn doch nur irgendwer irgendeine dumme Geschichte erzählen würde, doch es blieb totenstill. Nicht mehr lange und sie würden ankommen. James, Fred, Marius und Lily zogen ihre Winterumhänge an, während Gracie eine seltsame dicke Jacke aus ihrem Koffer hervorzog.
Es war Muggelkleidung, denn Gracie war muggelstämmig und empfand diese Kleidung als völlig normal.
Im dritten Schuljahr hatte James ihr einmal gesagt, dass er fand, dass Muggel seltsam aussahen und er ihren Kleidungsstil albern fand, wofür er sich jedoch von Gracie hatte anhören müssen, dass er nicht viel besser als die ganzen reinblütigen Slytherins sei und sein Umhang aussähe wie ein Kleid.
James hatte es eigentlich gar nicht so gemeint, wie sie es aufgefasst hatte, doch er war zu stolz gewesen, um sich zu entschuldigen.
Langsam kam der Zug am Bahnhof King's Cross zum Stehen. James gab Lily ihren Koffer und schickte sie schließlich nach draußen. Nach einer schnellen Verabschiedung gingen auch Marius und Fred und James war mir Gracie allein im Abteil.
Gerade hievte sie ihren Koffer von der Gepäckablage.
„Warte, ich helfe dir", beeilte sich James zu sagen und zog den Koffer mit einem Ruck von oben hinab auf den Fußboden.
„Danke, James!"
Sie wandte sich zum Gehen.
„Jetzt oder nie", schoss es ihm durch den Kopf.
„Hast du Lust, mich zum Ball zu begleiten?"
Wieder einmal waren die Worte, ohne auch nur vorher darüber nachzudenken, aus seinem Mund gepurzelt.
Gracie drehte sich zu ihm herum. Sie hatte einen seltsamen gequälten Gesichtsausdruck, was James dazu veranlasste sich nervös mit einer Hand durch die Haare zu fahren.
„Ich habe schon jemanden", antwortete Gracie und es dauerte eine Weile, bis es zu James vorgedrungen war.
„Wen?", platzte es sofort aus ihm heraus und er biss sich auf die Zunge.
„Maurice Corner aus Ravenclaw, ich glaube, du kennst ihn."
Er nickte widerwillig, während sich seine Eingeweide zusammenzogen.
„Ich muss jetzt langsam los. Mum und Dad warten sicher schon", sie machte eine kurze Pause, „Schöne Weihnachten, James!"
„Schöne Weihnachten!"
Sie verließ das Abteil und er blieb allein zurück.
James fühlte sich grausam schlecht, als er seinen Koffer über den verschneiten Bahnhof zu seiner Familie zog. Als er ankam, wollte seine Mutter ihn in eine Umarmung ziehen, doch er wandte sich hinaus. Das hätte ihm gerade noch gefehlt. Wenn das irgendjemand gesehen hatte! Wenn Gracie das gesehen hatte! Was würden sie dann von ihm denken? Peinlich berührt sah er sich um, doch seine Mutter lächelte nur.
